Durch Coaching zum selbstgesteckten Ziel? Das Zürcher-Ressourcen-Modell (ZRM) als Coaching-Methode


Hausarbeit (Hauptseminar), 2019

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Zusammenfassung

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen des ZRMs
2.1 Somatische Marker und Ressourcenaktivierung im ZRM
2.2 Die fünf Phasen des ZRMs

3. Diskussion

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1. Rubikonmodell der Handlungsphasen

Abbildung 2. Fünf Phasen des Rubikonprozesses

Abkürzungsverzeichnis

PSI Persönlichkeits-System-Interaktionen

ZRM Zürcher Ressourcen Modell

Zusammenfassung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Zürcher Ressourcen Modell (ZRM) als Coaching-Methode. Konkret wird folgende Fragestellung untersucht: „Wie unterstützt das ZRM Individuen dabei selbstbestimmte Ziele zu entwickeln und umzusetzen?“. Dafür werden zunächst die theoretischen Grundlagen des ZRMs vorgestellt. Es zeigt sich, dass das ZRM einerseits auf einer erweiterten Variante des Rubikonmodells und andererseits auf der Persönlichkeits-System-Interaktionen (PSI)-Theorie basiert. Im Anschluss daran wird anhand der fünf Phasen des ZRMs der Ablauf der Coaching-Methode illustriert. Es kann konstatiert werden, dass das ZRM darauf abzielt, den Coaching-Teilnehmern1 Hilfestellung zu liefern, sich ihrer (un)bewussten Bedürfnisse bewusst zu werden. Das ZRM unterstützt diesen Prozess durch den Einsatz geeigneter Methoden (z.B. Ideenkorb, Ressourcenpool). Eine zentrale Rolle im ZRM spielt die sogenannte „Überquerung des Rubikons“. Hierbei geht es darum, das bewusst gewordene Bedürfnis (Motiv bzw. linkes Rubikonufer) im nächsten Schritt zur Intention (rechtes Rubikonufer) zu transformieren. Sobald der Rubikon erfolgreich überquert wurde, verfolgt das ZRM das Ziel den Coaching-Teilnehmern dabei zu helfen, die erarbeiteten Ziele im Alltag umzusetzen. Im Anschluss an die Darstellung des Ablaufs des ZRMs folgt eine kritische Würdigung der Erkenntnisse. Dabei wird einerseits thematisiert, dass sich das ZRM insbesondere durch die Selbstbestimmtheit der Teilnehmerziele auszeichnet (Brown & Reilly, 2009; Kiegelmann & Baumann, 2011; Krause & Storch, 2006), aber andererseits nicht dem Anspruch einer Therapie genügt. Ein abschließendes Fazit rundet die Arbeit ab.

1. Einleitung

Während in der Vergangenheit der Umgang mit unbewussten Inhalten der tiefenpsychologischen Schule vorbehalten war, rücken unbewusste (implizite) psychologische Themen zunehmend in den Blickpunkt der akademischen Psychologie (Hassin, Uleman & Bargh, 2005; Wegner, 2002). Gerade im privaten sowie im beruflichen Umfeld gibt es immer häufiger Situationen, die uns emotional (über-)fordern. Um diese Situationen zu meistern, können verschiedene Techniken und Methoden trainiert und angewendet werden. Das ZRM hat sich als eines dieser Verfahren etabliert. Die Coaching-Methode hilft dabei, diese individuellen Ressourcen (wieder) zu entdecken, zu potenzieren und für gewünschte Ziele bzw. Veränderungen einzusetzen (Pokora, 2012). Das ZRM wurde von Storch und Krause (2007) ursprünglich als Selbstmanagement-Gruppentraining entwickelt. Mittlerweile wird es aber auch als Instrument für Einzelbefragungen eingesetzt. Das Modell zielt darauf ab, die Motivation zu steigern, Zielklarheit zu generieren und wichtige Ressourcen anzuregen (Graf, 2012). Gerade das Erlernen bzw. die Optimierung der Selbststeuerung stellt einen zentralen Ansatzpunkt im modernen Coaching dar (Kehr & von Rosenstiel, 2008; Kuhl & Henseler, 2007; Kuhl & Kazén, 2006; Wasylyshyn, 2003).

