Konfliktaustragung per WhatsApp. Wie nutzen Paare den Instant-Messaging-Dienst bei Beziehungsproblemen?


Fachbuch, 2021

112 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Paarbeziehungen

3. Konflikt
3.1 Konflikte in Paarbeziehungen

4. Paarbeziehungen in der heutigen Gesellschaft

5. Schwierigkeiten von Paarbeziehungen in der heutigen Gesellschaft
5.1 Das Findens des/der Richtige/n
5.2 Die Qual der Wahl
5.3 Die Dialektik zwischen Autonomie und Bindung
5.4 Die Auswirkungen der seriellen Sexualität
5.5 Bestätigung des Selbst innerhalb der Paarbeziehung
5.6 Emotionale Unsicherheit
5.7 Emotionale Ungleichheit

6. Smartphone

7. WhatsApp

8. Mobile Kommunikation

9. Kommunikation
9.1 Mediatisierte Kommunikation
9.2 Textnachrichten im Instant-Messaging
9.3 Sprachnachricht
9.4 Anruf
9.5 Videoanruf

10. Methodik
10.1 Erhebungsinstrument
10.2 Stichprobe
10.3 Auswertungsstrategie

11. Ergebnisse
11.1 Deskriptive Auswertung
11.2 Ergänzungen zur Deskriptiven Auswertung
11.3 Untersuchung der Zusammenhangshypothesen

12. Ergebnisinterpretation

13. Messfehler und Schwierigkeiten

14. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Anhang

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Impressum:

Copyright © Social Plus 2021

Ein Imprint der GRIN Publishing GmbH, München

Druck und Bindung: Books on Demand GmbH, Norderstedt, Germany

Covergestaltung: GRIN Publishing GmbH

1. Einleitung

Durch die Entwicklung und Etablierung des Smartphones in der deutschen Gesellschaft, die Anzahl der Smartphone Nutzer in Deutschland beträgt aktuell 57 Mio. Personen (vgl. Statista 2018), hat sich die alltägliche Kommunikation in zwischenmenschlichen Beziehungen verändert. Neben der face-to-face Kommunikation, ist eine Zunahme an mobiler und mediatisierter Kommunikation zu verzeichnen, welche einen schnellen und einfachen Austausch mit entfernten Personen ermöglicht. Vor allem die Kommunikationsanwendung WhatsApp scheint dabei mit den stetigen Weiterentwicklungen der Kommunikationsoptionen (Videoanruf, Sprachnachricht etc.) und weltweit 1,5 Milliarden Nutzern (vgl. Statista 2018 A) besonders beliebt zu sein. Die mobile Kommunikation wird in vielerlei Hinsicht als eine Verbesserung der Lebensgestaltung gesehen, da der mobile Austausch zum Beispiel die Organisation des Alltages und das Aufrechterhalten von sozialen Beziehungen vereinfachen kann. Allerdings kann durch die Nutzung dieser neuen und sich stetig in Ihren Optionen weiterentwickelnden Kommunikationsmedien, auch eine Veränderung des sozialen Verhaltens beobachtet werden (vgl. Hepp/Krotz 2012: S.33), welches mitunter die Erwartung an eine mobile Erreichbarkeit begründet und von Arlt 2008 als soziale Norm der ständigen Erreichbarkeit formuliert wurde (vgl. Arlt 2008: 1). Bei dieser gilt es, „die Zeiten der Nicht-Erreichbarkeit so kurz wie möglich zu halten, und man kommt zunehmend in die Situation, sich für diese rechtfertigen zu müssen.“ (Arlt 2008: S. 1).

Gerade in Paarbeziehungen, welche aufgrund von gesellschaftlichen Veränderungen des späten 20. und des 21. Jahrhunderts, beispielsweise der sexuellen Befreiung und der Individualisierung, einer zunehmenden emotionalen Unsicherheit ausgesetzt seien (vgl. Illouz 2018: 139), scheint die mobile Kommunikation einen wichtigen Teil der Alltagskommunikation einzunehmen. Es kann eine gegenseitige, mentale Präsenz der Partner ermöglicht werden, welche Unsicherheiten entgegenwirkt und welche bei einem Fehlen dieser und einer Nichterreichbarkeit des Partners, nach Ergebnissen der Studie „Being a couple in a media world. The mediatization of everyday“ (Christine Linke 2011), Unsicherheiten und Konflikte zu schüren vermag (vgl. Linke 2011: S. 91-100).

Neben der Erreichbarkeit hat auch die mediatisierte Kommunikation an sich, aus einer kommunikationswissenschaftlicher Perspektive, Konfliktpotenzial zu verzeichnen, da in ihr zentrale kommunikative Komponenten wie das back-channel-behaviour oder die nonverbale Kommunikation fehlen (vgl. Wilde 2002: S.21-23). Dies wirkt sich negativ auf das richtige Verständnis von Nachrichten aus.

Die mobile und mediatisierte Kommunikation scheint also eine Auswirkung auf Konflikte in zwischenmenschlichen Beziehungen zu haben, welche im Zuge dieser Arbeit genauer untersucht werden sollen. Als konkreter Untersuchungsgegenstand wurde dazu die Kommunikationsanwendung WhatsApp und die zwischenmenschliche Beziehung der Paarbeziehung gewählt. Die Paarbeziehung wurde als geeignete soziale Beziehung herangezogen da Konflikte in Ihnen, aufgrund einer gesteigerten Intimität und damit einer höheren Verletzbarkeit, als typisch zu verzeichnen sind (vgl. Ohly 2015: 143) und aufgrund ihrer, von Illouz festgestellten emotionalen Unsicherheiten, da diese ebenfalls eine messbare Auswirkung auf das Konfliktverhalten haben könnten (vgl. Illouz 2018: 139 ff.).

Als Untersuchungsgegenstand für ein mobiles Kommunikationsmedium wurde sich für die Anwendung WhatsApp entschieden, da sie eine der in Deutschland meist genutzten Kommunikationsanwendungen darstellt (vgl. Frees und Koch 2017) und sie neben der ursprünglichen Nutzung zum Zweck der Kommunikation, mehrere Nutzungsoptionen entwickelt hat, durch welche ohne eine Kommunikation, verschiedene Informationen über sich selbst preisgegeben und über seinen Gesprächspartner bezogen werden können (z.B. Profilbild, Onlinestatus, Empfangsstatus von Nachrichten, etc.). Die Nutzung dieser Informationspreisgaben scheint von einer gesellschaftlich verbreiteten Unsicherheit über deren Bedeutungen und Aussagekraft, für eine initiierte Nutzung dieser zum Übermitteln von indirekten Botschaften, gezeichnet zu sein. So gibt es zahlreiche Zeitungsartikel, welche sich mit den neuen Optionen von WhatsApp und deren möglichen Interpretationsweisen beschäftigen: „Ob ich dich leiden kann oder nicht sagt dir mein WhatsApp Verhalten“ (Neon 2013) oder „Nur weil jemand nicht antwortet, ignoriert dieser Mensch dich nicht automatisch“ (Wagener 2019). Darüber hinaus stellte sich die Nutzung dieser Informationspreisgaben, nach den Ergebnissen der Studie „Von den Nutzungspraktiken der Anwendung „WhatsApp“ im Rahmen romantischer Beziehungen“ (Jennifer Blasinski 2014), auch als Konflikte schürend heraus, weshalb angenommen wird, dass eine spezifische Nutzung der Kommunikationsanwendung WhatsApp, bereits an sich ein Konfliktpotenzial zu verzeichnen hat. Um diesen Unsicherheiten etwas Klarheit zu verschaffen und die Auswirkungen von WhatsApp auf das Konfliktpotenzial in Paarbeziehungen genauer zu untersuchen, soll im Rahmen dieser Arbeit, unter der Forschungsfrage „Konfliktaustragung per WhatsApp. Wie nutzen Paare den Instant-Messaging-Dienst bei Beziehungsproblemen?“ eine Onlineumfrage durchgeführt werden.

