Der Prinzipal-Agent-Ansatz in Ratingagenturen. Herausforderungen und Folgen von Opportunismus und Informationsasymmetrie für Banken


Hausarbeit, 2020

13 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Ratingagenturen als Allheilmittel im Kampf gegen die Informationsasymmetrie?
2.1 Die Prinzipal-Agent-Theorie und die Folgen der Informationsasymmetrie
2.2 Wie arbeiten externe Ratingagenturen?
2.2.1 Abhängigkeit zwischen Ratingagenturen und Unternehmen
2.2.2 Einflussnahme der Ratingagentur auf die Unternehmen
2.2.3 Macht der Ratingagenturen über den Finanzmarkt

3 Fazit

Literaturverzeichnis

Eidesstaatliche Erklärung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Banken und andere Kreditgeber sind stets darauf angewiesen, sicherzustellen, dass Kre-dite nur an zuverlässige Kreditnehmer vergeben werden. Hierfür bedienen sich die Kre-ditgeber oftmals auch externen Informationsquellen wie der Schufa oder anderen Ratin-gagenturen.

Diese Agenturen sammeln Informationen über Personen und Unternehmen, die dazu beitragen sollen, eine Schlussfolgerung über die Kreditwürdigkeit des jeweiligen Unter-nehmens bzw. der jeweiligen Person ableiten zu können. Dafür werden auch sogenannte Scores errechnet, die die gesammelten Informationen mithilfe einer Skala vergleichbar machen sollen.

Dadurch soll unter anderem die Arbeit der Kreditgeber erleichtert werden, sodass der Fokus primär auf den Score gerichtet wird. Somit müssen die Kreditgeber nicht sämtli-che Informationen einzeln selbstständig sichten, sondern verlassen sich auf die Ergeb-nisse der Ratingagenturen.

Da die Ratingagenturen jedoch auch ihrerseits auf die Informationen der Unternehmen angewiesen sind, kann es auch dazu kommen, dass die Unternehmen den Agenturen fal-sche Informationen zur Verfügung stellen. Die Übersendung von falschen Informatio-nen geschieht dabei mit dem Ziel, einen Kredit für den engeren Eindruck zu machen und somit bessere Konditionen bei den Kreditgebern zu erhalten. Im folgenden Essay sollen die Herausforderungen durch die Phänomene "Opportunis-mus" und "Informationsasymmetrie" herausgefunden werden, um herauszufinden, ob Ratingagenturen zu einer Verbesserung der Problematik führen.

2 Ratingagenturen als Allheilmittel im Kampf gegen die Informati-onsasymmetrie?

2.1 Die Prinzipal-Agent-Theorie und die Folgen der Informationsasymmetrie

Die sogenannte Prinzipal-Agent-Theorie beschreibt einen wirtschaftswissenschaftli-chen, bzw. sozialwissenschaftlichen Ansatz, um die Verhaltensweisen von verschiede-nen Akteuren bei Vertragsbeziehungen, bzw. Geschäftsbeziehungen, zu untersuchen und zu erklären. Hierbei wird maßgeblich auf die asymmetrische Informationsverteilung hingewiesen.1

Bei dieser Theorie wird davon ausgegangen, dass jede Vertragsbeziehung, beziehungs-weise Geschäftsbeziehung, einen Auftraggeber (Prinzipal) und eine ausführende Person (Agent) vorzuweisen hat. Beide Seiten verfolgen dabei das Ziel der Nutzenmaximie-rung. Als problematisch muss in diesem Kontext jedoch angesehen werden, dass übli-cherweise die Ziele beider Parteien voneinander abweichen. Meist verfügt der ausfüh-rende Part über einen Wissensvorsprung, den er seinerseits, mitunter auch zum Nachteil des Auftraggebers, ausnutzen kann.2

Die Intention den Wissensvorsprung auszunutzen, kann mitunter auch erst nach Ver-tragsabschluss umgesetzt werden. Somit kann der Nutzen des Auftraggebers dadurch auch zu einem späteren Zeitpunkt reduziert werden.

Somit bestimmt die Informationsasymmetrie maßgeblich, ob sich der Agent in Versu-chung sieht, sich durch den eigenen Wissensvorsprung anders zu verhalten. Dies wird in diesem Kontext auch als Moral-Hazard-Problem bezeichnet.3

Somit führen Informationsasymmetrien immer zu Misstrauen und damit zu zusätzlichen Kosten für die Beteiligten. Insbesondere auf Seiten des Auftraggebers für die Steuern, sowie die Überwachung, um einen etwaigen Informationsnachteil zu reduzieren und auf Seiten des Auftragnehmers, um etwaigen Informationsasymmetrien entgegenzuwirken, wie bspw. Garantiekosten. Im Vergleich zu einem Zustand der optimalen Informations-verteilung, ergibt sich in der Gesamtheit ein Wohlfahrtsverlust.4

Bei der Anmeldung der Prinzipal-Agent-Theorie wird im Weiteren untersucht, welche Maßnahmen umgesetzt werden müssen, um einer missbräuchlichen Nutzung von Infor-mationsasymmetrien entgegenzuwirken. Dies sind unter anderem die Etablierung einer geeigneten Unternehmenskultur, die Schaffung von Anreizsystemen, die Einführung von Informations- und Kontrollsystemen sowie die Überwachung und Steuerung durch unterschiedliche hierarchische Ebenen im Unternehmen.5