Die vorliegende Arbeit trägt der steigenden Bedeutung von selbstbestimmten Zielen Rechnung und beschäftigt sich mit der Fragestellung: „Wie unterstützt das ZRM Individuen dabei selbstbestimmte Ziele zu entwickeln und umzusetzen?“. Dafür werden zunächst die theoretischen Grundlagen des ZRMs erläutert. Im Anschluss daran wird der Ablauf des ZRMs anhand der fünf Phasen des Rubikonprozesses vorgestellt. Daran schließt eine kritische Reflexion bzw. Diskussion der dargestellten Erkenntnisse an. Ein abschließendes Fazit rundet die Arbeit ab.

2. Theoretische Grundlagen des ZRMs

2.1 Somatische Marker und Ressourcenaktivierung im ZRM

Das ZRM von Storch und Krause (2007) basiert einerseits auf einer erweiterten Variante des Rubikonmodells, welches ursprünglich von Heckhausen und Gollwitzer (1987) entwickelt und von Grawe (1998) erweitert wurde und andererseits auf der PSI-Theorie von Kuhl (1998). Im Anhang der Arbeit finden sich weiterführende Informationen zum Rubikonmodell (Anhang A1) und zur PSI-Theorie (Anhang A2). Nachfolgend werden die wesentlichen Annahmen bzw. Konzepte des ZRMs vorgestellt. Die Arbeit erhebt dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern konzentriert sich auf die zentralen Konzepte.

Eine wichtige Theorie innerhalb der Neurowissenschaften stellt die Theorie der somatischen Marker von Damasio (1994) dar. Dieser bezeichnet als somatische Marker ein biologisches Bewertungssystem, das durch Erfahrung entsteht und über Körpersignale und/oder emotionale Signale verläuft. Damasio konnte zudem zeigen, dass somatische Marker in Entscheidungssituationen eine wesentliche Rolle einnehmen und somit auch für das ZRM von hoher Bedeutung sind. Jede Situation beziehungsweise jedes Objekt, mit denen ein Organismus Erfahrungen gesammelt hat, hinterlässt einen somatischen Marker, der eine Bewertung dieser Begegnung speichert. Die Bewertung erfolgt dabei anhand eines dualen Systems (gut/schlecht). Wenn sich der Organismus zu einem späteren Zeitpunkt in einer entsprechenden Situation befindet bzw. sich im Zuge eines Planungsprozesses über eine solche Situation Gedanken macht, erfährt er über somatische Marker, welche Erfahrungen bisher zu dieser Thematik gesammelt wurden. Somatische Marker werden dabei individuell und teilweise auch situativ unterschiedlich wahrgenommen. Sie können beispielsweise als Körperempfindung (z.B. ein angenehmes Wärmegefühl im Bauch beim positiven somatischen Marker oder ein Zittern in den Beinen beim negativen somatischen Marker) wahrgenommen werden. Diese Ergebnisse werden auch von der psychologisch-akademischen Forschung unterstützt (Hänze, 2002; Musch & Klauer, 2003).

Ein weiteres zentrales Konzept des ZRMs ist die Ressourcenaktivierung. Schiepek und Cremers (2003) stellen in diesem Zusammenhang fest, dass der Begriff „Ressource“ im sozialwissenschaftlichen Kontext inflationär und nicht immer präzise verwendet wird. Im Zuge des ZRMs wird ein neurobiologisch fundierter Ressourcenbegriff verwendet. Als Ressource gilt alles, was gesundheitsfördernde neuronale Netze aktiviert und derartige Ziele unterstützt (Storch & Krause, 2007). Die zentrale Annahme bei einem ressourcenorientierten Ansatz ist es, dass der Mensch die meisten Ressourcen, die er zur Lösung seiner Probleme benötigt, selbst in sich trägt. Die Therapeuten helfen im Zuge des ZRMs dabei diese Ressourcen zu entdecken und zu entwickeln.

