Madagaskar hat heute ein Bruttosozialprodukt von 235$ pro Kopf (1998). Damit ist der Staat laut UNDP-Bericht zur menschlichen Entwicklung das 12.Ärmste Land unserer Erde. Auf der Liste der achtundvierzig LLDC‘s ( Least Developed Countries) befindet sich die viertgrößte Insel der Welt somit ganz am Ende. Rund drei viertel der Madagassen leben unterhalb der Armutsgrenze. Trotz einer Vielzahl von Krediten, die Madagaskar in den achtziger Jahren erhielt, war bis zum Ende der 90er Jahre kaum eine Verbesserung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage eingetreten. Deshalb wird es die Aufgabe meiner Arbeit sein, die Hemmnisse und Probleme der wirtschaftlichen Entwicklung von Madagaskar darzustellen. Die Gründe für die stockende Entwicklung sind sehr vielfältig. Vieles ist eng miteinander verknüpft. Zuerst werde ich deshalb die Geschichte des Inselstaates näher betrachten. Danach will ich mich mit der Kultur und der Gesellschaft Madagaskars auseinandersetzen, weil ich denke, dass diese in engem Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Entwicklung steht. Nachdem ich dann die derzeitige Lage in der Wirtschaft erläutert habe will ich mich mit den Ursachen und Gründen beschäftigen, die einen schnellen und drastischen Aufschwung der madagassischen Ökonomie behindern beziehungsweise verhindern. Zum Schluß werde ich versuchen eine Aussicht in Hinsicht auf baldige Besserung der mißlichen Lage des Landes vorzunehmen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschichtlicher Abriß
2.1.Vorkoloniale Zeit
2.2.Kolonialzeit
2.3.Die Dekolonisierung und der Schritt zur Unabhängigkeit
2.4.Politische Entwicklung bis in die Gegenwart
3. Die madagassische Kultur und Gesellschaft
4. Wirtschaft
5. Hemmnisse und Probleme der wirtschaftlichen Entwicklung Madagaskars
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die komplexen Gründe für die anhaltende wirtschaftliche Stagnation Madagaskars. Ziel ist es, die vielfältigen Faktoren – von historischen Entwicklungen über kulturelle Prägungen bis hin zu politischer Instabilität – zu analysieren, die einen nachhaltigen Aufschwung des Landes bisher verhindert haben.
- Historische Aufarbeitung der vorkolonialen Ära, der Kolonialzeit und des Weges in die Unabhängigkeit.
- Analyse der kulturellen Strukturen und deren Einfluss auf die sozioökonomische Entwicklung.
- Darstellung der wirtschaftlichen Potenziale und der aktuellen strukturellen Schwächen.
- Untersuchung politischer Hemmnisse wie Korruption, Infrastrukturmängel und instabile Rahmenbedingungen für Investoren.
Auszug aus dem Buch
2.1.Vorkoloniale Zeit
Madagaskars Geschichte und Kultur unterscheidet sich trotz der Nachbarschaft zum afrikanischen Festland erheblich von seinen kontinentalen Nachbarn. Seit dem ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung kamen die Menschen, die heute Madagaskar bevölkern, über den Indischen Ozean aus Südostasien, besonders aus Indonesien. In Madagaskar vermischten sich diese mit der Zeit mit Afrikanern von der Küste. Die Sprache der Madagassen, Malgasch, hat daher einen großen indonesischen Einfluß, der jedoch mit afrikanischen Wörtern durchsetzt ist. Die ursprüngliche Gesellschaft wurde geführt durch Clans und Familien. Diese verband ein kollektives Bewußtsein, ein ausgeprägter Ahnenkult, eigene Götter und das traditionelle Territorium. Um 1500 herum bildeten sich Königreiche in verschiedenen Regionen heraus. Diese hatten dann die Macht über eine Anzahl von Clans. In den einzelnen Reichen wurden die Clans dann in verschiedene Kasten aufgeteilt. Die Zugehörigkeit zu einer Kaste hing ab von der jeweiligen Beziehung zum König. Der Adel sind die Andriana, die Freien heißen Hova und die Sklaven Andova. Am Ende des 18.Jahrhunderts begann der Aufstieg des Merina-Reiches. Dieses konnte im 19.Jahrhundert seine Herrschaft auf fast ganz Madagaskar ausweiten. Die Merina hatten im Gegensatz zu den anderen Reichen eine funktionierende Landwirtschaft und eine entwickelte soziale Organisation. Auch der Einsatz europäischer Waffentechnik trug zur Übermacht bei. Von den Europäern entdeckt wurde Madagaskar im Jahre 1500 durch einen Portugiesen namens Diego Dias. Da die Insel ökonomisch uninteressant war, fand zunächst keine Kolonisation statt. Verschiedene frühe Militärstützpunkte an der Ostküste von Engländern, Franzosen sowie Niederländern und Portugiesen erfuhren den heftigen Widerstand der einheimischen Bevölkerung. Aus diesem Grund gab es keine durchgängige Anwesenheit durch europäische Mächte bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die ökonomische Lage Madagaskars als eines der ärmsten Länder der Welt und stellt die Fragestellung zur Identifizierung der Entwicklungshemmnisse vor.
