Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) in der Sowjetischen Besatzungszone und in Berlin 1945 bis 1948


Magisterarbeit, 1994
222 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

Einleitung: Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) in der Sowjetischen Besatzungszone und in Berlin 1945 bis 1948 - Thema, Forschungsstand, Fragestellung

1 Vorgeschichte und Entstehung der VVN
1.1 Lokale antifaschistische Ausschüsse im Sommer 1945
1.2 Erste Organisationsformen der "Opfer des Faschismus"
1.3 Vorbereitungen für eine politische Verfolgtenorganisation
1.4 Die Alliierten zwischen Kooperation und Konfrontation - Die Gründungskonferenzen der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes im Jahre 1947

2 Programm, Statuten, Organisation und Arbeitsfelder der VVN
2.1 Programm und Statuten der VVN
2.2 Mitglieder und Funktionäre der VVN
2.3 Verlag und Publikationen der VVN
2.4 Fürsorge und Betreuung der Verfolgten

3 Die VVN in der Eskalationsphase des Kalten Krieges 1947 - 1948
3.1 Die Auseinandersetzung der VVN mit den Folgen des NS-Regimes
3.1.1 Geistige Auseinandersetzung mit dem NS-Regime: Würdigung des antifaschistischen Widerstands und Kampf gegen die NS-Ideologie
3.1.2 Politische Auseinandersetzung mit dem NS-Regime: Entnazifizierung und Internierung von NS-Funktionären
3.1.3 Juristische Auseinandersetzung mit dem NS-Regime: Verurteilung und Bestrafung von NS- und Kriegsverbrechern
3.1.4 Gruppenspezifische Auseinandersetzung mit dem NS-Regime: Wiedergutmachung und Befreiung aus alliierter Kriegsgefangenschaft
3.2 Die VVN und die wachsenden Spannungen zwischen Ost und West
3.2.1 Zwischen Kooperation und Konfrontation: SPD und VVN
3.2.2 Zwischen Lenkung und Selbstbehauptung: SED und VVN
3.2.3 Zwischen Parteinahme und Pluralismus: VVN und Kalter Krieg

4 Faschismus, Widerstand und Verfolgung aus Sicht der VVN: Die Ausstellung "Das andere Deutschland" 1948

Zusammenfassung: Die VVN in der SBZ und in Berlin -

Interessenvertretung der Verfolgten oder Tarnorganisation der Kommunisten?

Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Quellen- und Literaturverzeichnis

Tabellen

Einleitung: Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) in der Sowjetischen Besatzungszone und in Berlin 1945 bis 1948 -Thema, Forschungsstand, Fragestellung

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) wurde als kleinste aller Massenor­ganisationen in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) erst relativ spät, nämlich im Februar 1947, gegründet[1]. Die Berliner VVN, die in allen vier Sektoren der Stadt arbeitete, trat sogar erst zur Jahreswende 1947/48 ins politische Leben[2]. Beide Regionalverbände waren Teil der föderalistisch strukturierten gesamtdeutschen VVN, die sich auf der "ersten interzonalen Län­derkonferenz" Mitte März 1947 in Frankfurt am Main konstituierte[3].

Auf gesamtdeutscher Ebene war die VVN, die 1947 in allen vier Besatzungszonen und Berlin zusammen etwa 250 000 Mitglieder[4] hatte, von Anfang an umstritten. Der Parteivorstand der SPD für die Westzonen bezeichnete die VVN bereits Ende 1946, als gerade erst zwei Lan­desvereinigungen der Organisation in Nordrhein-Westfalen und Hessen bestanden[5], als "neue getarnte Propagandaorganisation" der Kommunisten und forderte die Mitglieder auf, "die Mitar­beit in diesen Vereinigungen zu verweigern."[6] In einer Erklärung vom April 1947 wandte sich der SPD-Parteivorstand insbesondere gegen die VVN in der SBZ, indem er behauptete, "daß die Berliner Zentrale der VVN rein kommunistischen Zwecken dient."[7] Später wurde in der Bundesrepublik behauptet, die Kommunisten hätten die VVN von vornherein als "neues Trojanisches Pferd" gegründet, um mit dieser "überparteilichen Tarnorganisation" auch "den Westen Deutschlands für Moskau zu erobern."[8]

Überraschenderweise spielte die VVN auch in der gesamtpolitischen Entwicklung der SBZ keine entscheidende Rolle, obwohl Antifaschismus für die aus der SBZ hervorgegangene DDR von Anfang an "das Kernstück ihres inneren und äußeren Selbstverständnisses" darstellte[9]. So war die VVN in den Blockausschüssen, die in der Anfangszeit der SBZ auf zentraler Ebene und in den Ländern wichtige Entscheidungen trafen[10], kaum vertreten. Während andere Organisa­tionen wie die Freie Deutsche Jugend (FDJ) oder der Demokratische Frauenbund Deutsch­lands (DFD) in mehreren Ländern Mitglieder in die Ausschüsse entsandten und der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB) sogar in allen Blockausschüssen mit vollem Stimmrecht Einfluß nehmen konnte, war die VVN nur in Sachsen-Anhalt mit beratender Stimme vertreten[11].

Daraus ergibt sich als zentrale Fragestellung dieser Arbeit: Welchen Charakter hatte die VVN in der Sowjetischen Besatzungszone, war sie von Anfang an Tarnorganisation zur Verbrei­tung kommunistischer Propaganda, oder war sie Interessenverband der Verfolgten des Naziregimes?

Die wissenschaftliche Aufarbeitung der Geschichte der VVN steckt noch in den Anfängen. In der DDR erschien erst 1984 die einzige größere Arbeit zur Geschichte der VVN in der Sowjetischen Besatzungszone. Die Dissertation von Konstanze Tenner konzentriert sich aller­dings stark auf die "politisch-ideologische Arbeit" der VVN. Tenner beschreibt in erster Linie die Entwicklung der öffentlichen Veranstaltungen, die die VVN zum Gedenken an die ermordeten "Opfer des Faschismus" organisierte; darüber hinaus spielen die Auseinandersetzung der Or­ganisation mit der Geschichte des Widerstands und mit den Prozessen gegen NS-Verbrecher sowie die Stellungnahmen der VVN zu allgemeinpolitischen Themen eine Rolle[12]. Die Konflikte zwischen VVN und SPD werden dargestellt[13], ohne auf die Ursachen einzugehen. Nur an einer einzigen Stelle nennt Tenner kurz "die Erscheinung des Personenkults um Stalin"[14] als Aus­gangspunkt dafür, daß viele nichtkommunistische NS-Opfer die VVN verließen. Auf das Eintre­ten der VVN für die sozialen Bedürfnisse ihrer Mitgliedschaft und auf unterschiedliche politische Vorstellungen innerhalb der VVN geht Tenner fast überhaupt nicht ein. Einzig und allein die Kri­tik vieler VVN-Mitglieder an der raschen Wiedereingliederung der nominellen NSDAP-Parteige­nossen ins politische Leben der sowjetisch besetzten Zone wird kurz erwähnt[15]. Insgesamt wird bei Tenner die Funktion zeitgeschichtlicher Arbeiten in der DDR sehr deutlich: Es ging darum, die SED-Herrschaft aus der führenden Rolle der KPD im antifaschistischen Widerstand zu legi­timieren, und abschließend resümiert Konstanze Tenner dann auch: "In der Deutschen Demo­kratischen Republik ist der Schwur der Antifaschisten erfüllt "[16] Auf den aktuellen politischen Anlaß, weshalb sich die SED Anfang der 80er Jahre für die VVN interessierte, weist vor allem das begleitende Autorenrefarat zur Dissertation hin: Die Erfahrungen eines überparteilichen politischen Bündnisses sollten "für den aktuellen Friedenskampf" gegen die atomare Aufrüstung des Westens genutzt werden[17], nachdem die NATO, aber auch der Warschauer Pakt im Herbst 1983 mit der Aufstellung neuer Mittelstreckenraketen in Europa begonnen hatten.

Wie stark historische Schriften in der DDR von der jeweils aktuellen politischen Situation abhängig waren, zeigt Wilfried Rupperts Monographie zur Geschichte der Internationalen Föde­ration der Widerstandskämpfer (FIR) von 1989, als im Gegensatz zu 1984 das internationale Klima zwischen Ost und West relativ entspannt war. In der Einleitung legt Ruppert kurz die Gründe dar, warum die VVN erst 1947 und nicht unmittelbar nach Kriegsende geschaffen wurde[18], aber im Unterschied zu Tenner deutet Ruppert zumindest den rücksichtslosen und gewalttätigen Umgang mit politisch Andersdenkenden an[19], den die kommunistische Bewegung besonders unter Stalins Führung praktizierte. Ruppert schreibt sogar von massiven "Menschenrechtsverletzungen in der UdSSR"[20], ohne allerdings das ganze Ausmaß brutaler Repressionen gegenüber Oppositionellen oder das Fehler jeglicher politischen Freiheit in Ost­europa darzustellen.

Hans Maur schließlich beschreibt in seinen biographischen Skizzen über Ottomar Geschke kurz dessen Wirken als Vorsitzender des Berliner Hauptausschusses "Opfer des Faschismus" und später als Vorsitzender der VVN, ohne jedoch auf kritische Punkte wie das umstrittene einseitige Engagement dieser Organisationen für Positionen der Kommunisten ein­zugehen[21].

In der Bundesrepublik wurde erst 1987 der erste wissenschaftliche Aufsatz zur Ge­schichte der VVN publiziert. Ursula Schröter zeichnet darin speziell die Entwicklung des Haupt­ausschusses "Opfer des Faschismus" und der VVN in Berlin und der SBZ nach, sie beschreibt unterschiedliche Meinungen innerhalb der VVN ebenso wie die Spaltung der Organisation infolge des Kalten Krieges[22], der sich in Berlin besonders zuspitzte. Bis dahin gab es nur einige kurze Selbstdarstellungen der VVN zu ihrer Gründung und Frühgeschichte. Im Mittelpunkt dieser parteilichen Darstellungen steht jedoch die Politik der Organisation in der Bundesrepu­blik, es geht um die programmatischen Vorstellungen unmittelbar nach dem Krieg, die oppositionelle Haltung zur Gründung der Bundesrepublik, die u. a. daraus resultierenden Ver­botsmaßnahmen der Bundesregierung gegen die VVN und die Trennung der sozialdemo­kratischen und bürgerlichen NS-Verfolgten von der Vereinigung[23]. Auf die Situation der VVN in der SBZ wird in diesen Darstellungen nicht eingegangen. Ebenso tritt die VVN in Aufsätzen kommunistischer Autoren, die sich allgemein mit antifaschistischen Positionen in den west­lichen Besatzungszonen in der frühen Nachkriegszeit befassen, nur als in Westdeutschland wirkende und staatlicherseits behinderte Organisation in Erscheinung, ihre Situation in Ost­deutschland wird nicht thematisiert[24]. Gleiches gilt für die Regionalstudie über die VVN in Hamburg zwischen 1945 und 1951, die allerdings auch die Auseinanderentwicklung der NS-Verfolgten verschiedener politischer Richtungen ausführlich beschreibt[25]. Den besten Überblick zu Konstituierung, Entwicklung und politischer Funktion der VVN speziell in der SBZ bietet der Aufsatz von Jan Foitzik, der 1990 im Rahmen des SBZ-Handbuches erschien, dort wird auch der Forschungsstand kurz skizziert[26].

Seit der Vereinigung der beiden deutschen Staaten im Herbst 1990 sind eine Reihe von Veröffentlichungen zum Thema Antifaschismus in der SBZ bzw. in der DDR erschienen. Die Arbeits- und Wirkungsweise der VVN spielt jedoch in vielen dieser Schriften überraschender­weise keine Rolle[27]. Eine der wenigen Ausnahmen stellt der Aufsatz "Antifaschismus und Kalter Krieg" von Annette Leo dar. Leo hält das Jahr 1948 in ihrer kurzen Beschreibung der Geschichte der VVN in Ostdeutschland für eine wichtige Zäsur. Während sich die VVN bis dahin "als Interessenvertretung aller Antifaschisten" verstanden hätte[28], hätte sie danach mehr und mehr "in ihren offiziellen Verlautbarungen brav alle Wendungen der SED mitgemacht."[29] Olaf Groehler behandelt in mehreren Aufsätzen zur Anerkennungs- und Wiedergut­machungspraxis bei den NS-Verfolgten in der SBZ auch die Frühgeschichte der VVN. Er the­matisiert insbesondere die zumindest unmittelbar nach Kriegsende ablehnende Haltung vieler kommunistischer Widerstandskämpfer dazu, die "rassisch" Verfolgten in gleichem Maße wie die politisch Verfolgten als "Opfer des Faschismus" gelten zu lassen[30]. Zudem befaßt sich Groehler mit Konzepten und Positionen der VVN bei den Debatten um eine dauerhafte Entschädigungs­regelung für die NS-Opfer in der SBZ[31]. Schließlich veröffentlicht der Interessenverband ehe­maliger Teilnehmer am antifaschistischen Widerstandskampf, Verfolgter des Naziregimes und Hinterbliebener (IVVdN), Nachfolgeorganisation des früheren Komitees der antifaschistischen Widerstandskämpfer in der DDR, in seiner Zeitschrift "Antifa" hin und wieder kurze Artikel zur Geschichte der VVN in Ostdeutschland[32].

Noch weniger als die Anfänge der VVN haben Historiker bisher die Geschichte anderer Verbände zur Kenntnis genommen, die sich seit der Nachkriegszeit mit der NS-Diktatur und ihren Folgen beschäftigen. Weder zur Geschichte der 1948 entstandenen Arbeitsgemeinschaft verfolgter Sozialdemokraten (AvS)[33] noch zum Wirken des 1950 gegründeten Bundes der Ver­folgten des Naziregimes (BVN) gibt es eine geschichtswissenschaftliche Darstellung[34]. Nur zur Frühgeschichte der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit ist jüngst eine Mono­graphie erschienen[35].

Die vorliegende Arbeit stützt sich nicht nur auf die genannten Schriften, sondern vor allem auf Dokumente der VVN, die zum großen Teil erst seit 1989/90 zugänglich sind. Zahlreiche im ehemaligen Zentralen Parteiarchiv (ZPA) der SED[36] lagernde Schriftstücke der VVN geben unmittelbar Auskunft über die Tätigkeiten zur Aufarbeitung des Widerstands und zur Ermittlung von NS-Verbrechern, über die Bildung und die Arbeit von Arbeitsgemeinschaften, die soziale Betreuung der ehemaligen Verfolgten und öffentliche Veranstaltungen, aber auch über die politische Zusammensetzung von Mitgliedschaft und Funktionärskörper der Organisation. Arbeitsprotokolle des Zentralvorstands der VVN vermitteln einen Einblick in unterschiedliche Meinungen, die innerhalb der VVN-Führung zu bestimmten Themen und Aktivitäten vertreten wurden. Aus Akten der Führungsgremien der SED, bis Anfang 1949 des Zentralsekretariats, später des Politbüros und der ihm zugeordneten Sekretariate[37], lassen sich Informationen über das Verhältnis der VVN zur führenden politischen Partei in der SBZ gewinnen.

Ergänzt werden diese Informationen durch Schriftstücke aus der Aktensammlung des IVVdN und aus dem Nachlaß des zweiten VVN-Vorsitzenden in der SBZ, Propst Heinrich Grüber, sowie durch von der VVN selbst veröffentlichte ausführliche Arbeitsberichte von ihren ersten beiden Hauptkonferenzen[38]. Um ein Bild von den fortlaufenden Tätigkeiten in den Jahren 1947 und 1948 zu gewinnen, wird auf die ersten beiden Jahrgänge der Zeitschrift "Unser Appell" zurückgegriffen[39], die der Zentralvorstand der VVN in der Sowjetischen Besatzungs­zone in der Regel zweimal im Monat herausgab. Um etwas über Reaktionen der Öffentlichkeit auf Aktivitäten der VVN in Erfahrung zu bringen, werden als zusätzliche Quelle die Berichte verschiedener Berliner Tageszeitungen aus Ost und West über die VVN herangezogen.

Um die zentrale Fragestellung nach dem Charakter der VVN zu beantworten - inwieweit war sie eine kommunistische Organisation, inwieweit fungierte sie als Interessenvertretung aller NS-Verfolgten - werden zunächst die Institutionen analysiert, aus denen die VVN hervorging. Es werden personelle Zusammensetzung, Tätigkeit und politische Aussagen der antifa­schistischen Ausschüsse und der Ausschüsse der politischen Häftlinge untersucht, die - zumeist bei den staatlichen Sozialverwaltungen angesiedelt - die entlassenen KZ-Häftlinge als erste betreuten.

Anschließend geht es um die Gründung der VVN und die dabei verkündeten politischen Ziele, um Programmatik, Statuten und darum, in welcher Stärke in bestimmten Parteien enga­gierte Verfolgte und politisch ungebundene Opfer des Naziregimes unter Mitgliedern und Funk­tionären vertreten waren.

Im dritten Teil wird ein Überblick über die Entwicklung der VVN in den ersten beiden Jahren ihrer Existenz gegeben. Es wird aufgezeigt, wie sich die VVN mit der Ideologie des Nationalsozialismus auseinandersetzte, den Widerstand gegen Hitler würdigte, am Entnazifizie­rungsprozeß teilnahm und auf die schweren Verbrechen der Nazis einging. Die Tätigkeiten der VVN für eine Wiedergutmachung der Schäden, die ihren Mitgliedern durch die Nazis entstan­den waren, werden dargestellt. All diese Aktivitäten müssen in Relation gesetzt werden zu dem Ausmaß, in dem die VVN in tagespolitischen Angelegenheiten Partei für die SED nahm und dazu beitrug, Positionen der SED propagandistisch zu verbreiten. Es wird geklärt, ob solche tagesaktuellen Stellungnahmen innerhalb der VVN umstritten waren oder nicht. Außerdem sind das Verhältnis der VVN zur SED und die Konflikte zwischen VVN und SPD Thema dieses Abschnitts.

Die Sicht der VVN von Faschismus, Widerstand und Verfolgung steht im Mittelpunkt des Abschnitts über die Ausstellung "Das andere Deutschland". Daraus können exemplarisch besonders deutlich Erkenntnisse über den Einfluß kommunistischer Vorstellungen auf das Geschichts- und Gesellschaftsbild der VVN gewonnen werden.

Abschließend noch einige Bemerkungen zu den für diese Arbeit zentralen Begriffen Fa­schismus und Antifaschismus: Faschismus an der Macht bedeutete für viele Kommunisten inner- und außerhalb der VVN die "offene terroristische Diktatur der am meisten reaktionären, chauvinistischen und imperialistischen Elemente des Finanzkapitals", so hatte bereits das XIII. Plenum des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale den Faschismus charakterisiert[40]. Diese Faschismusdefinition versuchte man in der DDR mit verschiedenen konkreten Beispielen zu belegen[41], sie bestimmte bis zuletzt das offizielle Faschismusbild[42]. Allerdings gab es zu Beginn der Nachkriegszeit auch bei einigen Kommunisten ein umfassen­deres Verständnis von Faschismus. Alexander Abusch z. B. sah den Grund für Hitlers Herr­schaft nicht allein im Interesse des deutschen Monopolkapitals, sondern auch im Mangel an demokratischer Tradition in Deutschland, verglichen mit den westlichen Ländern; als wesent­liche Merkmale des deutschen Faschismus sah er ferner "Rassenwahn", Massenmord und Eroberungspolitik an[43]. Christliche, sozialdemokratische und bürgerliche VVN-Mitglieder hatten von Faschismus andere, voneinander abweichende Vorstellungen, die hier im einzelnen nicht dargestellt werden können[44]. Während in quellennahen Passagen der Faschismusbegriff des jeweiligen Urhebers übernommen wird, liegt dem Begriff Faschismus in kommentierenden und zusammenfassenden Abschnitten ein Verständnis zugrunde, wie es sich in der wissenschaft­lichen Debatte der letzten 30 Jahre entwickelt hat. Demnach kann man unter Faschismus all jene antiliberalen und antikommunistischen politischen Massenbewegungen und Herrschafts­formen subsumieren, die sich in bewußter Orientierung an Italiens Faschistenführer Mussolini durch extremen Nationalismus, eine stark rassistisch orientierte Ideologie, eine paramilitärisch organisierte Partei mit Führerprinzip und durch extreme Gewalttätigkeit im politischen Handeln bis hin zur Vernichtung politischer, nationaler und "rassischer" Gegner auszeichneten und die zwischen 1918 und 1945 in vielen europäischen Ländern mit kapitalistischem Wirtschafts­system ihren Höhepunkt erreichten[45].

Als Antifaschismus galt bei den deutschen Kommunisten seit dem VII. Weltkongreß der Kommunistischen Internationale und der darauffolgenden "Brüsseler Konferenz" der KPD 1935[46] praktisch unverändert eine breite gegen den Faschismus gerichtete, "ihrem Wesen nach antiimperialistische Volksbewegung", "deren konsequentester Träger" die "Arbeiterklasse mit ihrer marxistisch-leninistischen Partei an der Spitze" sei[47]. Aber die Kommunisten reklamierten nicht nur eine Führungsrolle für die eigene Partei, sie grenzten auch Hitler-Gegner aus dem Antifaschismus aus. Dies betraf z. T. sogar bis in die 80er Jahre hinein den militärischen Wider­stand[48], der im Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 kulminierte, lange Zeit auch kleinere sozialistische und kommunistische Gruppen wie die KPO, die SAP und die POUM[49], die als "trotzkistische" Gruppe von den orthodoxen Kommunisten im spanischen Bürgerkrieg brutal be­kämpft wurde. Diese Auslegung des Begriffes Antifaschismus war auch in der VVN verbreitet, wurde aber durchaus nicht vor allen kommunistischen Widerstandskämpfern geteilt. Die nicht­kommunistischen VVN-Mitglieder legten Antifaschismus ohnehin breiter aus, so daß in der DDR später behauptet wurde, der Begriff Antifaschismus sei in der Nachkriegszeit "vielfach undiffe­renziert gebraucht" worden[50]. Auch hier gilt, daß in quellennahen Sentenzen Antifaschismus im Sinne des jeweiligen Verfassers zu verstehen ist, in kommentierenden und zusammen­fassenden Absätzen dieser Arbeit hingegen wird Antifaschismus "in seiner allgemeinen Bedeu­tung - als Widerstand der verschiedensten politischen Gruppen gegen die faschistischen Dikta­turen"[51] gebraucht, der von Kommunisten ebenso geleistet worden ist wie von Sozialdemokra­ten, Liberalen, Konservativen, Christen, Sozialisten, Humanisten und Demokraten[52].

1 Vorgeschichte und Entstehung der VVN

1.1 Lokale antifaschistische Ausschüsse im Sommer 1945

Während oder kurz nach Beendigung der Kampfhandlungen im Frühjahr 1945 entstanden in vielen Orten Deutschlands antifaschistische Ausschüsse, Komitees oder Kampfbünde[53], im folgenden kurz Antifas genannt. Initiiert wurden die Antifas meist von Aktiven und Funktionären aus der Arbeiterbewegung, häufig von Kommunisten[54], aber auch von ehemaligen Angehörigen der SPD oder - in Einzelfällen - der SAP[55], die aus dem Widerstand gegen das Naziregime stammten oder zumindest informell Kontakt untereinander gehalten hatten, auch wenn sie bis 1945 wegen des NS-Terrors kaum aktiv gewesen waren. Neben Kommunisten und Sozialde­mokraten arbeiteten vielerorts auch einige bürgerliche Intellektuelle mit[56], trotz der starken Re­präsentanz von Kommunisten waren diese Gremien im Hinblick auf Inhalte und Ziele in der Re­gel nicht kommunistisch, aber von politischen Kräften aus dem Arbeitermilieu dominiert[57].

Auch auf dem Gebiet der Sowjetischen Besatzungszone existierten in fast allen größeren Städten antifaschistische Initiativen. Besonders in traditionellen Industriegebieten, wo vor 1933 eine starke Arbeiterbewegung aktiv gewesen war, also in und rund um Berlin, im mittel­deutschen Industriegebiet um Halle und Leipzig, im Kohlenbergbaurevier rund um Eisleben, in den thüringischen Städten Erfurt, Weimar und Jena, also im Umfeld des Konzentrationslagers Buchenwald, und in vielen anderen Städten Sachsens und der preußischen Provinz Sachsen arbeiteten zahlreiche Antifas[58]. Aus den dünnbesiedelten Gebieten Brandenburgs und Mecklen­burgs sind hingegen kaum solche Initiativen überliefert, von einigen größeren Städten wie Rostock oder Greifswald abgesehen[59]. Charakteristisch für die meisten Antifas waren ihre Grün­dung durch lokale Initiatoren und die Beschränkung ihrer Aktivitäten auf einen Ort, maximal eine Großstadt[60], was maßgeblich mit den zerstörten Kommunikations- und Verkehrsverbin­dungen im Zusammenhang gestanden haben dürfte. Eine organisierte regionale Koordinierung der Tätigkeit gab es nur im Mansfelder Revier um Eisleben durch die "Antifaschistische Arbei­tergruppe Mitteldeutschland", die Kontakte zu mindestens 50 Ausschüssen unterhalten haben soll, und im Gebiet rund ums KZ Buchenwald durch das "Thüringen Komitee"[61]. Ansätze zu einer regionalen Zusammenarbeit entwickelten sich auch in Leipzig und den umliegenden Orten durch das dortige "Nationalkomitee Freies Deutschland"[62]. Eine Ausnahme bildete der Kreis Schwarzenberg im Erzgebirge. Das Gebiet blieb bis Juni 1945 unbesetzt von alliierten Truppen, so daß sich eine antifaschistische Bewegung mit rund 6 000 Mitgliedern ungehindert entfalten konnte[63].

Zunächst ging es vielen der spontan entstandenen antifaschistischen Organe um ein rasches Ende der Kämpfe. Sie wollten sinnlosen militärischen Widerstand, die Sprengung von Straßen und Brücken sowie weitere Zerstörungen, die Hitler im Rahmen seiner Politik der "verbrannten Erde" gegen Kriegsende befohlen hatte, verhindern[64]. Überdies ging es den aus der Arbeiterbewegung stammenden Antifaschisten darum, schnell Betätigungsfelder für politisch interessierte Arbeiter zu schaffen. Auf diese Weise sollte die spätere Wiedergründung einer oder mehrerer Arbeiterparteien erleichtert werden, denn insbesondere die Westalliierten hatten anfangs deutlich gemacht, daß es so bald keine Zulassung von Parteien geben sollte[65]. Die allgemeinpolitischen Ziele der Antifas, sofern sie überhaupt formuliert wurden, orientierten sich durchaus an der von Kommunisten im Exil ins Leben gerufenen Bewegung "Freies Deutschland"[66]. Deutschland sollte als "freies, demokratisches" Land aufgebaut werden, mit republikanischer Regierungsform, einer "Volksfrontregierung" und "einer freien, geheimen Wahl; es sollte freie Gewerkschaften und soziale Gerechtigkeit geben, international sollte sich Deutschland an den Prinzipien der Vereinten Nationen orientieren und mit allen Völkern friedlich verständigen; schließlich waren eine gründliche Entnazifizierung und die "Erfüllung der Ver­pflichtungen, die der deutschen Nation infolge des letzten Krieges auferlegt werden", geplant[67].

Diesen Vorstellungen entsprechend versuchten Nazigegner in vielen Städten, die kampf­lose Übergabe an die Alliierten zu erreichen. Sie forderten die Bevölkerung in Flugblättern zum Hissen weißer Fahnen auf[68], bewegten bekannte Hitler-Gegner zu Aktivität und z. T. sogar zur Selbstbewaffnung und nahmen in Einzelfällen Kontakt mit den Alliierten auf, um den Einsatz massiver militärischer Gewalt bei der Einnahme der Stadt zu verhindern[69].

Unmittelbar nach Kriegsende führten Vertreter der Ausschüsse spontan Entnazifizie­rungsaktionen[70] durch. Stadtbekannte NS-Funktionäre wurden aufgespürt und entweder sofort[71] oder durch die Besatzungsmacht verhaftet. Aus den öffentlichen Verwaltungen entfern­ten die Antifas selbst NSDAP-Mitglieder, oder sie forderten wenigstens die jeweilige Besat­zungsmacht dazu auf[72]. Parallel dazu begann die Umstrukturierung bzw. in Einzelfällen der Neuaufbau von Verwaltungen, in der Regel, indem die Komitees Einzelpersonen aus den eigenen Reihen Verwaltungsposten übertrugen, z. T. nahmen aber auch die Ausschüsse als solche vorübergehend städtische Funktionen wahr; die Westalliierten setzten solchen Aktionen der Antifas noch stärker Widerstand entgegen als die Sowjets[73]. Zur Sicherung der öffentlichen Ordnung bauten die Komitees in einigen Orten eigene Polizeikräfte auf, indem sie Mitglieder und Anhänger bewaffneten[74], und versuchten, die dringendsten Versorgungsprobleme bei Er­nährung und Wohnraum zu lösen[75]. Weitere Sofortmaßnahmen, die viele Antifas trafen, waren die Trümmerbeseitigung u. a. durch das Heranziehen aller NSDAP-Mitglieder zu körperlicher Arbeit[76], die Organisation der notwendigsten Fürsorge für Bedürftige, besonders für Opfer des Naziregimes[77], und die Mobilisierung der Arbeiterschaft in den Betrieben zur Instandsetzung der Maschinen und zur Wiederaufnahme der Produktion[78].

Die zahlreichen Antifa-Mitglieder aus der Arbeiterbewegung sahen in den Ausschüssen aber nicht nur Gremien zur unmittelbaren Soforthilfe, sondern auch Keimzellen für den Wieder­aufbau von Parteien und Gewerkschaften. Dabei wollte man nicht zuletzt ein gesellschaftliches Gegengewicht zu nach wie vor vorhandenen konservativen Kräften in Beamtenschaft und Wirt­schaft schaffen, die dem NS-Regime in administrativen Angelegenheiten bis zuletzt gedient hat­ten, auch wenn sie selbst nicht Mitglieder der NSDAP gewesen waren. Diese Gruppierungen hielten weiterhin wichtige Positionen besetzt, obwohl sie nach dem Zusammenbruch der NS-Herrschaft ebenso gelähmt und von politischer Apathie gekennzeichnet waren wie die Mehrheit der Bevölkerung, die mit Problemen des alltäglichen Überlebens beschäftigt und nicht in den Komitees tätig war[79]. So beabsichtigten die Initiatoren mit der Einberufung von Betriebsver­sammlungen in großen Fabriken[80] oder der Wahl von Betriebs- und Beamtenräten keineswegs nur die Wiederaufnahme der Produktion[81], es ging vielmehr auch um die Mobilisierung der Arbeiterschaft für Veränderungen der Machtverhältnisse in den Betrieben. In sehr vielen Antifas wurden spontan Versuche gemacht, nach dem gemeinsamen Leid in der Hitler-Zeit eine ein­heitliche Arbeiterpartei zu gründen. Diese Parteien sollten zumindest das Spektrum der soziali­stischen Arbeiterbewegung abdecken wie die "Vereinigte Kommunistische Partei Deutschlands" im brandenburgischen Forst, waren in einigen Fällen aber auch noch breiter angelegt, so z. B. arbeiteten in der im Mansfelder Revier tätigen "Partei der Werktätigen" Kommunisten, Sozial­demokraten und christlicher Gewerkschafter mit[82]. Ähnlich uneinheitlich wie die politische Bandbreite und die regional sehr unterschiedliche Namensgebung war auch der organisa­tionspolitische Charakter der Initiativen zu einer Einheitspartei. Es gab den Traditionen der deutschen Arbeiterbewegung entsprechend Weltanschauungsparteien und Ansätze zu einer auf einer politisierten Einheitsgewerkschaft aufbauenden Partei nach dem Muster der britischen Labour Party[83]. Die sofortige Schaffung einer Einheitspartei ohne Sammlung und einheitliche Ausrichtung der eigenen Kader wurde jedoch von der aus Moskau zurückgekehrten KPD-Füh­rung strikt abgelehnt. Walter Ulbricht, Fred Oelßner und andere Moskauer Remigranten vertra­ten den Standpunkt, die Kommunisten müßten zunächst in einer selbständigen Partei intensiv "zur Lösung der neuen Aufgaben" geschult werden, deshalb dürfe es zunächst "keine einheit­liche sozialistische Partei geben."[84] Außerdem entwickelten sich in den Ausschüssen oftmals "Versuche zur Bildung lokaler Einheitsgewerkschaften"[85], in vielen Antifas wurden Frauenaus­schüsse mit einem antifaschistischen politischen Selbstverständnis gebildet[86], und auch antifa­schistische Jugendgruppen entstanden in diesem Zusammenhang[87].

Aus dieser Entwicklung läßt sich ablesen, daß die Antifas in der kurzen Zeit ihrer Existenz sehr verschiedene Funktionen wahrnahmen. In den ersten Tagen und Wochen nach Kriegs­ende arbeiteten sie häufig als eine Art Stadtverwaltung. Dabei suchten sie Kontakt und Zu­sammenarbeit mit der jeweiligen Besatzungsmacht. Die Westmächte mißtrauten diesen schwer kontrollierbaren Initiativen aus der deutschen Bevölkerung, und besonders die US-Amerikaner befürchteten ein Übergewicht der Kommunisten und anderer linker Kräfte. Die US-Kommandan­ten aber auch die Briten lösten deshalb die Antifas in vielen Städten oft schon nach wenigen Tagen auf[88]. An anderen Orten beseitigten sie den Einfluß der Komitees auf die öffentliche Verwaltung und beschränkten ihre Aktivitäten auf soziale Selbsthilfe[89]. Die Westal­liierten bevorzugten beim Wiederaufbau der Verwaltungen "Fachbeamte", die nicht Mitglied der NSDAP gewesen waren, Personen aus dem Kreise der Kirchen sowie bürgerliche und sozial­demokratische Politiker aus der Weimarer Zeit[90]. In der Wirtschaft setzten sie ebenfalls auf etablierte "Experten" aus Industrie- und Handelskammern[91], sofern diese sich nicht in der Nazi­zeit besonders hervorgetan hatten. Anders als früher angenommen reagierten auch die sowje­tischen Besatzungsbehörden nicht grundsätzlich positiv auf die Antifas, sie waren nicht überall "Quelle der neuen Staatsorganisation", wie von Geschichtswissenschaftlern der DDR behauptet wurde[92]. Vielmehr bezeichneten die Politoffiziere der Roten Armee die Antifas als "ungesetzliche politische Organisationen"[93], besonders "stark 'bürgerlich' durchdrungene Gruppierungen" wie die Gruppe "Ernst" der Bewegung "Freies Deutschland" wurden als "ideologisch" negativ beurteilt[94]. Noch im Frühsommer 1945 wurden viele dieser "ungesetzlichen Organisationen" aufgelöst, oft wurden Repräsentanten der Antifas mit öffent­lichen Ämtern bis hin zum Stadtteilbürgermeister beauftragt; einige dieser Spontangründungen wie das "Antifaschistische Komitee" in Tempelhof oder die "Antifaschistische Jugend" in Neukölln integrierten die Sowjets sogar fast komplett in die neuen Berliner Bezirksämter[95].

Nach oder parallel zu ihrer Verdrängung aus administrativen Tätigkeiten arbeiteten viele Ausschüsse als Sammlungsbewegung für eine einheitliche Gewerkschaft oder Arbeiterpartei. Allerdings kanalisierten die KPD-Funktionäre um Walter Ulbricht diese Aktivitäten rasch in Rich­tung auf Wiedergründung einer selbständigen KPD, so daß auch die Sozialdemokraten bald an den Wiederaufbau ihrer eigenen Partei gingen, was vor allem von den in Hannover ansässigen Teilen der Parteiführung unter Kurt Schumacher forciert wurde[96]. Am längsten konnten sich die Antifas zumindest in den Westzonen als Keimzellen einer neuen Gewerkschaftsbewegung hal­ten, ehe sich daraus im Herbst 1945 auf Grundlage eines Kompromisses mit den Spitzenfunk­tionären des alten ADGB die Anfänge des späteren Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) entwickelten, der weniger politisiert war, als es in den Antifas ursprünglich gewünscht worden war[97].

Angesichts des Funktionswandels waren für das rasche Verschwinden der Antifas aus der politischen Landschaft oft noch im Sommer 1945 nicht allein äußere Gründe verantwortlich. Nicht nur das Betätigungsverbot oder der Funktionsentzug durch die Alliierten, nicht nur die Übernahme einzelner Personen in den regulären Staatsapparat, im Osten häufiger praktiziert als im Westen, bewirkten die Auflösung. Die Ausschüsse machten sich durch ihre Mithilfe beim administrativen Um- und Neuaufbau speziell im Osten, durch das Mitwirken vieler ihrer Mitglie­der bei der Wiedergründung der traditionellen Parteien und der Gewerkschaften, ohne gleich­zeitig eine spezifisch eigenständige Aufgabenstellung zu entwickeln, zum großen Teil selbst überflüssig.

Beim Vergleich der antifaschistischen Ausschüsse mit der späteren Vereinigung der Ver­folgten des Naziregimes lassen sich somit deutliche Unterschiede, aber auch einige Parallelen konstatieren. Im Gegensatz zur späteren VVN nahmen die Antifas sehr umfangreiche gesell­schaftliche Aufgaben wahr, ohne diese klar abzugrenzen. Sie waren praktisch kommunale Ver­waltungsorgane bzw. übten parallel zu den bestehenden, aber in ihrer Arbeit daniederliegenden Institutionen deren Tätigkeit aus. Sie arbeiteten als gesellschaftliche Organisationen anstelle der noch nicht wieder vorhandenen Parteien, Gewerkschaften und Verbände. Das Aufgaben­feld der VVN hingegen war von vornherein klar eingegrenzt. Sie wurde als Interessenvertre­tungsverband der NS-Verfolgten gegründet, sie wollte für öffentliche Akzeptanz der besonderen Situation des NS-Opfer sorgen und die sozialen Interessen ihrer Klientel wirk­sam vertreten.

Dennoch gab es auch Parallelen. Sowohl die Antifas als auch die VVN verstanden sich als überparteiliche Zusammenschlüsse von Hitler-Gegnern. Während jedoch die Antifas prinzipiell allen Menschen, die nicht in der NSDAP gewesen waren, offenstanden, sprach die VVN nur in einem bürokratischen Verfahren anerkannte NS-Verfolgte und aktive Widerstandskämpfer an. Beide politischen Bewegungen hatten Auseinandersetzungen mit den Alliierten, weil sie gegen das anfangs zumindest von den Westmächten rigide verfochtene politische Betätigungsverbot für Deutsche verstießen. Sie hatten darüber hinaus ähnliche Ziele: Sie traten für die Beseiti­gung aller Reste der NS-Herrschaft ein, forderten eine gründliche Auseinandersetzung mit der Ideologie des Nationalsozialismus, betonten die Mitverantwortung des ganzen deutschen Vol­kes für das Geschehene und wollten eine dauerhafte Zusammenarbeit aller Hitler-Gegner.

Schließlich lassen sich auch entstehungsgeschichtliche Zusammenhänge feststellen. Wie im folgenden dargestellt, entstand die VVN oft aus den für die soziale Betreuung der Verfolgten zuständigen Institutionen der Stadtverwaltungen, den OdF-Ausschüssen. Diese wiederum er­wuchsen in einer Reihe von Orten, z. B. in Leipzig, aus der praktischen Selbsthilfetätigkeit der Antifa-Bewegung[98]. Indirekt gehen die ersten Anfänge zur Schaffung der VVN somit auf die Antifa-Bewegung zurück.

1.2 Erste Organisationsformen der "Opfer des Faschismus"

Nachdem die KZ-Häftlinge im Frühjahr 1945 von den alliierten Truppen befreit worden waren, strömten Tausende von ihnen in die Großstädte. Sie waren unterernährt, verlaust, ver­dreckt und mangelhaft bekleidet[99], viele besaßen nicht mehr als ihre Häftlingskleidung, die sie auf dem Leib trugen[100], so daß sie dringend auf Hilfe angewiesen waren. In dieser Situation taten sich ehemalige politische Häftlinge und andere "aktive Antifaschisten" zusammen und gründe­ten teilweise noch vor Kriegsende Selbsthilfeinstitutionen wie den "Hilfsausschuß für die Opfer des faschistischen Terrors - Wiedergutmachungswerk" in Leipzig, der im Rahmen der Antifa-Bewegung entstand, um zunächst durch Spendensammlungen, dann mit Hilfe der Stadtverwal­tung Nahrung, Kleidung, Unterbringung und etwas Geld für die Häftlinge zu organisieren[101]. Im sowjetisch besetzten Gebiet entstanden so insgesamt 42 Hilfsinstitutionen für die "Opfer des Faschismus" (OdF), die bald nach ihrer spontanen Gründung dem Sozialamt der jeweiligen Stadtverwaltung zugeordnet wurden[102]. Größter und aktivster dieser Ausschüsse war der Haupt­ausschuß "Opfer des Faschismus" in Berlin[103], dessen Maßnahmen in vielerlei Hinsicht über Berlin hinaus als "wegweisend für die soziale und kulturelle Betreuung aller Opfer des Faschis­mus" angesehen wurden[104].

Noch ehe der Hauptausschuß am 14. Juni 1945 bei einer "Wiedersehensfeier" der heim­gekehrten ehemaligen politischen Gefangenen im großen Sendesaal des Berliner Funkhauses formell gegründet wurde[105], ergriff Ende Mai der kommunistische Sozialstadtrat des von den Sowjets schon Mitte Mai eingesetzten Berliner Magistrats, Ottomar Geschke, die Initiative und arbeitete zusammen mit einigen anderen ehemaligen Häftlingen im Interesse der Verfolgten[106]. Auf ihre Initiative hin beschloß der Berliner Magistrat bereits am 30. Mai 1945 eine erste Soforthilfe für die ehemaligen politischen Gefangenen: Sie erhielten eine einmalige Unterstüt­zung von 450 Reichsmark, für drei Monate die Lebensmittelkarte 1 mit den höchsten Verpfle­gungssätzen und Bezugsscheine für Kleidung; außerdem sollte ihnen Wohnraum "durch Ein­weisungen in Wohnungen von Faschisten" beschafft werden, und für die gesundheitliche Be­treuung sollte in jedem Bezirk ein Arzt speziell für sie zur Verfügung stehen[107]. Die OdF-Aus­schüsse in anderen Städten und Gemeinden der SBZ sorgten noch im Sommer 1945 für ähn­liche Regelungen. Im Herbst 1945 stellten dann die Verwaltungen in den Ländern Sachsen und Thüringen sowie in den Provinzen Brandenburg und Sachsen die örtlichen Soforthilfemaßnah­men innerhalb ihres jeweiligen Wirkungskreises auf einheitliche Grundlagen, indem sie Richt­linien und Ausführungsbestimmungen für die Fürsorge zugunsten der "Opfer der Faschismus" erließen; nur in Mecklenburg-Vorpommern verweigerten Landesverwaltung und Sowjetische Militäradministration eine landesweite Anerkennung von Fürsorgeorganisationen durch ent­sprechende Richtlinien[108].

Obwohl unter den elf Ende Juni gewählten Mitgliedern des Berliner Hauptausschusses[109] nur zwei Kommunisten waren, neben Ottomar Geschke gehörte nur Margarete Jung der KPD an, Robert Havemann trat erst 1950 der SED bei[110], wurde der kommunistische Einfluß bzw. die Dominanz der politischen Häftlinge im Hauptausschuß schon recht bald deutlich. Das lag sicherlich auch daran, daß mit Karl Raddatz als Geschäftsführer ein Kommunist die laufende Arbeit leitete[111]. Jedenfalls wies der Hauptausschuß am 28. Juni 1945 die inzwischen in den Berliner Bezirken gebildeten Unterausschüsse an, die Ende Mai beschlossenen Hilfsmaßnah­men auf diejenigen zu beschränken, die "aktiv am Kampfe gegen das Hitlerregime teilgenom­men" hatten[112]. Bibelforschern, "Arbeitsvertragssündern", Juden und anderen "rassisch" Verfolg­ten hingegen sollte dieser Anweisung zufolge "im Rahmen der allgemeinen Fürsorge" geholfen werden, sie wurden als "Opfer des Faschismus" mit Ausgebombten und im Kriegsdienst einge­setzten Soldaten gleichgesetzt[113]. In dieser Diskriminierung der "rassischen" Opfer durch die Kommunisten kam jene Fehleinschätzung des eigentlichen Charakters des NS-Regimes zum Ausdruck, die schon vor 1933 kennzeichnend für die kommunistische Faschismusanalyse gewesen war[114]. Führende KPD-Funktionäre hatten im Antisemitismus der Nazis in den späten 20er und frühen 30er Jahren lediglich einen "Schwindel" gesehen, "um lumpenproletarische Schichten zu gewinnen."[115] Auch während der NS-Diktatur hatten fast alle kommunistischen und sozialistischen Gruppen in Widerstand und Exil den Antisemitismus und Rassismus der Nazis unterschätzt, viele hatten die Judenfeindschaft als lediglich "manipulatorisch" charakterisiert[116]. Obwohl das Ausmaß des Massenmords der Nazis an den Juden schon kurz nach Kriegsende bekannt war[117], ignorierten die Kommunisten also nach wie vor den Rassismus als zentrales Prinzip der NS-Politik, dem alle anderen Bereiche untergeordnet waren[118]. Diese Herabwürdi­gung der Juden als "Nur-Opfer" führte zu scharfen Auseinandersetzungen zwischen den Kom­munisten und Heinrich Grüber, der sich schon unter den Nazis als Leiter der "Evangelischen Hilfsstelle für nichtarische Christen" für die "rassisch" Verfolgten eingesetzt hatte[119]. Grüber argumentierte, die politisch Verfolgten hätten schließlich eine persönliche Entscheidung für den Widerstandskampf getroffen und seien das Risiko der Inhaftierung bewußt eingegangen, die "Opfer der Nürnberger Gesetze" (OdNG) dagegen hätten keine andere Wahl gehabt[120]. Den­noch konnte sich Grüber zunächst nicht durchsetzen. Infolgedessen wurden in Berlin bis Ende September 1945 nur 2 352 politisch Verfolgte als OdF anerkannt und mit Sonderleistungen ver­sorgt[121].

Ebenso lehnten die praktisch überall von ehemaligen politischen Häftlingen kommu­nistischer Provenienz dominierten Verfolgteninstitutionen in vielen Orten der SBZ eine Aner­kennung von Juden und anderen "rassisch" Verfolgten als OdF ab; die Soforthilfemaßnahmen beschränkten sich zumeist auf jene NS-Opfer, die wegen politischer Delikte viele Jahre im KZ oder im Zuchthaus verbracht hatten[122].

Am 17. Oktober 1945 erließ der Berliner Magistrat endlich neue Richtlinien für die Aner­kennung als "Opfer des Faschismus", allerdings erst auf Befehl der Alliierten Kommandantur, wo seit Anfang Juli auch die Westmächte vertreten waren, die den "rassischen" Opfern der Nazis viel mehr Sensibilität entgegenbrachten als die Sowjets[123].

Gemäß den neuen Richtlinien wurden nun "die illegalen Kämpfer der antifaschistischen Parteien", damit dürften in erster Linie Kommunisten und Sozialdemokraten gemeint gewesen sein, Widerstandskämpfer aus kirchlichen Kreisen, Beteiligte "der Erhebung des 20. Juli", poli­tische Emigranten, die im Exil "nachweislich den Kampf gegen das Hitlerregime weitergeführt" hatten, Spanienkämpfer und politische Gefangene, die in "der Sonderformation 'Dirlewanger'"[124] oder in einer 999er Formation der Wehrmacht Militärdienst hatten leisten müssen, als "Kämpfer gegen den Faschismus" anerkannt[125]. Auch ein einzelner, enger Angehöriger jedes ermordeten Widerstandskämpfers, Witwen und Kinder gefallener Spanienkämpfer und sogar als kriminell oder "asozial" eingestufte KZ-Häftlinge, die sich "im Konzentrationslager aktiv in der antifa­schistischen Widerstandsbewegung betätigt" hatten, galten als "Kämpfer gegen den Faschis­mus"[126]. An diese Verfolgten wurde der Ausweis "Opfer des Faschismus" mit dem "Aufdruck 'Kämpfer'" ausgegeben[127].

Die "rassischen Opfer", also insbesondere die im KZ inhaftierten und die während der NS-Zeit versteckten Juden bzw. ein einzelner, enger Hinterbliebener jedes ermordeten Juden und darüber hinaus die aus "religiösen oder weltanschaulichen Gründen" Verfolgten, die nicht aktiv Widerstand geleistet hatten, "politische Gelegenheitstäter", die beispielsweise illegal Rundfunk­sendungen der Alliierten gehört hatten und deswegen inhaftiert worden waren, sowie Militär­straftäter, vornehmlich aus politischen Motiven Desertierte, sollten dagegen "den Ausweis 'Opfer des Faschismus' ohne den Aufdruck 'Kämpfer'" erhalten[128]. Für "Zigeuner" war die Aus­gabe eines OdF-Ausweises sogar "an den Nachweis eines festen Wohnsitzes und einer Be­schäftigung geknüpft."[129]

Noch stärker benachteiligt wurden "Mischlinge ersten Grades", also z. B. sogenannte "Halbjuden", und Verfolgte, die mit einem "arischen" Partner verheiratet waren, d. h. in einer sogenannten "privilegierten Ehe" die Jahre bis 1945 überstanden hatten. Sie wurden nur in Ausnahmefällen, so bei Zwangsarbeit "in verschärften Formen" oder anderen "besonders scharfen Verfolgungen", als "Opfer des Faschismus" anerkannt; andernfalls sollten sie nur eine "Bescheinigung" darüber erhalten, daß sie unter den Nazis bestraft oder gemaßregelt worden waren[130]. Da die Inhaber der "entsprechenden Bescheinigung" keinen Ausweis als "Opfer des Faschismus" erhielten, laut Richtlinien "infolge Geringfügigkeit"[131], waren sie von den weiter unten dargelegten Sozialleistungen und Betreuungsmaßnahmen für OdF ausgeschlossen. Parallel zu den neuen Anerkennungsrichtlinien wurde eine gesonderte Abteilung "Opfer der Nürnberger Gesetzgebung" eingerichtet, deren Leitung Julius Meyer, das einzige jüdische Mit­glied im Hauptausschuß, übernahm[132].

Somit gab es faktisch drei Gruppen von "Opfern des Faschismus": "Kämpfer gegen den Faschismus", "Opfer des Faschismus" ohne den Status "Kämpfer", das waren im wesentlichen "Opfer der Nürnberger Gesetzgebung", und die nicht wirklich anerkannten "rassischen" Opfer mit der erwähnten Bescheinigung. Allerdings war der Unterschied bei den Sozialleistungen zwischen den ersten beiden Gruppen gering. Zwar erhielten nur die Kämpfer die obengenannte einmalige Beihilfe von 450 Reichsmark, angeblich aus Geldmangel[133], aber alle übrigen Verord­nungen galten auch den "rassischen" Opfern. Die Verordnungen umfaßten neben den ersten Regelungen vom 30. Mai 1945 "Essenkarten" für "ein markenfreies Mittagessen in den Volks­gaststätten" während der Wintermonate 1945/46, ab März 1946 erneut drei Monate lang Le­bensmittelkarte 1, danach Karten um eine Stufe höher als der Tätigkeit der OdF entsprechend, und schließlich alle Leistungen der gesetzlichen Sozialversicherung, unabhängig davon, ob die OdF sozialversichert waren oder nicht[134]. Mit den neuen Richtlinien war der Großteil der "Opfer der Nürnberger Gesetzgebung", wenn man von den genannten Ausnahmen absieht, den politisch Verfolgten materiell weitgehend gleichgestellt.

Zehn Tage nach Inkrafttreten der neuen OdF-Anerkennungsrichtlinien in Berlin, am 27. und 28. Oktober 1945, fand in Leipzig die erste gemeinsame Konferenz von Delegierten der OdF-Institutionen aus allen Städten der SBZ statt. Dort warben die Berliner Vertreter Ottomar Geschke, Karl Raddatz und Heinz Brandt dafür, auch in der SBZ Opfer des Rassenwahns der Nazis als OdF gelten zu lassen und die Berliner Richtlinien zu übernehmen, um so weiterhin ein einheitliches Vorgehen der ostdeutschen OdF-Bewegung zu gewährleisten[135]. Heinz Brandt, selbst Kommunist aus jüdischem Elternhaus[136], argumentierte, die Juden wären in ihrer Mehr­heit zwar keine Kämpfer gewesen, könnten aber als Kämpfer für den Aufbau gewonnen wer­den; er warnte insbesondere die kommunistischen Widerstandskämpfer, sich sektiererisch zu isolieren, und fordert sie auf, "als Führer der Massen" aufzutreten; außerdem wies er auf die Notwendigkeit hin, auf die Westalliierten wegen ihrer Anwesenheit in Berlin Rücksicht nehmen zu müssen[137]. Obwohl auch die beiden jüdischen Verfolgten Julius Meyer und Leon Löwenkopf vehement für eine gleichberechtigte Behandlung der "Opfer der Nürnberger Gesetze" und der Widerstandskämpfer eintraten und obwohl Karl Raddatz darauf aufmerksam machte, daß nach den Berliner Richtlinien eine gewisse Hervorhebung der Widerstandskämpfer durch den Auf­druck "Kämpfer" auf dem OdF-Ausweis erhalten bleiben sollte, stimmte erst nach stundenlan­ger Diskussion eine Mehrheit der Delegierten dafür, den Berliner Empfehlungen überall in der SBZ zu folgen[138].

Was blieb, war die moralische Hervorhebung der Widerstandskämpfer. Das brachte der Hauptausschuß in Berlin auch in seinem Emblem zum Ausdruck: Es war der rote Winkel, das Zeichen der politischen Häftlinge in den Konzentrationslagern[139]. Die besondere Würdigung der politisch Verfolgten strich der Geschäftsführer des Berliner Hauptausschusses, Karl Raddatz, nochmals auf der zweiten Arbeitstagung der OdF-Ausschüsse in der SBZ Anfang 1946 in Weimar heraus. Raddatz betonte, die "erste Tätigkeit" der OdF-Betreuungsstellen müsse denen gelten, die "als bewußte Kämpfer die größten Opfer gebracht" hätten[140], wobei er das viel schwerere Los der "rassisch" Verfolgten in den Vernichtungslagern nicht seiner wirklichen Be­deutung entsprechend würdigte[141].

Wie stark aber die vielen Kommunisten im Sekretariat des Hauptausschusses trotz der neuen Richtlinien Einfluß auf die Anerkennung von OdF nahmen, zeigen Beispiele aus der Praxis. Verfolgte und Widerstandskämpfer, die nicht einer der beiden Arbeiterparteien angehör­ten, mußten nach ihrer Antragstellung oft sechs bis sieben Monate warten, bis sie registriert waren, das betraf sogar das CDU-Gründungsmitglied Paulus van Husen, "der nach dem 20. Juli 1944 zu drei Jahren Haft verurteilt worden war."[142]

Schwerpunkt der Arbeit des Hauptausschusses wie auch der OdF-Ausschüsse in anderen Städten war die soziale Betreuung der ehemals Verfolgten. Außer durch die erwähnten Verord­nungen halfen die Betreuungsstellen im allgemeinen durch die bevorzugte Vermittlung von Ar­beitsplätzen und Wohnungen, durch Steuerstundungen und Wiederaufbauvorschüsse[143].

Noch bevor es zu dieser dauerhaften Unterstützung kam, mußte der Hauptausschuß un­mittelbar nach seiner Gründung Sofortmaßnahmen treffen. Als im Sommer 1945 massenhaft Häftlinge aus den Konzentrationslagern Ravensbrück, Sachsenhausen, Buchenwald usw. nach Berlin strömten, sorgte der Ausschuß zunächst für Unterbringung und Versorgung mit dem Notwendigsten, indem er insgesamt zehn Durchgangsheime in Berlin einrichtete[144]. Nachdem der erste Ansturm abgeebbt war, konnten die meisten dieser Einrichtungen geschlossen wer­den. Nur drei Durchgangsheime blieben bestehen, um NS-Opfer unterzubringen, die sich nur vorübergehend in Berlin aufhielten, weil sie Angehörige suchten oder sich in Berlin Papiere be­schaffen mußten[145]. Ebenso wichtig war anfangs die Suche nach unzähligen vermißten KZ-Häft­lingen, denn die SS hatte in den letzten Wochen vor der Niederlage viele Unterlagen vernichtet und fast alle Konzentrationslager vor den herannahenden alliierten Truppen evakuiert, wobei Tausende Häftlinge auf den langen Märschen wegen Entkräftung gestorben waren oder von den Wachmannschaften ermordet worden waren[146]. Daher begannen die Mitarbeiter im Haupt­ausschuß sofort mit der systematischen Suche nach Verschollenen. Sie sammelten noch vor­handene Toten- und Hinrichtungslisten aus Lagern und Zuchthäusern, schalteten Landräte und Bürgermeister aus den Kreisen und Ortschaften ein, durch deren Gebiet die Evakuierungsko­lonnen gezogen waren, und strahlten in Zusammenarbeit mit dem Berliner Rundfunk Such- und Grußsendungen aus[147]. Im Jahr 1945/46 konnten so 6 327 von insgesamt 14 507 gesuchten Personen gefunden werden[148], das entsprach einem Prozentsatz von 43,6 Prozent.

Zu den langfristigen Aufgaben gehörte die Gesundheitsfürsorge für die ehemaligen Häft­linge, die die KZ-Haft in vielen Fällen nur krank und stark unterernährt überlebt hatten. Schon am 15. Juni 1945 konnte der Hauptausschuß das ehemalige Jagdschloß Sacrow bei Potsdam als Erholungsheim in Besitz nehmen und mit der Einweisung von jeweils 50 ehemaligen Ver­folgten für die Dauer von je vier Wochen beginnen, die sich dort in landschaftlich schöner Um­gebung und bei verhältnismäßig guter Lebensmittelversorgung erholen sollten[149]. Das Schloß Sacrow war "das erste Erholungsheim für ehemalige politische Häftlinge, das es in ganz Deutschland gab."[150] Noch im Herbst 1945 wurden zwei weitere Erholungsstätten eröffnet, zunächst in Hohenneuendorf und am 1. Oktober in Lehnitz bei Oranienburg, wo der Ausschuß eine Siedlung von 20 Einfamilienhäusern in Besitz nehmen konnte, die Strafkompanien aus dem KZ Sachsenhausen für Luftwaffenoffiziere hatten bauen müssen[151]. Schwieriger gestaltete sich die Betreuung schwer Erkrankter. Vor allem an Tuberkulose litt ein hoher Prozentsatz der aus KZ-Haft Entlassenen, ihnen konnte der Hauptausschuß erst im Oktober 1945 helfen, als ein Vertrag mit der Lungenheilstätte Sülzhayn im Südharz geschlossen war und die ersten 20 "Opfer des Faschismus" zur Kur dorthin fahren konnten[152]. Gute Luft, eine weit über den Sätzen der Berliner Lebensmittelkarte 1 liegende Versorgung und eine gute medizintechnische Einrich­tung mit Operationssaal, Röntgen- und Schichtaufnahmegeräten sorgten dafür, daß viele der 93 bis 1947 in Sülzhayn behandelten Tbc-Kranken geheilt oder in wesentlich verbessertem Ge­sundheitszustand entlassen werden konnten[153]. Später gelang es dem Hauptausschuß durch Vereinbarungen mit der Sozialversicherungsanstalt, auch für Herz- und Rheumakranke Sana­toriumsplätze zu organisieren[154]. Mit den von Anfang an geplanten Reihenuntersuchungen für alle anerkannten "Opfer des Faschismus" wurde jedoch erst 1947 begonnen[155]. Alle drei Erho­lungseinrichtungen gingen 1947 ebenso wie das Lungensanatorium Sülzhayn in den Besitz der VVN-Erholungsstätten GmbH über (Einzelheiten dazu in Abschnitt 2.4).

Auch über seinen eigentlichen Wirkungskreis hinaus war der Berliner Hauptausschuß "Opfer des Faschismus" sozial tätig. Auf Antrag der "Union der befreiten politischen Häftlinge der Tschechoslowakei" organisierte der Hauptausschuß im Herbst 1945 eine Suchaktion, um die vermißten Kinder von Lidice ausfindig zu machen und ihren Müttern in der Tschechoslowa­kei zurückzugeben[156]. Das tschechische Dorf Lidice hatte die SS im Juni 1942, nach einem erfolgreichen Attentat tschechischer Widerstandskämpfer auf den "Reichsprotektor von Böhmen und Mähren", Reinhard Heydrich, in einer Racheaktion völlig zerstört; alle erwachse­nen Männer waren standrechtlich erschossen und die Frauen ins KZ Ravensbrück eingeliefert worden; die Kinder waren zum Teil nach Polen und, sofern die Nazis unter "rassischen" Ge­sichtspunkten eine "Eindeutschung" für möglich gehalten hatten, nach Deutschland verschleppt worden[157]. Um die nach Deutschland entführten Kinder aufzuspüren, versandte der Hauptaus­schuß Namenslisten der 93 vermißten Kinder an alle Gemeinde-, Stadt- und Landes­verwaltungen in Deutschland, um sie überall in Rathäusern, Amtsstuben und Postämtern aus­hängen zu lassen[158]. Durch diese Aktion, die der Berliner OdF-Ausschuß als einen ersten Schritt am "Werk der Wiedergutmachung" betrachtete, konnten 13 vermißte Kinder ermittelt und ihren Müttern zurückgegeben werden[159]. In einer ähnlichen Aktion half der Ausschuß den franzö­sischen Besatzungsbehörden bei der Suche nach vermißten französischen Kindern; wiederum wandte er sich an die öffentlichen Verwaltungen auf allen Ebenen und wies die deutsche Bevöl­kerung auf ihre moralische Pflicht "zur Aufdeckung dieses Verbrechens" hin; die Nazis hatten nämlich seit 1940 schätzungsweise 100 000 Kinder aus Frankreich verschleppt[160].

Ebenfalls im Herbst 1945 starteten die organisierten Berliner Antifaschisten unter dem Motto "Rettet die Kinder" eine Spendensammlung, um allen Berliner Kindern zu Weihnachten ein Spielzeug und ein warmes Kleidungsstück zu schenken. Sinn dieser Sammlung war es unter anderem, ein Stück Versöhnung zwischen den NS-Verfolgten und den einfachen NSDAP-Mitgliedern und Mitläufern der Hitlerzeit zu schaffen, denn "auch den Kindern von Nazieltern" sollte etwas geschenkt werden[161]. Schließlich war das Verhältnis zwischen den "Opfern des Fa­schismus" und der übrigen Bevölkerung gespannt. Viele ehemalige Parteigenossen hielten die NS-Verfolgten für Kriminelle, die vor 1945 zu Recht im Lager gesessen hätten, andere beneide­ten die OdF wegen deren besserer Versorgung[162]. Jedenfalls waren die Beziehungen zwischen ehemaligen Pgs und Widerstandskämpfern in der Regel nicht von Achtung und Respekt ge­prägt, wie z. T. behauptet wird[163]. Alles in allem wurden bei der Aktion mehr als 6 Millionen Reichsmark gesammelt, außerdem wurde mit Hilfe der Frauenausschüsse aus Stoffresten Kin­derkleidung genäht und in Zusammenarbeit mit den Jugendausschüssen Spielzeug gebastelt, so daß insgesamt 364 115 Kinder, 78 Prozent aller Berliner Kinder, beschenkt werden konn­ten[164]. Darüber hinaus veranstalteten einzelne OdF-Bezirksausschüsse 1945 Weihnachtsmärkte für die Bevölkerung und auf zentraler Ebene wurden zwei Weihnachtsfeiern für die "Opfer des Faschismus" selbst und ihre Angehörigen organisiert[165].

Neben seiner sozialen Tätigkeit begann der Ausschuß im Spätsommer 1945, sich politisch zu engagieren. Am Sonntag, dem 9. September 1945, veranstaltete der Hauptaus­schuß eine Gedächtniskundgebung für die "Opfer des Faschismus" im Neuköllner Werner-Seelenbinder-Stadion. Es war die erste politische Massenkundgebung überhaupt in Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg, an der sich alle politischen Parteien, gesellschaftlichen Organisationen und Religionsgemeinschaften beteiligten[166]. Etwa 50 000 Menschen, darunter Delegationen aus anderen großen Städten der SBZ wie Leipzig, Halle, Magdeburg und Dresden, aber auch aus Frankfurt a.M. und aus Braunschweig[167], gedachten der Ermordeten der Jahre 1933 bis 1945 durch Kranzniederlegungen und eine Schweigeminute[168]. Oberbürgermeister Arthur Werner, der als erster sprach, beschwor in seiner Rede die "Ideen der Freiheit, der Gerechtigkeit und der Völkerfreundschaft" und forderte dazu auf, vor allem den Jugendlichen den "Heldenmut des po­litischen Kämpfers" als vorbildlich zu vermitteln und die Jugend nicht mehr in kriegerischem Geist zu erziehen[169]. Die viele Jahre im KZ Ravensbrück inhaftierte Maria Wiedmaier betonte in ihrer Ansprache vor allem die Mitschuld der Masse der Deutschen an den Verbrechen der Nazis, die diese Verbrechen gesehen und schweigend geduldet hätten, und leitete daraus die Pflicht zur Wiedergutmachung ab[170]. Der Hauptausschuß-Vorsitzende Ottomar Geschke mahnte alle Widerstandskämpfer, weiterhin zu kämpfen, um so die politisch lethargische Masse der Deutschen für den Aufbau eines demokratischen deutschen Staates zu gewinnen[171]. Am Vormit­tag des 9. September hatten bereits beide christliche Konfessionen der Opfer gedacht, der evangelische Gedenkgottesdienst hatte in der Marienkirche stattgefunden, der katholische Trauergottesdienst in der Neuköllner St.-Klara-Kirche[172]. Auch in anderen Städten der Sowjetischen Besatzungszone veranstalteten die OdF-Ausschüsse im Herbst 1945 solche Ge­dächtniskundgebungen, an denen beispielsweise in Dresden sogar 70 000 und in Schwerin immerhin 30 000 Menschen teilnahmen, so daß die OdF-Ausschüsse der SBZ auf ihrer ersten gemeinsamen Konferenz Ende Oktober 1945 in Leipzig beschlossen, jedes Jahr einheitlich an einem Sonntag im September einen Gedenktag für die "Opfer des Faschismus" durchzufüh­ren[173].

Der Beginn des Prozesses gegen die Hauptkriegsverbrecher am 14. November 1945 vor dem Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg war für den Hauptausschuß Anlaß für die Veranstaltung "Wir klagen an!". Dabei ging es der größten Verfolgteninstitution in Deutschland besonders darum, klarzustellen, daß es in Deutschland antifaschistischen Widerstand gegeben hatte und daß die Nazis auch "Verbrechen gegen das eigene Volk begangen" hatten[174], um dem Eindruck entgegenzuwirken, in Nürnberg stünde Deutschland insgesamt vor Gericht. Die Nürn­berger Anklageschrift basierte nämlich auf der Annahme, es hätte in Deutschland keinen nen­nenswerten Widerstand gegen die nationalsozialistische Herrschaft gegeben[175]. Auch wenn der amerikanische Hauptankläger Robert Jackson zu Beginn der Verhandlung in Nürnberg erklärt hatte, es solle "nicht das ganze deutsche Volk beschuldigt werden"[176], so war doch der Einfluß des "Vansittartismus" auf die Anklage unverkennbar. Der Unterstaatssekretär im britischen Außenministerium, Robert Vansittart, hatte in einer Rundfunkansprache 1941 NS-Herrschaft und Angriffskrieg auf einen angeblich aggressiven, autoritären und antidemokratischen Natio­nalcharakter der Deutschen zurückgeführt[177]. In der Folge fand die sogenannte Kollektivschuld­these, wonach alle Deutschen für das Hitlerregime verantwortlich gewesen seien, besonders in Großbritannien und den USA weite Verbreitung, was als "Vansittartismus" bezeichnet worden ist[178].

Auf der Veranstaltung zum Hauptkriegsverbrecherprozeß versuchten die einzelnen Red­ner, ein Bild vom gesamten Ausmaß der Verbrechen der Nazis zu geben. Gustav Dahrendorf stellte die schon lange vor 1933 entwickelte rassistische Ideologie der Nazis dar[179], Otto Braß rief die Verbrechen an Funktionären der Arbeiterorganisationen und an den sowjetischen Kriegsgefangenen in Erinnerung[180] und Robert Havemann ging auf den Mißbrauch der Wissen­schaft und das Euthanasieprogramm ein[181]. Im Mittelpunkt der Ansprache von Hildegard Staehle, die in ihrer Abwesenheit verlesen wurde, standen der Massenmord an den Juden sowie die damit einhergehenden Diskriminierungen und Mißhandlungen[182]. Übrigens herrschte so kurz nach Kriegsende noch ein gewisser Konsens über die Ursachen der NS-Herrschaft, zumindest zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten. Ähnlich wie die Kommunisten sah der im Umfeld des 20. Juli tätige Sozialdemokrat Dahrendorf in den "Millionenfonds der kapitali­stischen Hochbourgeoisie" und der Unterstützung "von reaktionären Großgrundbesitzern" wesentliche Faktoren, die Hitler zur Macht verholfen hatten[183].

Außerdem wollten die Veranstalter mit dieser Kundgebung die Masse der Deutschen auf ihre Mitschuld an den Geschehnissen hinweisen. Schließlich lehnten große Teile der deutschen Bevölkerung den Nürnberger Prozeß ab, in späteren Umfragen äußerten dann sogar nur noch 10 Prozent der Befragten in irgendeiner Form Zustimmung[184]. Die Kollektivschuldthese und die kaum begreifbare Dimension der Verbrechen führten bei vielen Deutschen schon gleich nach Kriegsende zu einer Trotz- und Verweigerungshaltung. Nicht nur ehemalige Nazis, sondern auch viele Mitläufer und nicht unmittelbar Beteiligte bagatellisierten die Verbrechen, wälzten Schuld auf andere ab, rechneten die schweren Verbrechen der Nazis gegen das Verhalten der Alliierten in Kriegs- und Nachkriegszeit auf oder lobten gar Leistungen des "Dritten Reiches" wie die "Tapferkeit des deutschen Soldaten" oder den Autobahnbau[185]. In Anbetracht dieser Stim­mung warf Ottomar Geschke in seinen am Schluß der Kundgebung vorgetragenen Ausführun­gen den Millionen von Mitläufern vor, sie hätten gesehen, "wie die Juden aus ihren Wohnungen gerissen wurden und ... die Synagogen brannten", sie hätten aber nichts dagegen getan, son­dern im Gegenteil, "Teile des deutschen Volkes" hätten sich sogar "an den nichtswürdigen Verfolgungen ... beteiligt."[186] Zugleich jedoch wandte sich Geschke gegen die Kollektivschuld­these und dagegen, keine deutschen Richter an Prozessen gegen die Nationalsozialisten zu beteiligen, was die Alliierten in Nürnberg verweigert hatten[187]. Er bat die Alliierten, "die in Zukunft gefaßten nationalsozialistischen Verbrecher vor eigenen Gerichten aburteilen zu können", denn er erhoffte sich von der bewußten und eigenverantwortlichen Auseinandersetzung mit der Ver­gangenheit eine Stärkung des Antifaschismus in Deutschland[188].

Viel umstrittener als Veranstaltungen, die sich unmittelbar mit Anliegen der Betroffenen befaßten, waren OdF-Versammlungen allgemeinpolitischer Art. Dies traf besonders auf eine von Karl Raddatz für den 3. März 1946 organisierte Kundgebung der "Opfer des Faschismus" im Admiralspalast zu. Nur zwei Tage, nachdem eine Funktionärskonferenz der Berliner SPD beschlossen hatte, die Mitglieder in einer Urabstimmung darüber entscheiden zu lassen, ob sich ihre Partei mit der KPD zusammenschließen soll[189], sollten sich die Berliner "Opfer des Fa­schismus" zur Vereinigung von KPD und SPD bekennen[190]. Die Versammlung vom 3. März, auf der Ottomar Geschke die geplante Fusion vehement als Fortsetzung der im KZ "geschmiedeten Einheit" von Kommunisten und Sozialdemokraten propagierte, so daß die mehr als 1000 anwe­senden ehemals Inhaftierten die Forderung nach einer einheitlichen Arbeiterpartei einstimmig begrüßten[191], wurde von den Vertretern der Westmächte in der Alliierten Kommandantur ebenso mißbilligt wie zwei OdF-Versammlungen, die bereits in den Tagen zuvor im amerikanischen Sektor für die Einheitspartei geworben hatten[192]. KPD und Sowjets reagierten kooperativ auf die vom amerikanischen Stadtkommandanten General Barker in der Alliierten Kommandantur vor­getragene Forderung nach Konsequenzen. Der stellvertretende Oberbürgermeister Karl Maron (KPD) distanzierte sich im Namen des Magistrats von der Veranstaltung, er erklärte, der Hauptausschuß habe "keinerlei politische Aufgaben", und warf Raddatz eigenmächtiges Han­deln vor; der sowjetische Stadtkommandant General Smirnow ließ Raddatz daraufhin verhaf­ten[193]. Zwar ließen die Sowjets Raddatz kurze Zeit später unter Hinweis auf seine zehnjährige KZ-Haft wieder frei, gleichwohl wurde er aus dem Magistrat entlassen[194], die Geschäftsführung des Hauptausschusses übernahm Hellmut Bock, ebenfalls Kommunist.

Dennoch gab es unter den vier Besatzungsmächten weiterhin Meinungsverschiedenhei­ten über die Rolle der Institution. Während der amerikanische Vertreter in der Kommandantur grundsätzlich keine politischen Aktivitäten der Betreuungsstelle mehr akzeptieren wollte und darin von seinen westeuropäischen Kollegen unterstützt wurde, argumentierte die sowjetische Seite, der Hauptausschuß müsse weiterhin Aufklärungsarbeit zur demokratischen Erziehung des deutschen Volkes leisten können, und führte als Beispiel die Veranstaltung über den Nürn­berger Hauptkriegsverbrecherprozeß an[195]. Am 18. April einigten sich die Alliierten schließlich darauf, dem Ausschuß "rein antifaschistische Propaganda" zu gestatten, aber jegliche parteipo­litische Betätigung zu verbieten, was der Magistrat strenger als bis dahin beaufsichtigen sollte[196].

Doch trotz Einigung der Alliierten blieb die zentrale OdF-Betreuungsstelle in Berlin in der Kritik. Vor allem die sozialdemokratischen Verfolgten, wegen des Engagements des Hauptaus­schusses für die SED-Gründung ohnehin verärgert, protestierten gegen das wachsende Über­gewicht der Kommunisten. Nachdem Gustav Dahrendorf als Gegner der Vereinigung von KPD und SPD Berlin und damit auch den Hauptausschuß verlassen hatte, gehörte der Führung im Frühjahr 1946 kein Sozialdemokrat mehr an, denn Otto Braß war mit in die SED gegangen; außerdem war Hildegard Staehle im Dezember 1945 verstorben, Andreas Hermes hielt sich nach seiner Absetzung als CDU-Vorsitzender der SBZ nicht mehr in Berlin auf, und Theodor Steltzer war inzwischen Regierungspräsident von Schleswig-Holstein geworden[197]. Vor diesem Hintergrund wurde der Hauptausschuß im Laufe des Jahres 1946 um insgesamt elf Mitglieder erweitert: Neben der Sozialdemokratin Annedore Leber und Marion Gräfin York von Wartenberg, Ehefrauen zweier von den Nazis nach dem 20. Juli 1944 hingerichteter Wider­standskämpfer, kamen zwei weitere Sozialdemokraten[198] und mit dem ehemaligen Gefängnis­pfarrer Harald Poelchau, dem Christdemokraten Rudolf Pechel und Kurt Schatter drei zusätzliche Vertreter bürgerlicher Widerstandsgruppen in den Hauptausschuß; als Repräsen­tanten der "rassisch" Verfolgten wurden Fritz Katten und Fritz Corsing aufgenommen[199]. Mit Margareta Kuckhoff wurde nur eine Kommunistin kooptiert, allerdings stand auch der neu in den Ausschuß berufene, parteilose ehemalige Fabrikant Leo Skrzypczynski[200], ab August 1945 Präsident der Zentralverwaltung für Industrie in der SBZ, den Kommunisten nahe, denn er hatte in der Widerstandsgruppe "Rote Kapelle" mitgearbeitet[201].

In der Folge gab es weitere Konflikte zwischen der halbstaatlichen OdF-Organisation und den Alliierten. So verbot während der Vorbereitungen zum OdF-Gedenktag im September 1946 der Erziehungsausschuß der Alliierten Kommandantur den "Opfern des Faschismus", persön­lich in Schulen aufzutreten, weil sie "mit den Schulen nichts zu tun haben"; stattdessen sollten die Schüler von den regulären Lehrern über den Anlaß des Gedenkens und die "Unmenschlichkeit des Faschismus" aufgeklärt werden[202]. Allerdings fanden in den Schulen dann dennoch Feierstunden für die Opfer von Verfolgung und Widerstand statt[203]. Auseinan­dersetzungen solcher Art hatte es auch außerhalb Berlins häufig gegeben, so daß die erste interzonale Tagung der OdF-Stellen aus ganz Deutschland Ende Juli 1946 in Frankfurt a.M. den Beschluß faßte, in allen Zonen und Berlin eine politische Organisation zu gründen, die "alle Verfolgten des Naziregimes in einer selbständigen überparteilichen Vereinigung" zusammen­fassen sollte[204].

Noch ein halbes Jahr zuvor hatte der KPD-Funktionär Stefan Heymann diese Frage ganz anders beurteilt. Auf der Arbeitstagung der OdF-Ausschüsse in Weimar forderte er, keine neue Organisation aufzubauen, vielmehr sollten die "Betreuungsstellen für die Opfer des Faschis­mus" selbst "zu einem politischen Machtfaktor werden."[205] Heymanns Meinung nach sollten die Betreuungsstellen für die deutsche Einheit kämpfen, für die Vereinigung von KPD und SPD werben, die Öffentlichkeit über die deutsche Widerstandsbewegung aufklären und stärker als bis dahin bei der Entnazifizierung mitarbeiten[206]. Das wurde im Sommer 1946 nicht mehr für praktikabel gehalten, so daß in vielen Ländern vorbereitende Arbeiten für den Aufbau eines po­litischen Verbandes der Verfolgten begannen.

Kein geteiltes Echo riefen Presse-, Kultur- und Ermittlungsarbeit der "Opfer des Faschis­mus" hervor.

Kurz nachdem der Hauptausschuß seine Arbeit aufgenommen hatte und dadurch in die Öffentlichkeit getreten war, schickten die ersten Opfer der Naziherrschaft Erlebnisberichte an den Ausschuß. Um die Bevölkerung mit Hilfe der erschütternden persönlichen Berichte über die Ungeheuerlichkeit der NS-Verbrechen aufzuklären, wurde schon Ende Juni 1945 eine Presse­abteilung eingerichtet[207]. Später versorgte diese Abteilung nicht nur Rundfunk und Printmedien mit Auszügen aus diesen Berichten, die in wachsender Zahl eintrafen, sondern es wurden auch regelmäßig Pressekonferenzen organisiert, um über die soziale Lage der OdF oder über Ver­anstaltungen des Hauptausschusses zu informieren[208]. Der Plan, die Schilderungen persönlicher Schicksale redaktionell aufzuarbeiten und daraus eine "antifaschistische Schriften­reihe" zu machen, scheiterte jedoch daran, daß die Alliierten dem Hauptausschuß verboten, verlegerisch tätig zu sein[209].

Ab November 1945 organisierte der Hauptausschuß auch spezielle kulturelle Veranstal­tungen für die ehemals Verfolgten. Alle zwei Monate gab es politische "Weihestunden" im großen Sendesaal des Hauses des Rundfunks, in der ersten "Weihestunde" am 11. November 1945 wurde der antisemitischen Pogrome von 1938 gedacht[210]. In späteren "Weihestunden" wurde an die Opfer des 20. Juli erinnert oder es wurden Lieder, Gedichte und Prosastücke vorgestellt, die Antifaschisten im KZ oder im Exil geschaffen hatten[211]. Umrahmt wurden die Gedenkreden von instrumentalen Musikstücken, Chören und Rezitationen[212].

Im Frühjahr 1946 gründete der Hauptausschuß eine Rechts- und Ermittlungsabteilung, als der Alliierte Kontrollrat in seinem Gesetz Nr. 10 deutschen Gerichten im Grundsatz die Möglich­keit eingeräumt hatte (Einzelheiten zum Kontrollratsgesetz Nr. 10 in Abschnitt 3.1.3), Verfahren gegen Nazis wegen "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" durchzuführen[213]. In Zusammenar­beit mit der Deutschen Zentralverwaltung für Justiz in der Sowjetischen Besatzungszone wurde ein juristisch verwendbarer Fragebogen an rund 10 000 ehemalige politische Häftlinge ausge­geben, um auf diese Weise gerichtlich verwertbares Belastungsmaterial insbesondere gegen das frühere Wach- und Aufsichtspersonal von Konzentrationslagern und Zuchthäusern zu sammeln[214]. Bis zum 1. April 1947 konnten mit Hilfe dieses Verfahrens belastende Zeugenaus­sagen gegen insgesamt 7 543 Beschuldigte beschafft werden[215]. In zehn Verfahren gegen KZ-Wachmannschaften und Zuchthauspersonal spielte von der Ermittlungsabteilung zusammenge­tragenes Anklagematerial eine wesentliche Rolle[216].

Alles in allem hat der Hauptausschuß "Opfer des Faschismus" in den ersten zwei Jahren seiner Existenz umfangreiche Aktivitäten entfaltet. Im Vordergrund stand die Befriedigung der dringendsten sozialen Bedürfnisse der Verfolgten. Aber auch mit seinen politischen und kulturellen Veranstaltungen hat der Hauptausschuß viele Menschen erreicht, sogar zur begin­nenden juristischen Aufarbeitung der NS-Verbrechen konnte er Einiges beitragen.

Obwohl die Kommunisten zu keiner Zeit die Mehrheit im Hauptausschuß stellten, nach der Berufung neuer Mitglieder Mitte 1946 gehörten nur fünf von 18 in Berlin anwesenden Mitglie­dern der SED an, konnten sie in zwei Bereichen sehr weitgehend ihre Vorstellungen durchset­zen: Zum einen wurden auf Initiative der Kommunisten anfangs nur die politisch Verfolgten und somit zahlreiche KPD-Mitglieder als "Opfer des Faschismus" anerkennt, das oft viel schwerere Schicksal von Juden und anderen Opfern des NS-Rassismus wurde praktisch ignoriert. Ge­wisse Privilegien für die Widerstandskämpfer gab es auch noch, nachdem praktisch die Westalliierten die Anerkennung der "rassisch" Verfolgten durchgesetzt hatten. Zum anderen gelang es den Kommunisten, Berlins offizielle Vertretung der "Opfer des Faschismus" für die von der KPD Anfang 1946 forcierte Gründung der SED zu instrumentalisieren, so daß es schon 1946 scharfe Auseinandersetzungen zwischen kommunistischen und sozialdemokratischen NS-Opfern gab. Neben der im Vergleich zu den anderen Verfolgtenvertretern größeren poli­tisch-organisatorischen Durchsetzungskraft der Kommunisten dürfte dafür besonders ihre do­minierende Stellung im Sekretariat des Hauptausschusses verantwortlich gewesen sein. Schließlich wurde im Sekretariat und nicht von den repräsentativen Mitgliedern die alltägliche Arbeit geleistet, und dort hatten mit Karl Raddatz bzw. Hellmut Bock stets Kommunisten das Sagen.

In anderen Veranstaltungen dagegen, bei den OdF-Gedenktagen im September, bei den Kulturabenden oder weiteren Zusammenkünften, wurde der Widerstand in seiner ganzen Breite gewürdigt und auch der "rassischen" Opfer gedacht. Auch die sozialen Hilfeleistungen kamen nach Einrichtung der Abteilung "Opfer der Nürnberger Gesetzgebung" allen OdF zugute, die Sammlung von belastenden Zeugenaussagen gegen NS-Verbrecher lag ohnehin im Interesse aller.

1.3 Vorbereitungen für eine politische Verfolgtenorganisation

Noch bevor die OdF-Betreuungsstellen aus ganz Deutschland Ende Juli 1946 auf ihrer ersten interzonalen Konferenz in Frankfurt a.M. beschlossen, eine politische Vereinigung der Verfolgten zu gründen, waren in vielen deutschen Städten Initiativen zur Schaffung einer solchen Organisation entstanden. In der amerikanischen Besatzungszone gab es bereits im zweiten Halbjahr 1945 auf regionaler Ebene erste Anträge auf Zulassung einer politischen Or­ganisation von NS-Verfolgten. Am 14. August 1945 beantragte eine "Vereinigung der poli­tischen Gefangenen und Verfolgten des Nazi-Systems" ihre Bestätigung durch die amerika­nische Militärregierung in Stuttgart[217]. Etwas später riefen Verfolgte in Bayern die "überparteiliche Union aller Verfolgten des Naziregimes" ins Leben, die sich deutlich vom "Staatskommissariat für die politisch und rassisch Verfolgten" unterschied, ähnliche Verbände gründeten ehemalige Häftlinge auch in anderen Städten der amerikanischen und britischen Besatzungszone[218]. Allen diesen Gründungen gemeinsam war, daß sie parallel zu den amtlichen Betreuungsstellen exi­stierten und sich um politische Dinge kümmerten[219]. Auf der ersten interzonalen Konferenz im Sommer 1946 wurde dann festgelegt, diese einzelnen Verbände zu einer einheitlichen Organi­sation zusammenzufassen, die sich zuerst auf Länder- und danach auf Zonenebene bilden sollte, zugleich wurde ein "Gesamtdeutscher Rat" der zu bildenden Vereinigung bestimmt, des­sen Sekretär Karl Raddatz ein Programm und ein Statut ausarbeiten sollte[220].

Im Gegensatz zu den Westzonen gab es in der Sowjetischen Besatzungszone bis Mitte 1946 nur die kommunalen OdF-Institutionen, die allerdings auch politische Tätigkeiten entfalte­ten. Die sowjetische Besatzungsmacht gewährte den Ausschüssen dabei größere Freiheiten als die Westalliierten. Erst im Herbst 1946 konstituierte sich ein vorbereitender Ausschuß zur Gründung der VVN in der SBZ, dem je fünf Vertreter aus jedem Land bzw. jeder Provinz ange­hörten[221]. Zuvor hatten verschiedene Redner auf der Gästekonferenz der "Opfer des Faschis­mus" in Berlin, die einen Tag nach der großen OdF-Kundgebung am 23. September 1946 ge­tagt hatte, die Forderung nach einer politischen Organisation der Verfolgten noch einmal unter­strichen. Karl Raddatz forderte eine politische Organisation, "da die kommunale Ausschüsse" seiner Meinung nach nicht mehr "als Interessenvertretung der Opfer des Faschismus" ausreich­ten, auch Ottomar Geschke verlangte für die politische Arbeit der Verfolgten die rasche Schaf­fung einer eigenständigen Organisation[222]. Nach seiner Konstituierung konnte sich der Vorberei­tungsausschuß für die VVN in der SBZ in relativ kurzer Zeit auf gemeinsame Entwürfe für Pro­gramm und Statut einigen, so daß Ende Februar 1947 die offizielle Gründungskonferenz der VVN in der SBZ in Berlin zusammentreten konnte[223].

Wesentlich diffiziler gestaltete sich die VVN-Gründung in Berlin, wo sich noch im Sommer 1946, kurz nach der obengenannten interzonalen OdF-Zusammenkunft, spontan ein Vorberei­tungsausschuß für die Gründung einer Verfolgtenorganisation aus dem Kreise der Mitglieder des Hauptausschusses zusammenfand[224]. Die Berliner Schwierigkeiten waren maßgeblich auf jene zwei schon erwähnten Entscheidungen des Hauptausschusses zurückzuführen, die die Kommunisten durchgesetzt hatten: die anfängliche Ausgrenzung der "rassischen" NS-Opfer und die Werbung für die SED-Gründung.

Unter dem Eindruck der Nichtanerkennung der "rassisch" Verfolgten als "Opfer des Faschismus" hatten sich schon im Sommer 1945 NS-Opfer zusammengetan, die sich aus dem 1934 gegründeten und 1939 verbotenen "Paulus-Bund" für "nicht-arische Christen" kannten[225]. Daraus entstand bald ein "Verband der Opfer der Nürnberger Gesetze" (OdN), der bereits Ende Juni 1946 von den Briten eine Lizenz für den britischen Sektor Berlins erhielt[226]. Wegen immer wieder auftretender Benachteiligungen "rassischer" Opfer durch den Hauptausschuß bekam der kurz OdN genannte Verband schon bald neue Mitglieder, wiederholt kritisierte der OdN den Hauptausschuß als kommunistisches Organ[227].

Ebenso gab es nach Gründung der SED wiederholt Zusammenstöße zwischen dem Hauptausschuß und der Berliner SPD. Mit Hinweis darauf, daß die SED die traditionelle Kund­gebung zum 1. Mai für parteipolitische Zwecke instrumentalisiert hätte, weigerten sich die Sozialdemokraten, am OdF-Gedenktag im September 1946 teilzunehmen, die CDU lehnte gleichfalls eine Beteiligung ab, weil "der Aufmarsch naziähnlich" sei[228]. Dennoch unterblieb auf der offiziellen Feier mit mehreren Zehntausend Teilnehmern im Berliner Lustgarten eine einsei­tige Betonung des kommunistischen Widerstands, Marion Gräfin York von Wartenberg und Werner Haberthür redeten ebenso zum 20. Juli bzw. zum christlichen Widerstand wie Änne Saefkow oder Robert Havemann kommunistische Aktivitäten würdigten[229].

Vor dem Hintergrund dieser Konflikte erarbeitete Robert Havemann parallel zu Karl Raddatz, der offiziell damit beauftragt war, eigene Entwürfe für Programm und Statut der künfti­gen Verfolgtenorganisation. Um auch die gegenüber den Kommunisten kritischen Verfolgten­gruppen für einen gemeinsamen Verband zu gewinnen, legte Havemann besondere Betonung auf parteipolitische Neutralität. Sowohl im Programm- als auch im Satzungsentwurf hieß es, der Bund der ehemaligen Gefangenen sei eine "überparteiliche Organisation" und lehne es ab, "sich für irgendwelche parteipolitischen Interessen oder Ziele mißbrauchen zu lassen"[230]. Die allgemeinpolitischen Ziele faßte Havemann bewußt in Worte, die Nichtkommunisten leicht akzeptieren konnten. Die Organisation wollte "die Entfaltung eines freiheitlich-demokratischen Geistes im deutschen Volke fördern"[231] und "zur Überwindung des Geistes der Gewaltherrschaft und Duckmäuserei beitragen."[232] In seinem Personalvorschlag für die Besetzung der Leitung der Organisation soll Havemann Vertreter des 20. Juli und anderer bürgerlicher Widerstands­gruppen überproportional stark im Verhältnis zu Repräsentanten des Arbeiterwiderstandes be­rücksichtigt haben[233].

Auf Initiative der Kommunisten lehnte die Mehrheit im Ausschuß diese Vorschläge jedoch ab[234], mit denen Havemann den sozialdemokratischen und den "rassisch" Verfolgten die Inte­gration in den neuen Verband erleichtern wollte. Stattdessen wurde im August 1946 der Pro­grammvorschlag von Karl Raddatz angenommen[235], der expressis verbis keine parteipolitische Neutralität festschrieb, die Bekämpfung von Nazismus und Militarismus in antifaschistischem Geist stärker herausstellte und letztlich Programm der VVN in ganz Deutschland wurde.

Erst zum 23. November 1946 lud der Hauptausschuß die Vertreter der "Opfer des Faschismus" aus den Bezirken zu einer Gesamt-Berliner Delegiertentagung ein[236], um die Vor­bereitungen zur Schaffung einer Verfolgtenorganisation endlich auf eine demokratisch legiti­mierte Grundlage zu stellen. Über die Aufgaben der neuen Vereinigung bestand unten den 181 Delegierten aus allen 20 Berliner Bezirken[237] weitgehend Einigkeit. Die Organisation sollte vor allem "zonenübergreifend" und einheitlich in ganz Deutschland arbeiten, wie Harald Poelchau und Karl Raddatz es formulierten, davon erhoffte man sich eine viel effektivere Suche nach "verschollenen Kameraden" und eine wirkungsvollere Fahndung nach "Nazi-Peinigern", als die zahllosen Behörden in den einzelnen Ländern und Zonen es leisten konnten[238].

Besonders die Feindseligkeit, mit der viele Deutsche den "Opfern des Faschismus" begegneten und sie nicht selten sogar beschimpften[239], bestärkte viele Delegierte in dem Wunsch, sich endlich zu einem Verband zusammenzuschließen[240], insofern hielten alle die Auf­klärung über die NS-Zeit für die wichtigste Aufgabe. Die Vereinigung sollte der Öffentlichkeit die Existenz einer deutschen Widerstandsbewegung bewußt machen[241] und sie über die Verbre­chen der Nazis aufklären[242]. Dabei wollte man "dem deutschen Volke immer wieder seine Mit­verantwortung für diese begangenen Verbrechen ins Gedächtnis rufen."[243] Die ehemaligen Ver­folgten wollten bei der Umerziehung des deutschen Volkes mitarbeiten[244] und so zur Beseitigung der "Überreste von Nazismus, Militarismus und Reaktion beitragen."[245]

Die dritte große Aufgabe ihres neuen Zusammenschlusses sahen die Berliner "Opfer des Faschismus" im Knüpfen internationaler Kontakte. Harald Poelchau wollte Verbindungen zu ausländischen Verfolgten pflegen, um so das schlechte Ansehen Deutschlands im Ausland zu verbessern, eine Aufgabe, die der Hauptausschuß nicht leisten könne, meinte Poelchau[246]. Ottomar Geschke erklärte die Bildung einer nationalen Verfolgtenorganisation in Deutschland für unerläßlich, um Kontakt zu den anderen europäischen Widerstandskämpferverbänden auf­nehmen zu können, außerdem würde die Organisation darüber hinaus allgemein helfen, "die internationale Isolierung Deutschlands zu brechen."[247] Die Verbände ehemaliger politischer Häftlinge aus 16 anderen europäischen Ländern hatten sich nämlich bereits Anfang 1946 in Warschau getroffen und dort am 5. Februar 1946 beschlossen, eine internationale Föderation ihrer Verbände zu gründen[248]. Auf Initiative des im Februar gewählten provisorischen Konstituie­rungskomitees sollte im Dezember 1946 in Paris erneut eine Zusammenkunft von Opfern des Naziregimes aus ganz Europa stattfinden, so daß Ottomar Geschke darauf drängte, nun end­lich einen gesamtdeutschen Verfolgtenverband zu schaffen, um auf solchen Treffen künftig als Deutsche mit einer Stimme sprechen zu können[249]. Allerdings wurden die deutschen Verfolgten zu dem Pariser Treffen dann doch noch nicht eingeladen[250], auch die deutschen OdF litten unter dem schlechten Ansehen ihres Landes infolge der Nazizeit.

Im übrigen machten die kommunistischen Mitglieder im Hauptausschuß den "rassisch" Verfolgten ein wichtiges Zugeständnis. Sowohl Karl Raddatz als auch Ottomar Geschke wollten "die Differenzierung zwischen den politischen Überzeugungstätern und den rassisch Verfolg­ten" fallen lassen[251]. Julius Meyer forderte daraufhin die dauerhafte Gleichberechtigung der "Opfer der Nürnberger Gesetzgebung"[252], eine jüdische Delegierte aus Tempelhof reagierte dankbar auf dieses Versprechen und erklärte, sie würde sich dafür einsetzen, daß die jüdischen Kameraden künftig aktiver mitarbeiten[253].

Auf der anderen Seite kritisierten einzelne Delegierte, daß der "Vorbereitende Ausschuß" fast ein halbes Jahr lang ohne Befragung der Masse der OdF gearbeitet hatte, so daß die De­legierten und die Mitglieder in den Bezirken jetzt nur wenige Wochen Zeit hätten, um über Pro­gramm und Statut zu diskutieren[254]. Karl Raddatz und Ottomar Geschke wiesen diese Kritik zum Teil schroff zurück, Geschke sagte, es wäre genug Zeit zum Diskutieren gewesen, nun sei es "höchste Zeit, die Organisation zu bilden."[255]

Zum Abschluß der Tagung wählten die Delegierten einen neuen "Vorbereitenden Aus­schuß". Dem neuen Ausschuß gehörten abgesehen von Marga Jung, Ruth Lesser, Kurt Schatter, Kurt Schmidt, Leo Skrzypczynski und den beiden schon seit langem nicht mehr aktiven Vertretern Andreas Hermes und Theodor Steltzer alle übrigen 13 Mitglieder des Haupt­ausschusses "Opfer des Faschismus" in seiner Zusammensetzung von Mitte 1946 an[256]. Auf Vorschlag des alten Ausschusses kamen die Sozialdemokratin Jeanette Wolff und der Nach­folger von Karl Raddatz als Geschäftsführer des Hauptausschusses, Hellmut Bock, hinzu[257]. Schließlich entsandten die Delegierten aus dem Kreise der Versammelten fünf weitere Vertreter in den Ausschuß: Die Kommunisten Walter Bartel und Wilhelm Girnus, die Sozialdemokratinnen Ellen Kuntz und Maria Wiedmaier sowie den "rassisch" Verfolgten Simon Ermolnikoff[258]. Die Kommunisten waren somit im "Vorbereitenden Ausschuß zur Gründung einer Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes", so lautete die offizielle Bezeichnung, stärker vertreten als zuletzt im Hauptausschuß. Immerhin acht der 20 Ausschußmitglieder gehörten der SED an oder stan­den ihr nahe, darunter auch Julius Meyer als Vertreter der verfolgten Juden, außerdem arbeite­ten dort drei weitere Vertreter der "rassisch" Verfolgten, vier SPD-Mitglieder und drei Beteiligte des 20. Juli mit; Heinrich Grüber und Harald Poelchau vertraten den christlichen Widerstand[259]. Nach der Delegiertenkonferenz sollten auch in den Berliner Bezirken vorbereitende Aus­schüsse der VVN gebildet werden[260]. Diese sollten auf Bezirksversammlungen der "Opfer des Faschismus" gewählt werden, wo nun endlich die Masse der Berliner OdF zu den Entwürfen für Programm und Statut Stellung nehmen konnte.

Zwei Wochen später konstituierte sich der neue "Vorbereitende Ausschuß". Auf der Sit­zung am 6. Dezember 1946 wurde der parteilose Berliner Wirtschaftsstadtrat Hermann Landwehr zum Vorsitzenden gewählt, Ottomar Geschke verzichtete demonstrativ auf eine Füh­rungsfunktion im Ausschuß[261]. Arbeitsüberlastung kann nicht der Grund dafür gewesen sein. Seit Spätherbst 1946 war Geschke infolge der SED-Niederlage bei den Berliner Wahlen näm­lich nicht mehr Sozialstadtrat, sondern nur noch stellvertretender Stadtverordnetenvorsteher, von seiner Funktion als Vorsitzender der Berliner KPD war er bereits ein Jahr zuvor zurückge­treten[262]. Offensichtlich wollten sich die Kommunisten nun möglichst wenig profilieren, um den neuen Verband wirklich zur Organisation aller Verfolgtengruppen zu machen. Den in Berlin sehr starken sozialdemokratischen und "rassisch" Verfolgten, letztere hatten ja mit dem OdN bereits einen eigenen Verband gegründet, sollten keine weiteren Argumente geliefert werden, von kommunistischer Majorität zu reden. Trotzdem beteiligten sich prominente Vertreter dieser beiden Verfolgtengruppen nicht an der Gründung der Berliner VVN. Hans Rosenthal beispiels­weise engagierte sich weder im Rahmen der OdF-Ausschüsse noch bei der VVN, nachdem er schon in den ersten Nachkriegsmonaten bei seiner Arbeit im Rundfunk wiederholt scharfe Auseinandersetzungen mit Kommunisten gehabt hatte[263]. Auch Ruth Andreas-Friedrich, die im Rahmen der Berliner Widerstandsgruppe "Onkel Emil" zahlreichen Juden geholfen hatte zu überleben, blieb den spezifischen Organisationen der Antifaschisten fern, obwohl sie mit Harald Poelchau in Kontakt stand[264]. Andreas-Friedrich trat nach Kriegsende der SPD bei[265], engagierte sich dort stark gegen die Vereinigung ihrer Partei mit der KPD[266], erklärte sich aber trotzdem noch grundsätzlich bereit, mit SED-Leuten zusammenzuarbeiten[267].

Der Ausschuß setzte eine Statuten- und eine Pressekommission ein[268]. Die Erstgenannte sollte die Ergänzungs- und Änderungsvorschläge zu Programm und Statut aus den Bezirken aufnehmen und daraus neue endgültige Entwürfe für die zweite Gesamt-Berliner Delegiertenta­gung erstellen[269]. Die Pressekommission sollte die Öffentlichkeit über die Bildung der VVN und über Veranstaltungen informieren, denn der Ausschuß plante eine Kundgebung zu den ersten Prozessen gegen NS-Verbrecher vor deutschen Gerichten[270]. Die Alliierten hatten deutschen Gerichten nämlich bereits Ende 1945 im Kontrollratsgesetz Nr. 10 prinzipiell die Möglichkeit eröffnet, Prozesse gegen Kriegs- und NS-Verbrecher zu führen, sofern sie sich an Deutschen oder Staatenlosen vergangen hatten[271]. Die bevorstehenden Bezirksversammlungen der OdF wollten die Mitglieder des "Vorbereitenden Ausschusses" besuchen, um darauf zu achten, daß in die örtlichen vorbereitenden Ausschüsse Repräsentanten aller Verfolgtengruppen gewählt werden. Jedem vorbereitenden Bezirksausschuß sollten Widerstandskämpfer aller politischen Richtungen angehören und "ebenso .. Opfer der Nürnberger Gesetzgebung"[272].

Überdies kümmerte sich der Ausschuß um aktuelle Geschehnisse. So unterstützten die Ausschußmitglieder den Tempelhofer Schulleiter Karl Veken, selbst vier Jahre lang KZ-Häftling, bei dem Vorhaben, seine Schule in "Anton-Saefkow-Schule" umzubenennen, was eine große Mehrheit im Lehrerkollegium befürwortete[273]. Trotz Genehmigung des Berliner Hauptschulamtes hatte das Bezirksamt die Namensänderung abgelehnt, es wollte erst eine Gesamt-Berliner Re­gelung abwarten[274].

Nachdem die Berliner "Opfer des Faschismus" auf ihrer zweiten Delegiertentagung die überarbeiteten Grundsatzdokumente einstimmig verabschiedet hatten[275], die in einigen Punkten von der Satzung der VVN in der SBZ abwichen (Einzelheiten dazu in Abschnitt 2.1), stellte der "Vorbereitende Ausschuß" am 11. März 1947 bei der Alliierten Kommandantur einen Antrag auf Zulassung der VVN in Berlin[276]. Diese jedoch genehmigte die Organisation monatelang nicht.

