Der Prozess des Requirements Engineerings zur Ablösung eines alten ERP-Systems


Ausarbeitung, 2018

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Ausgangssituation
1.2 Ziel- und Aufgabenstellung
1.3 Aufbau der Arbeit

2. Grundlagen
2.1 Anforderung
2.2 Requirements Engineering
2.3 Requirements Engineer
2.4 ERP-System

3. Prozess des Requirements Engineerings
3.1 Anforderungen ermitteln
3.2 Anforderungen formulieren
3.3 Anforderungen prüfen und bewerten
3.4 Anforderungen verwalten

4. Fazit
4.1 Zusammenfassung
4.2 Kritische Reflexion

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Klassifikation von Anforderungen

Abbildung 2: Übersicht eines ERP-Systems

Abbildung 3: Systemkontext des neuen Systems

Abbildung 4: Vorlage für die Beschreibung einer einzelnen Anforderung

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Empfehlungsmatrix analytische Techniken für Qualitätskriterien

1. Einleitung

1.1 Ausgangssituation

Das Requirements Engineering (RE) ist mittlerweile eine eigene Disziplin mit anspruchsvollen Tätigkeiten geworden. Studien belegen, dass etwa 60% der Fehler in Systementwicklungsprojekten bereits im Requirements Engineering entstehen.1 Viel zu oft zerbricht man sich vorschnell den Kopf über eine Lösung – ohne verstanden zu haben, welches Problem konkret gelöst werden muss.2 Deshalb ist es wichtig, schon am Beginn eines Projektes die Anforderungen des Kunden zu verstehen und diese strukturiert zu verwalten. Viele Unternehmen haben die Wichtigkeit des RE bereits erkannt und für diese Tätigkeiten spezialisierte Requirements Engineers eingestellt.

1.2 Ziel- und Aufgabenstellung

Im vorliegenden Assignment „Deterministische Produktion“ soll der Prozess des Requirements Engineerings zur Ablösung eines alten ERP-Systems dargestellt werden. Als Teil der Ausarbeitung werden ein schrittweises Vorgehen, verschiedene Methoden und die erforderliche Dokumentation beschrieben. Die Anforderungsanalyse wird anhand eines fiktiven mittelständischen Handelsunternehmens für Spezialwerkzeuge, welches seine Produkte hauptsächlich über den Webshop betreibt, skizziert.

1.3 Aufbau der Arbeit

Im zweiten Kapitel werden die Grundlagen des Requirements Engineerings und im Speziellen die Tätigkeiten des Requirements Engineers erläutert, um den Prozess des RE verstehen zu können. Dazu werden in Kapitel drei das Ermitteln, Formulieren, Prüfen, Beurteilen und Dokumentieren von Anforderungen im Falle des mittelständischen Unternehmens dargestellt. Im letzten Abschnitt wird das Assignment zusammengefasst und kritisch reflektiert.

2. Grundlagen

2.1 Anforderung

Bevor in die Anforderungsanalyse eingestiegen werden kann, ist es notwendig, den Begriff Anforderung zu definieren. Eine Anforderung beschreibt, was der Kunde oder Benutzer vom Produkt erwartet (Bedingungen, Attribute, Ziele, Nutzer etc.) und ist definiert als:3

- Eine Eigenschaft oder Bedingung, die von einem Benutzer (Person oder System) zur Lösung eines Problems oder zum Erreichen eines Ziels benötigt wird.
- Eine Eigenschaft oder Bedingung, die ein System oder eine Systemkomponente erfüllen muss, um einen Vertrag, eine Norm, eine Spezifikation oder andere formell vorgegebene Dokumente zu erfüllen.
- Eine dokumentierte Repräsentation einer Eigenschaft oder Bedingung, wie in den ersten beiden Punkten beschrieben.

Man unterscheidet zwischen funktionalen und nicht-funktionalen Anforderungen. Funktionale Anforderungen beschreiben eine im System bereitzustellende Funktion, wie bspw. die Kategorisierung der Spezialwerkzeuge im System. Nicht-funktionale Anforderungen, auch qualitative Anforderungen genannt, ergänzen die funktionalen Anforderungen. Beispiele hierfür sind Zuverlässigkeit oder Verfügbarkeit. In Abbildung 1 werden die Anforderungen klassifiziert und zwischen interner und externer Sicht unterschieden.4

Es muss eine klare Trennung zwischen Anforderung und Lösung geben. Eine Anforderung beschreibt einen Nutzen oder ein Bedürfnis, das erreicht werden soll. Es geht zuerst um die Anforderung bzw. um das zugrundeliegende Problem, bevor es mit der Lösungsfindung im nächsten Schritt weiter geht.

