Abu Mus'ab az-Zarqawi - der Stadthalter al-Qa'idas im Irak?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006
47 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt :

1. Einleitung

2. Biographie
2.1. Herkunft
2.2. Im jordanischen Gefängnis
2.3. Via Afghanistan in den Irak

3. Ideologie und Strategie
3.1. Ideologische Grundlagen und Ziele
3.2. Position gegenüber den Schiiten
3.3. Strategie

4. Zusammensetzung und Aktivitäten der Gruppe
4.1. Struktur
4.2. Finanzierung
4.3. Anschläge im Irak
4.4. Anschläge in Amman

5. Außenverbindungen
5.1. Zarqawis internationale Agenda
5.2. Verbindungen zu Syrien und dem Iran
5.3. Verbindung zu den Ansar as-Sunna

6. Das Verhältnis zu al-Qa’ida

7. Fazit

8. Literatur

1. Einleitung

Auch drei Jahre nach dem offiziellen Ende des Irak-Krieges kommt das Land nicht zur Ruhe und der Staatsaufbau schreitet nur schleppend voran. Neben der sehr heterogenen Bevölkerungszusammensetzung mit ihren unterschiedlichen Interessen und den hieraus resultierenden Schwierigkeiten bei der Bildung einer neuen Regierung gilt der Kampf der Aufständischen[1] sowohl gegen die amerikanischen Truppen als auch gegen die im Aufbau befindlichen irakischen Sicherheitskräfte als Hauptursache hierfür. Im Verlauf der Zeit bekam der terroristische Widerstand im Irak in der Öffentlichkeit vor allem ein Gesicht: das des Jordaniers Abu Mus’ab az-Zarqawi. Weltweit bekannt wurde sein Name durch die Rede des US-Außenministers Colin Powell vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen am 05. Februar 2003,[2] in der er als Bindeglied zwischen Saddam Husain und al-Qa’ida und somit als ein, wenn nicht der ausschlaggebende Kriegsgrund dargestellt wurde.[3] Für die Vereinigten Staaten ist er einer der gefährlichsten und meistgesuchten Männer der Welt und die Belohnung für Hinweise, die zu seiner Festnahme führen, wurde mittlerweile auf 25 Millionen Dollar erhöht.[4]

In der vorliegenden Arbeit wird seine Rolle innerhalb des Nachkriegsirak untersucht. Im Anschluss an die Betrachtung seiner Biographie und seines Werdegangs folgt eine genauere Darstellung der Ideologie Zarqawis. Hierbei sollen vor allem die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede zur Ideologie der al-Qa’ida herausgearbeitet werden. Nach einer Erläuterung der strategischen Umsetzung dieser Ideologie wird auf die Struktur des Netzwerks und seine Außenverbindungen eingegangen und die Verbindung zu al-Qa’ida analysiert. Ziel ist es, das Verhältnis zwischen den beiden Netzwerken zu untersuchen und eine Einschätzung darüber zu treffen, ob die Zarqawi-Gruppe als Teil des irakischen Aufstands, als Zweigstelle von al-Qa’ida im Irak oder als eigenständig und unabhängig agierender Akteur innerhalb des Irak zu betrachten ist.

2. Biographie

Es liegen nur wenig gesicherte Erkenntnisse über die Jugend Zarkawis und seinen Wandel zum militanten Islamisten vor. Im Folgenden wird hauptsächlich Bezug genommen auf drei Biographien, erstellt von dem jordanischen Journalisten Fu’ad Husayn, Nimrod Raphaeli vom Middle East Media Research Institute (MEMRI) sowie der International Crisis Group.[5]

