Der Einfluss von Externalitäten auf den Erfolg von Issue Linkage bei der Bildung internationaler Umweltabkommen


Diplomarbeit, 2006
52 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Symbolverzeichnis

1. Einführung

2. Die Grundidee von Issue Linkage

3. Das Modell von Carraro und Siniscalco (1997)
3.1 Die Modellannahmen
3.2 Einordnug des Modells innerhalb der Koalitionstheorie
3.3 Die Entscheidungsfolge des Modells
3.3.1 Die Höhe der Produktion und der R&D-Ausgaben
3.3.2 Die optimal Emissionsreduktion
3.3.3 Stabile Koalitionen

4. Beurteilung von Issue Linkage
4.1 Auswirkungen auf die globale Wohlfahrt
4.2 Die Welt ohne Issue Linkage
4.3 Die Welt mit Issue Linkage

5. Der Einfluss von Externalitäten auf den Erfolg von Issue
Linkage
5.1 Positive und negative Externalitäten bei der Koalitionsbildung
5.2 Die positive Externalität im reinen Umweltabkommen
5.3 Die Externalitäten im reinen R&D-Abkommen
5.4 Externalitäten und Issue Linkage

6. Bewertung des Modells

7. Schlussbemerkungen

Literaturverzeichnis

Eidesstattliche Versicherung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Stabilitätsfunktion A(j) - A0(j – 1)

Abbildung 2: Stabilitätsfunktion H(j) - H0(j – 1)

Abbildung 3: Stabilitätsfunktion T(j) - T0(j – 1)

Abbildung 4: Stabilitätsfunktion LIL(j)

Abbildung 5: Stabilitätsfunktion LR&D(j)

Abbildung 6: Profitabilitätsfunktion PR&D(j)

Abbildung 7: ¶H0/ ¶j + ¶T0/ ¶j

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Globale Wohlfahrten in einer Welt ohne Issue Linkage

