Hilfsgeister des Schamanen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung

Hauptteil: „Hilfsgeister des Schamanen“
1. Der Schamanismus
1.1 Was steckt eigentlich hinter dem Begriff Schamanismus?
1.2 Was ist ein Schamane?
2. Der Schamane und seine Hilfsgeister
2.1 Was sind überhaupt Hilfsgeister?
2.2 Eigenschaften und Funktion der Hilfsgeister für den Schamanen
2.3 Die Hilfsgeister während der schamanischen Sitzung
3. Exkurs: Geistwesen bei den Indianerstämmen Nordamerikas

Schluss/Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

„Schamanen – Eine Reise in die Welt der Geister“, so lautet die Überschrift eines kurzen Artikels, der unlängst in einem populärwissenschaftlichen Magazin veröffentlicht wurde.[1] Eingebettet in das große Thema „Mythen und Rätsel der Urzeit – Saurier, Steinzeitjäger und Schamanen“ befasst sich der Autor darin mit dem Phänomen des Schamanismus in der Vergangenheit (Urgesellschaft) bzw. Gegenwart (Schamanismus in Nord- und Südamerika, Sibirien und Asien). Ungeachtet der Tatsache, dass sich der Autor mit seinem Artikel an ein Massenpublikum wendet, das sich im täglichen Leben wohl kaum mit Religionswissenschaft oder Anthropologie auseinandersetzt, so gelingt es ihm, dem Leser einen kurzen und interessanten Einblick in das Thema Schamanismus zu geben.

Auch ich gestehe, dass ich zu Beginn des Hauptseminars „Einführung in die ethnischen Religionen: Schamanismus“ über wenig Vorwissen zum Thema verfügte. Schamanen kannte ich allenfalls aus Fernsehdokumentationen von Klaus Bednarz auf seinen Reisen nach Sibirien oder aus alten Indianerfilmen. Schamanismus, das klingt für mich zuerst einmal sehr primitiv. Man denkt dabei an einfach lebende Urvölker, an seltsam anmutende Riten und an Aberglaube. Überraschenderweise musste ich aber feststellen, dass der traditionelle Schamanismus auch noch im 21. Jahrhundert lebendig ist, vielleicht nicht mehr so aktiv wie vor 100 Jahren, aber dennoch präsent, selbst in den Industriestaaten. So gibt es beispielsweise in modernen Staaten wie Südkorea oder Japan noch immer eine Vielzahl tätiger Schamanen, die u.a. die neu gekaufte Luxuskarosse des Firmenmanagers auf Sicherheit und Unfallfreiheit weihen (segnen). Und interessanterweise bietet gerade das Internet, bei Eingabe der Stichwörter „shamanism“ bzw. „Schamanismus“ in einschlägigen Suchmaschinen, eine Vielzahl an Treffern. Auffällig ist auch, dass der Schamanismus unter der modernen Bezeichnung „Neoschamanismus“ in den letzten Jahren wiederentdeckt wurde. Im Zeitalter einer zunehmenden Säkularisierung wird dieser Begriff häufig im Zusammenhang von Esoterik, psychedelischen Reisen unter Drogeneinfluss und Kursen zur Naturheilkunde gebraucht.

Diese Hausarbeit hat es sich zur Aufgabe gemacht, auf einfache und anschauliche Weise, am Anfang kurz in das komplexe Thema „Schamanismus“ einzuführen. Hauptsächlich wird sich die Arbeit aber mit den Hilfsgeistern des Schamanen beschäftigen: Was sind das für Wesen?; Wie sieht ihre Welt aus?; Wie tritt der Schamane mit ihnen in Kontakt; usw.. In diesem Zusammenhang führt ein kurzer Exkurs in die Geisterwelt der nordamerikanischen Schoschonen. Zum Schluss möchte ich in einem kurzen Resümee meine Eindrücke bzw. neuen Erfahrungen zum Hauptthema „Schamanismus“ zusammenfassen.

Hauptteil: „Hilfsgeister des Schamanen“

1. Der Schamanismus

1.1 Was steckt eigentlich hinter dem Begriff Schamanismus?

Der berühmte Religionswissenschaftler Mircea Eliade beschreibt den Schamanismus folgendermaßen: „Strenggenommen ist der Schamanismus keine Religion, sondern ein Ganzes von ekstatischen und therapeutischen Methoden, die alle das eine Ziel verfolgen, den Kontakt herzustellen zu jenem anderen parallel existierenden, jedoch unsichtbaren Universum der Geister, um deren Unterstützung für die Besorgung der menschlichen Belange zu erwirken.“[2] Der Schamanismus ist also eine Sammelbezeichnung für Religionen innerhalb derer Schamanen oder Schamaninnen das Zentrum religiöser Praxis bilden. Er lässt sich weltübergreifend auf allen Kontinenten und in den verschiedensten Kulturen nachweisen. Deshalb ist es besonders schwer, „den Schmanaismus“ als solches zu definieren. Vielmehr stellt er ein komplexes, ja fast unüberschaubares, Phänomen dar, das in seinen Grundzügen weltweit ähnlich ist, aber dennoch von Kultur zu Kultur spezifisch Elemente aufweist. Zentral- und Nordasien gilt aber dennoch als das klassische Verbreitungsgebiet des Schamanismus. Mircea Eliade beginnt folglich in seinem „Handbuch der Religionen“ zunächst mit der Beschreibung des asiatischen und sibirischen Schamanismus, gefolgt vom Schamanismus bei den arktischen Völkern und dem übrigen Asien, hin zum nord- bzw. südamerikanischen Schmamanismus.

