Unterrichtseinheit: Der Panther von Rilke als Hörspielfassung


Unterrichtsentwurf, 2004
14 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhalt

1. Sachanalyse

2. Didaktik
2.1. allgemeindidaktische Argumentation
2.2. fachdidaktische Argumentation
2.3. Zusammenfassende Auflistung der Lernziele

3. Methodik

4. Verlaufsplanung

5. Literatur

1. Sachanalyse

In meinen Unterricht befasse ich mit zwei zentralen Themen, zum einem mit den Gedicht „Der Panther, im Jardin des Plantes, Paris“ von Rainer Maria Rilke und zum anderen mit dem neuen Hörspiel. In meiner Unterrichtstunde steht nicht die Gedichtinterpretation im Vordergrund, vielmehr die Planung einer Hörspielfassung des Gedichtes, welche sich thematisch mit der im Gedicht erzeugten Stimmung auseinandersetzt.

Im Folgenden werde ich eine kurze Interpretation des Gedichtes anführen, und später eine Definition des „neuen Hörspiels“ nach Haas näher erläutern, sowie einen kurzen Überblick über verschiedene technische Möglichkeiten zur Hörspielproduktion geben.

Das Gedicht „Der Panther“ wurde 1902 von Rainer Maria Rilke im Kanon seiner „Neuen Gedichte“ verfasst. Das Gedicht trägt den Untertitel „im Jardin“. Dies bezieht sich auf den Pariser Tiergarten, den Rilke zu seinem Gedicht inspirierte. Er versucht in diesem Gedicht die Gefangenschaft und die damit verbundene Enge zu verdeutlichen.

Das Gedicht ist in drei Strophen mit jeweils vier Versen unterteilt. Während des Gedichtes wechseln die Perspektiven vom Äußeren zum Inneren. In den ersten beiden Versen der ersten und dritten Strophe wird die Situation des lyrischen Ichs aus der äußeren Perspektive und in den beiden letzten Versen die Innere beschrieben. In der zweiten Strophe jedoch ist ausschließlich die äußere Perspektive geschildert.

Die Kreuzreime in allen drei Strophen, die aus klingenden und stumpfen Kadenzen bestehen, als auch der durchgängige Jambus erzeugen eine gleichmäßige weiterdrängende Bewegung beim Lesen und unterstützen so den fließenden Rhythmus. Trotz der Zeilensprünge im ersten und zweiten sowie im neunten und zehnten Vers wird der fließende Rhythmus nicht unterbrochen.

In dem Gedicht wird ein Augenblick aus dem Leben eines in Gefangenschaft lebenden Panthers geschildert, der sich isoliert und abgeschnitten von der Welt vorkommt, „Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe uns hinter tausend Stäben keine Welt“[1]. In der zweiten Strophe wird deutlich wir sehr das lyrische Ich unter diesem Leben im „allerkleinsten Kreise“[2] leidet.

Es wird ebenfalls deutlich, dass eine große „Kraft“[3] in dem lyrischen Ich ruht, welches aber gefangen ist hinter den „Stäben“[4] seines Gefängnisses. Die ersten beiden Strophen beschreiben das Alltagsleben des Panthers, doch in der dritten Strophe passiert etwas was nur „manchmal“[5] vorkommt. Der Panther wird aus seiner Lethargie gerissen und der „Vorhang“[6] zur Welt öffnet sich und er nimmt ein „Bild“[7] der Welt wahr, das bis in sein Herz durchdringt.

Der Inhalt des Gedichtes wird durch einige rethorische Figuren untermauert. In der ersten Strophe steht das Bild seines Gefängnisses, dass durch „tausend Stäbe“[8] begrenzt ist im Vordergrund. Den Stäben wird eine aktive Fähigkeit das „Vorübergehen“[9] zugesprochen. Hierdurch erlangen die Stäbe eine machtvolle und personifizierte Bedeutung. Diese personifizierten Stäbe symbolisieren seine Gefangenschaft und lassen diese sogar unendlich durch den Zusatz „tausend Stäbe“[10] erscheinen. Zu Beginn der Strophe werden auch seinem Blick andere Fähigkeiten zugesprochen, er „hält“ nichts mehr. Diese Eigenschaften werden normalerweise den Händen zugeordnet. Durch diese veränderte Fähigkeit Zuordnung wird die Müdigkeit und Schwäche des Panthers unterstrichen. In dieser Strophe wird durch die häufige Wiederholung der Vokale „ä“ und „ü“ und dem Schlagreim „Stäbe gäbe“ die Monotonie und die Hoffnungslosigkeit des Lyrischen Ichs deutlich.

Die zweite Strophe jedoch spiegelt die einstige Eleganz, Kraft und Stärke des Panthers wieder. Dies wird durch die Beschreibungen seiner Bewegungen verdeutlicht. Er bewegt sich in seinem engen Gefängnis mit „geschmeidig starker Schritte“[11]. Diese Kraft von einst ist immer noch „betäubt“ in seinen in seinem Inneren vorhanden. Doch diese Kraft ist „ betäubt“ durch seine Hoffnungslosigkeit, die durch die „tausend Stäbe“ in ihm existiert. Er hat seinen „Willen“ in sich begraben und „betäubt“.

In der dritten und letzten Strophe passiert etwas ungewöhnlich in der Monotonie seiner Existenz. Diese Seltenheit wird nicht nur die Inversion, die zu Anfang der Strophe steht deutlich, sondern auch durch ein abruptes Satzende mitten im Vers. Dies lässt den Leser stutzen und zwingt ihn dazu innezuhalten. Das Ereignis wird durch das „lautlose Öffnen“[12] der Pupillen eingeläutet. Das Adjektiv „lautlos“ symbolisiert die Zaghaftigkeit und die Müdigkeit, mit der das Lyrische Ich die Augen öffnet.

Dadurch wird verdeutlicht, wie selten der Panther die Augen öffnet, um an der Welt teilzunehmen. Geschieht dies doch, so „geht ein Bild hinein“ und „hört im Herzen auf zu sein“. Das „Bild“ wird, wie schon in der ersten Strophe die „Stäbe“, personifiziert. Dem Bild wird das Verb „geht“ zugeordnet. Dadurch findet eine Verschmelzung der inneren und der äußeren Welt statt.

Das Bild ist jedoch kein willkommener Gast in der isolierten Welt des Panthers, es muss sich erst bis zu seinem Herzen „kämpfen“ Selbst ein kleines Bild der Freiheit ist für den Panther unerträglich. Hier wird noch einmal die Hoffnungslosigkeit deutlich gemacht.

Der Panther hat sein Hoffnung auf Freiheit längst aufgeben und sich mit seinem Schicksal abgefunden. Sein Wille ist so betäubt, dass er nicht einmal mehr den Wunsch nach Freiheit verspürt. Er ergibt sich voll und ganz seinem Schicksal und ist dadurch nicht mehr in der Lage auf eine Verbesserung seiner Situation zu hoffen.

Da der zweite große Aspekt meines Unterrichts das „neue Hörspiel“ darstellt, werde ich im Folgenden den Begriff näher erörtern. Hierbei werde ich mich an den Ausführungen von Gerhard Haas orientieren. Haas bezieht sich in seinem Aufsatz auf Klaus Schönings „Neues Hörspiel, Essays, Analysen, Gespräche“, der versucht die differenten Aspekte in der Diskussion um das neue Hörspiel zusammenzufassen. Schöning stellte fest, „das Neue Hörspiel ist in seiner Tendenz anti-irrational, sprachkritisch und spielerisch“. Im Folgenden werde ich diese Definition von Schöning nach Gerhard Haas näher erläutern.

Das Anti-irrationalistische des Neuen Hörspiels begründet sich durch seinen „kombinatorischen und collagenhaften“ Charakter. Hierbei steht nicht die Sprache, sondern die „Raumstereophonie mit ihrem verfremdeten Charakter“ im Vordergrund. Hierbei wird der Inhalt nicht primär über Sprache transportiert, sondern zum größten Teil über die technische Mittel.

[...]


[1] http://rainer-maria-rilke.de/080027panther.html, Rilke, Reiner Marie, der Panther, V 3-4

[2] http://rainer-maria-rilke.de/080027panther.html, Rilke, Reiner Marie, der Panther, V 5

[3] http://rainer-maria-rilke.de/080027panther.html Rilke, Reiner Marie, der Panther, V 7

[4] http://rainer-maria-rilke.de/080027panther.html Rilke, Reiner Marie, der Panther, V 3

[5] http://rainer-maria-rilke.de/080027panther.html Rilke, Reiner Marie, der Panther, V 9

[6] http://rainer-maria-rilke.de/080027panther.html Rilke, Reiner Marie, der Panther, V 9

[7] http://rainer-maria-rilke.de/080027panther.html Rilke, Reiner Marie, der Panther, V 10

[8] http://rainer-maria-rilke.de/080027panther.html Rilke, Reiner Marie, der Panther, V 3

[9] http://rainer-maria-rilke.de/080027panther.html Rilke, Reiner Marie, der Panther, V 1

[10] http://rainer-maria-rilke.de/080027panther.html Rilke, Reiner Marie, der Panther, V 4

[11] http://rainer-maria-rilke.de/080027panther.html Rilke, Reiner Marie, der Panther, V 5

[12] http://rainer-maria-rilke.de/080027panther.html Rilke, Reiner Marie, der Panther, V 10

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Unterrichtseinheit: Der Panther von Rilke als Hörspielfassung
Hochschule
Pädagogische Hochschule Heidelberg  (Deutschwissenschaften)
Veranstaltung
Hörspiele im Deutschunterricht
Note
1,5
Autor
Jahr
2004
Seiten
14
Katalognummer
V59426
ISBN (eBook)
9783638533720
ISBN (Buch)
9783656696797
Dateigröße
406 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unterrichtseinheit, Panther, Rilke, Hörspielfassung, Hörspiele, Deutschunterricht
Arbeit zitieren
Julia Sonnenwald (Autor), 2004, Unterrichtseinheit: Der Panther von Rilke als Hörspielfassung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59426

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