2.1. Herkunft

Ahmad Fadil Nazzal al-Khaleila alias Abu Mus’ab az-Zarqawi wurde am 30. Oktober 1966 in az-Zarqa (arab.: die Blaue) geboren. Die Industriestadt nordöstlich von Amman und das wenige Kilometer davon entfernte Flüchtlingslager al-Rusaifa gelten seit den 1990er Jahren als ein Zentrum des radikalen Islamismus in Jordanien. Schon seit den 1960er Jahren siedelten sich dort immer wieder Islamisten an, so auch ’Abdallah ’Azzam, der später zum einflussreichen Ideologen der radikalen islamistischen Bewegung wurde und als geistiger Ziehvater Usama Bin Ladens gilt, und ’Isam al-Barqawi alias Abu Muhammad al-Maqdisi, einer der wichtigsten Vordenker der Salafiya [6] und zeitweise Weggefährte Zarqawis. In der Folge mehrerer Flüchtlingswellen nach den israelisch-arabischen Kriegen von 1948 und 1967 sowie insbesondere nach der Vertreibung der Palästinenser aus Kuwait 1990/91 im Zuge des zweiten Golfkrieges stieg der Anteil der palästinensischstämmigen Bevölkerung in Zarqa weit über den Landesdurchschnitt[7] von ca. 60 % und beträgt heute etwa 80 %. Diese demographischen Umstände sowie schwierige sozioökonomische Bedingungen führten zur Radikalisierung großer Teile der Bevölkerung und schufen ein geeignetes Umfeld für die Entwicklung einer radikalislamistischen Szene.[8]

Zarqawi ist nicht palästinensischer Abstammung wie ein Großteil der jordanischen Bevölkerung, sondern Mitglied des Clan der Khaleila, der wiederum zum Beduinenstamm der Bani Hasan gehört. Dieser ist einer der großen Stämme Jordaniens, Teile davon leben aber auch in anderen arabischen Ländern, unter anderem im Irak. Die Bani Hasan sind stark in der Armee und den Sicherheitskräften des Landes vertreten und gelten als loyal zur Staatsführung.[9]

Zeitzeugen sagen aus, Zarqawi sei als Jugendlicher nicht religiös gewesen, sondern beschreiben ihn als rauflustig, trinkfreudig und eher ziellos. Mit 17 Jahren verließ er die Schule ohne Abschluss und soll in den folgenden Jahren im Kleingewerbe tätig gewesen sein.[10] Nach Berichten des jordanischen Geheimdienstes war er in den 1980er Jahren wegen sexueller Belästigung im Gefängnis.[11] In diesen Jahren kam er in Kontakt mit palästinensischen Flüchtlingen, die einen stark politisierten Islam vertraten. Er begann, regelmäßig eine salafistisch[12] ausgerichtete Religionsschule in der Nachbarschaft zu besuchen, freundete sich mit jungen Islamisten an und wandelte sich vom gefürchteten Schläger und Trunkenbold zum militanten Islamisten. Beeindruckt von den Erzählungen über den ‚Heiligen Krieg’ in Afghanistan beschloss er gemeinsam mit einigen Freunden, sich diesem anzuschließen.[13]

Als sie im Frühjahr 1989 dort eintrafen, begann jedoch schon der Abzug der sowjetischen Armee[14] und sie erlebten nicht mehr den erhofften Krieg, sondern nur noch die letzten Rückzugsgefechte. Zarqawi arbeitete daraufhin als Korrespondent für eine jihad -Zeitschrift namens al-Bunian al-Marsus (arab.: das feste Gebäude) und reiste im Land umher, um über Veteranen zu berichten.[15] Während dieser Tätigkeit knüpfte er bereits ein Kontaktnetz zu Islamisten, auf das er später aufbauen konnte.[16] Er soll sich, u.a. an der Seite des radikalen afghanischen Stammesführers Gulbuddin Hekmatjar,[17] auch an den Kämpfen zwischen rivalisierenden islamischen Gruppen beteiligt und eine militärische Ausbildung in einem Lager der al-Qa’ida absolviert haben.[18]

