Die Irak- Krise hat die Europäische Union und vor allem die GASP in eine Krise geführt. Die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) bildet dabei die zweite Säule der Europäischen Union, die in drei Säulen aufgeteilt ist. Es ging nicht nur um die Frage, ob man die USA unterstützt, sondern es wurden grundlegende Fragen gestellt, die mit dem Irak nichts zu tun haben. Es entstand die Diskussion, welche Ziele die Europäische Union erreichen soll. Wie wird die Zukunft der GASP in Europa aussehen? Sind die Visionen der einzelnen Länder von Europa so unterschiedlich? Hat man gemeinsam Institutionen erschaffen um besser miteinander zu kooperieren, ohne ein Ziel in den Augen? So sagt die Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot: „ Die Irak-Krise könnte sogar als Ursache dafür gewertet werden, dass alle institutionellen Verbesserungen im Bereich der GASP infolge einer „Realitätsprüfung“ als „Wolkenkuckucksheim“ angesehen werden. Eine gemeinsame Außenvertretung der EU, z.B. im UN-Sicherheitsrat, scheint derzeit völlig unrealistisch”
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Positionen der einzelnen Mitgliedsländer zum Irak-Krieg
1.1 Position Großbritanniens
1.2 Position Osteuropäischer Mitgliedsländer
1.3 Position Frankreichs
1.4 Position Deutschlands
2. Vertrag von Amsterdam
2.1 Abstimmungsmodus
3. Notwendigkeit und Grenzen der Integration innerhalb der GASP
3.1 Notwendigkeiten der Integration
3.2 Grenzen der Integration
4. Zukünftige Entwicklungsoptionen der EU
4.1 Kerneuropa
4.2 Mehrheitsentscheidungen
4.3 Supranational
5. Neo- Realismus
5.1 Annahme des Neo- Realismus
5.2 Innere und äußere Dimension
5.3 Zukünftige Entwicklung aus neo- realistischer Sicht
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit die Irak-Krise die Möglichkeiten der weiteren Integration innerhalb der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) der Europäischen Union beeinflusst hat und welche Zukunftsszenarien sich daraus ableiten lassen.
- Analyse der unterschiedlichen Positionen der EU-Mitgliedsstaaten zur Irak-Krise.
- Untersuchung der rechtlichen Rahmenbedingungen und Abstimmungsmodi im Vertrag von Amsterdam.
- Erörterung der Notwendigkeit und der Grenzen der GASP-Integration.
- Darstellung zukünftiger Entwicklungsmodelle der EU (Kerneuropa, Mehrheitsentscheidungen, Supranationalität).
- Anwendung neo-realistischer Theorien zur Erklärung der europäischen Integrationsprozesse.
Auszug aus dem Buch
1.1 Position Großbritanniens
Großbritannien war das Land, das sich ziemlich schnell positionierte. Tony Blair wollte sich durch seine Entschlossenheit Einfluss auf den weiteren Entscheidungsprozess sichern um den Konflikt noch beeinflussen zu können, wenn es notwendig erschien.5 Für Tony Blair war die Entscheidung für oder gegen die USA keine Einfache. „Allerdings entschied er sich für das geringere Übel und unterstützte die Irak-Politik der Regierung Bush, weil für ihn die Aufrechterhaltung der special relationship Voraussetzung für eigene außenpolitische Handlungsfähigkeit und für die Geschlossenheit der atlantischen Allianz blieb.“6
Großbritanniens Außenpolitik ist klar gekennzeichnet durch die enge Zusammenarbeit mit den USA. In der Irak-Krise wurde Großbritannien vor die Wahl gestellt, ob es sich dem amerikanischen Kurs anschließt oder stattdessen die Position Deutschlands oder Frankreichs unterstützt. Letztendlich hat sich die englische Regierung getreu der special relationship dem Kurs der Bush-Regierung angeschlossen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Problematik der GASP-Krise durch den Irak-Konflikt und Definition der Forschungsfragen.
1. Positionen der einzelnen Mitgliedsländer zum Irak-Krieg: Darstellung der divergenten außenpolitischen Ansätze von Großbritannien, Osteuropa, Frankreich und Deutschland.
2. Vertrag von Amsterdam: Analyse der rechtlichen Grundlage der GASP und der limitierenden Wirkung des Einstimmigkeitsprinzips.
3. Notwendigkeit und Grenzen der Integration innerhalb der GASP: Diskussion darüber, warum weitere Integrationsschritte nötig sind, während gleichzeitig die strukturellen Grenzen der Kooperation deutlich werden.
4. Zukünftige Entwicklungsoptionen der EU: Vorstellung der Szenarien Kerneuropa, Mehrheitsentscheidungen und Supranationalität als Wege aus der Blockade.
5. Neo- Realismus: Theoretische Einordnung der europäischen Sicherheitskooperation durch die Linse des strukturellen Realismus.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Irak-Krise als Katalysator für einen differenzierten Integrationsprozess in der EU.
Schlüsselwörter
GASP, Irak-Krise, Europäische Union, Integration, Außenpolitik, Neo-Realismus, Vertrag von Amsterdam, Einstimmigkeitsprinzip, Kerneuropa, Sicherheitspolitik, transatlantische Beziehungen, Souveränität, Macht, Kooperation, Supranationalität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen der Irak-Krise auf die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der EU und bewertet die Zukunftsaussichten einer tieferen Integration.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentral sind die unterschiedlichen nationalen Positionen zum Irak-Krieg, die Rolle des Vertrags von Amsterdam sowie theoretische Erklärungsmodelle aus dem Neo-Realismus.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Es wird untersucht, ob die Irak-Krise eine weitere Integration ermöglicht hat oder ob der Status Quo das Maximum darstellt und wie ein zukünftiger Integrationsprozess aussehen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine politikwissenschaftliche Analyse, insbesondere durch die Anwendung der Theorie des Neo-Realismus auf die realen Ereignisse der Irak-Krise.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung nationaler Positionen, die rechtliche Analyse des Abstimmungsmodus, die Notwendigkeit von Reformen, Szenarien für die Zukunft der EU und die theoretische Fundierung durch den Realismus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind GASP, Irak-Krise, Europäische Integration, Neo-Realismus und die verschiedenen Entwicklungsoptionen der EU.
Warum war der Vertrag von Amsterdam ein Hindernis?
Das darin verankerte Einstimmigkeitsprinzip führte bei divergierenden nationalen Interessen, wie im Fall der Irak-Krise, zu einer Blockade der gemeinsamen Handlungsfähigkeit.
Welche Rolle spielt die Osterweiterung in diesem Kontext?
Die Osterweiterung verkompliziert den Entscheidungsprozess zusätzlich, da diese Länder oft sicherheitspolitisch stärker auf die USA orientiert sind.
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- Martin Kacprzycki (Author), 2006, Die Irakkrise als Testfall für Europa - Spaltung oder Einigung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59795