Die Avantgarde in der Kunst


Referat (Ausarbeitung), 2006
19 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhalt

1. Einführung

2. Der Begriff „Avantgarde“

3. Die Negation der Autonomie der Kunst durch die Avantgarde

4. Kunst und Politik

5. Futurismus

6. Dadaismus

7. Das Nichterreichte der Avantgarde

Literaturverzeichnis

1. Einführung

Die vorliegende Arbeit ist die Ausarbeitung des Referates zum Thema „Die Avantgarde“, welches ich in der Veranstaltung „Grundbegriffe des kunstwissenschaftlichen Arbeitens“ am 09.12 und 16.12.05 an der Universität Bremen gehalten habe.

Diese Hausarbeit besteht aus sieben Teilen. Der erste Teil ist die Einführung. In dem zweiten Teil widme ich mich dem Begriff „Avantgarde“. Hier wird seine Herkunft und seine Bedeutung im künstlerischen Zusammenhang erklärt. Daraufhin behandle ich einen der wichtigsten Postulate der Avantgardisten, d.h. die Negation der Autonomie der Kunst. Hierbei basiere ich ganz auf der Ausführung von Peter Bürger, die er in dem Buch „Theorie der Avantgarde“ dargestellt hat. Der vierte Teil meiner Arbeit gilt dem Thema „Kunst und Politik“.

Da die Avantgardisten ihr Ziel in der Verbindung von Kunst und Leben sahen, möchte ich zwei Wege vorstellen, die für die Erfüllung dieses Zieles gesehen wurden.

Der erste Weg ist die politische Adressierung der Kunst. Diesen Weg sind die Futuristen gegangen. Ich stelle die futuristische Bewegung vor, anhand ihrer Manifeste, mit denen ich mich viel auseinandergesetzt habe. Ich basiere hauptsächlich auf dem Buch von Umbro Apollonio „Der Futurismus“, wo alle futuristischen Manifeste aus den Jahren 1909-1918 gesammelt wurden.

Der zweite Weg ist die Aufnahme des Alltagslebens in die Kunst. Diesen Weg haben die Dadaisten gewählt. Dada wird, laut Peter Bürger, als „radikalste Bewegung der europäischen Avantgarde“ angesehen.

Zum Schluss diskutiere ich das umstrittene Thema „Das Nichterreichte der Avantgarde“, und nehme meine eigene Stellung dazu.

2. Der Begriff „Avantgarde“

Es ist problematisch den Begriff „Avantgarde“ eindeutig zu formulieren, da die Avantgarde aus heterogenen Gruppierungen bestand, und die avantgardistischen Programme sehr verschieden und teils widersprüchlich waren. Ich habe mich für das Erklärungsmodell von Karlheinz Barck und Peter Bürger entschieden, obwohl ich selber zu der Meinung tendiere, dass man den Begriff Avantgarde nicht eindeutig definieren kann.

Der Terminus „Avantgarde“ stammt aus dem Französischen. Es ist ein militärischer Ausdruck, der bereits seit dem Mittelalter in Frankreich präsent ist. Avantgarde bedeutet in diesem Zusammenhang, eine Truppe die den Feind aufspürt, die Gefahrpunkte sondiert, und über die gegnerischen Bewegungen aufklärt. Die Avantgarde marschiert an der Spitze, sie ist strategisch gut vorbereitet.[1]

Der Begriff Avantgarde wurde auf verschiedene Bereiche übertragen: Kunst, Literatur, Film, Musik, Theater. Übertragen auf den Bereich der Kunst bezeichnet die Avantgarde, im weiteren Sinne, künstlerische Gruppierungen, die sich gegen herrschende Verhältnisse richten. Sie ist eine „systemsprengende Opposition“[2] mit kulturrevolutionärem Programm. Zum ersten Mal wurde dieser Begriff 1825 im künstlerischen Zusammenhang 1825 verwendet.[3] Damals hat man diesen militärischen Terminus auf die Künstler, als Protagonisten einer saint-simonischen Avantgarde, übertragen.[4]

Ideologisch unterscheidet man zwischen der ästhetischen und der politischen Avantgarde. Aus geschichtlichem Grund teilt man die Avantgarde in die sog. „historische Avantgarde“ und die Neoavantgarde. Peter Bürger zählt zu den historischen Avantgardebewegungen: vor allem Dadaismus, frühen Surrealismus und die russische Avantgarde nach der Oktoberrevolution, die sich alle gegen die Institution Kunst wenden. Mit Einschränkungen gilt dies auch für den italienischen Futurismus und den deutschen Expressionismus. Was den Kubismus angeht, verfolgt er zwar nicht die Grundtendenz der Avantgardisten, dh. die Überführung der Kunst in die Lebenspraxis, doch stellt er das seit der Renaissance geltende Darstellungssystem des zentralperspektivischen Bildaufbaus in Frage und deshalb wird er von Bürger zu den historischen Avantgardebewegungen gezählt.[5]

Die „historischen Avantgarden“ datiert man auf den Zeitraum zwischen 1910-1930.[6] Die „historische Avantgarde“ wird in die Vor- und Nachkriegsavantgarde geteilt (gemeint ist der I Weltkrieg). Karlheinz Barck unterscheidet sogar zwischen drei Wellenbewegungen der Avantgarde:

1. die Avantgarde vor dem I Weltkrieg mit dem italienischen Futurismus als Zentrum
2. der internationale Dadaismus, der französische Surrealismus, der sowjetische Konstruktivismus als Epizentren
3. die sich um 1930 formierende Kunst, die eng mit der Politik verbunden ist.[7]

Wenn man heute über Avantgarde spricht, ist damit oft ein spezifischer Avantgardebegriff gemeint, der das umfasst, was als „historische Avantgarde“ bezeichnet wird. Die „historischen Avantgarden“ lehnen die überkommenen Gattungsgrenzen des Kunstwerks und seinen Status als autonomes, von Politik und Alltag abgekoppeltes Artefakt ab. Deren Ziel ist es unter anderem, die Kunst in die Lebenspraxis zurückzuführen.

Die Neoavantgarde nach Peter Bürger negiert die avantgardistische Intention einer Rückführung der Kunst in die Lebenspraxis. Sie ist seiner Meinung nach, nicht mehr als fortschrittlich anzusehen. Sie arbeitet mit den Mitteln der Avantgarde, ohne deren Ziele vertreten zu können.[8]

Als letztes Stadium der Avantgarde wird die Postmoderne angesehen. Sie wird von den amerikanischen Kritikern als „Endspiel der Avantgarde“ und Bruch mit den Fortschrittsideologien verstanden.[9]

Unter ästhetischer Avantgarde kann man die Völle der ästhetischen Innovationen bezeichnen, wie Z.B.: die Auflösung der perspektivistischen Ordnung, die Aufhebung der Trennung von Kunst und Leben, sowie die Negation der Autonomie der Kunst.

Unter politischer Avantgarde kann man die avantgardistische Bewegung verstehen, die sich stark für die Verbindung von Kunst und Politik ausgesprochen hat.

3. Die Negation der Autonomie der Kunst durch die Avantgarde

Um das Thema der Negation der Autonomie der Kunst durch die Avantgarde verständlich zu schildern, skizziert Peter Bürger die Entwicklung der Unterkategorien des Begriffs „Autonomie“ von der sakralen Kunst, über die höfische Kunst bis zur bürgerlichen Kunst. Er bedient sich dreier Kategorien: 1.Verwendungszweck, 2. Produktion und 3. Rezeption.

Die für die Kunst in der bürgerlichen Gesellschaft charakteristische individuelle Produktionsweise entsteht erst innerhalb der höfischen Kunst. Die sakrale Kunst dagegen wird noch kollektiv und handwerklich produziert. Was den Prozess der Rezeption angeht, haben die sakrale und die höfische Kunst eine Gemeinsamkeit: sie sind beide in die Lebenspraxis der Rezipienten eingebunden, obwohl der Inhalt der kollektiven Veranstaltung ein anderer ist (sakral vs. gesellig). In der bürgerlichen Kunst tritt eine wesentliche Veränderung ein: sie wird zum ersten Mal vom einzelnen Individuum aufgenommen.

