Information und Beratung


Einsendeaufgabe, 2017

25 Seiten


Leseprobe

Einsendeaufgabe 1

Die institutionelle und finanzielle Absicherung der Weiterbildungsberatung ist nicht immer gewährleistet und der Bestand an Bildungsberatungsstellen und Weiterbildungsberatungsdiensten für Erwachsene nach wie vor gering. In dieser Aufgabe soll Stellung dazu genommen werden, warum Weiterbildungsberatung heute unter den Prozessen der Individualisierung und Pluralisierung in unserer Gesellschaft immer bedeutsamer wird.

Lösung

Die institutionelle und finanzielle Absicherung der Weiterbildungsberatung war früher und ist heute immer noch schwierig. Gründe hierfür gibt es einige. Beispielsweise kann angeführt werden, dass die starke Heterogenität und die Pluralität der Weiterbildungsanbieter verhindern, dass in vielen Regionen eine trägerübergreifende Beratung und eine entsprechende Institutionalisierung greifen. Auch konnte die Weiterbildungsberatung nur selten als kommunale Pflichtaufgabe durchgesetzt werden. Zudem müssen in der Beratung Tätige ihre Qualifikationen meist auf individuellem Wege erwerben, da eine systematische Aus- und Weiterbildung auf diesem Gebiet fehlt.1 Da die Weiterbildungsberatung aber eine Gelenkfunktion zwischen der Nachfrage nach Weiterbildung und den entsprechenden Anbietern darstellt, ist ihre Aufgabe, dieses Zusammentreffen zu analysieren und sowohl den Anbietern als auch den nachfragenden Individuen gerecht zu werden.2 Daraus abgeleitet hat der Deutsche Bildungsrat im Jahr 1970 gefordert, dass die Differenzierung im Bildungswesen es notwendig mache, „dem Lernenden durch sachkundige Beratung zu helfen, damit er die Bildungsangebote und Lernmöglichkeiten wählen kann, die die Entfaltung seiner Persönlichkeit fördern und ihm gleichzeitig berufliche und gesellschaftliche Chancen bieten. Auch die Berufswelt [sei, M.L.] für den einzelnen so unübersichtlich, daß die Wahl seines Bildungsweges zu einer schwierigen Entscheidung geworden ist.“3

Es etablierte sich in den Folgejahren der Konsens über die Gründe und die Notwendigkeit der Weiterbildungsberatung. Sie war in dem Zusammenhang immer adressaten- und zielgruppenorientiert, wobei sie sich in die Tradition einer aufklärerisch ambitionierten Demokratisierung der Gesellschaft einordnete und einen Beitrag zur Reduzierung von Ungleichheit leisten wollte. „Im Zuge des aktuellen gesellschaftlichen Wandels wird Beratung zunehmend als Handlungsform im Kontext von Weiterbildung diskutiert. Dabei setzt Beratung bei biografischen Bildungsentscheidungen von Individuen ebenso wie bei deren Lernprozessen selbst an, welche durch Beratung ausgelöst, ermöglicht oder unterstützt werden können.“4 „In dem Maße, in dem aber im Zuge der Individualisierung von Lebensverläufen und der Pluralisierung von Lebenslagen die Zuordnung von Gruppen zu sozialen Strukturbedingungen schwieriger geworden ist, wird auch die eindeutige Definition von Zielgruppen komplizierter.“5 Seit den 1990er Jahren scheint hier der Milieuansatz differenziertere, an modernen Gegebenheiten angelehnte Anhaltspunkte zu liefern. Ein soziales Milieu ergibt sich dabei aus der Kombination von Lebenslagen (Wohn-, Arbeits-, Freizeitbedingungen, finanzielle Ressourcen, Bildungsressourcen, Prestige etc.) und Lebensstilen (mehr oder minder frei gewählte, gesellschaftlich typische Muster des Alltagsverhaltens).

