Eine Untersuchung des Feminismus nach Virginia Woolf anhand ihres Essays "Three Guineas"


Hausarbeit, 2018

16 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

2. DIE ALLGEMEINE FORM DES ESSAYS

3. DIE BRIEFE
3.1 DIE ANFRAGE DER PEACE SOCIETY
3.2 DER NEUAUFBAU DES FRAUENCOLLEGES
3.3 HILFE FÜR BERUFSTÄTIGE FRAUEN

4. LÖSUNGSVORSCHLÄGE UND BEDINGUNGEN
4.1 DIE GUINEE AN DIE PEACE SOCIETY
4.2 DIE GUINEE FÜR DAS FRAUENCOLLEGE
4.3 DIE GUINEE FÜR BERUFSTÄTIGE FRAUEN

5. DER FEMINISMUS NACH VIRGINIA WOOLF

6. FAZIT

LITERATURVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

„Living differently“ ist ein Zitat aus Virginia Woolfs Roman The Years und beschreibt kurzum das Ziel ihres Feminismus. Deutlicher jedoch wird dieses in ihrem Essay Three Guineas, welches kurz vor dem zweiten Weltkrieg, 1938, erschienen ist. Die Frage „How […] are we to prevent war? “1 ist der rote Faden des Essays. Die Erzählerin nimmt diese Frage als Vorwand, um auf ihren Feminismus und auf den kausalen Zusammenhang zwischen männlicher Dominanz und Militarismus aufmerksam zu machen. In Three Guineas verdeutlicht Woolf ihre Vorstellung von Gleichheit, den Rechten der Frauen und deren Position in der Gesellschaft.

Die vorliegende Hausarbeit wird sich auf die Forschungsfrage konzentrieren, wie sich Facetten von Virginia Woolfs Feminismus in ihrem Essay Three Guineas wiedererkennen lassen.

Dazu werde ich nah am Essay arbeiten und, nachdem ich die allgemeine Form des Textes erläutert habe, mit der Untersuchung der drei wichtigsten Themengebiete des Werkes beginnen. Diese lassen sich in Form dreier Briefe erkennen, in denen um eine Spende für verschiedene Organisationen gebeten wird. Die Problematiken, die die Verfasser dieser Briefe beschreiben und diejenigen, die die Erzählerin hinzufügt, werden in diesem Kapitel mithilfe dreier Unterkapitel aufgezeigt.

Die Erzählerin des Essays geht auf die Bittsteller mit Bedingungen und Lösungsvorschlägen ein, bevor sie, wie aus dem Essay hervorgeht, jedem von ihnen eine Guinee sendet. In drei Unterkapiteln werde ich zu den drei Guineen die jeweiligen Bedingungen zusammenfassen.

Da es in dieser Hausarbeit vorrangig um den Feminismus der Autorin Virginia Woolf geht, werde ich in dem nächsten Kapitel die feministischen Züge ihrer Bedingungen und Lösungsvorschläge ausarbeiten.

Anschließend werden in einer Schlussfolgerung die wichtigsten Ergebnisse der Arbeit zusammengefasst und die Forschungsfrage beantwortet.

2. DIE ALLGEMEINE FORM DES ESSAYS

Der Essay Three Guineas ist anders als häufig angenommen eine Mischung aus Fakt und Fiktion. Die Erzählerin ist nicht Woolf selbst und auch die Adressaten der Briefe sind frei erfunden. In Three Guineas findet man keine realen Briefe, die sich auf reale Fragen beziehen oder an reale Personen adressiert sind. Echt ist jedoch Virginia Woolfs Feminismus, der im Laufe des Essays immer deutlicher wird.2

In dem Essay Three Guineas lassen sich insgesamt zwölf Briefe finden. Fünf Briefe sind an die Erzählerin gerichtet, sieben Briefe hat sie verfasst und teilweise abgeschickt, teilweise als Entwurf wieder verworfen. In dreien der Briefe wird die Erzählerin um die Spende einer Guinee gebeten. Bevor sie der Geldspende zustimmt, stellt sie Bedingungen, wie diese zu investieren ist. Außerdem schlägt sie Lösungen für weitere Vorgehen der Organisationen vor.

Den Rahmen des Essays bildet der Antwortbrief der Erzählerin auf die Anfrage eines männlichen Vertreters der Peace Society für eine Spende und die Antwort auf die Frage, wie man den Krieg verhindern kann. Der zweite Brief ist von der ehrenamtlichen Kassenführerin einer Frauengruppe, die Geld für den Wiederaufbau des Frauencolleges in Cambridge benötigt. In einem weiteren Brief wird die Erzählerin gebeten, Geld und Material für hilfsbedürftige berufstätige Frauen zu spenden. Auf beide dieser Briefe folgen verworfene Briefentwürfe und tatsächlich abgeschickte Antworten.

