Die Frage nach der Definition von Symbolismus ist mehr als umstritten. Zwar gibt es Übereinstimmungen und bestimmte symbolistische Merkmale, doch ist der russische Symbolismus weitaus komplizierter. Diese Hausarbeit untersucht, ob es überhaupt eine klare eindeutige Definition des russischen Symbolismus geben kann oder ob es Symbolismen nach bestimmten Autoren gibt. Zusätzlich wird der Symbolismus am Beispiel von den Gedichten von Alexander Blok untersucht.
Metaphern, Symbole, Allegorien – Alle diese stilistischen Mittel sind charakteristisch für jede Art von Poesie und sind in allen Epochen aufzufinden. Trotz des häufigen Auftretens der stilistischen Mittel gibt es in Russland die Epoche des Symbolismus. Doch was genau ist Symbolismus und das Besondere an der genannten Epoche? "Das Hauptziel der symbolistischen Schreiber, war es eine schöne Dichtung zu verpassen." So heißt es in einem Literaturhandbuch. Aber was genau gilt als schöne Dichtung?
Diese Arbeit besteht aus zwei Teilen, die beide versuchen, die Frage zu beantworten, auf welche Weise und mit welchen Besonderheiten sich der Symbolismus ein Alleinstellungsmerkmal in der russischen Kultur- und Literaturgeschichte erlangt hat. Der erste Teil beschäftigt sich mit dem Symbolismus als Solches und versucht zu klären, was genau Symbolismus darstellt. Dazu werden vor allem die Aufsätze von Andrej Belyj zur symbolistischen Kunst untersucht, aber auch weitere Quellen werden zur Hand genommen, um Gemeinsamkeiten zwischen diesen zu finden und damit eine Definition für den Begriff des Symbolismus zu schaffen.
Der zweite Teil ist praktischer und untersucht zwei ausgewählte Gedichte von Aleksandr Blok und versucht diese in den Kontext des Symbolismus einzubetten. Aus den Gedichten werden die Hauptmotive des Symbolismus ausgearbeitet, aber auch die typischen "Blok-Motive" sollen hier einmal geltend gemacht werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was ist Symbolismus?
2.1 Der Dichter des Symbolismus
2.2 Das Einfangen der Atmosphäre
2.3 Die Synästhesie des Symbolismus
2.4 Dekadenz und die Subjektivität des Symbolismus
2.5 Leitmotive des Symbolismus und seine führenden Metaphern
2.6 Zwischenfazit und Überleitung
3. Symbolismus nach Blok
3.1 „Neznakomka“ („Die Unbekannte“)
3.2 „Hudožnik“ („Der Künstler“)
4. Fazit zum Symbolismus und weitere Themen zur Untersuchung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, das Wesen des russischen Symbolismus theoretisch zu definieren und dessen praktische Ausprägung anhand ausgewählter Gedichte von Aleksandr Blok zu analysieren, um so die charakteristischen Motive und Merkmale der Epoche zu identifizieren.
- Theoretische Grundlagen des Symbolismus nach Andrej Belyj und Dmitrij Merezkovskij.
- Untersuchung zentraler Konzepte wie Synästhesie, Dekadenz und Subjektivität.
- Praktische Analyse von Aleksandr Bloks Gedichten "Neznakomka" und "Hudožnik".
- Identifikation spezifischer "Blok-Motive" und deren Einbettung in den symbolistischen Kontext.
- Reflexion über die Einheitlichkeit symbolistischer Strömungen und die Rolle des Lesers.