Tabelle 2: Globale Wohlfahrten in einer Welt mit Issue Linkage

Tabelle 3: Externalitäten im reinen R&D-Abkommen

Tabelle 4: Entwicklung der globalen Wohlfahrt und Externalitäten

Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einführung

Aufgrund der in den letzten Jahren und Jahrzehnten immer offener zu Tage tretenden globalen Umweltschäden, verursacht durch die zuneh-mende Verschmutzung von Luft, Wasser und Boden durch eine immer weiter wachsende Weltwirtschaft und zunehmende Industrialisierung auch in Entwicklungsländern, nimmt die Bedeutung erfolgreicher inter-nationaler Umweltabkommen, die zu einer deutlichen Entlastung der Umwelt führen, immer weiter zu. Der Verursacherstaat einer global umweltbelastenden Aktivität verursacht nicht nur in seinem Land Schä-den[1], sondern auch in anderen Staaten, die er aber bei der Entscheidung über sein Emissionsniveau nicht berücksichtigt. Wegen dieser Externa-litäten führen die Emissionsentscheidungen der einzelnen Staaten nicht zu einem globalen Optimum im Spannungsfeld zwischen den Kosten der Umweltschäden einerseits und den Vorteilen umweltbelastender Aktivitäten[2] andererseits, sondern zu einer übermäßigen Belastung und Zerstörung der Ressource Umwelt. Durch internationale Umweltkoope-ration kann eine Internalisierung der externen Effekte erreicht werden, die zu einer Emissionsreduktion und damit zu einer Erhöhung der glo-balen Wohlfahrt führt[3]. Dabei bilden die kooperationsbereiten Staaten eine Koalition[4] und verpflichten sich in einem internationalen Umwelt-abkommen (engl.: International Environmental Agreement, IEA) zu ei-ner Reduktion ihrer umweltbelastenden Aktivität. Bekannte Beispiele für internationale Umweltabkommen in der Realität sind das Montreal Abkommen von 1987 zur Reduktion von Fluorchlorkohlenwasserstof-fen (FCKW) und das Kyoto Protokoll von 1997 zur Reduktion von Treibhausgasen[5]. Häufig lassen sich jedoch entweder Umweltabkom-men mit einer großen Anzahl beteiligter Staaten, aber nur geringen Ver-ringerungsverpflichtungen, oder Umweltabkommen mit ehrgeizigen Verpflichtungen, aber nur geringer Beteiligung beobachten[6]. Diese Tatsache weist darauf hin, dass sich die Umsetzung der internationalen Umweltzusammenarbeit mit erheblichen Problemen konfrontiert sieht, die durch Abbildung der Realität in einem abstrahierenden Modell einer wirtschaftstheoretischen Analyse zugänglich gemacht werden können. Zwei dieser Probleme seien hier näher betrachtet[7]: Erstens muss die Be-teiligung an einem Umweltabkommen für alle Staaten profitabel sein, d. h. ihre individuelle Wohlfahrt muss sich durch die Beteiligung an dem Abkommen erhöhen. Geht man in der Modellwelt von symmetrischen Ländern aus, d. h. von Ländern, die ihre Grenzschäden gleich einschät-zen und gleiche Grenzvermeidungskosten haben, ist dieses Problem in der Regel lösbar, denn jedes Land profitiert im Falle des Zustandekom-mens des Abkommens nicht nur von seiner eigenen Emissionsreduk-tion, für die ihm entsprechende Kosten entstehen, sondern auch kosten-los von der Emissionsreduktion aller anderen beteiligten Länder. Tatsächlich bestehen jedoch zwischen den Regionen der Welt große ökonomische und ökologische Assymmetrien, so dass viele Länder, z. B. aus der dritten Welt, die Kosten von Emissionsreduktionen höher be-werten und die Vorteile aus der Umweltverbesserung geringer schätzen als andere Länder, z. B. die meisten Industrieländer. Zweitens muss ein internationales Umweltabkommen selbstdurchsetzend sein, d. h. die be-troffenen Länder müssen bereit sein, die in dem Umweltabkommen ent-haltenen Verpflichtungen umzusetzen und einzuhalten. Es gibt im inter-nationalen Bereich keine übergeordnete Institution, die Staaten dazu zwingen kann, sich an einem für sie profitablen Umweltabkommen zu beteiligen und die Emissionsziele einzuhalten. Vielmehr besteht ein Freifahreranreiz selbst dann, wenn das Abkommen für alle Länder profitabel ist: Durch die Umweltkooperation lässt sich zwar die indivi-duelle Wohlfahrt eines einzelnen Staates erhöhen, aber noch weiter lässt sich dessen Wohlfahrt erhöhen, wenn er freifährt, d. h. sich entweder gar nicht erst beteiligt (Freifahrer des ersten Typs) oder sich zwar zu-nächst beteiligt, aber die vereinbarten Ziele nicht einhält (Freifahrer des zweiten Typs), während alle anderen Länder ihre Verpflichtungen um-setzen[8]. Der Grund dafür ist, dass die Vorteile internationaler Umwelt-zusammenarbeit nicht eingrenzbar sind, da globale Umweltqualität ein öffentliches Gut ist, von dem niemand ausgeschlossen werden kann. Der Freifahrer kommt in den Genuss der globalen Umweltverbesse-rung, ohne sich an den Kosten beteiligen zu müssen. Je größer die An-zahl der kooperierenden Staaten ist, desto größer ist dieser individuelle Freifahreranreiz, dem jedes Land gleichermaßen unterliegt. Daher ist die Kooperation, selbst wenn sie für alle individuell profitabel ist, ab ei-ner bestimmten Anzahl beteiligter Staaten instabil[9]. Das bedeutet, dass nur die so genannte LPS-Koalition[10] die Umweltkooperation umsetzt. In der Realität ist, wie bereits erwähnt, zu beobachten, dass diese Koalition häufig klein ist.

