Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Sociology - Relationships and Family

Die weibliche Sexualität als sozialgeschichtliche Konstruktion

Title: Die weibliche Sexualität als sozialgeschichtliche Konstruktion

Seminar Paper , 2004 , 17 Pages , Grade: 2,7

Autor:in: Karoline Lazaj (Author)

Sociology - Relationships and Family
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Wirft man einen Blick zurück in die Geschichte, so kann man interessante Beobachtungen machen hinsichtlich der Konstruktion der weiblichen Sexualität. Längst müsste der Gedanke verworfen sein, dass die Geschlechterordnung eine objektive Tatsache ist. Fest steht, dass die Geschlechter und ihre dazugehörige Sexualität historisch spezifiziert und konstruiert sind, also gängige Vorstellungen über Mann und Frau in die Auffassungen über ihre Sexualität hinein projiziert werden.

Ich werde in dieser Hausarbeit versuchen, mich auf die Konstruktion der weiblichen Sexualität im Laufe der Geschichte zu konzentrieren. Aufgrund der Komplexität der eigentlich zu betrachtenden Zeitspanne werde ich meine Ausführungen auf die Zeit des Mittelalters bis zur Zeit der Aufklärung konzentrieren, folglich zwei Sichtweisen des „Sexualwesens“ Frau untersuchen: zuerst werde ich mich mit dem Christentum und seinen Vertretern Augustinus und Thomas von Aquin beschäftigen, welches das Mittelalter prägte. Hier wird zu untersuchen sein, wie die Sexualität der Frau hinsichtlich ihrer untergeordneten und dienenden Rolle dem Mann gegenüber interpretiert wurde (mitunter wird auch hier die Frage geklärt werden, wer der eigentlich Schuldige am Sündenfall war). Neben den christlichen Vorstellungen wird auch auf die wissenschaftlichen Interpretationen der weiblichen Sexualität vor der Aufklärung einzugehen sein, die im Zusammenhang stehen mit dem „Ein-Geschlecht-Modell“ und der Humorallehre.

Danach werde ich mich im Hauptteil der Hausarbeit auf die Konstruktion der Sexualität der Frau in den in der Aufklärung sich herausbildenden Humanwissenschaften konzentrieren. Es wird herauszuarbeiten sein, inwiefern diese versuchten, die gängigen gesellschaftlichen Vorstellungen über die Frau an deren Körper festzumachen und dementsprechend zu naturalisieren. Die Medikalisierung weiblichen Verhaltens wurde im Zuge dieser Entwicklung dahingehend weitergeführt, dass Frauen, die sich nicht dem gängigen Frauenbild nach verhielten und autonom über ihre Sexualität verfügen wollten, als krankhaft dargestellt wurden. Diese Pathologisierung (vor allem der Frauen) mündete sogar in gynäkologische Eingriffe, die als zur Heilung notwendig betrachtet wurden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Rolle der Sexualität der Frau im Christentum

3. Die Konstruktion der weiblichen Sexualität in den Wissenschaften

3. 1. Die Zeit vor der Aufklärung

3. 2. Die Zeit der Aufklärung

3. 2. 1. Hysterie und Nymphomanie

4. Schluss

5. Bibliographie

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht die sozialgeschichtliche Konstruktion weiblicher Sexualität vom Mittelalter bis zur Aufklärung und analysiert, wie wissenschaftliche sowie kirchliche Diskurse dazu dienten, das Frauenbild durch Naturalisierung und Pathologisierung zu kontrollieren und gesellschaftlich einzuordnen.

  • Kirchliche Konstruktionen der weiblichen Sexualität im Mittelalter
  • Wissenschaftliche Modelle der Geschlechterdifferenz (Ein-Geschlecht-Modell, Humorallehre)
  • Die Medikalisierung und Pathologisierung weiblichen Verhaltens in der Aufklärung
  • Die Bedeutung von Diagnosen wie Hysterie und Nymphomanie als soziale Kontrollinstrumente

Auszug aus dem Buch

3.2.1. Hysterie & Nymphomanie

Es ist schwer, die Hysterie objektiv greifbar zu machen; eine klare Definition zu artikulieren ist fast unmöglich. Das liegt an dem subjektiven Verständnis, welches man von dieser Krankheit hatte. Denn im Grunde kann man diese Krankheit als eine konstruierte ansehen (genau wie die Nymphomanie), denn viele Frauen, bei denen Hysterie festgestellt wurde, waren gar nicht krank - meist waren es Frauen, die einen weiblich-untypischen Lebensstil hatten. Alle Frauen, die sich außerhalb der Normen bewegten, wurden als Kranke konstruiert, da sie nicht der Idee der schamhaften und passiven Frau entsprachen. So wurden Prostituierte, Schauspielerinnen, Tänzerinnen und intellektuell aktive Frauen von vorneherein als hysterisch (und nymphomanisch) bezeichnet.