2.2 Die fünf Phasen des ZRMs

Storch und Krause (2007) untergliedern das ZRM in fünf Phasen, welche auf dem Rubikonmodell basieren. Die Grafik im Anhang 3 der Arbeit illustriert diese fünf Phasen des (erweiterten) Rubikonprozesses. Die erste Phase des ZRM-Coachings entspricht dem Übergang von unbewussten bzw. wenig bewussten zu voll bewussten Inhalten (im Rubikonprozess dem Übergang von Bedürfnis zum Motiv). Um ein psychologisch fundiertes Bild der „current concerns“ (Klinger, 1997) des Klienten zu bekommen, werden beim ZRM bewusste wie unbewusste Inhalte in den Arbeitsprozess mit einbezogen. Um unbewusste Inhalte bewusst zu machen, schlagen Storch und Krause (2007) ein projektives Verfahren vor. Dabei wird vorausgesetzt, dass anhand von Bildmaterial unbewusste Vorgänge beim Teilnehmer aktiviert werden können. Konkret schlagen die Autoren vor, den Teilnehmern eines ZRM-Coachings eine Bildkartei mit speziell ausgewählten Bildern zu zeigen mit der Anweisung, das Bild auszuwählen, welches beim Teilnehmer einen positiven somatischen Marker (vgl. 2.1) auslöst. Darauf folgt ein eigens für das ZRM entwickeltes Gruppenverfahren, der sogenannte „Ideenkorb“. Die Teilnehmer des Coachings versuchen für jedes ausgewählte Bild eines Teilnehmers einen reichhaltigen Ideenkorb an positiven Assoziationen zu produzieren. Die Aufgabe der Person, dessen Bild gerade von der Gruppe diskutiert wird, ist es, sorgfältig darauf zu achten, ob Vorschläge der Gruppe einen somatischen Marker bei ihr auslösen. Diese als nützlich bewerteten Vorschläge der Gruppe in Kombination mit eigenen Vorstellungen ermöglichen es dem Teilnehmer eine reichere und tiefere Vorstellung über bewusste und unbewusste Bedürfnisse zu entwickeln (Storch & Krause, 2007). Dies ist gerade im Hinblick auf die in der Forschungsfrage formulierte Selbstbestimmtheit von Zielen von hoher Relevanz.

Die zweite Phase des ZRMs thematisiert die „Überquerung des Rubikons“. Das bewusst gewordene Bedürfnis, nun Motiv (linkes Rubikonufer) genannt, soll im nächsten Schritt zur Intention (rechtes Rubikonufer) werden. Gollwitzer (1991) beschreibt den Unterschied zwischen Motiv und eindeutiger Intention als den Unterschied zwischen Wählen (goal setting) und Wollen (goal striving). Im ZRM wird anstelle des Fremdworts „Intention“ von einem „handlungswirksamen Ziel“ gesprochen. Dieses wird als „Allgemeines Haltungsziel“2 formuliert, welches anhand von drei Kernkriterien bearbeitet wird (Storch, 2003b):

- Erstens werden die Teilnehmer aufgefordert ein Annäherungsziel3 zu formulieren. Im Gegensatz zu Verneinungszielen erhöhen Annäherungsziele die Auftretenswahrscheinlichkeit des erwünschten Verhaltens (Storch, 2003b; Krause & Storch, 2006).
- Zweitens muss gelten, dass die Realisierbarkeit des Annäherungszieles in der eigenen Kontrolle liegt, denn je eher ein Mensch das Gefühl hat, dass er mit eigenen Kräften ein bestimmtes Ziel erreichen kann, desto größer ist seine Motivation sich nachhaltig für dieses Ziel einzusetzen (Storch, 2003b; Krause & Storch, 2006).
- Drittens muss das Ziel von einem positiven, stark willensbahnenden Affekt begleitet werden, der indikativ für intrinsische Motivation und Selbstkongruenz ist (Storch, 2003b; Krause & Storch, 2006).

Wenn diese drei Kernkriterien bei der Erarbeitung von „Allgemeinen Haltungszielen“ berücksichtigt werden, ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese in Handlungen umgesetzt werden, deutlich höher als bei konkreten Handlungszielen.

In der dritten Phase des ZRMs beginnt die präaktionale Phase des Rubikonprozesses. Das bedeutet, dass die notwendigen Vorbereitungen getroffen werden, um die erarbeiteten handlungswirksamen Ziele in Handlungen umzusetzen. Durch die Bildung eines Ressourcenpools, werden die Informationen eines Ziels auf möglichst vielen Ebenen gespeichert (Multicodierung). Die erste wichtige Ressource stellt das bereits erarbeitete handlungswirksame Ziel dar. Die Vorgehensweise zum Aufbau des Ressourcenpools beruht laut Hüther (2001) auf den neurowissenschaftlichen Grundlagen zur neuronalen Plastizität und den gedächtnistheoretischen Erkenntnissen zum Erwerb impliziten Wissens. Gemäß Markowitsch (2002) kann implizites Wissen auf zwei Wegen erlernt werden:

- Häufiges Wiederholen, Trainieren und Üben (z.B. Erlernen des Autofahrens)
- „Priming“4 (spezielle Form des unbewussten Lernens)

