So verschieden wie die Lebensweise der Germanen, so verschieden sind auch ihre Bestattungsriten nicht nur durch die Jahrhunderte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Brandbestattungen – Bestattungsform vom Beginn der vorrömischen Eisenzeit bis zum Ende der Römischen Kaiserzeit
3. Beispiele Kaiserzeitlicher Bestattungen
a. Neubrandenburg – archäologische versus anthropologische Geschlechterbestimmung
b. Perdöhl – ein Gräberfeld der Durchschnittsbevölkerung (?) über die Kaiserzeit hinaus
c. Varbelvitz – Körpergräber und Importe als Anzeichen sozialer Überlegenheit?
4. Zusammenfassung
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die germanischen Bestattungssitten während der römischen Kaiserzeit im Raum Mecklenburg-Vorpommern, mit einem besonderen Fokus auf den Wandel von Brand- zu Körperbestattungen sowie die Herausforderungen bei der geschlechtsspezifischen Interpretation archäologischer Funde.
- Analyse verschiedener Brandbestattungsformen und deren zeitliche Einordnung.
- Diskussion der Problematik archäologischer versus anthropologischer Geschlechterbestimmung.
- Untersuchung der sozialen Differenzierung durch Grabbeigaben und Importgüter.
- Betrachtung von Gräberfeldern als Quellen für Kontinuität bis in die Völkerwanderungszeit.
- Methodische Bewertung von Beigabenkombinationen zur sozialen und geschlechtsspezifischen Einordnung.
Auszug aus dem Buch
3.1. Neubrandenburg – archäologische versus anthropologische Geschlechterbestimmung
Das Gräberfeld im Nordosten der Stadt Neubrandenburg (Abb. 3) stammt aus dem 1. Jh. n. Chr. und gehört somit in die Anfänge der römischen Kaiserzeit (Eggers Stufe B).
Das durch Unterbrechungen in den Jahr 1957 bis 1971 ergrabene Areal von 865 m² in der Wolgaster Straße (Abb. 7) erbrachte keine Körperbestattungen. Von den insgesamt 190 bis 200 Gräbern konnten zweifelsfrei 174 Brand-bestattungen, die sich aus 162 Urnengräber und 10 Knochenlager zusammensetzen (Schultze 1996, 143), bestimmt werden.
Während den Ausgrabungen stellte sich ein erheblicher Mangel an Waffenfunden heraus, worauf von einem Frauenfriedhof die Rede war.
Seit Schwantes (1909) diskutiert die Fachwelt angeregt die Problematik unisexueller Friedhöfe (Wahl 1988, 17). Schon im 19. Jh. gab es Überlegungen dieser Art, so bekundete von Hammerstein 1821 zum ersten Mal für das westliche Gebiet Norddeutschlands, dass germanische Männer und Frauen getrennt bestattet wurden (Derks 1993, 340). Da in der römischen Kaiserzeit die typisch männlichen Beigaben – Waffen – nicht mehr oder selten vorhanden waren (siehe die geringe Anzahl an Waffenbeigaben auf Abb. 4), gingen die Archäologen bereits damals – gestützt auf der Vorstellung, dass Männer immer mit Waffenzubehör, Sporen und Messern (Derks 1993, 341) bestattet wurden – bei waffenlosen Gräbern von femininen Individuen aus (Breitsprecher 1987).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der germanischen Bestattungssitten ein und erläutert die chronologische Einordnung sowie den Forschungsstand zur Veränderung von Bestattungsriten.
2. Brandbestattungen – Bestattungsform vom Beginn der vorrömischen Eisenzeit bis zum Ende der Römischen Kaiserzeit: Das Kapitel stellt die verschiedenen Formen der Brandbestattung dar, die über 1500 Jahre gebräuchlich waren, und beleuchtet deren Übergang zu anderen Riten.
3. Beispiele Kaiserzeitlicher Bestattungen: Hier werden spezifische Fallbeispiele wie Neubrandenburg, Perdöhl und Varbelvitz herangezogen, um methodische Probleme bei der Bestimmung von Geschlecht, sozialem Status und kulturellen Einflüssen zu diskutieren.
4. Zusammenfassung: Dieses Kapitel fasst die Erkenntnisse über die Problematik der Geschlechterbestimmung und die Bedeutung der Grabbeigaben im untersuchten Raum zusammen.
5. Literaturverzeichnis: Dies ist ein systematisches Verzeichnis aller verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Publikationen zur Unterstützung der Argumentation.
Schlüsselwörter
Römische Kaiserzeit, Mecklenburg-Vorpommern, Bestattungssitten, Brandbestattung, Körpergrab, Neubrandenburg, Perdöhl, Varbelvitz, Geschlechterbestimmung, Archäologie, Grabbeigaben, soziale Differenzierung, Importgüter, Völkerwanderungszeit, Gräberfeld.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den archäologischen Befunden der germanischen Bestattungssitten in Mecklenburg-Vorpommern während der römischen Kaiserzeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen der Wandel von Brand- zu Körperbestattungen, die Interpretation von Grabbeigaben hinsichtlich Geschlecht und Status sowie die Problematik der archäologischen Geschlechterbestimmung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Bestattungspraxis im Raum Mecklenburg-Vorpommern zu analysieren und dabei kritisch zu hinterfragen, inwieweit archäologische Funde wie Beigaben Aufschluss über Geschlecht und sozialen Status geben können.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine vergleichende Analyse bekannter Gräberfelder unter Einbeziehung archäologischer Funde sowie anthropologischer Untersuchungen und existierender Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Gräberfelder Neubrandenburg (Geschlechterbestimmung), Perdöhl (Bevölkerungsstruktur) und Varbelvitz (soziale Überlegenheit und Importe).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Kaiserzeit, Bestattungssitten, Mecklenburg-Vorpommern, Grabbeigaben und Geschlechterbestimmung sind die prägenden Begriffe.
Warum ist die Geschlechterbestimmung anhand von Beigaben in dieser Epoche problematisch?
Da typische männliche Beigaben wie Waffen in dieser Zeit oft fehlen oder selten sind, führt eine rein archäologische Zuweisung häufig zu fehlerhaften Überschüssen an Frauengräbern.
Was besagt die Arbeit über den sozialen Status anhand von Körpergräbern in Varbelvitz?
Körpergräber mit Importgütern und steinernen Grabkammern werden als Anzeichen für eine soziale Oberschicht interpretiert, die sich von der bäuerlichen Durchschnittsbevölkerung abhob.
Welche Rolle spielt die Kontinuität in der Arbeit?
Anhand des Gräberfeldes Perdöhl wird aufgezeigt, dass Bestattungsplätze über die römische Kaiserzeit hinaus bis in die Völkerwanderungszeit genutzt wurden, was auf eine stabile Bevölkerung hindeutet.
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- Jana Vogt (Author), 2005, Germanische Bestattungssitten der römischen Kaiserzeit in Mecklenburg-Vorpommern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59739