„Eine Orientierung der Erwachsenenbildung sowie der Weiterbildungsberatung an der Pluralität der Lebenslagen der Bevölkerung ist [in der heutigen Zeit, mehr noch als früher, M.L.] unabdingbar. Aufgrund der regionalen, sozialen und kulturellen Ausdifferenzierung der Gesellschaften ist eine einheitliche Beschreibung der Lebensverhältnisse nicht mehr möglich. Weiterbildungsberatung kann sich daher nicht auf wenige Großgruppen der Bevölkerung (z.B. Berufsgruppen, Altersgruppen, Frauen, Männer) konzentrieren, und sie ist […] mit der sozialen Pluralisierung und Polarisierung in modernen Gesellschaften konfrontiert.“6 Die Individualisierung der Lebensverläufe und die Pluralisierung der Lebenslagen nehmen hierbei eine besonders gewichtige Position ein und machen die Weiterbildungsberatung in diesem Kontext besonders bedeutsam. Um aber zielgruppenspezifisch und adäquat beraten zu können, ist die Kenntnis über Lebenswelten und Lebensumstände zum einen sowie der jeweils milieuspezifischen Interessen, Barrieren und Ansprüche zum anderen für die Beratung unbedingt erforderlich. Die Weiterbildungsberatung ist also direkt vom gesellschaftlichen Wandel, sprich der Individualisierung und der Pluralisierung der Lebensläufe betroffen.

Früher wie heute suchen sich Erwachsene individuell aus Bildungsangeboten das für sie passende Angebot aus, das zu ihrer Lebenssituation und zu ihrer Biografie passt. Das Schwierige in der heutigen Zeit ist aber, dass sie sich aus traditionellen sozialen Zugehörigkeiten und Bindungen lösen (Klassen, Schichten, Familien etc.) und dies im Besonderen zur weiteren Individualisierung beiträgt. Es ist also komplizierter geworden, Individuen in einem bestimmten gesellschaftlichen Kollektiv zu verorten. Die sich daraus ergebende Fülle an unterschiedlichen Lebenssituationen, Lebensstilen und Lebensführungsmustern erschwert die individuell angepasste Weiterbildungsberatung zunehmend. Auf der anderen Seite stärkt diese Entwicklung aber auch ihre Bedeutung, denn eine solche Aufgabe kann nach Meinung des Autors nur die Weiterbildungsberatung leisten. Gab die frühere gesellschaftliche Situation den Menschen Sicherheit und entlastete sie von Entscheidungszwängen, weil die damalige Identifikation zu sozialen Bezugsgruppen einen Orientierungsrahmen für die Lebensgestaltung vorgab, schwächt sich dieses Orientierungssystem in modernen Gesellschaften zunehmend ab. Diese Entwicklung lässt für jeden Einzelnen zwar Handlungsmöglichkeiten und Freiräume entstehen, die ihn selbst aber vor große Herausforderungen stellen. Ist er diesen Herausforderungen nicht gewachsen und in einer sozialen Krise nicht in der Lage, diese mit vorhandenen Handlungsmustern zu lösen, sucht er (nach Meinung des Autors) meist Hilfe bei der Weiterbildungsberatung. Dies stellt sie zwar vor neue anspruchsvolle Aufgaben, unterstreicht aber gleichzeitig die gestiegene Bedeutung in diesem Kontext. In der Vergangenheit vermittelten Kontrolle, Vorschriften und Bindungen der Gesellschaft und dem Einzelnen einen gewissen Halt, Schutz und Sicherheit. Der Wegfall bzw. die Entwertung dieser Aspekte bei gleichzeitiger Vergrößerung von Mobilität, Flexibilität und Variabilität hat nicht nur eine Befreiung von einengenden Strukturen zur Folge, sondern auch einen Verlust der Gemeinschaft, gleichzeitig verbunden mit hohem Risiko und einer Bedrohung für den eigenen Lebenslauf. Diese Entwicklung kann nicht nur Aufstieg, sondern auch einen Abstieg verschiedener sozialer Gruppen bedeuten. Den damit zusammenhängenden Stabilitätsverlust und auch den Verlust der Werte kann die Weiterbildungsberatung aufgreifen, in den Beratungsprozess einfließen lassen und den Ratsuchenden damit eine existentiell bedeutende Orientierung anbieten. In dem Zusammenhang stellt die Weiterbildungsberatung für das Individuum eine Art Lebensberatung dar, in der gesellschaftliche Brüche, die sich auf die individuelle Biografie niedergeschlagen haben, im Beratungsprozess aufgegriffen und im Optimalfall positiv gelöst werden. Zu beachten ist hier allerdings, dass sie nicht die Grenzen zur Therapie überschreitet.7

Die modernen gesellschaftlichen Entwicklungen lassen weitere Bedeutungszuwächse der Weiterbildungsberatung erkennen. Diese lässt sich längst nicht mehr nur auf ganz bestimmt gesellschaftlich-soziale Gruppierungen eingrenzen. „Die Erwachsenenbildung und die Weiterbildungsberatung beanspruchen [vielmehr, M.L.] Universalität, d.h., Weiterbildungsberatung ist auf die Lernansprüche potenziell aller gesellschaftlichen Mitglieder zu beziehen. Das Rollenkonzept von Erwachsenen selbst hat sich heute verändert. Die Lernanforderungen und die Lernbereitschaft von Erwachsenen bei der Bewältigung neu auftauchender Situationen, neuer Gruppenzugehörigkeiten, neuer Berufsrollen oder Berufsaufgaben, auch bei der Übernahme neuer sozialer Rollen (Partner-, Eltern-, Altersrollen etc.), sind enorm gewachsen. Lernen, Entwicklung und persönliche Veränderung sind daher keine nur an die Jüngeren gerichteten Erwartungen, sondern allgemein anerkannte Normen in allen Alters- und Sozialgruppen.“8

Zusammenfassend lässt sich somit sagen, dass die moderne Weiterbildungsberatung aufgrund der gezeigten gesellschaftlichen Veränderungen einen enormen Bedeutungszuwachs erlangt hat, dies aber gleichzeitig zur Bewältigung der gestiegenen Anforderungen eine große Sensibilität für die heterogenen Lebenslagen, Lebensziele und Lebensstile des Einzelnen und der gesellschaftlichen Gruppen erfordert. Und letztlich geht es natürlich immer darum, Einzelpersonen und Gruppen dazu zu befähigen, Entscheidungen zu treffen, um autonom ihren Lebensweg zu steuern.

Einsendeaufgabe 2

Die Weiterbildungsberatung bietet viele mögliche Problemfelder. In dieser Aufgabe sollen zunächst zwei dieser Problemfelder ausgewählt. Anhand dieser beiden Beispiele soll dann erläutert werden, wie die jeweilige Situation durch bildungspolitische, pädagogisch-praktische oder wissenschaftliche Initiativen verbessert werden kann.

Lösung

Ein Problemfeld der Weiterbildungsberatung stellt die Beratung in Bezug auf das nicht-formale Lernen und der informell erworbenen Kompetenzen dar. Der Lernprozess des nicht-formalen Lernens ist zwar geplant, durch Lernziele und -zeiten zielgerichtet und im Normalfall auch durch eine Lehrperson unterstützt (hierzu können Alphabetisierungskurse, innerbetriebliche Weiterbildungsprogramme für Mitarbeiter oder strukturiertes Online-Learning zählen), jedoch werden bei erfolgreichem Abschluss keine Bildungszertifikate ausgestellt; zumindest keine, die unter eine staatliche Regelung fallen. Informelles Lernen findet im Vergleich dazu im alltäglichen Leben statt und der zentrale Unterschied zum nicht-formalen Lernen liegt im Besonderen darin, dass das Lernen nicht zwingend beabsichtigt und nicht strukturiert ist. Zum einen kann hierzu die Berufserfahrung zählen, zum anderen aber auch ganz allgemein die erworbene Lebenserfahrung (z.B. Sprachkenntnisse durch einen Sprachaufenthalt, Erfahrung im Umgang mit Problemkindern und -jugendlichen durch freiwillige Jugendarbeit oder die Fähigkeit, die Leitung einer Abteilung am Arbeitsplatz zu übernehmen). Auch dieses Lernen mündet üblicherweise ebenfalls nicht in ein Zertifikat. Die Frage, die sich bei beiden Lernformen aber zunehmend stellt und die Schwierigkeit, die dabei zu bewältigen ist, ist die, wie man diese Art des Lernens und den damit in Zusammenhang stehenden Kompetenzerwerb sowohl in der allgemeinen als auch in der beruflichen Bildung zertifizieren kann. „Bildungsberatung in diesem Sinne muss transparent sein und zur Initiierung der Selbstreflexion von Lernbiografien beitragen. […] Bildungsberatung hat eine große Relevanz, um durch Selbstreflexion des eignen Könnens nonformale Lernereignisse auch nach außen darstellen zu können.“9

Bildungspolitisch existieren verschiedene Initiativen, die dazu beitragen sollen, dass „in den postmodernen Patchworkbiografien die nonformalen Lernleistungen sichtbar und zertifizierbar werden.“10 Im europäischen Kontext wurden beispielsweise sogenannte APEL-Programme entwickelt, die die Anerkennung von früher erworbenen Kenntnissen insbesondere von informellem und nicht-formalem Lernen zu einem zentralen Bestandteil für das lebenslange Lernen in Europa machen. APEL bedeutet ‘Accreditation of Prior and Experiential Learning’ und steht dabei als Oberbegriff für alle Formen der Anerkennung.

Um im Sinne von APEL Bildungsberatung qualitativ hochwertig und zielgerichtet durchführen zu können, ist es notwendig, dass Bildungsinstitutionen Kriterien zum Zugang zu ihren Bildungsmaßnahmen exakt formulieren und ihre Anforderungen dazu explizit offenlegen und begründen. Nur unter dieser Voraussetzung haben Bewerber eine Chance mit Hilfe der Bildungsberatung ihre Lernprofile auf die Anforderungen der Institutionen einzustellen und in den reflexiven Prozessen der Bildungsberatung die mögliche Bedeutung von durch nonformales Lernen erworbenem Wissen zu betonen. Dies setzt Lernprozesse sowohl aufseiten der Institutionen wie aufseiten der Individuen voraus.11

Daneben gibt es (bildungspolitisch betrachtet) weitere EU-Programme und -Projekte, die das nicht-formale und informelle Lernen fördern und eine bessere Verwendung von Lernergebnissen, die in den verschiedenen Lernumgebungen erzielt wurden, ermöglichen sollen. Unter dem Begriff ERASMUS+ werden verschiedene EU-Unterprogramme zusammengefasst: COMENIUS (Schulische Bildung), ERASMUS (Hochschulbildung und akademische Ausbildung), LEONARDO DA VINCI (Berufliche Bildung) und GRUNDTVIG (Erwachsenenbildung). „Das auf sieben Jahre angelegte Programm soll Kompetenzen und Beschäftigungsfähigkeit verbessern und u.a. die Modernisierung der Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung voranbringen. Ein wichtiges Ziel ist die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in Europa, indem junge Menschen die Möglichkeit erhalten, ihre Kompetenzen und Fähigkeiten durch Auslandserfahrungen zu erweitern. Damit trägt das neue EU-Programm zur Erreichung von Zielen verschiedener europäischer Bildungsagenden (z.B. Europa 2020-Strategie, ET 2020) bei.“12 Und auch die Verbesserung der Transparenz und der Anerkennung von Qualifikationen und Kompetenzen, einschließlich derjenigen, die im Rahmen des nicht formalen oder informellen Lernens erworben wurden, gehört zu den operativen Zielen dieser Programme.13

