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Die osmanische Expansion und die Formierung europäischen Bewusstseins bis 1683

Title: Die osmanische Expansion und die Formierung europäischen Bewusstseins bis 1683

Bachelor Thesis , 2006 , 51 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Nadja Schuppenhauer (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Summary Excerpt Details

Der Begriff „Europa“ im Sinne einer historisch-politischen und kulturellen Einheit ist keine seit grauen Vorzeiten im Bewusstsein der Bewohner dieses Kontinents institutionalisierte Größe, auch wenn dies vielerorts von verantwortlichen Politikern und meinungsbildenden Massenmedien und Eliten im Zuge der Entwicklung Europas in den letzten Jahrzehnten insinuiert werden möchte und auch Historiker sich häufiger „als Apologeten eines scheinbar schon immer existenten Kultureuropa betätigen“. 1 Europa war nie eine Konstante im politischen Sinne, vielmehr ist Europa „not so much a place as an idea“. 2 Dieses Zitat von Peter Burke lässt bereits durchscheinen, dass Europa nie eine fest umrissene Größe war - weder geographisch noch politisch - , sondern vielmehr je nach Interessenlage stets anders und neu definiert wurde. Mehr noch, in der Zeit vom fünften vorchristlichen Jahrhundert bis zum 15. Jh. unserer Zeitrechnung wurde der Begriff „Europa“ nur sporadisch verwendet und ohne dabei viel Gewicht zu besitzen. 3 Die Menschen sahen sich bis zur Frühen Neuzeit - abgesehen von einigen Ausnahmen, auf die im Verlauf der vorliegenden Arbeit noch gesondert einzugehen sein wird - nicht als „Europäer“. Der programmatische Gebrauch des Begriffs „Europa“ im Sinne der oben erwähnten historisch-politischen und kulturellen Einheit beginnt sich vielmehr erst in der Zeit des Übergangs vom Spätmittelalter zur Frühen Neuzeit durchzusetzen, als der Terminus auf Grund bestimmter Entwicklungen neuen Sinn und Inhalt gewinnt 4 und so allmählich eine vorher existente Identifikationsgröße ablöst. Diese Identifikationsgröße war im Mittelalter die Christenheit, und die in den zeitgenössischen Texten üblichen und synonym gebrauchten Termini christianitas und res publica christiana machen deutlich, „that Christendom was the largest unit to which men in the Latin west felt allegiance in the middle ages“. 5 Die christianitas umfasste die latinitas, entsprach also denjenigen Territorien, die im Autoritätsbereich der römischen Papstkirche lagen und schloss somit das byzantinische Reich aus. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Entwicklung und Gebrauch des Europabegriffs von der Antike bis 1453

2.1 Der Europamythos

2.2 Die Antike

2.3 Das Mittelalter

3 Die osmanische Expansion und die Eroberung Konstantinopels 1453

3.1 Struktur des Osmanischen Reiches

3.1.1 Das timar-System

3.1.2 Das Militärwesen

3.1.3 Staatsapparat und Gesellschaft

3.2 Expansion und Eroberungen bis 1453

3.3 Die Eroberung Konstantinopels

4 Die Reaktionen auf die Eroberung und ihre Auswirkungen für „Europa“

5 Die Weiterentwicklung des Europabegriffs nach 1453 im Sinne einer Formierung europäischen Bewusstseins

6 Türkenkriege und Habsburger bis zum Entsatz Wiens 1683

7 Ausblicke

8 Schlussbetrachtung

9 Resumen

10 Anhang

10.1 Karte: Aufstieg des Osmanischen Reiches bis 1683

10.2 Frontispiz von Breitenfels

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel der europäischen Identitätsbildung von der mittelalterlichen christlichen Einheitsvorstellung hin zu einem frühmodernen europäischen Selbstverständnis, maßgeblich beeinflusst durch die osmanische Expansion und den Fall Konstantinopels.

  • Die Entwicklung und Transformation des Europabegriffs von der Antike bis zum 17. Jahrhundert.
  • Die osmanische Expansion als externer Faktor der Identitätsstiftung.
  • Die Rolle der „Türkengefahr“ im Diskurs der christlichen Mächte.
  • Der Übergang von der res publica christiana zum Mächte-Europa.
  • Militärische und politische Struktur des Osmanischen Reiches.

Auszug aus dem Buch

3.1 Struktur des Osmanischen Reiches

Obschon natürlich die Struktur eines Staates kein plötzlich auftretendes Phänomen ist und immer das Ergebnis eines dynamischen Prozesses über einen längeren Zeitraum hinweg darstellt, lassen sich einige charakteristische Grundzüge des Staatsaufbaus durchaus als osmanische Eigenheiten feststellen. Es versteht sich von selbst, dass sich der Aufbau und die Verwaltung eines von um 1300 auf 1500 qkm geschätzten Herrschaftsgebiets in seiner Struktur von einem Großreich, das sich bereits Mitte des 16. Jh.s, in der Blüte seiner Zeit, über drei Kontinente erstreckte, unterscheiden musste. In denjenigen Fällen, in denen sich die beschriebenen Strukturelemente klar der Regierungszeit einer bestimmten Person zuordnen lassen, wird dies im Verlaufe der weiteren Ausführungen Erwähnung finden.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Entwicklung des Begriffs „Europa“ und stellt die These auf, dass eine europäische Identität erst in der Frühen Neuzeit als Abgrenzung zur „Türkengefahr“ entstand.

