Goethe-Rezeption: Faust II und Werthers Leiden


Hausarbeit (Hauptseminar), 1999

34 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

INHALT

1. Einleitung
1.1 Thema der Hausarbeit
1.2 Goethes Faust
1.3 Die Entstehung des „Faust II“
1.4 Einleitende Bemerkungen über die Bedeutung des „Werther“ für die Zeitgenossen

2 Hauptteil
2.1 Faust. Der Tragödie zweiter Teil: Angelehnt an die Interpretation von Walter Hinderer
(Zusammenfassung)
2.2 „Werther“: Wirkung des Romans im deutschen Leben
2.3 „Werther“ Rezeption und Wirkungsgeschichte
2.3 Goethe und seine Zeit

3. Schluß
3.1 Die „Faust“-Literatur von 1982-1993
3.1.1 Tendenzen und Themen
3.2 Die historisch gesellschaftliche Kategorie in der Interpretation des 19. Jahrhunderts
3.3 Zusammenfassung

4. Anhang
4.1 Zum 250. Geburtstag von Johann Wolfgang Goethe
4.1.1 Er ist der Größte geblieben

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Thema der Hausarbeit

Goethe Rezeption anhand von seinen Werken „Faust 2“ und „Werthers Leiden“ aus dem Jahre 1896.

1.2 Goethes Faust

Johann Wolfgang Goethe (1749-1832) ist die bis heute bedeutendste Gestalt der deutschen Literatur, die nicht nur innerhalb ihrer Epoche von großem Einfluß war und ihr den Namen „Goethezeit“ gab, sondern darüber hinaus für folgende Generationen zum Inbegriff deutscher Geistigkeit wurde. Goethe schuf mit der Tragödie „Faust“ das zentrale Werk der nationalen Dichtung und ein Menschheitsdrama von zeitloser Gültigkeit und weltliterarischem Rang.

Der zweite Teil des „Faust“ beinhaltet besondere Verständnisschwierigkeiten. Die Tatsache, daß die Literaturwissenschaft fast ein Jahrhundert benötigt hat, um das Wesen der Dichtung zu verstehen und viele Details zu interpretieren, verdeutlicht die Unmöglichkeit, dieses geistig und künstlerisch ungewöhnlich reiche Werk beim ersten Anlauf und ohne Zuhilfenahme der Ereignisse der Wissenschaft zu verstehen. Die neuere Forschung hat gezeigt, daß eine werkimmanente Interpretation grundsätzlich unmöglich ist.

Die Faust-II-Forschung hat bis heute die wesentlichen Strukturen der Dichtung enthüllt und ihre Inhalte geklärt. Die Faust-Literatur wird jährlich durch weitere Arbeiten ergänzt, auch dies zeigt die Unausschöpflichkeit des Werkes, das der Betrachtung immer neue und überraschende Aspekte zu bieten hat.

Widersprüchliche Deutungen haben nicht zwangsläufig ihren Grund in der Unklarheit der dichterischen Aussage oder in einem Mangel der Interpretation. Sie können vielmehr als ein Zeichen der Vielschichtigkeit und Vieldimensionalität des Werkes verstanden werden.[1]

1.3 Die Entstehung des „Faust II“

Von Goethe war die Faust-Dichtung von Anfang an auf eine Weiterführung über das Ende des ersten Teiles hinaus angelegt. Die Faust-Handlung war noch unvollendet, die Fahrt Fausts in die große Welt stand noch aus, der Stoff der „Historia von D. Johann Fausten“ veranlaßte den Dichter dazu, Faust noch an den Kaiserhof zu führen und ihn sich mit Helena verbinden zu lassen.

Zusammen mit der Veröffentlichung des „Faust I“ im Jahre 1808 erschien der „Prolog im Himmel“, der als Einleitung zu beiden Teilen des Werkes zu verstehen ist. Bereits im Vorfeld hatte sich Goethe Gedanken über die Gestaltung des zweiten Teils gemacht. Aus den Jahren 1797 bis 1800 stammt das bekannte Schema zum Faust-Drama, das für den zweiten Teil „Tatengenuß – nach außen“ und „Schöpfungsgenuß – nach innen“ vorsieht. Aus diesen Jahren liegen auch einige Entwürfe und Skizzen zu den Szenen „Grablegung“ bis „Mitternacht“ und ein Fragment des Helena-Aktes vor (mit Abweichungen vom endgültigen Text).

Seine Arbeit hat dann offensichtlich lange geruht, erst im Jahre 1815 scheint Goethe sich wieder intensiver mit dem Werk beschäftigt zu haben (nach Sulpiz Boisserées Tagebuch vom 3. August 1815). Zwischen dem 16. und 20. Dezember 1816 schrieb er eine ausführliche Inhaltsangabe des zweiten Teiles für Band IV, Buch 18, von „Dichtung und Wahrheit“, die aber bei der endgültigen Redaktion nicht berücksichtigt wurde. Diese Inhaltsangabe läßt den großen poetischen Reichtum des zweiten Teiles noch nicht erkennen.

In den Jahren 1825 bis 1831 entsteht die endgültige Ausarbeitung und Gestaltung des Werkes. Im Jahre 1825 entstanden Skizzen zum ersten Akt und wahrscheinlich auch Teile des fünften Aktes. 1826 vollendete Goethe den Helena-Akt und veröffentlichte diesen im Jahre 1827 unter dem Titel „Helena. Klassisch-romantische Phantasmagorie. Zwischenspiel zu Faust“. 1828 stellte er den ersten Akt bis Vers 6036 fertig und im Januar 1830 vollendete er den fünften Akt. Zugleich arbeitete Goethe an der Klassischen Walpurgisnacht, die im Juni 1830 vollendet wurde. Ende 1830 und Anfang 1831 wurden die noch fehlenden Szenen des fünften Aktes („Bergschluchten“, die Pilemon-Baucis-Szenen, Fausts Schlußmonolog) gedichtet. Als letztes Stück der Dichtung folgte der vierte Akt. Eckermann berichtet im Juni 1831 nach einem Gespräch über den „Faust“: „Den noch fehlenden vierten Akt vollendete Goethe darauf in den nächsten Wochen, so daß im August der ganze zweite Teil geheftet und vollkommen fertig dalag. Dieses Ziel, wonach er so lange gestrebt, endlich erreicht zu haben, machte Goethe überaus glücklich. „Mein ferneres Leben“, sagte er, „kann ich nunmehr als ein reines Geschenk ansehen, und es ist jetzt im Grunde ganz einerlei, ob und was ich noch etwa tue.“

Goethe versiegelte das Werk, es sollte erst nach seinem Tode veröffentlicht werden. Am 22. März 1832 starb Johann Wolfgang Goethe. Eckermann und Riemer legten das Werk noch im selben Jahr der Öffentlichkeit als Band I der „Nachgelassenen Werke“ vor.[2]

1.4 Einleitende Bemerkungen über die Bedeutung des „Werther“ für die Zeitgenossen

An dieser Stelle soll bloß eine Darstellung der Aufnahme und der tiefgreifenden Wirkungen des Werkes gegeben werden. Der Verfasser dieses Buches „Werther und seine Zeit“[3] hat aus sehr zerstreuten, zum Teil auch aus ganz vergessenen Quellen geschöpft. Er hat nicht nur veranschaulicht, welch ungeheures Aufsehen und welche Teilnahme der „Werther“ einst erreicht hat, sondern auch, wie hoch sich der junge Goethe, in der Kraft seines Genius (Schutzgeist im römischen Altertum), über seine Zeitgenossen emporgehoben hatte.

„Die Leiden des jungen Werthers“ hat Goethe im Februar und März im Jahre 1774 in Frankfurt am Main im Hause seines Vaters niedergeschrieben. Die Leser fühlen sich auch heute noch von dem „seelenvollen“ Werk hingerissen und können seine Darstellung nicht genug bewundern. Nach den Worten des Literaturhistorikers verschmelzen in seinem Werk „Kunst und Natur, Dichtung und Wahrheit, Excentricität und geistige Gesundheit, Sentimentalität und Naivität, Bewegung und Ruhe innig.“[4]

Allein, was Werther für das Geschlecht der 70-iger Jahre des achtzehnten Jahrhunderts gewesen ist, davon haben wir gegenwärtig kaum mehr eine hinreichende Vorstellung. Selten hat eine Dichtung derartige elektrisierende Wirkung hervorgerufen. Der hannöversche Kabinettsrat August Wilhelm Rehberg war keineswegs ein Goethe-Verehrer, bemerkte in seiner 1835 veröffentlichten Schrift „Goethe und sein Jahrhundert“: „Werther ist in der Tat ein bewundernswertes Werk. So wie es ist, vollkommen... Die erste Erscheinung macht, der beispielhaften Wirkung wegen, eine Epoche in der Geschichte der Deutschen, - nicht der Literatur, sondern der Denkart und Sitten“.[5]

Und von dem zu seiner Zeit weltberühmten Schweizer Johann Georg Zimmermann, dem königlichen großbritannischen Leibmedikus in Hannover und Verfasser der Betrachtungen über die Einsamkeit, hörte man, daß der erste Teil des Buches in ihm tausend und aber tausendmal Empfundenes ansprach. Dies habe ihn, einen Mann von 46 Jahren, so sehr erschüttert, daß er 14 Tage verstreichen ließ, bevor er sich an den zweiten Teil wagte.[6]

Selten hat eine Dichtung so tief in die Stimmung der Mitlebenden eingegriffen. Es war eine dunkel erregte Zeit, in der Werther entstand, die Periode einer moralischen Gärung, die man nicht mit Unrecht als einen notwendigen Prozeß für die „deutsche Gemütsbefreiung“ bezeichnet hat. Unter der Jugend verbreitete sich ein Hang zur Schwermut, der schon seit Mitte der 60-iger Jahre in der Luft gelegen hat, und eine gegen alles konventionelle sich empörende Gesinnung. Wir können uns sicherlich nicht leicht in diese Zeit zurückversetzen, ihr Denken und ihre Empfindungen sind uns wohl fremd geworden. Die Überreiztheit des Gefühls, wie es sich damals so vielfach äußerte, ist für die heutige Zeit wohl eher verwunderlich.

Goethe hatte aber das Herz dieser Zeit getroffen: der bald in weicher Sehnsucht, bald in kraftgenialischem Ungestüm hervorbrechende Drang des strebenden jüngeren Geschlechts, der Drang nach Ursprünglichkeit und Natur, gegenüber einer dumpf veralteten, steif verbildeten Zeit, hatte im Werther seinen tiefsten und vollkommensten Ausdruck erhalten.[7]

2 Hauptteil

2.1 Faust. Der Tragödie zweiter Teil: Angelehnt an die Interpretation von Walter Hinderer

(Zusammenfassung)

Hinsichtlich des ersten Teils ist im zweiten Teil fast nichts Subjektives zu finden; es erscheint eine höhere, breitere, hellere und leidenschaftslosere Welt.[8]

Dieses kann so ausgelegt werden, daß der erste Teil als ein Charakterdrama angesehen werden kann, in dem eine individuelle Entwicklung und Bewährung in bedeutsamen Stationen aufgezeigt wird. Im Gegensatz dazu, muß der zweite Teil als eine Kette von Metaphern verstanden werden. Der Zusammenhang der Metaphern wird weniger durch die Figur Fausts hergestellt. Vielmehr wird dieser durch immer wieder ausgelotete und umschriebene Grundvorstellungen von Goethe zur Problematik der Moderne hergestellt. Die Personen, ob Faust oder der Kaiser, Thales, Helena oder Philemon und Baucis führen sich als bekannte und historisch vorgeformte Gestalten auf oder sie erscheinen als Vertreter scheinbar selbstverständlicher allgemeiner Verhaltensweisen. Als Gärtnerinnen, Holzhauer oder Grazien fungieren sie nicht als handelnde Charaktere, sondern im wörtlichen Sinn als Redefiguren, die nicht so viel über sich aussagen, sondern durch sich das aussagen, was jeweils als Aspekt der Bedeutungszusammenhänge einsichtig gemacht werden soll. Im zweiten Teil denkt Goethe nicht in Personen sondern in Funktionen. Diesen Funktionen gibt er den Namen der Person. Sie sind Träger von Ideen, die sich teilweise allegorisch, teils aber auch symbolisch in Sprechakten mehr als durch pragmatisch-konsequentes Handeln darstellen und explizieren. Beim Lesen muß davon ausgegangen werden, daß die Äußerungen dieser redenden Figuren von Fall zu Fall in ihrem unmittelbaren gegenwärtigen Kontext einzuordnen und zu bewerten sind. Die Gültigkeit einer Aussage kann nicht von psychologischen Vorurteilen her erschlossen werden, sondern sie ergibt sich aus ihrem Stellenwert innerhalb eines bestimmten Themenkomplexes. An der Entstehungsgeschichte des Werkes läßt sich erkennen, daß nach 1800 Faust als handelndes und reflektierendes Wesen einem umfassenden poetologisch-symbolisierenden Verfahren untergeordnet wird.

Im diesem zweiten Teil des Werkes stellt sich die Frage nach dem individuellen Charakter von Faust. Dieser Teil ist nicht wie der erste Teil eine Darstellung eines subjektiven Verhaltens, seiner Bedingungen, Möglichkeiten und Grenzen. Sondern er ist eine, mit dichterischen Mitteln, durchgeführte Analyse und Demonstration objektiver Denk- und Verhaltensweisen in ihrer Folgerichtigkeit. Die Person Faust ist nur mittelbarer Anlaß und Gegenstand des Unternehmens: Faust ist kein Entwicklungsroman, an dem eine Bildungstendenz demonstriert wird.[9] In jeder Situation wird er ausdrücklich oder impliziert vorausgesetzt, aber nicht so sehr als handelndes oder leidendes Subjekt; vielmehr bietet er die Vergegenwärtigung von Aspekten und Alternativen einer Persönlichkeit, die Goethe von vornherein als gegeben begreift. An der sich das Vorhandene, das unverlierbar Gegebene in einer Folge von dichterischen Modellen in immer reinerer Form nachweisen läßt.

[...]


[1] Kobligk 1985, Seite 4

[2] Kobligk 1985, Seite 5

[3] Appell, 1896

[4] Appell, 1896 Seite 4

[5] Appell, 1896 Seite 4

[6] Appell, 1896 Seite 5

[7] Appell, 1896 Seite 7

[8] Hinderer, Walter: 1992

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Goethe-Rezeption: Faust II und Werthers Leiden
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Philosophischen Fakultät)
Veranstaltung
Hauptseminar: Goethe-Rezeption im 19. Jahrhundert
Note
2,0
Autor
Jahr
1999
Seiten
34
Katalognummer
V5986
ISBN (eBook)
9783638136877
Dateigröße
636 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Goethe-Rezeption, Faust, Werthers, Leiden, Hauptseminar, Jahrhundert
Arbeit zitieren
Stephanie Ebert (Autor), 1999, Goethe-Rezeption: Faust II und Werthers Leiden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5986

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