1.2 Was ist ein Schamane?

Die sprachwissenschaftliche Herleitung des Begriffs Schamane ist bis heute nicht hundertprozentig geklärt. Mircea Eliade meint, der Begriff stamme aus der tungusischen Sprache und bedeute so viel wie „Zauberer“, wohingegen die Jakuten, Kirgisen, Usbeken, Kasaken und Mongolen andere Begriffe verwenden.[3] Nach Hartmut Kraft leitet sich der Begriff von dem Mandschuwort „saman“ her, was so viel bedeutet, wie „einer der erregt, bewegt bzw. erhaben ist“, womit bereits auf die rituelle Ekstase des Schamanen angespielt wird. Der Begriff Schamane bezog sich ursprünglich auf einen mit Heilung befassten, vielseitigen Funktionsträger der innerasiatischen Jägerkulturen. Wahrscheinlich gab es solche Personen aber überall auf der Welt, d.h. überall da, wo kleinere, nicht sesshafte Stammeskulturen neben einem weltlichen Führer (z.B. einem Häuptling) auch einen geistlichen Führer (den Schamanen) hatten. In diesem Sinne ist der Schamane also ein „Meister der Ekstase“ der durch außergewöhnliche Bewusstseinszustände in einer sozialen Gemeinschaft tätig ist.[4]

Um Schamane zu werden, ist weniger die Geschlechtszugehörigkeit entscheidend, als vielmehr die Bereitschaft dieses außergewöhnliche „Amt“ anzutreten. Am Beginn des Schamanendaseins steht eine Berufung, Initiation und Unterweisung. Die Ausübung der Schamanentätigkeit besteht dann darin, in veränderte Bewusstseinzustände verschiedener Intensität einzutreten, entweder durch Konzentration oder willentlich durch die Einnahme von Drogen bzw. mit Hilfe von Tanz und Rhythmus. Dabei spielen Hilfs- und Schutzgeister in diesen Bewusstseinszuständen eine zentrale Rolle. Der Schamane ruft willentlich seine Hilfsgeister und wird von ihnen besessen, wonach sie dann durch seinen Mund sprechen und sich sogar manchmal mit den Anwesenden unterhalten. Dieser Zustand wirkt auf den westeuropäischen Zuschauer sehr befremdlich, wodurch solche besessenen Schamanen oftmals vorschnell auf die selbe Stufe wie Geisteskranke gestellt werden. Die Tranceerlebnisse des Schamanen entstammen jedoch den historisch gewachsenen Vorstellungen ihrer sozialer Gemeinschaft, auf die sie wiederum ihrerseits zurückwirken.[5]

Die Funktion des Schamanen geht über die eines Medizinmannes hinaus. Sein Aufgabengebiet ist viel weiter gefasst. Er kann Einfluss auf die Jagd, das Wetter oder die Ernte nehmen. Er ist Spezialist für Jenseitsreisen, indem er mit den jenseitigen Mächten vermitteln kann. Dabei ist der Umgang mit den Geistern, die dieses Paralleluniversums bewohnen nicht ungefährlich, da die Geister unberechenbar sein können. Nur die (meist unfreiwillige) Fügung in das eigene Schicksal als Schamane und eine langjährige Ausbildung garantieren eine unversehrte Rückkehr in das Diesseits.

2. Der Schamane und seine Hilfsgeister

2.1 Was sind überhaupt Hilfsgeister?

Einleitende Worte

Die Welt der spirituellen Wesenheiten, sprich der Geister, ist das Jenseits. Die jenseitige Welt ähnelt dabei sehr der Welt der Menschen. So haben auch die Geister, abhängig von ihrer hierarchischen Stellung, verschiedene Bereiche und Tätigkeitsfelder. Der Schamane muss daher ganz genau über die unterschiedlichen Rangstellungen und Funktionen der Geister bescheid wissen, damit er diese auch erfolgreich für seine Angelegenheiten nutzen kann.[6]

[...]


[1] BLUMENTHAL, P.J., Schamanen – Eine Reise in die Welt der Geister, in: P.M. History – Das große Magazin für Geschichte, Februar 2006, S. 60-66.

[2] Zit. nach: ELIADE, Mircea/CULIANU, Handbuch der Religionen, Zürich/München, 1995, S. 176.

[3] Vgl. Ebd., S. 176.

[4] Vgl. KRAFT, Hartmut, Über innere Grenzen: Initiation in Schamanismus, Kunst, Religion und Psychoanalyse, München, 1995, S. 16.

[5] Vgl. Ebd., S. 16/17.

[6] Vgl. MÜLLER, Klaus E., Schamanismus: Heiler, Geister, Rituale, München2, 2002, S. 40.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Hilfsgeister des Schamanen
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Theologische Fakulät)
Veranstaltung
Einführung in die ethnischen Religionen: Schamanismus
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
19
Katalognummer
V59698
ISBN (eBook)
9783638535625
ISBN (Buch)
9783638770996
Dateigröße
777 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hilfsgeister, Schamanen, Einführung, Religionen, Schamanismus
Arbeit zitieren
Klaus Genschmar (Autor), 2006, Hilfsgeister des Schamanen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59698

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Hilfsgeister des Schamanen



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden