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Exzerpt zu "Kollektiv Neurotisch - Warum die westlichen Gesellschaften therapiebedürftig sind." von Christian Kohlross

Title: Exzerpt zu "Kollektiv Neurotisch - Warum die westlichen Gesellschaften therapiebedürftig sind." von Christian Kohlross

Excerpt , 2018 , 11 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Martha Ekiert (Author)

Cultural Studies - Miscellaneous
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Summary Excerpt Details

Christian Kohlross, geb. 1963, PD Dr., Kulturwissenschaftler an der Universität Mannheim, mehrere Gastprofessuren (u.a. Walter Benjamin Chair, Hebräische Universität, Jerusalem), Dozent in der Psychotherapiefortbildung sowie psychotherapeutisch tätig in eigener Berliner Praxis.

Laut Kohlross kommt man ohne Psychologie nicht aus, wenn man Politik begreifen will. Um politische Auseinandersetzungen verstehen zu können, muss man sich massenpsychologischen Fragestellungen zuwenden. Denn in der Politik kommt es nicht nur auf Vorstellungen, Inhalte und Überzeugungen an, sondern auch „den Akteuren nur halb- oder auch ganz und gar unbewusste Motive“ an (vgl. S.7). „Politik, das ist dem psychologischen Blick eben keine Sache nur für Politiker, sondern eine Sache der Grenzüberschreitung, der Kunst, wie Brecht es einmal genannt hat, in anderer Leute Köpfe zu denken.“ Eine geeignete rhetorische Form, um Grenzen zu überschreiten ist die Metapher. „Gesellschaften zum Beispiel so [zu sehen], als ob sie Personen wären und deshalb auch an Persönlichkeitsstörungen, wie es Hysterie oder Depression, Narzissmus oder Zwang sind, erkranken zu können.“ (S.8) Mit Hilfe eines metaphorischen Blickes kann die kollektivneurotische Seite des Gesellschaftslebens besser verstanden werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Gesellschaft und Neurose - Vorwort

2. Die depressive Gesellschaft

3. Die hysterische Gesellschaft

4. Die zwanghafte Gesellschaft

5. Die narzisstische Gesellschaft

6. Psychotherapie der Gesellschaft

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die These, dass gegenwärtige westliche Gesellschaften von verschiedenen Persönlichkeitsstörungen geprägt sind, und analysiert den Zusammenhang zwischen individuellen psychischen Mechanismen und gesellschaftlichen Zuständen.

  • Analyse der massenpsychologischen Dimension politischer Prozesse.
  • Untersuchung depressiver Gesellschaftsstrukturen und deren Ursachen.
  • Darstellung hysterischer Mechanismen, wie Massenhysterie und Aufmerksamkeitsökonomie.
  • Kritik an der zwanghaften Güterüberproduktion und Überwachung im Kapitalismus.
  • Psychotherapeutische Lösungsansätze zur gesellschaftlichen Heilung.

Auszug aus dem Buch

Die zwanghafte Gesellschaft

„Sie denken Dinge und führen Handlungen aus, von denen sie wissen, dass sie unsinnig sind, die sie aber dennoch nicht lassen können.“ (S.65) Hilflosigkeit und Angst gelten dabei als charakteristisch für neurotische Zustände. Diesen gespaltenen Bewusstseinszustand von einer Zwangserkrankung erörtert Kohlross anhand von drei Hauptbeispielen: Konsumgesellschaft, Diktatur/Überwachung und der Zeit.

An Zwang erkrankte hoch- oder spätkapitalistische Gesellschaften der Gegenwart neigen zu einer zwanghaften Güterüberproduktion. Diese Überproduktion und der damit einhergehende Massenkonsum dienen zur Kontrolle über die Angst. „Die Produktion von Gütern dient längst schon nicht mehr der Befriedigung von Bedürfnissen, vielmehr werden umgekehrt Bedürfnisse kreieret, um Produktion und Konsum zu rechtfertigen.“ (S. 66) Es gibt zu viele Autos, zu viele Informationen, zu viele Gesetze etc.. Dies ist die direkte Folge einer zwanghaften Güterproduktion, die von namenloser Angst getrieben ist. Die Vorstellung nur genauso so viel wie nötig zu produzieren, wird von der Angst verbannt.

Wäre der Bedarf das Maß von Produktion und Konsum, würde der dadurch erzielte Gewinn an Zeit nicht als Muße verbucht werden, sondern eine Leere/Langeweile hervorbringen, die ausgefüllt werden müsste. Dieser unheimliche Drang und die Verzweiflung darüber, sie nicht ausfüllen zu können, spricht für eine zwanghafte Gesellschaft.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Gesellschaft und Neurose - Vorwort: Der Autor führt seine These ein, dass westliche Gesellschaften als Personen betrachtet werden können, die an kollektiven Persönlichkeitsstörungen leiden.

