In meinem ersten Ausbildungsabschnitt hospitierte und unterrichtete ich in einer 9. Klasse der Schule (Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen) . Der unterrichtliche Schwerpunkt in dieser Abschlussklasse der Förderschule lag auf der Berufsvorbereitung. Das nächste Ziel der Schüler/innen war der Besuch des BVJ´s, um eine bessere Startchance ins Berufsleben zu bekommen. „Der Erwerb von berufsbezogenen Kompetenzen und von Schlüsselqualifikationen gewinnt künftig herausgehobene Bedeutung. Sie sind unverzichtbare Bausteine für die berufliche Eingliederung von jungen Menschen.“ Daher ist es Aufgabe der Schule, Schlüsselqualifikationen frühzeitig anzubahnen und einzuüben, damit die Schüler/innen in der Berufs- und Arbeitswelt erfolgreich bestehen können. Innerhalb dieser berufsbezogenen Schlüsselqualifikationen findet sich der kommunikative Bereich wieder. In diesem Bereich ist es für die Jugendlichen wichtig, dass sie in Gesprächen fähig sind zu kommunizieren. In diesem Bereich konnte ich während meines Unterrichts und in den Hospitationsstunden einen extremen Leistungsunterschied in der Klasse im kommunikativen Bereich erkennen. Insofern beobachtete ich vor allem Schüler/innen, die kommunikativ große Defizite aufwiesen. Dabei fielen drei Schüler/innen auf, die weder in ganzen Sätzen sprachen noch sich trauten zu sprechen. Um aber auch diesen Schülern/innen eine gute Startchance fürs BVJ und weiter für die Ausbildung mitzugeben, entschloss ich mich für sie eine Förderung zu konzipieren. Dabei musste ich viel grundlegender mit der Förderung beginnen und zunächst im Bereich des Selbstvertrauens fördern, damit sie sich trauten zu sprechen, um dann noch die Art wie sie sprechen und Gespräche führen weiter zu fördern. Aus diesem Grund habe ich folgendes Thema „ Gespräche suchen - Gespräche führen“ -Förderung des Selbstvertrauens einer Schülergruppe der 9.Klasse für meine Hausarbeit gewählt. Die ausgewählte Schülergruppe besteht aus zwei männlichen Schülern und einer weiblichen Schülerin. Diese Schüler/innen haben noch große Schwierigkeiten damit Gespräche zu suchen und müssen zunächst einmal in ihrem Selbstvertrauen gestärkt werden. Denn erst dann können sie den Mut aufbringen um „Gespräche zu suchen und Gespräche zu führen“, was auch ihre Berufschancen erhöhen kann. [...]
Gliederung
0. Vorbemerkung
1. Theoretische Grundlagen
1.1. Sozial kompetentes Verhalten – ein Modell
1.1.1. Interpretation des Modells
1.1.2. Kommunikative Kompetenz als Teilaspekt sozialer Fertigkeiten
1.1.3. Frei sein von sozialer Angst
1.2. Das Selbstkonzept
1.3. Das Selbstvertrauen
1.4. Zusammenschau von sozial kompetentem Verhalten, Selbstkonzept und Selbstvertrauen
1.5. Eigene Arbeitsdefinition
2. Warum ist diese Theorie für die Praxis wichtig?
2.1. Lehrplanbezug
2.1.1. BLO – Lehrplan
2.1.2. Lehrplan der Schule zur individuellen Förderung
2.2. Das Selbstkonzept von Schülern/innen einer 9. Klasse an der Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen
2.3. Bedeutung des Vorhabens für die Schüler/innen
3. Förderausgangslage
3.1. Schüler/innenbeobachtungen
3.1.1. im Fach Deutsch
3.1.2. in ihrem Auftreten
3.1.3. im Morgenkreis
3.1.4. mit einem Beobachtungsbogen
3.2. Familiäres Umfeld
3.3. Fragebogen zu Gesprächssituationen (siehe Anhang S.32ff. )
3.4. Interview zum Selbstkonzept (siehe Anhang S.35 )
3.5. Fazit aus den Beobachtungen, Befragungen und Interviews
4. Förderziele
4.1. Gestaltung eines selbstkonzeptförderlichen Unterrichts
4.2. Anbahnung eines positiven Selbstkonzepts
4.3. Steigerung des Selbstvertrauens in Gesprächssituationen
4.4. Entwicklung von Selbstsicherheit
4.5. Anbahnung von kommunikativen Grundfähigkeiten
4.6. Umsetzungsmöglichkeiten
5. Durchführung der Förderung
5.1. Organisatorische Begebenheiten
5.2. Didaktisch-methodische Überlegungen
6. Durchführung der Förderung
6.1. Verwirklichung eines selbstkonzeptförderlichen Unterrichts
6.2. Basisbaustein: Einführung der Identifikationsfiguren (siehe Anhang S.41)
6.3. Fördereinheiten, die ein positives Selbstkonzept anbahnen
6.4. Fördereinheiten zur Stärkung des Selbstvertrauens
6.5. Fördereinheiten zur Entwicklung von Selbstsicherheit
6.6. Fördereinheiten zur Anbahnung von kommunikativen Grundfähigkeiten
6.6.1. Vorübungen zum Sprechen
6.6.2. Übungssituationen für die kommunikativen Grundfähigkeiten
7. Auswertung der Förderung
7.1. Ergebnisse der Förderarbeit (siehe 6.6.2)
7.2. Vision
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit zielt darauf ab, bei einer Schülergruppe der 9. Klasse einer Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen das Selbstvertrauen und die kommunikativen Kompetenzen zu stärken, um so ihre Chancen beim Übergang in die Berufswelt (BVJ) zu verbessern.