Trotz aller Bemühungen der vorbereitenden Komitees der VVN, wirklich alle Verfolgten­gruppen durch entsprechende Repräsentanten in den Führungsgremien für eine gemeinsame Vereinigung zu gewinnen, hatte nämlich auch der "Verband der Opfer der Nürnberger Gesetze" im Januar 1947 bei den Alliierten beantragt, in ganz Berlin zugelassen zu werden[277]. Der OdN grenzte sich von der VVN ab, indem er sich an jede Person wandte, "die auf Grund ... der nationalsozialistischen Rassenpolitik Benachteiligungen ausgesetzt war ..., mit Ausnahme der von der Jüdischen Gemeinde Betreuten"[278]. Es wurden also vor allem die sogenannten "Mischlinge" und "Mischehen" angesprochen, die der Hauptausschuß "Opfer des Faschismus" weitgehend ausgegrenzt hatte. Außerdem wollte der OdN "keinerlei parteipolitischen Ziele" verfolgen und sich, wenn auch "auf antifaschistischer Grundlage", in erster Linie den wirtschaft­lichen, sozialen und kulturellen Bedürfnissen seiner Mitglieder widmen[279]. Zwar forderte die Jüdische Gemeinde, Repräsentantin der größten Gruppe unter den "rassisch" Verfolgten, ihre Mitglieder wiederholt auf, der künftigen VVN beizutreten[280], aber diese Erklärungen waren inner­halb der Gemeinde nicht unumstritten. So griff der Generalsekretär der Jüdischen Gemeinde, Erich Mendelsohn, Julius Meyer wegen dessen Werben für die Mitarbeit in der VVN scharf an[281], wurde dafür allerdings von der "Repräsentanten-Versammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin" gerügt und mußte letztendlich seine Funktion als Generalsekretär aufgeben[282]. Der Hauptausschuß "Opfer des Faschismus" trat wiederholt für die Zulassung der VVN ein und pro­testierte zugleich gegen die Existenz des OdN, da "die VVN alle Verfolgten umfasse, unabhän­gig von ihrer politischen, religiösen, rassischen oder weltanschaulichen Zugehörigkeit."[283]

Im Zuge dieser Auseinandersetzungen konnten sich auch die Besatzungsmächte nicht einigen. Die Sowjets unterstützten die Ansprüche der VVN, die Westmächte standen dem OdN näher. Erst im Spätherbst kam ein Kompromiß zustande, der OdN durfte nunmehr in allen Sek­toren einschließlich des Ostsektors arbeiten, dafür stimmten die Westmächte der Lizenzierung der VVN in ganz Berlin zu[284]. Allerdings erhielt die VVN in der Zulassungsbestätigung der Alliierten vom 20. November 1947 die Auflage, sich als "Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes" unabhängig von der Organisation in der SBZ zu konstituieren[285]. Auch nach der Zulassung ebbten die Debatten um die Berliner VVN insbesondere bei den sozialdemokra­tischen OdF nicht ab, so daß erst zum 16./17. Januar 1948 zur offiziellen Gründungskonferenz eingeladen wurde.

1.4 Die Alliierten zwischen Kooperation und Konfrontation - Die Gründungskonferenzen der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes im Jahre 1947

Am 22. Februar 1947 traten 215 Delegierte aus allen fünf Ländern bzw. Provinzen der Sowjetischen Besatzungszone in Berlin zur Gründungskonferenz der VVN zusammen, obwohl Berlin gar nicht zum Verbreitungsgebiet der neuen Zonenvereinigung gehörte. Ein eigener Berliner Verband der Organisation sollte erst knapp ein Jahr später geschaffen werden. In den westlichen Besatzungszonen hingegen hatte sich die VVN schon ein paar Wochen früher kon­stituiert[286]. Der sozialdemokratische Oberbürgermeister Berlins, Otto Ostrowski, begrüßte die Auswahl Berlins als Tagungsort der VVN der SBZ als Bekenntnis zur deutschen Einheit[287], auch Gustav Brack als Präsident der Zentralverwaltung für Arbeit und Sozialfürsorge in der SBZ und Jakob Boulanger von der SBZ-Zentralverwaltung für Industrie wünschten der neuen Organisa­tion in ihren Grußworten viel Erfolg[288].

Der Chef der Informationsverwaltung der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD), Oberst Sergei Tjulpanow, zog in seiner Begrüßungsansprache Parallelen zwischen der VVN und der Roten Armee, die wie die Verfolgtenorganisation "im Kampf gegen die ... Reaktion ... geschaffen wurde."[289] Tjulpanow stützte sich in seiner Rede ganz auf die für die Kommunistische Internationale charakteristische Faschismusdefinition, wonach Faschismus an der Macht die terroristische Diktatur des Finanzkapitals sei[290]. Nachdem dieses instrumenta­listische Faschismusverständnis im Zuge der kommunistischen Bemühungen um die Schaffung von Volksfronten zwischen 1935 und 1945 etwas in den Hintergrund getreten, aber nicht grund­sätzlich revidiert worden war[291], wurde es nach 1945 von führenden Kommunisten wieder ver­stärkt betont. Walter Ulbricht knüpfte sofort nach Kriegsende wieder offensiv an diese Definition an, bei der ausschließlich mit der sozialen Funktion des Faschismus argumentiert wurde, und bezeichnete den Nationalsozialismus als "Herrschaftsform des deutschen Monopolkapitals in seiner Niedergangsperiode."[292] Ganz auf gleicher ideologischer Linie wie Walter Ulbricht liegend setzte Tjulpanow die KZs mit den "zaristischen Zuchthäusern" gleich und attackierte die Sozial­demokratie hart, die vom "totalen Sozialismus" spreche "und dabei die Konzerne verteidigt."[293] Der sowjetische Oberst lobte das Programm der VVN, forderte den weiteren Kampf gegen "Reaktion und Kriegsbrandstifter" und verlangte eine entschiedene Abrechnung mit "den wirk­lichen Verbrechern"[294], womit Tjulpanow unzweifelhaft die "Monopolkapitalisten und ihre Agen­ten" gemeint haben dürfte. Die VVN insgesamt bezeichnete der SMAD-Vertreter als "Organisation ... der Kämpfer gegen den Hitlerismus"[295], das schwere Schicksal der Opfer des Rassismus der Nazis würdigte er mit keinem Wort.

Ähnlich scharfe Töne wie Tjulpanow schlug Franz Dahlem in seinem Grundsatzreferat zu den Aufgaben der VVN an. Dahlem, in der SED-Führung für Kaderpolitik verantwortlich, teilte voll und ganz das instrumentalistische Faschismusverständnis und wandte sich polemisch gegen die Entwicklung in den Westzonen, indem er behauptete, "die Träger der Hitlerdiktatur .., die Trustkapitalisten und Großgrundbesitzer", würden Politik und Wirtschaft in Westdeutschland beherrschen[296] und dort "undemokratische Wahlsysteme" installieren sowie "das Mitbestim­mungsrecht der Gewerkschaften" bekämpfen[297]. Die Politik in der Sowjetischen Besatzungs­zone, z. B. "die sozialistische Einheit der Arbeiterschaft und den Block der antifaschistisch-demokratischen Parteien"[298], erklärte der hohe SED-Funktionär zum Vorbild für ganz Deutsch­land, denn diese Faktoren hätten es ermöglicht, die Macht der Reaktion "in Staat, Verwaltung und Wirtschaft zu brechen."[299] Dahlem ging sogar noch einen Schritt weiter und sagte: "Hier setzt die große Mission der ehemaligen Verfolgten des Naziregimes ein."[300] Dahlem nannte praktisch den Kampf für die Übertragung der politökonomischen Strukturveränderungen der SBZ auf Westdeutschland als Grund dafür, eine besondere politische Organisation der Verfolg­ten zu schaffen. Dahlem gab damit jenen Leuten in Westdeutschland Argumentationshilfe, die behaupteten, die VVN wäre von Anfang an ein "Kampfmittel der SED" gewesen[301].

In seinen Ausführungen zu Punkt 5 des Programms der VVN, der die Aufklärung der Öffentlichkeit über den deutschen Widerstand vorsah, gab Dahlem einen Überblick zur Geschichte des Widerstands zwischen 1933 und 1945. Dahlem polemisierte heftig dagegen, daß im Westen "gewisse abgetakelte Staatsmänner aus der Weimarer Zeit, ehemalige Politiker der Rechten, Großbourgeois, Adlige, Wirtschaftsführer" als "Träger der Widerstandsbewegung ... präsentiert werden"[302], und bezeichnete die Arbeiterbewegung als "Hauptträger des Kampfes gegen das Hitlerregime"[303]. Darunter verstand er jedoch nicht nur die illegale Parteiarbeit der Kommunisten, sondern auch die Aktivitäten der Sozialdemokraten und sogar die der christ­lichen Arbeiter[304] und Gewerkschafter[305].

Obwohl der Kaderchef der SED gerade die Terrormaßnahmen der Nazis gegen die Arbei­terbewegung und den Widerstand dagegen in den ersten Monaten nach der Machtübernahme lang und breit schilderte[306], erwähnte er die sektiererische und völlig realitätsferne Politik der KPD zu dieser Zeit mit keinen Wort[307]. Dahlem erweckte den Eindruck, als hätte es schon bald nach dem 30. Januar 1933 eine umfangreiche Zusammenarbeit von Kommunisten und Sozial­demokraten gegeben, als wäre im gemeinsamen Widerstand "die Einheitsfront der Sozialisten" entstanden[308]. Die Isolierung und Distanzierung vieler an der Ideologie des "Sozialfaschismus"[309] festhaltender Kommunisten von den Sozialdemokraten vor 1935[310] unterschlug Dahlem ebenso wie die letztendliche Ablehnung einer institutionalisierten Volksfront durch den SPD-Parteivor­stand 1936[311]. Dahlems Betonung der Gemeinsamkeit von Kommunisten und Sozialdemokraten zwischen 1933 und 1945 zielte zweifelsohne darauf ab, die Existenz der Anfang 1947 noch kei­neswegs stabilisierten SED zu legitimieren, die von der Mehrheit der Sozialdemokraten im Westen nach wie vor abgelehnt wurde. Offensichtlich in der Hoffnung, es würde doch noch zu einem Ausgleich zwischen seiner Partei und der SPD in Westdeutschland kommen, würdigte Dahlem nachdrücklich die Arbeit sozialdemokratischer SED-Gegner wie Franz Neumann, Louise Schröder, Otto Suhr oder Kurt Schumacher in Widerstandsgruppen, warf ihnen aber zugleich vor, nunmehr "Spaltungspolitik" zu treiben, "anstatt die Einheit des antifaschistischen Kampfes hochzuhalten."[312] Parallel dazu versuchte der hohe SED-Funktionär, die starke Stel­lung der eigenen Partei in der SBZ mit ihrer Rolle im Widerstand gegen Hitler zu rechtfertigen, da alle 14 Mitglieder des Zentralsekretariats "an der illegalen Widerstandsbewegung ... beteiligt gewesen" wären[313].

Gleichfalls unerwähnt ließ Dahlem die Auswirkungen des Hitler-Stalin-Paktes auf den Widerstand[314]. Der Pakt schwächte den kommunistischen Widerstand so stark, daß die Unter­grundarbeit von Kommunisten in Deutschland zwischen 1939 und 1941 "zu einem marginalen Phänomen - [wurde - S.W.] -, wie die Statistiken über Verhaftungen und entdeckte Flugblattver­teilungen zeigen."[315] Die letzten Hoffnungen der Kommunisten, doch noch zu einer Kooperation mit den Sozialdemokraten zu gelangen, wurden durch den Pakt zunichte gemacht, denn der Exilvorstand der SPD reagierte heftig auf den Abschluß des Vertrages zwischen Deutschland und der Sowjetunion, bezeichnete ihn als "totalitäres Bündnis" und lehnte fortan erst recht jeg­liche Zusammenarbeit mit Kommunisten ab[316].

Wortreich ging Dahlem dagegen auf den Widerstand von KPD- und SPD-Angehörigen nach der Schlacht von Stalingrad ein[317]. Darüber hinaus erwähnte er die Aktivitäten der Gruppe um die Geschwister Scholl[318] und die Hilfe Geistlicher[319] für die Inhaftierten in Zuchthäusern und Konzentrationslagern[320]. Die Gruppe um Herbert Baum[321] erkannte er als jüdischen Widerstand an[322].

Auch "die Verschwörung des 20. Juli gegen Hitler" bezog Dahlem in seine Darstellung des Widerstands ein, allerdings fügte er hinzu, es müsse aufgeklärt werden, "welche Teilnehmer des 20. Juli als antifaschistische Kämpfer bezeichnet werden können und welche nicht."[323] Expressis verbis grenzte er die Personen um den Berliner Polizeipräsidenten Wolf Heinrich Graf von Helldorf aus[324], der schon seit den späten 30er Jahren mit den Oppositionellen um General Ludwig Beck und mit dem ehemaligen Leipziger Oberbürgermeister Carl Goerdeler in Kontakt gestanden hatte und so am 20. Juli beteiligt gewesen war[325]. Indirekt rechnete Dahlem somit die meisten Angehörigen der Gruppe um Beck und Goerdeler nicht dem "antifaschistischen Widerstand" zu. Die Tätigkeit dieser Gruppe wurde dann auch in der späte­ren DDR bis Mitte der 80er Jahre nicht als "antifaschistischer Widerstand" anerkannt[326], weil ei­nige dieser Oppositionellen anfangs noch mehr oder weniger mit den Nazis kooperiert hatten, Goerdeler z. B. war bis 1937 Oberbürgermeister von Leipzig geblieben[327], und weil sie für die Zeit nach dem geplanten Sturz Hitlers einen ständisch gegliederten, nicht unbedingt demokra­tischen deutschen Machtstaat mit weitreichenden Gebietsansprüchen konzipiert hatten[328]. In den Mitgliedern des Kreisauer Kreises sah Dahlem hingegen "Antifaschisten", Julius Leber und Adolf Reichwein erwähnte er sogar namentlich[329]. Im übrigen waren ja Mitglieder des Kreisauer Kreises wie Annedore Leber, Harald Poelchau oder Marion Gräfin York von Wartenberg aktiv an der Gründung der VVN beteiligt.

Als weitere wichtige Aufgabe stellte Dahlem "die besondere Verantwortung" der Verfolgten für "die Herstellung eines freundschaftlichen Verhältnisses" zwischen den Deutschen und ihren Nachbarvölkern dar[330]. Wiederum pries der hohe SED-Funktionär die Politik in der SBZ als Vorbild für ganz Deutschland, erklärte sie zur Voraussetzung für "freundschaftliche Beziehun­gen" mit den Nachbarvölkern und plädierte als erstes für ein Vertrauensverhältnis zur Sowjet­union mit "Generalissimus Stalin" an der Spitze[331]. Eine enge Zusammenarbeit "mit allen Län­dern im Osten", speziell mit Polen und der Tschechoslowakei, hielt Dahlem für relativ leicht erreichbar, weil die leitenden Staatsmänner in diesen Ländern "Antifaschisten" seien, mit denen die deutschen "Antifaschisten" durch "enge Bande gemeinsamen Erlebens" verbunden seien[332]. Der SED-Politiker trat deshalb stark für eine Orientierung Deutschlands nach Osten ein, worun­ter er auch einen umfangreichen "wirtschaftlichen Austausch" verstand[333]. Wesentlich schwie­riger jedoch sei ein Ausgleich Deutschlands mit seinen westlichen Nachbarn, besonders mit Frankreich, was Dahlems Meinung nach auf "die reaktionäre Entwicklung im Westen" zurückzu­führen war[334]. Dort seien bisher "die alten deutschen Monopolkapitalisten, gestützt auf amerika­nische und englische Trustmagnaten, weiter die beherrschenden Herren des rheinisch-westfä­lischen Industriepotentials" geblieben[335]. Um das Vertrauen der Völker in Westeuropa zu gewin­nen, müßten sich die VVN-Angehörigen "planmäßig ... in die allgemeine antifaschistische Front" eingliedern, um so zur "Entmachtung der Konzernherrn und Großgrundbesitzer" in den West­zonen beizutragen[336].

Während Franz Dahlem schon Anfang 1947 die VVN für die deutschlandpolitischen Ziele der SED einspannen wollte, setzte Propst Heinrich Grüber in seiner Ansprache auf der Grün­dungskonferenz ganz andere Akzente. Grüber meinte, die VVN hätte "in ganz Deutschland die Aufgabe ..., eine Brücke zu sein" zwischen Ost und West, und Deutschland als Ganzes müßte dazu beitragen, die Völker in Europa zusammenzuführen[337]. Desgleichen sahen viele andere Delegierte den Arbeitsschwerpunkt der VVN nicht im Kampf für Ziele der SED in Westdeutsch­land. Sie forderten von ihrer neuen Organisation vielmehr, die bei vielen Deutschen noch ver­wurzelte NS-Ideologie zu bekämpfen[338], die Masse der Mitläufer des NS-Systems über ihre Mit­schuld aufzuklären[339], der Öffentlichkeit das ungeheure Ausmaß der Verbrechen der Nazis klar­zumachen[340] und für die Verurteilung von NS-Verbrechern zu sorgen[341]. Die beiden jüdischen Delegierten Julius Meyer und Leon Löwenkopf verlangten von der VVN, den Kampf gegen "Rassenwahn und Antisemitismus" zu einem Schwerpunkt ihrer Arbeit zu machen, und erinner­ten daran, daß auch Juden Widerstand geleistet hatten[342].

Karl Raddatz, der auf der ersten Sitzung des Zentralvorstands zum Generalsekretär ge­wählt werden sollte[343], widmete sich in seinem Referat hauptsächlich den konkreten Vorhaben der VVN, um die sozialen Bedürfnisse ihrer Mitglieder zu befriedigen.

Raddatz sprach sich für "eine klare Trennung der Arbeitsgebiete" der VVN einerseits und der weiterhin bestehenden OdF-Ausschüsse andererseits aus. Während die OdF-Ausschüsse als "Verwaltungen" die alltäglichen Aufgaben der Sozialfürsorge für die "Opfer des faschi­stischen Terrors" wahrnehmen sollten, sollte sich die VVN zuvorderst auf ihre "politischen und kulturellen Aufgaben" konzentrieren, allerdings sollten die amtlichen Ausschüsse "von verant­wortungsbewußten Kameraden - [also von VVN-Mitgliedern - S.W.] - geleitet werden."[344] Als eine der "dringlichsten Aufgaben" der neuen Vereinigung betrachtete Raddatz die öffentliche Darstellung des Widerstandskampfes, um so die bis dahin schwache Akzeptanz in der Bevölke­rung für soziale Maßnahmen zugunsten der ehemals Verfolgten zu erhöhen[345]. Raddatz sah in der Aufarbeitung der Geschichte des Widerstands darüber hinaus ein wichtiges Mittel, um "alle Reste des Nazismus, des Militarismus und des Rassenwahns" erfolgreich zu bekämpfen und insbesondere, um die "verheerenden Folgen" der NS-Ideologie "in den Köpfen" der Jugend­lichen zu beseitigen; er rief deshalb alle VVN-Mitglieder auf, Arbeitsgemeinschaften zu jedem Zuchthaus, zu jedem Konzentrationslager, zu jeder Widerstandsgruppe zu bilden und "Berichte über ihre Teilnahme am illegalen antifaschistischen Kampf anzufertigen."[346] Überdies forderte Raddatz von der VVN den Kampf gegen "reaktionäre Kräfte aller Schattierungen", womit er u. a. den bayerischen Entnazifizierungsminister Loritz meinte, weil dieser Raddatz zufolge ver­suchte, alle Deutschen "zu antifaschistischen Kämpfern zu stempeln", die der Versuchung wider­standen hatten, NSDAP-Mitglied zu werden[347].

Die "sozialpolitische Tätigkeit" der VVN wollte Raddatz in erster Linie auf die Vertretung der "berechtigten wirtschaftlichen Interessen" der Mitglieder ausrichten[348]. Die VVN sollte bei den sozialen Forderungen für die NS-Opfer auf die "schwierige wirtschaftliche Lage des deut­schen Volkes" Rücksicht nehmen, zugleich jedoch klarstellen, daß es nicht um Almosen ginge, sondern um eine Hilfe, die "in gar keinem Verhältnis zu den Schäden" stünde, die "viele Kame­raden" in der Haft erlitten hätten[349]. Entschieden lehnte der VVN-Generalsekretär eine Gleich­stellung der "Opfer des Faschismus" und der "vielen allgemeinen Opfer des Krieges" ab, wofür sich in der öffentliche Debatte "wachsende Bestrebungen" zeigten; die VVN hätte zwar prinzi­piell nichts gegen die Linderung der Not der Kriegsopfer, aber die Verfolgten des Naziregimes hätten moralisch einen viel höheren Anspruch auf Wiedergutmachung[350]. Im Rahmen der Wie­dergutmachung sollten die Gesundheitsschäden so weit wie möglich beseitigt werden, die ehemaligen Gefangenen sollten ihre früheren Arbeitsplätze und Wohnungen zurückerhalten, für die Hinterbliebenen ermordeter NS-Opfer sollte es Renten geben[351]. Zugleich wandte sich Raddatz gegen eine "kapitalistische Wiedergutmachung"[352]. Damit attackierte er das im Länder­rat der amerikanischen Besatzungszone auf Druck der dortigen Militärregierung seit Frühjahr 1946 diskutierte Rückerstattungsgesetz. Dieses sah als ersten Schritt zur Wiedergutmachung die Rückgabe des von den Nazis konfiszierten Eigentums vor und sollte somit in der Haupt­sache Juden zugute kommen, deren Häuser, Grundstücke oder Unternehmen in der NS-Zeit "arisiert" worden waren[353]. Der hauptamtliche VVN-Funktionär wollte so die Rückgabe von großen Geschäften oder Fabriken an private Eigentümer vermeiden, die den umfangreichen Verstaatlichungen von Produktionsmitteln in der SBZ entgegengestanden hätte, auch eine Ent­schädigung für die von den Nazis Enteigneten war nicht vorgesehen. Allerdings plädierte Raddatz dafür, "die Nutznießer geraubten jüdischen Eigentums haftbar" zu machen[354]. Überdies erkannte der zweite Hauptredner auf der Gründungskonferenz der VVN die "Pflicht" Deutsch­lands zur "Wiedergutmachung gegenüber den geschädigten Völkern" in den ehemals okkupier­ten Ländern an[355].

Im Unterschied zu Franz Dahlem ging Karl Raddatz stärker von einer Fortsetzung der Zusammenarbeit der vier Besatzungsmächte aus. Er bedankte sich bei allen alliierten Armeen für die "Befreiung", ohne die Sowjetunion gesondert hervorzuheben, und äußerte die Hoffnung, daß der Alliierte Kontrollrat die Verfolgtenorganistion bald "im gesamtdeutschen Maßstabe" zu­lassen würde[356].

Zum Abschluß der Gründungskonferenz beschlossen die Delegierten einstimmig Pro­gramm und Statut, auch die 40 Mitglieder des Zentralvorstands wurden ohne Gegenstimme und ohne Enthaltung gewählt[357].

Nur drei Wochen nach Gründung der VVN in der SBZ trat vom 15. bis 17. März 1947 die "erste interzonale Länderkonferenz der VVN" in Frankfurt am Main zusammen[358], um die Ver­folgtenorganisation auf gesamtdeutscher Ebene zu konstituieren. Die 68 Delegierten und 62 Gäste aus allen vier Besatzungszonen bestätigten das bereits auf der ersten interzonalen Ta­gung der Verfolgten im Sommer 1946 gebildete "Interzonensekretariat", dessen Sekretäre Karl Raddatz und Hans Schwarz die laufende Arbeit auf gesamtdeutscher Ebene koordinieren soll­ten[359]. Zudem beschlossen sie die Einrichtung eines "interzonalen Beirates", dem die Vorsitzen­den und deren Stellvertreter aus allen vier Zonen angehören sollten[360]. Der "interzonale Beirat" sollte zwischen den interzonalen Länderkonferenzen für die VVN in ganz Deutschland "zu den wichtigsten Fragen Stellung" nehmen[361]. Der föderalistische Aufbau der VVN mit Interzonen­sekretariat, interzonalem Beirat und gesamtdeutschen Delegiertenkonferenzen trug einen stark provisorischen Charakter. Die Kompetenzen waren nicht klar festgelegt, aber die VVN rechnete ja damit, bald als einheitliche Organisation in ganz Deutschland zugelassen zu werden, so daß diese Struktur zunächst akzeptabel war. Die einzige Veränderung der gesamtdeutschen Struk­tur der VVN in den ersten Jahren ihrer Existenz erfolgte Ende 1947, als auf einer Tagung des interzonalen Beirates in Hamburg beschlossen wurde, einen interzonal arbeitenden "25köpfigen Rat der VVN zu bilden."[362] Die erste Sitzung des Rates der VVN, der den interzonalen Beirat als gesamtdeutsches Führungsgremium faktisch ablöste, fand dann Anfang Februar 1948 in Stuttgart statt[363].

Ähnlich wie bei der ersten Zonendelegiertenkonferenz in der SBZ sahen die meisten Red­ner auf der ersten interzonalen Länderkonferenz die wichtigsten Aufgaben der VVN in der Auf­arbeitung der deutschen Widerstandskampfes und im Kampf gegen das schlechte Ansehen der Opfer des Nationalsozialismus bei großen Teilen der deutschen Bevölkerung. Hans Mayer, Eugen Kogon und andere forderten die Anerkennung der deutschen Opposition gegen Hitler in Deutschland und im Ausland[364]. Der hessische "Staatskommissar für die rassisch Verfolgten", Curt Epstein, und wiederum Hans Mayer wiesen auf Mißtrauen und Neid hin, Gefühle, die den Verfolgten von vielen Deutschen entgegengebracht wurden[365].

Die Referenten auf der Konferenz repräsentierten ein breites politischen Spektrum. Neben den Kommunisten Ottomar Geschke, Karl Raddatz, Hans Schwarz[366] und Franz Heitgres[367] sprachen der parteilose Rundfunkkommentator Hans Mayer, der Christdemokrat Eugen Kogon, der jüdische Verfolgte Curt Epstein und die beiden Sozialdemokraten Ministerialrat Englert aus Hessen sowie Philipp Auerbach, damals "Staatskommissar für die rassisch, religiös und poli­tisch Verfolgten" in Bayern; Schirmherr der Tagung war der Frankfurter Oberbürgermeister Walter Kolb, der der SPD angehörte[368]. Dementsprechend unterschiedliche Standpunkte vertra­ten die Redner zur Wiedergutmachung. Franz Heitgres auf der einen Seite kritisierte die "Vorschläge für ein Restitutionsgesetz" im Länderrat der amerikanischen Zone[369], er verwies darauf, daß viele Verfolgte "keine Forderungen im Sinne der Restitution" stellen könnten, so "die Mehrzahl der politisch Geschädigten"[370]. Der Hamburger Kommunist forderte eine sofortige "Gesamtwiedergutmachung", die neben der Rückerstattung zugleich eine Entschädigung für die ehemaligen KZ-Häftlinge umfassen sollte; Heitgres plädierte für eine rasche Vereinheitlichung der Wiedergutmachungsregelungen aller Zonen[371]. Heitgres vertrat damit durchaus eine etwas andere Meinung als Karl Raddatz, der sich auf der ersten Hauptkonferenz der VVN in der SBZ generell gegen eine "kapitalistische Wiedergutmachung", d. h. gegen ein Rückerstattungsge­setz, ausgesprochen hatte. Auf der anderen Seite jedoch verteidigte Philipp Auerbach die Bera­tungen des Länderrates über ein Rückerstattungsgesetz und sagte, er bevorzuge bei der Wie­dergutmachung "Handeln statt Reden"[372]. Auerbach erklärte, er könne im Rückerstattungsge­setz keine "Bevorzugung des Besitzes" erkennen, weil Geldentschädigungen vor der ausste­henden Währungsreform keinen Sinn hätten[373]. Außerdem verwies der bayerische Staatskom­missar auf das in Bayern verabschiedete "Gesetz zur vorläufigen Hilfeleistung"[374], was die so­fortige Zahlung von Renten, Heilbehandlungen sowie von Beihilfen für Berufsausbildung und Existenzgründungen für die "Opfer des Nationalsozialismus" ermögliche[375].

Fast alle Redner setzten darauf, daß die vier Hauptsiegermächte weiter zusammenwirken und bald einen Friedensvertragsentwurf mit Deutschland vorlegen würden, die VVN stellte sich also auf Kooperation mit allen Alliierten ein. Ottomar Geschke hoffte auf "einen gerechten Frie­den für ein einheitliches Deutschland" und auf Reparationsverpflichtungen, "die Deutschland erfüllen kann, ohne zu verarmen."[376] Ähnlich äußerten sich auch der hessische Ministerialrat Englert, der hessische Staatskommissar Epstein und Karl Raddatz in bezug auf die zeitgleich zur VVN-Länderkonferenz in Moskau tagende Außenministerratstagung der Alliierten[377]. Anfein­dungen gegen die Politik der Westmächte, wie sie Franz Dahlem bei der Gründungsver­sammlung in der SBZ vorgetragen hatte, unterblieben weitgehend. Einzig und allein Hans Mayer, der der KPD nahe stand, ohne jedoch Parteimitglied zu sein, polemisierte gegen die starken Bestrebungen von Sozialisten, Christdemokraten und Konservativen in Westeuropa, zu einer europäischen Einigung zu gelangen[378]. Mayer titulierte das Ganze als "Geschrei von den Vereinigten Staaten von Europa" durch reaktionäre Kräfte[379].

Abschließend verabschiedete die Interzonenkonferenz drei Entschließungen.

Die Delegierten forderten die bevorzugte Entlassung "aktiver deutscher Antifaschisten", die in den Strafbataillonen gedient hatten, aus der Kriegsgefangenschaft, sie lobten die bis dahin schon erfolgten Entlassungen ehemals Verfolgter aus der Gefangenschaft und argumentierten, die "Antifaschisten" würden beim politischen und wirtschaftlichen Aufbau Deutschlands gebraucht[380].

Die Tagung betonte die "menschliche, politische, moralische und rechtliche Pflicht" zur Wiedergutmachung, sie setzte sich für eine "umfassende Rückerstattungs- und Entschädi­gungsgesetzgebung" ein, die "in ganz Deutschland einheitlich wirksam werden" müsse[381].

Und schließlich setzten die in Frankfurt Versammelten darauf, daß sich die in Moskau tagenden Außenminister rasch auf einen Friedensvertrag mit Deutschland einigen würden; sie baten die Alliierten, einen Neuaufbau "über alle augenblicklichen Zonen- und Ländergrenzen hinweg" zu ermöglichen, an dem die "ehemals Verfolgten des Naziregimes" entscheidenden Anteil nehmen könnten[382]. Sie erhofften eine Zulassung der VVN als einheitliche Organisation in ganz Deutschland und ersuchten die Alliierten um Erlaubnis, mit "außerdeutschen Wider­standsbewegungen" in Kontakt treten zu dürfen[383].

Zudem planten die organisierten Verfolgten aus allen Teilen Deutschlands für den 17. und 18. Mai 1947 ein zentrales "Befreiungstreffen" in Dachau; am zweiten Sonntag im September sollten jedes Jahr überall in Deutschland Gedenkfeiern für die "Opfer des Faschismus" stattfin­den[384], nachdem es solche Gedenkfeiern in vielen Orten Deutschlands ja schon im September 1945 und 1946 gegeben hatte.

Fünf Tage vor der interzonalen Länderkonferenz der VVN, am 10. März 1947, hatte in Moskau die vierte Tagung des Außenministerrates der Alliierten begonnen. Nachdem sich zunächst zumindest Großbritannien, die Sowjetunion und die USA darauf geeinigt hatten, end­lich gemeinsame Zentralverwaltungen in Deutschland zu schaffen und einen gesamtdeutschen Konsultativrat einzurichten, scheiterte die gesamte Konferenz schließlich an der Reparations­frage und wurde Mitte April ergebnislos abgebrochen[385]. Der sowjetische Außenminister Wjatscheslaw Molotow verlangte erneut ein sowjetisches Mitspracherecht bei der Kontrolle des Ruhrgebiets, war aber bereit, die schon seit Kriegsende geforderten 10 Milliarden Dollar Repa­rationen auf 20 Jahre zu strecken, US-Außenminister George Marshall lehnte jedoch mit Hin­weis auf die wirtschaftliche Situation in den Westzonen jegliche Reparationszahlung ab[386].

[...]


[1] Foitzik, Jan: Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN); in: Broszat, Martin; Weber, Hermann (Hg.): SBZ-Handbuch - Staatliche Verwaltungen, Parteien, gesellschaftliche Organisationen und ihre Führungskräfte in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands 1945-1949, München 1990, S. 750.

[2] Ebd., S. 749.

[3] Ebd., S. 750.

[4] Grünewald, Paul: Von Häftlingskomitees und antifaschistischen Ausschüssen zur VVN; in: Von Buchenwald bis Hasselbach - Organisierter Antifaschismus 1945 bis heute, hrsg. vom Präsidum der VVN/Bund der Antifaschisten, Köln 1987; S. 19.

[5] Heller, Helmuth: Der Weg einer Tarnorganisation - Zur Auflösung der VVN in der Sowjetzone, in: SBZ-Archiv - Dokumente, Berichte, Kommentare zu gesamtdeutschen Fragen, Nr. 6/1953, 20. März 1953, S. 86.

[6] Schröter, Ursula: Nichts ist vergessen? - Die Opfer des Faschismus von der Befreiung bis zur Spaltung; in: Der Wedding - hart an der Grenze - Weiterleben in Berlin nach dem Krieg, hrsg. von der Berliner Geschichtswerkstatt, Berlin (West) 1987, S. 149.

[7] Erklärung des SPD-Vorstandes Hannover; in: Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz (GStA), Hauptabteilung (HA) I, Repositur (Rep) 92, Nachlaß (NL) Heinrich Grüber, Nr. 493, Bl. 1.

[8] Heller, Helmuth: a.a.O., S. 86.

[9] Groehler, Olaf: Antifaschismus - Vom Umgang mit einem Begriff; in: Herbert, Ulrich; Groehler, Olaf: Zweierlei Bewältigung - Vier Beiträge über den Umgang mit der NS-Vergangenheit in den beiden deutschen Staaten, Hamburg 1992, S. 29.

[10] Vgl. Suckut, Siegfried: Block-Ausschüsse; in: SBZ-Handbuch ..., S. 598 f., S. 605 ff.

[11] Vgl. ebd., S. 616 ff.

[12] Tenner, Konstanze: Zur politisch-ideologischen Arbeit der KPD bzw. SED und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) für die Entwicklung des antifaschistischen und antiimperialistischen Bewußtseins der werktätigen Massen in der sowjetischen Besatzungszone 1945 bis 1949, Jena 1984, vgl. insbesondere S. 60 ff., S. 75 f., S. 80 f., 102 ff., S. 112 ff., S. 191 ff., S. 208 ff.

[13] Vgl. ebd., S. 149, S 193 f., S. 200 f.

[14] Ebd., S. 148.

[15] Vgl. ebd., S. 196 f., S. 218

[16] Ebd., S. 235.

[17] Tenner, Konstanze: Zur antifaschistischen Bündnispolitik der KPD und der SED in den Jahren 1945 bis 1949; in: Jenaer Beiträge zur Parteiengeschichte (JBP), Nr. 47, November 1984, S. 110.

[18] Vgl. Ruppert, Wilfried: Zur Geschichte der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) im Kampf für Frieden, Entspannung und Abrüstung, gegen Faschismus und Neofaschismus (1951 bis 1970) - Zum Anteil der antifaschistischen Widerstandskämpfer der DDR an der Tätigkeit der FIR, Berlin (Ost) 1989, S. 14 ff.

[19] Vgl. ebd., S. 20 f., S. 27, S. 41 f.

[20] Ebd., S. 27.

[21] Vgl. Maur, Hans: "Ihnen die Lorbeer, unser die Pflicht!", Ottomar Geschke - Biographische Skizzen, in: Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung (BzG), Nr. 4/1988, S. 542 ff.; Mauer, Hans: Ottomar Geschke, Vorbild und Verpflichtung - Biographische Skizze zu einem kampferfüllten Leben, Frankfurt (Oder) 1982, S. 54 ff., S. 63 ff.

[22] Vgl. Schröter, Ursula: a.a.O., S. 139 ff.

[23] Vgl. Grünwald, Paul: a.a.O., S. 17 ff.; Oppenheimer, Max: Vom Häftlingskomitee zum Bund der Antifaschisten - Der Weg der VVN; in: Vom Häftlingskomitee zum Bund der Antifaschisten (BdA) - Der Weg der VVN, hrsg. vom Präsidium der VVN/BdA, Frankfurt a.M. 1972, S. 5 ff.; Oppenheimer, Max: Der Weg der VVN - Vom Häftlingskomitee zum Bund der Antifaschisten; in: Oppenheimer, Max (Hg.): Antifaschismus: Tradition, Politik, Perspektive - Geschichte und Ziele der VVN/Bund der Antifaschisten, Frankfurt a.M. 1978, S. 9 ff.

[24] Vgl. Doerry, Thomas: Antifaschismus oder Antikommunismus - Antifaschistische Positionen in der deutschen Nachkriegszeit (1945-1951), in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Nr. 5/1980, S. 547 f.; Schneider, Ulrich: Zwischen Befreiung und Restauration - Programme und Realtität des demokratischen Neubeginns in den Westzonen; in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Nr. 1/1983, S. 103.

[25] Vgl. Schmidt, Wolf-Dietrich: "Wir sind die Verfolgten geblieben" - Zur Geschichte der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) in Hamburg 1945-1951, in: Berlin, Jörg (Hg.): Das andere Hamburg - Freiheitliche Bestrebungen in der Hansestadt seit dem Spätmittelalter, Köln 1981, S. 329 ff.

[26] Vgl. Foitzik, Jan: Vereinigung ..., S. 748 ff.

[27] Vgl. dazu u. a.: Grunenberg, Antonia: Antifaschismus - Ein deutscher Mythos, Reinbek 1993; Herbert, Ulrich; Groehler, Olaf: Zweierlei Bewältigung ...; Knütter, Hans-Helmuth: Antifaschismus und politische Kultur in Deutschland nach der Wiedervereinigung; in: Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ), B 9/91 (Jg. 1991), S. 18 f.; Pschierer, Ronald; Schmidt, Thomas; Schubarth, Wilfried: Verordneter Antifaschismus und die Folgen - Das Dilemma antifaschistischer Erziehung am Ende der DDR; in: APuZ, B 9/91 (Jg. 1991), S. 3 ff.; Weißbecker, Manfred: Gedanken zum Antifaschismus-Verlust in der Geschichte der DDR; in: BzG, Nr. 2/1991, S. 194 ff.

[28] Leo, Annette: Antifaschismus und Kalter Krieg; in: Mythos Antifaschismus - Ein Traditionskabinett wird kommentiert, hrsg. vom Kulturamt Prenzlauer Berg und dem Aktiven Museum Faschismus und Widerstand in Berlin e.V., Berlin 1992, S. 144.

[29] Ebd., S. 149.

[30] Vgl. Groehler, Olaf: "Aber sie haben nicht gekämpft"; in: Konkret - Zeitschrift für Politik und Kultur, Nr. 5/1992, S. 38 f.; Groehler, Olaf: Integration und Ausgrenzung von NS-Opfern - Zur Anerkennungs- und Entschädigungsdebatte in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands 1945 bis 1949; in: Kocka, Jürgen (Hg.): Historische DDR-Forschung - Aufsätze und Studien, Zeithistorische Studien, Bd. 1, Berlin 1993, S. 107 ff.; Groehler, Olaf: "Juden erkennen wir nicht an"; in: Konkret ..., Nr. 3/1993, S. 53 f.; Groehler, Olaf: SED, VVN und Juden in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands (1945-1949); in: Jahrbuch für Antisemitismusforschung, hrsg. von Wolfgang Benz, Bd. 3, 1994, Frankfurt a.M./New York 1994, S. 282 ff. Jürgen Kuczynski und Kurt Gossweiler gehen in ihren Polemiken zu Groehlers erstem Aufsatz in Konkret fast überhaupt nicht auf die Frühgeschichte der VVN ein, Gossweiler stiftet mit der falschen Behauptung, es wäre bei der OdF-Anerkennung 1945 um "Ehrenpensionen" gegangen, die tatsächlich jedoch erst 1965 eingeführt wurden, lediglich Verwirrung; vgl. Gossweiler, Kurt: Aus dem Arsenal des Kalten Krieges; in: Konkret ..., Nr. 8/1992, S. 46 ff.; Kuczynski, Jürgen: Wo wäre das anders gewesen?; in: Konkret ..., Nr. 8/1992, S. 44 ff. Kurt Pätzold geht in seinem Aufsatz zur Kontroverse zwischen Groehler einerseits und Gossweiler und Kuczynski andererseits ebenfalls nicht auf die VVN ein; vgl. Pätzold, Kurt: Antifaschismus und NS-Geschichte; in: Konkret ..., Nr. 11/1992, S. 52 ff.

[31] Vgl. Goehler, Olaf: Integration und Ausgrenzung ..., S. 115 ff.; Groehler, Olaf: SED, VVN und Juden in der sowjetischen Besatzungszone ..., S. 287 ff.

[32] Vgl. dazu: Antifa, Nr. 2/1991, S. 20 f.; Nr. 3/1991, S. 21; Nr. 4/1991, S. 20 f.; Nr. 5/1991, S. 18 f.

[33] Die Geschichte der AvS, hauptsächlich ihre Gründung, wird auf drei Seiten skizziert bei: Miller, Susanne: Die Behandlung des Widerstands gegen den Nationalsozialismus in der SPD nach 1945; in: Büttner, Ursula (Hg.): Das Unrechtsregime - Internationale Forschung über den Nationalsozialismus, Festschrift für Werner Jochmann zum 65. Geburtstag, Bd. 2: Verfolgung - Exil - Belasteter Neubeginn, Hamburg 1986, S. 417 ff.

[34] Zehden, Werner Alfred: Gratwanderung zwischen zwei Welten - Leitartikel und Aufsätze aus fünfzehn Jahren des Ehrenvorsitzenden des BVN Berlin Werner A. Zehden, veröffentlicht im Zentralorgan Demokratischer Widerstandskämpfer und Verfolgten-Organisationen "Die Mahnung", hrsg. vom Bund der Verfolgten des Naziregimes Berlin, Berlin (West) 1987, S. 61. Allerdings hat der BVN Anfang 1951 eine relativ umfangreiche Selbstdarstellung zu seiner Entstehung herausgegeben: Ein Jahr BVN, hrsg. vom Bundessekretariat des Bundes der Verfolgten des Naziregimes (BVN), Düsseldorf 1951.

[35] Foschepoth, Josef: Im Schatten der Vergangenheit - Die Anfänge der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Göttingen 1993.

[36] Das ehemalige Zentrale Parteiarchiv (ZPA) der SED ist seit 1. Januar 1993 der Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv (SAPMO-BArch.) zugeordnet.

[37] Im Zuge der organisationstechnischen Umwandlung der SED in eine hierarchische Kaderpartei nach dem Modell der KPdSU wurden auf der Parteivorstandsitzung der SED am 24. Januar 1949 ein Politbüro und ein 'Kleines Sekretariat des Politbüros' geschaffen. Während das Politbüro die laufende politische Arbeit leiten sollte, bekam das Kleine Sekretariat die Aufgabe, die Durchführung der Beschlüsse des Politbüros zu überwachen und die alltägliche Arbeit des zentralen Parteiapparates der SED anzuleiten, später sollte es auch die Auswahl von Kadern vornehmen. Noch im Herbst 1949 wurde das Kleine Sekretariat in "Sekretariat des Zentralkomitees der SED" umbenannt; zur Funktion von Politbüro und Sekretariat vgl. Alt, Helmut: Die Stellung des Zentralkomitees der SED im politischen System der DDR, Abhandlungen zum Ostrecht, Bd. 19, Köln 1987, zum Politbüro: S. 80 ff., zum Sekretariat: S. 87 ff.; Förtsch, Eckart; Mann, Rüdiger: Die SED, Berlin (West)/Köln/Mainz/Stuttgart 1969, S. 58 f., S. 63 f.; Stern, Carola: Die SED - Ein Handbuch über Aufbau, Organisation und Funktion des Parteiapparates, Köln 1954, zum Politbüro: S. 61 ff., zum Sekretariat: S. 77 ff.

[38] Bericht von der Delegierten-Konferenz zur Gründung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands am 22. und 23. Februar 1947 in Berlin, Berlin 1947; Zweite Hauptkonferenz der VVN in der sowjetischen Besatzungszone, Protokoll, 22.-24. Februar 1948, Halle/Saale, Berlin 1948.

[39] Unser Appell - Halbmonatsschrift der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, Nr. 1 erschien am 1. August 1947.

[40] Protokoll des XIII. Plenums des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale (EKKI), Dezember 1933, Moskau/Leningrad 1934, Reprint, S. 277.

[41] Wippermann, Wolfgang: Antifaschismus in der DDR - Wirklichkeit und Ideologie, Berlin (West) 1980, S. 5.

[42] Faulenbach, Bernd: Zur Funktion des Antifaschismus in der DDR; in: Deutschland Archiv - Zeitschrift für das vereinigte Deutschland (DA), Nr. 6/1993, S. 754.

[43] Vgl. Abusch, Alexander: Der Irrweg einer Nation - Ein Beitrag zum Verständnis deutscher Geschichte, Berlin 1946, S. 244 ff.

[44] Zur Faschismusdiskussion bei Sozialisten, Sozialdemokraten, Liberalen und Konservativen vgl. Wippermann, Wolfgang: Faschismustheorien - Zum Stand der gegenwärtigen Diskussion, 5. Auflage, Darmstadt 1989, S. 28 ff. Unterschiedliche Einschätzungen des Faschismus durch Kommunisten, Sozialisten und bürgerliche Theoretiker zwischen 1921 und 1960 sind dokumentiert in: Nolte, Ernst (Hg.): Theorien über den Faschismus, 2. Auflage, Berlin (West)/Köln 1970. Die Einleitung von Ernst Nolte zu diesem Sammelband bietet eine kurze Zusammenfassung der sozialdemokratischen und sozialistischen Rezeption des Faschismus: ebd., S. 18 ff., S. 31 ff., S. 52 ff., S. 63 f., S. 66 f. Ebenso wird die Einschätzung des Faschismus durch christlich-katholische und liberale Kräfte dargestellt: ebd., S. 29 ff., S. 45 ff., S. 59 ff, S. 65 f., S. 68 ff.

[45] Zur Zusammenfassung der allgemeinen Kennzeichen von Faschismus vgl.: Nolte, Ernst: Die faschistischen Bewegungen - Die Krise des liberalen Systems und die Entwicklung der Faschismen, 9. Auflage, München 1984, S. 64 ff.; Schieder, Wolfgang: Faschismus; in: Sowjetsystem und Demokratische Gesellschaft - Eine vergleichende Enzyklopädie, Bd. 2, Freiburg 1968, Sp. 451 ff.; Wippermann, Wolfgang: Europäischer Faschismus im Vergleich (1922-1982), Frankfurt a.M. 1983, S. 197 ff.

[46] Zum Wandel des Antifaschismusverständnisses der internationalen und der deutschen kommunistischen Bewegung in den Jahren 1934/35 vgl. Lewerenz, Elfriede: Zur Präzisierung des Faschismusbildes auf dem VII. Weltkongreß der Kommunistischen Internationale; in: Grebing, Helga; Kinner, Klaus (Hg.): Arbeiterbewegung und Faschismus - Faschismusinterpretationen in der europäischen Arbeiterbewegung, Essen 1990, S. 126 ff.; Wippermann, Wolfgang: Zur Analyse des Faschismus - Die sozialistischen und kommunistischen Faschismustheorien 1921-1945, Berlin (West)/Frankfurt a.M./München 1981, S. 87 f., S. 91 ff.; Wippermann, Wolfgang: Faschismustheorien ..., S. 22 ff.

[47] Wörterbuch der Geschichte, Bd. A-K, Berlin (Ost) 1983, S. 41 ff.; vgl. dazu auch: Gossweiler, Kurt: Was ist Antifaschismus? Welche Bedeutung hat er heute?; in: JBP, Nr. 47, November 1984, S. 89 ff.

[48] Vgl. Tenner, Konstanze: Zur politisch-ideologischen Arbeit ..., S. 11.

[49] Wippermann, Wolfgang: Antifaschismus ..., S. 9 f.

[50] Tenner, Konstanze: Zur politisch-ideologischen Arbeit ..., S. 9.

[51] Delzell, Charles F.; Mommsen, Hans: Antifaschismus; in: Sowjetsystem und ..., Bd. 1, Freiburg 1966, Sp. 236.

[52] Wippermann, Wolfgang: Antifaschismus ..., S. 13.

[53] Die Antifas in Deutschland hatten zahlreiche unterschiedliche Namen, einen Überblick vermittelt die Deutschland-Karte in: Borsdorf, Ulrich; Brandt, Peter; Niethammer, Lutz (Hg.): Arbeiterinitiative 1945 - Antifaschistische Ausschüsse und Reorganisation der Arbeiterbewegung in Deutschland, Wuppertal 1976, S. 783.

[54] Niethammer, Lutz: Aufbau von unten: Die Antifa-Ausschüsse als Bewegung; in: Borsdorf, Ulrich; Brandt, Peter; Niethammer, Lutz (Hg.): Arbeiterinitiative 1945 ..., S. 699; Benser, Günter: Die KPD im Jahre der Befreiung - Vorbereitung und Aufbau der legalen kommunistischen Massenpartei (Jahreswende 1944/45 bis Herbst 1945), Berlin (Ost) 1985, S. 107 ff., S. 117.

[55] Benser, Günter: Antifa-Ausschüsse - Staatsorgane - Parteiorganisation, Überlegungen zu Ausmaß, Rolle und Grenzen der antifaschistischen Bewegung am Ende des zweiten Weltkrieges; in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft (ZfG), Nr. 7/1978, S. 789.

[56] Vgl. Borsdorf, Ulrich; Niethammer, Lutz (Hg.): Zwischen Befreiung und Besatzung - Analysen des US-Geheimdienstes über Positionen und Strukturen deutscher Politik 1945, Wuppertal 1976, S. 109 ff.; Einzelbeispiele bei: Benser, Günter: Antifa-Ausschüsse ..., S. 789; Könnemann, Erwin: Die Kommunisten an der Spitze des Neubeginns nach Beendigung der Kampfhandlungen in Halle und Umgebung; in: Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung (BzG), 27. Jg., Nr. 2/1985, S. 257 f.

[57] Vgl. Niethammer, Lutz: Aufbau von unten ..., S. 703 ff.

[58] Wille, Manfred: Das Ringen der Arbeiterklasse und der anderen Antifaschisten um die Einleitung des Demokratisierungsprozesses in der Provinz Sachsen (April-August 1945); in: BzG, Nr. 2/ 1980, S. 432; vgl. auch die Deutschland-Karte in: Borsdorf, Ulrich; Brandt, Peter; Niethammer, Lutz (Hg.): Arbeiterinitiative 1945 ..., S. 783.

[59] Vgl. die Deutschland-Karte in: Borsdorf, Ulrich; Brandt, Peter; Niethammer, Lutz (Hg.): Arbeiterinitiative 1945 ..., S. 783.

[60] Vgl. Niethammer, Lutz: Aufbau von unten ..., S. 701 ff.; Benser, Günter: Antifa-Ausschüsse ..., S. 790.

[61] Benser, Günter: Antifa-Ausschüsse ..., S. 786.

[62] Borsdorf, Ulrich; Niethammer, Lutz (Hg.): Zwischen Befreiung ..., S. 118.

[63] Benser, Günter: Antifa-Ausschüsse ..., S. 788.

[64] Benser, Günter: Antifa-Ausschüsse ..., S. 785, S. 787; Könnemann, Erwin: a.a.O., S. 254; Niethammer, Lutz: Aufbau von unten ..., S. 707.

[65] Könnemann, Erwin: a.a.O., S. 254.

[66] Niethammer, Lutz: Aufbau von unten ..., S. 702.

[67] Schmollinger, Horst: Das Bezirkskomitee Freies Deutschland in Leipzig; in: Borsdorf, Ulrich; Brandt, Peter; Niethammer, Lutz (Hg.): Arbeiterinitiative 1945 ..., S. 236.

[68] Benser, Günter: Antifa-Ausschüsse ..., S. 797; Wille, Manfred: Das Ringen ..., S. 431.

[69] Könnemann, Erwin: a.a.O., S. 254 f.

[70] Zur ersten Phase der Entnazifizierung in der SBZ vgl. Entnazifizierung - Politische Säuberung und Rehabilitierung in den vier Besatzungszonen 1945-1949, hrsg. von Clemens Vollnhals in Zusammenarbeit mit Thomas Schlemmer, München 1991, S. 43; Meinicke, Wolfgang: Die Entnazifizierung in der sowjetischen Besatzungszone 1945 bis 1948; in: ZfG, Nr. 11/1984, S. 969 ff.; Meinicke, Wolfgang: Zur Entnazifizierung in der sowjetischen Besatzungszone unter Berücksichtigung von Aspekten politischer und sozialer Veränderungen (1945 bis 1948), Berlin (Ost) 1983, S. XXIII, S. 1 ff.; Welsh, Helga: Revolutionärer Wandel auf Befehl? - Entnazifizierungs- und Personalpolitik in Thüringen und Sachsen (1945-1948), München 1989, S. 32 ff.

[71] Benser, Günter: Die KPD ..., S. 105.

[72] Vgl. Anweiler, Änne: Zur Geschichte der Vereinigung von KPD und SPD in Thüringen 1945-1949, Erfurt 1971; Wille, Manfred: Das Ringen ..., S. 433.

[73] Benser, Günter: Antifa-Ausschüsse ..., S. 797/798; Schmollinger, Horst: a.a.O., S. 240.

[74] Könnemann, Erwin: a.a.O., S. 258 f.; Wille, Manfred: Das Ringen ..., S. 438.

[75] Benser, Günter: Die KPD ..., S. 106; Wille, Manfred: Das Ringen ..., S. 434.

[76] Linke-Marßolek, Inge: Die Antifaschistische Volksfront in Solingen; in: Borsdorf, Ulrich; Brandt, Peter; Niethammer, Lutz (Hg.): Arbeiterinitiative 1945 ..., S. 261.

[77] Niethammer, Lutz: Aufbau von unten ..., S. 709; Borsdorf, Ulrich; Niethammer, Lutz (Hg.): Zwischen Befreiung ..., S. 119, S. 329.

[78] Könnemann, Erwin: a.a.O., S. 260.

[79] Zur politischen Apathie der Masse der Deutschen vgl. u. a.: Hurwitz, Harold: Demokratie und Antikommunismus in Berlin nach 1945, Bd. 4, Teil 1: Die Anfänge des Widerstands - Führungsanspruch und Isolation der Sozialdemokraten, Köln 1990, S. 115 ff.; Sywottek, Arnold: Tabuisierung und Anpassung in Ost und West - Bemerkungen zur deutschen Geschichte nach 1945; in: Koebner, Thomas; Sautermeister, Gert; Schneider, Sigrid (Hg.): Deutschland nach Hitler - Zukunftspläne im Exil und aus der Besatzungszeit 1939-1949, Opladen 1987, S. 230 ff.

[80] Wille, Manfred: Das Ringen ..., S. 436.

[81] Könnemann, Erwin: a.a.O, S. 257.

[82] Mettke, Jörg: "Wir machen unsere Revolution alleene" - Cottbus 1945; in: Malanowski, Wolfgang (Hg.): 1945 - Deutschland in der Stunde Null, Hamburg 1985, S. 157 f.

[83] Niethammer, Lutz: Aufbau von unten ..., S. 711.

[84] Leonhard, Wolfgang: Die Revolution entläßt ihre Kinder, Berlin (West)/Köln 1955, S. 398 f.

[85] Niethammer, Lutz: Aufbau von unten ..., S. 703.

[86] Vgl. Henicz, Barbara; Hirschfeld, Margrit: Die ersten Frauenzusammenschlüsse; in: Kuhn, Annette (Hg.): Frauen in der deutschen Nachkriegszeit, Bd. 2, Frauenpolitik 1945-1949 - Quellen und Materialien, Düsseldorf 1986, S. 94, S. 98 ff.

[87] Vgl. Martin, Klaus: Zur Einbeziehung junger Menschen in den antifaschistischen Kampf und für die Errichtung antifaschistisch-demokratischer Verhältnisse in Thüringen 1944-1946; in: Beiträge zur Geschichte der FDJ, Nr. 6/1984, S. 43 ff.; Martin, Klaus: Zur Einbeziehung junger Menschen Thüringens in den antifaschistischen Kampf und für die Errichtung einer antifaschistisch-demokratischen Ordnung 1944-1946; in: Arbeiterjugend im Kampf um den Frieden, hrsg. vom Zentralrat der FDJ, Berlin (Ost) 1984, S. 49 ff.

[88] Vgl. Borsdorf, Ulrich; Niethammer, Lutz (Hg.): Zwischen Befreiung ..., S. 107, S. 111 f.; Wille, Manfred: Das Ringen ..., S. 432 f.

[89] Niethammer, Lutz: Aufbau von unten ..., S. 710 f.

[90] Benser, Günter: Antifa-Ausschüsse ..., S. 798, S. 801; Wille, Manfred: Das Ringen ..., S. 432.

[91] Wille, Manfred: Das Ringen ..., S. 434.

[92] Benser, Günter: Antifa-Ausschüsse ..., S. 793.

[93] Creuzberger, Stefan: Die Liquidierung antifaschistischer Organisationen in Berlin - Ein sowjetisches Dokument; in: DA, Nr. 11/1993, S. 1269.

[94] Ebd., S. 1268, S. 1274 f.

[95] Vgl. Ebd., S. 1269 ff.

[96] Niethammer, Lutz: Aufbau von unten ..., S. 712.

[97] Ebd., S. 713 f.

[98] Borsdorf, Ulrich; Niethammer, Lutz (Hg.): Zwischen Befreiung ..., S. 119, S. 329.

[99] Zwei Jahre Hauptausschuß "Opfer des Faschismus", hrsg. vom Hauptausschuß "Opfer des Faschismus", verantwortlich für den Inhalt: Hellmut Bock, Berlin 1947, S. 5 f.

[100] Drei Jahre "Kommunalabteilung Opfer des Faschismus" beim Rat der Stadt Leipzig, Leipzig 1948, S. 1.

[101] Ebd., S. 1.

[102] Foitzik, Jan: Vereinigung ..., S. 750; in Leipzig erfolgte die Zuordnung zum Sozialamt bereits am 1. Juni 1945, vgl. Drei Jahre "Kommunalabteilung ...", S. 2.

[103] Tenner, Konstanze: Zur politisch-ideologischen Arbeit ..., S. 57 f.

[104] Das erste Jahr Berlin im Neuaufbau - Ein Rechenschaftsbericht des Magistrats der Stadt Berlin, hrsg. im Auftrage des Magistrats der Stadt Berlin, Berlin 1946, S. 193.

[105] Zwei Jahre Hauptausschuß ..., S. 6.

[106] Bauer, Arnold: Die Anfänge der Kultur und Politik; in: Bauer, Arnold; Italiaander, Rolf; Krafft, Herbert: Berlins Stunde Null 1945 - Ein Bild/Text-Band, Düsseldorf 1979, S. 93.

[107] Schröter, Ursula: a.a.O., S. 141 f.

[108] Groehler, Olaf: Integration und Ausgrenzung ..., S. 106.

[109] Außer den drei Genannten gehörten dem Hauptausschuß "Opfer des Faschismus" ab Juni 1945 mit Otto Braß und Gustav Dahrendorf zwei Sozialdemokraten an, neben Dahrendorf stammten vier weitere Ausschußmitglieder aus den am 20. Juli beteiligten Gruppen, nämlich Andreas Hermes, Hermann Landwehr, Hildegard Staehle und Theodor Steltzer. Die "rassisch" Verfolgten hingegen waren nur durch den Juden Julius Meyer und indirekt durch den evangelischen Propst Heinrich Grüber, der während der NS-Zeit "rassisch" Verfolgten geholfen hatte, vertreten. Aufzählung der Mitglieder bei: Geschke, Ottomar: Bericht der Abteilung Sozialwesen; in: Ein halbes Jahr Berliner Magistrat - Der Magistrat gibt Rechenschaft: Die Reden des Oberbürgermeisters Dr. Arthur Werner und des ersten stellvertretenden Oberbürgermeisters Karl Maron auf der Kundgebung in der Deutschen Staatsoper am 19. November 1945, Berichte der Stadträte, hrsg. im Auftrage des Magistrats der Stadt Berlin, Berlin o.J., S. 65.

[110] Havemann, Robert: Dokumente eines Lebens - zusammengestellt und eingeleitet von Dieter Hoffmann, Berlin 1991, S. 75.

[111] Vgl. Hurwitz, Harold: Demokratie und Antikommunismus in Berlin nach 1945, Bd. 3: Die Eintracht der Siegermächte und die Orientierungsnot der Deutschen 1945-1946, Köln 1984, S. 193; Schröter, Ursula: a.a.O., S. 141.

[112] Schröter, Ursula: a.a.O., S. 142.

[113] Ebd., S. 142.

[114] Zur kommunistischen Faschismusanalyse vor 1933 allgemein vgl. Wippermann, Wolfgang: Zur Analyse des Faschismus ..., S. 59 ff.; Wippermann, Wolfgang: Faschismustheorien ..., S. 11 ff.

[115] Kessler, Mario: Zwischen Repression und Toleranz - Die SED-Politik und die Juden (1949 bis 1967); in: Kocka, Jürgen (Hg.): Historische DDR-Forschung ..., S. 150.

[116] Dipper, Christof: Der deutsche Widerstand und die Juden; in: Geschichte und Gesellschaft, 9. Jg., 1983, S. 353.

[117] Zwei Jahre Hauptausschuß ..., S. 67.

[118] Burleigh, Michael; Wippermann, Wolfgang: The racial state - Germany 1933-1945, Cambridge/Melbourne/New York/Port Chester/Sydney 1991, S. 306.

[119] Vgl. dazu Grüber, Heinrich: Erinnerungen aus sieben Jahrzehnten, Berlin (West)/Köln 1968, S. 104 ff.

[120] Ebd., S. 255.

[121] Groehler, Olaf: Integration und Ausgrenzung ..., S. 108.

[122] Zum elitären Selbstbewußtsein und zur herablassenden Haltung vieler kommunistischer Verfolgter gegenüber den "rassisch" Verfolgten unmittelbar nach Kriegsende vgl. Groehler, Olaf: Integration und Ausgrenzung ..., S. 107 ff.

[123] Schröter, Ursula: a.a.O., S. 143. Olaf Groehler erweckt in seinen Aufsätzen den Eindruck, als wäre die Anerkennung "rassisch" Verfolgter als OdF durch den Berliner Hauptausschuß ab Herbst 1945 maßgeblich auf eine veränderte politische Strategie der Kommunisten zurückzuführen gewesen, er verweist auf den Artikel "Juden sind auch Opfer des Faschismus" im KPD-Zentralorgan Deutsche Volkszeitung vom 25. September 1945; vgl. dazu: Groehler, Olaf: Integration und Ausgrenzung ..., S. 109 f.; Groehler, Olaf: "Aber sie haben nicht gekämpft" ..., S. 38 f. De facto dürfte jedoch der auf Initiative der Westmächte zustande gekommene Befehl der Alliierten Kommandantur ausschlaggebend für die Änderung gewesen sein.

[124] Die der SS zugeordnete Sonderformation "Dirlewanger" wurde 1940 gegründet. Sie ging bei der Partisanenbekämpfung in Weißrußland besonders brutal gegen Zivilisten vor und fiel bei der Niederschlagung des Warschauer Aufstands im Spätsommer 1944 durch Grausamkeiten und Plünderungen auf. Die Formation bestand zunächst aus Kriminellen, die wegen Wilddiebstahls verurteilt waren, später kamen wegen krimineller Delikte bestrafte KZ-Häftlinge, sogenannte "Berufsverbrecher", "asoziale" KZ-Häftlinge, strafversetzte SS-Angehörige und von Militrägerichten bestrafte Wehrmachtsangehörige hinzu. Ab November 1944 wurden auch politisch verfolgte KZ-Häftlinge, hauptsächlich KPD-Angehörige, zum Dienst in der Formation "Dirlewanger" zwangsverpflichtet. Allerdings machten die "Politischen" weniger als 10 Prozent des Personalbestands der SS-Einheit aus, die Ende 1944 6 500 Mann umfaßte. Nur die Zuletztgenannten konnten sich als OdF anerkennen lassen. Ein Großteil der in der Einheit oft mißhandelten politischen Häftlinge lief beim ersten Fronteinsatz Ende 1944 zu den Sowjets über. Vgl. dazu: Auerbach, Hellmuth: Die Einheit Dirlewanger; in: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte (VfZ), Nr. 3/1962, S. 250 ff., zu den politischen Häftlingen: S. 257 ff.; Stein, George: Geschichte der Waffen SS, Nachdruck der dt. Ausgabe von 1967, Düsseldorf/Königstein 1978, S. 239 ff., zu den politischen Häftlingen: S. 241.

[125] Vgl. Zwei Jahre Hauptausschuß ..., S. 19 f.

[126] Vgl. ebd., S. 20 f.

[127] Ebd., S. 19.

[128] Vgl. ebd., S. 21 ff.

[129] Ebd., S. 22.

[130] Vgl. ebd., S. 22 f.

[131] Ebd., S. 23.

[132] Geschke Ottomar: Bericht der Abteilung Sozialwesen ..., S. 66.

[133] Zwei Jahre Hauptausschuß ..., S. 18; vgl. auch Schröter: a.a.O., S. 143.

[134] Zwei Jahre Hauptausschuß ..., S. 25.

[135] Groehler, Olaf: Integration und Ausgrenzung ..., S. 110.

[136] Zum bewegten Leben von Heinz Brandt vgl. seine Autobiographie: Brandt, Heinz: Ein Traum, der nicht entführbar ist - Mein Weg zwischen Ost und West, erweiterte Neuausgabe, Frankfurt a.M. 1985.

[137] Groehler, Olaf: Integration und Ausgrenzung ..., S. 110.

[138] Vgl. ebd., S. 110 f.

[139] Vgl. die Abbildung auf dem Deckblatt von Zwei Jahre Hauptausschuß

[140] Raddatz, Karl: Wer ist "Opfer des Faschismus"? - Referat auf der Arbeitstagung der "Opfer des Faschismus" am 9. und 10. Februar in Weimar, Weimar 1946, S. 4.

[141] "Rassisch" Verfolgte hatten in den Konzentrations- und Vernichtungslagern unter viel härteren Haftbedingungen zu leiden als die politischen Häftlinge, denn die SS legte keinen Wert auf ihre Arbeitskraft, vielmehr sollten "Arbeitseinsätze" diese "Untermenschen" vernichten; zu den unterschiedlichen Haftbedingungen in den Lagern vgl. u.a. Langbein, Hermann: nicht wie die Schafe zur Schlachtbank - Widerstand in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern 1938-1945, Frankfurt a.M. 1980, S. 31 ff., S. 105 ff.; Pingel, Falk: Das System der Konzentrationslager; in: Eiber, Ludwig (Hg.): Verfolgung, Ausbeutung, Vernichtung - Die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Häftlinge in den deutschen Konzentrationslagern 1933-1945, Hannover 1985, S. 19 ff., S. 30; Sofsky, Wolfgang: Die Ordnung des Terrors: Das Konzentrationslager, Frankfurt a.M. 1993, S. 137 ff., S. 152 ff., S. 169 ff.

[142] Hurwitz, Harold: a.a.O., Bd. 3: Die Eintracht ..., S. 193.

[143] Das erste Jahr Berlin ..., S. 193; Drei Jahre "Kommunalabteilung ...", S. 4 ff.

[144] Zwei Jahre Hauptausschuß ..., S. 27.

[145] Ebd., S. 28.

[146] Ebd., S. 14.

[147] Ebd., S. 14.

[148] Das erste Jahr Berlin ..., S. 194.

[149] Vgl. Zwei Jahre Hauptausschuß ..., S. 30 f.

[150] Ebd., S. 31.

[151] Vgl. ebd., S. 31 f.

[152] Vgl. ebd., S. 36 f.

[153] Vgl. ebd., S. 37 ff.

[154] Ebd., S. 39.

[155] Ebd., S. 39.

[156] Ebd., S. 53.

[157] Zu den Ereignissen in Lidice 1942 vgl: Berton, Stanislav: Das Attentat auf Reinhard Heydrich vom 27. März 1942 - Ein Bericht des Kriminalrats Heinz Pannwitz; in: VfZ, Nr. 4/1985, S. 688 ff.; MacDonald, Callum: Heydrich - Anatomie eines Attentats, dt. Ausgabe, München 1990, S. 232 ff.; Schilderung der SS-Aktion in Lidice aus Sichte eines der verschleppten Kinder in: Ivanov, Miroslav: Der Henker von Prag - Das Attentat auf Heydrich, dt. Ausgabe der 5. Auflage der tschechischen Originalausgabe, Berlin 1993, S. 335 ff.

[158] Zwei Jahre Hauptausschuß ..., S. 53.

[159] Vgl. ebd., S. 53 ff.

[160] Vgl. das Flugblatt "An alle Deutschen" des Hauptausschusses "Opfer des Faschismus" beim Magistrat der Stadt Berlin, Abteilung Sozialwesen, vom Juni 1946; in: GStA, HA I, Rep 92, NL Grüber, Nr. 477, Umschlag 2, Bl. 1-6, jeweils die Rückseite.

[161] Vgl. ebd., S. 57 f.

[162] Vgl. Schröter, Ursula: a.a.O., S. 139 f., S. 145.

[163] Lübbe, Hermann: Der Nationalsozialismus im deutschen Nachkriegsbewußtsein; in: Historische Zeitschrift (HZ), 236, 1983, S. 587.

[164] Vgl. Zwei Jahre Hauptausschuß ..., S. 59 ff.

[165] Ebd., S. 59, S. 61.

[166] Ebd., S. 42.

[167] Tenner, Konstanze: Zur politisch-ideologischen Arbeit ..., S. 61.

[168] Vgl. Zwei Jahre Hauptausschuß ..., S. 43 ff.

[169] Ebd., S. 45.

[170] Ebd., S. 46.

[171] Ebd., S. 48.

[172] Vgl. ebd., S. 48 ff.

[173] Vgl. Tenner, Konstanze: Zur politisch-ideologischen Arbeit ..., S. 62 f., S. 260.

[174] Wir klagen an! - Öffentliche Anklage des Hauptausschusses "Opfer des Faschismus" Berlin in der Berliner Staatsoper am 16.12.1945 anläßlich des Prozesses gegen die Kriegsverbrecher in Nürnberg, Berlin o.J., S. 3.

[175] Schwartz, Thomas Alan: Die Begnadigung deutscher Kriegsverbrecher - John McCloy und die Häftlinge von Landsberg, in: VfZ, Nr. 3/1990, S. 379.

[176] Koebner, Thomas: Die Schuldfrage - Vergangenheitsverweigerung und Lebenslügen in der Diskussion 1945-1949; in: Koebner, Thomas; Sautermeister, Gert; Schneider, Sigrid (Hg.): Deutschland nach Hitler ..., S. 302.

[177] Vansittart, Robert: Black Record, London 1941.

[178] Zu Vansittartismus und Kollektivschuldthese allgemein vgl. Koebner, Thomas: Die Schuldfrage ..., S. 301 ff.; Schreiber, Gerhard: Hitlerinterpretationen 1923 bis 1983 - Ergebnisse, Methoden und Probleme der Forschung, 2. Auflage, Darmstadt 1988, S. 73 ff.; knapp zusammengefaßt in der Einleitung von: Wippermann, Wolfgang (Hg.): Kontroversen um Hitler, Frankfurt a.M. 1986, S. 42 ff.

[179] Vgl. Wir klagen an! ..., S. 6 ff.

[180] Vgl. ebd., S. 11 ff.

[181] Vgl. ebd., S. 17 ff.

[182] Vgl. ebd., S. 21 ff.

[183] Ebd., S. 9.

[184] Schwartz, Thomas Alan: a.a.O., S. 383.

[185] Koebner, Thomas: Die Schuldfrage ..., S. 303.

[186] Wir klagen an! ..., S. 34.

[187] Koebner, Thomas: Die Schuldfrage ..., S. 315.

[188] Wir klagen an! ..., S. 35.

[189] Zur Funktionärskonferenz der Berliner SPD am 1. März 1945 vgl. Hurwitz, Harold: Demokratie und Antikommunismus in Berlin nach 1945, Bd. 4, Teil 2: Zwischen Selbsttäuschung und Zivilcourage - Der Fusionskampf, Köln 1990, S. 1019 ff.

[190] Hurwitz, Harold: a.a.O., Bd. 3: Die Eintracht ..., S. 193.

[191] Vgl. die Berichterstattung in: Der Kurier [Berliner Abendzeitung - S.W.], 4. März 1946.

[192] Hurwitz, Harold: a.a.O., Bd. 3: Die Eintracht ..., S. 193.

[193] Vgl. Schröter, Ursula: a.a.O., S. 146 f.

[194] Ebd., S. 147.

[195] Ebd., S. 147.

[196] Ebd., S. 147.

[197] Hurwitz, Harold: a.a.O., Bd. 3: Die Eintracht ..., S. 192.

[198] Außer Annedore Leber vertraten Kurt Schmidt und Fritz Corsing, der aus "rassischen" Gründen von den Nazis verfolgt worden war und nach 1945 der SPD angehörte, die Sozialdemokratie ab Mitte 1946 im Hauptausschuß. Neumitglied war auch die parteilose Lehrerin Ruth Lesser.

[199] Vgl. Zwei Jahre Hauptausschuß ..., S. 13, S. 79 f.

[200] Das erste Jahr Berlin ..., S. 193.

[201] Zu den politischen Positionen der "Roten Kapelle" vgl. Scheel, Heinrich: Ein Schulungsmaterial aus dem illegalen antifaschistischen Widerstand der Roten Kapelle; in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft (ZfG), Nr. 1/1984, S. 36 ff.; zur Zusammenarbeit der "Roten Kapelle" mit Nichtkommunisten vgl. Scheel, Heinrich: Die "Rote Kapelle" und der 20. Juli 1944; in: ZfG, Nr. 4/1985, S. 325 ff.; zur Kontroverse über die Einordnung der Roten Kapelle als sowjetischen Spionagering oder als antifaschistische Widerstandsgruppe vgl. Höhne, Heinz: Kennwort: Direktor - Die Geschichte der Roten Kapelle, Frankfurt a.M. 1970, S. 9 ff., S. 265 ff.; Steinbach, Peter: Die Rote Kapelle - 50 Jahre danach; in: ZfG, Nr. 9/1993, S. 771 ff.

[202] Schröter, Ursula: a.a.O., S. 148.

[203] Zwei Jahre Hauptausschuß ..., S. 84.

[204] Oppenheimer, Max: Vom Häftlingskomitee ..., 1972, S. 10; Oppenheimer, Max: Der Weg der VVN ..., 1978, S. 10.

[205] Heymann, Stefan: Die politischen Aufgaben der Opfer des Faschismus; in: Raddatz, Karl: Wer ist "Opfer des Faschismus"? ..., S. 22.

[206] Vgl. ebd., S. 18 ff.

[207] Zwei Jahre Hauptausschuß ..., S. 69.

[208] Ebd., S. 69.

[209] Ebd., S. 70.

[210] Vgl. ebd., S. 71 ff.

[211] Vgl. ebd., S. 77 f.

[212] Vgl. ebd., S. 71, S. 75 ff.

[213] Ebd., S. 80.

[214] Vgl. ebd., S. 81 f.

[215] Ebd., S. 82.

[216] Ebd., S. 81.

[217] Vgl. Oppenheimer, Max: Vom Häftlingskomitee ..., 1972, S. 8 ff.

[218] Protokoll der Delegiertentagung der OdF Groß-Berlins am 23. November 1946, S. 5 f.; in: GStA, HA I, Rep 92, NL Grüber, Nr. 478, Bl. 4.

[219] Ebd., S. 5.

[220] Foitzik, Jan: Vereinigung ..., S. 750.

[221] Tenner, Konstanze: Zur politisch-ideologischen Arbeit ..., S. 81.

[222] Zwei Jahre Hauptausschuß ..., S. 86.

[223] Tenner, Konstanze: Zur politisch-ideologischen Arbeit ..., S. 81 f.

[224] Ebd., S. 77.

[225] Zehden, Werner Alfred: a.a.O., S. 60 f.

[226] Ebd., S. 61.

[227] Ebd., S. 61.

[228] Tenner, Konstanze: Zur politisch-ideologischen Arbeit ..., S. 81, S. 264.

[229] Zwei Jahre Hauptausschuß ..., S. 84.

[230] Tenner, Konstanze: Zur politisch-ideologischen Arbeit ..., S. 77; vgl auch den Satzungsentwurf für eine "Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes in Groß-Berlin e.V." (von 1946), S. 1; in: GStA, HA I, Rep 92, NL Grüber, Nr. 477, Bl. 1.

[231] Satzungsentwurf ... "Vereinigung ... Groß-Berlin", S. 1; in: GStA, HA I, Rep 92, NL Grüber, Nr. 477, Bl. 1.

[232] Tenner, Konstanze: Zur politisch-ideologischen Arbeit ..., S. 78.

[233] Vgl. ebd., S. 79, S. 263 f.

[234] Ebd., S. 79.

[235] Ebd., S. 79.

[236] Protokoll der Delegiertentagung ..., S. 1; in: GStA, HA I, Rep 92, NL Grüber, Nr. 478, Bl. 2.

[237] Der Vorbereitende Ausschuß zur Gründung einer Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, S. 1; in: GStA, HA I, Rep 92, NL Grüber, Nr. 476, Bl. 1.

[238] Protokoll der Delegiertentagung ..., S. 3, S. 6, S. 25; in: GStA, HA I, Rep 92, NL Grüber, Nr. 478, Bl. 3, Bl. 4, Bl. 14.

[239] Vgl. ebd., S. 12 ff. (Bl. 7 f.), mit einer Reihe von Einzelbeispielen illustrierte Jeanette Wolf das Fortwirken der NS-Ideologie und das Leugnen der Verbrechen bei vielen Deutschen; in: Ebd., S. 13 (Bl. 8).

[240] Ebd., S. 12 (Bl. 7).

[241] Ebd., S. 3 (Bl. 3), S. 18 (Bl. 10).

[242] Ebd., S. 3 (Bl. 3), S. 24 (Bl. 13).

[243] Ebd., S. 7 (Bl. 5).

[244] Ebd., S. 11 (Bl. 7), S. 24 (Bl. 13).

[245] Ebd., S. 25 (Bl. 14), vgl. auch S. 7 (Bl. 5).

[246] Ebd., S. 3 (Bl. 3).

[247] Ebd., S. 25 f. (Bl. 14).

[248] Ruppert, Wilfried: a.a.O., S. 12.

[249] Protokoll der Delegiertentagung ..., S. 25; in: GStA, HA I, Rep 92, NL Grüber, Nr. 478, Bl. 14.

[250] Ebd., S. 25 (Bl. 14).

[251] Ebd., S. 23 (Bl. 13), vgl. auch S. 7 (Bl. 5).

[252] Ebd., S. 19 (Bl. 11).

[253] Ebd., S. 9 (Bl. 16).

[254] Ebd., S. 19 (Bl. 11), S. 21 (Bl. 12).

[255] Ebd., S. 21 (Bl. 12), vgl. auch S. 27 (Bl. 15).

[256] Ebd., S. 28 (Bl. 15).

[257] Ebd., S. 28 (Bl. 15).

[258] Ebd., S. 28 (Bl. 15).

[259] Der Vorbereitende Ausschuß ..., S. 1 ff.; in: GStA, HA I, Rep 92, NL Grüber, Nr. 476, Bl. 1.

[260] Protokoll der Delegiertentagung ..., S. 27; in: GStA, HA I, Rep 92, NL Grüber, Nr. 478, Bl. 15.

[261] Protokoll der Sitzung des Vorbereitenden Ausschusses zur Gründung einer Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes Deutschlands am 6. Dezember 1946, S. 1 f.; in: GStA, HA I, Rep 92, NL Grüber, Nr. 479, Bl. 1 f.

[262] Maur, Hans: "Ihnen die Lorbeer ..., S. 543 f.

[263] Vgl. Rosenthal, Hans: Zwei Leben in Deutschland, Bergisch Gladbach 1980, S. 91 f., 113 ff., S. 118 ff.

[264] Zur Arbeit der Gruppe "Onkel Emil" vgl. Andreas-Friedrich, Ruth: Der Schattenmann - Tagebuchaufzeichnungen 1938-1945, Neuauflage, Frankfurt a.M. 1986; speziell zu Kontakten mit Harald Poelchau: ebd., S. 117 f., S. 299.

[265] Andreas-Friedrich, Ruth: Schauplatz Berlin - Tagebuchaufzeichnungen 1945-1948, Neuauflage, Frankfurt a.M. 1986, S. 109 f.

[266] Vgl. ebd., S. 124 ff.

[267] Ebd., S. 137.

[268] Protokoll der Sitzung des Vorbereitenden Ausschusses ..., S. 1; in: GStA, HA I, Rep 92, NL Grüber, Nr. 479, Bl. 1.

[269] Ebd., S. 3 (Bl. 3).

[270] Die Veranstaltung sollte nach dem Urteil gegen den ehemaligen Marineoffizier Hinrich Tillessen, dem Mörder des 1921 getöteten Reichsfinanzministers Matthias Erzberger, stattfinden. Tillessen wurde jedoch letztendlich von einem französischen Militärgericht verurteilt, nachdem sich das Landgericht Offenburg wegen einer Amnestie der Nazis von 1933 geweigert hatte, den Prozeß zu eröffnen; vgl. dazu: Broszat, Martin: Siegerjustiz oder strafrechtliche "Selbstreinigung" - Aspekte der Vergangenheitsbewältigung der deutschen Justiz während der Besatzungszeit 1945-1949; in: VfZ, Nr. 4/1981, S. 496 ff.

[271] Vgl. Henke, Klaus-Dietmar: Die Trennung vom Nationalsozialismus - Selbstzerstörung, politische Säuberung, "Entnazifizierung", Strafverfolgung; in: Henke, Klaus-Dietmar; Woller, Hans (Hg.): Politische Säuberung in Europa - Die Abrechnung mit Faschismus und Kollaboration nach dem Zweiten Weltkrieg, München 1991, S. 80 f.; Rückerl, Adalbert: NS-Verbrechen vor Gericht - Versuch einer Vergangenheitsbewältigung, Heidelberg 1982, S. 107 ff. 1946 verurteilten deutsche Gerichte insgesamt 238 Personen wegen NS-Verbrechen, vgl. Götz, Albrecht: Bilanz der Verfolgung von NS-Straftaten, Köln 1986, S. 35.

[272] Protokoll der Sitzung des Vorbereitenden Ausschusses ..., S. 5; in: GStA, HA I, Rep 92, NL Grüber, Nr. 479, Bl. 5.

[273] Ebd., S. 8 f., (Bl. 8 f.).

[274] Ebd., S. 9 (Bl. 99), S. 11 (Bl. 11).

[275] Warum keine VVN in Berlin?; in: Neues Deutschland, 4. September 1947.

[276] Schröter, Ursula: a.a.O., S. 149.

[277] Ebd., S. 149.

[278] Ebd., S. 149.

[279] Ebd., S. 149.

[280] Ebd., S. 149.

[281] Gegen die VVN; in: Der Tagesspiegel, 6. Januar 1948.

[282] Nicht parteipolitisch?; in: Der Tagesspiegel, 8. Januar 1948.

[283] Schröter, Ursula: a.a.O., S. 149.

[284] Zehden, Werner Alfred: a.a.O., S. 61.

[285] Alliierte Kommandantura Berlin, Anordnung BK/O (47) 266, 20.11.1947; in: GStA, HA I, Rep 92, NL Grüber, Nr. 490.

[286] Heller, Helmuth: a.a.O., S. 86.

[287] Vgl. Bericht von der Delegierten-Konferenz zur Gründung ..., S. 9 f.

[288] Vgl. ebd., S. 9, 13 ff.

[289] Begrüßungsansprache von Oberst Tjulpanow in: Dahlem, Franz; Raddatz, Karl: Die Aufgaben der VVN - Zwei Referate, gehalten auf der Zonendelegiertenkonferenz am 22./23. Februar 1947 in Berlin, Berlin 1947, S. 4.

[290] Vgl. dazu die Einleitung der vorliegenden Arbeit, S. 12 f.

[291] Wippermann, Wolfgang: Zur Analyse ..., S. 89.

[292] Ulbricht, Walter: Der faschistische deutsche Imperialismus (1933-1945) - (Die Legende vom "deutschen Sozialismus"), 3. Auflage, Berlin (Ost) 1952, S. 99.

[293] Tjulpanow in: Dahlem, Franz; Raddatz, Karl: Die Aufgaben ..., S. 5.

[294] Ebd., S. 5 f.

[295] Ebd., S. 4.

[296] Zum Scheitern der ursprünglich auch in den westlichen Besatzungszonen vorgesehenen Bodenreform und der Sozialisierungsbestrebungen im Bereich der Großindustrie vgl. u. a. Enders, Ulrich: Die Bodenreform in der amerikanischen Besatzungszone 1945-1949 unter besonderer Berücksichtigung Bayerns, Ostfildern 1982; Kreikamp, Hans-Dieter: Die Entflechtung der I.G. Farbenindustrie AG 1945-1952; in: VfZ, Nr. 2/1977, S. 220 ff.; Lademacher, Horst: Die britische Sozialisierungspolitik im Rhein-Ruhr-Raum 1945-1948; in: Foschepoth, Joseph; Steininger, Rolf (Hg.): Britische Deutschland- und Besatzungspolitik 1945-1949, Paderborn 1985, S. 101 ff.; Schmidt, Eberhard: Die verhinderte Neuordnung 1945-1952, 8. Auflage, Frankfurt a.M. 1981; Schmidt, Ute; Fichter, Tilman: Der erzwungene Kapitalismus - Klassenkämpfe in den Westzonen 1945-1948, Berlin (West) 1971; Trittel, Günter: Die Bodenreform in der britischen Zone 1945-1949, Stuttgart 1975; kurze Zusammenfassung bei: Kleßmann, Christoph: Die doppelte Staatsgründung - Deutsche Geschichte 1945-1955, Bonn 1982, S. 84 ff.

[297] Dahlem, Franz; Raddatz, Karl: Die Aufgaben ..., S. 7 f.

[298] Zusammenfassend zur politischen Entwicklung der SBZ in den Jahren 1945 bis 1947 vgl. Staritz, Dietrich: Die Gründung der DDR - Von der sowjetischen Besatzungsherrschaft zum sozialistischen Staat, 2. Auflage, München 1987, S. 75 ff.; Weber, Hermann: Die DDR 1945-1990, Oldenbourg-Grundriß der Geschichte, Bd. 20, 2. Auflage, München 1993, S. 5 ff.; Weber, Hermann: Geschichte der DDR, München 1985, S. 55 ff.; jüngste Darstellung der Frühgeschichte der SBZ durch die DDR-Geschichtswissenschaft: Badstübner, Rolf (Leiter des Autorenkollektivs) u. a.: Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik, 4. Auflage, Berlin (Ost) 1989, S. 35 ff.

[299] Dahlem, Franz; Raddatz, Karl: Die Aufgaben ..., S. 8.

[300] Ebd., S. 9.

[301] Heller, Helmuth: a.a.O., S. 86.

[302] Dahlem, Franz; Raddatz, Karl: Die Aufgaben ..., S. 10. Dahlem dürfte mit diesen Äußerungen vor allem die zahlreichen Publikationen zur Würdigung des 20. Juli 1944 gemeint haben, die bald nach Kriegsende in den Westzonen erschienen, wie z. B.: Hassel, Johann Dietrich von: Verräter? Patrioten! - Der 20. Juli 1944, Köln 1946; Hassel, Ulrich von: Vom anderen Deutschland, Freiburg/Zürich 1947; Heule, Emil: Die Tragödie des 20. Juli 1944, Heidelberg 1946; Reuter, Franz: Der 20. Juli, Berlin 1946; Schlabrendorff, Fabian von: Offiziere gegen Hitler, Zürich 1946; Schneider, Reinhold: Gedenkwort zum 20. Juli, Stuttgart o.J.

[303] Dahlem, Franz; Raddatz, Karl: Die Aufgaben ..., S. 11.

[304] Zu Opposition und Widerstand der Katholischen Arbeitervereine gegen den Nationalsozialismus vgl. Aretz, Jürgen: Katholische Arbeiterbewegung und Nationalsozialismus, Mainz 1978. Kurz zusammengefaßt wird der katholische Arbeiterwiderstand bei Stehkämper, Hugo: Protest, Opposition und Widerstand im Umkreis der (untergegangenen) Zentrumspartei - Ein Überblick, Teil I: Protest und Opposition; in: Schmädeke, Jürgen; Steinbach, Peter (Hg.): Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus - Die deutsche Gesellschaft und der Widerstand gegen Hitler, München/Zürich 1985, S. 139 ff.; Stehkämper, Hugo: Protest, Opposition und Widerstand ..., Teil II: Widerstand; in: Schmädeke, Jürgen; Steinbach, Peter (Hg.): Der Widerstand gegen ..., S. 897 ff.

[305] Dahlem, Franz; Raddatz, Karl: Die Aufgaben ..., S. 11.

[306] Vgl. ebd., S. 11 ff.

[307] Zu den realitätsfernen Versuchen der KPD, 1933 und 1934 Massenaktionen einschließlich sogenannter "Kurzdemonstrationen" durchzuführen, vgl. Plum, Günter: Die KPD in der Illegalität - Rechenschaftsbericht einer Bezirksleitung aus dem Jahre 1934; in: Graml, Hermann (Hg.): Widerstand im Dritten Reich - Probleme, Ereignisse, Gestalten, Frankfurt a.M. 1984, S. 160 ff.; Weber, Hermann: Die Ambivalenz der kommunistischen Widerstandsstrategie bis zur "Brüsseler" Parteikonferenz; in: Schmädeke, Jürgen; Steinbach, Peter (Hg.): Der Widerstand gegen ..., S. 76 ff.

[308] Dahlem, Franz; Raddatz, Karl: Die Aufgaben ..., S. 12.

[309] Zwischen 1924 und 1935 bezeichnete die Kommunistische Internationale die Sozialdemokratie als "gemäßigten Flügel des Faschismus", weil sie aus kommunistischer Sicht eine prokapitalistische Politik betrieb, mithin galten die Sozialdemokraten als "Sozialfaschisten"; vgl. dazu: Wippermann, Wolfgang: Zur Analyse ..., S. 68 ff.; Wippermann, Wolfgang: Faschismustheorien ..., S. 17 ff.

[310] Zum Verhalten von Kommunisten gegenüber Sozialdemokraten 1933 bis 1935 vgl. Duhnke, Horst: Die KPD von 1933 bis 1945, Köln 1972, S. 78 ff.

[311] Zur Ablehnung des kommunistischen Volksfrontangebotes durch den SPD-Parteivorstand im Prager Exil vgl. Edinger, Lewis: Sozialdemokratie und Nationalsozialismus - Der Parteivorstand der SPD im Exil von 1933 bis 1945, dt. Ausgabe, Frankfurt a.M./Hannover 1960, S. 121 ff.; Langkau-Alex, Ursula: Volksfront für Deutschland?, Bd. 1: Vorgeschichte und Gründung des "Ausschusses zur Vorbereitung einer deutschen Volksfront" 1933-1936, Frankfurt a.M. 1977, S. 136 ff.

[312] Dahlem, Franz; Raddatz, Karl: Die Aufgaben ..., S. 13.

[313] Vgl. ebd., S. 13 f.

[314] Vgl. ebd., S. 12 ff.

[315] Peukert, Detlev: Die KPD im Widerstand - Verfolgung und Untergrundarbeit an Rhein und Ruhr 1933 bis 1945, Wuppertal 1980, S. 333.

[316] Zur Reaktion des SPD-Vorstandes auf den Hitler-Stalin-Pakt vgl. Vorholt, Udo: Die Sowjetunion im Urteil des sozialdemokratischen Exils 1933 bis 1945 - Eine Studie des Exilvorstandes der SPD, des Internationalen Sozialistischen Kampfbundes, der Sozialistischen Arbeiterpartei und der Gruppe Neu Beginnen, Bern/Frankfurt a.M./New York/Paris 1991, S. 224 ff.

[317] Dahlem, Franz; Raddatz, Karl: Die Aufgaben ..., S. 14 f.

[318] Zu den Geschwistern Scholl und ihrer Widerstandsgruppe "Die Weiße Rose" vgl. Dumbach, Annette; Newborn, Jud: Wir sind euer Gewissen - Die Geschichte der Weißen Rose, dt. Ausgabe, Stuttgart 1988; Hanser, Richard: Deutschland zuliebe - Leben und Sterben der Geschwister Scholl - Die Geschichte der Weißen Rose, dt. Ausgabe, München 1980.

[319] Zur antifaschistischen Arbeit Geistlicher beider Konfessionen in Gefängnissen und Lagern vgl. u. a. Berger, Alexander: Kreuz hinter Stacheldraht - Der Leidensweg deutscher Pfarrer, Bayreuth 1963.

[320] Dahlem, Franz; Raddatz, Karl: Die Aufgaben ..., S. 14, S. 16.

[321] Zur Tätigkeit der Gruppe Baum vgl. Kwiet, Konrad; Eschwege, Helmut: Selbstbehauptung und Widerstand - Deutsche Juden im Kampf um Existenz und Menschenwürde, Hamburg 1984, S. 114 ff.; Wippermann, Wolfgang: Die Berliner Gruppe Baum und der jüdische Widerstand, Berlin (West) 1981; zum politischen Widerstand deutscher Juden und zum spezifisch jüdischen Widerstand gegen Verfolgung und Massenmord allgemein vgl. Kwiet, Konrad; Eschwege, Helmut: Selbstbehauptung und Widerstand ..., S. 61 ff., S. 217 ff.; Kroh, Ferdinand: David kämpft - Vom jüdischen Widerstand gegen Hitler, Reinbek 1988, S. 15 ff., S. 38 ff.

[322] Dahlem, Franz; Raddatz, Karl: Die Aufgaben ..., S. 14.

[323] Ebd., S. 15.

[324] Ebd., S. 15.

[325] Zur Rolle des Grafen von Helldorf in der bürgerlich-militärischen Opposition und beim 20. Juli vgl. Hoffmann, Peter: Widerstand, Staatsstreich, Attentat - Der Kampf der Opposition gegen Hitler, 4. Auflage, München/Zürich 1985, passim; zum Verhältnis des Grafen von Helldorf zu Ludwig Beck vgl. Rothfels, Hans: Deutsche Opposition gegen Hitler - Eine Würdigung, Neuausgabe der 8. Auflage, Frankfurt a.M. 1986, S. 74 f.

[326] Die unterschiedliche Bewertung des 20. Juli und der daran beteiligten Gruppen durch die DDR-Geschichtswissenschaft im Laufe der Jahrzehnte ist kurz zusammengefaßt bei Bramke, Werner: Der antifaschistische Widerstand in der Geschichtsschreibung der DDR in den achtziger Jahren - Forschungsstand und Probleme, in: APuZ, B 28/88 (Jg. 1988), S. 26 f.

[327] Vgl. dazu: Krüger-Charlé, Michael: Carl Goerdelers Versuche der Durchsetzung einer alternativen Politik 1933 bis 1937; in: Schmädeke, Jürgen; Steinbach, Peter (Hg.): Der Widerstand gegen ..., S. 383 ff.

[328] Zu den Zukunftsplänen Carl Goerdelers hinsichtlich Wirtschafts-, Gesellschafts- und Verfassungsordnung vgl. Moltke, Albrecht von: Die wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Vorstellungen des Kreisauer Kreises innerhalb der deutschen Widerstandsbewegung, Köln 1989, S. 211 ff.; Mommsen, Hans: Verfassungs- und Verwaltungsreformpläne der Widerstandsgruppen des 20. Juli 1944; in: Schmädeke, Jürgen; Steinbach, Peter (Hg.): Der Widerstand gegen ..., S. 570 ff.;

[329] Dahlem, Franz; Raddatz, Karl: Die Aufgaben ..., S. 15.

[330] Ebd., S. 17.

[331] Ebd., S. 18.

[332] Ebd., S. 19.

[333] Ebd., S. 19.

[334] Ebd., S. 20.

[335] Ebd., S. 18.

[336] Ebd., S. 20.

[337] Bericht von der Delegierten-Konferenz zur Gründung ..., S. 35 f.

[338] Vgl. ebd., S. 36, S. 47 f., S. 51 f.

[339] Vgl. ebd., S. 39, S. 50.

[340] Ebd., S. 43.

[341] Vgl. ebd., S. 52 f.

[342] Vgl. ebd., S. 17, S. 58 f.

[343] Tenner, Konstanze: Zur politisch-ideologischen Arbeit ..., S. 85.

[344] Dahlem, Franz; Raddatz, Karl: Die Aufgaben ..., S. 24.

[345] Ebd., S. 21.

[346] Vgl. ebd., S. 26 f.

[347] Ebd., S. 21 f.

[348] Ebd., S. 24.

[349] Ebd., S. 24.

[350] Ebd., S. 25.

[351] Ebd., S. 24 f.

[352] Ebd., S. 26.

[353] Zum Vorrang der Rückerstattung von Vermögenswerten vor anderen Wiedergutmachungsmaßnahmen in der US-Zone vgl. Kreikamp, Hans-Dieter: Zur Entstehung des Entschädigungsgesetzes der amerikanischen Besatzungszone; in: Herbst, Ludolf; Goschler, Constantin (Hg.): Wiedergutmachung in der Bundesrepublik Deutschland, München 1989, S. 62 ff.; zum Streit über den Umfang der Rückerstattung zwischen Amerikanern und Deutschen vgl. Goschler, Constantin: Wiedergutmachung - Westdeutschland und die Verfolgten des Nationalsozialismus 1945-1954, München/Wien 1992, S. 103 ff.; zur Rückerstattung insgesamt vgl. Schwarz, Walter: Rückerstattung nach den Gesetzen der Alliierten Mächte; in der Reihe: Die Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts durch die Bundesrepublik Deutschland, hrsg. vom Bundesminister der Finanzen in Zusammenarbeit mit Walter Schwarz, Bd. 1, München 1974, S. 23 ff.

[354] Dahlem, Franz; Raddatz, Karl: Die Aufgaben ..., S. 26.

[355] Ebd., S. 25.

[356] Ebd., S. 23.

[357] Bericht von der Delegierten-Konferenz zur Gründung ..., S. 79 f.

[358] Vgl. Erste Interzonale Länderkonferenz der VVN vom 15. bis 17. März 1947 in Frankfurt am Main, o.O., o.J., (Protokoll); auch in: SAPMO-BArch., ZPA, V 278/2/3.

[359] Ebd., S. 22.

[360] Ebd., S. 21.

[361] Ebd., S. 21.

[362] Für ein ungeteiltes Deutschland - Eigenbericht des "Appell" von der Hamburger VVN-Tagung; in: Unser Appell - Halbmonatsschrift der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, Nr. 1/1948, 1. Januar 1948, S. 10.

[363] Tagung des Rates der VVN - Eigenbericht des "Appell"; in: Unser Appell, Nr. 4/1948, 20. Februar 1948, S. 7.

[364] Zur Aufarbeitung und öffentlichen Darstellung des Widerstandskampfes als Aufgabe der VVN vgl. die Referate von Hans Mayer, in: Erste Interzonale Länderkonferenz ..., S. 2 ff., Eugen Kogon, in: ebd., S. 4 f., Ottomar Geschke, in: ebd., S. 7 ff., und Karl Raddatz, in: ebd., S. 19 ff.

[365] Zum schlechten Ansehen der Verfolgten in der deutschen Bevölkerung vgl. die Referate von Hans Mayer, in: Erste Interzonale Länderkonferenz ..., S. 2 ff., und Curt Epstein, in: Ebd., S. 16 f.

[366] Hans Schwarz war Generalsekretär der VVN in der britischen Besatzungszone

[367] Franz Heitgres war VVN-Vorsitzender in der britischen Besatzungszone, Mitglied der KPD-Führung in Hamburg und bis November 1946 Senator für Wiedergutmachung und Flüchtlingswesen in Hamburg; Informationen zum Lebensweg von Heitgres finden sich bei: Giordano, Ralph: Die Partei hat immer recht - Ein Erlebnisbericht über den Stalinismus auf deutschem Boden, Neuauflage der Erstausgabe von 1961, Freiburg 1990, S. 91 ff.

[368] Erste Interzonale Länderkonferenz ..., S. 24.

[369] Zum Restitutions- bzw. Rückerstattungsgesetz siehe Anmerkung 68.

[370] Erste Interzonale Länderkonferenz ..., S. 11.

[371] Ebd., S. 11 f.

[372] Ebd., S. 14.

[373] Ebd., S. 15.

[374] Philipp Auerbach meinte mit dem "Gesetz zur vorläufigen Hilfeleistung" sicherlich das in Bayern gültige "Gesetz Nr. 35 über die Bildung eines Sonderfonds zum Zwecke der Wiedergutmachung vom 1. August 1946", durch das Pauschalgelder für die NS-Verfolgten zur Verfügung standen, ehe die Entschädigung umfassend geregelt war; vgl. dazu: Féaux de la Croix, Ernst; Rumpf, Helmut: Der Werdegang des Entschädigungsrechts unter national- und völkerrechtlichem und politologischem Aspekt; in der Reihe: Die Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts ..., Bd. 3, München 1985, S. 19 f.; Kreikamp, Hans-Dieter: Zur Entstehung des Entschädigungsgesetzes ..., S. 61 f.

[375] Erste Interzonale Länderkonferenz ..., S. 14.

[376] Ebd., S. 8 f.

[377] Vgl. ebd., S. 6, S. 17, S. 21.

[378] Zur Entstehung der ersten westeuropäischen Gemeinschaftsinstitutionen und zu den ersten informellen Bestrebungen für eine europäische Integration vgl. Loth, Wilfried: Die Teilung der Welt - Geschichte des Kalten Krieges 1941-1955, 8. Auflage, München 1990, S. 201 ff., S. 249 ff.; Lipgens, Walter: Die Anfänge der europäischen Einigungspolitik 1945-1950, Teil I: 1945-1947, Stuttgart 1977.

[379] Erste Interzonale Länderkonferenz ..., S. 3.

[380] Ebd., S. 23.

[381] Ebd., S. 23.

[382] Ebd., S. 23.

[383] Ebd., S. 23.

[384] Ebd., S. 21 f.

[385] Zur Darstellung der Moskauer Außenministerratstagung 1947 vgl. aus traditionalistischer bzw. posttraditionalistischer Sicht: Feis, Herbert: From Trust to Terror - The Onset of the Cold War 1945-1950, New York 1970, S. 208 ff.; Meissner, Boris: Rußland, die Westmächte und Deutschland, 2. Auflage, Hamburg 1954, S. 105 ff.; aus postrevisionistischer Sicht: Loth, Wilfried: Stalins ungeliebtes Kind - Warum Moskau die DDR nicht wollte, Berlin 1994, S. 83 ff.; Yergin, Daniel: Der zerbrochene Frieden - Die Ursprünge des Kalten Krieges und die Teilung Europas, dt. Ausgabe, Frankfurt a.M. 1979, S. 286 ff.

[386] Zur Einschätzung der Kontroverse über die Reparationen in Moskau 1947 vgl. aus posttradionalistischer Sicht: Hillgruber, Andreas: Europa in der Weltpolitik der Nachkriegszeit, Oldenbourg-Grundriß der Geschichte, Bd. 18, 3. Auflage, München 1987, S. 45; aus postrevisionistischer Sicht: Loth, Wilfried: Die Teilung ... , S. 162; Yergin, Daniel: Der zerbrochene Frieden ..., S. 286 ff.

Ende der Leseprobe aus 222 Seiten

Details

Titel
Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) in der Sowjetischen Besatzungszone und in Berlin 1945 bis 1948
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Friedrich-Meinecke-Institut)
Note
1,0
Autor
Jahr
1994
Seiten
222
Katalognummer
V5932
ISBN (eBook)
9783638136471
ISBN (Buch)
9783638716963
Dateigröße
1365 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit behandelt die Frühgeschichte der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) in der SBZ und in Berlin. Gesamtdeutsche Bezüge der VVN werden berücksichtigt. Zentrale Punkte sind die Auseinandersetzung mit dem NS-Regime in der Nachkriegszeit, der Kampf um Entschädigung für Verfolgte, die Darstellung des antifaschistischen Widerstands und die Rolle der VVN im Kalten Krieg. Die übergeordnete Fragestellung lautet, inwieweit war die VVN ein Instrument der KPD bzw. der SED und mithin eine kommunistische Propagandaorganisation und war sie eine Interessenvertretung der NS-Verfolgten.
Arbeit zitieren
Sven Wierskalla (Autor), 1994, Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) in der Sowjetischen Besatzungszone und in Berlin 1945 bis 1948, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5932

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