Saint-John Perse: Eloges


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004

19 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Leben und Werk

3. Eloges

3.1 Ecrit sur la porte
3.2 Images à Crusoe
3.3 Pour fêter une enfance
3.4 Eloges

4. Stil

5. Im Exil

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Saint-John Perse: Eloges

1. Einleitung

Saint-John Perse ist eine Person, die nicht leicht einzuordnen ist. Kann er zu den Autoren der Karibik gezählt werden, obwohl er nur seine Kindheit dort verbracht hat? Oder ist er französischer Autor, obwohl er aus Frankreich fliehen mußte und es nicht sicher schien, ob er jemals wieder dorthin zurückkehren würde? Nähert er sich in seiner Schreibweise den schwarzen Autoren der Antillen an, oder setzt er als Weißer doch das Kolonialdenken des 19. Jahrhunderts fort?

Das sind Fragen, zu denen es keine absolute Antwort gibt. Fest steht, daß Saint-John Perse großen Eindruck gemacht hat. Von der Presse gelobt wurde er mit keinen geringeren als Rimbaud und Hugo verglichen[1]. 1960 wurde er sogar mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Im Folgenden soll nun auf seinen ersten Gedichtband Eloges eingegangen werden, den Gedichten, die ihn mit der Karibik in Verbindung bringen. Der Verlust seiner Kindheit im Paradies der Antillen ist der Inhalt dieser Gedichte. Da seine Werke allesamt Ereignisse und die damit verbundenen Gefühle in seinem Leben verarbeiten, soll zunächst sein Leben kurz vorgestellt werden. Im Anschluß wird auf den Inhalt der Eloges näher eingegangen. Besondere Auferksamkeit wird auf seinen Stil gelegt, da dies mit das Besondere an Perse ausmacht und ihm wohl letztlich auch zum Nobelpreis verhalf. Abschließenden Punkt dieser Arbeit bildet die Exilthematik, die sich durch sein Leben und deswegen auch sein Werk zieht, und die mit Eloges beginnt. Diese lebenslange Suche nach einer Heimat und einem Ort, an den er gehört wird dargestellt. Sein ganzes Leben verbrachte er scheinbar im Exil und versuchte es durch sein Schreiben zu überwinden.

2. Leben und Werk

Saint-John Perse wurde 1887 auf Guadeloupe als Marie-René-Auguste-Aléxis Saint-Léger Léger geboren. Seine Vorfahren waren Ende des 17. Jahrhunderts und zu Beginn des 18. Jahrhunderts von Burgund nach Guadeloupe ausgewandert. Er wuchs auf einer kleinen Insel auf, die seiner Familie gehörte, verbrachte daher viel Zeit auf Zuckerrohr-, Kaffee- und Kakaopflanzungen von Verwandten, die den Rahmen für seine späteren Gedichte bilden würden. Er war schon damals umgeben von den verschiedensten Sprachen und Kulturen: Afrikaner, Asiaten, Weiße, letzte Karaiben und Seeleute, die vorwiegend von ehemaligen Bretonen und Normannen abstammten. 1897 löste ein schweres Erdbeben eine Wirtschaftskrise aus, die für zahlreiche Familien den Ruin bedeutete. Auch Saint-John Perses Familie war davon betroffen und kehrte daher 1899 nach Frankreich zurück. Dort begann Saint-John Perse sein Studium der Rechtswissenschaften, der Philosophie und der Naturwissenschaften in Bordeaux.[2] Zu dieser Zeit entstanden die Gedichtzyklen Images à Crusoe, Pour fêter une enfance und Eloges, die 1910 zum ersten Mal erschienen und 1911 unter dem Titel Eloges veröffentlicht wurden.[3] 1914 trat er in den diplomatischen Dienst. Es folgten dadurch bedingt zahlreiche Reisen nach Spanien, Großbritannien und Deutschland. Von 1916 bis 1921 arbeitete er in der französischen Botschaft in Peking und unternahm von hier aus viele Reisen, wie zum Beispiel in die Südsee oder die Wüste Gobi. Dort entstand sein zweiter Gedichtszyklus Anabase (1924). Es handelt sich hierbei um Gedichte, die schwer zugänglich sind, so daß die Vermutung geäußert wurde, daß sie vielleicht von Asiaten eher verstanden werden könnten als von einem Europäer.[4] Als er nach Frankreich zurückkam wurden ihm weitere bedeutende Ämter ubertragen. So war er zunächst der politische Leiter des Auswärtigen Amtes, Botschafter und Generalsekretär. 1940 wurde er von Regierungsgegnern als ‚Kriegshetzer’ denunziert, seiner Ämter enthoben und ging in die USA. Seine französische Staatsbürgerschaft wurde ihm aberkannt und seine Besitztümer vom Staat konfisziert. Weitere Manuskripte, die in der Zeit bis 1940 entstanden, und die er in Frankreich zurückgelassen hatte, wurden von den Nazis zerstört. Erhalten blieben nur Anabase und Amitié du Prince.[5] In den USA arbeitete er als Berater der „Library of Congress“, übernahm aber keine diplomatische Tätigkeit mehr. Dafür fand er hier allerdings wieder die Zeit zum Schreiben. Es entstanden Exil, Pluies, Neiges, Poème à l’Etrangère (1944), Vents (1946) und Amers (1957).[6] Eigentlich hatte er nicht erwartet je wieder nach Frankreich zurückzukehren. 1957 kehrte er jedoch zum ersten Mal wieder nach Frankreich zurück. Von diesem Zeitpunkt an verbrachte er jedes Jahr fünf Monate in Giens in der Provence, bis er 1967 schließlich ganz nach Frankreich zurückkehrte.[7] 1960 wurde ihm der Literaturnobelpreis verliehen. In der Provence schrieb er zahlreiche weitere Gedichtbände : Chronique (1960), Oiseaux (1962), Chanté par Celle qui fut là (1969), Chant pour un équinoxe (1971), Nocturne (1973) und Sécheresse (1974).[8] 1975 stirbt er ohne jemals wieder auf die Inseln seiner Kindheit zurückgekehrt zu sein.

3. Eloges

Die Eloges bestehen aus vier Teilen. Sie beginnen mit einem einzelnen Gedicht, das mit Ecrit sur la porte überschrieben ist. Dieses bildet eine Art Einleitung und Einstieg in das Werk. Dann folgen neun Gedichte unter dem Titel Images à Crusoe, die mit 1904 datiert sind. In ihnen zeigt Saint-John Perse offene Nostalgie und drückt sein Bedauern über die verlorene Kindheit aus. In den sechs Gedichten in Pour fêter une enfance, datiert mit 1907, nimmt er sich etwas zurück und beschreibt vielmehr Dinge und Personen als eigene Gefühle. Eloges ist mit 18 Gedichten der längste Teil, entstand 1908 und lieferte auch den Titel für den 1911 erschienenen Gesamtband. Hier geht Saint-John Perse weniger auf konkrete Personen und Ereignisse ein, sondern drückt sich sehr viel abstrakter aus. Erlebnisse werden mit Traumsequenzen oder Ideen vermischt und somit erscheint dieser letzte Teil etwas undurchsichtiger. Allerdings hat sich Saint-John Perse am Ende damit abgefunden, daß er nicht mehr auf die Insel seiner Kindheit zurückkehren wird und wirkt sehr viel versöhnlicher als in Images à Crusoe.

3.1 Ecrit sur la porte

Das Gedicht Ecrit sur la porte erschien erst in der Ausgabe von 1925 der Eloges als erstes Gedicht. Es ist an dieser Stelle allerdings sehr passend, da es in der Tat als eine Art Einleitung fungieren kann.

Inhaltlich beginnt es damit, daß ein geschlossener Ort beschrieben wird: ein Haus mit dem angrenzenden Land, das es umgibt. Alles hier ist bekannt und vertraut. Ein Vater kommt nach Hause – von außen in diese in sich geschlossene Welt – und wird von der Tochter begrüßt. Er ist es gewohnt hart zu arbeiten und selbst mitanzupacken. Vor allem ist er zufrieden mit seinem Leben und seiner Welt. Er beneidet die Segelschiffe nicht, die am Horizont vorbeiziehen und die Welt erkunden („toutes choses suffisantes pour n’envier pas les voiles des voiliers“[9]). Der Blick des Lesers jedoch wird durch die Segelschiffe auf dem Meer ins Unendliche gelenkt, auf den Punkt hin, an dem Meer und Himmel am Horizont verschmelzen, „les voiles des voiliers / que j’aperçois à la hauteur du toit de tôle sur la mer comme un ciel“[10]. Diese Verbindung zwischen Meer und Himmel findet sich immer wieder. Sie durchzieht das gesamte Werk und ist hier ganz am Anfang schon angelegt.[11]

[...]


[1] Knodel, Arthur : Saint-John Perse – a study of his Poetry, Edinburgh, 1966, 16f, 20

[2] Galand, René : Saint-John Perse, New York, 1972, 14

[3] Corzani, Jack / Hoffmann, L.-F. / Piccione, M.-L.: Littératures francophones, II. Les Amériques, Haïti, Antilles-Guyane, Québec, Paris 1998, 175

[4] www.nobel.se/literature/laureates/1960/perse-bio.html

[5] Knodel, 15

[6] Knodel, 15

[7] Galand, 17

[8] www.up.univ-mrs.fr/~wperse/doc2.html

[9] Saint-John Perse: Eloges suivi de La Gloire des Rois, Anabase, Exil, Bussière à Saint-Amand, Editions Gallimard, 1960, 11

[10] Perse, 11

[11] Robichez, Jacques : Sur Saint-John Perse, Paris, 1977, 29

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Saint-John Perse: Eloges
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Romanische Philologie)
Veranstaltung
Frankophone Literatur der Karibik
Note
2
Autor
Jahr
2004
Seiten
19
Katalognummer
V59537
ISBN (eBook)
9783638534482
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Saint-John, Perse, Eloges, Frankophone, Literatur, Karibik
Arbeit zitieren
Nicola Steffke (Autor), 2004, Saint-John Perse: Eloges, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59537

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