2.2. Im jordanischen Gefängnis

Bevor Zarqawi nach Afghanistan einreiste, verbrachte er einige Zeit in einem Lager der al-Qa’ida im pakistanischen Peschawar. Dort lernte er den palästinensischstämmigen Jordanier Abu Muhammad al-Maqdisi[19] kennen, dessen Schriften ihn stark beeinflussten. Nach seiner Rückkehr nach Jordanien 1993 nahm Zarqawi wieder Kontakt zu Maqdisi auf und schloss sich dessen radikalislamistischer Gruppe Bai’at al-Imam (arab.: Gefolgschaftseid für den Imam) an. Da die aus Afghanistan heimkehrenden mujahedin mehrheitlich überwacht wurden, geriet auch diese Gruppe bald ins Visier der jordanischen Sicherheitsbehörden. Sie warfen ihr vor, Anschläge auf jüdische Ziele in Israel und der Westbank geplant zu haben. Im November 1993 wurden ihre Mitglieder verhaftet, Zarqawi wurde im März 1994 wegen illegalen Waffenbesitzes und Fälschung von Reisepässen zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilt.[20]

Im Gefängnis gelang es Zarqawi und Maqdisi bald, viele neue Anhänger für ihre Ideologie und ihre Gruppe zu gewinnen. Ehemalige Mitgefangene berichten, die unterschiedlichen Persönlichkeiten der beiden spiegelten sich in deren Rollenverteilung innerhalb dieser Gruppe wieder. Während Maqdisi als freundlich, ruhig und nicht konfrontativ beschrieben wird und der spirituelle Mentor war, soll Zarqawi sich mit seiner harten und konfrontativen Persönlichkeit schnell zum Führer der Gruppe aufgeschwungen haben. Er wurde von den Mitgefangenen als Führungspersönlichkeit akzeptiert, einige sollen ihm bereits während dieser Zeit einen Gefolgschaftseid geschworen haben.[21] Maqdisi soll ihm daraufhin 1996 auch offiziell die Führung der Gruppe übertragen haben. Es wird berichtet, Zarqawi habe im Gefängnis viel Zeit mit religiösen Studien verbracht und den gesamten Koran auswendig gelernt.[22]

2.3. Via Afghanistan in den Irak

Zarqawi wurde im März 1999 nach einem allgemeinen Amnestieerlass anlässlich der Thronbesteigung von König Abdallah wieder entlassen. Er verließ Jordanien sechs Monate später und reiste erneut nach Pakistan und von dort aus weiter nach Afghanistan.[23] Dort trat er über seine alten Kontakte in Verbindung mit al-Qa’ida, schloss sich ihr jedoch nicht an. Stattdessen entschied er sich Anfang 2000, in der Nähe der Stadt Herat im Westen Afghanistans an der Grenze zum Iran ein eigenes Ausbildungscamp aufzubauen. Während dieser Zeit soll er sich auch Kenntnisse zur Entwicklung chemischer und biologischer Waffen angeeignet haben.[24] Über den Iran reisten seine Anhänger ein, zumeist Jordanier mit palästinensischen Wurzeln, von denen ein Großteil aus seiner Heimatstadt az-Zarqa und aus as-Salt kam.[25]

Während viele jihad -Kämpfer die bai’a [26] (Gefolgschaftseid) auf Usama Bin Laden ablegten, weigerte sich Zarqawi, dies zu tun. Er erhielt dennoch Unterstützung von al-Qa’ida sowie von den Taliban beim Aufbau seines Lagers. Es sollen auch regelmäßige Kontakte zur Zentrale der al-Qa’ida in Kandahar und Kabul bestanden haben. Nach Aussage von Saif al-’Adl[27] waren die Gründe hierfür hauptsächlich strategischer Natur, da al-Qa’ida davon ausging, dass sie zu diesem Zeitpunkt nur wenige Anhänger für ihre Ideologie in Jordanien und Palästina hatten und somit in der Unterstützung für Zarqawi eine Chance sahen, ihre Anhängerschaft in diesen Gebieten zu vergrößern. Von Zarqawi hingegen berichtet er, in dessen Augen seien die Führer von al-Qaida nicht streng genug in der Befolgung der religiösen Vorschriften.[28]