Bargh, Gollwitzer, Lee-Chai, Brandollar und Trötschel (2001) konnten in einer Vielzahl von Experimenten belegen, dass durch Priming Emotionen, Einstellungen, Ziele und Absichten unbewusst aktiviert werden können und dass diese unbewusste Aktivierung nachweislich das Denken und Handeln der betroffenen Menschen in entsprechenden Situationen beeinflusst. Die dritte Phase des ZRMs beschäftigt sich mit der Vorbereitung solcher Priming-Prozesse. Hierzu werden Erinnerungshilfen (Ressourcen) installiert, welche das Ziel aktivieren. Diese sollen möglichst vielfältig in den Alltag integriert werden, damit ein „Dauerpriming“ stattfinden kann. Als sinnliche Erinnerungshilfen dienen beispielsweise Parfums (Gerüche), Musik oder bewusst eingesetzte Farben, z.B. bei der Kleidungswahl. Sie stimulieren und stärken das neuronale Zielnetz. Ein zum Motto-Ziel passendes „Embodiment“ bildet die dritte Ressource im ZRM (Krause & Storch, 2006). Wie von Engelkamp (1997) nachgewiesen und in weiteren verschiedenen Experimenten manifestiert (Engelkamp, 1998; Pfeifer & Scheier, 1999; Pfeifer, 2006), werden Lerninhalte signifikant besser behalten, wenn parallel Körperarbeit verrichtet wird. Demnach ermöglicht die Verkörperung einer Information stabiles Erinnern (Krause & Storch, 2006). Im Ressourcenpool befinden sich am Ende dieser dritten Phase drei Ressourcen:

- Das handlungswirksame kognitive Ziel (das sog. „3k-Haltungsziel“)
- Die individuellen emotionalen Erinnerungshilfen
- Die subjektiv als wichtig erlebten körperlichen Ressourcenelemente.

Das entstandene neuronale Netz hilft den Teilnehmern das angestrebte Verhalten auszuführen.

Die vierte Phase des ZRMs befasst sich mit dem zielgerichteten Einsatz der Ressourcen aus dem Ressourcenpool. Durch die Bildung von Ausführungsintentionen5 erfolgt ein Wechsel von der Haltungsebene auf die Handlungsebene. Krause und Storch (2006) unterscheiden drei Situationstypen (A, B und C), an welchen sich die unterschiedlichen Ausführungsintentionen orientieren:

- Situationstyp A: Situationen, in denen die Verwirklichung des Ziels bereits einfach und ohne unterstützende Maßnahme gelingt.
- Situationstyp B: Situationen, in denen die Verwirklichung des Zieles schwierig ist, die jedoch vorhersehbar sind und daher vorbereitet werden können.
- Situationstyp C: Situationen, in denen die Verwirklichung des Zieles schwierig ist, die unvorhersehbar sind und welche überraschend eintreten.

Konkret werden Strategien erarbeitet, die den Teilnehmern helfen, ihr Ziel in den unterschiedlichen Situationen zu erreichen.6 Eine entscheidende Rolle nehmen dabei insbesondere die theoretischen Grundlagen zum Umgang mit Stress ein. Diese sollen den Klienten dabei helfen, sich in unerwarteten Situationen selbst zu analysieren, Vorläufersignale zu erkennen und unerwünschte Automatismen frühzeitig zu unterbinden (Krause & Storch, 2006).

Die fünfte Phase des ZRMs befasst sich mit der Integration und dem Transfer des bislang Erarbeiteten in den Alltag. Eine Multicodierung des gesamten Zielnetzes und der mit diesen verknüpften Ressourcen zählt beispielsweise zu den potentiellen Maßnahmen einer erfolgreichen Integration (Krause & Storch, 2006). Diese Multicodierung beinhaltet unter anderem schriftliche, mündliche und bildhafte Vorgehensweisen. Gemäß dem „social support-Ansatz“ von Schmidt (2001) wird individuelles Lernen durch emotionale Unterstützung intensiviert. Aus diesem Grund beinhaltet die letzte Phase des ZRMs die Aufgabe, aus der bestehenden Gruppe ein soziales Netzwerk zu gründen. Demzufolge kann ein Erfahrungsaustausch stattfinden. Wird das ZRM innerhalb eines Einzelcoachings angewendet, können Verwandte oder Freunde zum Ressourcenpool als soziale Ressource hinzugefügt werden.