Diese Arbeit teilt sich in einen theoretischen und einen empirischen Teil. Im theoretischen Teil werden die drei, mit Konfliktpotenzial vermuteten Faktoren vorgestellt und auf ihr mögliches Konfliktpotenzial und deren mögliche Beeinflussung des Nutzungsverhalten von WhatsApp (in einer Konfliktsituation), untersucht. Die drei Faktoren, hier kurz vorgestellt, bestehen aus der 1) zwischenmenschlichen/sozialen Beziehung der Paarbeziehung, 2) der mobilen Kommunikation und der 3) mediatisierten Kommunikation.

In dem ersten Schritt dieser Arbeit werden die soziale Beziehung der Paarbeziehung (Kapitel 2) und der in dieser Arbeit verwendete Konfliktbegriff definiert (Kapitel 3). Der Konfliktbegriff wird nach seiner allgemeinen Definition auf dyadische Konflikte, also Konflikte zwischen zwei Personen eingegrenzt und in seinen spezifischen Merkmalen vorgestellt (Kapitel 3 & 3.2). Dem folgt die Verortung des ersten, Faktors, der Paarbeziehung in der heutigen Gesellschaft (Kapitel 4). Bei dieser Erörterung werden sich einige Widersprüche, scheinende Unvereinbarkeiten und Probleme herausstellen, denen die Paarbeziehung in der heutigen Gesellschaft ausgesetzt ist und welche das Konfliktpotenzial in Paarbeziehungen, sowie das Konfliktpotenzial von Paarbeziehungen auf WhatsApp beeinflussen können. Diese Probleme werden in sieben Unterkapitel genauer erläutert (Kapitel 5.2 – 5.8). Es wird sich dabei herausstellen, dass diese Widersprüche eine zunehmende emotionale Unsicherheit der Individuen zur Folge haben, welche dann unter anderem durch einen ständigen mobilen Kontakt mit dem Partner zu kompensieren versucht wird. Um die Funktionsweisen der mobilen Kommunikation zu verstehen, wird zunächst die Nutzung des Smartphones (Kapitel 6) am Beispiel von WhatsApp (Kapitel 7) erklärt. Diesen, eher technischen Erklärungen folgt eine sozialwissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem zweiten Faktor: der mobilen Kommunikation (Kapitel 8). Hierzu wurden verschiedene Studien (vgl. Blasinski 2014 & Arlt 2008) herangezogen, welche darauf hinweisen, dass diese vor allem in Paarbeziehungen an Wichtigkeit gewinnt. Darüber hinaus wird festgestellt, dass in Zeiten einer Nichterreichbarkeit des Partners, die erweiterten Funktionen von WhatsApp zur Kontrolle genutzt werden und sich dann zu einem Streitfaktor entwickelten (vgl. Blasinski 2014: 32-44). Gerade aus dem Konfliktpotenzial der Nutzung von WhatsApp und seinen spezifischen Informationspreisgaben sollen deshalb Hypothesen entwickelt werden, die dieses Kapitel dann abschließen.

Der dritte Faktor behandelt die mediatisierte Kommunikation und deren kommunikationsspezifischen Veränderungen (Kapitel 9.2). Um spezifische Unterschiede der face-to-face Kommunikation und der mediatisierten Kommunikation heraus zu arbeiten, werden zunächst zentrale Aspekte und Komponenten der face-to-face Kommunikation vorgestellt (Kapitel 9) um diese im Anschluss auf deren Vorhandensein bei Textnachrichten (Kapitel 9.3), Sprachnachrichten (Kapitel 9.4), Anrufen (Kapitel 9.5) und Videoanrufen (Kapitel 9.6) zu überprüfen. So werden Mängel der mediatisierten Kommunikation (bei der mediatisierten Kommunikation) aufgezeigt, aus denen dann ebenfalls eine zu überprüfende Hypothese, welche diese Mängel in den Zusammenhang mit dem Konfliktpotenzial auf WhatsApp untersuchen soll, entwickelt wird.

Dem Theorieteil folgt schließlich der empirische Teil dieser Arbeit. Hier wird Bezug auf die Rahmenbedingungen und die Art der Studie (Kapitel 10), auf das Erhebungsinstrument des Fragebogens im Rahmen einer Onlinestudie (Kapitel 10.2), auf die gezogene Stichprobe (Kapitel 10.3), sowie auf die verwendete Auswertungsstrategie genommen (Kapitel 10.4). Dem folgt die Auswertung nach zwei Forschungsschwerpunkten:

In dem ersten Teil geht es um die deskriptive Auswertung (Kapitel 11.2), in der das Nutzerverhalten aller Teilnehmer auf WhatsApp, in einer Konfliktsituation dargestellt wird.

Im zweiten Teil werden die Deskriptionen dann nach möglichen Beeinflussungen und Zusammenhängen mit unabhängigen Variablen wie Alter, Geschlecht, Vertrauen etc., untersucht, da diese der Untersuchung der Zusammenhangshypothesen dienen (11.4).

Anschließend werden die durch die Onlineumfrage gewonnenen Daten interpretiert um die die Zusammenhangshypothesen zu verifizieren oder zu falsifizieren (Kapitel 12). Dem folgt eine Betrachtung von möglichen Messfehler und Schwierigkeiten (Kapitel 13) welche die Ergebnisse beeinflusst haben könnten und anschließend die Zusammenfassung aller Ergebnisse in einem Fazit (Kapitel 14). Hier wird noch einmal ein Bezug auf alle relevanten Ergebnisse genommen, um dann die Forschungsfrage „Konfliktaustragung per WhatsApp. Wie nutzen Paare den Instant-Messaging-Dienst bei Beziehungsproblemen?“, zu beantworten.

2. Paarbeziehungen

Eine soziale Beziehung besteht aus verschiedenen Prozessen, wie die der sozialen Interaktion und der Kommunikation, unter der Einbindung von mentalen Prozessen. Dabei findet ein soziales, aufeinander eingestelltes, Handeln und ein Austausch in Alltagssituationen statt. Die Vorstellungen die die Individuen innerhalb einer sozialen Beziehung voneinander und von der Beziehung selbst haben, sowie das Umsetzen der verschiedenen Prozesse, unterliegen der gesellschaftlichen und kulturellen Ordnung (vgl. Linke 2010: 37).

Die soziale Beziehung der Paarbeziehung wird als eine dyadische, also als eine Beziehung zwischen zwei Personen beschrieben. Sie ist gekennzeichnet durch ein hohes Maß an gegenseitiger Zuwendung, Verbindlichkeit, Intimität, Hingabe und sexueller Interaktion (vgl. Lenz 2006: 39).

Des Weiteren wird eine gemeinsame Identität gebildet, welche auch außerhalb der Zweierbeziehung ersichtlich ist. Die Zweierbeziehung wird von Anderen auch als Paar bezeichnet und zum Erleben eines „Wir-Gefühls“ (Linke 2010: 38) führt (vgl. Linke 2010: 37 ff..). Das Interagieren in einer Paarbeziehung gestaltet sich zumeist solidarisch und es finden symbolische und ritualisierte Interaktionen statt, welche häufig als Reproduktion von Liebesbeweisen fungieren (vgl. Luhmann 1995: 44/45).

Eine Paarbeziehung kann zu einem unterschiedlichen Grad institutionalisiert sein. Dabei spielt die Beziehungsdauer, das Zusammenleben, gemeinsame Kinder und das Eingehen einer Ehe oder Verlobung eine Rolle. Eine Paarbeziehung gilt umso gefestigter, je höher sie institutionalisiert ist (vgl. Wagner und Weiß 2005: 24/25).