2. Die depressive Gesellschaft: Dieses Kapitel behandelt die Depression als Volkskrankheit, verursacht durch eine moderne Welt, die das Individuum überfordert und den Mangel an bedingungsloser Anerkennung schmerzlich spürbar macht.

3. Die hysterische Gesellschaft: Der Fokus liegt auf der Massenhysterie, dem Bedürfnis nach grenzenloser Freiheit und der Bedeutung von Gefühlen sowie Aufmerksamkeit als Leitwährung in der modernen Gesellschaft.

4. Die zwanghafte Gesellschaft: Es wird analysiert, wie Angst zur zwanghaften Überproduktion von Gütern, autoritären Kontrollstrukturen und einem gestörten Zeitverständnis führt.

5. Die narzisstische Gesellschaft: Das Kapitel untersucht den kollektiven Narzissmus, der durch Selbsthass, Ausgrenzung anderer und eine permanente Suche nach Anerkennung durch eine gesellschaftliche Charaktermaske gekennzeichnet ist.

6. Psychotherapie der Gesellschaft: Der Autor schlägt konkrete gesellschaftspolitische und pädagogische Maßnahmen vor, um die psychische Gesundheit der Gemeinschaft zu fördern.

Schlüsselwörter

Kollektive Neurose, Massenpsychologie, Depression, Hysterie, Zwanghaftigkeit, Narzissmus, Psychopolitik, Dissoziation, Anerkennung, Leistungsgesellschaft, Entfremdung, Angstabwehr, Moderne, Gesellschaftskritik, Therapie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dem Werk grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, inwieweit moderne westliche Gesellschaften kollektive neurotische Züge aufweisen und durch Persönlichkeitsstörungen geprägt sind.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen umfassen die psychologische Dynamik von Gesellschaften im Kontext von Depression, Hysterie, Zwanghaftigkeit und Narzissmus.

Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?

Der Autor untersucht, wie politische und gesellschaftliche Prozesse als Ausdruck kollektiver seelischer Zustände und Verarbeitungsstrategien verstanden werden können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt einen kulturwissenschaftlich-psychologischen Ansatz, bei dem gesellschaftliche Phänomene mithilfe psychotherapeutischer Kategorien metaphorisch gedeutet werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden vier spezifische Persönlichkeitsstile – depressiv, hysterisch, zwanghaft und narzisstisch – auf die Ebene der Gesellschaft übertragen und anhand von Beispielen wie Massenkonsum oder politischer Instrumentalisierung analysiert.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?

Wichtige Begriffe sind unter anderem kollektive Neurose, Angstabwehr, Anerkennungsmangel, Dissoziation und Psychopolitik.

Welche Rolle spielt die Angst in der „zwanghaften Gesellschaft“?

Angst fungiert als Triebkraft, die zu einer Überproduktion von Gütern und einem Fluchtverhalten führt, um eine als leer empfundene Zeit nicht aushalten zu müssen.

Wie unterscheidet der Autor zwischen individuellem und kollektivem Narzissmus?

Während individueller Narzissmus (in gesundem Maße) zur Selbstfürsorge dient, ist kollektiver Narzissmus ein kompensatorischer Komplex aus Aggression und Abwertung gegenüber anderen Gruppen, der auf Selbsthass basiert.

Warum hält der Autor die „moderne Politik“ für hysterisch?

Politik wird als hysterisch eingestuft, da sie vermehrt auf der Aktivierung von Gefühlen basiert, um Aufmerksamkeit zu erzeugen, anstatt rein vernunftgeleitete Entscheidungen zu treffen.

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Details

Title
Exzerpt zu "Kollektiv Neurotisch - Warum die westlichen Gesellschaften therapiebedürftig sind." von Christian Kohlross
College
University of Potsdam
Course
Seminar: Aktuelle Positionen und Analysen der Kulturwissenschaft: Diskussion und Schreibwerkstatt
Grade
1,7
Author
Martha Ekiert (Author)
Publication Year
2018
Pages
11
Catalog Number
V592960
ISBN (eBook)
9783346181534
Language
German
Tags
christian exzerpt gesellschaften kohlross kollektiv neurotisch warum
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Martha Ekiert (Author), 2018, Exzerpt zu "Kollektiv Neurotisch - Warum die westlichen Gesellschaften therapiebedürftig sind." von Christian Kohlross, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/592960
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