Der 1885 geborene D.H. Lawrence gilt inzwischen als einer der bedeutendsten Autoren des 20. Jahrhunderts. Zu Lebzeiten war er jedoch stark umstritten, da er häufig, unter anderem in Women in Love und Lady Chatterley’s Lover die Beziehung zwischen Mann und Frau thematisierte und dem Erotischen und Sexuellen dabei hohen Stellenwert einräumte. Seine Romane waren jenseits aller damals geltenden Konventionen und die sexuellen Anspielungen und Phantasien provozieren Skandale. Einige seiner Werke wurden wegen der detaillierten Darstellung sogar als unsittlich verboten.
In Women in Love sind es weniger die Liebesakte als vielmehr kleine, unscheinbare Szenen, die die sexuellen Spannungen in den Beziehungen zwischen Mann und Frau zeigen. Sein bekanntestes Werk, Lady Chatterley’s Lover, verstieß hingegen nicht nur mit der relativ klaren Beschreibung der Liebesszenen, sondern auch mit der Darstellung von Connys Ehebruch und der Scheidung als positive Entwicklung in ihrem Leben, gegen die Konventionen. Die klassenbewussten Engländer störte zudem, dass Conny als Angehörige der Oberschicht eine Affäre mit Mellors aus der Arbeiterschicht beginnt.
In „Die Beziehung zwischen Mann und Frau bei D. H. Lawrence am Beispiel der Romane 'Women in Love' und 'Lady Chatterley’s Lover' “ werden die Szenen näher betrachten, in denen sich die zwischenmenschlichen Spannungen in den Beziehungen von Gudrun Brangwen und Gerald Crich, von Ursula Brangwen und Rupert Bilkin sowie von Lady Cornerlia Chatterley mit ihrem Mann Sir Clifford Chatterley und ihrem Geliebten Mellors auf- und entladen.
Inhaltsverzeichnis
I. Der Autor D.H. Lawrence
II. Women in Love
1. URSULA & BIRKIN
2. GUDRUN & GERALD
III. Lady Chatterley’s lover
IV. Das Konzept der Liebe
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die vielschichtigen Darstellungen der Liebesbeziehungen zwischen Mann und Frau im Werk von D. H. Lawrence. Anhand der Romane „Women in Love“ und „Lady Chatterley’s Lover“ wird analysiert, wie Lawrence die Spannungsfelder zwischen Individualität, Machtstreben und emotionaler bzw. sexueller Erfüllung literarisch verarbeitet und in den Kontext gesellschaftlicher Krisen stellt.
- Analyse der Beziehungsdynamik zwischen Ursula und Birkin
- Untersuchung der dämonischen Verbindung von Gudrun und Gerald
- Betrachtung von Connies emotionaler Befreiung in Lady Chatterley’s Lover
- Vergleich der Konzepte von Liebe, Macht und phallischer Tenderness
- Einordnung der Romane in den Kontext der Industriegesellschaft des 20. Jahrhunderts
Auszug aus dem Buch
1. URSULA & BIRKIN
„Ursula and Birkin represent a life-theme over against which is set a death-theme in Gudrun and Gerald.” Bereits im ersten Kapitel, als die Schwestern Ursula und Gudrun einer Hochzeitsgesellschaft bei der Ankunft an der Kirche beiwohnen, ist eine Spannung zwischen Ursula und Birkin spürbar. Obwohl sie bis dato erst ein oder zweimal in offizieller Mission mit ihm, dem Schulinspektor, gesprochen hatte, genügt alleine sein Auftreten um sie zu pikieren und zu nerven aber auch um ihre Aufmerksamkeit zu erregen, so dass sie mehr über ihn wissen will. Ursula und Birkins Beziehung ist „a fight to the death between them – or to new life: though in what the conflict lay, no one could say.“ („Women in Love” 169)
Das mag daran liegen, dass „Birkin is sometimes a prophetic figure, and sometimes merely garrulous and silly; Ursula is sometimes a mesmerizing archetypal female, at other times shrill and possessive and dismayingly obtuse.” Balbert pflichtet dem bei: „Birkin is a divided man, split not only over the issue of ’love’, but more generally torn apart by an internal struggle between what his instincts require and what his developing doctrines stipulate.”
Zum ersten relevanten Treffen zwischen Ursula und Birkin kommt es, als dieser sie in seiner Funktion als Schulinspektor im Klassenzimmer aufsucht.