Darüber hinaus erliegen Paarbeziehung bindungsspezifischen Erwartungen wie Verbindlichkeit und Opferbereitschaft für das Wohlergehen seines Partners (vgl. Aubert 2014: 322) und dem Streben nach dem Ideal einer stetigen Reproduktion des (romantischen) Liebesglücks (vgl. Elliott und Merrill 2014: 338-340).

Paarbeziehungen haben grundsätzlich ein hohes Konfliktpotenzial zu verzeichnen. Dieses ergibt sich einerseits durch die, in Paarbeziehungen normalerweise vorhandene Quantität der sozialen Interaktionen. Je mehr Interaktionen stattfinden, desto mehr Raum für Kommunikationsstörungen und Missverständnisse entstehen. Andererseits ist es die Intimität der sozialen Beziehung selbst, die das Konfliktpotenzial in der sozialen Beziehung der Partnerschaft erhöht (vgl. Ohly 2015: 131).

Im Folgendem wird der in dieser Arbeit verwendeter Konfliktbegriff genauer definiert um auf dessen Grundlage spezifische Merkmale von Konflikten in Paarbeziehungen, welche zu dem zentralen Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit gehören, herauszuarbeiten.

3. Konflikt

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Konfliktdreieck nach Galtung

Nach Johan Galtung (2007) lässt sich jeder soziale Konflikt auf eine Grundstruktur zurückführen, welche aus drei zusammenhängenden Komponenten besteht. Diese sind: „Annahmen/Einstellungen + Verhalten + Wiederspruch“ (Galtung 2007: 135). Während eines sozialen Konflikts seien immer alle drei Komponenten vorhanden und zeigen sich in unterschiedlicher Intensität und unterschiedlichen Konstellationen. So bewegen sich die Konfliktparteien zu Beginn eines Konfliktes zumeist zwischen der Komponente Annahmen und Einstellungen, bei welcher es um die subjektive Wahrnehmung der eigenen Position und um die Bewertung anderer Parteien und deren vermuteten Haltungen geht und zwischen der Komponente Wiederspruch, wobei es sich um den objektiven Widerspruch der unterschiedlichen Interessen der Konfliktparteien handelt (vgl. Galtung 2007: 135 ff.). Die Verhaltenskomponente, welche das nach außen gezeigte Verhalten, wie verbale Angriffe, physische Gewalt oder Kommunikationsverweigerung der Konfliktparteien umfasst, ist zu Beginn eines Konfliktes hingegen meist noch nicht sehr ausgeprägt (vgl. Schrader 2018).

Der Konflikt bewegt sich daher auf einer sogenannten „latenten Ebene“ (Galtung 2007: 136) und kann so über kürzere oder längere Zeit vorhanden seien, ohne dass die Konfliktparteien diesen wirklich als einen Konflikt wahrnehmen oder eine affektive Betroffenheit bemerken. Bei einem latenten Konflikt seien jedoch bestimmte Spannungen und Signale zu beobachten, welche sich zum Beispiel in gegenseitigem Misstrauen oder spitzen Bemerkungen äußern (vgl. Delhees 1994: 331). Bei dem Übergang von einem latenten zu einem manifesten Konflikt steht meist ein Auslöseereignis bei welchem „mindestens eine Partei das Verhalten der anderen Seite als beeinträchtigend und inakzeptabel“ (Schrader 2018) empfindet und diese Empfindung auf der Verhaltenskomponente nach außen sichtbar werden lässt. Die Verhaltenskomponente steigt dann so an, dass alle drei Konfliktkomponenten nun deutlich für alle Konfliktparteien zu spüren sind. Bei dem manifesten Konflikt handelt es sich um die zweite Ebene des Konflikts (vgl. Galtung 2007: 134 ff.), welche also von allen Konfliktparteien, wahrgenommen und persönlich empfunden wird. Es herrscht eine affektive Betroffenheit (vgl. Delhees 1994: 331).

Der in dieser Arbeit verwendeter Konfliktbegriff, bezieht sich lediglich auf den von Galtungs definierten manifesten Konflikt (vgl. Galtung 2007: 136), da die Bearbeitung beider Konfliktebenen, manifester und latenter Konflikt, für diese Arbeit zu umfangreich ist.

3.1 Konflikte in Paarbeziehungen

Da bei einem partnerschaftlichen Konflikt nur zwei Personen involviert sind, handelt es sich um einen sogenannten dyadischen Konflikt. Dabei spielt vor allem die Abhängigkeit der Partner voneinander, aufgrund einer unterschiedliche Ressourcenaufteilung, eine Rolle. Die Partner haben dabei das Interesse, die Ressourcen des anderen zu erhalten (vgl. Wagner und Weiß 2005: 2).

Im konkreten Paaralltag beziehen sich solche Ressourcen dann zum Beispiel auf ausgetauschte emotionale Aufmerksamkeiten oder das Erledigen von anfallender Hausarbeit. Bleibt der Ressourcenaustausch aus, kann dieses mehrere Gründe haben, wie das Entgegenstehen von Zielen oder fehlende Wahrnehmung des erwarteten Austausches. Die Probleme des Ressourcenaustausches können unterschiedlich leicht oder kompliziert zu lösen sein. Da die Partner in einer monogamen Beziehung, auf welche sich in dieser Arbeit bezogen wird, zumeist in einer Interpendenz zueinanderstehen, beziehen sie bestimmte Ressourcen lediglich von dem Partner. Bleiben diese also aus, werden die Individuen in ihrer Zielerreichung, der Erhaltung von Ressourcen, beschränkt, was bei einem andauernden Zustand zu einem Konflikt (vgl. Oberschall 1978: 291) auch zu einer Trennung führen kann.

Konflikte können dabei je nach Konfliktstil der Individuen eine konstruktive oder eine destruktive Wirkung auf den Konfliktverlauf und die Konfliktauswirkungen ausüben (vgl. Bodenmann 2001: 85 ff.).

Destruktive Konfliktstile beinhalten unter anderem folgende Verhaltensweisen: Rückzug/Vermeidung/Ignoranz, destruktive Kritik (Beschuldigungen und Schlechtmacherei), verbales Attackieren (Beleidigungen etc.) und tätliches attackieren (Gewaltanwendung) (vgl. Bodenmann 2001: 85 ff.).

Konstruktive Konfliktstile beinhalten unter anderem folgende Verhaltensweisen: respektvoller Umgang, Offenheit, aktive Einflussnahme, Palliation (Gefühlsberuhigung), Optimismus und das nicht Vorhandensein von dysfunktionalen Konfliktverhalten (vgl. Bodenmann 2001: 85 ff.).

Die Konfliktstile von Individuen sind zudem von Persönlichkeitsmerkmalen und Bindungstypen der Individuen geprägt, dessen Betrachtung jedoch auf einer psychologischen Ebene durchgeführt werden muss und den Rahmen dieser Arbeit überschreitet. Im Zuge dieser Arbeit werden daher die soeben vorgestellten, destruktiven oder konstruktiven Konfliktstile, in Relation zu den konfliktspezifischen Nutzungsweisen von WhatsApp untersucht werden.

Die in einer Paarbeziehung typische Quantität der sozialen Interaktionen erhöht wie bereits erwähnt das Konfliktpotenzial in diesen. Denn je mehr Interaktionen stattfinden, desto mehr Möglichkeiten für Kommunikationsstörungen und Missverständnisse entstehen. Darüber hinaus ist es die Intimität der sozialen Beziehung selbst, die das Konfliktpotenzial in der sozialen Beziehung der Partnerschaft erhöht (vgl. Ohly 2015: 131). So schwingt bei der Öffnung der Individuen für das Wiederfahren der Liebe eine Blöße mit, welche zu einer „maximal gesteigerten Verletzbarkeit“ (Ohly 2015: 143) wird. Um diese zu vermeiden, gilt es bestimmten und unbestimmten Pflichten nachzukommen, welche oftmals als Liebesbeweise fungieren. Zu diesen Pflichten zählen zum Beispiel ritualisierte Zuwendungen wie der Begrüßungs- oder Gutenachtkuss, ebenso wie die stetige Berücksichtigung der Perspektive des Partners in den eigenen Plänen (vgl. Ohly 2015: 46). Bleiben diese Liebesbeweise aus, kann der Partner verunsichert werden und es kann zu Konflikten kommen.

Des Weiteren neigen die Partner in einer Liebesbeziehung dazu, jegliche Handlungen des Partners auch unter dem „Code“ (Luhmann 1995: 23) der Liebe zu interpretieren, wodurch je nach Ausmaß der Interpretation der Handlungsweisen unter dem Liebescode, ebenfalls vermehrt Konflikte entstehen können. Zum Verständnis folgt ein kurzes, aus eigenen Erfahrungen gewonnenes Beispiel:

Ein/e Freund/in kommt zu einem Treffen zu spät. Die Verspätung wird dann vermutlich durch äußere Umstände erklärt, die als Grund auch akzeptiert werden. In einer Liebesbeziehung kann sich die Gewichtung der Entschuldigungsgründe unter dem Code des Liebesthemas, jedoch verschieben. Je nach Persönlichkeit, deren Charakteristika und Erfahrungen, kommt es zu einer stärkeren oder weniger starken Interpretation der Verspätung unter dem Code des Liebesthemas. So können Gedanken wie etwa: „Ich bin meinem Partner nicht wichtig genug, weil er/sie mich warten lässt und nicht rechtzeitig losgefahren ist“, entstehen. Diese, dem Liebescode verpflichteten Interpretationen, können Konflikte schüren.

Die Interpretation von Interaktionen unter dem „Code“ (Luhmann 1995: 23) der Liebe oder auch der Interpretation von Interaktionen auf der Beziehungsebene, ist nach Luhmann ein zentrales Merkmal innerhalb von Paarbeziehungen und kann zudem als ein Drang nach Überprüfung der Liebe fungieren um sichergehen zu können, aufgrund der hohen Intimität innerhalb der Paarbeziehung, nicht verletzt zu werden (vgl. Luhmann 1995: 23 ff.). Da Paarbeziehungen eine der intimsten sozialen Beziehungen darstellen, sind Konflikte in Ihnen also als typisch zu verzeichnen (Ohly 2015: 143).

Durch die technologischen und gesellschaftlichen Veränderungen des 21. Jahrhunderts, wie der zunehmenden technischen Entwicklung des Internets und des Smartphones, sowie veränderte Rollenerwartungen an die Geschlechter und die Emanzipation der Frau, haben sich die Konfliktpotenziale in Paarbeziehungen in dem emotionalen Konfliktbereich (2) und in dem Bereich der Kommunikationsstörungen (3) erweitert. Diese werden in den folgenden Kapiteln Paarbeziehungen in der heutigen Gesellschaft, Mobile Kommunikation und Mediatisierte Kommunikation genauer erläutert.

4. Paarbeziehungen in der heutigen Gesellschaft

Das Verständnis und die Erwartungen an Paarbeziehungen haben in den letzten Jahren, einen Wandel erfahren. Während es in den letzten Jahrhunderten in Benimmbüchern und Konversationslehren noch zu erlernen galt, wie man sich seinem/r Partner/in gegenüber zu verhalten hatte und welche gesellschaftlich etablierten Geltungskriterien bei der Partnerwahl berücksichtigt werden mussten, haben sich diese Kriterien und Verhaltensformen im Zuge der Moderne zunehmend individualisiert. Diese Geltungskriterien, welche aus öffentlich geteilten Bedeutungen und Ritualen bestanden, haben sich in private Interaktionen entwickelt, in welchen sie nicht länger einer öffentlichen Prüfung nach gemeinsamen sozialen Codes unterliegen und dementsprechend zu einem Resultat der „privaten und subjektiven Geschmacksdynamik“ (Illouz 2012: 227- 228) werden (vgl. Illouz 2012: 227 ff.).

Im Zuge der Institutionalisierung der freien Partnerwahl hat sich zudem die Auffassung der Liebe verändert. So hat sich das Heiratsmotiv zum Beispiel von Zwecks- und Zwangsheiraten, welches der Stützung autoritärer Familienstrukturen sowie ökonomischen und erzieherischen Schutz- und Erholungsfunktionen dienten (vgl. Elliott und Merrill 2014: 359), zu Heiratsvorstellungen der reinen und romantischen Liebe entwickelt. Hier besteht das konkrete Hochzeitsmotiv darin, der/die Richtige/n gefunden zu haben (vgl.Elliott und Merrill, 339). Der oder die Richtige verursacht dann Gefühle des Wohlbefindens und der Geborgenheit und es findet ein stetiger Austausch von Zeichen der Zuneigung (Liebesbeweise) statt (vgl. Aubert 2014: 326 ff.). Die Intensität der Gefühle in einer romantischen Liebe verursacht zudem eine Leidenschaft, welche zu der Vernachlässigung rationalen Handelns und anderen Verpflichtungen der Individuen führen kann (vgl. Elliott und Merrill 2014: 344). Es wird ein „Maß an Egoismus hingenommen, das in anderen Kontexten nicht akzeptabel wäre und gleichzeitig wird ein Maß an Opferbereitschaft vorausgesetzt, das anderswo nichtunterstellt werden könnte“ (Aubert 2014: 322). Der Zustand der Verliebtheit wird daher mit einem (psychotischen) Krankheitszustand gleichgesetzt, welches die Begriffe liebeskrank oder verrückt nach jemandem sein untermalen. Auf Grund dieses Krankheitsverständnisses werden diese irrationalen Verhaltensweisen und Charakteristika dann nicht als gesellschaftlich inkompatibel oder nicht tolerierbar betrachtet, sondern als kaum veränderbare Symptome der Krankheit „Liebe“ angesehen und somit, zumindest in einem gewissen Maß, gesellschaftlich toleriert (vgl. Aubert 2014: 314).

Zur Liebe heißt es, dass durch die Liebe Kräfte zusammenkommen, welche die Grundlage des sozialen Lebens in der Gesellschaft darstellen (vgl. Aubert 2014: 307). Sie sei daher unabdingbar für das soziale Zusammenleben. Die soeben beschriebene gesellschaftliche Toleranz gegenüber den Verhaltensweisen der Verliebtheit, welche unter anderen Umständen eher nicht toleriert werden würde, kann daher als ein Beleg für die scheinende Wichtigkeit der Liebe interpretiert werden.

Die Charakteristika und die Vorstellungen der romantischen Liebe seien laut Elliott und Merrill jedoch eine unrealistische soziale Konstruktion (vgl. Elliott und Merrill 2014: 340). Die Intensität der Gefühle und die Anfangseuphorie der Verliebtheit verändern sich mit der Dauer einer Beziehung, was bei einigen, von der romantischen Liebe überzeugten Individuen, dann nur mit einer Trennung und dem Weitersuchen nach einem Partner, welcher das Gefühl der romantischen Verliebtheit zurückbringt, zu lösen ist (Elliott und Merrill 2014: 339). Durch den Individualismus und die freie Partnerwahl in der heutigen Gesellschaft ist dieses Weitersuchen, vor allem durch technische Entwicklungen und gestiegener sozialer Mobilität, möglich. So haben sich durch die technische Entwicklung des Internets zahlreiche Partnerschaftssuchplattformen wie Tinder, Paarship oder Elitepartner etabliert, welche zunehmend von einem großen Teil der deutschen Bevölkerung genutzt werden. Alleine die Plattform Tinder hatte 2015 Deutschlandweit bereits zwei Millionen Nutzer zu verzeichnen (vgl. Spiegel 2015).

Die Suche nach dem/der Richtigem/n scheint nicht an Auswahlmöglichkeiten zu mangeln und sich zunehmend durch soziale Netzwerke zu gestalten. Bei der Nutzung von Partnerschaftssuchplattformen wird anhand von Persönlichkeitstest, gleichen Interessen, Bildern und Profilbeschreibungen angezeigt, ob ein Partnerkandidat ein sogenanntes „Match“ (Meckel 2009: 212) darstellt und ob die Partnerkandidaten folglich zusammenpassen. Die Partnerbörsen zeigen einem dabei möglichst viele Partnerkandidaten an. Bei Plattformen wie Tinder, bei denen die Nutzer Eigenständig durch Liken des vorgeschlagenen Profils ein Match entscheiden können oder eben nicht, wird die Anzahl an erhaltenden Matches, für einige Nutzer, zudem als Aufwertung des Selbstwertgefühls genutzt (Meckel 2009: 209). Durch die Online Kommunikation können neben einem virtuellen Kennenlernen zudem auch flüchtige Kontakte aufrechterhalten werden, was ebenfalls zu einer Erhöhung möglicher Partnerkandidaten führt.

Es mangelt folglich nicht an einer Partnerauswahl, was das Kennenlernen potentieller Partner vereinfacht. Doch warum misslingt das Finden des oder der Richtigen so häufig und warum ist nichtsdestotrotz eine erhöhte Anzahl von Trennungen zu verzeichnen? Bei der steigenden Partnerauswahl müsste doch leichter ein gut passender Partner gefunden werden können?

5. Schwierigkeiten von Paarbeziehungen in der heutigen Gesellschaft

Die romantische Liebe des 21. Jahrhunderts steht vor verschiedenen Widersprüchen und Schwierigkeiten, die ihrer Erfüllung und dem damit erwarteten Glück der romantischen Liebe und das Finden eines „vorherbestimmtes Gegenstückes“ (vgl. Elliott und Merrill 2014: 338) im Wege stehen. Im folgenden Teil werden sieben dieser Schwierigkeiten genauer erläutert.

5.1 Das Findens des/der Richtige/n

Das Ziel des Findens des/ Richtige/n steht dem Ideal des ewigen, glücklichen und romantischen Zusammenseins, „bis, dass der Tot uns scheidet“ (Aubert 2014: 331), gegenüber. Die überzogenen Partnervorstellungen (vgl. Elliott und Merrill 2014: 343) und die damit einhergehende, irreale Partnerillusion des perfekten Partners, führt zu einer Zunahme an Trennungen. In Deutschland gehen beispielsweise mehr als 40 Prozent der geschlossenen Ehen wieder auseinander. Die Vorstellung von einem ewigen und romantischen Zusammensein (vgl. Meckel 2009: 196) wird daher größtenteils eben nicht erfüllt.

5.2 Die Qual der Wahl

Das Treffen einer Partnerwahl wird zur Qual der Wahl. Sie impliziert das Eingehen einer Bindung, welche ebenfalls dem Ideal des romantischen und ewigen Zusammenseins unterliegt. Zwar ist es gesellschaftlich kaum mehr verpönt sich zu trennen oder sich scheiden zu lassen. Aber das Prinzip der auf die Zukunft ausgerichteten Bindung führt auch dazu, dass einige Individuen eine Bindung gar nicht erst eingehen, da dies implizieren würde den Prozess des Suchens und damit die Möglichkeit des Findens eines besseren Partners zu beenden (vgl. Illouz 2012: S.187).

„In diesem Prozeß wird Freiheit zur Aporie, führt er doch in seiner vollendeten Form zur Unfähigkeit, von seiner Wahlfreiheit Gebrauch zu machen, wenn nicht gar zum Verschwinden selbst des Wunsches danach“ (Illouz 2012: 204).

5.3 Die Dialektik zwischen Autonomie und Bindung

Mit dieser Zukunftsausrichtung von Bindungen geht eine Verbindlichkeit einher, die in Zeiten des Individualismus nur schwer gewährleistet werden kann (Illouz 2012: 187). So zeichnet sich für einige Individuen ein erfolgreiches Selbst in Zeiten der Individualisierung durch Selbstentdeckung, Selbsterkenntnis, Selbsterfahrung und Flexibilität aus, welche individuellen sowie beruflichen Erfolg und die Steigerung des eigenen Wohls verspricht (vgl. Swidler 2014: 396). Eine (Liebes-)Bindung hingegen kann bei Zeiten auch Eingebundenheit, Aufopferung und Selbstbeschränkung verlangen, weshalb Sie mit der Vorstellung des erfolgreichen Selbst in der Postmoderne nicht vereinbar erscheint (vgl. Swidler 2014: 397). Nichtsdestotrotz besteht das Bedürfnis nach Geborgenheit, Sicherheit, Nähe und Sexualität. Diese Bedürfnisse können, bei einem sich durch die Autonomie schöpfendem Selbst im 21 Jahrhundert, zum einen durch ein lockeres Bindungsverständnis erfüllt werden. Dies impliziert das Eingehen von Bindungen, jedoch nur so lange der Partner keine Güter einfordert die nicht mit der Autonomie des Selbst vereinbar erscheinen. Zum anderen kann dies auch ohne Bindung, in Form von serieller Sexualität, ausgelebt werden.

5.4 Die Auswirkungen der seriellen Sexualität

Die angenommene Freiheit der seriellen Sexualität aller Geschlechter etablierte sich im Zuge der 68er Bewegung und ist seitdem ein fester Bestandteil sozialer Interaktionen. Sie verwuchs mit der Wirtschaft in dem sie als Konsumgut vermarktet wurde und nimmt aufgrund der Kurzlebigkeit und Austauschbarkeit der Partner einen kapitalistischen Warencharakter an (vgl. Illouz 2018: 102). Die bereits erwähnten Partnersuchplattformen (vor allem Tinder) verdeutlichen diesen Wandel. Sie erinnern an Verkaufswebsites bei welchen verschiedene Produkte aufgrund ihrer Fotos oder Beschreibungen ausgewählt und genutzt werden können. Erscheint das Produkt nicht (mehr) passend, kann problemlos ein neues bestellt werden. Dieser Vorgang des Onlineshoppings kann auf das Auswählen von Sexualpartnern via Partnersuchplattformen übertragen werden. Mit der Auswahl eines Individuums schwingt eine Bewertung nach verschiedenen, meist oberflächlichen und sexualisierten Kriterien und der sogenannten „sexuellen Kompetenz“ (Illouz 2018: 113), welche nach der Liebessoziologin Eva Illouz, als ein Statussymbol und Wertkriterium in heutigen Gesellschaften fungiert, mit (vgl. Illouz 2018: 113 ff.). Die Sexualpartner sind also einer Austauschbarkeit ausgesetzt die das Selbstwertgefühl bedrohen kann (vgl. Illouz 2018: 114). Um diese Bedrohung abzuwenden gehen mit der seriellen Sexualität Distanziertheit und Erwartungslosigkeit an seinen Sexualpartner einher, was ein Gefühl von Macht und Autonomie produziert und somit genau den Gegenentwurf von Paarbeziehungen darstellt (vgl. Illouz 2018: 116). Durch die serielle Sexualität steht der Geschlechtsverkehr nun häufig am Anfang eines Kennenlernens und nimmt der traditionellen Beziehung das Ziel. So war es bei dieser erst nach längerem Liebeswerben, entstandener emotionalen Intimität und Institutionalisierung der Beziehung möglich, auch auf der körperlichen Ebene intim zu werden. Der (unverhütete) Geschlechtsverkehr diente zudem dazu, Kinder zu zeugen und damit die Beziehung zu verfestigen. Der festgelegte Rahmen des Liebeswerbens ist also unter anderem durch die serielle Sexualität entschwunden, da er schlicht kaum mehr notwendig war. Dies führe nach Illouz 2018 zu der Entwicklung einer „Nichtbeziehung“ (Illouz 2018: 136).

