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Der Einsatz von Fragebögen im 19. Jahrhundert am Beispiel Wilhelm Mannhardts (Auswertung Weber-Kellermann)

Title: Der Einsatz von Fragebögen im 19. Jahrhundert am Beispiel Wilhelm Mannhardts (Auswertung Weber-Kellermann)

Term Paper , 2003 , 12 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Diplom-Germanist / -Journalist Martin Siegordner (Author)

Ethnology / Cultural Anthropology
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Zu Beginn des Buches soll ein gewisser Rahmen geschaffen werden und auch einige Begriffe geklärt werden, damit man versteht, in welcher Zeit und unter welchen Umständen Wilhelm Mannhardt lebte und arbeitete.
Das 19. Jahrhundert brachte zunächst große Veränderungen in der Landwirtschaft:
So -um nur einige zu nennen- z.B. durch die Agrarreform, den Übergang von Natural- zur Geldlöhnung, einer allgemeinen Bevölkerungszunahme, die Technisierung und dem Übergang zur Fruchtwechselwirtschaft.
Zusammenfassend kann man sagen, dass die Landwirtschaft begann, sich kapitalistisch zu orientieren und es zu einer Wandlung der ländlichen Sozialstruktur kam. Doch diese Neuentwicklung der ländlichen Bevölkerung wurde vor allem durch die Volkskunde vernachlässigt. So wurde ein romantisierendes Bild des Bauerntums gezeichnet, welches nicht der Realität entsprach. Vor allem durch Herder kam es zu einer Hinwendung zum eigenen Volkstum. Es wurde ein Idealbild des Bauern geschaffen, das -etwas überspitzt ausgedrückt- durch Arbeit, Tracht, Spiel und Gesang geprägt war. Zudem kam es zu einer Aufwertung der frühgermanischen Glaubenswelt und die Altertumsforscher begaben sich zunehmend in mythische Tiefen. Auch die Gebrüder Grimm teilten diese romantische Sichtweise. Wilhelm Mannhardt war bekennender Grimm-Schüler und wollte dementsprechend ihr Werk fortsetzen. Sein Ziel war es, einen „streng wissenschaftlichen Aufbau der Mythologie“ zu entwickeln.
Bei der Begriffsklärung wird auch auf den ´Fragebogen` eingegangen: Ein Fragebogen wird heute vor allem in der empirischen Sozialforschung zur Durchführung standardisierter Interviews verwendet. Er besteht aus einer genau festgelegten Abfolge von Erhebungs- und Testfragen. Besonders beliebt ist der Fragebogen heute auch in der Werbebranche, beispielsweise zur Erhebung von Verbraucherinteressen. In der Volkskunde wurde diese Art der Befragung häufig angewandt, obwohl man sich der zu erwartenden Probleme bewusst war. So hatte man bei Fragebogenaktionen –wie auch bei Mannhardt geschehen- nur mit einer relativ geringen Rücklaufquote zu rechnen. Zudem waren die Angaben der oft sehr unterschiedlichen Gewährspersonen nicht immer zuverlässig und nicht als allgemein gültig anzusehen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Rahmenbedingungen zu Mannhardts Schaffenszeit

2. Wilhelm Mannhardt

3. Der Fragebogen aus dem Jahr 1865

4. Das Nachwirken Mannhardts

5. Literaturverzeichnis

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht den Einsatz des Fragebogens als wissenschaftliches Instrument im 19. Jahrhundert, fokussiert auf die Pionierarbeit von Wilhelm Mannhardt, und beleuchtet dessen methodische Vorgehensweise bei der Erfassung volkskundlicher Daten sowie die anschließende wissenschaftliche Rezeption und Aufarbeitung durch Ingeborg Weber-Kellermann.

  • Historische Rahmenbedingungen volkskundlicher Forschung im 19. Jahrhundert
  • Biografische und wissenschaftliche Prägung Wilhelm Mannhardts
  • Methodik und Durchführung der großen Fragebogenaktion von 1865
  • Kritische Analyse des Ertrags und der Limitierungen der Mannhardtschen Befragungen
  • Bedeutung der Vorarbeit Mannhardts für die moderne Volkskunde

Auszug aus dem Buch

Der Fragebogen aus dem Jahr 1865

Die Geschichte des Fragebogens als Instrument der systematischen Befragung reicht bis ins 18.Jahrhundert zurück. Bereits Jakob Grimm verfolgte seit 1811 den Plan, mit Hilfe von Gewährsleuten eine Sammlung von Volksüberlieferungen zu organisieren. Grimm und Mannhardt waren somit die Ersten, die eine vergleichende Methode mit Hilfe von Fragebögen auch in der Mythologie anwandten, während dies bis dahin eher in der Sprachwissenschaft ein probates Mittel der Informationsbeschaffung war. Jakob Grimm musste allerdings bald seine Ziele zurücknehmen, da die praktische Umsetzung nicht so gelang, wie er sich es vorgestellt hatte. Dennoch wird sein Plan als erster großer „Ansatz zu einer wissenschaftlichen Bewältigung volkskundlicher Stofffülle“ gesehen. Wilhelm Mannhardt nahm seinen „Gedanken einer systematischen Aufsammlung“ auf.

Doch ihm gelang im Gegensatz zu Grimm aufgrund seines Organisationstalents, seiner Arbeitsenergie und seines Fleißes auch die Realisierung des Projekts. Wie er dies vorantrieb, habe ich ja bereits im letzten Punkt geschildert. Ich möchte allerdings noch einmal kurz auf die Art der Durchführung seiner Fragebogenaktion eingehen. Zunächst noch einmal dazu, weshalb die Wahl der Befragung auf die Erntegebräuche fiel: zunächst war das Aufsammeln von Informationen auf diesem Gebiet leichter, da die Ackergebräuche auch für den einfachen Bauern offensichtlich zu erfassen und darzulegen waren. Zudem ließen die Entegebräuche eine große Stoffmenge erwarten. Darüber hinaus war ein übersichtlicherer Fragenkomplex möglich und damit eine größere Aussicht auf Beantwortung der Fragen durch die Gewährspersonen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Rahmenbedingungen zu Mannhardts Schaffenszeit: Dieses Kapitel erläutert die sozioökonomischen Umbrüche des 19. Jahrhunderts und den damaligen wissenschaftlichen Zeitgeist, der durch eine romantisierende Sicht auf das Bauerntum und eine mythenorientierte Volkskunde geprägt war.

2. Wilhelm Mannhardt: Hier wird der Lebensweg Mannhardts nachgezeichnet, wobei insbesondere seine gesundheitliche Leidensgeschichte und sein frühes Interesse an der Grimmschen Mythologie als Antrieb für seine spätere wissenschaftliche Systematik hervorgehoben werden.

3. Der Fragebogen aus dem Jahr 1865: Das Kapitel analysiert die methodische Umsetzung der großangelegten Fragebogenaktion, die trotz Kritik an der einseitigen Ausrichtung auf Mythologie eine unschätzbare Materialbasis für die spätere Volkskunde schuf.

4. Das Nachwirken Mannhardts: Hier wird die spätere wissenschaftliche Aufarbeitung und kritische Würdigung der Mannhardtschen Ergebnisse durch Forscher wie Richard Beitl und Ingeborg Weber-Kellermann diskutiert.

5. Literaturverzeichnis: Auflistung der im Text verwendeten Fachliteratur und Quellen.

Schlüsselwörter

Volkskunde, Wilhelm Mannhardt, Fragebogen, 19. Jahrhundert, Erntebräuche, Mythologie, Jakob Grimm, Ingeborg Weber-Kellermann, Empirische Sozialforschung, Datenerhebung, Brauchtum, Wissenschaftsgeschichte, Germanistik, Sagen, Überlieferung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den wissenschaftshistorischen Stellenwert der Fragebogenaktionen von Wilhelm Mannhardt im 19. Jahrhundert und deren Bedeutung für die Entwicklung der Volkskunde.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Themen umfassen die Geschichte der volkskundlichen Befragung, die Rolle von Mannhardt als Pionier der empirischen Datensammlung und die wissenschaftliche Transformation dieser Daten durch spätere Forscher.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie Mannhardts methodisches Vorgehen trotz der späteren Kritik an seiner mythologischen Einseitigkeit die Basis für eine fundierte volkskundliche Forschung legte.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine literaturbasierte Analyse und die Auswertung von Sekundärquellen, insbesondere der Arbeiten von Ingeborg Weber-Kellermann.

Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der biografischen Einordnung Mannhardts, der detaillierten Analyse seiner Fragebogenkonzeption von 1865 und der kritischen Reflexion seines wissenschaftlichen Nachlasses.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Die zentralen Begriffe sind Volkskunde, Mannhardt, Fragebogen-Methode, Mythologie und Wissenschaftsgeschichte.

Warum wählte Mannhardt ausgerechnet Erntebräuche als Forschungsschwerpunkt?

Er wählte diese, weil sie für die Landbevölkerung leicht zu beschreiben waren, eine große Stoffmenge versprachen und eine übersichtliche Strukturierung des Fragebogens ermöglichten.

Wie unterscheidet sich der Ansatz von Ingeborg Weber-Kellermann von dem Mannhardts?

Während Mannhardt primär nach der mythischen Urform suchte, ergänzte Weber-Kellermann die Analyse durch die Einbeziehung sozialer und wirtschaftshistorischer Kontextfaktoren der damaligen Zeit.

Welche Kritik wurde an der Arbeit Mannhardts geübt?

Hauptkritikpunkte waren seine zu starke Fokussierung auf mythologische Aspekte und das Vernachlässigen der sozialen Komponente sowie der Menschen hinter den Bräuchen.

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Details

Title
Der Einsatz von Fragebögen im 19. Jahrhundert am Beispiel Wilhelm Mannhardts (Auswertung Weber-Kellermann)
College
University of Bamberg
Course
'Dorfgeschichten. Das Interesse an Land und Leuten und der Beginn der Volkskunde'
Grade
1,3
Author
Diplom-Germanist / -Journalist Martin Siegordner (Author)
Publication Year
2003
Pages
12
Catalog Number
V59648
ISBN (eBook)
9783638535274
ISBN (Book)
9783638884655
Language
German
Tags
Einsatz Fragebögen Jahrhundert Beispiel Wilhelm Mannhardts Weber-Kellermann) Interesse Land Leuten Beginn Volkskunde“
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Diplom-Germanist / -Journalist Martin Siegordner (Author), 2003, Der Einsatz von Fragebögen im 19. Jahrhundert am Beispiel Wilhelm Mannhardts (Auswertung Weber-Kellermann), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59648
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