Der folgende Beitrag geht auf die Stadtentwicklung von Havanna ab 1950 ein. Hierbei liegt der Schwerpunkt auf der Frage, welchen Einfluss die sozialistische Regierung ab 1959 auf die Stadtentwicklung und Stadtplanung hatte. Havanna unterscheidet sich durch die Regierung unter Fidel Castro von anderen lateinamerikanischen Großstädten.
Am Anfang des Hauptteils steht eine kurze Zusammenfassung der Entwicklung Havannas ab 1950, es folgt ein Beitrag zu den Zielen und Errungenschaften der sozialistischen Stadtplanung, die am Beispiel von 4 Masterplänen erläutert werden. In den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts gründeten sich in einzelnen Vierteln von Havanna Initiativen zur Verbesserung und Erhaltung der Stadt. Dieses Thema werde ich im dritten Absatz behandeln. Darauf aufbauend geht es im vierten Teil um die lokale Entwicklung von Atarés, ein Stadtteil in der Nähe des Zentrums von Havanna. Auf diese Weise kann die staatlich gelenkte sowie die lokale und regionale Stadtentwicklung und Stadtplanung darstellgt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Havanna (ab 1950) – ein kurzes Portrait
3. Sozialistische Stadtplanung in Havanna
3.1. Erster Masterplan 1963/1964
3.2. Zweiter Masterplan 1971
3.3. Dritter Masterplan 1984
3.4. Vierter Masterplan 1990
3.5. Zusammenfassung
4. Nachbarschaftsarbeit in einzelnen Vierteln
5. Atarés und der Einfluss der Revolution
6. Fazit/Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Stadtentwicklung von Havanna seit 1950 mit einem besonderen Fokus auf den Einfluss der sozialistischen Regierung nach 1959. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen den staatlich geplanten Masterplänen und der tatsächlichen lokalen Umsetzung sowie die sozioökonomische Entwicklung am Beispiel ausgewählter Stadtteile zu analysieren.
- Historische Entwicklung von Havannas Stadtbild seit 1950
- Analyse der vier großen sozialistischen Masterpläne
- Einfluss politischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen auf die Stadtplanung
- Lokale Stadtteilentwicklung am Beispiel von Atarés
- Strukturen der Nachbarschaftsarbeit und partizipative Ansätze
Auszug aus dem Buch
5. Atarés und der Einfluss der Revolution
Atarés, welches zum Bezirk Cerro gehört, ist ca. 28 Hektar groß (Ortega, 1996: 97). Der Stadtteil, mit einem großen Anteil an afro-kubanischer Bevölkerung (Coyula, 1997: 214), hat die Form eines Dreiecks und liegt nördlich des Stadtzentrums von Havanna. Auf Grund dessen ist die Geschichte von Atarés ein Beispiel für die Vergangenheit des Stadtkerns Havannas (Ortega, 1996: 97). Gekennzeichnet durch die lineare Straßenführung sowie die kompakten Wohngebäude ähnelt Atarés auch der Altstadt.
Atarés war durch die Nähe zum Marktplatz, zu wichtigen Teilen der Industrie und später zur Eisenbahnstation, immer ein Arbeiterviertel (Ortega, 1996: 133), das eine große Anziehungskraft auf Migranten hatte (Coyula, 1997: 132).
In den Jahren 1950-1960 wurde Atarés wie folgt beschrieben:
“The trade winds blowing through this southern portion of the bay carried factory smoke and the stench of rotting garbage to the nearby poor communities of Luyanó, Atarés and the southern Part of Habana Vieja” (Coyula, 1997: 96)
“The cheapest place in the city to secure commercial sex was in the sordid brothels along Pila Street in irascible Atarés” (Coyula, 1997: 110).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Fragestellung nach dem Einfluss der sozialistischen Regierung auf Havannas Stadtentwicklung im Vergleich zu anderen lateinamerikanischen Großstädten.
2. Havanna (ab 1950) – ein kurzes Portrait: Dieses Kapitel beschreibt den sozioökonomischen Zustand Havannas in den 1950er Jahren und die Veränderungen durch den Triumph der Revolution 1959.
3. Sozialistische Stadtplanung in Havanna: Hier werden die vier wesentlichen Masterpläne zwischen 1963 und 1990 im Detail analysiert, inklusive ihrer Ziele, Schwächen und Umsetzungsgrade.
4. Nachbarschaftsarbeit in einzelnen Vierteln: Das Kapitel erläutert die Entstehung und Arbeit der sogenannten Talleres ab 1988, die lokale Identität und Infrastruktur fördern sollten.
5. Atarés und der Einfluss der Revolution: Am Beispiel des Stadtteils Atarés werden die Auswirkungen der politischen Veränderungen auf die Lebensbedingungen der Bewohner konkret aufgezeigt.
6. Fazit/Zusammenfassung: Das Fazit resümiert die Diskrepanz zwischen geplanten sozialistischen Visionen und der oft schwierigen Realität, die stark von wirtschaftlichen Krisen beeinflusst wurde.
Schlüsselwörter
Havanna, Stadtentwicklung, Sozialismus, Masterplan, Revolution, Stadtplanung, Atarés, Kuba, Wohnungsbau, Nachbarschaftsarbeit, Wirtschaftskrise, Infrastruktur, Lateinamerika, Stadterneuerung, Fidel Castro
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die städtebauliche Entwicklung Havannas in der Zeit nach 1950 unter Berücksichtigung der politischen Zäsur durch die sozialistische Revolution von 1959.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die sozialistische Planung durch Masterpläne, die lokale Stadtteilentwicklung, soziale Aspekte der Wohnraumpolitik sowie der Einfluss externer wirtschaftlicher Faktoren auf die Stadt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu ergründen, inwiefern sich Havanna durch die sozialistische Regierung von anderen lateinamerikanischen Metropolen unterscheidet und wie effektiv die staatlichen Planungen umgesetzt wurden.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von Fallbeispielen, insbesondere der Analyse der vier Masterpläne und der historischen Entwicklung des Viertels Atarés.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der historische Kontext, die vier Phasen der sozialistischen Masterpläne, die Bedeutung partizipativer Nachbarschaftsprojekte und die spezifische Entwicklung des Stadtteils Atarés untersucht.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie sozialistische Stadtplanung, Masterpläne, Havanna, Stadterneuerung und die sozioökonomische Transformation geprägt.
Inwiefern beeinflusste die Wirtschaftslage die Stadtplanung?
Wie insbesondere in den 1990er Jahren nach dem Zusammenbruch der UdSSR deutlich wurde, war die Umsetzbarkeit stadtplanerischer Vorhaben massiv von der wirtschaftlichen Stabilität und finanziellen Mitteln Kubas abhängig.
Warum wird Atarés als Fallbeispiel angeführt?
Atarés dient als konkretes Beispiel für ein historisch vernachlässigtes Arbeiterviertel, um zu zeigen, wie revolutionäre Veränderungen einerseits soziale Verbesserungen brachten, andererseits aber auch unter Planungsfehlern und Geldmangel litten.
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- Anja Nikodem (Author), 2005, Havanna - Stadtentwicklung seit 1950, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59759