Im europäischen Kontext sind in dem Zusammenhang noch EUROPASS und ECVET zu nennen. „Der EUROPASS umfasst derzeit die fünf Transparenzdokumente EUROPASS Lebenslauf, EUROPASS Sprachenpass, EUROPASS Mobilität, EUROPASS Zeugniserläuterung und EUROPASS Diploma Supplement. Mit den EUROPASS-Instrumenten können persönliche Fähigkeiten, Kompetenzen und Qualifikationen in verständlicher und nachvollziehbarer Form präsentiert werden. Damit sollen die EUROPASS-Instrumente zur Transparenz im europäischen Kontext beitragen. Elemente, die dem Sichtbarmachen auch von informell oder nicht formal erworbenen Kompetenzen dienen, sind insbesondere der EUROPASS Lebenslauf und der EUROPASS Sprachenpass.“14 Unter ähnlichen Gesichtspunkten ist das Thema ECVET zu sehen. „Die Empfehlung des Europäischen Parlaments und des Rates zur Einrichtung eines Europäischen Leistungspunktesystems für die Berufsbildung (ECVET) vom 18.06.2009 zielt darauf ab, die Anrechnung, Anerkennung und Akkumulierung von Lernergebnissen, die eine Einzelperson in formalen, nicht formalen und informellen Zusammenhängen erzielt hat, auf Gemeinschaftsebene zu fördern und zu verbessern. Den Mitgliedstaaten wird empfohlen, […] die Rahmenbedingungen für eine schrittweise Anwendung von ECVET herzustellen […] und die […] Zeit für die Erprobung und Überprüfung des ECVET Instrumentariums zu nutzen.“15

Auf nationaler (deutscher) Ebene soll der sogenannte ProfilPASS die Beratungsproblematik in Bezug auf das nicht-formale Lernen und den informell erworbenen Kompetenzen verbessern. „Im Kontext ihres Programms ‚Lebenslanges Lernen‘ startete die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung im Jahr 2002 das bundesweite Projekt ‚Weiterbildungspass mit Zertifizierung informellen Lernens‘. Der daraus entstandene ProfilPASS soll die in unterschiedlichen Zusammenhängen erworbenen Kompetenzen dokumentieren.“16 Die Arbeit mit dem ProfilPASS beruht auf zwei Säulen: dem ProfilPASS-Portfolio und der ProfilPASS-Beratung. Mit dem ProfilPASS-Portfolio wird zunächst eine strukturierte Sammlung von Materialien für die Reflexion der bisherigen persönlichen Berufs- und Lebenserfahrungen angelegt. Dabei werden beispielsweise Kompetenzen in den Bereichen Familie, Freizeit, Ehrenamt und im beruflichen Werdegang berücksichtigt. In der anschließenden ProfilPASS-Beratung (durch professionelle ProfilPASS-Berater) werden Interessen und Erfahrungen systematisch ermitteln, die persönlichen Ziele geplant, sowie Kompetenzen abgeleitet, formuliert und bewertet. So entsteht ein individuelles Kompetenzprofil.17

Ein weiteres Problemfeld der Weiterbildungsberatung ergibt sich u.a. aus der Komplexität des gesamten Weiterbildungsbereichs. Diese Komplexität entsteht zum einen aus der Pluralität der Weiterbildungsträger und zum anderen aus der Vielfalt von Weiterbildungszielen und Lernwegen. Berücksichtigt man unter Beachtung dieser Komplexität zudem, dass Weiterbildungsberater (aus den unterschiedlichsten Gründen) oft nicht ausreichend auf ihre Aufgaben vorbereitet sind, ergibt sich daraus das offenkundige Problem der unzureichenden Informationsbeschaffung. Die Qualität der Weiterbildungsberatung ist nämlich in erheblichem Maße davon abhängig, welcher Umfang und welche Qualität der Informationen für die jeweilige Beratung zur Verfügung stehen.18

