Die vorliegende Arbeit ist im Rahmen einer integrierten Fachprüfung der Lernbereiche Pädagogik und Allgemeine Didaktik im Studiengang Pflegepädagogik an der Fachhochschule Münster erstellt worden. Das Ziel der Arbeit ist die Entwicklung eines didaktischen Ansatzes für den Unterricht in der beruflichen Bildung, insbesondere in der Pflegeausbildung.
Zur Konstruktion unseres Ansatzes nehmen wir eine Verschränkung der Elemente des didaktischen Prinzips des Exemplarischen Lehrens und der Methode der Fallstudiendidaktik vor. Seit der Einführung des Lernfeldkonzeptes für den Berufsbildenden Bereich wird verstärkt mit Fallbeispielen oder Fallstudien in der theoretischen Ausbildung gearbeitet. Aus unserer berufspraktischen Erfahrung als Lehrende wissen wir jedoch, dass diese Fälle in ihrem Umfang und Komplexitätsgrad eher gering sind. Sie sind vielfach fiktiv konstruiert und nicht der berufspraktischen Realität entnommen. Es fehlen zudem Ansätze oder Konzepte für die Lehrenden, wie mit komplexen Fallstudien in der Ausbildung umgegangen werden kann, um bei den Schülern einen nachhaltigen exemplarischen Lernprozess auszulösen, der einen Transfer des in der Schule Gelernten in die Berufspraxis erlaubt.
Der von uns entwickelte didaktische Ansatz soll Impulse zur Theorie-Praxis-Vernetzung geben, da sich eine nach diesem Ansatz geplante Lernsituation über beide Lernorte erstreckt. Das Ziel unseres Ansatzes ist, dass die Lernenden anhand konkreter Praxisaufträge exemplarische Fälle aus der Praxis entnehmen und in den Unterricht einbringen. Durch die weitere didaktische Aufbereitung im Unterrichtsgeschehen werden die exemplarischen bzw. typischen Merkmale aus den Fällen herausgestellt. Anhand dieser Fälle kann beispielsweise in der Pflegeausbildung das zentrale Pflegephänomen oder die Kernproblemstellung verdeutlicht werden.
Durch diesen Ansatz können alle beruflichen Handlungskompetenzen gefördert werden, insbesondere die Methodenkompetenz. Die Lernenden müssen Problemstellungen instrumentell selbst organisiert bewältigen können. Sie müssen Forschungsmethoden einsetzen und sich Wissen selbst erschließen lernen.
Unsere Arbeit soll einen Beitrag zur besseren Vernetzung von theoretischer Ausbildung und Berufspraxis herzustellen, um den von Lernenden, Lehrenden und Berufspraktikern erlebten Theorie-Praxis-Konflikt zu entschärfen und eine praxisorientierte Berufsausbildung zu gewährleisten.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG UND HINFÜHRUNG ZUM THEMA
2. KONSTRUKTIONSMERKMALE EINER FALLSTUDIE
2.1. FOKUSSIERUNG AUF EIN (PFLEGE-) PHÄNOMEN ODER PROBLEM
2.2. KOMPLEXITÄT IN DER DARSTELLUNG
2.3. EXEMPLARITÄT DES FALLES FÜR DAS ABGEBILDETE PHÄNOMEN
2.4. ABBILDUNG EINES PFLEGERISCHEN HANDLUNGSFELDES
2.5. EINBEZIEHUNG DES PFLEGEPROZESSES
2.6. DARSTELLUNG DER INTERAKTIONS- UND BEZIEHUNGSASPEKTE
2.7. SUBJEKTIVES ERLEBEN DES/DER PROTAGONISTEN
3. DREI VERLAUFSFORMEN EINER FALLSTUDIENBEZOGENEN LERNSITUATION
3.1. LINEARE FALLSTUDIENARBEIT
3.2. SEQUENTIELLE FALLSTUDIENARBEIT
3.3. LINEAR – SUKZESSIVE FALLSTUDIENARBEIT
4. ENTWICKLUNG EINES DIDAKTISCHEN ANSATZES DER EXEMPLARISCHEN FALLSTUDIENDIDAKTIK
4.1. EINLEITUNG
4.2. INTENTIONALE AUSRICHTUNG DES DIDAKTISCHEN ANSATZES
