Aggressives Verhalten und die moderne Gehirnforschung


Hausarbeit, 2004
39 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Was ist aggressives Verhalten?
2.1. Definition des Begriffes „Aggression“
2.2. Aggressionstheorien
2.2.1. Aggression als Trieb
2.2.2. Aggression und Frustration
2.2.3. Aggression und Lernen
2.3. Aggressionsarten
2.3.1. Affektive Aggression
2.3.2. Instrumentelle Aggression
2.3.3. Spontane Aggression

3. Die menschliche Persönlichkeit
3.1. Anlage oder Umwelt?
3.2. Das Temperament - Eysenckscher Typenbegriff
3.3. Grundlagen der Gehirnphysiologie
3.4. Chemische Botenstoffe – Hormone und Neurotransmitter
3.5. Der Charakter
3.6. Sind Jungen aggressiver als Mädchen?

4. Aggressionstheorien aus der Sicht der Gehirnforschung

5. Willensfreiheit und Determinismus
5.1. Das Problem der Willensfreiheit
5.2. Vernunftappelle zur Verminderung aggressiven Verhaltens?

6 . Bewältigung von und Umgang mit Aggressivität
6.1. Welche Rolle kann die Erziehung spielen?
6.2. Regeln und natürliche Konsequenzen
6.3. Veränderung der Anreger und alternatives Verhalten
6.4. Die Katharsis-Hypothese

7. Diskussion

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Aggression ist ein menschliches Phänomen, seit es Leben auf der Erde gibt. Begriffe wie Gewalt und Krieg sind auch in der Gegenwart omnipräsent. Soziale Arbeit muß sich dementsprechend auch seit jeher mit Themen wie Aggression und Gewalt beschäftigen. In meiner insgesamt knapp zweijährigen Tätigkeit in einem Mutter-Kind-Kurheim konnte ich einen persönlichen Eindruck vom schwierigen Umgang mit aggressiven Kindern und Jugendlichen erhalten.

Zweck dieser Arbeit soll deshalb sein, Ursachen von aggressivem Verhalten zu ergründen und mögliche Lösungsvorschläge aufzuzeigen. Es werden einige ausgesuchte Handlungsmöglichkeiten vorgestellt, die eine Konfliktverarbeitung ohne ausgelebte Aggressionen möglich machen sollen. Wer dabei auf Patentrezepte hofft, den muß ich leider enttäuschen. Es gibt zwar mittlerweile viele Erkenntnisse, doch allzu oft erinnert vieles noch an ein wirres Puzzle. Ich möchte deshalb das Wissenschaftsprinzip des englischen Philosophen Karl R. Popper zitieren:

„Die Theorie ist das Netz, das wir auswerfen, um die Welt einzufangen, sie zu rationalisieren, zu erklären und zu beherrschen. Wir arbeiten daran, die Maschen des Netzes immer enger zu machen.“

Die Resultate der modernen Gehirnforschung müssen meiner Meinung nach hier auf jeden Fall berücksichtigt werden. Die Neurobiologie liefert uns nämlich viele aufschlussreiche Erkenntnisse über die Wurzeln menschlicher Aggressivität. Neue Forschungen belegen, daß unsere Persönlichkeit und unser alltägliches Verhalten in weitaus stärkerem Ausmaß von unseren Genen bestimmt werden als bisher angenommen. Diese Arbeit taucht also auch in die Wirrungen und Irrungen der menschlichen Persönlichkeit ein und bietet damit sicherlich auch Anregungen, andere Probleme sozialer Arbeit mit Hilfe der Hirnforschung zu beleuchten.

Beschäftigt man sich mit moderner Gehirnforschung, kommt man letztendlich auch an der Frage der Willensfreiheit nicht vorbei: Können wir aggressives Verhalten überhaupt willentlich beeinflussen?

Zunächst werde ich aber zu Beginn einen Überblick über verschiedene Aggressionstheorien und Aggressionsformen geben.

2. Was ist aggressives Verhalten?

2.1. Definition des Begriffes „Aggression“

Der Begriff Aggression leitet sich aus dem lateinischen Wort „ad gredere“ ab und bedeutet übersetzt „sich annähern“, „auf etwas zugehen“, „etwas ergreifen“ oder „in Besitz nehmen“. Anhand dieser unterschiedlichen Bedeutungen und des individuellen Begriffsverständnisses der Menschen ergibt sich die Schwierigkeit, eine allgemeinverbindliche Definition von Aggression zu formulieren. Grundsätzlich lässt sich deshalb auch nicht genau sagen, was Aggression ist. Es kann aber versucht werden, Phänomene herauszuarbeiten, die als aggressives Verhalten bezeichnet werden sollten.

Der Psychologe Hans-Peter Nolting unterscheidet dabei zwischen einem eng und einem weit gefassten Aggressionsbegriff. Er beschreibt aggressives Verhalten darüber hinaus feststellend (statt wertend) und verhaltensbezogen (statt emotionsbezogen). Die Schwierigkeit bei einem weitem Verständnis ist, daß Aggression im Sinne des lateinischen Ursprungs im Grunde eine ähnliche Bedeutung hat wie (eine zielgerichtete) Aktivität. Tatkraft und körperliche Gewalt werden so in einem Atemzug genannt.

Nolting favorisiert deshalb den engeren Begriff. Aggressives Verhalten im engeren Sinne ist demnach ein Verhalten, dessen Bestreben

eine Beschädigung

eine Verletzung oder

die Einschüchterung

eines anderen Menschen ist. Aggressive Verhaltensweisen sind dementsprechend solche, die Individuen oder Sachen aktiv Schaden zufügen:

„Unter Aggression wird ein manifestes Verhalten verstanden, dessen Ziel die körperliche oder bloß symbolische Schädigung oder Verletzung einer anderen Person, eines Tiers oder einer Sache ist. Die überdauernde Bereitschaft zu aggressiven Verhaltensweisen wird als Aggressivität bezeichnet.“[1]

Auf der Verhaltensebene können drei typische Erscheinungsformen aggressiver Verhaltensweisen unterschieden werden:

körperliche Aggression (z.B. Schlagen, Töten, körperliches Bedrohen)

sprachliche Form (z.B. Schimpfen, Spotten, Hetzen, Drohen)

mimisch-gestische Form (z.B. böse Blicke, Zähne fletschen, Zunge rausstrecken)

Aggressive Gefühle existieren ebenfalls in verschiedenen Varianten. Eine Beschreibung ist allerdings im Vergleich zum sichtbaren Verhalten wesentlich schwieriger, da eine objektive Beurteilung kaum möglich ist.

Nolting setzt eine klare Trennung von Sachverhalt und Wertung voraus, um aggressive Merkmale zu beschreiben. Entscheidend ist für ihn die Schädigungsabsicht, nicht aber die Intention dieser Handlung. Ein Beispiel: Während der versehentliche Tritt auf den Fuß keine aggressive Handlung darstellt, ist die Ohrfeige eines Vaters eine aggressive Handlung – auch wenn er damit die Absicht verfolgt, das Verhalten seines Kindes zum Positiven zu verändern.

Aggression ist also oft ein instrumentelles Mittel, um bestimmte Zwecke wie das Durchsetzen eigener Wünsche oder Interessen zu erreichen. Auch der Widerstand gegen Aggressionen anderer oder die Vergeltung für erlittene Aggressionsakte sind typische Ziele.[2]

2.2. Aggressionstheorien

2.2.1. Aggression als Trieb

Die menschliche Aggression kann sich ohne gewisse Grundlagen nicht entwickeln. Der ethologische Ansatz besagt deshalb, daß Aggression als Trieb eine für die Spezies nützliche Funktion ist, welche die Chancen zum Überleben und zur erfolgreichen Erhaltung der Art erhöht. Aggression trägt dazu bei, daß einzelne Individuen einer Art nicht zu dicht nebeneinander siedeln, sondern sich über größere Territorien verbreiten und auf diese Weise größere Ressourcen für die Nachkommenschaft erschließen. Durch Rivalenkämpfe kommt es zur Auslese des kräftigsten und gesündesten Leiters einer Herde. Durch Aggression wird eine soziale Rangordnung hergestellt.

Nach der Theorie von Konrad Lorenz gehören demnach Aggression und Gewalttätigkeit zur genetischen Grundausstattung des Menschen. Sein Dampfkesselmodell („Bei kontinuierlichem Zufluss von Wasserdampf muß kontinuierlich Dampf abgelassen werden“) besagt, daß im menschlichen Organismus ständig aggressive Triebenergien gebildet werden und die sich aufstauenden Aggressionen dann durch Schlüsselreize ausgelöst werden. Kommt es aus verschiedenen Gründen zu keinem Schlüsselreiz, kommt es zu einem Aggressionsstau, der sich unabhängig von einer Reizsituation spontan und grundlos entladen kann (sog. Leerlaufreaktion).

