„Befragung der Realität - Bilderwelten heute“, unter diesem Motto stand die fünfteDocumentaim Jahre 1972 und war gleichzeitig der erste große Auftritt der Fotorealisten. Mitte der 60er Jahre entbrannte mit der zunehmenden Medialisierung eine Diskussion um Realität und Wirklichkeit. Somit wurde auch der Bildbegriff auf den Prüfstand gestellt und auf der Documenta V sah man die Fotorealisten im Kontrast zur sog. Nicht-Kunst wie dem Kitsch, der Werbung, politischer Propaganda und Science-Fiction. Dem offensichtlich Unwirklichen wurde die Realität des Fotorealismus gegenübergestellt. In dieser Abhandlung soll nun geklärt werden, in wie fern der Fotorealismus zur Diskussion um die Realität beigetragen hat, welche Ziele er verfolgte und ob diese erreicht wurden. Dazu werden im 2. Kapitel zunächst wichtige Begriffe erläutert und der geschichtliche Kontext dargestellt. Dies soll später als Werkzeug dienen, um Zusammenhänge besser zu verstehen. Anschließend werden die gemeinsame Grundidee und die Zielsetzungen des Fotorealismus formuliert. Kapitel 4 stellt beispielhaft sechs Künstler und deren Arbeitsweise vor. Dabei habe ich auf eine ausführliche Biographie verzichtet, um mich mehr auf die künstlerischen Inhalte und technischen Besonderheiten zu konzentrieren. Beim Vergleich der Künstler ergeben sich Probleme, welche die Einhaltung bzw. Erfüllung der gemeinsamen Idee betreffen. Formale Probleme werden im 5. Kapitel und inhaltliche Probleme werden im 6. Kapitel diskutiert. Zum Schluss lässt sich aber trotz des vermeintlichen Scheiterns ein gemeinsamer Nenner finden, der die Realitätsdiskussion dieser Jahre und die Documenta V bereichert hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffserklärungen und Geschichte
2.1. Realität
2.2. Realismus allgemein
2.3. Realismus in der Kunstgeschichte
2.3.1 Kennzeichen
2.3.2 Geschichte
2.4. Fotorealismus
3. Die Idee des Fotorealismus
4. Künstlerbeispiele
4.1. Ralf Goings
4.2. Richard McLean
4.3. Cuck Close
4.4. Richard Estes
4.5. Franz Gertsch
4.6. Malcolm Morley
5. Problem Objektivität
6. Problem Realität
7. Schluss
8. Abbildungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung, die Grundidee und die künstlerische Umsetzung des Fotorealismus mit dem Ziel zu klären, inwiefern diese Strömung zur zeitgenössischen Realitätsdiskussion beigetragen hat und ob die angestrebten Ziele objektiver Abbildung erreicht wurden.
- Begriffliche Abgrenzung des Realismus und Fotorealismus
- Historischer Kontext der Kunstströmungen seit dem 19. Jahrhundert
- Analyse der Arbeitsweisen von sechs ausgewählten Künstlern
- Diskussion der Problemfelder Objektivität und Realität
- Untersuchung der gesellschaftlichen Rolle des Fotorealismus
Auszug aus dem Buch
3. Die Idee des Fotorealismus
Um 1960 ist die Kamera noch immer kein allgemein anerkanntes künstlerisches Medium, sondern ihr dokumentarischer Charakter steht nach wie vor im Vordergrund. Diesen Aspekt, machen sich die Fotorealisten mit dem Ziel zu nutze, völlig objektive, nicht interpretierte, wertfreie und unpolitische Bilder zu malen. Wie auch die Presse Fotos benutzt, um angeblich wertfrei Bericht zu erstatten und zu dokumentieren. Es soll keine Wirklichkeit mehr konstruiert werden wie im bisherigen Realismus, keine Ikonen sollen angepriesen werden, wie in der Pop-Art, es soll nur noch abgebildet werden um die einzig wahre Realität aufzuzeigen. Die eigentliche Idee ist quasi ein „Fotonaturalismus“, mit deren Hilfe man die Realität befragen will.
Doch wieso malen Fotorealisten nicht nach der Natur, sondern verlassen sich auf die sekundäre Wirklichkeit der Fotografie? Die Fotorealisten nehmen diesen Umweg in kauf, da das malen nach der Natur deren gewünschte Objektivität nicht erlaubt. Es werden praktische Vorteile wie der Verzicht auf die Skizze und die Komposition, die Statik des Models und der Zeit, sowie die ständige Verfügbarkeit genannt. Die Skizze entspricht nämlich schon wieder einer subjektiven Verarbeitung und damit Verfälschung der Realität, dazu gehört auch die Komposition. Mit der Kamera wählen die Fotorealisten einfach nur Ausschnitte aus, es entstehen spontane Schnappschüsse.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung kontextualisiert den Fotorealismus vor dem Hintergrund der Documenta V und skizziert das Ziel der Abhandlung, den Beitrag dieser Kunstrichtung zur Realitätsdebatte zu analysieren.
2. Begriffserklärungen und Geschichte: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Realität und Realismus und zeichnet die historische Entwicklung der realistischen Malerei von ihren Anfängen bis zum Aufkommen des Fotorealismus nach.
3. Die Idee des Fotorealismus: Es wird die Intention beleuchtet, mittels der Fotografie als Werkzeug eine objektiv-dokumentarische Kunstform zu etablieren, die über subjektive Interpretationen hinausgeht.
4. Künstlerbeispiele: Anhand von sechs exemplarischen Künstlern (Goings, McLean, Close, Estes, Gertsch, Morley) werden deren spezifische Arbeitsweisen und technische Ansätze im fotorealistischen Kontext vorgestellt.
5. Problem Objektivität: Das Kapitel kritisiert die Diskrepanz zwischen dem Anspruch auf Objektivität und der tatsächlichen, subjektiv beeinflussten künstlerischen Umsetzung.
6. Problem Realität: Hier wird die komplexe Frage erörtert, welche Ebenen der Wirklichkeit – vom Abbild über die Darstellung bis zur neuen Realität – in fotorealistischen Werken koexistieren.
7. Schluss: Das Fazit stellt fest, dass Fotorealismus trotz des vermeintlichen Scheiterns am Objektivitätsanspruch als ein wertvolles Experiment zur Befragung der Realität anzusehen ist.
Schlüsselwörter
Fotorealismus, Realität, Documenta V, Malerei, Fotografie, Objektivität, Fotonaturalismus, Bildbegriff, Künstlermethodik, Sozialer Ausdruck, Medienkritik, Amerikanischer Realismus, Wirklichkeitswiedergabe
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht den Fotorealismus als künstlerische Strömung, ihre Entstehung im Kontext der Documenta V und die damit verbundene philosophische Befragung von Realität.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Begriffsdefinition von Realismus, die historische Einordnung, die Analyse konkreter künstlerischer Arbeitsweisen sowie die kritische Reflexion über Objektivität und Wirklichkeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, welchen Beitrag der Fotorealismus zur zeitgenössischen Realitätsdiskussion geleistet hat und ob der Anspruch der Künstler auf eine völlig objektive Darstellung der Welt erfüllt werden konnte.
Welche methodische Vorgehensweise wählt der Autor?
Der Autor verbindet eine theoretische Begriffsanalyse mit einer exemplarischen Untersuchung von sechs Künstlern, deren Werkstattpraxis er vergleichend gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung, eine Vorstellung bedeutender Künstler inklusive deren technischer Vorgehensweise sowie eine kritische Erörterung der Probleme hinsichtlich Objektivität und Realität.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Die Arbeit ist geprägt durch die Begriffe Fotorealismus, Realität, Objektivität, Fotonaturalismus und Bildwirklichkeit.
Warum nutzen Fotorealisten laut dieser Arbeit ein Foto und nicht die Natur als Vorlage?
Die Fotografie dient als Werkzeug, um die gewünschte Objektivität zu erreichen, da sie den Verzicht auf subjektive Skizzen, Kompositionen und die statische Abhängigkeit vom Motiv ermöglicht.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich des Objektivitätsanspruchs?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der Anspruch auf perfekte Objektivität theoretisch nicht haltbar ist, da jeder Künstler durch die Motivwahl und Technik unbewusst oder bewusst eigene subjektive Realitäten erschafft.
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- Benjamin Thaler (Author), 2006, Fotorealismus - Begriff, Problem und Beispiele, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59434