Universität Tübingen, Neuphilologische Fakultät, Seminar für Allgemeine Rhetorik
HS: Rhetorische Sprachkritik, Sommersemester 1995
Der Allgemeine Deutsche Sprachverein und seine Wirkung auf die Deutsche Sprache
von: Sebastian Hoos
Abstract
Die Forderungen nach Sprachreinheit sind alt und die Versuche, „Abhilfe zu schaffen“ vielfältig. Der in dieser Arbeit zur Disposition stehende Versuch des 1885 gegründeten Allgemeinen Deutschen Sprachvereins (im folgenden kurz ADSV), die deutsche Sprache „rein“ zu halten, steht in einer historischen Entwicklung, die im Folgenden kurz skizziert werden soll. Den jeweiligen Kräften im Dienste des Sprachpurismus war ein sehr unterschiedlicher Erfolg beschieden. Grundsätzlich ist weiterhin zu klären, worin sich Sprachpurismus manifestiert und welche gesellschaftlichen und politischen Konsequenzen damit verbunden sind.
Konkret geht diese Arbeit der Frage nach, welchen Einfluß und bleibende Auswirkung der ADSV auf die deutsche Sprache und deren Gebrauch hatte. Hierzu sollen die Bedingungen für seine Entstehung und die Ursachen für sein Zugrundegehen untersucht werden. Ziel dieser Arbeit ist es, unter Berücksichtigung rhetorischer Ideale und Kriterien das Phänomen ADSV sprachkritisch zu beurteilen und innerhalb der geschichtliche Entwicklung zu deuten.
Inhalt
I. Einleitung
1. Thematik und Ziel der Arbeit
2. Literatur und Forschungsstand
II. Hauptteil
3. Der Puritasbegriff
4. Geschichte des Sprachpurismus, Fremdwortfrage vor Herrmann Riegel
5. Der ADSV, Ziele, Absicht, Entwicklung und Vorgehensweise
6. Vergleich des Gründungsmanifests des ADSV mit dem von J. H. Campe
III. Schluß
7. Beurteilung vor rhetorikspezifischem Hintergrund
8. Zusammenfassung und Schlußfolgerung
IV. Literaturverzeichnis
V. Anhang
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
1. Thematik und Ziel der Arbeit
2. Literatur und Forschungsstand
II. Hauptteil
3. Der Puritasbegriff
4. Geschichte des Sprachpurismus, Fremdwortfrage vor Herrmann Riegel
5. Der ADSV, Ziele, Absicht, Entwicklung und Vorgehensweise
6. Vergleich des Gründungsmanifests des ADSV mit dem von J. H. Campe
III. Schluß
7. Beurteilung vor rhetorikspezifischem Hintergrund
8. Zusammenfassung und Schlußfolgerung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht den 1885 gegründeten Allgemeinen Deutschen Sprachverein (ADSV) und dessen Einfluss auf die deutsche Sprache unter Berücksichtigung rhetorischer Kriterien. Ziel ist es, den ADSV in seinem historischen Kontext sprachkritisch zu bewerten und die Bedingungen für seinen Erfolg sowie sein späteres Ende zu analysieren.
- Historische Entwicklung des Sprachpurismus in Deutschland.
- Analyse der Ziele und Methoden des ADSV.
- Vergleich der rhetorischen Strategien von ADSV-Gründer Hermann Riegel mit J. H. Campe.
- Rhetorische Einordnung und Wirkung der Sprachreinigung.
Auszug aus dem Buch
1. Thematik und Ziel dieser Arbeit
Die Forderungen nach Sprachreinheit sind alt und die Versuche, „Abhilfe zu schaffen“ vielfältig. Der in dieser Arbeit zur Disposition stehende Versuch des 1885 gegründeten Allgemeinen Deutschen Sprachvereins (im folgenden kurz ADSV), die deutsche Sprache „rein“ zu halten, steht in einer historischen Entwicklung, die im Folgenden kurz skizziert werden soll. Den jeweiligen Kräften im Dienste des Sprachpurismus war ein sehr unterschiedlicher Erfolg beschieden. Grundsätzlich ist weiterhin zu klären, worin sich Sprachpurismus manifestiert und welche gesellschaftlichen und politischen Konsequenzen damit verbunden sind.
„Die Verabschiedung - wieder einmal - eines Gesetzes ‘zum Gebrauch der französischen Sprache’, vulgo Sprachreinheits-, Sprachreinhaltungs-, Fremdwortgesetz, konnte uns diesseits des Rheins nicht kaltlassen. Wieder einmal wurde auch hierzulande gefordert und die Gesellschaft für deutsche Sprache aufgefordert, sich stark zu machen.“1
Es ist nicht das erste Mal, daß in Deutschland, - wie eben auch jenseits des Rheins wieder durch die einflußreiche Académie Francaise - der Ruf nach Maßnahmen zur Sprachbeeinflussung laut geworden ist. In Frankreich hat Sprachpolitik eine lange Tradition (Gründungsdatum 1635), bis heute wird aktiv versucht, von staatlicher Seite unterstützt und gesetzgeberisch sanktioniert, das Sprachverhalten der Franzosen zu einer ‘Reinhaltung’ der Nationalsprache hin zu beeinflussen. Diese Einflußnahme auf Sprache, also auf Verständigungsschemata und Vokabular von Bürgern, ist aktive Sprachkritik, deren Forderungen, wie im Falle des ADSV auch, von höchster Stelle stattgegeben wurde.
Konkret geht diese Arbeit der Frage nach, welchen Einfluß und bleibende Auswirkung der ADSV auf die deutsche Sprache und deren Gebrauch hatte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Thematik und Ziel der Arbeit: Einführung in das Thema Sprachreinheit und Darstellung der Forschungsfrage bezüglich des Einflusses des ADSV.
2. Literatur und Forschungsstand: Überblick über vorhandene Schriftzeugnisse des ADSV und kritische Betrachtung der bisherigen spärlichen wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Thema.
3. Der Puritasbegriff: Erörterung der rhetorischen Tradition des Begriffs „puritas“ und dessen Rezeption durch die Sprachpuristen.
4. Geschichte des Sprachpurismus, Fremdwortfrage vor Herrmann Riegel: Historischer Abriss über den Umgang mit Fremdwörtern von der Reformation bis zur Gründung des ADSV.
5. Der ADSV, Ziele, Absicht, Entwicklung und Vorgehensweise: Untersuchung der Aktivitäten des ADSV, seiner Mitgliederentwicklung und seiner Rolle in der Öffentlichkeit.
6. Vergleich des Gründungsmanifests des ADSV mit dem von J. H. Campe: Gegenüberstellung der Argumentationsmuster von Riegel und Campe zur Verdeutlichung politischer Kontinuitäten.
7. Beurteilung vor rhetorikspezifischem Hintergrund: Rhetorische Analyse des ADSV als ideologisch-politisch motivierte Sprachkritik.
8. Zusammenfassung und Schlußfolgerung: Bilanzierung der Erfolge und des historischen Scheiterns des ADSV sowie Ausblick auf weiterführende Forschung.
Schlüsselwörter
Allgemeiner Deutscher Sprachverein, ADSV, Sprachpurismus, Sprachreinheit, Sprachkritik, Fremdwort, Rhetorik, Puritas, Hermann Riegel, Muttersprache, Sprachgeschichte, Nationalismus, Sprachpolitik, Verdeutschung, Sprachgesellschaften.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Geschichte und die rhetorischen Strategien des 1885 gegründeten Allgemeinen Deutschen Sprachvereins (ADSV) und dessen Wirken auf die deutsche Sprache.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den Schwerpunkten zählen die historische Entwicklung des Sprachpurismus, die Rolle des ADSV als Sprachinstanz und die rhetorische Untersuchung der Ideologie hinter der Sprachreinigung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Es soll konkret geklärt werden, welchen Einfluss der ADSV tatsächlich auf die deutsche Sprache hatte und wie seine Aktivitäten aus rhetorischer Perspektive zu beurteilen sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?
Die Autorin/der Autor nutzt eine vergleichende Analyse von Gründungsmanifesten sowie die Auswertung zeitgenössischer Quellen und Fachliteratur unter rhetorikspezifischen Gesichtspunkten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden der Begriff der "Puritas", die Geschichte des Sprachpurismus vor Riegel, die Entwicklung des ADSV sowie ein Vergleich mit J. H. Campe detailliert dargestellt.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist geprägt durch die Begriffe Sprachpurismus, Rhetorik, nationale Identität und Sprachkritik.
Wie unterscheidet sich Riegels Ansatz von dem Campes?
Der Vergleich zeigt, dass Riegel keine neuen Ideen entwickelte, sondern bestehende Konzepte Campes übernahm, diese jedoch stärker politisierte und in den Kontext des bestehenden Kaiserreichs einbettete.
Wie bewertet die Arbeit den Erfolg des ADSV?
Der Erfolg wird als nur bedingt eingestuft; besonders dort, wo der Staat die Änderungen im Rechts-, Post- und Bankwesen mittrug, waren die Auswirkungen von Bestand, während breitere gesellschaftliche Sprachänderungen nur temporär waren.
- Arbeit zitieren
- MA Sebastian Hoos (Autor:in), 1995, Der Allgemeine Deutsche Sprachverein und seine Wirkung auf die Deutsche Sprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59377