Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit dem Zusammenhang zwischen dem Begriff des Guten (agathon), des Glücks (eudaimonia) und der spezifisch menschlichen Tüchtigkeit (areté), die im 1. Buch der Nikomachischen Ethik eingeführt werden. Zunächst werde ich die einzelnen Begriffe gemäß ihrer genauen Bedeutung erläutern und anschließend den Zusammenhang zwischen den Begriffen herausarbeiten und kurz zusammenfassen. Die Nikomachische Ethik untersucht die Annahme, es gäbe ein letztes Ziel des Handelns, das sogenannte beste Gut des Menschen. Dies ist Grundlage der zu erläuternden Begriffskonstellation.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Darstellung der Begriffskonstellation
2.1 Erläuterung des Begriffs des Guten (agathon)
2.2 Bestimmung des höchsten Ziels, dem besten Gut (ariston)
2.3 Die Glückseligkeit als das beste Gut (eudaimonia)
2.4 Das Verhältnis von ergon, areté und eudaimonia
3. Problematik des Menschen als soziales Wesen
4. Zusammenfassung und persönliche Stellungnahme
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen dem Begriff des Guten (agathon), des Glücks (eudaimonia) und der spezifisch menschlichen Tüchtigkeit (areté) im Kontext des ersten Buches der aristotelischen Nikomachischen Ethik. Ziel ist es, die hierarchische Struktur der menschlichen Ziele zu ergründen und die Frage zu beantworten, wie ein Mensch durch die Ausübung seiner eigentümlichen Leistung (ergon) gemäß der Tugend (areté) nach dem höchsten Gut (ariston) streben kann.
- Grundlagen des aristotelischen Strebe-Begriffs
- Differenzierung zwischen verschiedenen Zielarten und Handlungsweisen
- Bestimmung der Glückseligkeit als höchstes menschliches Endziel
- Analyse der Rolle von Vernunft und Tüchtigkeit
- Die Spannung zwischen theoretischem Ideal und sozialer Realität
Auszug aus dem Buch
2.4 Das Verhältnis von ergon, areté und eudaimonia
Wie bereits in 2.1 erwähnt, ist ein ergon (eigentümliche Leistung, eigentümliche Tätigkeit, Aufgabe, Funktion) das Ziel der techné. In NE I 6 geht Aristoteles einen Schritt weiter und sagt, dass das ergon nicht nur Ziel der techné ist, sondern auch Ziel des Menschen, der die techné ausübt. Demnach ist das ergon nicht nur ein Produkt, es kann auch die Handlung an sich sein. Das ergon des Flötespielers ist das Flötenspiel oder auch der Sattel der Sattlerei-techné und bei einem Werkzeug wie dem Messer entspräche das ergon dem Schneiden. Nun kann das ergon aber gut oder schlecht ausgeführt werden. Die bloße Ausführung ist das agathon, aber die vortreffliche Ausführung ist das ariston. Hier erscheint der Begriff areté (Tugend Tüchtigkeit, Trefflichkeit, Vortrefflichkeit), der die qualitativ gute Ausführung des ergon bezeichnet. Also heißt etwas gemäß der areté zu tun, es gut zu machen. Als Beispiel sei das Messer genannt, welches sein Gut im Schneiden findet und nicht etwa zum Umgraben von Erde gedacht ist. Folglich wäre sein bestes Gut, auf gute-, bzw. vortreffliche Weise zu Schneiden.
Doch was ist das ergon des Menschen? Aristoteles geht von einer bestimmten Fähigkeit des Menschen aus, die ihn von allen anderen Lebewesen unterscheidet. Diese Fähigkeit bewegt den Menschen zu allen seinen Handlungen. Sie ist also nicht das Leben an sich, weil es auch einer Pflanze gemein ist. Ebenso schließt Aristoteles Sinneseindrücke aus, also z.B. die Empfindung von Lust und Schmerz, denn Tiere nehmen diese ebenso wahr. Das spezifisch Menschliche muss also die Vernunft sein, denn (nur) der Mensch kann abstrahieren, dass heißt sich Dinge vorstellen, Zukünftiges planen und über Vergangenes reflektieren. Dieser vernunftbegabte Seelenteil besteht zum einen aus einem Vernunft gehorchenden (alogon) und zum anderen aus einem Vernunft besitzenden und ausübenden Teil (logon echon).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die zentralen Begriffe agathon, eudaimonia und areté ein und stellt die Untersuchung des höchsten menschlichen Gutes als Basis der Arbeit vor.
2. Darstellung der Begriffskonstellation: Hier werden die hierarchische Struktur menschlicher Ziele, die Bedeutung der techné und die Bestimmung des ariston als Endziel des Handelns detailliert analysiert.
3. Problematik des Menschen als soziales Wesen: Dieses Kapitel beleuchtet die Schwierigkeiten bei der Erreichung der eudaimonia unter Berücksichtigung äußerer Faktoren, sozialer Abhängigkeiten und der Bedeutung von Zufall und Glück.
4. Zusammenfassung und persönliche Stellungnahme: Die Arbeit schließt mit einer Rekapitulation der gewonnenen Erkenntnisse und einer kritischen Reflexion über die Umsetzbarkeit des aristotelischen Ideals im menschlichen Alltag.
Schlüsselwörter
Aristoteles, Nikomachische Ethik, agathon, eudaimonia, areté, ariston, ergon, techné, Vernunft, Zielhaftigkeit, Tugend, Glückseligkeit, soziales Wesen, Handlungslehre, Lebensführung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der ethischen Grundbegriffe aus dem ersten Buch der Nikomachischen Ethik des Aristoteles, insbesondere dem Zusammenhang zwischen dem Guten, dem Glück und menschlicher Tüchtigkeit.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die Definition des höchsten Ziels, die Unterscheidung zwischen verschiedenen Wissens- und Handlungsformen (techné) sowie die Bestimmung der menschlichen Spezifität durch Vernunft.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es zu klären, wie das Konzept des höchsten Gutes (ariston) durch die Ausübung der spezifisch menschlichen Funktion (ergon) und der entsprechenden Tugend (areté) zu einem glücklichen Leben (eudaimonia) führt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer textnahen Analyse und Interpretation der antiken Quelle unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur zu Aristoteles.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition der Begriffe, die hierarchische Einordnung von Zielen, die Herleitung der eudaimonia und die Diskussion der sozialen Voraussetzungen für ein geglücktes Leben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören agathon (das Gute), eudaimonia (Glückseligkeit), areté (Tüchtigkeit), ergon (Funktion) und ariston (das beste Gut).
Wie unterscheidet Aristoteles laut dieser Arbeit zwischen zwei Arten von Zielen?
Er unterscheidet zwischen Zielen, die in der Tätigkeit selbst liegen (energea) und solchen, die außerhalb der Tätigkeit als Produkt (ergon) entstehen.
Warum ist das Erreichen der Glückseligkeit laut der Schlussfolgerung der Autorin schwierig?
Die Autorin argumentiert, dass das aristotelische Ideal der Glückseligkeit hohe Anforderungen stellt, die durch äußere Umstände wie soziale Abhängigkeit und körperliche Bedürfnisse im Alltag schwer dauerhaft und vollkommen umsetzbar sind.
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- Nina Reißler (Author), 2004, Der Begriff des Guten, des Glücks und der spezifisch menschlichen Tüchtigkeit bei Aristoteles, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59233