Unternehmerisches Handeln vollzieht sich stets im Kontext vielfältiger Umgebungsparameter und besteht immer aus dem Management von Chancen und Risiken, d.h. der Realisierung von Chancen und Eingrenzung der damit verbundenen Risiken. Mit dem Inkrafttreten des Gesetzes zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) vom Mai 1998 wird dieser Zusammenhang noch verstärkt. Durch dieses Gesetz besteht für viele Unternehmen unmittelbar über § 91 II AktG oder mittelbar über sog. Ausstrahlungswirkungen die Pflicht, ein Risikomanagementsystem (RMS) zu implementieren. Das KonTraG gewährt jedoch Gestaltungsspielräume, so dass die Ausrichtung des RMS unternehmensindividuell entsprechend betrieblicher Rahmenbedingungen erfolgen kann. Im Zuge der Diskussion über die Ausgestaltung des RMS wird in der betriebswirtschaftlichen Literatur gefordert, das Risikomanagement (RM) mit den bereits im Unternehmen existierenden Managementsystemen zu verbinden. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit
1.2 Gang der Untersuchung
2. Einleitende Grundlagen: Balanced Scorecard und Risikomanagement
2.1 Das Konzept der Balanced Scorecard
2.2 Risikomanagement − Grundlagen und Anforderungskriterien
2.3 Die Verbindung von Risikomanagement und Balanced Scorecard
3. Möglichkeiten der Integration des Risikomanagements in das Konzept der Balanced Scorecard
3.1 Problematik der originären BSC als RMS
3.2 Integrationskonzepte der Balanced Scorecard
3.2.1 Ansatz 1: Balanced Scorecard PLUS
3.2.2 Ansatz 2: Balanced Scorecard mit separater Risikoperspektive
3.2.3 Ansatz 3: Balanced Chance and Risk Card (BCR-Card)
3.2.4 Ansatz 4: Erfolgsfaktoren-basierte Balanced Scorecard (EF-BSC)
3.3 Ein Alternativansatz - Ergänzung der BSC durch weitere Risikoinstrumente
4. Kritische Würdigung der Integrationsmöglichkeiten des RM in das BSC Konzept
5. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit und unter welchen Voraussetzungen das Risikomanagement effektiv in das Konzept der Balanced Scorecard integriert werden kann, um den Anforderungen eines modernen, ganzheitlichen Risikomanagementsystems gerecht zu werden.
- Grundlagen der Balanced Scorecard und des Risikomanagements
- Analyse der Integrationspotenziale und -problematiken
- Vergleichende Untersuchung verschiedener Modifikationsansätze (z.B. BSC PLUS, BCR-Card, EF-BSC)
- Kritische Bewertung der Ansätze hinsichtlich gesetzlicher und ökonomischer Kriterien
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Ansatz 1: Balanced Scorecard PLUS
Grundsätzlich können Risikoaspekte in jeder Perspektive des klassischen BSC Konzepts erfasst werden. Dieser Idee liegt der Ansatz von Weber/Weißenberg/Liekweg zugrunde (vgl. Abbildung 3). In ihrem Konzept der Balanced Scorecard PLUS (BSCPLUS) werden Chancen und Risiken identifiziert, mit ihren zugrunde liegenden Einflussfaktoren verknüpft und unmittelbar in der jeweiligen Perspektive integriert (integrativer Ansatz). Dabei werden nur solche Risikoaspekte ausgewiesen, bei denen eine Überschreitung von angegebenen Wesentlichkeitsgrenzen erfolgen kann. Die Anpassungen gegenüber der originären Scorecard sind somit gering. Jeder Perspektive werden zwei weitere Teilbereiche zugeordnet. Auch das Vorgehensmodell zur Implementierung einer Scorecard wird im Falle der BSCPLUS nur um die Phase „Chancen und Risiken mit ihren Einflussfaktoren bestimmen“ ergänzt.
