Ich arbeite seit vielen Jahren in der Kinder- und Jugendhilfe, dort müssen häufig Entscheidungen getroffen werden, die andere Menschen betreffen. Hierbei gilt es, ethisch angemessen zu entscheiden. Die Beschäftigung mit Fragen der Ethik und des moralischen Handelns führt in die Reflexion der Grundsätze des allgemeinen aber auch des eigenen Handelns und Verhaltens. Unser Verhalten wird in der Regel von Werten, Überzeugungen und Normen geleitet, die wir als natürlich richtig empfinden. Tatsächlich werden diese in der Sozialisation und Erziehung in einem konkreten zeitlich-historischen und politisch-gesellschaftlichen Rahmen erworben. So stellte sich schon den alten Philosophen die Frage, ob Werte und Normen universell gültig, also Ideale seien, oder aus den jeweils gegeben Verhältnissen und deren Anforderungen (Überleben in der Gruppe, Nützlichkeit im Sinne bestimmter Interessen …) erwachsen und so ihre Form als Konventionen erhalten.
In der Philosophie beschäftigt man sich mit dieser Thematik insbesondere unter der Fragestellung nach dem „guten Leben“, in der Kinder- und Jugendhilfe unter dem Leitgedanken des „Well-Being“ junger Menschen. Weiterhin machen wir uns stets Gedanken über Erziehungsziele, d.h. für welches Lebensfeld oder welche Lebensfelder sollen unsere Werte, Normen und moralischen Grundsätze qualifizieren. Wenn sich Werte und Normen der Herkunftsfamilie oder des Herkunftsmilieus von denen der Gesellschaft unterscheiden, müssen wir als Erzieher ebenfalls Entscheidungen treffen. Ich werde mich in dieser Arbeit mit dem Buch „Werte und Normen in der Sozialen Arbeit“ von Peter Eisenmann beschäftigen und mich unter anderem mit den Modellen, die in dem Buch beschrieben sind, mit Fokus auf die Kinder- und Jugendhilfe auseinandersetzen. Ich habe mich bewusst für die Beschreibung weniger Theorien und Ansätze entschieden, da sie mir für das Thema der Arbeit wichtiger als andere erschienen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Stationäre Jugendhilfe
2.1 Funktion
2.2 Problemstellung
3. Grundlagen der Ethik
3.1 Unterscheidung Ethik und Moral
3.2 Unterscheidung ethischer Sichtweisen
3.2.1 Die deskriptive Ethik
3.2.2 Die normative Ethik
3.2.3 Bedeutung für die soziale Arbeit
3.3 Ethik-Ansätze
3.3.1 Teleologie
3.3.2 Deontologie
3.3.3 Bedeutung für die soziale Arbeit
4. Beispiele für ethische Dilemmata aus der Praxis
5. Methoden und Modelle zur ethischen Urteilsfindung in der sozialen Arbeit
5.1 Die goldene Regel
5.2 Das 3-Stufen Modell nach H. Baum
5.3 Das 4-Schritte Modell nach V. Tschudin
5.4 Das 6-Schritte Modell nach H.-E. Tödt
5.5 Das 4-Punkte-Grundmodell
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Relevanz ethischer Modelle für die praktische Tätigkeit in der stationären Kinder- und Jugendhilfe. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie professionelle Akteure in komplexen erzieherischen Alltagssituationen ethisch begründete Entscheidungen treffen können und ob hierfür strukturierte Modelle eine Hilfestellung bieten.
- Grundlagen und Differenzierung von Ethik und Moral
- Ethische Sichtweisen (deskriptive und normative Ethik)
- Analyse ethischer Ansätze wie Teleologie und Deontologie
- Praktische Fallbeispiele und ethische Dilemmata
- Modelle zur ethischen Urteilsfindung in der Sozialen Arbeit
Auszug aus dem Buch
3.3.2 Deontologie
Sie ist dem Konsequentialismus entgegengesetzt. Der Grundsatz lautet hier: Eine Handlung wird erst durch die innere Einstellung, aus welcher sie begangen wurde, sittlich gut. In diesem Ethik-Ansatz werden die Folgen der Handlungen weitgehend außer Acht gelassen und im Vordergrund steht die menschliche Handlung, die an Ge- und Verboten gemessen wird. (vgl. Eisenmann, 2012, S. 67-68)
So würden Mord, Folter oder ähnliches – auch wenn diese in der Folge zu etwas Gutem führen würden – eine negative ethische Beurteilung nach sich ziehen. Als Beispiel wäre hier der Fall anzusehen, bei dem ein Polizeibeamter einem Entführer Folter androhte, wenn er nicht den Ort an dem das Opfer, das zu ersticken drohte, gefangen gehalten wurde, preisgäbe. Dies wäre nach dem deontologischen Ansatz klar zu verurteilen, auch wenn dadurch das Leben des Kindes gerettet würde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung ethischer Reflexion in der Kinder- und Jugendhilfe und stellt das zugrunde liegende Werk von Peter Eisenmann vor.
2. Stationäre Jugendhilfe: Dieses Kapitel skizziert die Funktion der stationären Jugendhilfe und beschreibt die damit verbundene besondere ethische Verantwortung bei der Erziehung fremder Kinder.
3. Grundlagen der Ethik: Hier werden zentrale Begriffe wie Ethik und Moral definiert sowie verschiedene philosophische Sichtweisen und Ansätze für das Feld der Sozialen Arbeit erläutert.
4. Beispiele für ethische Dilemmata aus der Praxis: Anhand konkreter Fallbeispiele wird verdeutlicht, wie in der pädagogischen Praxis zwischen widerstreitenden Interessen und ethischen Prinzipien vermittelt werden muss.
5. Methoden und Modelle zur ethischen Urteilsfindung in der sozialen Arbeit: Das Kapitel stellt verschiedene strukturierte Modelle (z.B. nach Baum, Tschudin oder Tödt) vor, die zur ethischen Reflexion und Entscheidungsfindung herangezogen werden können.
6. Fazit: Das Fazit unterstreicht, dass es für ethische Fragen keine einfachen Rezepte gibt und professionelles Handeln stets einer fortwährenden Reflexion bedarf.
Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, Jugendhilfe, Ethik, Moral, Deontologie, Teleologie, ethische Urteilsfindung, Reflexion, Werte, Normen, Erziehung, stationäre Unterbringung, Entscheidungsfindung, Fallbeispiele, professionelles Handeln.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung ethischer Modelle auf die tägliche Arbeit in der stationären Kinder- und Jugendhilfe.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Unterscheidung von Ethik und Moral, grundlegende Ethik-Ansätze, die Analyse ethischer Dilemmata sowie praktische Modelle zur Entscheidungsfindung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie pädagogische Fachkräfte durch die Nutzung ethischer Modelle ihr Handeln reflektieren und in komplexen Situationen fundierte Entscheidungen treffen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse der Fachliteratur, insbesondere auf das Werk von Peter Eisenmann, und verknüpft diese mit praktischen Reflexionen und Fallbeispielen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Grundlagen der Ethik, ethische Dilemmata im Heimerziehungskontext sowie fünf verschiedene Modelle zur ethischen Urteilsfindung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Soziale Arbeit, Ethik, Moral, professionelle Reflexion und ethische Urteilsfindung.
Warum ist das 6-Schritte Modell nach H.-E. Tödt besonders relevant für die Praxis?
Es bietet eine detaillierte Vorgehensweise, die den gesamten Prozess – von der Wahrnehmung eines Problems bis zur willentlichen Entscheidung – strukturiert abbildet.
Ist Ethik in der stationären Jugendhilfe nach Anleitung möglich?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass es kein einfaches "Rezept" gibt; Modelle bieten zwar eine methodische Unterstützung, doch professionelles Handeln erfordert immer eine individuelle, fortwährende Reflexion.
- Citar trabajo
- Dietrich Auwärter (Autor), 2018, Ethische Modelle in der stationären Jugendhilfe. Ist Ethik nach Anleitung möglich?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/594438