Je größer der Triebstau ist, desto kleiner ist also der benötigte Anlass für einen aggressiven Ausbruch. Andernfalls können aggressive Impulse, die nicht zum Ausbruch kommen, zu seelischen Störungen führen, wenn sie keinen Weg nach draußen finden und der Mensch seine Wut in sich hineinfrisst. Um eine spontane Entladung zu vermeiden, empfiehlt Lorenz die kontinuierliche Abfuhr kleinerer Energiemengen durch sozial akzeptierte Formen von Aggressionen, wie etwa bei sportlichen Wettbewerben.

Viele Verhaltenforscher gaben sich mit der Triebtheorie als Auslöser für Aggressivität nicht zufrieden, da sie sich in erster Linie mit tierischem Verhalten beschäftigte und dann Erfahrungen und Erkenntnisse auf den Menschen übertragen wurden. Statt pauschal von einer aggressiven Natur des Menschen zu sprechen, suchten sie nach anderen plausiblen Theorien.[3]

2.2.2. Aggression und Frustration

Die Frustrations-Aggressions-Hypothese besagt, daß eine Person nicht durch angeborene innere Faktoren, sondern durch Frustration zu aggressivem Verhalten motiviert wird. Frustration führt aber nicht zwangsläufig zu Aggressionen, auch andere Reaktionen wie Weinen oder Apathie sind durchaus denkbar. Frustration schafft vielmehr einen Anreiz oder eine Bereitschaft für Aggression.

Ob es aber wirklich zur Aggression kommt, hängt auch von zusätzlichen Bedingungen ab. Entscheidend für die Tönung von Emotionen ist stets, wie Ereignisse interpretiert werden. Die hängt auch von der personalen Disposition ab. Menschen unterscheiden sich darin, welches Verhaltsrepertoire sie für den Umgang mit Ärger besitzen. Wo manche Menschen sich heftig ärgern, bleiben andere gelassen. Vielen Menschen mangelt es an sozialer Kompetenz bei Konfliktsituationen, so daß eine meist harmlose Abweichung vom persönlichen Normverständnis zu aggressiven Handlungen führen kann.

Frustration erzeugt im Individuum zunächst einen Zustand emotionaler Erregung, nämlich Ärger. Diese Ärgererregung erzeugt eine innere Bereitschaft für aggressives Verhalten, die durch zusätzliche Hinweisreize ausgelöst werden kann. Die wichtigsten Signale kommen vom Zielobjekt, gegen die sich eine aggressive Tendenz richtet, also in erster Linie vom „Provokateur“. Ist diese Frustrationsquelle nicht gegenwärtig, richtet sich die Aggression manchmal auch gegen deren Eigentum oder es wird erst dann aggressiv gehandelt, wenn man dem Provokateur wieder begegnet.

Aber selbst wenn Ärger entstanden ist, können aggressive Handlungen noch durch Hemmungen unterbunden werden, z.B. aus Angst vor Bestrafung (z.B. vor Vorgesetzten) oder aus moralischen Hemmungen (gegenüber Schwächeren). Die Aggression richtet sich auch nicht immer gegen den Urheber der Frustration. Wenn dieser z.B. ein Mensch ist, der an Körperkraft oder sozialer Macht überlegen ist, kann der Frustrierte seine Aggressionen gegen andere Personen richten, die dem Provokateur ähneln oder der gleichen Gruppe zugehören (z.B. gleicher Fußballclub oder gleiche Nationalität).

Eine aggressive Tat wird also laut der Frustrations-Aggressions-Theorie aus zwei Quellen gespeist: eine Ärgererregung im Inneren und Hinweisreizen aus der gegebenen Situation.[4]

2.2.3. Aggression und Lernen

Die Lerntheorie sieht Aggression dagegen als eine spezifische Form sozialen Verhaltens, das wie jedes andere soziale Verhalten erworben und aufrechterhalten wird. In einem Experiment ahmten Kinder ein aggressives Vorbild weit weniger nach, wenn es für sein Verhalten bestraft wurde, als wenn es gelobt worden war.

Der Psychologe Albrecht Bandura entwarf daraufhin eine Theorie, die für aggressive Handlungsweisen Lernvorgänge als Basis ansieht. Individuen erwerben demnach neue und gleichzeitig komplexere Verhaltensweisen, indem sie beobachten, wie andere Modellpersonen dieses Verhalten zeigen und welche Konsequenzen darauf folgen.