4.3. SCHEMATISCHE KURZDARSTELLUNG DER EXEMPLARISCHEN FALLSTUDIENDIDAKTIK
4.4. BESCHREIBUNG DER EINZELNEN PHASEN DES DIDAKTISCHEN ANSATZES
4.4.1. Phase der Inspiration
4.4.2. Phase der Arbeitsplanung
4.4.3. Phase der Fallauswahl
4.4.4. Phase der Fallkonstruktion
4.4.5. Phase des Fallvergleichs
4.4.6. Phase der Informationseingabe
4.4.7. Phase der Typenbildung
4.4.8. Phase der Handlungen
5. CHANCEN UND GRENZEN DER EXEMPLARISCHEN FALLSTUDIENDIDAKTIK
6. BEISPIEL EINER MÖGLICHEN UMSETZUNG DER EXEMPLARISCHEN FALLSTUDIENDIDAKTIK
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Ziel dieser Arbeit ist die Entwicklung eines neuen didaktischen Ansatzes, der das Prinzip des exemplarischen Lehrens mit der Methode der Fallstudiendidaktik verknüpft, um eine nachhaltige Theorie-Praxis-Vernetzung in der Pflegeausbildung zu ermöglichen.
- Verschränkung von exemplarischem Lehren und Fallstudiendidaktik
- Konstruktionsmerkmale für praxisnahe Fallstudien
- Verlaufsformen der fallstudienbezogenen Lernsituation
- Phasenmodell der exemplarischen Fallstudiendidaktik
- Integration qualitativer Forschungsmethoden in den Pflegeunterricht
Auszug aus dem Buch
4.4.2. Phase der Arbeitsplanung
Innerhalb dieser Phase sollen Lehrende und Lernende zusammen einen Arbeitsablauf der Lernsituation planen und erstellen. Der Phase der Arbeitsplanung kommt unserer Ansicht nach eine zentrale Bedeutung zu, da diese den Grundstein für eine erfolgreiche Lernsituation legt. Es wird direkt auf die kommenden beiden Phasen vorbereitet, die am Lernort Praxis stattfinden. In dieser Phase erhalten die Lernenden einen Auftrag zur Fallauswahl und Fallkonstruktion in der beruflichen Praxis. Der Arbeitsauftrag enthält Kriterien, nach denen die Lernenden in einem praktischen Ausbildungseinsatz einen Fall ausfindig machen sollen und jenen anhand dieser untersuchen sollen.
Der Lehrende erstellt in der Vorbereitung dieser Lernsituation diesen Kriterienkatalog anhand aktueller wissenschaftlicher Forschung und das Thema kennzeichnender Strukturen. Der Planende muss sich darüber bewusst sein, dass er durch diesen Kriterienkatalog die Strukturen der von den Lernenden konstruierten Fallstudien maßgeblich beeinflusst. Daher sollte der Katalog einen relativ offenen Charakter innehaben, Modifizierungen zulassen und als Richtschnur fungieren. Die Detailliertheit des Kataloges hängt einerseits ab vom Ausbildungsstand der Lernenden, andererseits von dem Thema selbst. Der Kriterienkatalog soll den Lernenden eine strukturierte Hilfestellung bei der Fallauswahl sein und Kriterien zur Konstruktion der Fallstudie beinhalten. Der Katalog soll in jedem Falle die folgenden Marginalien aufweisen:
• Immanente Strukturen des zu untersuchenden Phänomens
• Wichtige Elemente der Biographie des Fallgebers
• Soziale und persönliche Ressourcen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG UND HINFÜHRUNG ZUM THEMA: Die Autoren begründen die Entscheidung, exemplarische Lehrmethoden mit der Fallstudiendidaktik zu verknüpfen, um die Theorie-Praxis-Lücke zu überbrücken.
2. KONSTRUKTIONSMERKMALE EINER FALLSTUDIE: Es werden zentrale Kriterien definiert, die eine Fallstudie für den Unterricht erfüllen muss, wie Komplexität, Exemplarität und die Einbeziehung des Pflegeprozesses.