Es gab unendlich viele Symptome für die Hysterie; viele Forscher bezeichnen sie darum auch als „Krankheit ohne Ursache“. Ein Symptom war beispielsweise der Hang zur Lüge. Zwar war schon die gesunde Frau eine notorische Lügnerin (erklärt wurde dieser Zwang zum Lügen u. a. dadurch, dass die Frauen schon von der Pubertät an dazu konditioniert wurden, ihre Menstruation regelmäßig vor den Männern geheim zu halten), aber in der Hysterie war dieser Wesenszug aufs Radikalste gesteigert. Weitere Symptome waren z. B. eine allgemeine Überempfindlichkeit, geschärfte Sinne, verschiedene kleine Beschwerden und eine gewisse Reizbarkeit. Aber auch die sexuelle Verweigerung dem Manne gegenüber wurde mit der Hysterie in Verbindung gebracht. Im letzten Stadium würde die Hysterikerinnen sich bemerkbar machen durch Anfälle, die sich in Lachen, Weinen, Schreien und Krämpfen äußern würden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die Konstruktion der weiblichen Sexualität historisch zu untersuchen und dabei den Fokus auf den Zeitraum vom Mittelalter bis zur Aufklärung zu legen.

2. Die Rolle der Sexualität der Frau im Christentum: Dieses Kapitel analysiert die christlich geprägten Vorstellungen des Mittelalters, in denen die Frau als untergeordnetes, sündhaftes Wesen definiert und ihre Sexualität auf eine reine Fortpflanzungsfunktion reduziert wurde.

3. Die Konstruktion der weiblichen Sexualität in den Wissenschaften: Dieser Abschnitt befasst sich mit wissenschaftlichen Erklärungsmodellen wie dem Ein-Geschlecht-Modell und der Humorallehre, die dazu dienten, soziale Unterschiede als biologisch gegeben darzustellen.

3. 1. Die Zeit vor der Aufklärung: Hier werden die wissenschaftlichen Modelle der Antike und des Mittelalters vorgestellt, welche die Frau primär als unentwickelte oder fehlerhafte Variante des Mannes betrachteten.

3. 2. Die Zeit der Aufklärung: Dieses Kapitel beschreibt den Wandel der medizinischen Diskurse, in denen durch neue Humanwissenschaften die Naturalisierung der Frau und eine zunehmende Pathologisierung abweichenden Verhaltens stattfanden.

3. 2. 1. Hysterie und Nymphomanie: Hier wird detailliert aufgezeigt, wie diese Diagnosen als Instrumente dienten, um Frauen, die nicht dem bürgerlichen Ideal entsprachen, auszugrenzen und durch gynäkologische Eingriffe zu disziplinieren.

4. Schluss: Das Fazit stellt zusammenfassend fest, dass die Konstruktion weiblicher Sexualität durch die Wissenschaften stark subjektiv geprägt war, um die Kontrolle über den weiblichen Körper zu legitimieren.

5. Bibliographie: Das Verzeichnis listet die verwendete Fachliteratur auf, die als Grundlage für die historische und soziologische Analyse dient.

Schlüsselwörter

Weibliche Sexualität, Sozialgeschichte, Konstruktion, Mittelalter, Aufklärung, Christentum, Wissenschaftsgeschichte, Pathologisierung, Medikalisierung, Hysterie, Nymphomanie, Geschlechterrolle, Ein-Geschlecht-Modell, Humoralpathologie, Disziplinierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie das Verständnis der weiblichen Sexualität im historischen Wandel zwischen Mittelalter und Aufklärung durch kirchliche und wissenschaftliche Diskurse konstruiert wurde.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder umfassen die christliche Moraltheologie, antike wissenschaftliche Modelle wie die Humorallehre sowie die Entstehung der Humanwissenschaften und deren Beitrag zur Pathologisierung des weiblichen Geschlechts.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist aufzuzeigen, dass die Geschlechterordnung keine objektive Tatsache ist, sondern durch machtvolle Diskurse historisch spezifiziert und zum Zwecke sozialer Kontrolle konstruiert wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine sozialgeschichtliche und wissenschaftskritische Analyse, die Fachliteratur nutzt, um die theoretische Herleitung weiblicher Sexualität im Diskurs nachzuvollziehen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die Verschiebung von mittelalterlichen religiösen Frauenbildern hin zu wissenschaftlichen Modellen, die das bürgerliche Subjekt definierten und Abweichungen bei Frauen pathologisierten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Konstruktion, Sexualisierung, Naturalisierung, Pathologisierung, Geschlechterdifferenz sowie der historische Wandel vom Mittelalter zur Aufklärung.

Warum wurden Diagnosen wie Hysterie so oft gestellt?

Diagnosen wie Hysterie wurden oft als soziale Kontrollinstrumente genutzt, um Frauen, die den damaligen gesellschaftlichen Normen nicht entsprachen oder autonom agierten, als "krank" auszuweisen.

Wie rechtfertigte man damals operative Eingriffe an Frauen?

Eingriffe wie die Ovarektomie wurden mit der angeblichen Notwendigkeit legitimiert, Frauen von "exzessiven" Trieben zu befreien und sie wieder an ihr vermeintlich "natürliches", passives Wesen anzupassen.

Excerpt out of 17 pages  - scroll top

Details

Title
Die weibliche Sexualität als sozialgeschichtliche Konstruktion
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Institut für Soziologie)
Course
Soziologie der Sexualität
Grade
2,7
Author
Karoline Lazaj (Author)
Publication Year
2004
Pages
17
Catalog Number
V59819
ISBN (eBook)
9783638536554
ISBN (Book)
9783638765701
Language
German
Tags
Sexualität Konstruktion Soziologie Sexualität
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Karoline Lazaj (Author), 2004, Die weibliche Sexualität als sozialgeschichtliche Konstruktion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59819
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  17  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint