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Poetologie und Erzählerrolle im "Parzival"

Titel: Poetologie und Erzählerrolle im "Parzival"

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2006 , 25 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Anja Mallmann (Autor:in)

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Wolframs von Eschenbach „Parzival“ ist ein solch komplexes und vielschichtiges Werk, dass es bis heute seine Faszination auf die Leser nicht eingebüßt hat. Diese nachhaltige Wirkung verdankt der „Parzival“ auch dem Umstand, dass hier nicht nur ein spannender Artus- oder Gralsroman geschrieben wurde, sondern dass der Autor darüber hinaus auch den Prozess des Erzählens eines solchen Abenteuers durchgehend mitreflektiert.
Die Poetik des „Parzival“ steht daher im Mittelpunkt der vorliegenden Untersuchung. Sie beginnt mit einer Analyse des Prologs, der in der mediavistischen Forschung wegen seiner schweren Deutbarkeit inzwischen berühmt-berüchtigt ist. Aus dem Prolog lässt sich bereits ein erzählerisches Programm herauslesen, das sich sowohl in der Figurenzeichnung als auch in weiteren poetologischen Reflexionen im Roman wieder findet. Diese Reflexionen werden im Anschluss an die Prolog-Lektüre genauer betrachtet. Nicht nur reflektiert hier Wolfram seine poetologische Vorgehensweise, sondern es wird auch bereits die große Bedeutung der Rolle des Erzählers deutlich, der oberflächlich betrachtet die Szenerie zu dominieren scheint. Dass diese Dominanz jedoch Brüche aufweist, wird eine genauere Untersuchung der Erzählerfigur und ihrer verschiedenen Rollen deutlich machen. Anhand dieser Rollen lässt sich die Ausgestaltung des perspektivischen Erzählens im gesamten Roman betrachten. Es ist nicht zuletzt diese perspektivische Vielfalt, die dem Roman seine offene Struktur gibt und damit seine Faszination und seine „Modernität“ ausmacht. Der Begriff des „parrierens“, mit dem Wolfram schon im Prolog die Existenz von Widersprüchen in den Menschen bezeichnet, die sich nicht einfach dichotonomisch in Gut und Böse einteilen lassen, lässt sich schließlich auch auf seine Poetik übertragen. Und diese ist facettenreicher und vielschichtiger als der Leser zunächst erwartet.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Der Prolog als poetologisches Programm

2.1 Der „parrierte“ Mensch – das Elsterngleichnis

2.2 Das „vliegende bîspel“ und die Erwartung an die Zuhörer

3. Poetologische Reflexion im Text

3.1 Die „Selbstverteidigung“

3.2 Das Bogengleichnis

3.3 Der Prolog zum siebten Buch

4. Die Rollen des Erzählers

4.1 Zur Bedeutung der Erzählerfigur

4.2 Ambivalenzen in der Selbstdarstellung des Erzählers

4.3 Exkurs: Der ambivalente Quellenbezug

4.4 Die Fiktion zu Gast: Das Aventiure-Gespräch

5. Perspektivisches Erzählen

5.1 Ausgestaltung der Figuren-Perspektiven

5.2 Erzählerperspektive versus Handlung

5.3 Begrenzungen der Figuren-Perspektiven

5.4 Erkenntnis und Bedeutung

6. Das „parrierte maere“ – eine Abschlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die komplexe Poetik und die vielschichtige Rolle des Erzählers in Wolframs von Eschenbach „Parzival“, um aufzuzeigen, wie durch eine polyperspektivische Erzählweise Widersprüche und offene Strukturen das Werk maßgeblich prägen. Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie der Erzähler sein eigenes Erzählverfahren reflektiert und welche Bedeutung dies für den Erkenntnisprozess des Rezipienten hat.

  • Analyse des Prologs als poetologisches Programm
  • Untersuchung der diskursiven Erzählerrollen und ihrer Ambivalenzen
  • Betrachtung der Fiktionalität und des Quellenbezugs
  • Erforschung der perspektivischen Gestaltung von Figuren und Handlung
  • Deutung der „parrierten“ Erzählweise als offene Struktur

Auszug aus dem Buch

2.1 Der „parrierte“ Mensch - Das Elsterngleichnis

Der Prolog des „Parzival“ gehört zu den umstrittensten Passagen des ganzen Werkes von Wolfram von Eschenbach. Bis heute ist sich die Forschung nicht einig, was genau Wolfram mit diesen einleitenden Worten dem Leser bzw. dem Zuhörer mit auf den Weg geben wollte. Zugegebenermaßen macht er ihnen das Verständnis nicht leicht, denn die schon sprichwörtliche „Dunkelheit“ des Wolframschen Stils und seine rätselhafte Bildersprache schlagen sich gleich in den ersten Versen nieder.

