(Auszug aus der Einleitung)
[...] Die Hausarbeit "Die Reflexion des Amerikanischen Bürgerkriegs im US-Film" beschäftigt sich mit einem Kapitel der Amerikaninsichen Geschichte, das wie kein anderes so stark im Bewusstsein seiner Landsleute verankert und ein ausschließlich im US-Film beheimatetes Thema ist.
Im ersten Teil der Arbeit möchte ich zunächst auf Definitionsprobleme im Zusammenhang mit dem Genre "Kriegsfilm" aufmerksam machen und anschließend einen filmhistorischen Abriss zur Entwicklung des Bürgerkriegsfilms skizzieren. Im zweiten Teil werde ich anhand fünf verschiedener Filmbeispiele analysieren, welche inhaltlichen und thematischen Aspekte in diesen Filmen zum besagten Ereignis angesprochen bzw. ausgelassen werden. Zusätzlich wurden jedem Film (außer "Gods and Generals") zeitgenössische Kritiken hinzugefügt, um auf die unterschiedliche Wahrnehmung der Filmbeispiel seitens den Kritikern aufmerksam zu machen. Mit Ausnahme von "Gone With the Wind" stammen alle Filmbei-spiele aus jüngerer Zeit. Denn meiner Meinung nach bieten gerade die Filme der letzten 20 Jahre im Vergleich zu den älteren ein vielschichtigeres Bild hinsichtlich bestimmter thematischer Aspekte. [...]
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Hauptteil: „Die Reflexion des Amerikanischen Bürgerkriegs im Film“
1. Der Bürgerkrieg als cineastisches Ereignis
1.1 Das Genre des Kriegsfilms
1.2 Die Entwicklung verschiedener Bürgerkriegsverfilmungen
1.2.1 Allgemein
1.2.2 Die Stummfilm-Ära
1.2.3 Die Tonfilm-Ära
1.2.4 Der moderne Bürgerkriegsfilm
2. Ausgewählte Filmbeispiele – Inhaltliche und thematische Aspekte
2.1 „Gone With the Wind“ (1939)
2.2 „Glory“ (1989)
2.3 „Ride With the Devil“ (1999)
2.4 „Gods and Generals“ (2002)
2.5 „Cold Mountain“ (2003)
Schluss/Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die filmische Reflexion des Amerikanischen Bürgerkriegs im US-Kino, um zu analysieren, wie populäre Medien das kollektive Geschichtsbild formen und wie sich die Darstellung kontroverser Themen über die Jahrzehnte gewandelt hat.
- Filmhistorische Entwicklung des Genres "Bürgerkriegsfilm"
- Analyse der Darstellung von Rassenfrage und Sklavenproblematik
- Kontrastierung zwischen klassischer Heroisierung und modernen, historisch-kritischen Ansätzen
- Rolle von individuellen Einzelschicksalen jenseits der großen Schlachten
- Untersuchung von Authentizität und emotionaler Involvierung durch das Medium Film
Auszug aus dem Buch
1.2.2 Die Stummfilm-Ära
Als die Bilder Anfang des 20. Jahrhunderts laufen lernten, lag der Bürgerkrieg etwa 40 Jahre zurück. Er war damit bereits Geschichte, aber dennoch nah genug, um nostalgisch verklärt zu werden. So spielte beispielsweise in dem frühen Stummfilm All’s Fair in Love and War (1910) ein Veteran der Konföderiertenarmee namens John Singleton Mosby (obwohl er bereits über 70 war) sich selbst. Die jungen Filmpioniere fanden im Bürgerkrieg eine reiche Quelle an dramatischen Material, aber es gab auch ein breites Publikumsinteresse. So entstanden allein zwischen 1900 und 1930 an die 100 zehn- bis zwanzigminütigen Bürgerkriegsdramen, genauso wie dokumentarische Berichte zum Bürgerkrieg. Unabhängig ihres künstlerischen Werts für die Kinogeschichte, haben diese frühen Filme aber auch einen nicht intendierten Wert hinsichtlich der damaligen rassischen Einstellung. So war beispielsweise einer der ersten Filme, der sich thematisch mit der Bürgerkriegsära beschäftigte, eine knapp zehnminütige Adaption von Harriet Beecher Stowes Erzählung Uncle Tom’s Cabin, die im Jahre 1903 von der „Thomas A. Edison Co.“ produziert wurde. Bereits diese Literaturverfilmung war nicht frei von rassistischen und diffamierenden Untertönen. Vielmehr leitete der Film eine Ära verschiedener Bürgerkriegsdramen ein, in denen rassische Gesichtspunkte im negativen Sinne Einzug hielten. Doch keiner dieser Filme wurde bis in die Gegenwart so kontrovers diskutiert wie D.W. Griffiths episches Bürgerkriegsdrama The Birth of a Nation von 1915.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Bedeutung populärhistorischer Erinnerung durch den Film und Darlegung der Zielsetzung der Arbeit.
Hauptteil: „Die Reflexion des Amerikanischen Bürgerkriegs im Film“: Untersuchung der historischen und inhaltlichen Entwicklung des Genres im US-Kino.
1. Der Bürgerkrieg als cineastisches Ereignis: Erläuterung der Bedeutung des Kriegsfilms als fiktionales Medium und die Einordnung der Kriegsthematik in Hollywood.