Zur Überwindung der dargestellten Probleme der Umweltkooperation sind in der umweltökonomischen Literatur verschiedene Vertragsgestal-tungselemente entwickelt und diskutiert worden. Ein mögliches Ele-ment wird als Issue Linkage[11] bezeichnet; die Grundidee dieses Instru-ments zur Erhöhung der Beteiligung ist in Abschnitt 2 dargestellt. In Abschnitt 3.1 wird ein theoretisches Modell vorgestellt, mit dessen Hil-fe der Effekt von Issue Linkage näher untersucht wird. Nach der Ein-ordnung des Modells innerhalb der Koalitionstheorie (Abschnitt 3.2) wird das Modell rekursiv gelöst (Abschnitt 3.3). In Abschnitt 4 werden die Auswirkungen von Issue Linkage auf die globale Wohlfahrt bei-spielhaft für drei Kombinationen von Parameterwerten dargestellt. Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse werden in Abschnitt 5 zunächst die Externalitäten des Umweltabkommens und des R&D-Abkommens un-tersucht und dann ihr Einfluss auf die Entwicklung der globalen Wohl-fahrt für die drei Beispiele dargestellt. Abschnitt 6 unterzieht das hier verwendete Modell einer kritischen Betrachtung und Abschnitt 7 gibt einige Anregungen für weiterführende Untersuchungen.

2. Die Grundidee von Issue Linkage

Mit Issue Linkage, das man im Deutschen etwa mit „Problemver-knüpfung“ übersetzen könnte, ist der Versuch gemeint, die Verhand-lungen über den Abschluss von Abkommen unterschiedlicher Problem-bereiche[13] miteinander zu verbinden und so eine möglichst große Betei-ligung an einem kombinierten Abkommen zu erreichen. Im Falle eines internationalen Umweltabkommens soll die Verknüpfung dieses The-mengebietes mit Verhandlungen beispielsweise über Fragen des inter-nationalen Handels, internationale Forschungs- und Entwicklungszu-sammenarbeit (R&D-Zusammenarbeit[14]) oder Fragen der Abrüstung und Verteidigung[15] zur Überwindung des Profitabilitäts- und des Stabi-litätsproblems des internationalen Umweltabkommens beitragen. Das Profitabilitätsproblem kann in einer Modellwelt, in der Asymmetrien zwischen den Staaten modelliert sind, dadurch überwunden werden, dass die Gewinne aus der Zusammenarbeit auf dem Gebiet 1 der einen Gruppe der Länder, hervorgerufen durch die Asymmetrien zwischen den heterogenen Ländern, ausgeglichen werden durch die Gewinne auf dem Gebiet 2 der anderen Ländergruppe, wenn die Verteilung der Ge-winne der beiden Gebiete mehr oder weniger entgegengesetzt ist[16]. Auf diese Weise kann ein für alle Ländergruppen profitables, kombiniertes Abkommen gestaltet werden. Damit eine Kooperation zwischen Staaten zu Stande kommt, muss sie aber nicht nur profitabel, sondern auch sta-bil sein, d. h. es darf für keinen Staat ein Freifahreranreiz bestehen. Wie in Abschnitt 1 bereits dargestellt, liegt der Grund für die Instabilität ei-nes reinen Umweltabkommens in der Tatsache, dass die Vorteile inter-nationaler Umweltzusammenarbeit nicht eingrenzbar sind, wodurch ein entsprechender Freifahrer-Anreiz entsteht. Es handelt sich also um ein Abkommen über ein öffentliches Gut. Bei anderen Abkommen sind die Vorteile der Kooperation auf die beteiligten Staaten eingrenzbar. Diese so genannten Club-Gut-Abkommen weisen eine entsprechend höhere Beteiligung auf. Ein Beispiel für ein Club-Gut-Abkommen ist ein Ab-kommen über internationale R&D-Zusammenarbeit. In einem solchen Abkommen teilen sich die Firmen in den Mitgliedstaaten die Kosten von R&D, so dass ihre Grenz- und Durchschnittskosten niedriger sind als die der Firmen in Nicht-Mitgliedstaaten. Wichtig dabei ist, dass es gelingt, einen Spillover auf die Firmen in den Nicht-Mitgliedstaaten weitgehend zu verhindern. Durch diesen Wettbewerbsvorteil gegenüber Außenseitern wird die Exklusivität des Abkommens begründet[17]. Die Vermutung liegt nun nahe, dass durch die Verbindung eines Abkom-mens über ein öffentliches Gut (z. B. ein internationales Umweltabkom-men) mit einem Club-Gut-Abkommen (z. B. ein R&D-Abkommen) die Stabilität des Abkommens über das öffentliche Gut erhöht werden kann[18]. Die Auswirkungen von Issue Linkage auf die LPS-Koalition sollen im Folgenden für den einfachen Fall symmetrischer Länder näher untersucht werden. Grundlage der Untersuchung ist das folgende Oligo-polmodell von Carlo Carraro und Domenico Siniscalco aus dem Jahr 1997, in dem Umweltzusammenarbeit und technologische Zusammen-arbeit im Bereich Forschung und Entwicklung miteinander verbunden werden. [12]

3. Das Modell von Carraro und Siniscalco (1997)

3.1 Die Modellannahmen

Dieses Modell betrachtet Interaktionen zwischen der Regierung eines Landes und den in diesem Land ansässigen Firmen, sowie zwischen den Regierungen n symmetrischer Länder[19]. Regierungen und Firmen kön-nen als Spieler aufgefasst werden, die in Anlehnung an die Spieltheorie jeweils ihre Payoffs zu maximieren suchen, d. h. die Firmen maximie-ren ihren Gewinn, die Regierungen maximieren die Wohlfahrt ihres ei-genen Landes[20]. Die Instrumentvariablen einer Firma zur Gewinnmaxi-mierung sind der Umfang der eigenen R&D-Bemühungen und die Höhe der eigenen Produktion, die Instrumentvariablen einer Regierung zur Wohlfahrtsmaximierung sind die Festlegung einer Emissionsreduktion, die die dort ansässigen Firmen erfüllen müssen, und die Entscheidung über die Beteiligung an einem internationalen, verbundenen Umwelt- und R&D-Abkommen, welches den ansässigen Firmen die Beteiligung an internationaler R&D-Zusammenarbeit überhaupt nur ermöglicht. In jedem Land ist nur eine Firma ansässig, die ihren Firmensitz nicht in das Ausland verlegen kann. Jede Firma i produziert nur ein homogenes Gut mit der Menge yi und dabei grenzüberschreitende Umweltver-schmutzung. Alle Firmen beliefern einen einheitlichen globalen Markt, wobei Transportkosten vernachlässigt werden, zu einem einheitlichen Preis p, welcher durch die hier als linear angenommene Umkehrfunk-tion der Nachfragefunktion angegeben wird:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Produktionskosten Ci einer Firma i in einem Signatarstaat, ohne Be-rücksichtigung ihrer Ausgaben für R&D, sollen ebenfalls linear von der eigenen Produktion yi, dem Umfang der eigenen R&D-Bemühungen xi und zum Teil auch vom Umfang der R&D-Bemühungen der Konkur-renten x-i = (x1, x2, ...xi-1, xi+1, ...xn) abhängen, denn es soll angenommen werden, dass sowohl die eigenen R&D-Bemühungen als auch im Falle der Beteiligung der Firma i an R&D-Zusammenarbeit ein einheitlicher Teil b (0 < b < 1) der Ergebnisse der R&D-Bemühungen der Koopera-tionspartner ohne Zahlung bei der Firma i kostensenkend wirken. Die-ser Spillover soll im Folgenden als Kosten-Spillover bezeichnet wer-den. Befindet sich die Firma i dagegen in einem Nicht-Signatarstaat, ist in diesem Modell ein Spillover auf diese Firma vollständig ausgeschlos-sen:

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wobei S die Menge der Signatarstaaten, S0 die Menge der Nicht-Sig-natarstaaten und c die Stückkosten der Produktion ohne die R&D-Aus-gaben und die Kostensenkung durch die Ergebnisse der R&D-Aktivitä-ten sind. Da man von abnehmenden Grenzerträgen der R&D-Ausgaben ausgehen kann, werden die Kosten von R&D als quadratisch angenom-men; dies gilt ebenso für die Kosten der durch die Regierung auferleg-ten Emissionsreduktion. Hieraus folgt die Payoff-Funktion einer Firma i

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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für den Fall, dass die Firma i in einem Nicht-Signatarstaat ansässig ist. Die Wohlfahrt eines Landes i, in dem die Firma i ihren Sitz hat[22], setzt sich zusammen aus dem Gewinn der in diesem Land ansässigen Firma und der Konsumentenrente der Einwohner, abzüglich des Umweltscha-dens, den das Land erleidet. Aus der Umkehrfunktion der Nachfrage-funktion lässt sich die Konsumentenrente ableiten. Man erhält aus Glei-chung (1)[23]:

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Der Umweltschaden im Land i Di ist von den Emissionen aller Länder, multipliziert mit dem Grenzschaden m[24], abhängig:

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Die Emissionen werden als proportional zur Höhe des Outputs ange-nommen und müssen um die von der jeweiligen Regierung auferlegte Emissionsreduktion verringert werden:

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wobei vi die durchschnittliche Emissionsmenge je Outputeinheit angibt. Durch R&D kann dieses Verhältnis reduziert werden, da verbesserte Produktionstechnologie in der Realität oft geringere Schadstoffbelas-tung je Outputeinheit bedeuten. Zu beachten ist, dass das Verhältnis je-doch für Signatar- und Nicht-Signatarstaaten unterschiedlich ist, denn Firmen in Signatarstaaten profitieren auch von den R&D-Aktivitäten ihrer Partner:

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mit a ³ 0 und 1 ³ g ³ 0, wobei a den Wirkungsgrad der R&D-Aktivi-täten auf das Emissions-Output-Verhältnis angibt und der Spillover g anzeigt, dass ein einheitlicher Teil der R&D-Ergebnisse der Partnerfir-men einer Firma in einem Signatarstaat sich senkend auf das dessen Emissions-Output-Verhältnis auswirkt. Dieser Spillover zwischen den Firmen in Signatarstaaten soll im Folgenden als Innovations-Spillover bezeichnet werden. Das bedeutet natürlich auch, dass bei der Übertra-gung des R&D-Wissens der Partner von Land i ein mehr oder weniger großer Transformationsverlust entstehen kann. Gleichung (6) in Gleichung (5) eingesetzt ergibt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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3.2 Einordnung des Modells innerhalb der Koalitionstheorie

