Die vorliegende Arbeit ist die Ausarbeitung des Referates zum Thema „Die Avantgarde“, welches ich in der Veranstaltung „Grundbegriffe des kunstwissenschaftlichen Arbeitens“ am 09.12 und 16.12.05 an der Universität Bremen gehalten habe.
Diese Hausarbeit besteht aus sieben Teilen. Der erste Teil ist die Einführung. In dem zweiten Teil widme ich mich dem Begriff „Avantgarde“. Hier wird seine Herkunft und seine Bedeutung im künstlerischen Zusammenhang erklärt. Daraufhin behandle ich einen der wichtigsten Postulate der Avantgardisten, d.h. die Negation der Autonomie der Kunst. Hierbei basiere ich ganz auf der Ausführung von Peter Bürger, die er in dem Buch „Theorie der Avantgarde“ dargestellt hat. Der vierte Teil meiner Arbeit gilt dem Thema „Kunst und Politik“.
Da die Avantgardisten ihr Ziel in der Verbindung von Kunst und Leben sahen, möchte ich zwei Wege vorstellen, die für die Erfüllung dieses Zieles gesehen wurden.
Der erste Weg ist die politische Adressierung der Kunst. Diesen Weg sind die Futuristen gegangen. Ich Anhand der Manifeste stelle die futuristische Bewegung vor. Ich basiere hauptsächlich auf dem Buch von Umbro Apollonio „Der Futurismus“, in dem alle futuristischen Manifeste aus den Jahren 1909-1918 gesammelt wurden.
Der zweite Weg ist die Aufnahme des Alltagslebens in die Kunst. Diesen Weg haben die Dadaisten gewählt. Dada wird, laut Peter Bürger, als „radikalste Bewegung der europäischen Avantgarde“ angesehen.
Zum Schluss diskutiere ich das umstrittene Thema „Das Nichterreichte der Avantgarde“, und nehme meine eigene Stellung dazu.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Der Begriff „Avantgarde“
3. Die Negation der Autonomie der Kunst durch die Avantgarde
4. Kunst und Politik
5. Futurismus
6. Dadaismus
7. Das Nichterreichte der Avantgarde
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit befasst sich mit der Definition und der historischen Entwicklung der Avantgarde sowie deren zentralem Anspruch, die Trennung zwischen Kunst und Lebenspraxis aufzuheben. Die Forschungsfrage untersucht dabei, inwiefern die historischen Avantgardebewegungen wie Futurismus und Dadaismus ihre Ziele erreichten und wie ihr Erbe im Kontext von Politik und moderner Ästhetik zu bewerten ist.
- Historische und ideologische Herleitung des Begriffs Avantgarde
- Die Negation der Autonomie der Kunst nach Peter Bürger
- Politisierung der Kunst im Vergleich zum Faschismus
- Manifeste und künstlerische Praktiken des Futurismus
- Kulturelle Destruktion und Techniken des Dadaismus
Auszug aus dem Buch
Die Negation der Autonomie der Kunst durch die Avantgarde
Um das Thema der Negation der Autonomie der Kunst durch die Avantgarde verständlich zu schildern, skizziert Peter Bürger die Entwicklung der Unterkategorien des Begriffs „Autonomie“ von der sakralen Kunst, über die höfische Kunst bis zur bürgerlichen Kunst. Er bedient sich dreier Kategorien: 1.Verwendungszweck, 2. Produktion und 3. Rezeption.
Die für die Kunst in der bürgerlichen Gesellschaft charakteristische individuelle Produktionsweise entsteht erst innerhalb der höfischen Kunst. Die sakrale Kunst dagegen wird noch kollektiv und handwerklich produziert. Was den Prozess der Rezeption angeht, haben die sakrale und die höfische Kunst eine Gemeinsamkeit: sie sind beide in die Lebenspraxis der Rezipienten eingebunden, obwohl der Inhalt der kollektiven Veranstaltung ein anderer ist (sakral vs. gesellig). In der bürgerlichen Kunst tritt eine wesentliche Veränderung ein: sie wird zum ersten Mal vom einzelnen Individuum aufgenommen.
Die sakrale und die höfische Kunst haben einen genau umrissenen Verwendungszweck: für die sakrale Kunst ist es ein Kultobjekt (z.B. die Kunst des Hochmittelalters) und für die höfische Kunst ist es ein Repräsentationsobjekt (z.B. Kunst am Hof Ludwigs XIV, die dem Ruhm des Fürsten und der Selbstdarstellung der höfischen Gesellschaft dient). Sie sind auch in jeweils unterschiedliche Weise in die Lebenspraxis der Rezipienten eingebunden. Die höfische Kunst ist ein Teil der Lebenspraxis der höfischen Gesellschaft und die sakrale Kunst ein Teil der Lebenspraxis der Gläubigen. Dies gilt nicht für die bürgerliche Kunst. Die Darstellung des bürgerlichen Selbstverständnisses findet außerhalb der Lebenspraxis statt. Die Trennung der Kunst von der Lebenspraxis wurde zum entscheidenden Merkmal der Autonomie der bürgerlichen Kunst. Bürger betont dabei, dass die Autonomie in diesem Sinne, den Status der Kunst in der bürgerlichen Gesellschaft bezeichnet.
Die europäischen Avantgardebewegungen lassen sich als Angriff auf den Status der Kunst in der bürgerlichen Gesellschaft bestimmen. Negiert wird die Institution der Kunst als eine von der Lebenspraxis der Menschen abgehobene Kunst. Das Ziel der Avantgardisten war, die Überführung der Kunst in die Lebenspraxis.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung erläutert den Anlass der Arbeit und skizziert das methodische Vorgehen anhand der Theorie von Peter Bürger sowie der Analyse futuristischer und dadaistischer Manifeste.
2. Der Begriff „Avantgarde“: Dieses Kapitel definiert die Avantgarde als heterogene, systemsprengende Bewegung und unterscheidet zwischen historischer Avantgarde, Neoavantgarde und Postmoderne.
3. Die Negation der Autonomie der Kunst durch die Avantgarde: Hier wird der theoretische Kern der Avantgarde analysiert, die durch die Aufhebung von Verwendungszweck, individueller Produktion und Rezeption die Kunst in die Lebenspraxis zurückführen wollte.
4. Kunst und Politik: Das Kapitel untersucht die Politisierung der Kunst nach dem Ersten Weltkrieg und stellt den avantgardistischen Modernisierungsbegriff der Ästhetisierung der Politik durch den Nationalsozialismus gegenüber.
5. Futurismus: Diese Sektion behandelt den Futurismus als technikbegeisterte, italienisch geprägte Bewegung und analysiert Marinettis Manifeste sowie das Verhältnis der Bewegung zum Faschismus.
6. Dadaismus: Dieses Kapitel widmet sich dem Dadaismus als radikalster, gegen die Zivilisation gerichteter Gegenposition, die durch neue Formen wie Collagen und Ready-mades den Kunstbegriff nachhaltig erweiterte.
7. Das Nichterreichte der Avantgarde: Das Fazit reflektiert das Scheitern der Avantgarde bei ihrem Ziel der totalen Integration in die Lebenspraxis, erkennt jedoch die bleibende ästhetische Durchdringung unseres Alltags durch Design und Medien an.
Schlüsselwörter
Avantgarde, Kunstwissenschaft, Peter Bürger, Autonomie der Kunst, Futurismus, Dadaismus, Lebenspraxis, Manifest, Politisierung der Kunst, Ästhetisierung, Ready-made, Collage, historische Avantgarde, Moderne, Institution Kunst
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit bietet eine fundierte kunstwissenschaftliche Analyse des Begriffs „Avantgarde“ und untersucht die historischen Bestrebungen der frühen 20. Jahrhunderts, Kunst und Alltag miteinander zu verschmelzen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der theoretischen Bestimmung der Avantgarde, der Analyse der Kunst-Politik-Verflechtung sowie der praktischen Untersuchung der Bewegungen Futurismus und Dadaismus.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die kritische Evaluation der Frage, ob die historische Avantgarde ihr postuliertes Ziel, die Aufhebung der Autonomie der Kunst und deren Überführung in die Lebenspraxis, erfolgreich umsetzen konnte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt vorwiegend eine literatur- und theoriebasierte Analyse, wobei sie sich primär auf die „Theorie der Avantgarde“ von Peter Bürger stützt und diese mit Primärquellen wie künstlerischen Manifesten abgleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen der Kunstautonomie, die Politisierung künstlerischer Bewegungen, die Analyse des futuristischen Manifests sowie die dadaistischen Strategien der Provokation und Mediennutzung detailliert dargestellt.
Welche Schlüsselbegriffe definieren den Inhalt?
Die wesentlichen Begriffe sind Autonomie der Kunst, historische Avantgarde, Lebenspraxis, Politisierung, Futurismus, Dadaismus und ästhetische Innovation.
Wie unterscheidet sich die Berliner von der Züricher Dada-Gruppe?
Während die Züricher Gruppe den Fokus auf künstlerisches Experimentieren legte, war die Berliner Gruppe politisch weitaus engagierter und zielte mit ihren Aktionen auf direkte Angriffe gegen Staat und Kirche ab.
Warum wird der Futurismus laut der Autorin nicht als rein faschistische Kunst bezeichnet?
Die Autorin argumentiert, dass man zwar Parallelen und eine gegenseitige Begeisterung zwischen Futuristen und dem Faschismus beobachten kann, es jedoch historisch zu weit ginge, den Futurismus als solches als faschistische Kunst zu kategorisieren.
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- Justyna Purwin (Author), 2006, Die Avantgarde in der Kunst, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59887