Bevölkerungspolitik in China. Die Ein-Kind-Politik als Antwort auf das Bevölkerungswachstum


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005
25 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Ursachen für das Bevölkerungswachstum
1.1 Wertevorstellung
1.2 Bildungsstand der Eltern
1.3 Kinder als Altersvorsorge

2. Ein-Kind-Politik
2.1 Maßnahmen zur Durchsetzung
2.1.1 Sanktionen
2.1.2 Belohnungen
2.2 Durchsetzungsprobleme
2.3 Folgen der Ein-Kind-Politik
2.3.1 Geschlechterverhältnis
2.3.2 Überalterung
2.3.3 Ein-Kind-Politik versus Menschenrechte

3. Fazit und Ausblick

4. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Weltbevölkerung 2004

Abbildung 2: Weltbevölkerungswachstum 2003

Abbildung 3: Wachstum ethnischer Minderheiten

Abbildung 4: Fertilitätsrate1949 bis 2001

Abbildung 5: Geburten- und Sterberate 1949 bis 2003

Abbildung 6: Altersstruktur 1953 bis 2050

Abbildung 7:Bevölkerungsentwicklung 1950 bis 2050

Einleitung

Die Volksrepublik China gilt als das bevölkerungsreichste Land der Erde: mit ca. 1,3 Milliarden Menschen stellen die Chinesen 20,52 % der Weltbevölkerung dar. Das heißt, fast jeder fünfte Mensch ist ein Chinese. Diese Entwicklung ist eine Folge des starken Bevölkerungswachstums in China. (s. Abb. 1 und 2)

Während in Deutschland seit längerer Zeit der Geburtenrückgang, vor allem im Hinblick auf die Alterversorgung, kritisiert wird, führte die hohe Bevölkerungs-zahl in der VR China zu massiven Wirtschafts- und Versorgungsproblemen. Daher versuchte man die anwachsende Bevölkerungszahl durch eine gezielte Familienplanungspolitik unter Kontrolle zu bringen. Waren in den frühen 50er Jahren Abtreibungen und Verhütungsmittel verboten, weil Geburtenplanung als imperilaistisches Komplott und Mord am chinesischen Volk galt, startete 1954 langsam eine groß angelegte Kampagne zur Geburtenkontrolle. Diese wurde 1958 bereits beendet und erst nach einer großen Hungerkatastrophe begann ab 1963/64 eine zweite Geburtenplanungskampagne, in der Verhütungsmittel kostenlos abgegeben und Abtreibungen liberalisiert wurden. Ab 1971 wurde die dritte Geburtenplanungskampagne schrittweise durchgeführt und beinhaltete die Erhöhung des Heiratsalters und eine Zwei-Kind-Beschränkung sowie Plan-ziffern für den Bevölkerungszuwachs. Ethnische Minderheiten waren von diesen Vorschriften nicht betroffen.1 Mit Beginn der chinesischen Wirtschafts-reformen sahen die Chinesen die Überbevölkerung nun als Haupthindernis für die Modernisierung des Landes an und so startete anfang der 80er Jahre eine Massenkampagne, die den Übergang von der Zwei-Kind- zur Ein-Kind-Politik beinhaltete. Die 1979 vom Nationalen Volkskongreß proklamierte Ein-Kind-Familie stellt heute die wichtigste und einschneidenste Methode der chine-sischen Familienplanung dar.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob die Ein-Kind-Politik als Antwort auf das hohe Bevölkerungswachstum in China erfolgreich war. Dazu werden die Ursachen, die Durchsetzungsmethoden und -probleme sowie die Ergebnisse dieser Ein-Kin-Politik untersucht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Ursachen des Bevölkerungswachstums

Nachdem Mao Tse-tung am 1. Oktober 1949 die Volksepublik China verkün-

dete, stiegen die Geburtenraten nach einem Jahrhundert vieler Hungersnöte wieder an. Unter Maos Herrschaft war ein Bevölkerungswachstum erwünscht, da er der Ansicht war, daß eine starke Bevölkerung auch den Staat stärken würde. Der pro-natalistische Standpunkt Maos und seine Fehleinschätzung der Überbevölkerung wird in seiner folgenden Aussage aus dem Jahre 1949 deut-lich : „Wenn das chinesische Volk eine feudale Dynastie stürzte, geschah das jedesmal, weil diese feudale Dynastie das Volk unterdrückt und ausgebeutet hatte, und nicht wegen irgendeiner Überbevölkerung...Es ist eine ausgezeich-nete Sache, dass China eine große Bevölkerung hat...Revolution plus Pro-duktion können die Ernährungsprobleme lösen“1. Diese Einstellung förderte ein Bevölkerungswachstum in China.

Dies ist aber nur einer der möglichen Gründe für das Ansteigen der Bevölker-ungszahlen. Es gibt hier noch weitere Ursachen, die in Betracht kommen, wie in den folgenden Abschnitten deutlich wird.

1.1 Wertevorstellung

Eine weitere Ursache ist die traditionelle Wertevorstellung der Chinesen, die das Motto: „mehr Söhne, desto glücklicher“ verfolgt und auf der Staatsideo-logie, dem Konfuzianismus beruht. Diese Lehre geht auf den weisen Konfuzius zurück, der vor zweieinhalb Jahrtausenden Gebote für das menschliche Zu-sammenleben schuf. Seine Lebensregeln mischten sich mit buddhistischen Gedanken. Der konfuzianischen Lehre wohnt ein starker konservativer Zug inne. Gefordert wird die Erhaltung traditioneller Bindungen (Familie, Staat) und traditioneller Werte. Der Konfuzianismus gilt vor allem als frauenfeindlich, weil er die Frauen unter die sogenannten “Drei Gehorsamkeiten“ stellt: so unter-stand die Frau als Kind der väterlichen, als Ehefrau der Gattes- und als Witwe der Sohnesgewalt. Zudem verlangte die Lehre eine strikte Geschlechtertrenn-ung in fast allen Lebensbereichen2.

Kinder gelten im Konfuzianismus als “Blumen des Vaterlandes“ und als “Zukunft der Menschheit“ .Das heißt also, dass schon im Denken der Chinesen das Streben nach Kindern verankert ist.

Dennoch hat die Bevölkerung, wenn auch widerwillig, zumindest in den Städten ein Einsehen in die Notwendigkeit dieser drastischen Bevölkerungspolitik, bei der Landbevölkerung jedoch trifft diese Politik immer noch auf Unverständnis.

1.2 Bildungsstand der Eltern

Ende 2000 wurde in ganz China eine allgemeine Schulpflicht von neun Jahren eingeführt. Doch die meisten Chinesen gehen nach Abschluß der sechsjährigen Grundschule ins Arbeitsleben und verzichten auf den Besuch weiterführender Schulen. Der Bildungsstand der Eltern hat einen Einfluß auf die Anzahl ihrer Kinder und somit auf das Bevölkerungswachstum allgemein. Eltern mit einem geringen Bildungsstand sind oft arm. Um den Lebensunterhalt der Familie zu sichern, müssen die Kinder mit verdienen. So ist zu beobachten, daß die Kinderzahl dort sehr hoch ist, wo die Menschen arm sind. Man kann daher behaupten: je niedriger der Bildungsstand, desto höher ist die Kinderzahl. Aller-dings wird hier auch der Teufelskreis deutlich, in dem sich die ärmeren Familien befinden: Kinder armer Eltern müßen mitverdienen und können deshalb die Schule nicht weiter besuchen, aus diesen Kindern wiederum werden später Eltern mit einem niedrigen Bildungsstand und deren Kinder müßen dann auch wieder mitverdienen u.s.w.

1.3 Kinder als Altersvorsorge

Eine weitere wichtige Ursache ist die Form der Alterversorgung in China: es gibt kein vergleichbares Rentensystem wie in Deutschland, vor allem auf dem Land sind Söhne die Altersvorsorge. Ausreichende Rentenzahlungen sind meist nur den Stadtbewohnern vorbehalten. Aber 70% der Chine-sen wohnen auf dem Land und leben von der Landwirtschaft. Um die Familie ernähren zu können, müssen die eigenen Söhne mitarbeiten.Sie versorgen die Eltern und sind somit deren Alterssicherung. Die Mädchen dagegen gehören nach der Heirat zur Familie des Mannes.

Bis dahin werden sie vielfach als Belastung empfunden. Wertvoll werden die Frauen nur durch Geburt eines Sohnes, da nur die Söhne erben und eine ver-heiratete Tochter keinerlei Alterssicherung für die Eltern bietet. Heutzutage werden Altersheime gebaut, um die Familien daran zu hindern, viele Söhne zu zeugen und Mädchen umzubringen.