Auf die drei Briefe mit Anfragen für Spenden wird nun genauer eingegangen, indem die von der Erzählerin genannten Hintergründe und Problematiken der Bitten besprochen werden.

3. DIE BRIEFE

3.1 DIE ANFRAGE DER PEACE SOCIETY

Die Erzählerin beschreibt den Brief von dem Anwalt der Peace Society als einzigartig in der Geschichte des Schriftverkehrs, da nie zuvor ein gebildeter Mann eine Frau nach ihrer Meinung zu dem Thema Kriegsprävention gefragt habe.3

Es ist unsicher, ob Virginia Woolf diesen Brief wirklich bekommen hat, oder er rein fiktiv ist. Jedoch kann man als Leser davon ausgehen, dass der Brief, falls er echt ist, nicht an eine Frau als solche adressiert gewesen sein wird. Möglicher ist es, dass die Unterstützung einer bekannten Autorin wie Virginia Woolf mehr Einfluss bei der Debatte um Kriegsprävention hätte und sie auf Grund ihrer Bekanntheit und nicht wegen ihres Geschlechts um ihre Hilfe und Meinung gebeten wurde.4 Diese Annahme wird unterstrichen, als die Erzählerin die Bitten der Peace Society aufzählt. „The first is to sign a letter to the newspapers; the second is to join a certain society; the third is to subscribe to its funds. “5 Es ist anzunehmen, dass nur eine Person mit größerer Reichweite wie Virginia Woolf um solche Gefallen gebeten werden würde.

Adressat und Versender des Briefs kommen beide aus der gleichen Schicht, ermöglichen jedoch unterschiedliche Perspektiven auf die Problematik aufgrund der Differenzen in Bildung und finanzieller Sicherheit.6

When we meet in the flesh we speak with the same accent; use knives and forks the same way; expect maids to cook dinner and wash up after dinner; and can talk during dinner without much difficulty about politics and people; war and peace; barbarism and civilization. […] Moreover, we both earn our livings.7

Trotz scheinbar vieler Gleichheiten beschreibt die Erzählerin eine große Kluft zwischen ihr und dem Anwalt der Peace Society. Sie spricht hier die Bevorzugung der Söhne gebildeter Männer allen anderen Kindern, vor allem Mädchen gegenüber an, die gezielt finanziert wurden und so eine bessere und umfassendere Bildung genießen konnten. „Though we look at the same things, we see them differently.“8 Durch den Arthur’s Education Fund, die Finanzierung, von der ausschließlich die Söhne gebildeter Männer profitieren, entsteht eine Qualitätslücke zwischen der Bildung der Jungen und der der Mädchen. Der Fakt, dass für die Bildung der Jungen mehr Geld ausgegeben wird, und in die Bildung der Mädchen kein oder sehr wenig Geld investiert wird, wird durch einen Brief an die Erzählerin bestätigt.9

3.2 DER NEUAUFBAU DES FRAUENCOLLEGES

Der Beweis für die Annahme, dass Frauencolleges weitaus weniger gefördert werden und demnach im Gegensatz zu den Schulen und Universitäten der Jungen sehr arm sind, ist ein weiterer Brief, den die Erzählerin erreicht. Er ist von einer Frauengruppe, die Geld für den Wiederaufbau des Frauenkollegs benötigen. Woolf geht darauf ein, indem sie erneut die Problematik der einseitigen Investition in die Bildung des ausschließlich männlichen Geschlechts beschreibt und einen Fall erläutert, bei dem eine Spende für ein Frauencollege letztendlich nie dort angekommen sei.10

Problematisch ist jedoch nicht nur die Förderung der Bildung für Frauen, sondern auch die Bildung an sich. Man müsse sich überlegen, wie man die Bildung verändern könne, damit sie den Krieg nicht mehr glorifiziert und fördert.11

3.3 HILFE FÜR BERUFSTÄTIGE FRAUEN

In diesem Brief wird die Erzählerin um sowohl materielle, als auch finanzielle Hilfe für bedürftige berufstätige Frauen gebeten. Um eine Bedürftigkeit festzustellen, denkt die Erzählerin darüber nach, welche Aufgabe die Frau in der Gesellschaft hat und wie schwer es ihr gemacht wird, einen Beruf neben ihrer Arbeit als Ehefrau, Mutter und Hausfrau auszuüben.