Als Reaktion auf die Anschläge vom 11. September 2001[29] begannen die Vereinigten Staaten im Oktober 2001 mit Luftangriffen auf Ausbildungslager der al-Qa’ida und militärische Einrichtungen der Taliban. Ende 2001 näherten sich die Truppen der mit den USA verbündeten afghanischen Nordallianz Herat und Zarqawi floh über Pakistan in den Iran und von dort aus weiter in das Kurdengebiet im Nordirak, wo er sich 2002 hauptsächlich aufgehalten haben soll. Er fand Unterschlupf bei den kurdischen Islamisten der Ansar al-Islam, mit denen er schon über sein Ausbildungslager Kontakte unterhalten haben soll.[30] Bis Anfang 2006 wurde vermutet, dass er sich zumeist im so genannten sunnitischen Dreieck in der Provinz Anbar westlich von Bagdad aufhielt, später soll er ausgewichen sein Richtung Osten. Im November 2004 erfolgte eine erste Großoffensive der Koalitionstruppen auf Fallujah mit dem Ziel, Zarqawi und seine Anhänger zu fassen, der dort seit Mitte 2003 sein Hauptquartier aufgeschlagen haben soll.[31] Dabei sollen über Tausend Aufständische getötet worden sein, Zarqawi selbst wurde jedoch nicht gefasst. In den folgenden Monaten wurden mehrere Mitglieder seines Netzwerks getötet oder verhaftet. So gelang es der irakischen Polizei Anfang Juni 2005 in Mossul Mahmoud Mutlaq Abdallah alias Abu Raad zu fassen, der als Hauptfinanzier einer Terrorzelle des Zarqawi-Netzwerkes in Mossul gilt.[32] Bereits im Mai 2004 verhafteten US-Truppen ’Umar Baziyani, der zu dieser Zeit ein hochrangiges Mitglied der Gruppe gewesen sein soll und detaillierte Informationen über dessen Struktur lieferte.[33] Nach irakischen Angaben entging Zarqawi Anfang 2005 mehrfach nur knapp seiner Verhaftung.[34] Bei einer erneuten großen Militäroffensive wurden in der Nähe der syrischen Grenze im Mai 2005 über Hundert Aufständische getötet, die zu Zarqawis Netzwerk gehört haben sollen.[35]

Es gibt auch immer wieder Meldungen, Zarqawi sei bei Angriffen der Amerikaner schwer verletzt worden und die Gruppe hätte einen Stellvertreter für ihn ernannt. Nach entsprechenden Berichten in amerikanischen und britischen Zeitungen im Mai 2005 veröffentlichte das Netzwerk eine Erklärung im Internet, die dazu aufforderte, für „die Heilung unsres Scheichs Abu Mussab al-Zarqawi von einer Verletzung, die er auf dem Weg Gottes erlitten hat“ zu beten.[36] Nähere Angaben zum Zeitpunkt, den Umständen oder der Art der Verletzung wurden jedoch nicht gemacht. Die Meldungen über die Ernennung eines Stellvertreters oder Nachfolgers für Zarqawi wurden zurückgewiesen. Bisher konnten Berichte über eine schwerwiegende Verletzung oder gar den Tod Zarqawis in keinem Fall verifiziert werden. Vor diesem Hintergrund sind auch neuere Meldungen über eine Ablösung Zarqawis als politischer Führer des Netzwerkes im Irak mit Vorsicht zu betrachten.[37]

Zarqawi wurde im Jahr 2000 in Jordanien wegen Beteiligung an der Planung der so genannten ‚Millenniumsanschläge’[38] in Amman angeklagt und in Abwesenheit zu 15 Jahren Haft verurteilt. Mittlerweile verhängte das jordanische Staatssicherheitsgericht dreimal die Todesstrafe über ihn in Abwesenheit[39] und der jordanische Staat entzog ihm die Staatsbürgerschaft; seit Februar 2003 gibt es einen internationalen Haftbefehl gegen ihn. Mitglieder seiner Familie haben sich in den letzten Jahren mehrfach öffentlich von ihm und seinen Taten distanziert und ihm das Anrecht auf jegliche Unterstützung durch seinen Stamm abgesprochen.[40]

[...]