„Zwar informieren die Träger mehr oder weniger kontinuierlich über ihre Angebote, aber um eine qualitative Beratungsleistung zu erbringen, müssten auch berufsfachliche und arbeitsmarktpolitische Entwicklungen zu diesen Angeboten in Beziehung gesetzt werden, und es müssten die einschlägigen gesetzlichen Regelungen für Beratungszwecke rezipiert und aufbereitet werden.“19

Um diese Situation zu verbessern, könnten beispielsweise datengestützte Informationssysteme zum Einsatz kommen (u.a. Datenbanken). Zweifelsfrei ist die Verwendung von datenbankbasierten Informationssystemen in und bei der professionellen Weiterbildungsberatung zwar sinnvoll, allerdings ist diese Art der Unterstützung noch mit unterschiedlichen (technischen und inhaltlichen) Schwierigkeiten behaftet und nicht problemfrei und uneingeschränkt einsatzbar. Im Folgenden soll auf diese Schwierigkeiten eingegangen und auf Kriterien aufmerksam gemacht werden, die beim Einsatz zu beachten und zu verbessern sind.

In räumlicher Hinsicht können regionale, überregionale, europaweite und institutionsbezogene Systeme unterschieden werden. Erfahrungsgemäß ist aus technischer Sicht eine Speicherung der Datenbestände auf überregionaler Ebene sinnvoll, wenn (aus Kundensicht) gleichzeitig sichergestellt wird, dass über spezielle regionale Angebote informiert werden kann.20 „Es ist durchaus möglich, überregionale Systeme so zu gestalten, dass die Verteilung der Informationen dezentral in einzelnen Kommunen, Bezirken oder Kreisen erfolgt. Allerdings ist eine hinreichende Abstimmung der Betreiber von Datenbanken dazu erforderlich.“21

Auch bestimmte inhaltliche Kriterien können in Weiterbildungsdatenbanken zu Problemen führen. „Unter inhaltlichen Kriterien werden allgemeine, berufliche und wissenschaftliche Weiterbildungsangebote differenziert. Die Erfahrung zeigt, dass die inhaltliche Grenzziehung häufig große Probleme bereitet, denn die Zuordnung von Weiterbildungsangeboten kann nicht trennscharf vorgenommen werden.“22 Diese Trennschärfe muss aber vorgenommen werden und gegeben sein, um solche datenbankbasierten Informationssysteme qualitativ hochwertig in der Weiterbildungsberatung einsetzen zu können.

„Die Qualität der Beratung ist auch durch die Informationsaufbereitung stark beeinflusst. Es wäre sehr sinnvoll, wenn vergleichbare Informationen, die bestimmten Mindeststandards entsprechen, beim Dateninput von Weiterbildungsdatenbanken berücksichtigt würden. Datenbanken sind derzeit nicht kompatibel und halten auch nicht gewisse Mindestinhalte fest. Die Konzertierte Aktion Weiterbildung (1990) hat einen Mindestkatalog aufzunehmender Informationen in Anlehnung an die Informationsmerkmale der Bundesanstalt für Arbeit vorgeschlagen, damit folgender Katalog eingehalten wird: Bildungsziel/Bezeichnung der Maßnahme, Land, Veranstaltungsort, Anschrift der Bildungseinrichtung, Träger der Bildungseinrichtung, Gebühren/Kosten, Förderungsmöglichkeiten, schulische Vorbildung, Art der vorausgesetzten betrieblichen oder schulischen Berufsausbildung/zugelassener Personenkreis, Art und Dauer einer geförderten Berufspraxis/Vorpraxis, Unterrichtsform, Unterrichtstage/-zeiten, Beginn/Anmelde-termin, Dauer, Bildungsschwerpunkte, Abschluss/Abschlussart, Besonderheiten, Schlagwörter.“23 Eine Übertragung dieses Mindestkatalogs auf die räumlich und inhaltlich unterschiedlichen Datenbanken und damit eine Einhaltung eines Standards der Information verschiedener Datenbanken ist dringend anzuraten. Nur so kann gewährleistet werden, dass der Einsatz dieser Systeme einen Beitrag dazu leistet, das angesprochene Problemfeld positiv zu beeinflussen und die Situation zu verbessern.