Die Bildung von Koalitionen zwischen autonom handelnden Parteien zur Steigerung der individuellen Payoffs ist grundlegender Bestandteil ökonomischer Aktivität. Ein Beispiel dafür sind Verhandlungen über den Abschluss internationaler Abkommen im Bereich des Umwelt-schutzes[25]. Die Koalitionstheorie, die sich an Hand von Modellen mit Fragestellungen der Koalitionsbildung auseinandersetzt, hat seit von Neumann und Morgenstern (1944) innerhalb der Spieltheorie eine zen-trale Bedeutung erlangt. Sie beschäftigt sich vor allem mit drei Frage-stellungen[26]: Welche Koalitionen werden gebildet? Wie wird der Koali-tonsgewinn unter den Mitgliedern einer Koalition verteilt? Wie beein-flusst Konkurrenz zwischen mehreren Koalitionen den Prozess? Das dargestellte Modell hat hinsichtlich seiner Einordnung innerhalb der Koalitionstheorie vier entscheidende Merkmale. Erstens lassen sich Spiele nach der Anzahl der zulässigen Koalitionen unterscheiden[27]. Sind in einem Modell mehrere Koalitionen zulässig, erhält man im Gleichgewicht in der Regel mehrere Koalitionen[28]. Dabei sind die Koa-litionen in der Regel nicht größer als im Einzelkoalitionsspiel, sondern einige Einzelspieler bilden eine eigene zusätzliche Koalition. Dies führt im Fall internationaler Umweltabkommen meist zu größerer globaler und individueller Wohlfahrt der Staaten[29]. Im vorliegenden Modell müssen die Regierungen der Länder sich entscheiden, entweder dem kombinierten Umwelt- und R&D-Abkommen beizutreten oder Einzel-spieler zu sein, d. h. es ist nur eine Koalition zulässig. Die Frage nach der Beeinflussung des Prozesses durch die Konkurrenz zwischen meh-reren nicht-trivialen Koalitionen stellt sich hier also nicht. Zweitens kann man nach dem Fokus der Analyse unterscheiden, der sich entwe-der auf den Prozess der Koalitionsbildung oder auf die Frage nach der Verteilung des Koalitionsgewinns unter den Mitgliedern einer Koalition beziehen kann. Im ersten Fall wird der Prozess der Koalitionsbildung mit Hilfe einer Valuationsfunktion analysiert, wobei jedem Spieler für jede mögliche Koalitionsstruktur ein individueller Payoff zugeordnet wird, allerdings unter der Annahme, dass innerhalb jeder Koalition die Spieler den aggregierten Payoff der Länder, die zu ihrer Koalition ge-hören, maximieren. Die Koalitionsstruktur im Gleichgewicht basiert also auf individuellen Payoffs. Dieser Ansatz wird daher als nicht-ko-operative Spieltheorie bezeichnet. Im zweiten Fall wird die Charak-teristische Funktion zur Analyse verwendet, wobei jeder Koalition als Einheit ein Wert aus der Maximierung des aggregierten Payoffs dieser Koalition zugeordnet wird, und zwar unabhängig vom Verhalten der Außenseiter. Der Wert der Charakteristischen Funktion gibt also den aggregierten Payoff einer Koalition an. Daher wird dieser Ansatz als kooperative Spieltheorie bezeichnet[30]. Gemäß den Modellannahmen in Abschnitt 3.1 maximieren die Staaten jeweils ihre individuellen Pay-offs, deren Werte sich aus Gleichung (9) ergeben. Verändert sich die Koalitionsstruktur, dann verändern sich auch die Werte der individu-ellen Payoffs der Staaten, d. h. jedem Staat wird für jede mögliche Koalitionsstruktur ein individueller Payoff zugeordnet. Im Mittelpunkt des Interesses steht hier der Prozess der Koalitionsbildung. Das Modell ist also der nicht-kooperativen Spieltheorie zuzuordnen, innerhalb derer vor allem ein Gleichgewichtskonzept angewendet wird[31], das als Kon-zept der internen und externen Stabilität bezeichnet wird[32]: Es stellt sich ein Gleichgewicht ein, in dem kein Spieler, der an einer Koalition betei-ligt ist, durch Verlassen der Koalition seine Payoffs steigern kann (in-terne Stabilität) und kein Spieler, der nicht an einer Koalition beteiligt ist, durch Beitritt seine Payoffs steigern kann (externe Stabilität). Bezeichne j die Anzahl der Koalitionäre (und damit n – j die Anzahl der Außenseiter), dann ist j* die Anzahl der Koalitionäre im Gleichgewicht, für die gilt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