She heard but did not notice the click of the door. Suddenly she startled. She saw, in a shaft ruddy, copper-coloured light near her, the face of a man. It was gleaming like fire, watching her, waiting for her to be aware. It startled her terribly. She thought she was going to faint. All her suppressed, subconscious fear sprang into being with anguish. ‘Did I startle you?’ said Birkin, […]. ‘No,’ she faltered, scarcely able to speak. He laughed, saying he was sorry. She wondered why it amused him. ‘It is so dark.’ he said. ‘Shall we have the light?’ And moving aside, he switched on the electric lights. The class-room was distinct and hard, a strange place after the soft dim magic that filled it before he came’. („Women in Love” 49f)
Birkin dringt nicht nur physisch in Ursulas Klassenzimmer ein, sondern auch auf mentaler Ebene, indem er sie durch das Anschalten des Lichts aus ihrer eigenen Welt herausholt.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Der Autor D.H. Lawrence: Einführung in das Leben und Werk von D. H. Lawrence mit Fokus auf seine Sexualphilosophie und die literarische Auseinandersetzung mit der Krise der Moderne.
II. Women in Love: Analyse der komplexen Liebesbeziehungen im Roman, unterteilt in das Paar Ursula & Birkin sowie das Paar Gudrun & Gerald.
1. URSULA & BIRKIN: Untersuchung des Entwicklungsprozesses dieser Beziehung, die von anfänglicher Dominanz und Machtkämpfen zu einem Zustand friedvoller Zärtlichkeit und Gleichgewicht führt.
2. GUDRUN & GERALD: Analyse der destruktiven, auf Macht und Sadismus basierenden Verbindung, die in einer Tragödie endet und Geralds Unfähigkeit zur autonomen Lebensführung widerspiegelt.
III. Lady Chatterley’s lover: Erörterung der unglücklichen Ehe von Connie mit dem gelähmten Clifford und der transformativen Affäre mit Mellors, die zur persönlichen Selbstfindung führt.
IV. Das Konzept der Liebe: Synthese der verschiedenen Aspekte der Liebe bei Lawrence, insbesondere der Abgrenzung von „gutem“ und „schlechtem“ Sex sowie der phallischen Liebe als Antwort auf gesellschaftliche Dekadenz.
Schlüsselwörter
D. H. Lawrence, Women in Love, Lady Chatterley’s Lover, Beziehungsdynamik, Machtstreben, Sexualität, Industriegesellschaft, Phallische Liebe, Individualität, Selbstfindung, Literaturwissenschaft, Moderne, Liebeskonzept, Geschlechterrollen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Darstellung zwischenmenschlicher Beziehungen bei D. H. Lawrence in den Romanen „Women in Love“ und „Lady Chatterley’s Lover“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Spannungsfeld zwischen individueller Freiheit und Fremdbestimmung, Machtdynamiken in Liebesbeziehungen sowie die Bedeutung von Sexualität und Zärtlichkeit.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die unterschiedlichen Beziehungsmodelle der Charaktere und deren Entwicklung im Kontext der gesellschaftlichen Krisen des frühen 20. Jahrhunderts zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die primär auf der Textinterpretation der ausgewählten Romane basiert und durch relevante Sekundärliteratur gestützt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Betrachtung der Beziehungen von Ursula und Birkin, Gudrun und Gerald sowie Connie Chatterley und ihrem Geliebten Mellors.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie „Sexualität“, „Machtstreben“, „Beziehungsdynamik“, „Moderne“ und „Selbstfindung“ definiert.
Warum ist die Beziehung zwischen Gudrun und Gerald als „dämonisch“ klassifiziert?
Die Arbeit ordnet sie so ein, da sie maßgeblich auf Sadismus, Machtansprüchen und dem Fehlen echter menschlicher Verbundenheit basiert, was letztlich in die Zerstörung führt.
Welche Rolle spielt die Industriegesellschaft für die Charaktere?
Lawrence nutzt die Industriegesellschaft als Spiegel der Krise; Gerald und Clifford stehen dabei für lebensfeindliche Tendenzen, während andere Charaktere einen Aufbruch in neue Lebensformen suchen.
- Quote paper
- Barbara Pelikan (Author), 2006, Die Beziehung zwischen Mann und Frau bei D.H. Lawrence am Beispiel der Romane Women in Love und Lady Chatterley's Lover, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59232