Das Lernen am Modell geschieht oft unbewusst und zählt zu den grundlegenden Lernformen des Menschen. Eltern und Lehrer sind besonders wirksame Modelle. Sie sind nicht nur häufig für die Kinder zu sehen, sondern auch Personen mit Macht und hohem Status. Aber nicht nur Eltern und andere Erzieher bieten aggressive Vorbilder, Kinder und Jugendliche schauen zum Beispiel auch auf ihre Altersgruppe oder auf Vorbilder in Film und Fernsehen.

Eine weitere Lernart ist das Lernen am Effekt. Wenn ein Kind lernt, daß aggressives Verhalten zum Erfolg führt und sich als brauchbares Instrument erweist, wird es immer wieder zu diesem Mittel greifen. Durch Formen der positiven Verstärkung wird also die Tendenz, aggressives Verhalten zu zeigen, gestärkt. Man spricht auch vom Lernen am Erfolg (operante Konditionierung). Schließt sich an ein Verhalten eine angenehme Konsequenz, tritt dieses Verhalten zukünftig häufiger auf. Die Konsequenz kann auch Aufmerksamkeit, Beachtung und Zuwendung durch Erzieher, Lehrer oder Elternteil sein, selbst wenn das Kind nur bestraft wird. Egal aus welchem Grund: Daß das Kind beachtet wird und soziale Zuwendung erfährt, ist für dieses schon Erfolg genug.

Hat ein aggressives Verhalten über längere Zeit gar keine Konsequenzen, besteht die Möglichkeit, daß es aufhört (Lernen am Misserfolg). Ständige Misserfolge können die extreme Ausprägung aggressiven Verhaltens verhindern.

Kernstück des kognitiven Lernens ist das individuelle Lernen von Begriffen. Das Interpretieren und Bewerten von Situationen hängt von persönlichen Begriffssystemen und subjektiven Denkweisen und Überzeugungen ab. Dementsprechend neigen manche Menschen dazu, anderen Personen auch in unklaren Situationen eine böse Absicht zu unterstellen und reagieren mit aggressiven Handlungen.

Die einfachste und grundlegendste Lernart ist das Signallernen (klassische Konditionierung). Hierbei geht es nicht um das Erlernen neuer Verhaltesweisen, sondern um das Auslösen einer bestehenden, eventuell auch reflexartigen Verhaltenweise durch einen Reiz. Diese von dem russischen Physiologen Pawlow entdeckte Prinzip besteht darin, daß ein zunächst neutraler Reiz (z.B. eine enge Straße) zu einem spezifischen Auslöser (z.B. von Angst) wird, weil er raumzeitlich mit einem entsprechenden „natürlichen“ Auslöser (z.B. einem Überfall) gekoppelt war. In Bezug auf aggressives Verhalten lernt der Betreffende, auf bestimmte Auslöser mit aggressiven Gefühlen und Handlungen zu reagieren. Als Auslöser aggressiver Affekte dienen dann zum Beispiel nicht nur Provokationen oder Frustrationen, sondern auch die mit ihnen in Verbindung gebrachten Personen, Symbole, Gegenstände. Auch bestimmte Worte und Redewendungen können aggressive Reaktionen begünstigen.[5]

In Kapitel 4 werde ich Stellung zu den einzelnen Aggressionstheorien beziehen. An dieser Stelle möchte ich dieses noch nicht tun, da ich dabei auf wichtige Erkenntnisse der modernen Gehirnforschung zurückgreifen will, die in Kapitel 3 dargestellt werden.

2.3. Aggressionsarten

2.3.1. Affektive Aggression

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die affektive Aggression beruht auf einer emotionalen Reaktion wie „Ärger“ und wird deshalb auch oft als Ärger-Aggression bezeichnet. Dem aggressiven Verhalten in dieser Form liegt ein Aggressionsbedürfnis zugrunde.

Die abgeschwächte Form der Ärger-Aggression wird als Unmutsäußerung bezeichnet und tut dem Aggressor im Nachhinein oft leid. Die affektive Erregung setzt sich nämlich unmittelbar in einen impulsiven und unkontrollierten Aggressionsausbruch um, der aber nicht auf die Verletzung einer anderen Person zielt. Unmutsäußerungen können auch in Allein-Situationen auftreten.

Bei der Vergeltungs-Aggression ist der Schmerz des Gegners dagegen der angestrebte Nutzeffekt – an ihm ist auch die emotionale Befriedigung gebunden. Als Vergeltung bezeichnet man dabei die zielgerichtete Antwort auf vorausgegangene Provokationen: Der Provokateur wird für seine (eventuell auch ungewollte oder unbewußte) Normverletzung „bestraft“. Der Schmerz des Opfers gibt dem Aggressor ein Gefühl der Gerechtigkeit, sein Selbstwertgefühl ist wieder hergestellt.[6]

2.3.2. Instrumentelle Aggression

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die instrumentelle Aggression ist auf einen Nutzeffekt gerichtet und wird im Gegensatz zu affektiven Formen in der Regel nicht von aggressiven Gefühlen bestimmt. Die Schädigung und Schmerzzufügung ist lediglich Mittel zum Zweck, und die Befriedigung liegt in der Erreichung des Zwecks. Es können dabei zwei Formen instrumenteller Aggression unterschieden werden.

Die Abwehr-Aggression reagiert auf eine akute Bedrohung oder Belästigung. Sie ist oftmals mit starken Gefühlen wie Ärger oder Angst verbunden. Schutz der eigenen Person (bei Nothilfe auch anderer Personen) oder des Eigentums sind das primäre Ziel der reaktiven Abwehr-Aggression.

Die Erlangungs-Aggression hingegen hat “aktiven“ Charakter, denn die aggressive Person versucht durch ihr Verhalten Vorteile zu erlangen und bestimmte Ziele durchzusetzen. Das Ziel kann materieller Profit, aber auch Machtgewinn sein. Ein weiterer angestrebter Vorteil besteht in Beachtung und Anerkennung. Solche Motivation hat insbesondere für das Verhalten in Gruppen und Kollektiven (z.B. Armeen) große Bedeutung.

Nicht jedes aggressive Verhalten beruht also auf einem aggressiven Bedürfnis. Wenn ein Schüler die körperliche Attacke eines anderen zurückschlägt, ist es eine Abwehr-Aggression, wenn er ihm nach der Attacke Prügel verabreicht, spricht man von einer Vergeltung. Die instrumentelle Aggression wird oft kalkuliert ausgeführt, vor allem bei gewinnorientierten Handlungen. In beiden Formen richtet sich die instrumentelle Aggression nicht gegen Menschen, die als Feinde, sondern allenfalls als Gegner wahrgenommen werden.[7]

[...]


[1] Schülerduden der Pädagogik, Mannheim 1989, S. 13

[2] Nolting, Hans-Peter: Lernfall Aggression. Wie sie entsteht - wie sie zu vermindern ist. Hamburg 2002, S. 20-34

[3] Nolting, Hans-Peter: Lernfall Aggression. Wie sie entsteht - wie sie zu vermindern ist. Hamburg 2002, S. 52-67

[4] Nolting, Hans-Peter: Lernfall Aggression. Wie sie entsteht - wie sie zu vermindern ist. Hamburg 2002, S. 68-96

[5] Nolting, Hans-Peter: Lernfall Aggression. Wie sie entsteht - wie sie zu vermindern ist. Hamburg 2002, S. 97-133

[6] Nolting, Hans-Peter: Lernfall Aggression. Wie sie entsteht - wie sie zu vermindern ist. Hamburg 2002, S. 148-149 und S. 152-155

[7] Nolting, Hans-Peter: Lernfall Aggression. Wie sie entsteht - wie sie zu vermindern ist. Hamburg 2002, S. 148-149 und S. 156-159

Ende der Leseprobe aus 39 Seiten

Details

Titel
Aggressives Verhalten und die moderne Gehirnforschung
Hochschule
Fachhochschule Braunschweig / Wolfenbüttel; Standort Braunschweig
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
39
Katalognummer
V59548
ISBN (eBook)
9783638534598
Dateigröße
631 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Zweck dieser Arbeit soll deshalb sein, Ursachen von aggressivem Verhalten zu ergründen und mögliche Lösungsvorschläge aufzuzeigen. Die Neurobiologie liefert uns dabei viele aufschlussreiche Erkenntnisse über die Wurzeln menschlicher Aggressivität.
Schlagworte
Aggressives, Verhalten, Gehirnforschung
Arbeit zitieren
Diplom-Sozialpäd. (FH) Steffen Lossie (Autor), 2004, Aggressives Verhalten und die moderne Gehirnforschung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59548

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