1.1 Das Genre des Kriegsfilms: Definitionsschwierigkeiten des Genres und die Bedeutung des Kinos für die emotionale Vermittlung kriegerischer Ereignisse.
1.2 Die Entwicklung verschiedener Bürgerkriegsverfilmungen: Überblick über den Wandel des Genres von den frühen Anfängen bis heute.
1.2.1 Allgemein: Einordnung der filmischen Behandlung des amerikanischen Bürgerkriegs als spezifisch amerikanisches Thema.
1.2.2 Die Stummfilm-Ära: Analyse der frühen filmischen Auseinandersetzung und des Einflusses rassistischer Mythen.
1.2.3 Die Tonfilm-Ära: Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise auf das Genre und die Dominanz des Werks „Gone With the Wind“.
1.2.4 Der moderne Bürgerkriegsfilm: Wandel hin zu realistischeren, zynischeren und historisch-kritischen Darstellungen ab den 60er Jahren.
2. Ausgewählte Filmbeispiele – Inhaltliche und thematische Aspekte: Detaillierte Fallstudien zu fünf prägenden Filmen.
2.1 „Gone With the Wind“ (1939): Analyse der Legendenbildung und der Darstellung der "Old South"-Mythologie.
2.2 „Glory“ (1989): Untersuchung der zentralen Rolle afroamerikanischer Soldaten und der authentischen Darstellung innerhalb des Regiments.
2.3 „Ride With the Devil“ (1999): Betrachtung des Guerillakampfes und des Fokus auf das Leben einfacher Leute abseits der großen Schlachten.
2.4 „Gods and Generals“ (2002): Analyse der dokumentarischen Schlachtenrekonstruktion und der Heroisierung historischer Generäle.
2.5 „Cold Mountain“ (2003): Untersuchung der Anti-Kriegs-Elemente und des Fokus auf die Heimatfront sowie die Suche nach privatem Frieden.
Schluss/Fazit: Zusammenfassung der zentralen Erkenntnisse über den Wandel des Geschichtsbildes im Film.
Schlüsselwörter
Amerikanischer Bürgerkrieg, US-Film, Hollywood, Historiographie, Filmgeschichte, Rassismus, Genre, Schlachtinszenierung, Identität, Geschichtsbild, Kriegsfilm, Bürgerkriegsdrama, Soldatenschicksale, Erinnerungskultur, Sezessionskrieg
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie das Medium Film das Bild des Amerikanischen Bürgerkriegs in der US-Gesellschaft geprägt hat und wie sich die filmische Reflexion dieses historischen Ereignisses über die Zeit entwickelt hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die filmhistorische Einordnung, der Wandel rassistischer Darstellungen, die Verschiebung von klassischer Heroisierung hin zu revisionistischen Ansätzen sowie der Fokus auf Einzelschicksale.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, herauszuarbeiten, inwieweit US-Filme geschichtliche Aspekte reflektieren oder verzerren und wie diese Filme als Ausdruck zeitgenössischer gesellschaftlicher Probleme fungieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine filmwissenschaftliche und historisch-analytische Arbeit, die durch eine vergleichende Untersuchung spezifischer Filmbeispiele und den Einbezug zeitgenössischer Kritiken fundiert wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in das Genre des Kriegsfilms und dessen Entwicklung über die Stummfilm- und Tonfilm-Ära bis zur Moderne sowie in detaillierte Fallanalysen von fünf ausgewählten Filmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Bürgerkriegsfilm, US-Kino, Geschichtsbild, Identitätsstiftung, Rassismus und Erinnerungskultur definieren.
Wie unterscheidet sich die Darstellung in „Gone With the Wind“ von neueren Filmen wie „Cold Mountain“?
Während „Gone With the Wind“ Mythen des „Old South“ heroisiert und rassistische Strukturen weitgehend akzeptiert oder kaschiert, konzentrieren sich Filme wie „Cold Mountain“ auf die Perspektive einfacher Soldaten und deren Wunsch nach privatem Frieden jenseits nationaler Ideologien.
Warum wird „Glory“ in der Arbeit als Wendepunkt hervorgehoben?
„Glory“ markiert den Beginn einer filmischen Phase, in der afroamerikanische Soldaten nicht mehr als bloße Nebenfiguren, sondern als zentrale Charaktere mit eigener Persönlichkeit und historischer Relevanz ernst genommen werden.
Welche Bedeutung kommt dem Guerillakampf in „Ride With the Devil“ zu?
Der Film zeigt den wenig bekannten, aber brutalen Guerillakrieg in Missouri/Kansas und lenkt den Fokus von der offiziellen militärischen Strategie auf die moralischen Konflikte und das Leid der Zivilbevölkerung.
Inwiefern stuft der Autor „Gods and Generals“ als Anti-Kriegsfilm ein oder ab?
Der Autor ordnet „Gods and Generals“ eher als eine nahezu dokumentarische, oft pathetische Rekonstruktion ein, die durch die Heroisierung von Generälen und den Fokus auf den "Südstaatenmythos" in einem starken Kontrast zu den zynischeren, modernen Antikriegsfilmen steht.
- Arbeit zitieren
- Klaus Genschmar (Autor:in), 2006, Die Reflexion des Amerikanischen Bürgerkriegs im US-Film, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59694