Abbildung 1: Klassifikation von Anforderungen

2.2 Requirements Engineering

Das International Requirements Engineering B oard ( IREB) definiert die Disziplin des Requirements Engineerings (RE) wie folgt:

Das Requirements Engineering ist ein systematischer und disziplinarer Ansatz zur Spezifikation und zum Management von Anforderungen mit den folgenden Zielen:

- die relevanten Anforderungen zu kennen, Konsens unter den Stakeholdern über die Anforderungen herzustellen, die Anforderungen konform zu vorgegebenen Standards zu dokumentieren und die Anforderungen systematisch zu managen,
- die Wünsche und Bedürfnisse der Stakeholder zu verstehen und zu dokumentieren,
- die Anforderungen zu spezifizieren und zu managen, um das Risiko zu minimieren, ein System auszuliefern, das nicht den Wünschen und Bedürfnissen der Stakeholder entspricht.5

Herrmann, Knauss und Weißbach sehen zudem die Tätigkeiten zur Auflösung von Unstimmigkeiten, zur Verifikation und zur Validierung von Anforderungen (z.B. Anforderungsreviews) als Teil des Requirements Engineerings.6

Die meisten und typischen Probleme beim RE können unter anderem unklare Zielvorstellungen, sich ständig ändernde Ziele und Anforderungen sowie die schlechte Qualität der Anforderungen sein. Um letzteren Punkt zu vermeiden und um überprüfen zu können, ob die geschriebenen Anforderungen gut sind, wurde ein Qualitätsstandard entwickelt. In der ISO/IEC/IEEE 29148-2011 wurden folgende Qualitätskriterien für einzelne Anforderungen definiert:7

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Festzuhalten ist, dass das Requirements Engineering ein wichtiger Schlüssel für ein erfolgreiches Projekt ist. Diese Aufgaben sollen Requirements Engineers übernehmen und die Anforderungen mit den oben genannten Qualitätskriterien erstellen und verwalten.

2.3 Requirements Engineer

Der Requirements Engineer verbindet in vielen Projekten unterschiedlichste Bereiche miteinander: Er ist Mittler zwischen Welten und hat mehrere interne und externe Schnittstellen. Der Requirements Engineer ist die Schnittstelle zwischen dem Kunden und der internen Entwicklung.

Der Requirements Engineer hat in den meisten Fällen den größten fachlichen Einfluss auf die Systementwicklung. Er erhebt und dokumentiert die Wünsche und Anforderungen der Stakeholder, moderiert und vermittelt zwischen Stakeholdern und allen Projektbeteiligten und arbeitet als Katalysator für Entscheidungen der Stakeholder.8

Nach IREB benötigt eine Person, die die Rolle ausfüllen möchte, neben den fachlichen und methodischen Kompetenzen, folgende Eigenschaften:9

- Analytisches Denken
- Selbstbewusstsein
- Empathie
- Moderationsfähigkeit
- Überzeugungsfähigkeit
- Kommunikationsfähigkeit
- Konfliktlösungsfähigkeit

2.4 ERP-System

ERP-Systeme sind heute ein zentraler Bestandteil in der IT-Landschaft von Unternehmen. In vielen Unternehmen ist das ERP-System sogar das umfassendste Informationssystem, sowohl in Bezug auf die finanzielle Investition als auch auf die beteiligten Mitarbeiter. Zwei Merkmale kennzeichnen ein ERP-System, zum einen die hohe Integrität und zum anderen der Einsatz von Standardsoftware.10 Die strategische Bedeutung von ERP-Systemen in der Arbeitswelt kann nicht hoch genug eingeschätzt werden.11 Leiting stellt in diesem Zusammenhang fest, dass sich die hohen Wettbewerbsanforderungen an ein Unternehmen nur noch mit komplexen ERP-Systemen erfüllen lassen. Allerdings birgt die Implementierung von ERP-Systemen eine Vielzahl an Risiken, die in Ausnahmefällen bis zur Unternehmensinsolvenz führen können.12 In Abbildung 2 werden die wichtigsten Teile eines ERP-Systems aufgelistet:13

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Übersicht eines ERP-Systems

3. Prozess des Requirements Engineerings

3.1 Anforderungen ermitteln

Das Ziel der Anforderungsermittlung ist es, alle gewünschten Funktionen, Eigenschaften, Randbedingungen und Erwartungen zu ermitteln und in einem Zusammenhang mit der Produktvision zu verstehen.14

3.1.1 Ziele

Bei dem mittelständischen Handelsunternehmen soll ein neues ERP-System konzipiert werden, sodass das aktuelle System abgelöst werden kann. Dieses soll die ermittelten benötigten Funktionalitäten abdecken und die Prozesse in den verschiedenen Bereichen unterstützen.

3.1.2 Quellen

Um den Umfang und den Aufwand überblicken zu können, ist eine Systemanalyse zwingend notwendig. Dabei können Systeme in Betrieb, Dokumente und Stakeholder wichtige Quellen für die Spezifikation sein. Das momentan genutzte System liefert durch den täglichen Gebrauch die nötigen Daten, um die Anforderungen an das ERP-System formulieren zu können. Auch Dokumente können wichtige Informationen wie Systemfunktionalitäten, Funktionsbeschreibungen, Normen, Standards oder frühere Begründungen von Entscheidungen des Systems beinhalten. Stakeholder sind die Wissensträger und die prozessbeteiligten Personen. Um diese herauszufinden, eignet sich im Vorfeld eine Stakeholderanalyse.15

3.1.3 Abgrenzung

Zusammen mit den Stakeholdern müssen der Umfang und die Grenzen des Systems definiert werden, was nicht immer einfach ist, da verschiedene Stakeholder oder Bereiche eigene Interessen verfolgen. Durch das gemeinsame erarbeiten der Erfolgsfaktoren sollte ein Konsens erzielt werden. Danach werden Systemkontext und Systemgrenze abgestimmt. Die Systemgrenze trennt das geplante System von seiner Umgebung. Sie grenzt den im Rahmen des Entwicklungsprozesses gestaltbaren und veränderbaren Teil der Realität von Aspekten in der Umgebung ab, die durch den Entwicklungsprozess nicht verändert werden können. Dies wird in Abbildung 3 veranschaulicht.16

[...]


1 Vgl. Pohl, Klaus & Rupp, Chris: Basiswissen Requirements Engineering: Aus- und Weiterbildung nach IREB-Standard zum Certified Professional for Requirements Engineering Foundation Level“, dpunkt.verlag Heidelberg, 2015, Kapitel 1.1.1

2 Vgl. Ebert, Christof: „Systematisches Requirements Engineering. Anforderungen ermitteln, spezifizieren, analysieren und verwalten“, 4. Auflage, dpunkt.verlag Heidelberg, 2012, Seite 1

3 Vgl. Ebert, Christof: „Systematisches Requirements Engineering. Anforderungen ermitteln, spezifizieren, analysieren und verwalten“, 4. Auflage, dpunkt.verlag Heidelberg, 2012, Seite 23

4 Vgl. Ebert, Christof: „Systematisches Requirements Engineering. Anforderungen ermitteln, spezifizieren, analysieren und verwalten“, 4. Auflage, dpunkt.verlag Heidelberg, 2012, Seite 31

5 Vgl. Rupp, Chris & die SOPHISTen: „Requirements-Engineering und -Management. Aus der Praxis von klassisch bis agil“, 6. Auflage, Carl Hanser Verlag München, 2014, Seite 13

6 Vgl. Herrmann, Andrea; Knauss, Eric & Weißbach, Rüdiger: „Requirements Engineering und Projektmanagement“, Springer Verlag Berlin Heidelberg, 2013, Seite 9

7 Vgl. Rupp, Chris & die SOPHISTen: „Requirements-Engineering und -Management. Aus der Praxis von klassisch bis agil“, 6. Auflage, Carl Hanser Verlag München, 2014, Seite 26

8 Vgl. Rupp, Chris & die SOPHISTen: „Requirements-Engineering und -Management. Aus der Praxis von klassisch bis agil“, 6. Auflage, Carl Hanser Verlag München, 2014, Seite 11

9 Vgl. Pohl, Klaus & Rupp, Chris: Basiswissen Requirements Engineering: Aus- und Weiterbildung nach IREB-Standard zum Certified Professional for Requirements Engineering Foundation Level“, dpunkt.verlag Heidelberg, 2015, Kapitel 1.3

10 Vgl. Hecht, Sonja: „Ein Reifegradmodell für die Bewertung und Verbesserung von Fähigkeiten im ERP-Anwendungsmanagement,Informationsmanagement und Computer Aided Team“, Springer Fachmedien Wiesbaden, 2014, Seite 9

11 Vgl. Mathieu, Markus: „Aufgabenbezogene Leistung in ERP-gestützten Arbeitsprozessen: Eine empirische Analyse am Beispiel der dispositiven Auftragsbearbeitung“, Springer-Verlag, 2014, Seite 1

12 Vgl. Leiting, Andreas: „Unternehmensziel ERP-Einführung: IT muss Nutzen stiften“, Springer-Verlag, 2012, Seite 50

13 Vgl. Microtech: „ERP-Wiki“, https://www.microtech.de/erp-wiki/erp, online am 02.08.2018

14 Vgl. Ebert, Christof: „Systematisches Requirements Engineering. Anforderungen ermitteln, spezifizieren, analysieren und verwalten“, 4. Auflage, dpunkt.verlag Heidelberg, 2012, Seite 58

15 Vgl. Herrmann, Andrea u.a.: „Requirements Engineering und Projektmanagement“, Springer Verlag Berlin Heidelberg, 2013, Seite 30

16 Vgl. Rupp, Chris & die SOPHISTen: „Requirements-Engineering und -Management. Aus der Praxis von klassisch bis agil“, 6. Auflage, Carl Hanser Verlag München, 2014, Seite 87

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Der Prozess des Requirements Engineerings zur Ablösung eines alten ERP-Systems
Hochschule
AKAD University, ehem. AKAD Fachhochschule Stuttgart
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
16
Katalognummer
V591204
ISBN (eBook)
9783346206961
ISBN (Buch)
9783346206978
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ablösung, engineerings, erp-systems, prozess, requirements
Arbeit zitieren
Dominik Wolter (Autor), 2018, Der Prozess des Requirements Engineerings zur Ablösung eines alten ERP-Systems, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/591204

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