Die vorliegende Seminararbeit beschäftigt sich vorrangig mit einer alternativen Form der Konfliktbewältigung, der Mediation. Das weltweit steigende Interesse an Mediation kann als Ausdruck der Unzufriedenheit mit traditionellen Konfliktregelungsmethoden verstanden werden. (vgl. FALK et. al, 1998: 9). Das einführende Kapitel soll einen kurzen Abriss über grundsätzliche Merkmale von Konflikten und von Konfliktlösung vermitteln. Im zweiten Kapitel wird einführend die historische Entwicklung der Mediation angerissen, um schließlich ausführlich die theoretischen Grundlagen von Mediation und Mediationsverfahren darzulegen. Im weiteren Verlauf liegt besonderes Augenmerk darauf, die Mängel herkömmlicher Verwaltungsverfahren aufzuzeigen, welche die Sinnhaftigkeit alternativer Verfahren begründen. Darüber hinaus wird der Ablauf eines Umweltmediationsverfahrens im Umfeld deutscher Politik und Verwaltung beschrieben. Kapitel drei, soll zeigen wie die konkrete Implementierung eines Mediationsverfahrens aussehen kann. Als Beispiel hierfür wird der Konflikt um den Ausbau des Flughafens Frankfurt am Main dienen. Abschließend soll anhand dieses Beispiels die praktische Umsetzung eines Mediationsverfahrens hinsichtlich der Theorie bewertet werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
1.1 Zum Konfliktbegriff
1.2 Konfliktbehandlung
1.3 Mediation als Modell zur Konfliktbehandlung
2 Mediation
2.1 Historische Entwicklung der Mediation
2.2 Anwendungsgebiete der Mediation
2.3 Abgrenzung zu anderen Methoden der Entscheidungsfindung
2.4 Umweltmediation / Mediation im öffentlichen Bereich
2.4.1 Prinzipien
2.4.2 Besonderheiten
2.4.3 Ziele
2.5 Umweltmediation im Rahmen deutscher Politik und Verwaltung
2.5.1 Mängel des herkömmlichen Verwaltungsverfahrens
2.5.2 Implementierung von Mediation in das Verwaltungsverfahren
2.6 Harvard-Konzept und Transformationsansatz
2.6.1 Das Harvard-Konzept
2.6.2 Der Transformationsansatz
2.7 Voraussetzungen für ein erfolgreiches Verfahren
2.7.1 Der Mediator
2.8 Phasen eines Mediationsverfahrens
2.8.1 Initiierungsphase
2.8.2 Vorbereitungsphase
2.8.3 Durchführungsphase
2.8.3.1 Arbeitsmethoden
2.8.4 Umsetzungsphase
2.9 Bewertung einer Umweltmediation
3 Mediation am Beispiel des Frankfurter Flughafens
3.1 Der Konfliktgegenstand: gestern und heute
3.2 Interessen, Argumente und ihre Vertreter
3.2.1 Perspektive I: Kapazitätsengpässe und Wachstum
3.2.2 Perspektive II: Ökologische und soziale Belastung
3.2.3 Perspektive III: Unentschieden
3.3 Vorbereitung und Initiierung des Mediationsverfahrens
3.3.1 Kritik von Bürgerinitiativen und Umweltverbänden
3.3.2 Zusammensetzung der „Mediation – Eine Zukunftsregion im offenen Dialog“
3.4 Die Durchführung der Mediation
3.5 Empfehlungen der Mediationsgruppe
3.6 Ergebnisverpflichtung und weiterer Verfahrensweg
3.6.1 Fraport und LH
3.6.2 Kommunen, Initiativen und Umweltverbände
3.6.3 Politik
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial und die Grenzen der Mediation als Instrument zur Konfliktbewältigung in der Regionalpolitik. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwieweit das theoretische Modell der Mediation, das auf Konsens und WIN-WIN-Lösungen abzielt, auf komplexe umweltpolitische Großprojekte anwendbar ist und inwieweit sich die Praxis des Mediationsverfahrens am Beispiel des Frankfurter Flughafenausbaus von den theoretischen Idealen unterscheidet.
- Grundlegende Definitionen und Charakteristika von Mediation als ADR-Verfahren.
- Analyse der Mängel traditioneller Verwaltungsverfahren in Deutschland.
- Detaillierte Untersuchung des Mediationsprozesses am Beispiel des Ausbaus des Frankfurter Flughafens.
- Bewertung des Mediationserfolgs anhand von Prozess-, Konsens- und Umsetzungskriterien.
- Diskussion über die Relevanz der Mediation im öffentlichen Bereich unter machtpolitischen Rahmenbedingungen.
Auszug aus dem Buch
1.3 Mediation als Modell zur Konfliktbehandlung
Mediation gehört zu den sog. ADR-Verfahren, welche eine kooperative, konsensorientierte Lösung von Konflikten zum Ziel haben. Wesentliches Verfahrensmerkmal der Mediation besteht in der Vermittlung bei Streitfragen und ist damit bei weitem keine Entwicklung der Moderne. Jedoch sind das verstärkte öffentliche Interesse und die konkrete Implementierung in Deutschland erst seit Kurzem vorhanden.
In Deutschland gaben vielfältige Entwicklungen den Anstoß, neue Formen der Konfliktbewältigung zu diskutieren. Mediation hat die Erarbeitung allseits akzeptierter Lösungen zum Ziel, bei der die Interessen aller Parteien angemessene Berücksichtigung finden und nicht Normen und Regelungen, sondern gemeinsame Interessen und Konsensbildung im Vordergrund stehen. Es soll eine WIN-WIN-Lösung hervorgerufen werden, ein Ergebnis bei dem alle Verfahrensteilnehmer gewinnen können. In NEUERTs (vgl. 2003: 17 nach BREIDENBACH 1995: 4) Definition stecken grundlegende Merkmale des Modells: „Mediation ist die Einschaltung eines (meist) neutralen und unparteiischen Dritten im Konflikt, der die Parteien bei ihren Verhandlungs- und Lösungsversuchen unterstützt, jedoch über keine eigene (Konflikt-) Entscheidungskompetenz verfügt“ und steht im Gegensatz zu traditionellen Verfahren, die nach dem Prinzip The Winner Takes It All, oftmals eine WIN-LOSE-Lösung provozieren. Es sei von vorne herein gesagt, dass Mediationsverfahren nur unterstützenden Charakter haben. Sie ersetzen herkömmliche Verfahren der Entscheidungsfindung nicht, sondern ergänzen sie im Vorfeld oder parallel zu formal institutionalisierten Verfahren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Diese Einleitung führt in das Thema Mediation als alternative Form der Konfliktbewältigung ein und umreißt das Ziel der Arbeit, die theoretischen Grundlagen mit der praktischen Anwendung am Beispiel des Frankfurter Flughafens zu vergleichen.
2 Mediation: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen, die historische Entwicklung, die Prinzipien sowie die Phasen von Mediationsverfahren und diskutiert die Schwächen herkömmlicher Verwaltungsverfahren.
3 Mediation am Beispiel des Frankfurter Flughafens: Das Kapitel analysiert detailliert den Konflikt um den Ausbau des Frankfurter Flughafens, den Mediationsprozess „Eine Zukunftsregion im offenen Dialog“ sowie die Rollen der verschiedenen Akteure und die erzielten Ergebnisse.
4 Fazit: Das abschließende Kapitel reflektiert die Diskrepanz zwischen der Theorie der Mediation und der praktischen Anwendung im öffentlichen Bereich und bewertet das Frankfurter Mediationsverfahren hinsichtlich seiner Effektivität und Grenzen.
Schlüsselwörter
Mediation, Umweltmediation, Regionalpolitik, Konfliktmanagement, Frankfurter Flughafen, WIN-WIN-Lösung, Interessenvertretung, Verwaltungsverfahren, Konsensbildung, Transformationsansatz, Harvard-Konzept, Bürgerbeteiligung, Infrastrukturplanung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Anwendung von Mediation als Instrument zur Konfliktlösung in der Regionalpolitik, speziell am Beispiel des komplexen Ausbaus des Flughafens Frankfurt am Main.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen die theoretischen Grundlagen und Prinzipien der Mediation, die Mängel traditioneller deutscher Verwaltungsverfahren sowie die konkrete Analyse eines umweltpolitischen Mediationsprozesses unter Berücksichtigung verschiedener Interessenvertreter.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?
Das Ziel ist zu evaluieren, inwieweit das theoretische Modell der Mediation in der Praxis bei Großprojekten wie dem Flughafenausbau erfolgreich umgesetzt werden kann und wo die Grenzen dieses Verfahrens liegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie einer Fallstudienanalyse, bei der der Mediationsprozess um den Frankfurter Flughafen auf Basis von Berichten, Protokollen und Evaluationsstudien theoretisch und praktisch aufgearbeitet wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen, Phasen und Prinzipien der Mediation erläutert, gefolgt von einer tiefgehenden Analyse der verschiedenen Perspektiven und Interessenlagen im Konflikt um den Frankfurter Flughafen und dem tatsächlichen Verlauf des durchgeführten Mediationsverfahrens.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Mediation, Umweltmediation, Regionalpolitik, Flughafenausbau Frankfurt, Konsensbildung und Konfliktmanagement charakterisiert.
Warum wird im Dokument zwischen privater und öffentlicher Mediation unterschieden?
Das Dokument stellt heraus, dass Mediation im öffentlichen Bereich niemals in einem machtfreien Raum stattfindet und stark in die politische Verwaltung eingebettet ist, weshalb standardisierte Prinzipien der privaten Mediation nicht eins zu eins übernommen werden können.
Welches Fazit zieht der Autor hinsichtlich des Erfolgs der Frankfurter Flughafen-Mediation?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass das Verfahren zwar nicht alle theoretischen Ansprüche an eine „echte“ Mediation erfüllen konnte, jedoch erfolgreich zur Versachlichung der Diskussion und zur Entwicklung von Entscheidungsgrundlagen beigetragen hat, auch wenn die Akteure danach teilweise in konfrontative Muster zurückfielen.
- Arbeit zitieren
- Nicolas Schäfstoß (Autor:in), 2006, Mediation in der Regionalpolitik: Allgemeine Grundlagen und das Beispiel des Frankfurter Flughafens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59175