- Aufbau eines positiven Selbstkonzepts bei lernbehinderten Schülern
- Entwicklung von Selbstsicherheit und kommunikativen Fertigkeiten
- Förderung der Teilhabe durch Abbau von Sprechangst
- Integration in alltags- und berufsrelevante Gesprächssituationen
- Anwendung des Modells des sozial kompetenten Verhaltens
Auszug aus dem Buch
1.1. Sozial kompetentes Verhalten – ein Modell
In der Abbildung auf S.2 zeigt sich, dass sozial kompetentes Verhalten von zwei Voraussetzungen abhängig ist:
1 ) Frei sein von sozialer Angst;
2 ) Verfügen über soziale Fertigkeiten;
Diese beiden Voraussetzungen haben folgende Elemente als Grundlage:
zu 1) Wenn Schüler/innen von sozialer Angst frei sind, haben sie ein gesundes Selbstkonzept entwickelt, zeigen Selbstvertrauen und Selbstsicherheit in ihrem Auftreten.
zu 2) Wenn Schüler/innen über soziale Fertigkeiten verfügen besitzen sie eine empathische, kommunikative und interpersonelle Kompetenz und können sich selbst behaupten.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Vorbemerkung: Die Autorin begründet ihre Themenwahl mit den in der Praxis beobachteten kommunikativen Defiziten der Schüler einer 9. Abschlussklasse und der Notwendigkeit einer berufsvorbereitenden Förderung.
1. Theoretische Grundlagen: Hier wird das Modell des sozial kompetenten Verhaltens nach Petermann vorgestellt und die Bedeutung des Selbstkonzepts sowie des Selbstvertrauens für die kommunikative Handlungsfähigkeit beleuchtet.
2. Warum ist diese Theorie für die Praxis wichtig?: Dieses Kapitel verknüpft die theoretischen Ansätze mit den Anforderungen des BLO-Lehrplans und der besonderen Lebenssituation von Schülern an einer Förderschule.
3. Förderausgangslage: Die Autorin analysiert den Leistungsstand und das Auftreten der drei ausgewählten Schüler anhand von Beobachtungsbögen, Interviews und der familiären Situation.
4. Förderziele: Basierend auf der Ausgangslage werden konkrete Ziele formuliert, die von der Gestaltung eines förderlichen Unterrichts bis hin zur Anbahnung kommunikativer Grundfähigkeiten reichen.
5. Durchführung der Förderung: Die organisatorischen Rahmenbedingungen und didaktisch-methodischen Überlegungen, wie die Nutzung von Identifikationsfiguren und ein angstfreier Schonraum, werden dargelegt.
6. Durchführung der Förderung: Detaillierte Beschreibung der Fördereinheiten, unterteilt in die Bereiche Selbstkonzept, Selbstvertrauen, Selbstsicherheit und kommunikative Grundfähigkeiten inklusive Reflexion der einzelnen Schritte.
7. Auswertung der Förderung: Ein Fazit zur Wirksamkeit der Maßnahmen wird gezogen, ergänzt durch eine Vision, wie weit reichende Selbstvertrauensförderung langfristig das Schülerhandeln beeinflussen kann.
Schlüsselwörter
Lernbehindertenpädagogik, Selbstvertrauen, Selbstkonzept, Kommunikation, Berufsvorbereitung, soziales Verhalten, Sprechangst, Förderung, Schulförderung, Identifikationsfiguren, Selbstsicherheit, Lehrplan, Schülerbeobachtung, Training, Schlüsselqualifikationen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Förderung von Selbstvertrauen und kommunikativen Fertigkeiten bei einer Gruppe von Schülern einer 9. Klasse an einer Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen, um deren Startchancen im Berufsleben zu erhöhen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Konzepte von Selbstkonzept, sozial kompetentem Verhalten, die Angstbewältigung sowie der Erwerb berufsbezogener Schlüsselqualifikationen durch gezieltes Kommunikationstraining.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Schülern durch die Stärkung ihres Selbstbildes und ihrer Selbstsicherheit zu ermöglichen, in sozialen und beruflichen Situationen aktiv Gespräche zu suchen und zu führen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin nutzt eine Kombination aus Beobachtungsbögen, informellen Interviews zum Selbstkonzept, der Analyse von Lehrplanvorgaben sowie einer handlungsorientierten Förderpraxis in Kleingruppen und im Klassenverband.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die detaillierte Darstellung der Förderausgangslage der Schüler sowie die systematische Durchführung und Reflexion zahlreicher praktischer Fördereinheiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Selbstvertrauen, Selbstkonzept, Lernförderung, kommunikative Kompetenz, Berufsvorbereitung, Angstbewältigung und soziales Lernen.
Warum spielt die Einführung von Identifikationsfiguren eine so wichtige Rolle?
Sie dienen der Emotionalisierung der Förderung; die Schüler können sich mit Charakteren wie "Jana" oder "Olli" identifizieren, ihr eigenes Verhalten spiegeln und Vorbildfunktionen für den angestrebten Kompetenzerwerb nutzen.
Wie wurde das Problem der Sprechangst in der Praxis adressiert?
Durch die Schaffung eines geschützten "Schonraums" in der Kleingruppe, Atemübungen, die Verwendung positiver Affirmationen ("Mutmacher") und das Üben in realitätsnahen Rollenspielen wurde die Hemmschwelle schrittweise abgebaut.
- Quote paper
- Sandra Schmidt (Author), 2006, Gespräche suchen - Gespräche führen - Förderung des Selbstvertrauens einer Schülergruppe der 9. Jahrgangsstufe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59602