Nach dem Zusammenbruch der sozialistischen Planwirtschaften in Osteuropa Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre, begannen die betroffenen Staaten mit einer ökonomischen als auch politischen Systemtransformation. Dabei strebten diese Länder an, westlichen Bündnissen und Gemeinschaften, wie beispielsweise der Nato und der Europäischen Union (EU) beizutreten (vgl.Iris Kempe, Wim van MeursundBarbara von Ow(1999: 25)). Die EU betrachtet eine solche Erweiterung auch als für sich vorteilhaft. Gründe dafür sind beispielsweise die zu erwartenden wirtschaftlichen Impulse einer Erweiterung (vgl.Deutscher Industrie- und Handelstag(2002: 5f)), die politische Einflusssteigerung der EU auf globaler Ebene, die Stabilisierung der mittel- und osteuropäischen Transformationsländer und damit die Bewahrung des Friedens in Europa. Deshalb unterstützt die EU die Beitrittskandidaten Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Polen, die Tschechische Republik, Rumänien, Slowakei, Slowenien und Ungarn bei diesem Vorhaben. Mit einer Erweiterung der EU verschieben sich allerdings deren Außengrenzen weiter nach Osten. Die zukünftigen direkten Nachbarn der Union werden ebenfalls Transformationsländer sein, deren politische und ökonomische Systeme noch als weitaus instabiler als die der o. g. Beitrittskandidaten gelten. Da die EU sowohl aus sicherheitsals auch wirtschaftspolitischen Gründen, Konflikte und wirtschaftliche Turbulenzen von ihrem Territorium fernhalten möchte, unterstützt sie auch diese Staaten. Stabilisieren sich diese Länder, so werden auch die Außengrenzen der EU geschützt. Dies hat gleichzeitig positive Effekte für die Union. Man kann somit im Zusammenhang mit der Stabilisierung der Nachbarländer und Außengrenzen von einem öffentlichen Gut für die Union oder sogar für ganz Europa sprechen (vgl.Europäische Kommission:Strategiepapier zur Erweiterung - Bericht über die Fortschritte jedes Bewerberlandes auf dem Weg zum Beitritt (2001: 8f)). In der politischen Diskussion und den ökonomischen Analysen konzentrierte man sich bisher hauptsächlich auf die EU-Förderprogramme zur Unterstützung der Beitrittskandidaten und vernachlässigte weitgehend die Programme zur Unterstützung der zukünftigen EU-Nachbarländer. Die vorliegende Arbeit setzt genau an diesem weitgehend vernachlässigten Punkt an und analysiert die Wirkungsweisen der EU-Förderung für die zukünftigen Nachbarregionen der EU. Dabei konzentrieren wir uns auf das EU-Förderprogramm TACIS. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Betrachtung ausgewählter EU–Programme
3. Das TACIS-Programm
3.1 Der historischer Hintergrund
3.2 Die Ziele des Programms
3.3 Maßnahmen zur Erreichung der TACIS-Ziele
3.3.1 Das Kooperationsprogramm aus TACIS und PHARE
3.3.2 Das TACIS–Twinning–Programme
3.3.3 Das TACIS Manager’s Training Programme (MTP)
3.3.4 TACIS – Bistro
4. Kritik an TACIS
5. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert das EU-Förderprogramm TACIS und dessen Wirkungsweise im Kontext des Transformationsprozesses in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion sowie der Mongolei. Das primäre Ziel besteht darin, die Effektivität des Programms kritisch zu untersuchen, seine Einordnung in die EU-Politik zu verdeutlichen und Schwachstellen in der Umsetzung aufzuzeigen.
- Historische Entwicklung und Einordnung des TACIS-Programms
- Systematische Gegenüberstellung mit anderen EU-Förderprogrammen wie PHARE, ISPA und SAPARD
- Detaillierte Untersuchung der Maßnahmen und Unterprogramme (z.B. Twinning, MTP, BISTRO)
- Kritische Analyse der Implementierungsprobleme und bürokratischer Hürden
Auszug aus dem Buch
3.1 Der historische Hintergrund
Die Anfänge des TACIS–Programms liegen bereits im Jahre 1988. Damals nahm die EU offizielle Beziehungen zur UdSSR auf, was in Form eines Handels- und Kooperationsabkommens geschah (vgl. Armin Laschet (2000)). Zu diesem Zeitpunkt war zwar noch kein Förderprogramm für diese Region vorgesehen, doch da TACIS sich auf die Nachfolgestaaten der UdSSR bezieht, und diese später die zu diesem Zeitpunkt ausgehandelten Verträge unterzeichneten und somit übernahmen, müssen diese offiziellen Kontakte als Geburtsstunde von TACIS gesehen werden. Durch diese Abkommen wollte die EU die Außengrenzen sichern sowie die nukleare Sicherheit garantieren.
