Entwicklungsländer und Entwicklungstheorie


Hausarbeit, 2005

32 Seiten, Note: keine Benotung erfolgt


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entwicklungsländer
2.1 Definition
2.2 Unterentwicklung
2.2.1 Definition
2.2.2 Merkmale der Entwicklungsländer
2.2.2.1 Ökonomische Probleme
2.2.2.2 Ökologische Probleme
2.2.2.3 Demographische und volksgesundheitliche Probleme
2.2.2.4 Soziokulturelle Probleme
2.2.2.5 Politische Probleme
2.2.2.6 Kapitalmangel und unzureichende Faktorausstattung
2.2.2.7 Bemerkung
2.3 Allgemeiner Sprachgebrauch
2.3.1 „Dritte Welt“
2.3.2 Nord-Süd
2.3.3 Industriestaaten und Nichtindustriestaaten
2.3.4 Arme und reiche Länder
2.4 Internationaler Sprachgebrauch
2.4.1 „Less Developed Countries“ und „Least Developed Countries“
2.4.2. Verwundbare Ländergruppen
2.4.3 Human Development Indes (HDI)
2.4.4 Einteilungen der Weltbank
2.4.5 Weitere Unterteilungen
2.4.5.1 Zerfallene Staaten
2.4.5.2 Ölexportländer
2.4.5.3 Schwellenländer
2.4.5.4 Transformationsländer
2.4.6 Abschließende Bemerkung
2.5 Exkurs: Entwicklungspolitik und Entwicklungshilfe
2.5.1 Entwicklungspolitik und –hilfe – Was ist das?
2.5.2 Konsequenzen für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit
2.5.3 Kritik
2.5.4 Abschließende Bemerkung

3. Entwicklungstheorie
3.1 Allgemein
3.2 Modernisierungstheorie (Wachstumstheorie i. w. S.)
3.3 Dependenztheorie
3.4 Neoliberale Modell
3.5 Konzept nachhaltiger Entwicklung
3.6 Abschließende Bemerkung

4. Zusammenfassung / Ausblick

1. Einleitung

In den Medien sieht man regelmäßig abgemagerte Kinder, meist in den Nachrichten oder in Dokumentationen. Alljährlich finden auch mehrere Spendenaktionen statt, in denen immer wieder von Entwicklungsländern und Entwicklungshilfe berichtet wird. Oft fallen in diesem Zusammenhang auch Begriffe wie „Dritte Welt“, „Nichtindustriestaaten“ sowie „arme Länder“. Doch was sind Entwicklungsländer? Was bedeuten die Begriffe? Und wie sieht (staatliche) Entwicklungshilfe aus? Es gibt doch bestimmt auch eine Entwicklungstheorie, wie stellt sich diese dar? – Die Klärung dieser Fragen wird Gegenstand dieser Hausarbeit sein.

2. Entwicklungsländer

2.1 Definition

Was sind eigentlich Entwicklungsländer? – Der Begriff entstand in den 50er Jahren (BPB 2005, Entwicklungsland). Er beurteilt neben dem Entwicklungsstand auch den Lebensstandard der Entwicklungsländer. Dies allerdings aus der Sichtweise der Industrieländer. Entwicklungsländer sind „arme“ Länder, da ihre jetzigen materiellen, politischen, wirtschaftlichen, sozialen und gesundheitlichen Maßstäbe nicht denen anderer, also der Industrieländer, entspricht (Lexikon Entwicklungsland 2005, S. 1; Entwicklungsland 2005, S. 1). Damit sind sie in ihrer Entwicklung zurückgeblieben, was mit einer Unterentwicklung gleichzusetzen ist.

Dennoch gibt es kein allgemeines theoretisches Konzept, da unterschiedliche Umschreibungen exis-tieren und auch der Begriff „Entwicklungsland“ selbst problematisch ist (Entwicklungsland 2005, S. 1; Andersen 2005a, S. 1 f). Besonders kritisch betrachtet ihn der schwedische Ökonom Gunnar Myrdal, der darauf hinweißt, dass der Begriff „Entwicklungsland“ diesen Ländern unterstellt, dass sie sich entwickeln. Und gerade die Frage nach der Entwicklung ist offen, zumal der Begriff „Ent-wicklung“ selbst unterschiedlich zu verstehen ist. 1977 definierte die „Unabhängige Kommission für internationale Entwicklungsfragen“ der deutschen Bundesregierung Entwicklung mehr als nur bloßer „Übergang von Arm zu Reich“ und zuerkannte ihr neben dem materiellen Wohlstand auch „Menschliche […]Würde, mehr Sicherheit, Gerechtigkeit und Gleichheit“ (Andersen 2005a, S. 2). Zehn Jahre später richtete die „Weltkommission für Umwelt und Entwicklung“ den Entwicklungs-begriff nachhaltig aus. „Unter dauerhafter Entwicklung verstehen wir eine Entwicklung, die den Be-dürfnissen der heutigen Generationen entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen“ (a.a.O.).