3. DREI VERLAUFSFORMEN EINER FALLSTUDIENBEZOGENEN LERNSITUATION: Die Arbeit stellt drei unterschiedliche Ansätze (linear, sequentiell, linear-sukzessiv) für die methodische Einbindung von Fallstudien im Unterricht vor.
4. ENTWICKLUNG EINES DIDAKTISCHEN ANSATZES DER EXEMPLARISCHEN FALLSTUDIENDIDAKTIK: In diesem Hauptteil wird das Phasenmodell des didaktischen Ansatzes detailliert ausgearbeitet, von der Inspiration über die Fallkonstruktion bis zur Handlungsphase.
5. CHANCEN UND GRENZEN DER EXEMPLARISCHEN FALLSTUDIENDIDAKTIK: Eine kritische Reflexion beleuchtet die Möglichkeiten der Theorie-Praxis-Vernetzung sowie die Herausforderungen an Kompetenzen von Lehrenden und Lernenden.
6. BEISPIEL EINER MÖGLICHEN UMSETZUNG DER EXEMPLARISCHEN FALLSTUDIENDIDAKTIK: Anhand des Beispiels "Chronischer Schmerz" wird die praktische Anwendung des zuvor beschriebenen Phasenmodells illustriert.
Schlüsselwörter
Exemplarisches Lehren, Fallstudiendidaktik, Pflegepädagogik, Theorie-Praxis-Vernetzung, Lernfeldkonzept, Pflegeprozess, Qualitative Forschung, Didaktischer Ansatz, Praxisanleiter, Pflegephänomen, Fallkonstruktion, Handlungskompetenz, Berufliche Realität, Fallvergleich, Typenbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit thematisiert die Entwicklung eines didaktischen Ansatzes für die Pflegeausbildung, der das Prinzip des exemplarischen Lehrens mit der Methode der Fallstudiendidaktik kombiniert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Gestaltung von Lernsituationen, der Konstruktion von Fallstudien, der Verzahnung von Theorie und Praxis sowie der Förderung von Handlungskompetenzen bei Lernenden.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Erstellung eines didaktischen Modells, das Lernende befähigt, durch eigenständige Fallforschung in der Praxis typische Pflegephänomene zu identifizieren und reflektierte Handlungsentscheidungen zu treffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autoren stützen sich auf didaktische Theorien (u.a. Klafki, Wagenschein, Kaiser) und integrieren Elemente qualitativer Sozialforschungsmethoden in den didaktischen Prozess.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bestimmung von Konstruktionsmerkmalen für Fallstudien, die Vorstellung von drei Verlaufsformen der Fallarbeit sowie die detaillierte Ausarbeitung eines neuen, phasenorientierten didaktischen Ansatzes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Exemplarisches Lehren, Fallstudiendidaktik, Pflegeprozess, Theorie-Praxis-Vernetzung und Methodenkompetenz.
Wie unterscheidet sich die "lineare" von der "sequentiellen" Fallstudienarbeit?
Bei der linearen Arbeit wird die vollständige Fallstudie zu Beginn präsentiert, während bei der sequentiellen Form der Fall schrittweise in Episoden dargeboten wird, um Spannung und diskursive Momente zu erzeugen.
Warum ist die Phase der Fallkonstruktion in der Praxis so bedeutsam?
Sie stellt die direkte Verbindung zur beruflichen Realität her, da die Lernenden aktiv Daten aus der Pflegepraxis erheben, anstatt mit künstlich konstruierten Fällen zu arbeiten.
Welche Rolle spielen die Praxisanleiter in diesem Ansatz?
Praxisanleiter fungieren als Mentoren, die den Lernprozess am Lernort Praxis begleiten, bei der Fallauswahl beraten und den konstruktiven Austausch mit der Schule sicherstellen.
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- Dipl. Berufspädagoge (FH) Christian Ley (Author), Roland Kietzmann (Author), 2006, Entwicklung eines didaktischen Ansatzes - Exemplarische Fallstudienkritik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59404