2. Die Ein-Kind-Politik

Die Ein-Kind-Kampagne durchlief im Wesentlichen Vier Phasen:

Die erste Phase von 1979 bis 1983 war geprägt durch den Übergang von der bisherigen Zwei-Kind-Politik zur Ein-Kind-Politik . Die Regierung erstellte einen Plan, um das Bevölkerungswachstum zumindest zu verlangsamen. Darin waren folgende Regelungen enthalten: (1) Für die Heirat benötigt ein paar eine Hei-ratserlaubnis. Die Frau muß außerdem einen Nachweis erbringen, daß sie mit den Maßnahmen der Empfängnisverhütung vertraut ist. (2) Das Mindest-Hei-ratsalter wurde für Frauen auf 23 Jahre, für Männer auf 25 Jahre (auf dem Land) bzw. 26 Jahre (in der Stadt) festgesetzt. So soll erreicht werden, daß erst möglichst spät die nächste Generation zur Welt kommt. (3) Es gibt ein eigenes Amt für Bevölkerungskontrolle. Wer ein Kind haben will, muß es vorher bean-tragen. Im Falle einer Schwangerschaft werden die Frauen vielfach von den Behörden zum Abbruch überredet, manchmal auch gezwungen. Sterilisier-ungen werden zumeist erst nach der Geburt eines Zweiten Kindes durchge-führt. (4) Betriebe, teilweise auch Wohngebiete, bekommen Geburtenquoten zugeteilt. Damit haftet nicht nur der Einzelne, sondern der gesamte Betrieb für deren Einhaltung. So dürfen zum Beispiel keine Prämien an die Belegschaft ausgezahlt werden, wenn die Geburtenquote nicht eingehalten wurde, was ein Ansporn für die Arbeitskollegen und –kolleginnen ist, die Einhaltung der Gebur-tenplanung bei der Kollegin zu überwachen.

In der sogenannten Liberalisierungsphase von 1984 bis 1985 kam es dann zu einer Ausweitung von Ausnahmegenehmigungen für Zweitkinder. So konnten Eltern, die in der Landwirtschaft arbeiteten und deren erstes Kind eine Tochter war, den Antrag auf ein zweites Kind stellen.

Damit sollte der auf dem Land verbreiteten Praxis, weibliche Föten abtreiben zu lassen oder Mädchen nach der Geburt zu töten, entgegengewirkt werden. Die nächste, dritte Phase von 1986 bis 1989 war geprägt durch einen innen-politischen Richtungsstreit über die Fortführung der Ein-Kind-Politik[1] und schließlich, in der vierten Phase, in den neunziger Jahren wurden die Aus-nahmeregelungen für ein zweites Kind ausgeweitet. Ein zweites Kind war er-laubt, wenn (1) ein Elternteil allein die Familienlinie seit zwei Generationen fortführte, also das einzelne Kind eines einzelnen Kindes war, (2) der Ehemann der einzige von mehreren Brüdern war, der die Fähigkeit hatte sich fortzu-pflanzen, (3) die Frau ein Einzelkind war und der Mann bei ihrer Familie wohnte, (4) beide Partner Einzelkinder waren, (5) einer der Ehepartner ein ver-letzter Veteran war, (6) die Ehefrau mit einem zurückgekehrten Auslands-chinesen verheiratet war oder (7) das Elternpaar in einem Berg- oder Fischerei-gebiet mit wirtschaftlich erschwerten Bedingungen lebte2.

[...]


1 Vgl. Scharping, 1999, S. 1

1 Zedong, Mao 1949 in: Scharping, 44/1988, S. 6

2 Vgl. Informationen zur politischen Bildung 1997, S. 40

[1] Vgl. Scharping, Thomas 1998: Bevölkerungsentwicklung und -politik, S. 362

2 Vgl. Gransow, Bettina 2000, S. 182

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Bevölkerungspolitik in China. Die Ein-Kind-Politik als Antwort auf das Bevölkerungswachstum
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Hauptseminar: Familiendemographie
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
25
Katalognummer
V59387
ISBN (eBook)
9783638533447
Dateigröße
656 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Seminararbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob die Ein-Kind-Politik als Antwort auf das hohe Bevölkerungswachstum in China erfolgreich war. Dazu werden die Ursachen, die Durchsetzungsmethoden und -probleme sowie die Ergebnisse dieser Ein-Kin-Politik untersucht.
Schlagworte
Bevölkerungspolitik, China, Ein-Kind-Politik, Antwort, Bevölkerungswachstum, Hauptseminar, Familiendemographie
Arbeit zitieren
Türkan Elmaci (Autor), 2005, Bevölkerungspolitik in China. Die Ein-Kind-Politik als Antwort auf das Bevölkerungswachstum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59387

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