Kriminalität ist ein oft diskutiertes Thema, mit dem man permanent konfrontiert wird. Gerade in den Massenmedien, wie Fernsehen und Zeitung, wird regelmäßig davon berichtet. Der gegenseitige Austausch von Informationen und die Dramatisierung in den Nachrichten sensibilisiert die Bevölkerung für dieses Thema. Dabei gehen die gefühlte und wirkliche Kriminalität oft in konträre Richtungen. Meist ist die Entwicklung harmloser als angenommen. Besonders um die durch abweichendes Verhalten auffallenden Jugendlichen wird sich gesorgt. Man befürchtet, dass sie eine Kriminalitätskarriere einschlagen und die TäterInnen von morgen sind. In letzter Zeit fallen auch immer öfter Artikel über die gestiegene Gewaltbereitschaft von Mädchen auf.
Inwiefern diese Vorstellungen und Ängste der Bevölkerung berechtigt sind, soll in dieser Hausarbeit erörtert werden. Der Schwerpunkt liegt auf der Kriminalität im Jugendalter, differenziert betrachtet nach Unterschieden zwischen den Geschlechtern. Alle Daten und Informationen beziehen sich dabei auf Deutschland. Zuerst werden die gesetzlichen Rahmenbedingungen vorgestellt, die im Falle abweichenden Verhaltens von Jugendlichen gelten. Anschließend folgt eine Präsentation über die unterschiedliche Ausformung von Jugendkriminalität je nach Geschlecht. Im nächsten Kapitel werden dann Ursachen für diese Situation erklärt und zum Schluss Lösungen für bestehende Problematiken in Form von Interventionsmaßnahmen gesucht.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Gesetzliche Grundlagen der Jugendkriminalität
3 Die Rolle des Geschlechts in der Jugendkriminologie
3.1 Jugenddelinquenz und Geschlecht – Empirische Daten
3.2 Geschlechtsspezifische Ursachen für Jugenddelinquenz
4 Sozialpädagogische Intervention
5 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Jugendkriminalität in Deutschland mit einem spezifischen Fokus auf die Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Ziel ist es, die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu beleuchten, die geschlechtsspezifischen Ursachen delinquenten Verhaltens mittels der Sozialisationstheorie zu analysieren und zu bewerten, inwiefern bestehende Interventionsmaßnahmen den Anforderungen an eine geschlechtersensible Jugendhilfe gerecht werden.
- Gesetzliche Grundlagen und jugendstrafrechtliche Rahmenbedingungen in Deutschland.
- Empirische Analyse der Geschlechterverteilung bei Jugenddelinquenz.
- Sozialisationstheoretische Betrachtung geschlechtsspezifischer Bewältigungsmodelle in Krisensituationen.
- Kritische Evaluation bestehender sozialpädagogischer Interventionskonzepte wie dem Anti-Aggressivität-Training.
- Notwendigkeit und Ansätze für geschlechtersensible präventive sowie interventive Strategien.
Auszug aus dem Buch
3.2 Geschlechtsspezifische Ursachen für Jugenddelinquenz
Es gibt mehrere Kriminalitätstheorien, die die Entwicklung delinquenten Verhaltens versuchen, zu erklären. Davon wird aus Platzgründen die Sozialisationstheorie exemplarisch vorgestellt. Diese ist nicht wie viele andere geschlechtsneutral, sondern hebt auch spezifische Ursachen für männliches und weibliches Verhalten hervor, welche im Rahmen dieser Hausarbeit von besonderem Interesse sind. Deswegen wird sich an dieser Stelle auf die Geschlechtersozialisation spezialisiert. Diese beschäftigt sich mit der Frage, wie Jungen und Mädchen jeweils zu ihrem geschlechtstypischen Verhalten gelangen. Die Beschäftigung mit dieser Thematik sowie die Untersuchung möglicher Ursachen für abweichendes Verhalten soll nun im Fokus stehen.
Die weibliche Sozialisation charakterisiert sich durch eine starke Gebundenheit an die Familie von früher Kindheit an. Dort wird ihr Verhalten kontrolliert und eingeschränkt. Sie lernen, Rücksicht auf andere zu nehmen und dürfen Gefühle zeigen. Auf der anderen Seite müssen sie Konflikte jedoch häufig mit sich selbst austragen. Neben der Mutter haben sie viele weibliche Vorbilder, mit denen sie sich identifizieren können. Während ihrer Pubertät realisieren die Mädchen geschlechtstypische Zuweisungen, aber auch die damit verbundenen Abwertungen in einer patriarchalischen Gesellschaft.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Jugendkriminalität ein, thematisiert das öffentliche Sicherheitsbedürfnis und stellt die Forschungsfrage sowie den Aufbau der Arbeit vor.
2 Gesetzliche Grundlagen der Jugendkriminalität: Hier werden die juristischen Rahmenbedingungen wie das JGG und SGB VIII erläutert, wobei der Fokus auf dem Erziehungsgedanken und der Rolle der Jugendgerichtshilfe liegt.
3 Die Rolle des Geschlechts in der Jugendkriminologie: Dieses Kapitel untersucht die allgemeinen Charakteristika jugendlicher Delinquenz, präsentiert empirische Daten zur Geschlechterverteilung und analysiert sozialisationstheoretische Hintergründe.
4 Sozialpädagogische Intervention: Der Abschnitt bewertet verschiedene Interventionsansätze hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und Konformität mit dem Gender-Mainstreaming-Ansatz.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine geschlechtersensible Herangehensweise bei Interventionen und Prävention essentiell für eine nachhaltige soziale Integration Jugendlicher ist.
Schlüsselwörter
Jugendkriminalität, Geschlechtersozialisation, Jugendgerichtsgesetz, Sozialpädagogik, Delinquenz, Gender Mainstreaming, Prävention, Anti-Aggressivität-Training, Jugendhilfe, Bewältigungsmodell, Kriminalstatistik, Mädchen, Jungen, Verfehlung, Interventionsmaßnahme.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Kriminalität von Jugendlichen in Deutschland und analysiert, wie sich Jungen und Mädchen in ihrem abweichenden Verhalten unterscheiden und welche Ursachen dafür vorliegen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die gesetzlichen Grundlagen des Jugendstrafrechts, die empirische Datenlage zur Jugendkriminalität sowie die sozialisationstheoretischen Erklärungsmodelle für geschlechterspezifische Unterschiede.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, warum eine geschlechtersensible Ausrichtung sozialpädagogischer Maßnahmen notwendig ist, um delinquentes Verhalten effektiv zu bearbeiten und Rückfällen vorzubeugen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse von Fachliteratur sowie der Auswertung bestehender kriminologischer Statistiken und Studien, um die Thematik multiperspektivisch zu beleuchten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil erörtert die juristischen Rahmenbedingungen, stellt die empirische Verteilung von Delikten dar und setzt sich kritisch mit der geschlechterdifferenzierten Sozialisation sowie aktuellen Interventionsprogrammen auseinander.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Jugendkriminalität, Geschlechtersozialisation, Delinquenz, Prävention und sozialpädagogische Intervention geprägt.
Warum wird das Anti-Aggressivität-Training (AAT) kritisiert?
Die Autorin kritisiert das AAT, da es vorrangig auf Jungen ausgerichtet ist, die Lebenslagen der Teilnehmer ignoriert, die Person als gewalttätig stigmatisiert und dem Prinzip des Gender Mainstreamings widerspricht.
Welchen Einfluss hat die „Spontanremission“ auf die Argumentation?
Die Autorin nutzt das Konzept der Spontanremission – das altersbedingte spontane Ende krimineller Karrieren –, um zu begründen, dass soziale Interventionen keine stigmatisierenden Maßnahmen sein sollten, sondern förderliche Angebote, die den Jugendlichen helfen, eigene positive Perspektiven zu finden.
- Arbeit zitieren
- Nadine Schall (Autor:in), 2011, Jugendkriminalität im Spannungsfeld der Geschlechter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/594043