Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob ein positives Klassenklima eine entscheidende Voraussetzung für den Erfolg der Unterrichtsmethode "Scaffolding" darstellt. Es wird davon ausgegangen, dass ein unterstützendes, Geborgenheit hervorrufendes Klima eine notwendige Variable für die Steigerung der Leistungsfähigkeit der SchülerInnen bildet und umgekehrt ein negatives Klima die Kinder ablenkt, beziehungsweise ihr potenzielles Leistungsniveau einschränkt.
Um diesem Forschungsanliegen nachzukommen, wird im Folgenden zunächst die Relevanz, sowie der theoretische Rahmen dieser Thematik erläutert und im Anschluss das methodische Vorgehen der Untersuchung vorgestellt. Ein Ausblick mit dem Zweck des Forschungsprojekts sowie sich daran anschließende Fragestellungen bilden den Abschluss dieser Arbeit. Im weiteren Verlauf wird die Form des Binnen-I verwendet, um beiden Geschlechtern gerecht zu werden und gleichzeitig den Lesefluss zu erleichtern.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Problemaufriss
3 Stand der Forschung
3.1 Befunde zum Konstrukt des Scaffolding
3.2 Die Bedeutung des Klassenklimas für qualitativen Unterricht
4 Forschungsprogramm
4.1 Fragestellungen und Hypothesen
4.2 Untersuchungsdesign
4.3 Auswertungsverfahren
4.4 Stichprobe
5 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Forschungsfrage, ob ein positives Klassenklima eine notwendige Bedingung für den Erfolg der Unterrichtsmethode Scaffolding darstellt. Ziel ist es, Zusammenhänge zwischen der sozialen Atmosphäre in Schulklassen und der Effektivität instruktionaler Unterstützungsprozesse zu identifizieren.
- Scaffolding als Unterrichtsmethode
- Klimaforschung in der Schule
- Zusammenhang zwischen Klassenklima und Lernerfolg
- Untersuchungsdesign zur Erfassung von Unterrichtsprozessen
- Identifikation von Risiko- und Schutzfaktoren für Scaffolding
Auszug aus dem Buch
3.1 Befunde zum Konstrukt des Scaffolding
Scaffolding ist eine Unterrichtsmethode, die in den 70er Jahren von Wood, Bruner und Ross entwickelt wurde und in den vergangenen Jahrzehnten viel Aufmerksamkeit in der Bildungsforschung erfuhr (vgl. van de Pol/Volman/Beishuizen 2010, 271). Ursprünglich bezog sich das Konstrukt des Scaffolding auf tutorielle Situationen zwischen einem/einer ExpertIn und dem/der Lernenden oder einem Elternteil und dessen Kind, in der die erwachsene Person der jüngeren gerade genug Unterstützung für die Vollendung eines bestimmten Entwicklungsprozesses zukommen ließ. Heutzutage wird Scaffolding nicht mehr in eins-zu-eins-Situationen verwendet, sondern als Methode im Unterricht zur Unterstützung des Lernerfolgs mehrerer SchülerInnen (vgl. Puntambekar/Hübscher 2005, 1). Das ohnehin schon komplexe Konstrukt wurde durch dessen Einsatz in Lehr-Lernumgebungen in der Schule noch schwieriger in der Umsetzung, da die verschiedenen Bedürfnisse und Kompetenzen von 20 und mehr SchülerInnen durch eine Lehrkraft berücksichtigt werden müssen (vgl. Meyer/Turner 2002, 19).
Durch Cazden ist Scaffolding seit 1979 eng mit Vygotskys soziokultureller Theorie verknüpft. Dieser erklärte, dass Lernen immer zwischen einem Unwissenden, in der Regel einem Kind, und einem Erfahrenerem, z.B. Erwachsenen, in der kindlichen Zone der proximalen Entwicklung stattfindet, auf englisch zone of proximal development (ZPD). ZPD definiert Vygotsky als Abstand zwischen dem aktuellen Wissensstand bzw. der momentanen Kompetenz und dem potenziellen Niveau, welches das Kind noch erreichen kann bei entsprechender Unterstützung durch den Erwachsenen (vgl. Puntambekar/Hübscher 2005, 2). Cazden verband nicht nur das Konzept des Scaffolding mit Vygotzkys ZPD, sondern schlug auch als erster vor, dieses Konstrukt auf SchülerInnen-LehrerInnen Interaktionen zu übertragen. So entwickelte sich Scaffolding zur Unterrichtsmethode. Es wird deutlich, dass sich dieses Konstrukt eines Schlüsselaspekts des kindlichen Lernens bedient, nämlich dass das Kind in der Regel unterstützende Anleitung durch andere erfährt (vgl. van de Pol/Volman/Beishuizen 2009, 46).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, ob ein positives Klassenklima eine Voraussetzung für erfolgreiches Scaffolding ist.
2 Problemaufriss: Dieses Kapitel erläutert die Relevanz des Themas und stellt die theoretischen Grundlagen der Klimaforschung sowie des Scaffoldings vor.
3 Stand der Forschung: Hier werden das Konstrukt des Scaffoldings und die Bedeutung des Klassenklimas basierend auf existierender Fachliteratur analysiert.
4 Forschungsprogramm: Dieses Kapitel beschreibt die methodische Vorgehensweise, inklusive der Fragestellungen, des Untersuchungsdesigns und der Stichprobenauswahl.
5 Ausblick: Der Ausblick diskutiert die Bedeutung der Forschungsergebnisse für künftige Bildungsmaßnahmen und wissenschaftliche Untersuchungen.
Schlüsselwörter
Scaffolding, Klassenklima, Bildungsforschung, Unterrichtsmethode, Zone der proximalen Entwicklung, Lehr-Lernprozesse, Schulklima, Sozialklima, Instruktion, Lernumgebung, Leistungsfähigkeit, Extremgruppenvergleich, SchülerInnen, Lehrkraft, Intervention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der möglichen Abhängigkeit des Erfolgs der Unterrichtsmethode Scaffolding von einem positiven Klassenklima in Schulklassen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Definition und Anwendung von Scaffolding im Unterricht sowie die empirische Erforschung des Klassenklimas und dessen Auswirkungen auf Lernprozesse.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Überprüfung der Hypothese, ob ein positives Klassenklima eine notwendige Bedingung für die Wirksamkeit von Scaffolding darstellt, um daraus praktische Schlussfolgerungen für die Lehrerausbildung zu ziehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es ist ein empirisches Forschungsdesign geplant, das den Linzer Fragebogen zum Schul- und Klassenklima (LFSK 4-8) sowie Unterrichtsbeobachtungen und Videoanalysen zur Untersuchung von Scaffolding kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung des Forschungsstandes zu Scaffolding und Klassenklima sowie in die detaillierte Darstellung des geplanten Forschungsprogramms.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Scaffolding, Klassenklima, Lehr-Lernprozesse, Instruktion und empirische Bildungsforschung charakterisiert.
Warum wurde Scaffolding als Unterrichtsmethode gewählt?
Scaffolding wurde gewählt, da es eine hochaktive Lernunterstützung bietet, deren Erfolg von situativen Faktoren abhängt, wobei das Klassenklima als bisher wenig erforschte Variable identifiziert wurde.
Welche Rolle spielt die ZPD in der Untersuchung?
Die "Zone der proximalen Entwicklung" (ZPD) bildet die theoretische Basis des Scaffoldings und verdeutlicht, dass die unterstützende Interaktion zwischen Lehrenden und Lernenden das zentrale Element dieser Methode ist.
Warum fokussiert sich die Arbeit auf die vierte Klasse?
Die vierte Klasse wurde gewählt, da sich hier das Klassenklima gefestigt hat und die Testinstrumente für diese Stufe validiert sind, während gleichzeitig eine befürchtete Klimaverschlechterung in höheren Stufen vermieden werden soll.
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- Nadine Schall (Author), 2012, Ein positives Klassenklima durch Scaffolding? Befunde zum Konstrukt des Scaffolding, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/594045