Helden und Männlichkeit. Oder: Helden als Maske der Männlichkeit


Hausarbeit, 2004

16 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition

3. Ursprung und Entwicklung des Heldentums
3.1. Antike Helden
3.1.1. Mythologie
3.1.2. Religion
3.1.3. Märchen
3.2. Moderne Helden
3.2.1. Politik
3.2.2. Fernsehen
3.2.3. Sport

4. Hinter der Maske
4.1. Männertypen und -bilder
4.1.1. Der traditionelle Mann
4.1.2. Mann werden
4.1.3. Der neue Mann
4.1.4. Helden mal anders

5. Schlussbemerkung

6. Quellen

Freiheit und Verantwortung - Männlichkeit Seite: 2

"Unglücklich das Land, das keine Helden hat." "Unglücklich das Land, das Helden nötig hat."1

1 Einleitung

Die Zitate stammen aus Bertholt Brechts „Leben des Galilei“. Nachdem Galilei von der Heiligen Inquisition zum Widerruf seiner Lehre gezwungen wird, gibt er schließlich nach. Nach der öffentlichen Verkündigung seines Widerrufes kehrt Galilei zu seinen Schülern zurück, worauf sich o.g. Wortwechsel zwischen Schüler und Galilei ergibt. Die Schüler hätten Galilei gern als einen Helden gesehen, doch Galilei legte keinen Wert auf diesen „Status“.

Viele Männer sind der Meinung sie müssten Helden sein und ihr Leben als Einzelkämpfer meistern. „Der Mann steht vor einem Berg von Ansprüchen an seine Stärke, sein Stehvermögen, seine Durchsetzungskraft.“2Dieser Leistungsdruck ängstigt Männer und macht eine absolute Mehrheit von ihnen zu Verlierern, denn erfolgreich im männlichen Sinne können nur ganz wenige sein. Die Verlierer suchen einen Ausgleich, etwas mit dem sie ihren Frust kompensieren können, zum Beispiel versuchen sie über ihre Frauen, Kinder oder Untergebenen zu herrschen. Die versteckten Ängste und ihre Verzweiflung, die Erwartungen von den Eltern, Umwelt und den Frauen nicht erfüllen zu können, lassen sie aggressiv werden und treiben sie immer mehr in ihre männliche Isolation. Da sie ihren Gefühlen nicht trauen, verkehren sich ihre inneren Wünsche nach Geborgenheit und Schutz ins Gegenteil => sie werden zu harten, scheinbar gefühlslosen Männern, die vorgeben vor nichts Angst zu haben…

In meiner Hausarbeit werde ich versuchen, den Einfluss der Helden auf die Männerwelt zu behandeln. Ich werde versuchen, die Eigenschaften und die Symbolik von Helden zu beschreiben und darzulegen inwiefern diese Gestalten die Männerwelt bis zur heutigen Zeit beeinflussen.

2 Definition

Held = urspr. der sich durch Stärke oder Tapferkeit auszeichnet [...] gefeierte Person.3

"Held, ursprünglich ein Mann, vornehmlich ein Krieger, der sich durch hervorragende Tapferkeit und besonders ruhmreiche Taten auszeichnete. In dieser Bedeutung erscheinen u.a. die Hauptpersonen in der Heldensage. Als Held wird darüber hinaus auch eine Person betitelt, die im Mittelpunkt eines Geschehens steht oder durch vorbildliches Verhalten Bewunderung und Anerkennung hervorruft. "4

Ein Held ist die Hauptfigur einer Geschichte, Legende oder Sage, die über Kräfte (nicht nur körperliche sondern auch geistige Kräfte) verfügt, die weit über die eines normalen Menschen hinausgehen, so dass er zu einer außergewöhnlichen guten Tat (einer "Heldentat") in der Lage ist, die ihm Ruhm beschert.

Zu solchen Taten zählen u. a. das Töten von Ungeheuern oder die Rettung von Menschenleben. Ein Held entspricht normalerweise der Definition dessen, was in der jeweiligen Kultur als gut und edel gilt. Jedoch begeht der Held in der Literatur, besonders in der Tragödie, auch ernste Fehler, die zu seinem Fall führen, z.B. Hamlet.5

3 Ursprung und Entwicklung des Heldentums

3.1 Antike Helden

3.1.1 Mythologie

In der klassischen Mythologie sowie in den Mythen aller Kulturen werden die idealen Anlagen und Talente ihrer Helden beschrieben. Der klassische Held ist in jeder Hinsicht ein Meister: Er besteht alle Prüfungen, befreit die Welt von Übeltätern und geht am Ende als Sieger hervor.

Die griechische Mythologie ist reich an Helden jeder Art. Manche, wie Achilles und Ajax, sind Kriegshelden, andere, wie Odysseus oder Iason, sind Helden zu Friedenszeiten. Manche sind konstruktiv, wie Herakles oder Perseus; wieder andere sind eher Helden des Charakters als der Tat, wie Ödipus oder Hektor, die angesichts ihrer hoffnungslosen Lage standhaft blieben.6

3.1.2 Religion

In den Religionen der Welt werden vorzugsweise Männer hervorgehoben und als Wohltäter, Retter der Welt, Beschützer der Armen, Schwachen und Kranken dargestellt. Die Helden der Religionen werden als einfache Menschen dargestellt, die von Gott auserwählt wurden heldenhafte Taten zu vollbringen.

