Die USA sind die Nation mit der höchsten Inhaftierungsrate der Welt. Zwar ist dieser Wert seit dem Höchststand 2008 wieder etwas gesunken, im Vergleich mit Norwegen, die 2018 lediglich 65 Inhaftierte pro 100.000 Einwohner aufwiesen, ist die US-Quote allerdings mehr als zehnfach so hoch und entsprechend alarmierend. Zwischen 1925 und 1972 schwankte die Inhaftierungsrate der USA im Bereich von 110 Inhaftierten pro 100.000 Einwohnern. Zwar war die norwegische Inhaftierungsrate auch damals bereits wesentlich niedriger und lag 1975 bei 48 Inhaftierten pro 100.000 Einwohnern – während die US-Rate in den folgenden Jahrzehnten bis zum heutigen Tage allerdings um rund 600 Prozent anstieg, stieg sie in Norwegen lediglich um rund 26 Prozent an. Der Anstieg in den USA ist entsprechend ungewöhnlich, da diese Explosion der Zahl der Gefängnisinsassen in Norwegen, aber auch anderen westlichen Nationen in diesem Maße nicht geschah.
Um die Hintergründe für diese Entwicklung zu untersuchen und zu verstehen, weshalb die Inhaftierungsrate in den USA dermaßen anstieg, in Norwegen selbiges aber nicht geschah, empfiehlt es sich, den Fokus insbesondere auf die Gründe für diese Entwicklung in den USA zu lenken: Den politischen und sozialen Kontext, in dem diese Entwicklung stattfand, den Umgang mit Straftaten im Zusammenhang mit Drogen, sowie das Strafmaß im Allgemeinen. Zeitlich gesehen entscheidend ist hierbei primär der Zeitraum, in dem der drastische Anstieg der US-Inhaftierungsrate geschah. Das schließt die Jahre vor dem Anstieg ein, in denen die ersten Ursachen liegen, und dauert auch bis zum heutigen Tage an. Der primäre Fokus liegt aber dennoch auf dem Zeitraum, in dem diese Entwicklung durch politische Entscheidungen angestoßen wurde und folglich ihren Lauf nahm.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Eingrenzung und Begriffsklärung
2. Inhaftierungsrate USA
2.1 Historischer und politischer Kontext
2.2 Drogenpolitik
3. Norwegen
3.1 Historischer und politischer Kontext
3.2 Drogenpolitik
4. Vergleich der Strafmaße anhand des Beispiels des versuchten Mordes
5. Vergleich
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Ursachen für den massiven Anstieg der Inhaftierungsrate in den USA seit 1972 im Vergleich zu Norwegen, wobei ein besonderer Fokus auf dem politischen und sozialen Kontext, der Drogenpolitik sowie der Strafzumessung liegt. Ziel ist es, die Gründe für die drastisch unterschiedliche Entwicklung der Gefängnispopulationen in beiden Nationen aufzudecken.
- Historischer und politischer Kontext der Inhaftierung
- Die Entwicklung und Auswirkungen der Drogenpolitik
- Vergleich der Strafmaße am Beispiel versuchten Mordes
- Einfluss von sozio-politischen Faktoren auf die Justiz
- Analyse von Inhaftierungsquoten in den USA und Norwegen
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Die USA sind die Nation mit der höchsten Inhaftierungsrate der Welt. Mit 2.121.600 Häftlingen, bzw. 655 Inhaftierten pro 100.000 Einwohnern, liegen sie vor Nationen wie El Salvador mit 590 Inhaftierten pro 100.000 Einwohnern oder Thailand mit 535 Inhaftierten pro 100.000 Einwohnern (Stand 2016, World Prison Brief). Zwar ist dieser Wert seit dem Höchststand 2008 wieder etwas gesunken, im Vergleich mit Norwegen, die 2018 lediglich 65 Inhaftierte pro 100.000 Einwohner aufwiesen (vgl. World Prison Brief 2020), ist die US Quote allerdings mehr als zehnfach so hoch und entsprechend alarmierend (vgl. Bureau of Justice Prisoner Series).
