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"Das Hungern und seine Bestimmung" in Franz Kafkas "Ein Hungerkünstler"

Title: "Das Hungern und seine Bestimmung" in Franz Kafkas "Ein Hungerkünstler"

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 30 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Ines Meier (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Die Geschichte ist recht einfach: Ein Hungernder, der von sich behauptet, er sei ein Unvergleichlicher seiner Kunst, hungert sich zusehends zu Tode. Die Zuschauer schwanken zwischen Begeisterung und Unverständnis, verlangen Beweise, um an die Einzigartigkeit dieser Attraktion glauben zu können, bis sie aufhören, sich für das Dargebotene zu interessieren. Am Ende finden wir einen schwachen Hungerkünstler, der um Verzeihung bittet und atemlos im Stroh versinkt. Die Handlung wird in eine Sprache gekleidet, die Kafka bewusst nüchtern und ohne "jeden poetischen Glanz" gewählt hat - eine Sprache aber, die Bilder und Zeichen unserer Welt dennoch geschickt zu verhüllen scheint. Der Hungernde lebt in einer Umgebung, die wir zu kennen glauben, begegnet Menschen, denen auch wir hätten begegnen können - und doch wirkt diese Welt wie ein Phantasma, und wir sind versucht, diese Illusion zu entlarven. [...] Es ist ein Phänomen, das uns bei Kafka häufiger begegnet - wie etwa im „Prozeß“, in dem die Hauptfigur beschuldigt wird, etwas getan zu haben, von dem die Leserschaft nie erfahren wird, was genau es war. Franz Kafka vermag es, durch geradezu „asketische Reduktion“, in seinen Texten eine andere Welt zu erschaffen, die Raum zur Interpretation und Fülle eröffnet. [...]

Excerpt


Gliederung

1. Einleitung

2. Die Hungerkunst der guten Tage

2.1. Das Schauhungern

2.2. Hungern nach Wahrheit

3. Die Hungerkunst der schlechten Tage

3.1. Hungern nach Freiheit

3.2. Die Speise, die nicht von dieser Welt ist

3.3. Die Figur des Panthers

4. Schlussbetrachtungen

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die verschiedenen Sinnschichten in Franz Kafkas „Ein Hungerkünstler“ und analysiert das ambivalente Verhältnis zwischen Hungerkünstler und Publikum. Ziel ist es, die Konzepte von Freiheit, Leistung, Askese und Wahrheit in der Erzählung kritisch zu hinterfragen und die Transformation des Hungerns von einer historischen Attraktion zu einem existenziellen, individuellen Zustand zu beleuchten.

  • Das Spannungsfeld zwischen der Freiheit des Hungerns und der Fremdbestimmung durch das Publikum.
  • Die ästhetische Inszenierung des Hungerns als Kunstleistung versus den biologischen Mangelzustand.
  • Die Rolle der Askese und der Einfluss von gesellschaftlichen Erwartungen auf den Protagonisten.
  • Die Symbolik von „Speise“ und die Transzendenzsuche des Hungerkünstlers.
  • Die Funktion der Gegenfigur des Panthers als neues, gesellschaftlich akzeptiertes Zeichen.

Auszug aus dem Buch

2.1. DAS SCHAUHUNGERN

Um den Begriff des Schauhungerns einzugrenzen, ist es nötig, auf das Verhältnis zwischen dem Hungerkünstler und seinem Publikum hinzuweisen: Der Leser ist nach der Lektüre der Geschichte geneigt, sich zu entscheiden. Entweder fühlt er mit dem tragischen Helden und spricht sich somit auch für Askese oder Kunst aus, oder aber er unterstützt die Belange des Publikums und empfindet für Vitalität und Natur. In jedem Fall wird über die jeweils andere Partei vernichtend gerichtet. Diese Entscheidung, zu wem wir uns mehr zugehörig fühlen, wird uns von Kafka nicht abgenommen, wir erfahren nicht, welcher Partei er mehr Verständnis entgegenbrachte, da jeglicher Erzählerkommentar ausgespart wird. Der Autor reduziert seine Metaphorik, seine Anspielungen und seine Assoziationen, so dass es schwer fällt, in sie etwas hineinzulesen, sie als Metapher für etwas anderes zu nehmen.