Im Jahre 1990 legten die Mitglieder des Europäischen Rates die Grundsteine für das technische Hilfsprogramm TACIS. Hierfür wurden die Wirtschaftslage und der Stand der Transformationsprozesse mit Hilfe der politischen Führung der UdSSR bewertet. Im darauffolgenden Jahr wurde die rechtliche Grundlage für TACIS vom Europäischen Rat geschaffen. Schon in diesem Jahr (1991) wurden 400 Millionen ECU (European Current Units) für die nächsten vier Jahre von der Union zur Verfügung gestellt (vgl. Yvette Gerner (1997: 101)). Diese wurden damals auf fünf Hauptbereiche (Energiewirtschaft (115,0 Mio. ECU), Ausbildung (103,0 Mio. ECU), Vertrieb von Nahrungsmitteln (74,0 Mio. ECU), Transport (45,8 Mio. ECU) und Finanzdienstleistungen (37,5 Mio. ECU)) verteilt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Darstellung der Ausgangslage nach dem Zusammenbruch der Planwirtschaften und der Notwendigkeit einer Stabilisierung der neuen Nachbarregionen durch die EU.
2. Betrachtung ausgewählter EU–Programme: Systematischer Vergleich der EU-Förderinstrumente PHARE, ISPA, SAPARD und CARDS, um das Programm TACIS in den Kontext der europäischen Strukturhilfen einzuordnen.
3. Das TACIS-Programm: Umfassende Analyse der Genese, der strategischen Ziele sowie der operativen Maßnahmen und Unterprogramme zur wirtschaftlichen und demokratischen Transformation.
4. Kritik an TACIS: Kritische Beleuchtung der Implementierungsschwierigkeiten, bürokratischer Hürden bei der Projektvergabe und der Verteilungspraxis an westliche Firmen.
5. Schlussbemerkung: Zusammenfassende Bewertung der Wirksamkeit von TACIS trotz bestehender gravierender Umsetzungsprobleme und abschließende Würdigung des Know-how-Transfers.
Schlüsselwörter
TACIS, Europäische Union, Transformation, GUS-Staaten, Strukturhilfe, Systemtransformation, Projektförderung, Institutionenaufbau, Demokratisierung, wirtschaftliche Entwicklung, Know-how-Transfer, Projektvergabe, EU-Erweiterung, Osteuropa, Zentralasien
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das EU-Förderprogramm TACIS, das dazu dient, die wirtschaftliche und demokratische Transformation in den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion und der Mongolei zu unterstützen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die historische Einordnung von TACIS, die Verknüpfung von EU-Sicherheitspolitik mit Entwicklungszielen, der Vergleich mit anderen EU-Programmen sowie die praktische Umsetzung von Projekten in den Partnerländern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine fundierte Analyse der Effektivität von TACIS-Maßnahmen und die Identifikation von Schwachstellen in der administrativen Abwicklung, um den Nutzen und die Herausforderungen des Programms aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie einer deskriptiven Auswertung von Daten zu Budgetzuweisungen und Projektabschlüssen, ergänzt durch vergleichende Tabellen und Diagramme.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine vergleichende Einordnung der EU-Programme, die historische Analyse von TACIS, eine detaillierte Vorstellung der Maßnahmen (Twinning, MTP, BISTRO) und eine kritische Diskussion der Implementierungspraxis.
Durch welche Begriffe lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Systemtransformation, EU-Außenpolitik, technische Hilfe, Projektmanagement und Strukturwandel charakterisieren.
Welche Rolle spielen die Unterprogramme wie Twinning oder MTP?
Diese Unterprogramme ermöglichen eine spezifischere Zielansprache. Während Twinning auf institutionellen Aufbau zielt, konzentriert sich MTP auf die Ausbildung von Führungskräften, um den Know-how-Transfer zu erleichtern.
Welcher Kritikpunkt wird bezüglich der Auftragsvergabe geäußert?
Ein zentraler Kritikpunkt ist die bevorzugte Vergabe von Projekten an westliche Consultingfirmen sowie eine mangelnde Transparenz, die es lokalen Unternehmen erschwert, von den Fördergeldern zu profitieren.
- Quote paper
- Ursula Menhart (Author), 2003, Das TACIS-Programm und der Transformationsprozess in Osteuropa und Zentralasien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59120