[1] Weitergehende Analysen zum irakischen Aufstand finden sich bei: Hoffmann, Bruce: Insurgency and Counterinsurgency in Iraq; Rand Occasional Paper, RAND Corporation, Santa Monica, 2004 sowie International Crisis Group: In their own words: Reading the Iraqi Insurgency; Middle East Report No. 50, Amman/Brüssel, Februar 2006

[2] The White House: Secretary of State Adresses the U.N. Security Council; http://www.whitehouse.gov/news/releases/2003/02/20030205-1.html

[3] Zur Debatte um die von den USA und ihren Verbündeten angeführten Kriegsgründe siehe Schneckener, Ulrich: Irak und Terrorismus. Was verbindet ‚Schurkenstaaten’ mit Terroristen?; SWP-Aktuell 5; Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin, 2003

[4] FBI: Rewards for Justice; http://www.rewardsforjustice.net/english/wanted_captured/index. cfm?page=Al_Zarqawi

[5] Husayn, Fu’ad: Al-Zarqawi ... The Second Generation of Al-Qa’ida; al-Quds al-’Arabi, London, Juni/Juli 2005; Raphaeli, Nimrod: ‚The Sheikh of the Slaughterers’: Abu Mus’ab Al-Zarqawi and the Al-Qa’ida Connection; MEMRI Inquiry and Analysis, 01. Juli 2005; International Crisis Group: Jordan’s 9/11: Dealing with Jihadi Islamism; Middle East Report No. 47, Amman/Brüssel, 23. November 2005

[6] Salafiya: Bezeichnung für eine Richtung des Reformislams, die Ende des 19. Jh. im Vorderen Orient entstand und die ersten Muslime (as-salaf as-salih: die frommen Altvorderen) zum Vorbild für eine neue muslimische Gemeinschaft erklärt. Damit soll nicht das Leben der islamischen Urgemeinde wieder hergestellt werden, sondern an den ‚Geist’ dieser Muslime angeknüpft werden, um eine der Gegenwart angemessene Ordnung zu errichten. Die S. inspirierte zahlreiche Reformisten und Fundamentalisten des Islam. Die klassische S. zielt auf eine friedliche Erneuerung der Gesellschaft ab, es gibt jedoch auch salafistische Strömungen, die diese Erneuerung in erster Linie politisch verstehen und großen Einfluss auf Islamisten haben. Vgl. Elger, Ralf (Hrsg.): Kleines Islam-Lexikon; Verlag C.H.Beck, München, 2001, Hartung, Jan-Peter/Steinberg, Guido: Islamistische Gruppen und Bewegungen; in: Ende, Werner/Steinbach, Udo (Hrsg.): Der Islam in der Gegenwart; Verlag C.H.Beck, München 2005, S. 681-682 und International Crisis Group: Understanding Islamism; Middle East/North Africa Report No. 37, Kairo/Brüssel, 02. März 2005, insbes. S. 8-14

[7] Nach offiziellen Angaben liegt der Anteil der jordanischen Staatsbürger palästinensischer Herkunft bei unter 45 %, inoffizielle Schätzungen gehen allerdings davon aus, dass er in Wirklichkeit mehr als die Hälfte der Bevölkerung ausmacht. Vgl. Asseburg, Muriel: Jordanien: Stabilitätsanker in der Krisenregion; in: Schneckener, Ulrich: States at Risk. Fragile Staaten als Sicherheits- und Entwicklungsproblem; SWP-Studie 43, Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin, November 2004, S. 34

[8] Kepel, Gilles/Milelli, Jean-Pierre (Hrsg.): Al-Qaida. Texte des Terrors; Piper Verlag, München, 2006, S. 441-444; Eine weitere Beschreibung der demographischen und sozioökonomischen Gegebenheiten Zarqas findet sich bei Husayn: Al-Zarqawi ... The Second Generation of Al-Qa’ida, Teil 1, 08. Juni 2005. Zu den sozialen Auswirkungen des Zuzugs von Palästinensern aus Kuwait nach dem Golfkrieg 1991 siehe: International Crisis Group: Jordan’s 9/11, S. 4

[9] Steinberg, Guido: Der neue Bin Laden? Zarqawi bekennt sich zu Al-Qaida, will aber unabhängig bleiben; Internationale Politik, Februar 2005, S.79