Auf der einen Seite haben wir den künstlerischen Asketen und auf der anderen Seite ein Publikum, welches Lebensfreude verkörpert, und nach Neumann ist es auch möglich, die Abgrenzung des Hungerkünstlers von der Welt der Essenden so zu lesen: Magerkeit im Käfig steht einem Essensritual außerhalb des Käfigs gegenüber, und somit steht eine Nicht - Ordnung einer Ordnung gegenüber. In diesem Verhältnis ist die Masse, die größere Menschenzahl, dafür verantwortlich, welche Kriterien für den Begriff Ordnung geltend gemacht werden können.

Auch Greß spricht von zwei unterschiedlichen Existenzformen im Text: Von der Masse und von dem Isolierten. Aber trennt er diese nicht voneinander, sondern behauptet:

"Das Interesse des Publikums wirkt Leben - erhaltend. Beginnt es zu erlahmen, stirbt das Schauobjekt in gleichem Maße. Das Interesse an dem Hungerkünstler ist die objektive Bedingung für seine Existenz."

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Hier wird der theoretische Rahmen abgesteckt und das Interesse an Kafkas Erzählweise sowie der thematischen Aussparung von Motiven begründet.

2. Die Hungerkunst der guten Tage: Dieses Kapitel behandelt die Blütezeit des Hungerkünstlers als öffentliche Attraktion und die daraus resultierende Wechselwirkung zwischen dem Hungernden und seinem Publikum.

3. Die Hungerkunst der schlechten Tage: Der Fokus liegt hier auf dem Verlust des öffentlichen Interesses, der Isolation des Künstlers und seinem verzweifelten Streben nach Transzendenz durch radikale Nahrungsverweigerung.

4. Schlussbetrachtungen: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Figur des Panthers als Kontrastfigur, die die ursprüngliche Ordnung wiederherstellt.

Schlüsselwörter

Franz Kafka, Ein Hungerkünstler, Askese, Freiheit, Schauhungern, Publizität, Transzendenz, Existenz, Körperlichkeit, Nahrung, Entsagung, Symbolik, Panther, Moderne, Machtverhältnis.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Kafkas Erzählung „Ein Hungerkünstler“ und untersucht die tieferen Sinnschichten, die hinter der scheinbar simplen Handlung der Nahrungsverweigerung liegen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind das Verhältnis zwischen Kunst und Publikum, das Konzept der Askese, die Suche nach Freiheit und die Gegenüberstellung von Körperlichkeit und Geist.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie der Hungerkünstler an seinem eigenen Anspruch auf künstlerische Leistung scheitert und inwieweit das Publikum über den Wert dieser Kunst bestimmt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text unter Einbeziehung von Sekundärliteratur zu Themen wie Askese und Anthropologie interpretiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Hungerkunst während der aktiven Zuschauerzeit und den Prozess der zunehmenden Isolation und Selbstentfremdung des Künstlers.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Askese, Freiheit, Transzendenz, Schauhungern und die Symbolik des Panthers als Repräsentant der vitalen Ordnung.

Wie verändert sich die Rolle des Hungerkünstlers im Verlauf der Geschichte?

Vom gefeierten Schaukünstler, der seine Leistung zur Schau stellt, wandelt er sich zu einem vergessenen Individuum, das in radikaler, aber unbeachteter Isolation stirbt.

Warum spielt die Figur des Panthers eine so wichtige Rolle am Ende der Erzählung?

Der Panther fungiert als Gegenentwurf zum Hungerkünstler; er verkörpert eine vitale, unproblematische Gesundheit und stellt die vom Publikum gewünschte Ordnung und Unterhaltung wieder her.

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Details

Title
"Das Hungern und seine Bestimmung" in Franz Kafkas "Ein Hungerkünstler"
College
Ernst Moritz Arndt University of Greifswald  (Institut für deutsche Philologie)
Course
Askese: Geschichte, Geschlecht und Ästhetik der Selbstdisziplinierung
Grade
2,3
Author
Ines Meier (Author)
Publication Year
2003
Pages
30
Catalog Number
V59252
ISBN (eBook)
9783638532464
ISBN (Book)
9783656792482
Language
German
Tags
Hungern Bestimmung Franz Kafkas Hungerkünstler Askese Geschichte Geschlecht Selbstdisziplinierung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Ines Meier (Author), 2003, "Das Hungern und seine Bestimmung" in Franz Kafkas "Ein Hungerkünstler", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59252
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