2 Entwicklung und Gebrauch des Europabegriffs von der Antike bis 1453: Dieses Kapitel analysiert die mythologischen und antiken Wurzeln des Europabegriffs sowie seine sporadische Bedeutung im Mittelalter, wo die christianitas als Identitätsgröße dominierte.

3 Die osmanische Expansion und die Eroberung Konstantinopels 1453: Der Autor erläutert den Aufstieg des Osmanischen Reiches, seine militärischen und administrativen Strukturen sowie die entscheidende Eroberung Konstantinopels.

4 Die Reaktionen auf die Eroberung und ihre Auswirkungen für „Europa“: Hier werden die unmittelbaren politischen und diskursiven Reaktionen im christlichen Abendland auf den Fall von Konstantinopel thematisiert.

5 Die Weiterentwicklung des Europabegriffs nach 1453 im Sinne einer Formierung europäischen Bewusstseins: Das Kapitel behandelt die Instrumentalisierung der „Türkengefahr“ zur Bildung eines neuen, kulturell und politisch begründeten europäischen Selbstverständnisses.

6 Türkenkriege und Habsburger bis zum Entsatz Wiens 1683: Eine Untersuchung der militärischen und diplomatischen Beziehungen zwischen Habsburgern, osmanischer Macht und anderen europäischen Staaten bis zur Belagerung Wiens.

7 Ausblicke: Es wird der Übergang zum modernen Konzept des Gleichgewichts der Staaten (balance of power) und das allmähliche Schwinden der rein religiösen Einheitsvorstellung beleuchtet.

8 Schlussbetrachtung: Zusammenfassendes Fazit der Entwicklung von der res publica christiana zur modernen Staatengesellschaft unter dem Druck der osmanischen Präsenz.

9 Resumen: Spanische Zusammenfassung der zentralen Thesen der Arbeit.

10 Anhang: Enthält ergänzendes visuelles Material zur osmanischen Expansion und zeitgenössischen Europa-Darstellungen.

Schlüsselwörter

Europa, Osmanisches Reich, Christenheit, Identitätsbildung, Konstantinopel, Türkengefahr, Frühneuzeit, res publica christiana, Expansion, Mächte-Europa, Geschichte, Geistesgeschichte, Identität, Mittelalter, Politik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert, wie sich das europäische Bewusstsein durch die historische Konfrontation mit der osmanischen Expansion und dem Fall von Konstantinopel im 15. Jahrhundert gewandelt hat.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die zentralen Felder umfassen die Begriffsgeschichte von „Europa“, die militärische und staatliche Struktur des Osmanischen Reiches sowie die politische Ideologie der christlichen Mächte im 15. bis 17. Jahrhundert.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist zu klären, inwieweit die osmanische Expansion als Katalysator für die Ablösung der mittelalterlichen Einheitsidentität (christianitas) durch ein neues europäisches Identitätsgefühl fungierte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die primär auf der Auswertung relevanter Fachliteratur und zeitgenössischer Quellen zur Begriffs- und Ereignisgeschichte basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Osmanischen Reiches als Großmacht, die Analyse des „Europabegriffs“ im Wandel der Zeit sowie die Untersuchung der außen- und identitätspolitischen Reaktionen auf die Eroberungskriege der Türken.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Europabewusstsein, Osmanisches Reich, Türkengefahr, Frühneuzeit und Identitätswandel charakterisieren.

Welche Rolle spielten die Janitscharen für das Osmanische Reich?

Die Janitscharen bildeten als Elite-Infanterie den Kern der osmanischen Armee und waren ein entscheidender machtpolitischer Faktor, der eng an die Person des Sultans gebunden war.

Warum war der Fall von Konstantinopel für das europäische Bewusstsein so bedeutsam?

Der Fall der Stadt markierte das Ende der heilsgeschichtlichen Bedeutung des byzantinischen Reiches und zwang die christlichen Mächte zur Neudefinition ihrer Identität und ihrer gemeinsamen Verteidigungsinteressen.

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Details

Title
Die osmanische Expansion und die Formierung europäischen Bewusstseins bis 1683
College
European University Viadrina Frankfurt (Oder)  (Professur für Vergleichende europäische Geschichte der Neuzeit)
Course
Seminar - Die Formierung Europas in der Frühen Neuzeit
Grade
1,0
Author
Nadja Schuppenhauer (Author)
Publication Year
2006
Pages
51
Catalog Number
V59930
ISBN (eBook)
9783638537292
ISBN (Book)
9783656815976
Language
German
Tags
Expansion Formierung Bewusstseins Seminar Formierung Europas Frühen Neuzeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nadja Schuppenhauer (Author), 2006, Die osmanische Expansion und die Formierung europäischen Bewusstseins bis 1683, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59930
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