[10] Kepel/Milelli: Al-Qaida. Texte des Terrors, S. 445

[11] Gettleman, Jeffrey: Zarqawi’s Journey: From Dropout to Prisoner to Insurgend Leader; New York Times, 13. Juli 2004

[12] Die teilweise militante und im Untergrund agierende Salafiya -Bewegung in Jordanien lehnt die jordanische Staatsform und auch die Demokratie als ‚unislamisch’ ab und fordert einen islamischen Staat. Sie wird von den Sicherheitsbehörden überwacht und steht seit den 1990er Jahren immer wieder im Zentrum von Prozessen vor dem Staatssicherheitsgericht. Dieterich, Renate: Der Islam in ausgewählten Staaten - Jordanien; in: Ende/Steinbach: Der Islam in der Gegenwart, S. 521-525 sowie International Crisis Group: Jordan’s 9/11, S. 4-7

[13] Husayn: Al-Zarqawi ... The Second Generation of Al-Qa’ida, Teil 1, 08. Juni 2005

[14] Am 14. April 1989 wurde in Genf ein Abkommen zwischen Afghanistan, Pakistan und der Sowjetunion geschlossenen, das u.a. den Abzug aller ausländischen Truppen aus Afghanistan bis zum 15. Februar 1990 vorsah. Stökl, Günther: Russische Geschichte; Kröner Verlag, Stuttgart, 1990, S. 851

[15] Gettleman, Jeffrey: Zarqawi’s Journey

[16] Steinberg, Guido: Der nahe und der ferne Feind. Die Netzwerke des islamistischen Terrorismus; Verlag C.H.Beck, München, 2005, S. 219

[17] Zur Rolle Hekmatjars während des Afghanistankrieges und den Kämpfen zwischen rivalisierenden Stämmen nach dem Abzug der sowjetischen Truppen siehe Bergen, Peter: Heiliger Krieg Inc. Osama Bin Ladens Terrornetz; aktualisierte Neuausgabe, Bvt Berliner Taschenbuch Verlags GmbH, Berlin, 2003, S. 95-99

[18] Husayn: Al-Zarqawi ... The Second Generation of Al-Qa’ida, Teil 1, 08. Juni 2005

[19] Zur Biographie Maqdisis sowie zu seiner Rolle innerhalb der islamistischen Opposition in Jordanien siehe Steinberg: Der nahe und der ferne Feind, S. 134-139. Zu seinem Verhältnis zu Zarqawi siehe Husayn: Al-Zarqawi ... The Second Generation of Al-Qa’ida, Teil 6, 25. Juni 2005

[20] Eine deutsche Übersetzung des Protokolls der Vernehmung Zarqawis durch die jordanische Justiz findet sich bei Brisard, Jean-Charles: Das neue Gesicht der Al-Qaida. Sarkawi und die Eskalation der Gewalt; Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin, 2005, S. 301-304

[21] Raphaeli: ‚The Sheikh of the Slaughterers’

[22] Steinberg: Der nahe und der ferne Feind, S. 219-220

[23] Husayn: Al-Zarqawi ... The Second Generation of Al-Qa’ida, Teil 2, 16. Juni 2005

[24] Vgl. z.B. Levitt, Matthew: The Zarqawi Node in the Terror Matrix; National Review Online, 06. Februar 2003

[25] Raphaeli: ‚The Sheikh of the Slaughterers’

[26] Die bai’a geht auf alte arabische Bräuche zurück. Schon der Prophet sicherte sich mit diesem Akt die Anerkennung seiner Autorität bei seinen Anhängern. Vgl. Bergen, Peter: Heiliger Krieg Inc., S. 331

[27] Der Ägypter Saif al-’Adl alias Muhammad Makkawi ist bei al-Qa’ida für militärische und nachrichtendienstliche Fragen zuständig und gilt als deren strategischer Planer und Militärchef. Unter anderem wird ihm die Planung der Anschläge von Riad im Mai 2003 vorgeworfen. Er wird heute im Iran vermutet, wo er unter Hausarrest stehen soll. Vgl. Die Weltwoche 40/05, einzusehen unter http://www.weltwoche.ch/artikel/AssetID=12197&CategoryID=73 sowie Bergen, Peter: How al Qaeda took Root in Iraq and the Story of Abu Musab al Zarqawi; in: ders.: The Osama bin Laden I Know. An Oral History of al Qaeda’s Leader; Free Press, New York, 2006, S. xi