5.5 Bestätigung des Selbst innerhalb der Paarbeziehung

Neben den Individuen mit starkem Autonomiebedürfnis, welche den Wert ihres Selbst hauptsächlich durch Selbstentdeckung, Selbsterfahrung, beruflichem Erfolg und Flexibilität ziehen, gibt es auch solche Individuen, die die Bestätigung ihres Selbst überwiegend durch eine Beziehung ersuchen. Die Art und Weise wie sich ein Individuum die Bestätigung seines Selbst beschafft, wird dabei von Persönlichkeitsmerkmalen, Bindungstypen, Geschlecht beruflicher und sozialer Zufriedenheit und der am Anfang dieses Kapitels genannten, privaten und subjektiven Geschmacksdynamik, beeinflusst. Wird der Wert des Selbst vor allem durch eine Beziehung geschöpft, so beruft sich dieser häufig auf das Ausmaß der durch die geliebte Person gezeigten Zeichen der Anerkennung und des Interesses an der eigenen Person (vgl. Illouz 2012: 221/222). Je mehr der Wert des Selbst lediglich durch die Beziehung geschöpft wird, desto wichtiger wird dann die Inszenierung von regelmäßigen, ritualisierte Anerkennungen. Vor allem durch die Entwicklung des Mobiltelefons hat sich die Möglichkeit der regelmäßigen Inszenierungen erweitert, was das Ausmaß der zu erwartenden Anerkennungen vergrößert. Sofern diese dann nicht in angemessener Weise geschieht, kann es zu einer „Bedrohung und Verschlingung des Selbst“ (Illouz 2012: 229) kommen.

5.6 Emotionale Unsicherheit

Die Umgangsweise der Distanziertheit zu dem Sexualpartner wird nur von einigen der nach Autonomie strebenden Individuen umgesetzt. So können gerade bei längerfristigen Affären, auch Sympathie und Emotionen für seinen zeitweiligen Sexualpartner entstehen. Bei einigen Individuen kann dies dann der Anlass zum Eingehen einer Beziehung seien. Der Vorgang des Entstehens einer Paarbeziehung wird jedoch durch die serielle Sexualität erschwert, da sie die sozialen Grenzen der Beziehung verschoben und verwischt hat (vgl. Illouz 2018: 140).

„Schon die Vermehrung von Bezeichnungen für Gelegenheitsbeziehungen - etwas miteinander haben, One-Night-Stand, Freundschaft Plus – besagt etwas über die Schwierigkeit, Gelegenheitsbeziehungen zu benennen und zu charakterisieren, das heißt zu wissen worum es in ihnen geht, was ein relativ grundlegendes und als selbstverständlich geltendes Merkmal aller sozialen Interaktion ist“ (Illouz 2018: 123).

Aufgrund einer fehlenden etablierten Handlungsstrategie und eines fehlenden Verhaltens- und Deutungsrahmens fällt es den Beteiligten schwer Vertrauen aufzubauen, Emotionen zuzulassen und somit eine Beziehung aufzubauen. Die Gefahr einer emotionalen Verletzung aufgrund des willkürlichen Austauschcharakters der seriellen Sexualität ist hoch. Die Folge ist eine gesellschaftlich zu beobachtende „emotionale Verwirrung und Ungewissheit“ (Illouz 2018: 139), welche sich vor allem bei der Partnersuche und innerhalb von erst neu entstandenen Paarbeziehungen widerspiegelt.

Das Eingehen einer Beziehung wird begleitet von „eine größere Unsicherheit bezüglich der Beständigkeit“ (Wendt 2015: 10), welche sich erst mit steigender Beziehungsdauer durch eine Vertrauenszunahme zumeist stabilisiert (Wendt 2015: 13). Des Weiteren spielen für das Ausmaß der emotionalen Ungewissheit individuelle Faktoren wie persönliche Erfahrungen, Charaktereigenschaften, Bindungstypen, sowie das Geschlecht eine Rolle.

5.7 Emotionale Ungleichheit

Gerade bei Frauen sei diese emotionale Verwirrung und Ungewissheit besonders hoch, da die Strukturen der seriellen Sexualität eher einer männlichen Form von Sexualität entsprechen (vgl. Illouz 2018: 129 ff.). Die renommierte Liebessoziologin Eva Illouz begründet dies folgendermaßen:

Während sich der Wert der Frau zu Zeiten von traditionellen und patriarchalischen Gesellschaften unter anderem durch die sexuelle Tugend auszeichnete, war die Sexualität für den Mann mit mehreren Partnerinnen schon immer ein Zeichen von Macht (vgl. Illouz 2018: 115 ff.). Diese Wertzuschreibung hat sich zwar im Zuge der Moderne und der sexuellen Befreiung verändert, es scheint allerdings so, als ob manche Frauen diese Wertzuschreibung noch nicht ganz von sich abweisen können da dieser Wert noch immer in der Gesellschaft etabliert ist. So fanden zum Beispiel Eshbaugh und Gute 2008 in ihrer Studie „Hookups and Sexual Regret Among College Woman“ heraus, dass ein Großteil der befragten Studentinnen sexuelle Reue nach einem One-Night-Stand empfindet, und dass Frauen insgesamt mit größerer Wahrscheinlichkeit als Männer sexuelle Reue empfinden. Einige Teilnehmerinnen von Illouz Interviews berichteten zudem sich nach One-Night-Stands ausgenutzt und wertlos zu fühlen (vgl. Illouz 2018: 127 ff.). Weitere Studien, wie zum Beispiel „When love hurts. Depression and Adolescent Romantic Relationships“ (Grello 2003) belegten, dass bei einem Vergleich von junge Frauen solche, die ihre Sexualität in Gelegenheitssex mit verschiedenen Partnern auslebten, sehr viel wahrscheinlicher an einer Depression litten, als junge Frauen, die ihre Sexualität romantisch und mit lediglich einem Partner auslebten. Diese Ergebnisse sollen nicht bedeuten, dass es keine Frauen gibt, die den Gelegenheitssex nicht gleichgestellt wie Männer nutzen. Die Ergebnisse weisen jedoch auf eine gegenteilige, gesellschaftliche Tendenz hin. Illouz begründet die Ungleichheit für Männer und Frauen bei der Form der seriellen Sexualität noch mit weiteren Beispielen, wie der Anpassung des Gelegenheitssex an den männlichen Orgasmus (vgl. Illouz 2018: 106). Demgegenüber beruht die Ausrichtung der weiblichen Identität auch auf das Gebären und der damit verbundenen Führsorge, welche auch in Zeiten der Postmoderne noch einen Teil der weiblichen Identität darstelle und schwierig mit emotionslosen und distanzierten Gelegenheitssex zu vereinen sei (vgl. Illouz 2018: 131).

Eine weitere Erörterung dieser Sachverhalte wäre nur durch eine Vertiefung in Genderstudien zu leisten. Diese Arbeit stellt jedoch keine Genderstudie dar. Es lässt sich aber zusammenfassend festhalten, dass Frauen sich nach Ergebnissen von Illouz und anderen Studien, anscheinend weniger wohl bei der Auslebung der seriellen Sexualität fühlen. Diese Form der Sexualität scheint schlechter auf sie ausgerichtet zu seien als auf männliche Individuen. Die serielle Sexualität der Frau sei daher eher „ein Weg, um Exklusivität zu erreichen, kein Ziel an sich.“ (Illouz 2012: 199). Frauen unterliegen nach Illouz somit der emotionalen Herrschaft von Männern (Illouz 2012: 198) und haben ein tendenziell höheres Bindungs- und niedrigeres Autonomiebedürfnis als diese zu verzeichnen. Daher seien sie einer stärkeren Verletzungsgefahr und höheren emotionalen Ungewissheit ausgesetzt (vgl. Illouz 2018: 271 ff.).

Des Weiteren lässt sich festhalten, dass sich das Verständnis von Paarbeziehungen und Erwartungen an diese, in der heutigen Gesellschaft, im Vergleich zu Zeiten des traditionellen patriarchalischen Familiensystems, in verschiedenen Weisen verändert und subjektiviert hat. Sich in einer Paarbeziehung zu befinden, bedeutet nicht mehr mit einer großen Wahrscheinlichkeit zusammenzubleiben und Sicherheit, Vertrautheit, Treue und Geborgenheit erwarten zu können, wie die hohe Anzahl von Trennungen und Scheidungen vermuten lässt. Es gilt die beim romantischen Liebesmodell erwarteten Zeichen der Zuneigung stets zu reproduzieren, dabei aber gleichzeitig die Selbstentfaltung, Flexibilität und Autonomie des Partners zu akzeptieren und nicht einzuschränken und somit einen individuellen Weg zu finden, mit der „Dialectic of Autonomy versus Connection“ (Duran 2011: 19) zurecht zu kommen.

Die genannten Veränderungen und Widersprüche der Liebe und Beziehung im 21. Jahrhundert, haben also eine zunehmende emotionale Ungewissheit der Individuen zur Folge. Gerade zu Beginn von Paarbeziehungen gibt es keinen etablierten Verhaltensrahmen. Es ist unklar und je nach Individuum verschieden, wie man sich in einer Beziehung zu verhalten hat, welche Erwartungen an eine Beziehung legitim sind und wie ernsthaft eine Beziehung gesehen wird. Diese Subjektivität und die damit einhergehende emotionale Ungewissheit können das Konfliktpotenzial in Paarbeziehungen beeinflussen. In dieser Studie sollen diese Entwicklung auf ein Konfliktpotenzial deshalb anhand folgender Annahmen überprüft werden:

1. Es gibt einen Zusammenhang von dem Institutionalisierungsgrad der Beziehung und Vertrauen.
2. Es gibt einen Zusammenhang von Vertrauen und von dem Institutionalisierungsgrad der Beziehung auf das Konfliktpotenzial insgesamt und auf die Anzahl der auf WhatsApp ausgetragenen Konflikte.

Zwei weitere, die Schwierigkeiten von Paarbeziehungen in der heutigen Gesellschaft beeinflussende Faktoren, sind die mediatisierte und die mobile Kommunikation, welche sich ebenfalls konfliktträchtig auf die Liebe und auf die Paarbeziehung im 21. Jahrhundert auswirken können.

Durch die Mediatisierung von Nachrichten steigt einerseits das Ausmaß an gestörter Kommunikation und durch die, sich durch das mobile Telefon entwickelte, Erwartung an eine ständige Erreichbarkeit, welche eben nicht immer möglich ist, entstehen Unsicherheiten und Kontrollverhalten welche sich ebenfalls verschärfend auf das Konfliktpotenzial auswirken können.

Das aktuellste Medium durch welches die mobile Kommunikation überwiegend praktiziert wird, ist das sogenannte Smartphone, welches durch die Installation von WhatsApp die Kommunikationsmöglichkeiten eines mobilen Telefons erweitert und bei einem vorhandenen Internetzugang, diesen zudem kostenlos ermöglicht hat. Das Smartphone und die Applikation WhatsApp sind zentrale Begriffe der aktuellen, meist genutzten mediatisierten und mobilen Kommunikation.

Sie werden deshalb zunächst erläutert, um die sich aktuell abzeichnenden Phänomene und Konfliktpotenziale der mobilen Erreichbarkeit und der mediatisierten Kommunikation anschließend erklären zu können.

6. Smartphone

Die Anzahl der Smartphonenutzer in Deutschland beträgt aktuell 57 Mio. Personen (vgl. Statista 2018 B) Das sogenannte Smartphone hat sich folglich in der deutschen Gesellschaft etabliert. Es handelt sich hierbei um eine Erweiterung des herkömmlichen mobilen Telefons, da es neben der Anruf- und SmS- (Short Message Service) Funktion auch die Möglichkeit bietet, mobiles Internet zu nutzen. So können Emails und andere Informationen problemlos unterwegs abgerufen werden und das Smartphone übernimmt die Rolle eines „handheld computer“ (vgl. Dictonary 2018). Es besitzt einen sogenannten Touchscreeen, welcher aus einem gitterförmigen Netz aus Drähten besteht und auf Druck reagiert. Durch das Drücken der Finger auf den Bildschirm können Eingaben und Befehle erkannt werden. Für das Verfassen von Texten erscheint eine Tastatur auf dem Bildschirm, welche ebenfalls auf die Druckimpulse reagiert (vgl. Blasinski 2012: 3). Des Weiteren besitzt das Smartphone zusätzliche Funktionen wie GPS (Global Positioning System) und die Möglichkeit sogenannte „Apps“ (Application) zu installieren und zu nutzen (vgl. Bibliographisches Institut GmbH 2018 A). Eine App ist eine Zusatzsoftware in Form eines Anwendungsprogrammes, welches heruntergeladen werden muss. Danach fungiert sie lokal als Desktop-App und hat daher einen direkten Nutzen für den Benutzer (vgl. Behrendt 2018). Ein Beispiel für solch eine App wird in der nächsten Definition gegeben.

7. WhatsApp

Das Anwendungsprogramm WhatsApp wurde im Februar 2009 von dem ukrainisch-US-amerikanischen Unternehmer Jan Koum entwickelt und im Februar 2014 für neunzehn Milliarden US-Dollar an Facebook verkauft (vgl. Hofman 2016). Die App konnte vom Gründungszeitpunkt bis zum Januar 2018 rund 1,5 Milliarden Benutzer weltweit gewinnen (vgl. Statista 2018 A) und gilt daher als eine der erfolgreichsten Apps überhaupt. Auch in Deutschland nutzen laut den Ergebnissen der Onlinestudie 2017 zur Internetnutzung in Deutschland von ARD/ZDF, rund 64 Prozent der deutschen Bevölkerung mindestens einmal wöchentlich den Messaging Dienst (vgl. Frees und Koch 2017).

Die App fällt unter die Kategorie „soziale Netze“ (Blasinski 2012: 17) und stellt einen sogenannten Instant Messaging Dienst dar, ein Internetdienst der „eine text- oder zeichenbasierte Kommunikation in Echtzeit“ (Kollmann 2018) ermöglicht. Diese Kommunikation in Echtzeit ist bei einer bestehenden Internetverbindung kostenlos und kann innerhalb der Anwendung WhatsApp auf verschiedene Art und Weise stattfinden: Die App bietet die Möglichkeit einfache Textnachrichten mit oder ohne des Beifügens von Emojis , sogenannte Piktogramme, die in elektronischen Nachrichten auf Gefühlslagen, Gegenstände, Orte, Tiere, Essen o. Ä. verweisen (vgl. Bibliographisches Institut GmbH 2018 B), Sprachnachrichten, Audiodateien, Bilddateien und Videodateien zu verschicken sowie die Möglichkeit einen Sprach- oder Videoanruf zu tätigen. Zudem besitzt WhatsApp neben diesen Kommunikationsweisen weitere Optionen, welche es ermöglichen, Informationen, ohne eine direkte Kommunikation mit einem Chatpartner, über sich preiszugeben oder von dem Chatpartner zu beziehen. Diese Optionen können das Konfliktpotenzial in Paarbeziehungen, vor allem im Zusammenhang mit einer länger andauernden Nichterreichbarkeit des Partners erhöhen (vgl. Blasinski 2012: 24-49). Sie werden deshalb im Folgenden vorgestellt und bei der anschließenden Untersuchung der mobilen Erreichbarkeit sowie in dem empirischen Teil dieser Arbeit berücksichtigt.

Onlinestatus

Sofern WhatsApp geöffnet ist, wird der gerade aktive Benutzer den anderen Benutzern, die gerade ebenfalls aktiv sind, als online angezeigt. Diese Anzeige kann nicht deaktiviert werden. Allerdings ist es bei WhatsApp nicht möglich, generell nachzuschauen welche Nutzer gerade online sind, wie beispielsweise bei Facebook oder Skype. Will man also herausfinden ob eine Person gerade online ist, muss auf den spezifischen Kontakt geklickt werden, damit sich ein Chatverlauf öffnet, in welchem der Onlinestatus unter dem Namen der Person angezeigt wird. Ist die Person nicht online, wird bei der Onlineanzeige unter dem Namen, das Datum und die Uhrzeit des letzten Öffnens der App angezeigt. Diese Anzeige kann jedoch manuell in den WhatsApp-Einstellungen ausgestellt werden. Ist die zuletzt online Information deaktiviert, so ist lediglich einsehbar, ob die Person gerade online ist oder nicht (vgl. WhatsApp 2019).

Empfangsstaus der Nachrichten

Es gibt verschiedene Sendestatus einer Nachricht auf WhatsApp. Sofern eine Nachricht gerade abgeschickt wird, dass Senden dieser Nachricht jedoch noch nicht erfolgreich war, wird eine kleine Uhr rechts neben der Nachricht angezeigt. Das Ausbleiben des Sendens hat meist eine fehlende Internetverbindung von dem sendenden Smartphone zur Ursache. Ist eine Internetverbindung vorhanden und erscheint ein kleiner Haken rechts neben der Nachricht, so bedeutet dies, dass die Nachricht erfolgreich versendet, jedoch bei dem Empfänger noch nicht angekommen ist. Eine mögliche Ursache hierfür kann eine fehlende Internetverbindung oder ein ausgeschaltetes Handy sein. Erscheinen zwei Haken rechts neben der Nachricht, so wurde diese Nachricht gesendet und empfangen und kann im sogenannten Newsfeed oder auf dem Sperrbildschirm des Empfänger-Smartphones bereits gelesen werden, ohne dass der Chat auf WhatsApp geöffnet werden muss. Wurde der Chat geöffnet, so erscheinen beim Sender der Nachricht zwei kleine blaue Häkchen, welche bestätigen, dass der Empfänger die Nachricht gelesen hat. Der gelesen e Status kann ebenfalls deaktiviert werden. Ist dies der Fall, werden dem Sender der Nachricht lediglich die zwei Häkchen der Empfangsbestätigung angezeigt. Ob der Empfänger die Nachricht schon gelesen hat bleibt ungewiss (vgl. WhatsApp 2019).

Profilbild

Das WhatsApp Konto kann je nach Belieben des Nutzers mit einem Profilbild versehen werden. Dazu werden die Einstellungen, dann die Kategorie Profil und Profilbild geöffnet und es kann ein Bild aus der Bildergalerie des Smartphones hochgeladen werden. Für andere WhatsApp Nutzer ist dieses Bild dann in der Liste derer Kontakte klein angezeigt. Öffnet man den Chatverlauf der jeweiligen Person, so ist es auch möglich auf das Bild zu klicken und dieses in einer großen Ansicht zu betrachten. Entscheidet man sich kein Profilbild zu verwenden, wird man anderen Nutzern trotzdem, nur ohne ein Bild angezeigt (vgl. WhatsApp 2019).

Profilbeschreibung

Die Profilbeschreibung befindet sich ebenfalls in den Einstellungen unter der Kategorie Profil. Hier gibt es eine Reihe vorgefertigter Beschreibungen wie: Beschäftigt, Akku fast leer, Bei der Arbeit etc., welche nach Belieben ausgewählt werden können und als Information für andere Nutzer über den eigenen Verfügbarkeitsstatus dienen. Die Profilbeschreibung wird vermehrt ebenfalls dazu genutzt, kleine Sprüche, Meinungen oder Weisheiten preiszugeben und ist daher nicht nur als Informationsträger der individuellen Verfügbarkeit auf WhatsApp, sondern auch als Informationspreisgabe über diverse Themen zu beobachten. Die Profilbeschreibung kann von anderen Nutzern durch die WhatsApp Kontaktliste oder durch Öffnung des Chatverlaufs und Klicken auf das Profil der entsprechenden Person eingesehen werden. Bis zum Februar 2017 war die Profilbeschreibung noch unter dem Begriff Status einsehbar. Da jedoch neue Optionen eingeführt wurden, bezieht sich die Bezeichnung Status nun auf eine der neuen Optionen. Der alte Statusbegriff ist nun unter der Kategorie Profilbeschreibung einsehbar (vgl. WhatsApp 2019).

Status

Der Status wurde im Februar 2017 eingeführt und ermöglicht den Nutzern Fotos und Videos zu aktuell ausgeführten Aktivitäten und Orten hochzuladen, welche dann 24 Stunden für alle eingespeicherten Kontakte sichtbar sind. Es kann jedoch einzelnen Kontakten manuell die Ansicht des Status verwehrt werden. Die Status-Updates können in der App unter der Kategorie Status aufgerufen und angeschaut werden (vgl. WhatsApp 2019).

Blockieren

WhatsApp bietet zudem die Möglichkeit andere Nutzer zu blockieren. Diese Funktion befindet sich unter den WhatsApp Einstellungen, Privat und blockierte Kontakte. Hier ist es jederzeit möglich, Personen zu blockieren oder eine Blockierung aufzuheben. Blockiert zu sein beinhaltet, von dem blockierten Nutzer, auf jegliche Kommunikationsweisen (Anruf, Textnachricht etc.), nicht mehr erreicht werden zu können und diesen ebenso nicht mehr zu erreichen. Der blockierte Kontakt wird in der Kontaktliste zwar noch angezeigt, es sind jedoch keine der weiteren Optionen mehr einsehbar (Status, Profilbeschreibung, Profilbild, Onlinestatus). Will eine blockierte Person eine Nachricht an den Blockierer schicken, so wird diese zwar von dem Senderhandy abgeschickt (Sendestatus: ein Haken), von dem Empfängerhandy jedoch nicht empfangen (der eine Haken bleibt unveränderlich). Eine direkte Benachrichtigung blockiert worden zu sein, sendet WhatsApp nicht. Sofern die Informationspreisgaben bei WhatsApp also für eine Person nicht mehr angezeigt werden und Nachrichten an diese nicht empfangen werden können, könnte es sein, dass die entsprechende Person eine Blockade vollzogen hat. Es könnte aber auch sein, dass diese Person ihre Informationspreisgaben auf WhatsApp gelöscht hat und gerade kein Internet hat, weshalb die Nachrichten nicht empfangen werden können. Daher besteht ein Interpretationsspielraum über eine Blockade (vgl. WhatsApp 2019).

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Ende der Leseprobe aus 112 Seiten

Details

Titel
Konfliktaustragung per WhatsApp. Wie nutzen Paare den Instant-Messaging-Dienst bei Beziehungsproblemen?
Autor
Jahr
2021
Seiten
112
Katalognummer
V594499
ISBN (eBook)
9783963551321
ISBN (Buch)
9783963551338
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Paarbeziehungen, Sprachnachrichten, Textnachrichten, Mobile Kommunikation, Mediatisierte Kommunikation, Nonverbale Kommunikation, Konflikt, Streit, WhatsApp
Arbeit zitieren
Paula Duwe (Autor:in), 2021, Konfliktaustragung per WhatsApp. Wie nutzen Paare den Instant-Messaging-Dienst bei Beziehungsproblemen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/594499

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