Werden nun die heutigen Bedürfnisse und Maßstäbe der Industrienationen und Entwicklungsländer miteinander verglichen, so zeichnet sich die Unterentwicklung letzterer besonders deutlich ab.

2.2 Unterentwicklung

2.2.1 Definition

Bei der Unterentwicklung handelt es sich um die unzureichende Fähigkeit von Gesellschaften, die eigene Bevölkerung mit den notwendigen Gütern (v. a. Nahrungsmittel, aber auch Kleidung, …) und Dienstleistungen (medizinische Grundversorgung, …) für ein menschenwürdiges Leben zu versorgen (Entwicklungsland 2005, S. 3). Verschiedene Merkmale für das Phänomen Unterentwicklung stellte Uwe Andersen in einem Merkmalskatalog auf (Andersen 2005a, S. 3 – 25), der unter Verwendung hinzugezogener Literatur erweitert wird (BMZ 2005, Entwicklungsland, S. 1; Entwicklungsland 2005, S. 4 – 7; Lexikon Entwicklungsland 2005, S. 1-2). Der aufgestellte Merkmalskatalog wird zwar nicht umfassend sein, aber gibt dennoch einen Überblick über die Probleme und Strukturen vieler Entwicklungsländer.

2.2.2 Merkmale der Entwicklungsländer

2.2.2.1 Ökonomische Probleme

Die erste Merkmalsgruppe bilden die ökonomischen Probleme (Andersen 2005a, S. 3 –6; Entwicklungsland 2005, S. 4f), die einmal in der Binnenökonomie und einmal in der Außenwirtschaft zu finden sind. In der Binnenökonomie sind besonders bedeutsam das geringe Bruttoinlandsprodukt, dass die wirtschaftliche Leistung, die in einer Periode in einem Wirtschaftsgebiet erbracht wird, misst und aus dem gesamten Erwerbs- und Vermögenseinkommen besteht (Bruttoinlandsprodukt 2005, S. 1) sowie das geringe Bruttonationaleinkommen (früher Bruttosozialprodukt), dass die gesamte wirtschaftliche Leistung einer Nation innerhalb eines bestimmten Zeitraumes misst und somit die Summe aller erzeugten Waren und Dienstleistungen (abzüglich der Vorleistungen) darstellt (Bruttosozialprodukt 2005, S. 1). Mit beidem im Zusammenhang steht das niedrige Pro-Kopf-Einkommen, dass das durchschnittliche Einkommen einer Person in einem Jahr wiederspiegelt und sich aus der Division von Volkseinkommen durch die Bevölkerungszahl berechnet (Pro-Kopf-Einkommen 2005, S. 1). Bei allen drei Merkmalen sind aber methodische Probleme zu beachten, die hier nicht weiter erklärt werden (vgl. Andersen 2005a, S. 3). Hinzu kommt eine ungleiche Einkommens- und Vermögensverteilung, wobei in vielen Entwicklungsländern die unteren Schichten immer weiter verarmen, während die Reichen immer mehr Geld sammeln. Damit gepaart ist eine extrem niedrige Spar- und Investitionstätigkeit, da in den Unterschichten das eh schon knappe Geld für Lebensmittel ausgegeben werden muß und nicht gespart werden kann. Der vermögende Bevölkerungsteil wiederum betreibt die das Entwicklungsland zusätzlich schwächende Kapitalflucht, in dem es Projekte im sicheren Ausland investiert oder das Vermögen zu den Schweizer Banken schafft. Auch wird die Wirtschaft behindert durch die unzureichende Infrastruktur. Besonders im Landesinneren und abseits großer Städte existieren oft nur wenige befestigte Straßen und ein brauchbares Kommunikationsnetz findet sich meist auch nur in den großen Städten.

Ein weiteres Merkmal für Entwicklungsländer ist die übermäßig hohe Analphabetenrate, die durch-schnittlich zwar zurückgegangen ist, aber dennoch bei ca. 25 % liegt und in einzelnen Ländern sogar über 50 % beträgt (laut Andersen 2005a). Das liegt zum einen an der unzureichenden Schul- und Ausbildung, da bisher immer noch keine weltweite Primarschulerziehung erreicht ist. Zum anderen können es sich viele Eltern nicht leisten, ihre Kinder zur Schule zu schicken, da diese arbeiten und so zum Familienunterhalt beitragen müssen. Dadurch verschlechtern sich natürlich die Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Hinzu kommt eine sehr hohe Arbeitslosigkeit in vielen Entwicklungsländern, wobei besonders Jugendliche betroffen sind. Auch weit verbreitet sind schlechte Arbeitsbedingungen, wobei die Normen des Zwangsarbeitsverbotes, des Kinderarbeitsverbotes und der Vereini-gungsfreiheit der Arbeitnehmer in Gewerkschaften immer wieder mißachtet werden. Die in vielen Bereichen benutzten „Technologien“ sind oft sehr veraltet, ineffizient und zum Teil auch gefährlich.

In den meisten Entwicklungsländern dominiert der primäre Sektor, der Landwirtschaft, Forstwirt-schaft, Fischerei und Bergbau umfasst. Der Dienstleistungsanteil ist zudem auch in den letzten Jahren leicht angestiegen, wohingegen sich der Industrialisierungszweig nicht weiter ausbreiten konnte. Trotz der Dominanz der Landwirtschaft herrscht in vielen Entwicklungsländern eine Unter- bzw. Mangelernährung. Oft werden auch die (ausreichend) vorhandenen, teilweise selbst produzierten und teilweise gespendeten Nahrungsmittel falsch in der Bevölkerung verteilt, so dass die am stärksten von Armut Betroffenen dennoch hungern müssen.

Neben den binnenökonomischen Problemen bestehen aber auch noch einige außenwirtschaftliche Besonderheiten (Andersen 2005a, S. 6 – 8; Entwicklungsland 2005, S. 4 f), die problematisch sind. Zu nennen ist hier zum einen die Ausrichtung auf die Industrieländer, denn größtenteils wird in die westlichen Industriestaaten exportiert. Dies schafft u. a. eine Abhängigkeit. Hinzu kommt eine sehr einseitige Exportpalette, die vorwiegend aus mineralischen (Erze, …) sowie landwirtschaftlichen (Reis, …) Erzeugnissen besteht und kaum Halb- oder Fertigwaren aus der industriellen Fertigung beinhaltet. Einige Entwicklungsländer haben sich auf die Ausfuhr eines einzigen Produktes spezialisiert. Burundi ist ein Beispiel dafür, da es sich auf Anbau und Export von Kaffee beschränkt. Gerade hier wirken sich große Schwankungen der Nachfrage einzelner Produkte schnell auf den Preis aus.

Auch die schlechten Handelsbedingungen bezüglich des Terms of Trade spielen eine Rolle. Bei vielen Entwicklungsländern gibt es das Problem, dass sie für die gleiche Menge seiner Exportgüter eine viel geringere Anzahl an Importgütern erlangen können, da die Preise der Importgüter schneller und stärker steigen wie die der Exportgüter. Somit besitzen die meisten Entwicklungsländer einen geringeren Anteil am Welthandel. Hinzu kommt eine sehr hohe Auslandsverschuldung. Sie entsteht, wenn ausländisches Kapital benutzt wird, um die geringe Kapitalbildung im eigenen Land zu überwinden. Sinn und Zweck ist eigentlich, den Ländern Geld für Investitionsgüter zu verschaffen damit Produktion und Export gesteigert werden, die Kredite und Zinsen bezahlt werden sowie die Kapitalbildung erhöht wird. Doch aufgrund Ölpreissteigerungen entstehen neue finanzielle Probleme für die Entwicklungsländer. Hinzu kommen Preisverfalle für die eigenen Rohstoffe sowie Handelshemmnisse der Industrieländer gegenüber eigenen Fertigwaren und ein extremer Zinsanstieg. Die unwirtschaftliche Nutzung von Kreditmittel (z. B. für Waffenkäufe) tut ihr übriges dazu. So steigt die Gesamtverschuldung der Entwicklungsländer immer weiter.

2.2.2.2 Ökologische Probleme

Ökologische Probleme bilden die zweite Merkmalsgruppe (Andersen 2005a, S. 8 – 10; Entwicklungsland 2005, S. 5). Dazu zählt die (unkontrollierte) Verstädterung, da viele Menschen vom Land kommen und in die Randgebiete der Stödte gehen, wo immer wieder neue Slums aufgezogen werden. Daraus folgt natürlich auch eine Umweltzerstörung, da ständig neue Gebiete in Menschenhand übergehen. Durch die stark chemiegestützt Landwirtschaft kommt es zu Bodenveränderungen wie Versalzung, Überweidung und Abtragen fruchtbarer Erde. Diese unzureichenden Umweltstandards führen zu Verunreinigungen und Vergiftungen des Grundwassers. So verkleinert sich die Menge nutzbaren Wassers und es wird immer knapper. Auch das Vorrücken der Wüste ist ein großes Problem. Das Abholzen und Vernichten der (Tropen-)Wälder bringt nicht nur ein großes Artensterben mit sich, sondern sorgt für eine Klimaerwärmung und eine Häufung von Naturkatastrophen wie Dürren oder Überflutungen (siehe Tsunamie- Katastrophe Weihnachten 2004).

Besonders in Ballungsgebieten existieren riesige Mülldeponien und die Luftverschmutzung nimmt weiter zu, so dass sie schon gesundheitsgefährdende Ausmaße angenommen hat. Darüber hinaus sind die Industrieländer ein schlechtes Vorbild mit ihrem enormen Energie- und Rohstoffverbrauch. Hinzu kommt, dass einige Industrieländer ihre gefährlichen Abfallstoffe in die Entwicklungsländer exportieren und dort teilweise unter nicht ausreichenden bzw. bedenklichen Schutzmaßnahmen lagern.

Problematisch ist allerdings auch, dass die Entwicklungsländer bisher noch nicht entschädigt werden, wenn sie aus ökologischen Gründen auf ökonomische Nutzungen verzichten. Dann würden es sich sicherlich einige Länder überlegen, da der Anreiz höher wäre.

2.2.2.3 Demographische und volksgesundheitliche Probleme

Die dritte Gruppe von Merkmalen umfasst alle demographischen und volksgesundheitlichen Probleme (Andersen 2005a, S. 11 – 16; Entwicklungsland 2005, S. 5 f). Der demographische Aspekt beinhaltet ein explosionsartiges Bevölkerungswachstum, da die Geburtenrate weiter steigt, aber die Sterberate immer mehr abnimmt. Daraus ergeben sich Folgeprobleme wie Nahrungssicherung (die gleiche Anzahl landwirtschaftlicher Flächen muss als Nahrungsquelle für viel mehr Menschen ausreichen), Wohnraumbereitstellung und Überlastungen. Die Verstädterung mit der Slumbildung wurde bereits angesprochen. Diese beruht zum einen auf einer unkontrollierten Binnenwanderung, bei der Menschen aus den Dörfern in die Randgebiete der Städte ziehen, und zum anderen auf einer grenzüberschreitenden Migration, bei der Arbeitsmigranten und Bürgerkriegsflüchtlinge das Ursprungsland verlassen und in ein anderes übersiedeln (meist Nachbarländer). Ein weiteres Problem der Entwicklungsländer ist die geringe durchschnittliche Lebenserwartung, die die gesamte Bevölkerungsstruktur stark verjüngt.

Der volksgesundheitliche Aspekt zeigt eine schlechte gesundheitliche Verfassung der Bevölkerung. Dies liegt v. a. an der unzureichenden oder ungesunden Ernährung (Vitamin- und Mineral-stoffmangel, …), dem oft verseuchten (Trink-)Wasser, den mangelnden hygienischen Bedingungen (fehlende Abwasserreinigung, kein fließendes Wasser, …), der beengten Wohnverhältnisse sowie der unzureichenden medizinischen Versorgung. Zum einen sind Ärzte nicht immer in der Nähe verfügbar, da sie meist in der Stadt und weniger auf dem Land angesiedelt sind. Zum anderen stehen auch die Medikamente nicht immer dort zur Verfügung, wo sie gebraucht werden (speziell auf dem Land). Schulische Gesundheitserziehung findet kaum bzw. sehr mangelhaft statt. Die bereits angesprochene geringe durchschnittliche Lebenserwartung wird bedingt durch die bestehenden Gesundheitsdefizite und die Gewaltbereitschaft. In den Entwicklungsländern liegt sie bei etwa 64 Jahren und bei Industrieländern sogar bei etwa 78 Jahren. Die Säuglings- und Kindersterblichkeit ist sehr hoch. Hierbei handelt es sich um den prozentualen Anteil der Kinder, die bereits im Säuglingsalter bzw. noch vor Erreichen des heiratsfähigen Lebensalters sterben (Wikipedia, Kindersterblichkeit). Problematisch ist auch die besonders hohe Anfälligkeit für Krankheiten und Epidemien wie Cholera, Tuberkulose und Malaria sowie die unkontrollierte Ausbreitung von Pandemien wie AIDS. Von der Immunschwäche stark betroffen ist das südliche Afrika, wo es in einigen Staaten die durchschnittliche Lebenserwartung auf unter 40 Jahre herabsetzt.

2.2.2.4 Soziokulturelle Probleme

Soziokulturelle Merkmale bilden die vierte Merkmalsgruppe (Andersen 2005a, S. 16 – 18; Entwicklungsland 2005, S. 6). Hierbei handelt es sich um das Zusammenwirken aller religiösen, gesellschaftlichen und kulturellen Verhaltensweisen und Bedingungen. Dazu gehören die vielen unterschiedlichen ethnischen Gruppen mit ihren verschiedenen Kulturen, wodurch oftmals Konflikte und (Bürger-)Kriege entstehen können. In vielen Entwicklungsländern ist eine starke Orientierung an Primärgruppen zu finden. Es existiert eine viel engere Bindung in Großfamilien, zwischen Mitgliedern einer ethnischen Gruppe oder innerhalb einer Dorfgemeinschaft. Damit verbunden sind v. a. Verpflichtungen und eine geminderte Loyalität gegenüber Außenstehenden oder dem Staat.

Bedeutsam ist auch die geringe soziale Mobilität, die oft in traditionellen oder religiösen Normen verankert ist (z. B. im indischen Kastensystem). Viele Menschen aus Entwicklungsländern haben i. d. R. nur Kontakt zu Menschen der gleichen Schicht. Es ist oft unmöglich, in eine höhere Schicht zu wechseln, genauso wie es sehr selten vorkommt, dass eine angesehene Familie in ihrem Stand herabsinkt in eine andere Schicht.

Ein großes Problem ist auch die Benachteiligung und Unterdrückung der Frauen in wirtschaftlicher, sozialer, rechtlicher und politischer Hinsicht. In einigen Entwicklungsländern sind die Frauen dem Mann untergeordnet und haben ihm zu gehorchen. Bildung wird ihnen verwehrt, so dass die Analphabetenquote unter Frauen deutlich höher liegt als bei den Männern. Bei der Besetzung der wenigen freien Arbeitsplätze werden Männer vorgezogen, so dass die Frauen nicht einmal eine Chance bekommen, sich zu profilieren. Besonders drastisch sind auch die Zwangsverheiratungen, bei denen die Frauen und Mädchen kein Mitspracherecht über ihren zukünftigen Mann besitzen. Des Weiteren sind auch Mißhandlungen als Sexsklavinnen oder Vergewaltigungen an der Tagesordnung. Durch diese nachteilige Behandlung der Frauen werden Entwicklungspotentiale blockiert, da sie eine Schlüsselrolle im Entwicklungsprozess besitzen.

Weitere soziokulturelle Merkmale bilden zum einen die trotz eines weltweiten Verbotes immer noch existierende Kinderarbeit. Teilweise findet sogar eine Waffenausbildung für Kinder statt, die als Soldaten in (Bürger-)Kriegen rekrutiert werden. Zum anderen wird die Wirtschaft deutlich gehemmt durch die Anhäufung des Kapitals in der Oberschicht, statt dieses neu zu investieren.

[...]

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Entwicklungsländer und Entwicklungstheorie
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Pädagogisches Institut)
Veranstaltung
Sozialarbeit in Entwicklungsländern
Note
keine Benotung erfolgt
Autor
Jahr
2005
Seiten
32
Katalognummer
V59838
ISBN (eBook)
9783638536707
ISBN (Buch)
9783656646136
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entwicklungsländer, Entwicklungstheorie, Sozialarbeit, Entwicklungsländern
Arbeit zitieren
Nancy Kunze-Groß (Autor), 2005, Entwicklungsländer und Entwicklungstheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59838

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