2.2 Wie arbeiten externe Ratingagenturen?

Zu Beginn des Ratingverfahrens wird mit dem Unternehmen die Vorgehensweise bespro-chen. Insbesondere, wenn das Unternehmen dies in Auftrag gibt, verpflichtet es sich dazu alle notwendigen Informationen bereitzustellen und unabhängig vom Ergebnis der Be-wertung das vereinbarte Honorar zu zahlen. Die Ratingagentur unterschreibt in diesem Zusammenhang eine Verschwiegenheitserklärung und garantiert, dass ohne Zustimmung des Unternehmens keine vertraulichen Informationen veröffentlicht und weitergegeben werden.6

Nachdem die grundlegenden Aspekte besprochen worden sind, führen die Mitarbeiter der Ratingagentur Gespräche mit der Führungsebene des Unternehmens. Die durch das Ratingunternehmen gesammelten Daten werden aufbereitet und anschlie-ßend in einem Bericht zusammengefasst. Der Bericht der Analysten wird anschließend dem sogenannten Ratingkomitee vorgelegt. Das Komitee besteht aus Analysten, die ih-rerseits über langjährige Erfahrung verfügen, sodass diese in der Lage sind ein aussage-kräftiges Ergebnis aus den gesammelten Informationen abzuleiten.7

Nachdem das Komitee eine Entscheidung hinsichtlich der Bewertung getroffen hat, wird dieses Ergebnis dem bewerteten Unternehmen mitgeteilt. Das Unternehmen hat grundsätzlich die Möglichkeit der Veröffentlichung zu widersprechen. Nach der Festsetzung des Ergebnisses ist eine laufende Überwachung des Unterneh-mens notwendig. Mindestens einmal pro Jahr wird das bewertete Unternehmen erneut analysiert und gegebenenfalls das Ratingergebnis angepasst.

Die Analysten und das Komitee nutzen für ihre Entscheidung eine Vielzahl von unter-schiedlichen Daten und Faktoren. Dabei werden sowohl quantitative, als auch qualitative Faktoren berücksichtigt. Bei den quantitativen Kriterien werden insbesondere Kennzah-len genutzt. Die Nutzung dieser Kennzahlen soll es ermöglichen Aussagen hinsichtlich der Bonität des zu bewertenden Unternehmens oder möglichen Kreditnehmers und die Entwicklung dieser Zahlen abzuleiten.8

Im Kontext der Analyse der Bonität wird unter anderem die Zusammensetzung des Ver-mögens, die Art des Vermögens sowie die Dauer der Vermögensbindung analysiert. Kennzahlen hierfür sind beispielsweise die Eigenkapitalquote, der Verschuldungsgrad aber auch Informationen, wie Höhe und Entwicklung der Rückstellung und der kurzfris-tigen Verbindlichkeiten, werden hierbei berücksichtigt.9

Die Ertragslage bezieht sich dabei primär auf die Unternehmensgewinne und dessen Entwicklung. Aber auch im Allgemeinen soll hierbei analysiert werden, inwieweit das Unternehmen dazu in der Lage ist seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Sei-tens der Ratingagenturen werden zur Analyse Daten aus den Jahresabschlüssen, Plan-zahlen und weitere Daten aus der Buchhaltung des jeweiligen Unternehmens genutzt. Neben den quantitativen Faktoren werden beim Rating auch qualitative Faktoren berück-sichtigt. Hierfür nutzen die Agenturen standardisierte Fragenkataloge, auf deren Basis eine Beurteilung des Unternehmens erfolgt. Hierdurch soll auch das wirtschaftliche und auch das politische Umfeld des Unternehmens, sowie dessen Zukunftsaussichten, hin-sichtlich Wachstum, Nachfrageentwicklung, Wettbewerb und weiterer Kriterien, analy-siert werden.10

[...]


1 Vgl. Kralj, D., Vergütung von Beratungsdienstleistungen: Agencytheoretische und empirische Analyse, 2004, S. 60

2 Vgl. Kralj, D., Vergütung von Beratungsdienstleistungen: Agencytheoretische und empirische Analyse, 2004, S. 54

3 Vgl. Picot, A., Reichwald, R., Wigard, R. T., Die grenzenlose Unternehmung: Informationen, Organisa­tion und Management. Lehrbuch zur Unternehmensführung im Informationszeitalter2001, 4. Auflage, S. 264

4 Vgl. Moder, M., Supply Frühwarnsysteme: Die Identifikation und Analyse von Risiken im Einkauf und Supply Management, 2008, S.37

5 Vgl. Richartz, J., Anreizsysteme zur Steuerung der Hersteller-Händler-Beziehungen in der Automobil-industrie, 2009, S. 248

6 Vgl. Achleitner, A.-K., Everling, O. (Hrsg.), Rechtsfragen im Rating, 2005, S. 159

7 Vgl. Achleitner, A.-K., Everling, O. (Hrsg.), Rechtsfragen im Rating, 2005, S. 412

8 Vgl. Achleitner, A.-K., Everling, O. (Hrsg.), Rechtsfragen im Rating, 2005, S. 412

9 Vgl. Achleitner, A.-K., Everling, O. (Hrsg.), Rechtsfragen im Rating, 2005, S. 359

10 Vgl. Willke, H., Atopia: Studien zur atopischen Gesellschaft, 2001, S. 164

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Der Prinzipal-Agent-Ansatz in Ratingagenturen. Herausforderungen und Folgen von Opportunismus und Informationsasymmetrie für Banken
Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
1,7
Autor
Jahr
2020
Seiten
13
Katalognummer
V591882
ISBN (eBook)
9783346190284
Sprache
Deutsch
Schlagworte
banken, folgen, herausforderungen, informationsasymmetrie, opportunismus, prinzipal-agent-ansatz, ratingagenturen
Arbeit zitieren
Mirjam Haug (Autor), 2020, Der Prinzipal-Agent-Ansatz in Ratingagenturen. Herausforderungen und Folgen von Opportunismus und Informationsasymmetrie für Banken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/591882

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