[28] Das Zeugnis des Saif al-Adl (Mohammad Makkawi), übersetzt von Cherifa Magdi, erschienen in: Die Weltwoche 40/05, einzusehen unter http://www.weltwoche.ch/artikel/?AssetID= 12196&CategoryID=73

[29] Nach Aussage von Saif al-’Adl wurde Zarqawi im Vorfeld nicht in die Planungen für die Anschläge von New York und Washington eingeweiht.

[30] Auf diese Kontakte wird in Kapitel 5.3. Verbindung zur Ansar as-Sunna genauer eingegangen.

[31] Luyken, Rainer: Die Falludscha-Falle; Die Zeit – Dossier, 28. Juli 2005

[32] Kfir, Isaac: Americans make gains in Iraq; International Policy Institute for Counter Terrorism, 06. Juni 2005

[33] Schanzer, Jonathan: Inside the Zarqawi Network; The Washington Institute for Near East Policy, Weekly Standard, 16. August 2004

[34] Der Spiegel: Die Jagd auf den Scheich; 18/2005

[35] FAZ: „Hergekommen, um zu sterben“; 11. Mai 2005

[36] FAZ: Terroristenführer Zarqawi angeblich verletzt; 24. Mai 2005 sowie FAZ: Amerikanische Soldaten auf der Suche nach Zarqawi; 26. Mai 2005

[37] Führer des irakischen Widerstands sollen Zarqawi aufgefordert haben, die politische Führung der Gruppe abzugeben und ihn durch einen Iraker ersetzt haben. Als Begründung wird angeführt, Zarqawi habe zu viele politische Fehler gemacht und mit seiner Strategie viele unschuldige Iraker getötet. Vgl.: Most wanted terrorist ‚kicked out as leader’ for bloody tactics; The Times, 04. April 2006 sowie Has Al Qaeda demoted Zarqawi?; Christian Science Monitor, 05. April 2006

[38] Die jordanischen Sicherheitsbehörden deckten Ende 1999 Planungen für Anschläge auf Hotels in Amman auf, in denen amerikanische und israelische Touristen den Jahreswechsel feiern sollten. Im März 2000 wurden 28 Verdächtige verhaftet und später zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt. International Crisis Group: Jordan’s 9/11, S. 10

[39] Al-Zarqawi gets third death sentence; Aljazeera.net, 18. Dezember 2005. Die drei Todesurteile erfolgten auf Grund der Ermordung des US-Diplomaten Lawrence Foley 2002, eines vereitelten Selbstmordanschlags an der jordanisch-irakischen Grenze 2004 und der von den jordanischen Sicherheitsbehörden aufgedeckten Planungen für einen Anschlag auf den Geheimdienst und die US-Botschaft im Amman 2004.

[40] Die letzte derartige Erklärung erfolgte nach den Anschlägen in Amman am 09. November 2005. In einer großen Anzeige in drei jordanischen Zeitungen sagten sich Verwandte im Namen der Familie erneut von ihm los. Familiy severs ties with al-Zarqawi; Aljazeera.net, 20 November 2005

Ende der Leseprobe aus 47 Seiten

Details

Titel
Abu Mus'ab az-Zarqawi - der Stadthalter al-Qa'idas im Irak?
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaften)
Veranstaltung
HS: Politische Akteure im Irak seit 2003
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
47
Katalognummer
V59905
ISBN (eBook)
9783638537124
Dateigröße
537 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Abschlussbesprechung dieser Arbeit fand am Tag vor der Tötung Zarqawis statt. Eingearbeitet wurden kleinere Anmerkung des Dozenten.
Schlagworte
Stadthalter, Irak, Politische, Akteure
Arbeit zitieren
Annette Heppel (Autor), 2006, Abu Mus'ab az-Zarqawi - der Stadthalter al-Qa'idas im Irak?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59905

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