Zwischen 1925 und 1972 schwankte die Inhaftierungsrate der USA im Bereich von 110 Inhaftierten pro 100.000 Einwohnern (vgl. Travis et al. 2014: 34). Zwar war die norwegische Inhaftierungsrate auch damals bereits wesentlich niedriger und lag 1975 bei 48 Inhaftierten pro 100.000 Einwohnern (vgl. World Prison Brief 2020) während die US-Rate in den folgenden Jahrzehnten bis zum heutigen Tage allerdings um rund 600% anstieg, stieg sie in Norwegen lediglich um rund 26% an. Der Anstieg in den USA ist entsprechend ungewöhnlich, da diese Explosion der Zahl der Gefängnisinsassen in Norwegen, aber auch anderen westlichen Nationen in diesem Maße nicht geschah (vgl. Bhuller et al. 2018: Figure A1).
The unprecedented rise in incarceration rates can be attributed to an increasingly punitive political climate surrounding criminal justice policy formed in a period of rising crime and rapid social change. This provided the context for a series of policy choicesacross all branches and levels of governmentthat significantly increased sentence lengths, required prison time for minor offenses, and intensified punishment for drug crimes. (Travis et al. 2014: 4)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die drastische Diskrepanz der Inhaftierungsraten zwischen den USA und Norwegen und definiert den Fokus auf den politischen sowie sozialen Kontext als Ursache dieser Entwicklung.
2. Inhaftierungsrate USA: Dieses Kapitel analysiert den historischen Kontext, die Politisierung der Justiz sowie die Auswirkungen der amerikanischen Drogenpolitik auf die steigenden Häftlingszahlen.
3. Norwegen: Hier wird der Reformprozess des norwegischen Gefängnissystems hin zu Resozialisierung und Prävention beschrieben, sowie die ambivalenten Entwicklungen in der dortigen Drogenpolitik dargelegt.
4. Vergleich der Strafmaße anhand des Beispiels des versuchten Mordes: Ein direkter Vergleich von Fallbeispielen zeigt die drastischen Unterschiede in der Strafzumessung bei vergleichbaren Delikten zwischen den USA und Norwegen auf.
5. Vergleich: Dieser Abschnitt synthetisiert die Ergebnisse und führt die unterschiedlichen Entwicklungen auf das jeweilige soziale und politische Klima zurück.
6. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und bestätigt, dass das politische Klima und die unterschiedliche Justizphilosophie die Hauptgründe für die divergierenden Inhaftierungsraten sind.
Schlüsselwörter
Inhaftierungsrate, USA, Norwegen, Drogenpolitik, Strafmaß, Kriminaljustiz, Masseninhaftierung, Politik, Soziales Klima, Resozialisierung, Strafverfolgung, Gefängnissystem, Versuchter Mord, Justizreform, Kriminalität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit vergleicht die massiv auseinanderlaufenden Inhaftierungsraten in den USA und Norwegen seit 1972 und sucht nach den politischen und sozialen Hintergründen für diese Entwicklung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der historische und politische Kontext des Justizsystems, die Auswirkung der Drogenpolitik auf Inhaftierungsraten sowie Unterschiede in der Strafzumessung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu erklären, warum die Inhaftierungsrate in den USA um 600 % anstieg, während sie in Norwegen im selben Zeitraum nur um 26 % zunahm.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Analyse politischer Systeme, die Literaturrecherche, historische Daten und konkrete Gerichtsurteile heranzieht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die US-amerikanische und norwegische Justizpolitik, inklusive Fallbeispielen für versuchten Mord und der Entwicklung der jeweiligen Drogenpolitik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Masseninhaftierung, Drogenpolitik, Justizsystem, Resozialisierung, Strafmaß und politischer Kontext.
Wie unterscheidet sich die Drogenpolitik der beiden Länder?
Beide Länder verschärften ihre Drogenpolitik zu ähnlichen Zeiten, doch Norwegen setzte parallel dazu stärker auf Prävention, Schadensminderung und den Erhalt von Sozialstrukturen.
Welche Rolle spielt der "War on Drugs" in dieser Analyse?
Der "War on Drugs" wird als wesentlicher Treiber für die hohen Inhaftierungsraten identifiziert, da er zu härteren Gesetzen und längeren Haftstrafen für Drogendelikte führte.
- Arbeit zitieren
- Lukas Bay (Autor:in), 2020, Die Inhaftierungsrate in den USA und Norwegen. Ein Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/594338