Dieser Ansatz beruht auf den Ausführungen von Weber/Weißenberg/Liekweg aus dem Jahre 1999 und ist Bestandteil des von ihnen entwickelten „Risk Tracking and Reporting“ Prozesses. Die Grundlage für die um Risikoaspekte erweiterte BSCPLUS ist demnach die Risk-Tracking-Sheet. Sie stellt das zentrale Instrument zur Chancen- und Risiko-Berichterstattung dar und geht dabei von einem symmetrischen Risikoverständnis aus. Die Vorgehensweise zur Ermittlung der Chancen und Risiken entspricht dem Prozess des Risikomanagements.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Das Kapitel erläutert die Relevanz des Risikomanagements im Kontext des KonTraG und die Motivation, dieses in die Balanced Scorecard zu integrieren.
2. Einleitende Grundlagen: Balanced Scorecard und Risikomanagement: Hier werden das Konzept der Balanced Scorecard als Instrument der Unternehmenssteuerung und die Grundlagen sowie Anforderungen an Risikomanagementsysteme dargelegt.
3. Möglichkeiten der Integration des Risikomanagements in das Konzept der Balanced Scorecard: Es werden Probleme der klassischen BSC bei der Risikoerfassung aufgezeigt und vier spezifische Konzepte zur Modifikation und Integration von Risikomanagement vorgestellt.
4. Kritische Würdigung der Integrationsmöglichkeiten des RM in das BSC Konzept: In diesem Kapitel werden die vorgestellten Ansätze anhand von rechtlichen und ökonomischen Kriterien analysiert und bewertet.
5. Resümee: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass eine Integration mit steigender Komplexität verbunden ist und meist nur Teilbereiche des Risikomanagements abdeckt.
Schlüsselwörter
Balanced Scorecard, Risikomanagement, Risikocontrolling, KonTraG, Strategieumsetzung, Risikofrüherkennung, BSC PLUS, BCR-Card, EF-BSC, Erfolgsfaktoren, Unternehmenssteuerung, Risikointegration, Kennzahlensystem, Performance Measurement, Risikointerdependenzen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Verbindung von Risikomanagement und der Balanced Scorecard, um unternehmerische Chancen und Risiken im Rahmen der Strategieumsetzung steuerbar zu machen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen beider Systeme, die Analyse der Integrationsmöglichkeiten sowie die kritische Würdigung der verschiedenen Modifikationsansätze.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, einen Überblick über Integrationsmöglichkeiten des Risikomanagements in die BSC zu geben und zu bewerten, inwieweit diese den Anforderungen eines ganzheitlichen Risikomanagementsystems gerecht werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse sowie den Vergleich verschiedener Integrationskonzepte anhand definierter rechtlicher und ökonomischer Anforderungskriterien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Problematik der originären BSC als Risikomanagementsystem und stellt detailliert vier Ansätze zur risikoorientierten Modifikation des Grundmodells vor.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind Balanced Scorecard, Risikomanagement, KonTraG, Risikocontrolling, Strategieumsetzung und Erfolgsfaktoren.
Wie unterscheidet sich die Balanced Scorecard PLUS von anderen Ansätzen?
Die BSC PLUS verfolgt einen integrativen Ansatz, bei dem Chancen und Risiken unmittelbar in die vorhandenen Perspektiven der klassischen BSC eingegliedert werden, wobei nur relevante Risikofelder berücksichtigt werden.
Warum ist die EF-BSC laut Arbeit der am besten geeignete Ansatz?
Die EF-BSC erfüllt als einziger Ansatz alle untersuchten rechtlichen Anforderungen des KonTraG und kann die Defizite des BSC-Grundmodells bezüglich der vollständigen Risikoerfassung und der Abbildung von Wirkungszusammenhängen beheben.
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- Philipp Klein (Author), 2005, Balanced Scorecards im Risiko-Controlling, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59497