Einer Untersuchung von Weiterbildungsdatenbanken der Stiftung Warentest aus dem Jahr 2003 zufolge gab es zu dem Zeitpunkt weitere Schwachpunkte in diesen Systemen. Die Daten einiger getesteter Informationssysteme waren nicht auf der Höhe der Zeit. Das bedeutet, gefundene Einträge waren veraltet und wiesen eine mangelnde Aktualität auf. Auch die Suchfunktion diverser Datenbanken lies eine fehlertolerante Suchmöglichkeit vermissen. Schreibfehler wurden beispielsweise nicht ‚verziehen‘. Eine nicht vorhandene Einführung in die Funktionalität und fehlende Hilfefunktionen erschwerten die Anwendung der Systeme. Auch eine sogenannte Barrierefreiheit war nur bei wenigen Datenbanken integriert.24

„Trotz benennbarer Probleme ist die Hilfe von Informationssystemen bei der Informationsbeschaffung und -aufbereitung immer wichtiger, denn die Marktorientierung, Pluralität und Dezentralität der Einrichtungen und insbesondere die individuelle Selbststeuerung der Weiterbildungsteilnehmer haben in den letzten Jahren weiter zugenommen. Der Weiterbildungsbereich ist daher allgemein auf eine hohe Qualität der Beratung und im Besonderen auf eine hohe Qualität der Informationsbeschaffung und -aufbereitung angewiesen.“25 Und intelligente und gut gestaltete datengestützte Informationssysteme und Datenbanken können hierzu einen sehr wichtigen Beitrag leisten.

[...]


1 vgl. Tippelt, R. & Legni, C., „Weiterbildungsinformation und -beratung“, Seite 1.

2 vgl. ebd., Seite 2.

3 ebd., Seite 25.

4 ebd., Seite 15.

5 ebd., Seite 69.

6 ebd., Seite 85.

7 vgl. ebd., Seite 71 & 72.

8 ebd., Seite 73.

9 Tippelt, R. & Legni, C., „Weiterbildungsinformation und -beratung“, Seite 53.

10 ebd., Seite 53.

11 vgl. ebd., Seite 53.

12 Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB), „EU-Bildungsprogramme“ (2017) [online].

13 vgl. Gutschow, K. u.a., „Anerkennung von nicht formal und informell erworbenen Kompetenzen“, Seite 18 [online].

14 Gutschow, K. u.a., „Anerkennung von nicht formal und informell erworbenen Kompetenzen“, Seite 18 [online].

15 Gutschow, K. u.a., „Anerkennung von nicht formal und informell erworbenen Kompetenzen“, Seite 18 [online].

16 Tippelt, R. & Legni, C., „Weiterbildungsinformation und -beratung“, Seite 53.

17 vgl. DIE - Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen e.V., Servicestelle ProfilPASS [online].

18 vgl. Tippelt, R. & Legni, C., „Weiterbildungsinformation und -beratung“, Seite 60.

19 Tippelt, R. & Legni, C., „Weiterbildungsinformation und -beratung“, Seite 60.

20 vgl. ebd., Seite 61.

21 ebd., Seite 61.

22 ebd., Seite 61.

23 Tippelt, R. & Legni, C., „Weiterbildungsinformation und -beratung“, Seite 61.

24 vgl. Stiftung Warentest, Weiterbildungs-Datenbanken [online].

25 Tippelt, R. & Legni, C., „Weiterbildungsinformation und -beratung“, Seite 61 & 62.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Information und Beratung
Hochschule
Technische Universität Kaiserslautern
Autor
Jahr
2017
Seiten
25
Katalognummer
V593490
ISBN (eBook)
9783346181077
ISBN (Buch)
9783346181084
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Weiterbildungsinformation, Weiterbildungsberatung, Beratung, Bildungsberatung, Finanzierung, Felder, Modelle
Arbeit zitieren
Michael Lindner (Autor), 2017, Information und Beratung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/593490

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