2. Geschichtlicher Abriß: Das Kapitel bietet einen chronologischen Überblick über die politische Geschichte des Landes, von der Besiedlung und Kolonialzeit bis hin zur Entwicklung nach der Unabhängigkeit.
3. Die madagassische Kultur und Gesellschaft: Hier wird analysiert, wie ethnische Strukturen, Ahnenkult und traditionelle Regeln wie die "Fadys" das soziale Leben und die wirtschaftliche Entwicklung beeinflussen.
4. Wirtschaft: Dieses Kapitel beschreibt die ökonomische Struktur Madagaskars, das trotz reicher Bodenschätze und landwirtschaftlicher Potenziale durch eine schwache verarbeitende Industrie und ein geringes Pro-Kopf-Einkommen geprägt ist.
5. Hemmnisse und Probleme der wirtschaftlichen Entwicklung Madagaskars: Abschließend werden die zentralen Faktoren für den ausbleibenden wirtschaftlichen Erfolg identifiziert, darunter eine mangelhafte Infrastruktur, politische Instabilität und Investitionshemmnisse.
Schlüsselwörter
Madagaskar, wirtschaftliche Entwicklung, Kolonialgeschichte, Merina-Reich, Armut, Infrastruktur, Investitionsklima, Ahnenkult, Fady, politisches System, Weltbank, IWF, Landwirtschaft, Bodenschätze, Subsistenzwirtschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Hausarbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die historischen, kulturellen und politischen Gründe für die schwierige wirtschaftliche Situation Madagaskars am Ende des 20. Jahrhunderts.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Genese des Staates, der soziokulturellen Prägung durch ethnische Gruppen und Ahnenkult sowie der wirtschaftlichen Analyse der Entwicklungsbarrieren.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die vielfältigen Hemmnisse aufzuzeigen, die einen schnellen und drastischen wirtschaftlichen Aufschwung des Landes bisher behindert oder verhindert haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird in diesem Text verwendet?
Der Autor nutzt einen deskriptiven und analytischen Ansatz, der auf der Auswertung von Fachliteratur, Berichten internationaler Organisationen wie UNDP und Weltbank sowie historischer Quellen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse, eine Untersuchung der gesellschaftlichen Besonderheiten und eine detaillierte Auseinandersetzung mit wirtschaftlichen Standortfaktoren und Reformproblemen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die wissenschaftliche Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen gehören wirtschaftliche Entwicklung, Entwicklungshemmnisse, postkoloniale Politik, kulturelle Traditionen und sozioökonomische Struktur des Inselstaates.
Wie beeinflussen traditionelle Werte wie der Ahnenkult die wirtschaftliche Entwicklung?
Der Totenkult und die damit verbundenen Kosten für Feiern binden Ressourcen und mindern die Investitionsfähigkeit der Einheimischen, während das Konzept des unverkäuflichen "Landes der Ahnen" ausländische Investitionen erschwert.
Warum ist die politische Instabilität ein zentrales Problem für Investoren?
Investoren benötigen klare Verhältnisse und Vertrauen in Justiz und Regierung; das tiefsitzende Misstrauen in staatliche Institutionen, gepaart mit Korruption und häufigen Regierungswechseln, schreckt potenzielle Geldgeber ab.
- Quote paper
- Jan Richter (Author), 2001, Madagaskar - Geschichte, Kultur und Problemlage der Entwicklung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59939