Dass der Prolog bei Wolfram so schwer zu deuten ist, ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, welche Funktion der Prolog grundsätzlich in der mittelalterlichen Epik zu erfüllen hat. Er soll in das Werk und seine Thematik einführen und den Rezipienten Unterhaltung und Unterweisung ankündigen. Diese Funktionen des „prodesse et delectare“ geht auf Horaz zurück. Hinzu kommt im typischen mittelalterlichen Prolog das Bemühen, sich die Aufmerksamkeit und das Wohlwollen der Zuhörer zu sichern, auch als „captatio benevolentiae“ bezeichnet. Auch wenn sich auf den ersten Blick durchaus einige der traditionellen Prolog-Elemente im „Parzival“ finden, so zeigt sich bei genauerem Hinsehen, dass diese bei Wolfram doch sehr mehrdeutig sind.

Zusammenfassung der Kapitel

1.Einleitung: Die Einleitung führt in die Komplexität des „Parzival“ ein und begründet den Fokus der Arbeit auf die Poetik und Erzählerrolle des Werks.

2. Der Prolog als poetologisches Programm: Dieses Kapitel analysiert die einleitenden Verse, insbesondere das Elsterngleichnis, um ein zugrundeliegendes poetologisches Programm zu erschließen.

3. Poetologische Reflexion im Text: Hier werden diskursive Einschübe des Erzählers untersucht, die seine literarische Position und sein Erzählverfahren legitimieren und kritisch beleuchten.

4. Die Rollen des Erzählers: Dieses Kapitel widmet sich der vielschichtigen und oft ambivalenten Erzählerfigur sowie deren Rolle als kritische Instanz und Vermittler.

5. Perspektivisches Erzählen: Es wird die polyperspektivische Anlage des Romans betrachtet, in der verschiedene Figuren- und Erzählerperspektiven nebeneinander existieren und sich teilweise widersprechen.

6. Das „parrierte maere“ – eine Abschlussbetrachtung: Die Abschlussbetrachtung führt die Ergebnisse zusammen und deutet die Offenheit und Vielschichtigkeit des Werks als zentrales Merkmal der Wolframschen Poetik.

Schlüsselwörter

Wolfram von Eschenbach, Parzival, Poetologie, Erzählerrolle, Mittelalterliche Epik, Elsterngleichnis, Perspektivität, Fiktionalität, Quellenbezug, Minnesang, Literaturtheorie, Struktur, Erkenntnisprozess, Romanhaftigkeit, Erzählstruktur.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die spezifische Erzählweise und die Rolle des Erzählers im „Parzival“ von Wolfram von Eschenbach, um aufzuzeigen, wie das Werk durch seine bewusste Strukturierung und Selbstreflexion eine außergewöhnliche Komplexität und Modernität erreicht.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zu den Schwerpunkten zählen der Prolog als poetologisches Programm, die verschiedenen Rollen und Ambivalenzen der Erzählerfigur, das Verhältnis von Erzähler- und Figurenperspektiven sowie die Frage nach der Fiktionalität des Erzählens.

Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?

Ziel ist es, die „Poetik des Parzival“ zu erschließen und zu verdeutlichen, wie Wolfram durch die Technik des „Parrierens“ (Vermischens) Widersprüche in Handlung und Charakterzeichnung nicht auflöst, sondern als essenziellen Bestandteil des Werks bestehen lässt.

Welche wissenschaftliche Methode wird hier angewendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die primär textimmanente Interpretationen und den Vergleich mit mittelalterlichen Literaturkonventionen sowie die Einbeziehung der mediävistischen Forschungsliteratur nutzt.

Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung poetologischer Reflexionen im Text, die Analyse der verschiedenen Erzählerrollen sowie die Erörterung des perspektivischen Erzählens, welches das Zusammenspiel von Erzähler-, Figuren- und Handlungsebene beleuchtet.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Poetologie, Erzählerrolle, Perspektivität, Parzival, Fiktionalität, „parrierte maere“ und literarische Reflexion definieren.

Warum spielt das „Bogengleichnis“ eine so wichtige Rolle für das Verständnis des Werks?

Das Bogengleichnis dient dem Erzähler als poetologische Reflexion über „gerades“ und „krummes“ Erzählen und verdeutlicht die absichtliche Verzögerung von Informationen sowie die Notwendigkeit für den Leser, den Verständnisprozess eigenständig aktiv mitzugestalten.

Welche Bedeutung kommt der Quellenberufung auf „Kyot“ im Kontext der Erzähler-Selbstdarstellung zu?

Die Berufung auf die fiktive oder fragwürdige Quelle „Kyot“ wird als mögliches Spiel des Erzählers gedeutet, um die gängige mittelalterliche Berufungspraxis zu parodieren oder als Verunsicherungsstrategie einzusetzen, die den Autoritätsanspruch des Erzählers zugleich unterstreicht und relativiert.

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Details

Titel
Poetologie und Erzählerrolle im "Parzival"
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für ältere Literatur)
Veranstaltung
Hauptseminar: Wolfram von Eschenbach
Note
2,0
Autor
Anja Mallmann (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2006
Seiten
25
Katalognummer
V59265
ISBN (eBook)
9783638532587
ISBN (Buch)
9783638718264
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Poetologie Erzählerrolle Parzival Hauptseminar Wolfram Eschenbach
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anja Mallmann (Autor:in), 2006, Poetologie und Erzählerrolle im "Parzival", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59265
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Leseprobe aus  25  Seiten
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