Die sakrale und die höfische Kunst haben einen genau umrissenen Verwendungszweck: für die sakrale Kunst ist es ein Kultobjekt (z.B. die Kunst des Hochmittelalters) und für die höfische Kunst ist es ein Repräsentationsobjekt (z.B. Kunst am Hof Ludwigs XIV, die dem Ruhm des Fürsten und der Selbstdarstellung der höfischen Gesellschaft dient). Sie sind auch in jeweils unterschiedliche Weise in die Lebenspraxis der Rezipienten eingebunden. Die höfische Kunst ist ein Teil der Lebenspraxis der höfischen Gesellschaft und die sakrale Kunst ein Teil der Lebenspraxis der Gläubigen. Dies gilt nicht für die bürgerliche Kunst. Die Darstellung des bürgerlichen Selbstverständnisses findet außerhalb der Lebenspraxis statt. Die Trennung der Kunst von der Lebenspraxis wurde zum entscheidenden Merkmal der Autonomie der bürgerlichen Kunst. Bürger betont dabei, dass die Autonomie in diesem Sinne, den Status der Kunst in der bürgerlichen Gesellschaft bezeichnet.

[...]


[1] Barck, Karlheinz: Avantgarde. In: Ästhetische Grundbegriffe. Hrsg. Von K.Barck, M. Fontius, D. Schlenstedt, B. Steinwachs, F. Wolfzettel. J.B. Metzler. S.544-545 und 548-549

[2] Dröge, Franz, Michael Müller: Die Macht der Schönheit. Die Avantgarde und Faschismus oder die Geburt der Massenkultur, Hamburg 1995.

[3] Barck, Karlheinz: Avantgarde. In: Ästhetische Grundbegriffe. Hrsg. Von K.Barck, M. Fontius, D. Schlenstedt, B. Steinwachs, F. Wolfzettel. J.B. Metzler. S.549

[4] Henri Saint-Simon gilt als größter Anreger des französischen Sozialismus. Die Hauptgebiete seiner Lehre waren die neue Industriegesellschaft und die klassenlose Gesellschaft. Henri Saint-Simon und seine Anhänger traten für eine Avantgarde, die sich aus Künstlern, Wissenschaftlern und Industriellen zusammensetzt und sich vornehmlich dem gesellschaftlichen und technischen Fortschritt widmet. Diese Konzepte erreichten ihren Höhepunkt während der achtundvierziger Revolution, wo die Gleichsetzung von politischem und künstlerischem Fortschritt erreicht wurde.

Reinhold Grimm, Jost Hermand (Hrsg.): Faschismus und Avantgarde. Königstein: Athenäum, 1980. S.2

[5] Bürger, Peter: Theorie der Avantgarde. Frankfurt am Main: Suhrkamp. 1974. S.44

[6] Barck, Karlheinz: Avantgarde. In: Ästhetische Grundbegriffe. Hrsg. Von K.Barck, M. Fontius, D. Schlenstedt, B. Steinwachs, F. Wolfzettel. J.B. Metzler. S. 570

[7] Barck, Karlheinz: Avantgarde. In: Ästhetische Grundbegriffe. Hrsg. Von K.Barck, M. Fontius, D. Schlenstedt, B. Steinwachs, F. Wolfzettel. J.B. Metzler. S. 553

[8] Bürger, Peter: Theorie der Avantgarde. Frankfurt am Main: Suhrkamp. 1974. S.80

[9] Barck, Karlheinz: Avantgarde. In: Ästhetische Grundbegriffe. Hrsg. Von K.Barck, M. Fontius, D. Schlenstedt, B. Steinwachs, F. Wolfzettel. J.B. Metzler. S. 545

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Avantgarde in der Kunst
Hochschule
Universität Bremen
Note
1
Autor
Jahr
2006
Seiten
19
Katalognummer
V59887
ISBN (eBook)
9783638536981
ISBN (Buch)
9783640232826
Dateigröße
514 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Avantgarde
Arbeit zitieren
Justyna Purwin (Autor), 2006, Die Avantgarde in der Kunst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59887

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