wobei P der Payoff eines repräsentativen Koalitionärs und Q der Payoff eines repräsentativen Außenseiters sind[33]. Drittens kann man simultane Spiele und sequentielle Spiele unterscheiden. In simultanen Spielen ver-künden alle Spieler zur gleichen Zeit ihre Entscheidung, eine Koalition bilden zu wollen oder nicht, während in sequentiellen Spielen die Spie-ler ihre Entscheidungen nacheinander verkünden und daher voraus-schauende Spieler bei ihren Entscheidungen die letzte Konsequenz ihres Handelns berücksichtigen[34]. Das hier betrachtete einfache Modell hat folgende vorgegebene Entscheidungsfolge: Zunächst entscheiden die Regierungen der Staaten simultan über einen Beitritt zu dem kombinier-ten Umwelt- und R&D-Abkommen. Danach legen sie den für sie wohl-fahrtsoptimalen Emissionsstandard fest und zuletzt entscheiden die Fir-men ebenfalls simultan über die Höhe ihrer R&D-Ausgaben und ihrer Produktion[35]. Das Modell ist daher den simultanen Spielen zuzuordnen. Viertens lassen sich simultane Spiele in offene und exklusive Mitglied-schaftsspiele einteilen. In offenen Mitgliedschaftsspielen kann jeder Spieler frei darüber entscheiden, ob er einer Koalition angehören möch-te oder eine Koalition verlassen will, während in exklusiven Mitglied-schaftsspielen diejenigen, die bereits Mitglied einer Koalition sind, darüber entscheiden können, ob sie einen beitrittswilligen Kandidaten aufnehmen oder nicht. Das vorliegende Modell ist das einfachste Bei-spiel eines offenen Mitgliedschaftsspiel, das in der Literatur u. a. als Kartellbildungsspiel bezeichnet wird und auf d‘Aspremont et al. (1983) zurückgeht[36]: Alle Spieler verkünden simultan ihre Wahl aus einer Menge {Ja, Nein} und alle Spieler, die sich für „Ja“ entschieden haben, bilden die Koalition. Zusammenfassend handelt es sich also um ein simultanes Einzelkoalitionsspiel der nicht-kooperativen Spieltheorie mit offener Mitgliedschaft.

3.3 Die Entscheidungsfolge des Modells

3.3.1. Die Höhe der Produktion und der R&D-Ausgaben

Die Entscheidungsfolge des Modells, die in Abschnitt 3.2 skizziert wor-den ist, wird im Folgenden rekursiv betrachtet. In der letzten Phase ent-scheiden die Firmen simultan über die Höhe ihrer R&D-Bemühungen und ihrer Produktion. Dabei maximiert jede Firma in einem Signatar-staat ihre durch Gleichung (3a) und jede Firma in einem Nicht-Signatar-staat ihre durch Gleichung (3b) gegebene Payoff-Funktion durch Set-zen ihrer Instrumentvariablen xi und yi. Die in dem jeweiligen Land durch dessen Regierung auferlegte Emissionsreduktion qi ist für diese Firma exogen. Damit die Funktion nach der Produktion und den R&D-Anstrengungen der Firma i differenziert werden kann, ist bei einem Sig-natarstaat zunächst eine Unterscheidung nach der Produktion der Firma i yi, der Produktion einer Firma in jedem anderen Signatarstaat yh und der Produktion einer Firma in einem Nicht-Signatarstaat yk sowie eine Unterscheidung der R&D-Anstrengungen der Firma i xi und der R&D-Anstrengungen einer Firma in jedem anderen Signatarstaat xh notwen-dig. Im Falle eines Nicht-Signatarstaates muss unterschieden werden zwischen der Produktion einer Firma in einem Signatarstaat yi, der Pro-duktion der Firma k in einem Nicht-Signatarstaat yk und der Produktion einer Firma in jedem anderen Nicht-Signatarstaat yh. Für die Payoffs einer Firma in einem Nicht-Signatarstaat sind nur die R&D-Anstren-gungen xk dieser Firma von Bedeutung. Im Folgenden sei qi die auf-erlegte Emissionsreduktion in jedem der j Signatarstaaten und qk die Emissionsreduktion in jedem der n-j Nicht-Signatarstaaten. Man erhält somit die Payoff-Funktionen

[...]