Auszug aus dem Buch
2.1 Der Dichter des Symbolismus
Geht man vom Ursprung des Symbolismus aus, so scheint dieser ohne den Realismus gar nicht möglich gewesen zu sein. Erst nach einer so nüchternen und kritischen Strömung konnte so etwas wie der Symbolismus entstehen. Nach dem Verbleiben in der Realität und ihrer zunehmenden historischen Schwierigkeiten und Veränderungen sehnt man sich in andere Welten, die diese Welt projizieren, aber auch hinterfragen. So bleibt die Philosophie in der Literatur nicht unbemerkt. Nietzsche und andere Philosophen erlangen in der literarischen Welt an Beachtung. In seinen Schriften befasst sich Belyj vor allem mit Immanuel Kant und Arthur Schopenhauer und versucht den Symbolismus mit ihren Werken zu beschreiben. Ohne den Symbolismus sei Kants Kritizismus nicht vollständig, nicht greifbar. „Критицизм - призма, разбивающая свет души на радужные краски. Символизм - обратно поставленная призму, опять собирающая эти радужные краски. Символизм бес критицизма и критицизм бец символизма охватывали бы мир однобоко: пройдя сквозь призмы символизма и критицисма мы становимся мудрыми (…)“4 Philosophie und Kunst gehen demnach Hand in Hand und schaffen erst bei Betrachtung von beiden ein Ganzes. Dieses Konzept erinnert bereits an die Epoche der deutschen Romantik und sagt vor allem vieles über die Anforderungen an den Dichter einer solchen Strömung aus.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein und umreißt die Zielsetzung der Arbeit, die sich in eine theoretische Definition des Symbolismus und eine praktische Analyse von Bloks Werken gliedert.
2. Was ist Symbolismus?: Hier werden die theoretischen Grundlagen des Symbolismus erarbeitet, einschließlich der Konzepte des Dichters, der Atmosphäre, der Synästhesie, der Dekadenz und der zentralen Metaphern.
3. Symbolismus nach Blok: Dieser Teil widmet sich der praktischen Anwendung, indem die Gedichte "Neznakomka" und "Hudožnik" hinsichtlich ihrer symbolistischen Merkmale und Motive untersucht werden.
4. Fazit zum Symbolismus und weitere Themen zur Untersuchung: Das abschließende Kapitel reflektiert die Ergebnisse, stellt die Subjektivität der Strömung fest und verweist auf den Bedarf an weiteren Untersuchungen anderer Symbolisten.
Schlüsselwörter
Russischer Symbolismus, Aleksandr Blok, Andrej Belyj, Dmitrij Merezkovskij, Synästhesie, Dekadenz, Nezahomka, Hudožnik, Lyrik, Mystik, Literaturgeschichte, Ästhetik, Poetik, Motivik, Transzendenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit der Definition des russischen Symbolismus als Epoche und untersucht, wie sich dessen charakteristische Merkmale in der Lyrik von Aleksandr Blok manifestieren.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die theoretische Bestimmung des Symbolismus, die Bedeutung von Atmosphäre und Synästhesie sowie die Analyse spezifischer, teils mystischer Motive in der Dichtung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Symbolismus als literarische Strömung besser greifbar zu machen und durch die Analyse von Blok-Gedichten zu zeigen, wie einheitlich oder subjektiv die Merkmale dieser Epoche tatsächlich sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf die literaturwissenschaftliche Analyse von Essays (insbesondere von Andrej Belyj) sowie auf die textimmanente Interpretation zweier ausgewählter Gedichte Bloks.
Was wird im theoretischen Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Entstehung des Symbolismus aus dem Realismus, die Forderung nach einem "poeta doctus", die Rolle der Dekadenz und die Verschmelzung der Künste (Synästhesie).
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe wie Symbolismus, mystische Stimmungslyrik, Synästhesie, Intertextualität, Dekadenz und die besondere Rolle der Subjektivität bilden das Fundament der Untersuchung.
Welche Bedeutung kommt der "Synästhesie" im Kontext der Arbeit zu?
Die Synästhesie wird als ein wesentliches Merkmal beschrieben, bei dem insbesondere Musik und Literatur verschmelzen, um beim Leser eine spezifische Stimmung zu erzeugen und die Mehrdeutigkeit der Kunst zu fördern.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des "wahren Sinns" in den untersuchten Gedichten?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass der Leser den wahren Sinn der symbolistischen Werke möglicherweise nie vollständig erfassen wird, da die Mehrdeutigkeit und das Mystische einen festen Bestandteil dieser Kunstform darstellen.
- Citar trabajo
- Natalia Zohhova (Autor), 2019, Alexander Blok und der russische Symbolismus. Was ist der Symbolismus und inwiefern lässt er sich in der Arbeit Bloks wiedererkennen?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/594693