Ein Held des Alten Testaments im Christentum ist zweifellos Moses, der die Israeliten aus Ägypten ins gelobte Land führte. Ein anderer klassischer Held der Bibel ist David, der im ungleichen Kampf gegen Goliath, nur mit einer einfachen Steinschleuder bewaffnet, gewann und später sogar König wurde. Wenn man aber von biblischen Helden spricht, darf der Retter der Welt nicht vergessen werden. Obwohl Jesus nicht dem klassischen Bild des Helden entspricht, der sich durch körperliche Stärke, Tapferkeit und ruhmreiche Taten auszeichnet, hat er doch für eine außergewöhnlich gute Tat gekämpft, den Armen und Schwachen geholfen und letztendlich sein Leben für die Menschheit geopfert.

3.1.3 Märchen

Märchen sind nicht nur Kindergeschichten. Ihrem Ursprung nach sind sie Geschichten von Erwachsenen für Erwachsene. Sie haben in alten Zeiten zur Unterhaltung gedient und die Rolle gespielt, die heutzutage Kino, Rundfunk und Fernsehen innehaben. Märchen sind älter als die Literatur, sie wurden von keinem Dichter erfunden, sondern sie wurden von Mund zu Mund weitergegeben und sind so im Volk gewachsen.

Die meisten Märchenhelden haben über Jahrhunderte und häufig in vielen Ländern bis heute nichts von ihrem Glanz eingebüßt. Das hat kaum eine literarische Figur geschafft. Viele Märchengestalten sind ins gesellschaftliche Bewusstsein eingegangen, z.B. der Märchenprinz. Er ist ein archetypisches Bild des Mannes in Märchen, aber nicht das einzige. Außer dem Märchenprinz gibt es noch weitere Repräsentanten des Männlichen, von Königen, Brüdern und Kriegern, Zauberer bis zu den Halunken.7„Der Eisenhans“, ein Märchen der Gebrüder Grimm, sowie alle anderen Initiationsgeschichten zeigen, wie wichtig es schon als Junge ist, sich von den Erwartungen der Eltern gänzlich zu lösen und sich einen zweiten Vater, einen „zweiten König“ zu suchen.8 Dieser König muss etwas Heldenhaftes haben um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, aber auch um seiner Vorbildfunktion gerecht zu werden.

3.2 Moderne Helden

3.2.1 Politik

Helden der Politik gewinnen eine entscheidende Schlacht - nicht mehr auf militärischem Terrain wie ihre klassischen Vorbilder, sondern auf den Territorien des ökonomischen, sportlichen oder wissenschaftlich-technischen Fortschritts. Sie werden als Mustermenschen und damit als Idealtypen des "neuen Menschen" präsentiert. Sie sind außeralltäglich in ihrem Können, in ihren Fertigkeiten, in ihrer politischen Gesinnung und in ihrem unerschütterlichen Glauben an die Sache, die sie Vertreten.9Beispiele für politische Helden wären u. a. Mahatma Gandhi oder Martin Luther King. Beide kämpften für die Menschenrechte ihres Volkes und wurden zu gefeierten Helden.

3.2.2 Fernsehen

Mit dem Fernseher kam auch eine Vielzahl an Helden-Charaktere, wodurch das Bild des klassischen Helden den Zuschauer bald langweilte und die Filmproduzenten verschiedene, neue Varianten von Helden kreieren mussten.

Der Held im Film ist oft ein Einzelgänger, der ein Doppelleben führt. Er verkörpert einerseits den netten Nachbar von nebenan, ist aber wenn Gefahr droht immer zur Stelle um das Böse zu bekämpfen. Der einsame Krieger, der sich in die Wildnis begibt, quasi in das Reich des Feindes, umgeben von Gefahren, wilden Tieren und giftigen Pflanzen ist nicht mehr so gefragt. Der männliche Zuschauer möchte sich mit seinem Helden identifizieren können und seine Illusion oder Phantasie beibehalten, selbst mal ein Held zu werden, obwohl die Fähigkeiten, Geschicklichkeit und der Mut des Helden sich vollkommen von dem der Zuschauer unterscheidet.

Der Held hat zwar sein Gesicht verändert, doch seine Eigenschaften sind die gleichen geblieben. Er kämpft immer noch selbstlos und mutig gegen alles was die Menschheit bedroht und gefährdet. Doch die heutigen TV-Helden sind nicht mehr nur Helden, sie sind Superhelden wie z. B. Superman, Spiderman oder Batman - sie alle führen im Film ein Doppelleben. Es scheint so, als verkörperten sie von der Figur des starken Herakles bis zur geschickten und unscheinbaren Figur des Davids alle Helden auf einmal.

[...]


1Bertolt Brecht - Leben des Galilei

2 Wilhelm Johnen - Die Angst des Mannes vor der starken Frau, Frankfurt a. M. 1992, S. 11

3Deutsches Wörterbuch

4Schülerduden - Die Literatur, Mannheim 1989, S.195

5 http://www.net-lexikon.de/Held.html

6 Die Enzyklopädie der Mythologie, Reichelsheim 2000, S. 30

7Carl-Heinz Mallet - „…und rissen der schönen Jungfrau die Kleider vom Leib“, Düsseldorf 1995, S. 9

8Robert Bly - „Eisenhans“, München 1993, S. 10

9 Bpb - B17/2002

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Helden und Männlichkeit. Oder: Helden als Maske der Männlichkeit
Hochschule
Evangelische Hochschule Ludwigsburg (ehem. Evangelische Fachhochschule Reutlingen-Ludwigsburg; Standort Ludwigsburg)
Veranstaltung
Freiheit und Verantwortung
Autor
Jahr
2004
Seiten
16
Katalognummer
V59170
ISBN (eBook)
9783638531771
ISBN (Buch)
9783656535904
Dateigröße
457 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Helden, Männlichkeit, Oder, Maske, Freiheit, Verantwortung
Arbeit zitieren
Karl-Heinz Konnerth (Autor), 2004, Helden und Männlichkeit. Oder: Helden als Maske der Männlichkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59170

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