Als eine große Problematik nennt die Erzählerin, dass die Arbeit der Frau als Mutter und Hausfrau nicht genügend gewürdigt wird. Sie kritisiert, dass eine Frau genauso harte Arbeit verrichtet wie ein Mann, jedoch nicht dafür entlohnt wird. Zudem sei die Arbeit der Frau so wichtig, dass ohne sie das System des Staates kollabieren und die Söhne gebildeter Männer versagen würden.12

Das Geld, welches Frauen zustände, sei die Hälfte des Einkommens ihrer Männer. Bedenkt man jedoch, dass sie von diesem Geld hauptsächlich für die Familie oder ihren Mann und nicht für sich selbst einkauft, bleibt für die persönlichen Interessen der Frau wenig übrig. Daher ist die Rechtfertigung, Frauen bräuchten kein eigenes Einkommen, laut der Erzählerin ungerechtfertigt.13

4. LÖSUNGSVORSCHLÄGE UND BEDINGUNGEN

4.1 DIE GUINEE AN DIE PEACE SOCIETY

In dem abschließenden Teil des Briefes an den Vertreter der Peace Society schreibt die Erzählerin, was sie in Zukunft an Änderungen erwartet. Anders als bei den anderen Spenden, stellt sie keine Bedingungen für die Guinee, sondern macht lediglich Vorschläge.

Man muss der Erzählerin zufolge zunächst das Verunreinigen bzw. Verderben des Gehirns verhindern („adultery oft he brain“14 ). Mit dieser Metapher meint sie das Schreiben nur um des Geldes willen und nennt dies außerdem eine Form der „Gehirnprostitution“.15 Um dies zu verhindern, schlägt die Erzählerin vor, Agenturen zur Veröffentlichung der Arbeiten zu umgehen und so die Möglichkeit zu gewinnen, nach den eigenen Vorstellungen und Wünschen zu schreiben.16

Dies hat zur Folge, dass sich der Verfasser eines Textes, befreit von allen Arten von Motiven für das Verschleiern der Wahrheit, sei es Geld, Macht oder Eitelkeit, voll und ganz auf die Wahrheit konzentrieren und so auch die Realität des Krieges und seine Schattenseiten offenlegen kann.17

Intellektuelle Freiheit, also zu sprechen worüber, wie, wann, und wie lange, ist das, wonach die Töchter gebildeter Männer laut der Erzählerin streben sollten und was sie schützen sollten, um so letztendlich das Bewusstsein über Kultur und Freiheit zu stärken und den Krieg somit verhindern zu können.18

Um die Peace Society zu unterstützen, spendet sie auch hier eine Guinee. Diese sendet sie ohne jegliche Bedingungen, da sie sich nach langer Auseinandersetzung mit dem Adressaten ihres Essays sicher ist, dass er die richtigen Ziele („by protecting the rights of the individual; by opposing dictatorship; by ensuring the democratic ideals of equal opportunity for all.“19 ) verfolgt und alles in seiner Macht stehende tun wird, um den Krieg zu verhindern.20 Wichtig ist der Erzählerin die Tatsache, dass dies das erste Mal in der Englischen Geschichte ist, dass eine Frau ihr eigen verdientes Geld für einen solchen Zweck spenden kann, ohne auf eine Gegenleistung angewiesen zu sein.21

[...]


1 Woolf, S. 89.

2 Vgl. Black, S. 73.

3 Vgl. Woolf, S. 89.

4 Vgl. Black, S. 87.

5 Woolf, S. 96.

6 Vgl. Snaith in Introduction (Virginia Woolf, A Room of One’s Own and Three Guineas), S. xxvi.

7 Woolf, S. 90.

8 Ebd., S. 91.

9 Vgl. Ebd., S. 90.

10 Vgl. Ebd., S. 111.

11 Vgl. Ebd., S. 116.

12 Vgl. Woolf, S. 136.

13 Vgl. Ebd., S. 138f.

14 Woolf, S. 172.

15 Vgl. Ebd., S. 173.

16 Vgl. Ebd., S. 172.

17 Vgl. Ebd., S. 175.

18 Vgl. Ebd., S. 176ff.

19 Ebd., S. 178.

20 Vgl. Ebd.

21 Vgl. Ebd., S. 179.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Eine Untersuchung des Feminismus nach Virginia Woolf anhand ihres Essays "Three Guineas"
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft)
Veranstaltung
Mikrokosmos „Bloomsbury"
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
16
Katalognummer
V594112
ISBN (eBook)
9783346173775
ISBN (Buch)
9783346173782
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Feminismus, Virginia Woolf, Woolf, Bloomsbury, Three Guineas
Arbeit zitieren
Pauline Antonia Richter (Autor:in), 2018, Eine Untersuchung des Feminismus nach Virginia Woolf anhand ihres Essays "Three Guineas", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/594112

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Eine Untersuchung des Feminismus nach Virginia Woolf anhand ihres Essays "Three Guineas"



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden