Diese Arbeit ist als „Thema freier Wahl“ mit unterstützung
des Institus für Tragwerksplanung von Prof. Berthold
Burkhardt, entstanden.
„Sanierung eines Bauerhauses“ ist der Titel der Arbeit.
Ursprünglich war es angedacht nur einige Umbauvorschläge
für das Obergeschoß des Wohnhauses zu erstellen,
doch durch mehrere Besuche vor Ort, wurde
schnell klar, dass auch andere Teile des Hauses Verbesserungen
benötigen.
In Steinfeld, einem kleinen Dorf im Landkreis Rotenburg/
Wümme in Niedersachsen, soll auf dem landwirtschaftlichen
Betrieb einer Familie das Dachgeschoß des
Wohnhauses zu einer separaten Wohnung ausgebaut
werden.
Heute, wo Sanierung und Umbau immer wichtiger
werden, da die Kinderzahlen in Deutschland sinken und
der Trend dazu gehen sollte die vorhandene Bausubstanz
zu übernehmen anstatt neu zu Bauen und mehr
Leerstände hervorzurufen, ist es für mich sehr wichtig
herauszufinden, wie man behutsam ein altes Gebäude
an die Anforderungen der heutigen Zeit anpassen
kann.
Das Haus, um das es in dieser Arbeit geht, wurde um
1890, ursprünglich als Hallenhaus, erbaute und durch
diverse Um- und Anbauten mit der Zeit sehr verändert.
Diese Veränderungen, sowie die historische Einordnung
des Gebäudes sind Schwerpunkte meiner Arbeit.
Da das Haus schon über hundert Jahre alt ist, wird
im Zuge der geplanten Umbauarbeiten auch überprüft,
welche Bauschäden vorhanden sind, wo genau die
Ursachen liegen und durch welche Maßnahmen diese
sinnvoll beseitigt werden können.
Durch Veränderungen und vor allem Verbesserungen
in der Landwirtschaft, haben sich mit der Zeit die Menschen,
die auf den Höfen leben, von Generation zu
Generation weiterentwickelt. Das früher so praktische
Wohnen und Wirtschaften unter einem Dach könnte
sich heute niemand mehr vorstellen. Der Geruch durch
das Vieh sowie dessen Fäkalien galt als unhygienisch
und zog so manches Ungeziefer an.
Mit der Veränderung der Menschen, der Technik und
der Hygienebedingungen, änderte sich auch der Anspruch
an die Gebäude. Man lagerte den Wirtschaftsbereich
aus in separate Gebäude und strebte eine striktere
Trennung des Wohnens und Arbeitens an.
Ob dieser Wandel der Zeit sich auch in dem Haus dieserFamilie
vollzogen hat, soll sich im Laufe der Arbeit
herausstellen. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Analyse des Bestandes
2.1 Regionale Einordnung/Standort des Gebäudes
2.2 historische Einordnung des Gebäudes
2.3 Tragwerk/Konstruktion/Materialien
2.3.1 Mauerwerk
2.3.2 Dachkonstruktion
2.3.3 Brandschutz
2.3.4 architektonische Elemente
2.4 Umbaumaßnahmen im Laufe der Jahre
3. Analyse der Bauschäden und Lösungsvorschläge
3.1 Feuchtigkeit an einer Innenwand
3.2 Schäden durch Feuchtigkeit an Teilen der Außenwände des Anbaus
3.3 Wassereintritt an der Terrassentür
3.4 Mangelnde Dichtigkeit an den Fensterbänken der Gaubenfenster
4. Umbauvorschläge
4.1 Obergeschoß und Spitzboden
5. Nachwort
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, ein historisches Hallenhaus aus dem Jahr 1890 durch eine behutsame Sanierung an moderne Wohnanforderungen anzupassen und dabei bestehende Bauschäden systematisch zu identifizieren sowie nachhaltige Lösungsvorschläge zu erarbeiten.
- Historische Entwicklung und Konstruktionsmerkmale des niedersächsischen Hallenhauses
- Dokumentation der baugeschichtlichen Veränderungen über 120 Jahre
- Analyse bauphysikalischer Schäden durch Feuchtigkeit und Kondensat
- Entwicklung von Sanierungskonzepten unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes
- Planung eines modernen Ausbaus von Obergeschoss und Spitzboden
Auszug aus dem Buch
2.2 Historische Einordnung
Das niedersächsische Hallenhaus, welches in den landwirtschaftlichen Regionen Norddeutschlands der weitverbreiteste Haustyp der vergangenen Jahrhunderte war (4), liegt auch dem von mir untersuchtem Gebäude zugrunde. Die Urform des Hallenhauses bestand ohne Zwischendecken oder raumtrennende Wände. Der Blick war von der Diele bis unter den First freigegeben und somit entstand der Begriff der Halle.
Im vorderen Bereich des Hauses, dem sogenannten Wirtschaftsteil, befanden sich Stallungen, eine Diele und ein Bodenbereich (Bergeraum) zur Lagerung von Getreide, Heu oder anderen Erntegütern. Vom 11. Jh bis zum 14 Jh. ging man dazu über die Ernte nicht mehr am Boden zu lagern, sondern den trocknen Dachbereich des Hallenhauses dafür zu nutzen. Aus diesem Grund wurde die schon vorhandene Balkenlage mit einem Bodenbelag geschlossen, aber der Begriff des Hallenhauses blieb.
Der hintere Bereich war der Wohnteil, in dem man kochte, aß, wusch, schlief und handarbeitete. Es gab keine Trennung zwischen dem Bereich für die Menschen und denen des Viehs (5). So war es dem Bauern ständig möglich den Wirtschaftsbereich im Auge zu haben und zu kontrollieren. Lediglich zum schlafen hatte man kleine Nischen, die z.B. durch einen Vorhang geschlossen werden konnten (6).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Einführung in den Anlass der Arbeit, den Standort des Projekts und die Motivation zur Auseinandersetzung mit historischer Bausubstanz.
2. Analyse des Bestandes: Umfassende Untersuchung der regionalen Einordnung, historischen Entwicklung sowie der konstruktiven Beschaffenheit und der über die Zeit erfolgten Umbauten.
3. Analyse der Bauschäden und Lösungsvorschläge: Detaillierte Identifikation spezifischer baulicher Mängel sowie Herleitung fachgerechter, substanzschonender Sanierungsmethoden.
4. Umbauvorschläge: Konkrete Entwurfsplanung für den Dachausbau zu einer separaten Wohneinheit unter Beibehaltung der ursprünglichen Gebäudestruktur.
5. Nachwort: Reflexion über die Komplexität der Sanierung alter Häuser und die Bedeutung der Bewahrung historischer Fragmente.
Schlüsselwörter
Hallenhaus, Sanierung, Bauschäden, Baukonstruktion, Fachwerk, Feuchtigkeit, Denkmalschutz, Dachausbau, historische Bausubstanz, Klinker, Tragwerk, Umbaumaßnahmen, Baugeschichte, Wohnwirtschaftsgebäude, Nachhaltigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bestandsaufnahme und der Sanierungsplanung eines historischen niedersächsischen Hallenhauses aus dem Jahr 1890.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die historische Einordnung, die Analyse baulicher Veränderungen über 120 Jahre, die Ursachenforschung bei Bauschäden sowie architektonische Vorschläge für den modernen Wohnraumausbau.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie ein historisches Gebäude behutsam an moderne Wohnansprüche angepasst werden kann, ohne die ursprüngliche Bausubstanz zu zerstören.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine qualitative Untersuchung durch Vor-Ort-Besuche, Analyse historischer Pläne und Fotos sowie die Anwendung bauphysikalischer Erkenntnisse zur Schadensdiagnose.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Bestandsanalyse, die Untersuchung konkreter Feuchtigkeitsschäden und die Vorstellung von Entwürfen für die Umnutzung des Obergeschosses.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Hallenhaus-Architektur, Feuchtigkeitssanierung, Injektionsverfahren, Dachgaubenplanung und Denkmalkonservierung geprägt.
Wie geht die Arbeit mit den Feuchtigkeitsschäden im Erdgeschoss um?
Die Arbeit schlägt vor, die unterbrochene Horizontalsperre mittels eines Injektionsverfahrens zu reparieren, um aufsteigende Feuchtigkeit dauerhaft zu unterbinden.
Welche Rolle spielt die Terrasse für das Umbaukonzept im Obergeschoss?
Die geplante Terrasse dient nicht nur als neuer Wohnungseingang, sondern fungiert durch ihre Positionierung auch als Sonnenschutz für die darunterliegenden Wohnräume im Erdgeschoss.
- Quote paper
- Stefanie Meinke (Author), 2006, Sanierung eines Bauernhauses, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59131