[1] Zur Problematik der ökonomischen Bewertbarkeit von Umweltschäden siehe z. B. Endres/Holm-Müller (1998).

[2] Der Vorteil einer umweltbelastenden Aktivität ist der volkswirtschaftliche Wohlfahrtsgewinn aus der Produktion eines Gutes, das unter Einsatz der Ressource Umwelt hergestellt wird.

[3] Zur Internalisierung internationaler externer Effekte siehe z. B. die Darstellung in Endres (2000), S. 208 ff

[4] Näheres zum Begriff der Koalition in der Ökonomie siehe z. B. in Carraro (2003), S. 1.

[5] Eine Auswahl weiterer, wichtiger IEA‘s findet sich bei Finus (2003), S. 153-155.

[6] Vgl. Botteon/Carraro (1998), S. 181

[7] Weitere Probleme der Kooperation siehe Finus (2003), S. 83-86.

[8] Im Folgenden liegt der Fokus der Analyse auf dem Prozess der Koalitionsbildung, d. h. Fragen der Einhaltung vereinbarter Ziele werden hier bewusst ausgeblendet.

[9] Zur formalen Definition des Begriffs der Stabilität siehe Abschnitt 3.2.

[10] LPS = „largest profitable and stable“.

[11] Vgl. Carraro (1997a), S. 6

[12] Vgl. Carraro (1997b), S. 5

[13] In der Regel sind es zwei Problembereiche, grundsätzlich ist aber auch die Verbindung mehrerer Bereiche denkbar.

[14] R&D = Research and Development

[15] Vgl. Finus (2002), S. 50

[16] Vgl. Finus (2002), S. 51

[17] Vgl. Finus (2003), S. 118.

[18] Vgl. Carraro (1997a), S.10.

[19] Vgl. Carraro/Siniscalco (1997), S. 72.

[20] Näheres zur gesamtwirtschaftlichen Wohlfahrtsoptimierung siehe z. B. bei Sohmen (1992), S. 15-29.

[21] Aus Y < a/b folgt p ³ 0.

[22] Da in jedem Land nur genau eine Firma i ansässig ist, kann der Index i auch zur Bezeichnung des Landes benutzt werden, in dem diese Firma ihren Sitz hat.

[23] Im Englischen wird die Konsumentenrente als consumer surplus (= CS) bezeichnet.

[24] Wegen der Symmetrieannahme sind die Variablen c, g, c und m für alle Länder einheitlich.

[25] Vgl. Yi (2003), S. 80-81.

[26] Vgl. Bloch (2003), S. 35.

[27] Der Begriff „Koalition“ bezeichnet hier alle nicht-trivialen Koalitionen, also alle Koalitionen mit mehr als einem Beteiligten.

[28] Siehe z. B. das offene Mitgliedschaftsspiel in Yi/Shin (1995).

[29] Vgl. Finus (2003), S. 121.

[30] Vgl. Finus (2003), S. 97 f.

[31] Vgl. Finus (2003), S. 98.

[32] Vgl. Carraro/Siniscalco (1993), S. 314.

[33] Wegen der Symmetrieannahme in diesem Modell sind ein Koalitionär und ein Außenseiter jeweils repräsentativ.

[34] Vgl. Bloch (2003), S. 49.

[35] Vgl. Carraro/Siniscalco (1997), S. 76.

[36] Vgl. Bloch (2003), S. 44.

Ende der Leseprobe aus 52 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss von Externalitäten auf den Erfolg von Issue Linkage bei der Bildung internationaler Umweltabkommen
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
52
Katalognummer
V59416
ISBN (eBook)
9783638533645
ISBN (Buch)
9783638694285
Dateigröße
871 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Einfluss, Externalitäten, Erfolg, Issue, Linkage, Bildung, Umweltabkommen
Arbeit zitieren
Diplom Kaufmann Thomas Kruse (Autor), 2006, Der Einfluss von Externalitäten auf den Erfolg von Issue Linkage bei der Bildung internationaler Umweltabkommen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59416

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