Johann Wolfgang von Goethes Erlkönig. Verschiedene Unterrichtsmethoden in der Gymnasialen Unterstufe

Ein Überblick


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004
29 Seiten, Note: 2,8

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Didaktiktheoretische Vorklärungen
2.1 Offener Unterricht“ – Ein kurzer Überblick?
2.2 Vorbereitung

3. Der Primärtext
3.1 Johann Wolfgang von Goethes „Erlkönig“
3.2 Äußerer und innerer Aufbau
3.3. Analyse

4. Umsetzung der didaktischen Möglichkeiten
4.1 Methoden des offenen Unterrichts
4.2 Musik
4.2.1 Der Erlkönig in Liedform
4.2.2 Hintergrundmusik
4.3 Aus der Kunst
4.3.1 Kunst und Stimmung
4.3.2 Szenenbilder
4.4 Dialog / Rollenspiel
4.5 Schüler dichten selbst
4.6 Zeilenkombination
4.7 Standbild
4.8 Frage-Antwort-Prinzip

5. Beispiel für eine Unterrichtseinheit

6. Ergebnis

Anhang:

Literaturverzeichnis

Versicherung

1. Einleitung

Deutschland sucht nach Gedichten nicht viel ihr kleinen Gesellen, lärmt bis jeglicher sich wundernd ans Fenster begibt.[1]

Johann Wolfgang von Goethe

Leider sind Schüler heute nicht mehr so begeistert, wenn es um Gedichte und Lyrik geht, wie einst Johann Wolfgang von Goethe. Das ist aber leider auch verständlich, bedenkt man, dass in manchem Unterricht die Auseinandersetzung mit einem Gedicht darin besteht, dass die Schüler den Auftrag bekommen, den Text zu lesen und zu analysieren. Dann werden bestimmte Textstellen markiert, besprochen und dann das Werk gedeutet.

Bei diesem „herkömmlichen“ Vorgehen ist es unweigerlich vorgegeben, dass den meisten Schülern bald die Lust vergeht. Denn nicht allen liegt diese Form des Umgangs mit Gedichten, da hier die eigene Kreativität und Vorgehensweise meist zu kurz kommt.

Dagegen verspricht der sogenannte „Offene Unterricht“ eine Vielzahl an Möglichkeiten an ein Gedicht heranzutreten. Die Methoden dieses Unterrichts, der im Gegensatz zum geschlossenen Frage-Antwort-Prinzip vielerlei Formen und Methoden bietet Schüler zu fordern und anzuregen, selbst kreativ zu werden und ihre eigenen Ideen zu dem Gedicht vorzubringen, werden hier in einer kleinen Auswahl geschildert.[2] Dabei behandelt diese Arbeit aber nicht den „offenen Unterricht“ als solches, sonder orientiert sich nur an dieser Form der Unterrichtsgestaltung.

Wenn Schüler durch eigene Arbeit und Vorgehensweise auf eine Deutung kommen, so ist das Ziel ebenfalls erreicht, nur mit der Ausnahme, dass man mehr Schüler für Lyrik und Gedichte begeistern kann, da sie ihre eigenen Meinungen und Ideen verwirklichen.

Diese Arbeit stellt verschiedene solcher Methoden für Goethes „Erlkönig“ in der gymnasialen Unterstufe vor. Beschrieben werden diese aus verschiedenen Richtungen ihre Vorbereitung, Dauer, Vor- und Nachteile sowie natürlich Sinn und erreichbare Ziele. Als Endpunkt der Behandlung des Gedichtes im Unterricht steht natürlich dessen Interpretation und Verständnis durch die Schüler. Daher müssen und können gar nicht alle hier beschriebenen Methoden

des offenen Unterrichts, in der Schule genutzt werden. Hier soll vielmehr eine Auswahl vorgestellt werden, aus der, passend zum jeweiligen Zeitplan, eine Sammlung entstehen kann.

2. Didaktiktheoretische Vorklärungen

2.2 „Offener Unterricht“ – Ein kurzer Überblick

Der „Offene Unterricht“[3] als Alternative zur bisherigen Frage-Antwort-Form des Frontalunterrichts hat ein breites Spektrum an Merkmalen, Möglichkeiten und Zielen.

So bietet er durch freie Texte und freieren Umgang damit, aber auch durch die Miteinbeziehung von Ideen, Wünschen, Gefühlen und Träumen der Schüler eine große Vielfalt. Die in dieser Arbeit dargestellten Methoden entsprechen diesem Umgang und den Zielen dieser Unterrichtsform. Diese sind zum Einen der Erwerb von Wissen und Kompetenz , aber auch die Aktivierung des eigenständigen Arbeitens und Lernens bei Schülern durch verschiedene Methoden und Techniken und zum Anderen die Aufforderung zur Mitarbeit an die Klasse, um so nicht nur „den Unterricht des Lehrers“ sondern auch den eigenen, selbst mitgestalteten Unterricht durchzuführen. Dabei können die Methoden ganz individuell an die Schüler und deren Lernstandard angepasst werden.

Als Merkmale des OU gelten vor allem die unterschiedlichen Lernwege, die immer wieder, zum derzeitigen Thema passend, umgebaut werden können und die verschiedenen Methoden. Wichtiger als dies ist jedoch die Tatsache, dass die Ergebnisse gleichzeitig die selbst persönlichen Ideen und geplanten Ziele der Schüler und damit sehr offen sind. Diese muss der Lehrer als solche anerkennen, wodurch er dann aber das Interesse und den Willen zur Fortsetzung des Schülers stärkt. Diese lernen so bewusster und angeregter und arrangieren sich mit ihren Fähigkeiten und ihrer Umgebung. Der OU hat viele Formen der Durchführung, von Projektarbeit bis hin zur Gruppenarbeit ist vieles möglich.[4] Die hier dargestellten Methoden stammen aus solche Formen, jedoch sind diese Formen in dieser Arbeit nicht Thema und werden daher auch nicht nähererwähnt.[5] Gesagt werden soll hier nur noch, dass die folgenden Methoden, in ihrer Form Teil des OU sind und wie dieser selbst auch das Ziel haben, die Freude der Schüler am Unterricht zu verbessern und sie ganz individuell zu fördern um so die Basis für die Fähigkeit der Kompetenz, des Wissenserwerbs, der Selbständigkeit und der Sozialfähigkeit zu schaffen und zu verstärken.[6]

2.2 Vorbereitung

Die Vorbereitung jeder Unterrichtseinheit beginnt natürlich mit der Auswahl des Gedichtes. In dieser Arbeit geschieht dies am Beispiel von thes „Erlkönig“. Bei einer solchen Auswahl sind zuallererst folgende Dinge von entscheidender Bedeutung: Klassenstufe, Durchschnittsalter der Schüler, soziales Umfeld, Geschlechterverteilung, Ort der Schule und bekannte Probleme einzelner Schüler.

Das Alter ist in sofern von Bedeutung, als dass die Schüler eine zum Gedicht passende, gewisse geistige Reife besitzen müssen. Für dieses Gedicht eignet sich die Klassenstufe 6, Durchschnittsalter elf bis zwölf Jahre, sehr gut. Allerdings ist es wichtig sich bei der Auswahl eines Gedichtes auch nach der Geschlechterverteilung der Klasse zu orientieren. Es kann nicht sinnvoll sein in einer Klasse mit überwiegendem Jungenanteil ein Gedicht über Pferde zu bearbeiten. Hier bietet sich der „Mittelweg“ als gute Alternative an, nämlich ein Gedicht zu wählen, aus dem keine sofortige und eindeutige Richtung erkennbar ist. Ebenfalls sehr wichtig bei der Auswahl jeglicher Literatur; dies betrifft nicht nur Gedichte, ist das regionale Umfeld, also der Ort der Schule. Hier kann es ganz unbewusst zu schweren Reaktionen, auch der Eltern, hinsichtlich des gewählten Stoffes kommen.

Dazu ein Beispiel:

„Karabat“ von Otfried Preußler ist vom Inhalt her ein Werk, das in Gegenden mit strengeren religiösen Überzeugungen sehr schnell auf Ablehnung stoßen kann.

Solche Kleinigkeiten entgehen dem Lehrer mitunter recht leicht, da sie einfach als unproblematisch betrachtet werden. Zuletzt sollte man darauf achten, dass mögliche, in der Klasse vorkommende, Probleme sozialer Art durch das behandelte Werk nicht zur Sprache kommen.

Schon gar nicht dann, wenn diese Probleme in der Klasse allgemein bekannt sind und nur eine Minderheit betreffen. Diese fühlt sich dann sehr schnell ausgegrenzt und verletzt. Auch sollte man als Lehrer darauf achten bekannte Probleme einzelner Schüler durch die Unterrichtsmethode nicht anzusprechen, beziehungsweise bei einer Methode des OU die Privatsphäre der einzelnen Schüler zu wahren.

Damit habe ich einen weiteren wichtigen Punkt angesprochen. Der offene Unterricht basiert bei allen Methoden auf der aktiven Mitarbeit der Schüler. Dies kann in Eigenarbeit geschehen, aber auch paarweise oder in Gruppen. Es ist unumgänglich, dass manche Schüler aus verschiedenen Gründen die Mitarbeit an einer Methode ablehnen. Dies kann aus persönlichen Gründen, aber auch wegen dem Entwicklungsstand der einzelnen Schüler geschehen. So ist es nicht sinnvoll, in einer Klasse, deren Schüler sich überwiegend in der Pubertät befinden, eine Methode durchzuführen, die auf Körperkontakt oder Ähnlichem beruht. Auf alle Fälle sollte die Ablehnung der Teilnahme durch einen Schüler oder einen Schülerin durch den Lehrkörper respektiert und auch toleriert werden. Der betreffende Schüler kann dann auf andere Weise in die Methode eingebunden werden.[7] Auf dieser Freiwilligkeit basieren alle hier später folgenden, Methoden, und nur durch sie wird eine Erfolg derselben auch möglich.

Aus dem vorherigen Absatz wird leicht ersichtlich, dass es für die Vorbereitung einer Unterrichtseinheit nach den Methoden des OU sehr viel Zeit bedarf. Wichtig ist auch immer, sich Ersatzmöglichkeiten bereit zuhalten, falls die eine oder andere Methode nicht zum gewünschten Erfolg führt oder gar von den Schülern abgelehnt wird.

3.Der Primärtext

3.3 Johann Wolfgang von Goethes „Erlkönig

Der Erlkönig[8]

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind;
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er faßt ihn sicher, er hält ihn warm.

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? -
Siehst Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron und Schweif? -
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. -

»Du liebes Kind, komm, geh mit mir!
Gar schöne Spiele spiel ich mit dir;
Manch bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand.«

Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht? -
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind;
In dürren Blättern säuselt der Wind. -

»Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?
Meine Töchter sollen dich warten schön;
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein.«

Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düstern Ort? -
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau. -

»Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt.«
Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an!
Erlkönig hat mir ein Leids getan! -

Dem Vater grauset's, er reitet geschwind,
Er hält in den Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not;
In seinen Armen das Kind war tot.

3.2. Äußerer und innerer Aufbau

Dieser Punkt der Arbeit befasst sich mit dem Primärtext[9] und dem, was den Schülern vorgegeben werden muss, was sie erkennen sollen und in welche Richtungen eine Deutung gehen kann. Zu beachten ist hierbei, dass es sich nicht um eine komplette und tiefgehende Analyse des Gedichtes handelt. Es sollen nur die Hauptpunkte genannt und dargestellt werden um diese später bei der Vorstellung der Unterrichtsmethoden verwenden zu können.

Als Text sollte den Schüler die allgemein übliche Form gegeben werden, das heißt, kein durchgehender Text sondern die Strophenform von 1782.[10]

[...]


[1] Vgl.: Lexikon der Goethe Zitate. Hrsg. von Richard Dobel. Zürich und Stuttgart: Artemis, 1968. S. 241.

[2] Vgl. hierzu Punkt 1.

[3] Im weiteren Verlauf wird „offener Unterricht“ auch als OU abgekürzt.

[4] Vgl.: Gruppenpuzzle Online. Erfahrungen mit einer kooperativen Lernmethode im Netz . K. Bett, und andere. Online Pädagogik Band 2. Baltmannsweiler: Schneider,2002. Einführung.

[5] Vgl.: Edel, N.: Offener Unterricht. In: Bovet, G./ Huwendiek, V. (Hrsg.): Leitfaden Schulpraxis. Pädagogik und Psychologie für den Lehrerberuf. Berlin: Cornelsen, 2000 S. 1-18.

[6] Vgl.: Ramseger, Jörg: Offener Unterricht in der Erprobung. 3. Aufl. Weinheim und München: Juventa, 1992.

[7] Vgl. hierzu: Individuelle Anpassung an die Schüler in Punkt 1

[8] Vgl.: Johann Wolfgang von Goethe: Erlkönig. aus Karl Otto Conrady: Der neue Conrady. Gedichtbuch. Düsseldorf und Zürich: Artemis & Winkler. 2. Aufl. 2000. S. 281.

[9] Vgl.: Punkt 3.1.

[10] Vgl.: Ebd. S. 281-282.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Johann Wolfgang von Goethes Erlkönig. Verschiedene Unterrichtsmethoden in der Gymnasialen Unterstufe
Untertitel
Ein Überblick
Hochschule
Universität Stuttgart  (Institut für Literaturwissenschaften)
Veranstaltung
Didaktik Seminar
Note
2,8
Autor
Jahr
2004
Seiten
29
Katalognummer
V59382
ISBN (eBook)
9783638533409
ISBN (Buch)
9783640859863
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Fachdidaktische Arbeit für das Fach Deutsch im Rahmen der pädagigischen Studien für Studenten des Lehramts an Gymnasien
Schlagworte
Johann, Wolfgang, Goethes, Erlkönig, Verschiedene, Unterrichtsmethoden, Gymnasialen, Unterstufe, Didaktik, Seminar
Arbeit zitieren
Florian Huber (Autor), 2004, Johann Wolfgang von Goethes Erlkönig. Verschiedene Unterrichtsmethoden in der Gymnasialen Unterstufe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59382

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