3. Diskussion

Die herrschende Literaturmeinung sieht insbesondere in der Selbstbestimmtheit der Ziele eine wesentliche Stärke des ZRMs (Brown & Reilly, 2009; Kiegelmann & Baumann, 2011; Krause & Storch, 2006), da gerade die Identifizierung der positiv bedeutsamen Ziele von Patienten für Psychotherapeuten im Allgemeinen schwierig ist (Storch, 2002). Kanfer, Reinecker und Schmelzer (1990) ergänzen, dass zudem die Gefahr besteht, dass Psychotherapeuten bei anderen Verfahren nur ihre eigenen Annahmen von den Plänen der Patienten formulieren, da sie davon ausgehen, deren Pläne zu kennen. Dies führt dazu, dass sie subjektive Schlussfolgerungen ziehen und den Patienten nicht die Möglichkeit geben, ihre individuellen Ziele zu erkennen bzw. zu entwickeln. Das ZRM trägt dieser Gefahr Rechnung und unterstützt den Klienten anhand des Rubikon-Prozesses dabei, selbstbestimme Ziele zu entwickeln und diese umzusetzen. Ein weiterer wesentlicher Vorteil des ZRMs liegt darin, dass sowohl rationale als auch emotionale Aspekte in den Prozess einbezogen werden. Storch (2003a) spricht in diesem Zusammenhang von der Theorie der „klugen Entscheidung“. Außerdem ist das ZRM flexibel anwendbar und kann beispielsweise auch zur Stressreduktion oder Raucherentwöhnung eingesetzt werden (Krause & Storch, 2006). Seine Grenzen findet das ZRM darin, dass es nicht dem Anspruch einer Therapie gerecht wird. Bei Patienten, die physisch und psychisch so stark geschwächt sind, dass ihr Hormonhaushalt im Ungleichgewicht ist, kann das ZRM jedoch therapieunterstützend eingesetzt werden. Sobald diese Ressourcen wiederhergestellt sind, kann das ZRM angewendet werden und durch selbstbestimmtes Handeln zu einer Steigerung des Selbstwertes führen und sich positiv auf die Lebenslust und den Humor auswirken (Krause & Storch, 2006). Wranke (2010) gibt zu bedenken, dass trotz der fundierten Ergebnisse von Damasio (1994) viele Fragen im Hinblick auf Kognitionen durch Emotionen noch ungeklärt sind. Mit Blick in die Zukunft gilt es aus praktischer Sicht außerdem noch zu untersuchen, ob mögliche Synergieeffekte mit anderen Verfahren wie beispielsweise der kollegialen Beratung nach Tietze (2003) oder der Methode des Inneren Teams nach Schulz von Thun (1999) zur Klärung von Motivationslagen und selbstkongruenten Haltungszielen herausgearbeitet werden können.

[...]


1 In der folgenden Arbeit wird aus Gründen der besseren Lesbarkeit ausschließlich die männliche Form verwendet. Sie bezieht sich auf Personen beiderlei Geschlechts.

2 Für einen Überblick zum Thema „Allgemeine Ziele“ siehe auch Emmons (1996).

3 Annäherungsziele formulieren das, was man erreichen möchte, während Vermeidungsziele beschreiben, was man nicht will. Zur Formulierung von Annäherungszielen siehe auch Heckhausen (1989).

4 Zum Begriff „Priming“ siehe auch Myers (2008).

5 Im Gegensatz zu Zielintentionen („ich plane X zu tun“) sind Ausführungsintentionen präziser formuliert („ich plane X in einer bestimmten Art und Weise zu machen, wenn die bestimmte Situation Y eintritt“) (Krause & Storch, 2006).

6 Für weiterführende Informationen zu praktischen Anwendungshilfen im Hinblick auf die Situationstypen siehe auch Renner und Schwarzer (2000).

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Durch Coaching zum selbstgesteckten Ziel? Das Zürcher-Ressourcen-Modell (ZRM) als Coaching-Methode
Hochschule
Private Fachhochschule Göttingen
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
17
Katalognummer
V594827
ISBN (eBook)
9783346208040
ISBN (Buch)
9783346208057
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ZRM, Zürcher Resourcen Modell, Coaching, Coaching-Methoden
Arbeit zitieren
Isa-Maria Behrens (Autor), 2019, Durch Coaching zum selbstgesteckten Ziel? Das Zürcher-Ressourcen-Modell (ZRM) als Coaching-Methode, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/594827

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