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Vergleich der Konzepte von Empfindsamkeit in Christian Fürchtegott Gellerts "Leben der schwedischen Gräfin von G***" und Johann Wolfgang von Goethes "Die Leiden des jungen Werther"

Title: Vergleich der Konzepte von Empfindsamkeit in Christian Fürchtegott Gellerts "Leben der schwedischen Gräfin von G***" und Johann Wolfgang von Goethes "Die Leiden des jungen Werther"

Seminar Paper , 2005 , 14 Pages , Grade: 2,7

Autor:in: Maret Hosemann (Author)

German Studies - Modern German Literature
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In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert begann in Deutschland die Epoche der Empfindsamkeit. Nach Nikolaus Wegemann beschreibe der Terminus ‚Empfindsamkeit‘ in seiner Grundbedeutung „ die Fähigkeit zur Erfahrung sinnlich angenehmer Empfindungen und Gefühle, deren legitimer sozialer Ort die altruistische, gänzliche moralische und nur Gegenseitiger Zuwendung verpflichteter Geselligkeit ist“1. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts, in den Jahren 1747 und 1748, veröffentlichte Christian Fürchtegott Gellert die beiden Teile seines Romans Leben der schwedischen Gräfin von G***. Sowohl Wegemann als auch Thomas Kahlcke charakterisieren Gellerts Roman als den ersten, großen „Durchbruch“ der Empfindsamkeit in Deutschland. Im Jahre 1774 kam es zu einem Ereignis, das Wegemann als das „spektakulärste“ in der Geschichte der Empfindsamkeit bezeichnet: der Roman Die Leiden des jungen Werther von Johann Wolfgang von Goethe erschien in seiner ersten Auflage. In der vorliegenden Hausarbeit soll der Versuch unternommen werden, diese beiden Romane in Bezug auf ihre dargestellten Konzepte von Empfindsamkeit miteinander zu vergleichen. Die ersten Analogien zwischen Gellerts Leben der schwedischen Gräfin von G*** und Goethes Die Leiden des jungen Werther lassen sich auf der Ebene der Personenkonstellation erkennen. In beiden Romanen finden wir Beziehungsdreiecke, die sich zusammensetzen aus einer Frau, ihrem Gemahl und einem Dritten, der die schon Vergebene liebt. So heiratet Gellerts Ich-Erzählerin, die schwedische Gräfin von G**, nach dem vermeintlichen Tod ihres Ehemannes dessen besten Freund Herrn R**, den sie „so zärtlich als meinen ersten Gemahl“ (LSG 37) liebt. Als der totgeglaubte Graf zurückkehrt, nimmt die Gräfin ihre Ehe mit ihm wieder auf, während Herr R** als Freund in der Gesellschaft der Vermählten bleibt. In Goethes Roman liebt Werther die schöne Lotte, die bereits mit Albert verlobt und später verheiratet ist. Auch hier bleibt der ‚Dritte‘ Werther als ein „Glied der liebenswürdigen Familie“ (W 49) in unmittelbarer Nähe des Paares. Auf den folgenden Seiten sollen nun zunächst die in beiden Romanen behandelten Liebeskonzeptionen untersucht und miteinander verglichen werden. Im Anschluß wird der Versuch unternommen, die Beziehungsdreiecke, für die ich den Terminus ‚Liebestriaden‘ verwende, zu analysieren und dabei darzulegen, ob und wie es den Romanfiguren gelingt, ihre Affekte zu transformieren und miteinander zu kommunizieren.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.2 Methodik

2. Forschungsstand

3. Die Liebeskonzeptionen in Gellerts Leben der schwedischen Gräfin von G*** und Goethes Die Leiden des jungen Werther

3.1 Das Konzept der vernünftigen Liebe

3.2 Das Konzept der leidenschaftlichen Liebe

4. Die Liebestriaden in Gellerts Leben der schwedischen Gräfin von G*** und Goethes Die Leiden des jungen Werther

5. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit vergleicht die Konzepte der Empfindsamkeit in Christian Fürchtegott Gellerts "Leben der schwedischen Gräfin von G***" und Johann Wolfgang von Goethes "Die Leiden des jungen Werther". Dabei untersucht die Autorin die unterschiedlichen Liebeskonzeptionen der beiden Werke und analysiert die Struktur der darin vorkommenden Beziehungsdreiecke, um zu verdeutlichen, wie die Romanfiguren ihre Affekte transformieren und kommunizieren.

  • Vergleich der Liebeskonzeptionen (vernünftige vs. leidenschaftliche Liebe)
  • Analyse der sogenannten „Liebestriaden“ in den ausgewählten Romanen
  • Untersuchung der Affektbeherrschung mittels Vernunft
  • Rezeption von Empfindsamkeit durch Intertextualität und Anspielungen
  • Gegenüberstellung bürgerlicher Vernunftideale und radikaler Individualität

Auszug aus dem Buch

3.1 Das Konzept der vernünftigen Liebe

Zu Beginn des Romans Leben der schwedischen Gräfin von G*** schildert die Ich-Erzählerin ihre Vermählung mit dem Grafen von G**. Auf den ersten Blick scheint es sich dabei um eine arrangierte Ehe zu handeln, die vom Vater des Grafen und dem Vormund der Ich-Erzählerin, ihrem Vetter, in die Wege geleitet wird: „Der Vater des Grafen hatte zugleich an meinen Vetter geschrieben. Kurz, ich war die Braut eines liebenswürdigen Grafen“(LSG 10). Nach der so erfolgten Verlobung bekennt die Ich-Erzählerin jedoch: „Nunmehr aber fing mein Herz auf einmal an zu empfinden. Mein Graf war zwar auf etliche vierzig Meilen von mir entfernt; allein die Liebe machte ihn mir gegenwärtig“(LSG 10). Der Graf selber gesteht seiner zukünftigen Gattin in einem Brief: „Ich liebe Sie. [...] Und ich habe Sie von dem ersten Augenblicke an geliebet, da ich Sie vor einem Jahre gesehen und gesprochen habe“(LSG 8). Die Ehe der beiden Adligen läßt sich daher mit Recht als eine ‚Liebesehe‘ bezeichnen, die auf dem Konzept der „vernünftigen“, oder auch „empfindsamen“ Liebe basiert.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Epoche der Empfindsamkeit ein und stellt die beiden Romane sowie die zentrale Forschungsfrage des Vergleichs vor.

1.2 Methodik: Hier wird die literaturwissenschaftliche Methode der Intertextualität, basierend auf Gérard Genettes "Palimpseste", zur Analyse der Romane erläutert.

2. Forschungsstand: Dieser Abschnitt gibt einen Überblick über bestehende Interpretationsansätze zu Gellerts und Goethes Werken in der Forschungsliteratur.

3. Die Liebeskonzeptionen in Gellerts Leben der schwedischen Gräfin von G*** und Goethes Die Leiden des jungen Werther: Die zentralen Liebesmodelle der beiden Romane werden hier im Kontext von Vernunft und Leidenschaft einander gegenübergestellt.

3.1 Das Konzept der vernünftigen Liebe: Dieses Unterkapitel analysiert das Ideal der vernunftgesteuerten Liebesehe in beiden Romanen.

3.2 Das Konzept der leidenschaftlichen Liebe: Hier wird die unkontrollierte Leidenschaft als Gegenmodell zur vernünftigen Liebe anhand beispielhafter Episoden und Werthers Charakter untersucht.

4. Die Liebestriaden in Gellerts Leben der schwedischen Gräfin von G*** und Goethes Die Leiden des jungen Werther: Dieser Teil betrachtet die Beziehungsdreiecke und das Gelingen oder Scheitern der Figuren bei der Transformation ihrer Affekte in Freundschaft.

5. Schluss: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und hebt hervor, wie der "Werther" den empfindsamen Rahmen der Zeit sprengt.

Schlüsselwörter

Empfindsamkeit, Christian Fürchtegott Gellert, Johann Wolfgang von Goethe, Liebeskonzeption, Vernünftige Liebe, Leidenschaftliche Liebe, Intertextualität, Liebestriaden, Affektbeherrschung, Aufklärung, Bürgertum, Werther, Gräfin von G***, Personenkonstellation, Selbstliebe.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit vergleicht die Darstellung und die Konzepte von Empfindsamkeit sowie Liebesbeziehungen in zwei maßgeblichen Romanen des 18. Jahrhunderts.

Welche Romane stehen im Zentrum des Vergleichs?

Analysiert werden "Leben der schwedischen Gräfin von G***" von Christian Fürchtegott Gellert und "Die Leiden des jungen Werther" von Johann Wolfgang von Goethe.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Konzepte der vernünftigen und leidenschaftlichen Liebe in beiden Werken gegenüberzustellen und zu untersuchen, wie die Protagonisten mit Beziehungsdreiecken umgehen.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse genutzt?

Die Autorin verwendet die literaturwissenschaftliche Methode der Intertextualität, insbesondere unter Rückgriff auf Gérard Genettes Theorie der "Transtextualität".

Was sind die thematischen Schwerpunkte des Hauptteils?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Liebeskonzeptionen und der Analyse von "Liebestriaden" sowie dem Vergleich der Affektbeherrschung der Romanfiguren.

Durch welche Schlüsselwörter wird die Arbeit charakterisiert?

Zu den zentralen Begriffen gehören Empfindsamkeit, Liebesehe, Vernunft, Leidenschaft, Intertextualität, Selbstliebe und Affekttransformation.

Warum wird im Vergleich von "Liebestriaden" gesprochen?

Der Begriff beschreibt die in beiden Romanen vorkommenden Beziehungsdreiecke, in denen ein Dritter in die Verbindung einer Frau und ihres Gemahls tritt.

Wie unterscheidet sich die Rolle von Werther im Vergleich zum Freund der Gräfin?

Während in Gellerts Roman die Transformation der Liebe in Freundschaft erfolgreich gelingt, endet die Triade in Goethes Roman tragisch aufgrund von Werthers narzisstischer Selbstzerstörung.

Welche Rolle spielt die Vernunft in der Liebe der beiden Werke?

Die Vernunft dient als moralisches Korrektiv, um Leidenschaften zu mäßigen und ein geselliges Miteinander zu ermöglichen, was Werther konsequent ablehnt.

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Details

Title
Vergleich der Konzepte von Empfindsamkeit in Christian Fürchtegott Gellerts "Leben der schwedischen Gräfin von G***" und Johann Wolfgang von Goethes "Die Leiden des jungen Werther"
College
University of Münster
Course
Emotionaltität (im 17. und 18. Jahrhundert)
Grade
2,7
Author
Maret Hosemann (Author)
Publication Year
2005
Pages
14
Catalog Number
V59937
ISBN (eBook)
9783638537346
ISBN (Book)
9783638810364
Language
German
Tags
Vergleich Konzepte Empfindsamkeit Christian Fürchtegott Gellerts Leben Gräfin Johann Wolfgang Goethes Leiden
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Maret Hosemann (Author), 2005, Vergleich der Konzepte von Empfindsamkeit in Christian Fürchtegott Gellerts "Leben der schwedischen Gräfin von G***" und Johann Wolfgang von Goethes "Die Leiden des jungen Werther", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59937
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