Marketingplan zur Neueinführung des Filmsystems APS für ein Unternehmen der Fotoindustrie


Diplomarbeit, 1997
138 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Vorbemerkung

Die vorliegende Arbeit wurde verfaßt aus der Sicht eines tatsächlich existierenden Unternehmens. Sie wurde mit der Unterstützung dieser Firma angefertigt.

Es waren jedoch aufgrund der Wettbewerbssituation firmenpolitische Einschränkungen zu berücksichtigen, die den Spielraum mitunter eingeschränkt haben.

So konnten beispielsweise nur veröffentlichte Daten verwendet werden. Inner- betriebliche Kennzahlen wie die Gewinne und Marktanteile einzelner Produkte und Produktgruppen sowie interne Strategien durften aus verständlichen Gründen keiner näheren Betrachtung unterzogen werden. Aus diesem Grund kamen in den Kapiteln zwei, vier, sechs und sieben ausschließlich die persönlichen Einschätzungen und Ideen des Verfassers am Beispiel des aufgeführten Unternehmens zum Tragen. Die hier dargestellten, nichtveröffentlichten Daten und Zahlen sind fiktiv und die Strategien, Analysen und Handlungsvorschläge stehen in keinem sachlichen Zusammenhang mit der tatsächlichen Handlungsweise und Struktur des Unternehmens.

Das Unternehmen ist nicht nur im Geschäftsbereich Foto tätig, sondern auch auf anderen Gebieten. Aufgrund der erheblichen Größe dieser Geschäftsbereiche und Geschäftsfelder mußte der Umfang dieser Arbeit jedoch im wesentlichen auf das Geschäftsfeld Fotofilm beschränkt bleiben.

Obwohl es sich um ein international tätiges Unternehmen handelt, wurde fast ausschließlich der deutsche Markt im allgemeinen und der Amateurfilmmarkt im speziellen betrachtet, da der Marktumfang sonst nicht in diesem Rahmen darzustellen gewesen wäre.

Es gestaltete sich trotz Ausschöpfung aller Möglichkeiten mitunter schwierig, aktuelle Daten und Zahlen zu erhalten, weil nicht immer neueste Erhebungen vorlagen. Aus diesem Grund wurde teilweise auch auf älteres Zahlen- und Datenmaterial zurückgegriffen. Es war allerdings in vielen Punkten auch nicht unbedingt sinnvoll, neueste Daten zu verwenden, da die Marktforschung für ein neues Fotosystem in Europa schon 1993 begann (vgl. hierzu auch die Ausführungen unter Gliederungspunkt 5.2).

Da hier jedoch hauptsächlich grundlegende Zusammenhänge im Marketing, sowie die praktische Umsetzung theoretischer Vorgaben dargestellt werden sollen, haben diese Restriktionen keine Auswirkungen im Hinblick auf die Zielsetzung der Arbeit.

Aufbau, Ziele und Problemstellung der Arbeit

„Marketing ist ein Prozeß im Wirtschafts- und Sozialgefüge, durch den die Einzelpersonen und Gruppen ihre Bedürfnisse und Wünsche befriedigen, indem sie Produkte und andere Dinge von Wert erzeugen und miteinander austauschen.“[1]

Absolute Priorität jeder Marketingplanung muß demzufolge der Wunsch des Kunden sein. Das Unternehmen darf eine Idee nicht um ihrer selbst Willen in die Tat umsetzen, sondern muß den Markt zuerst beobachten und analysieren und sollte erst dann handeln.

Allerdings muß das Unternehmen dabei auch bestrebt sein, durch den Absatz der eigenen Produkte am Markt zu bestehen. Der einzige Weg hierzu ist es, eine möglichst große Übereinstimmung zwischen den eigenen Zielen wie Gewinn, Marktstellung usw. und den Marktgegebenheiten zu erreichen. Es muß somit darauf hinarbeiten, die eigenen Interessen mit den Kundenbedürfnissen in Einklang zu bringen.[2]

Ziel dieser Arbeit ist es, anhand von Tatsachen und eigenen Schlußfolgerungen zu zeigen, wie ein Unternehmen auf strategischer und operativer Ebene bei der Produktneueinführung (product launch) handelt.

In diesem Zusammenhang ist die Notwendigkeit einer konzeptionellen Planung aufgrund der Tatsache, daß immer mehr Märkte durch Stagnation oder Rückgang und damit zunehmenden Wettbewerb gekennzeichnet sind, heute mehr denn je gegeben.

So ist der Stellenwert des Marketing in den letzten Jahren, bedingt durch diese veränderten Marktbedingungen, deutlich angewachsen.[3]

Im Rahmen dieses Marketingplanes wird beispielhaft die systematische Vorgehensweise eines Unternehmens von der Marketingforschung bis zum Instrumenteneinsatz dargestellt.

Hierbei soll besonders der Stellenwert der Information hervorgehoben werden, weil die wissenschaftliche Erhebung und Auswertung von Daten und Zahlen im Rahmen der Marketingforschung der wichtigste Ausgangspunkt für unternehmerische Entscheidungen ist.[4]

Es handelt sich bei dem hier beispielhaft aufgeführten Unternehmen um die Agfa- Gevaert AG mit Hauptsitz in Leverkusen.

Im Jahr 1867 gründeten die Chemiker Mendelssohn-Bartholdy und von Martius in Rummelsburg bei Berlin eine Farbenfabrik, die sich später Actien-Gesellschaft für Anilinfabrikation (AGFA) nannte.

1952 wurde das Unternehmen in Leverkusen als Agfa AG neugegründet. Bis zum Jahr 1953 war das Unternehmen selbständig und wurde erst in diesem Jahr eine Tochter der Bayer AG.

1964 erfolgte der Zusammenschluß der Firmen Agfa AG und Gevaert Photoproducten N.V. zur Agfa-Gevaert-Gruppe. Zuvor wurden die Leverkusener Fotobetriebe der Bayer AG auf die Agfa AG übertragen und die Firmen Perutz Photowerke, Leonar-Werke, Mimosa, Chemische Fabrik Vaihingen und die Gelatinefabrik, vormals Koepff & Söhne, mit der Agfa AG verschmolzen.

1981 übernahm Bayer die Agfa-Gevaert-Gruppe zu 100%. Agfa-Gevaert erwarb die Aktienmehrheit der Compugraphic Corp. (Wilmington, MA/USA), heute Sitz des Geschäftsfeldes Electronic Prepress Systems.

Die im Rahmen dieser Arbeit relevanten Märkte sind der Fotofilmmarkt, seine Teilmärkte und dessen angrenzenden Märkte, welche einer näheren Betrachtung unterzogen werden.

Konkret wird die Marktneueinführung des Systemes APS (Advanced Photo System = „Fortgeschrittenes Fotosystem“) thematisiert. Neben den Marketinggesichtspunkten soll in diesem Rahmen hauptsächlich das Filmsystem und dessen Verwendungsmöglichkeiten erklärt werden.

An diesem Punkt ist festzustellen, daß das APS-System keine der üblichen Innovationen ist. Vielmehr wird es den Markt nach der Meinung nicht weniger Experten langfristig verändern, ähnlich wie es bei der Entwicklung von der Schallplatte zur CD geschehen ist.

1. Erklärungen zum Fotomarkt

1.1 Abgrenzungen des Fotomarktes

1.1.1 Definitionen

Die beiden wichtigsten und dem Konsumenten geläufigsten Gebiete des Fotomarktes sind die Bereiche Fotokamera und Fotofilm. Hier bietet sich eine Einteilung in Gebrauchsgüter und Verbrauchsgüter an.

Typische Verbrauchsgüter sind z.B. Fotofilme, während Fotokameras den Gebrauchsgütern zuzurechnen sind. Diese Tatsache wird verdeutlicht durch die folgenden Definitionen:

„Gebrauchsgüter sind materielle Produkte, die im Regelfall viele Verwendungseinsätze überdauern, z.B. Kühlschränke, Werkzeugmaschinen oder Kleidung. Gebrauchsgüter erfordern meist einen intensiveren persönlichen Verkaufs- oder Serviceaufwand, höhere Handelsspannen und umfangreiche Garantieleistungen des Anbieters.“[5]

Fotokameras werden in der Regel über viele Jahre verwendet. Bei ihnen ist aufgrund der technischen Komplexität ein hoher Beratungsaufwand erforderlich, es handelt sich somit um erklärungsbedürftige Produkte.[6]

„Verbrauchsgüter sind materielle Produkte, die im Regelfall im Laufe eines oder einiger weniger Verwendungseinsätze konsumiert werden, z. B. Bier, Seife oder Salz. Da solche Güter schnell verbraucht werden und die Wiederkaufzyklen kurz sind, ist es strategisch am zweckmäßigsten, sie an möglichst vielen Orten verfügbar zu machen, mit niedrigen Margen zu kalkulieren und sie intensiv zu bewerben, um Erstkäufe anzuregen und eine Präferenz für die eigenen Marken aufzubauen.“[7]

Diese Kriterien treffen auf Fotofilme zu, da bei diesen in der Regel u.a. kurze Einkaufszyklen vorhanden sind.

Weiterhin sind der Fotofilmmarkt und seine Teilmärkte als typische Angebotsoligopole einzustufen.

Kennzeichen eines Oligopols ist die Tatsache, daß wenige mittelgroße Anbieter vielen

kleinen Nachfragern gegenüberstehen.[8] Merkmal des reinen Oligopols ist hierbei, daß die wenigen Unternehmen, die am Markt anbieten, im wesentlichen Waren produzieren welche sich nur geringfügig voneinander unterscheiden.[9]

So dominieren im Fotofilmmarkt, wie die folgenden Analysen verdeutlichen, drei große Hersteller das Marktgeschehen. Die Produkte, also die Fotofilme, unterscheiden sich naturgemäß nur wenig in Qualität und Aussehen, es handelt sich nicht um stark differenzierte Erzeugnisse. Man kann den Fotofilmmarkt demnach also als reines Oligopol bezeichnen.

Der Grund dafür, daß es sich nur um wenige Anbieter handelt, ist die Tatsache, daß der Fotofilmmarkt durch hohe Markteintrittsbarrieren gekennzeichnet ist.

Die in der Praxis am häufigsten anzutreffenden Markteintrittsbarrieren sind ein hoher Kapitalbedarf, Patent- und Lizenzauflagen, Knappheit an geeigneten Standorten, Rohstoffen oder Händlern oder besondere Image-Erfordernisse.[10]

Speziell im Fotofilmmarkt sind hohe Produktionskosten, teure Produktionsanlagen und eine kostenintensive Forschung und Entwicklung als wichtigste Markteintrittsbarrieren für Hersteller aufzuführen.

1.1.2 Aufteilung des Fotomarktes

Man teilt den Fotomarkt ein in die beiden Segmente Amateurfotomarkt und Fachfotomarkt.

Folgende Teilbereiche sind hierbei dem Amateurfotomarkt zuzurechnen:

1) Stehbildfilme[11] - und Kameras, Wechselobjektive, Blitzgeräte sowie Diaprojektoren
2) Schmalfilmprodukte
3) Fotofinishing, Heimlaborprodukte, Stative und sonstiges Fotozubehör

Quelle: BBE Unternehmensberatung GmbH, Branchenreport Fotoartikel 1994, S. 28

Zum Fachfotomarkt zählt man im allgemeinen folgende Gebiete:

1) das Fotohandwerk
2) der Bereich Kino- und Mikrofilm
3) der Bereich Röntgen und Reproduktion
4) der Bereich Bürokopien und Sonstiges

Quelle: BBE Unternehmensberatung GmbH, Branchenreport Fotoartikel 1994, S. 28

Im Jahr 1993 hatte der gesamte deutsche Amateurfotomarkt ein wertmäßiges Volumen in Höhe von 5,7 Mrd. DM. Diese Umsätze unterteilten sich in den Hardwarebereich (Filme, Kameras etc.) mit 2,6 Mrd. DM (46%) und den Softwarebereich (Finishing, Zubehör) mit 3,1 Mrd. DM (54%). Es ergab sich insgesamt gesehen gegenüber dem Jahresergebnis von 1992 ein Rückgang von 3% bzw. 200 Mio. DM. Weiterhin fand eine Verschiebung der Umsätze auf den Softwarebereich statt, sein Anteil wuchs um 1%.

Die nachfolgende Übersicht zeigt, daß die Umsätze von 1994 auf 1995 ebenfalls deutlich gesunken sind.

Abb. I : Der Umsatz im Amateurfotomarkt 1994 und 1995

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Prophoto GmbH 1996

In der nächsten Tabelle werden die Unternehmen nach Anzahl und Umsatzgröße für das Jahr 1992 dargestellt:

Tab. I : Unternehmensstruktur 1992

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Prophoto GmbH 1996

Im Jahr 1995 bestand die deutsche Fotobranche etwa aus zehntausend Unternehmen mit 50.000 Arbeitsplätzen, die über 18 Mrd. DM erwirtschafteten. Es waren in dieser Hinsicht also keine großen Veränderungen zu verzeichnen.[12]

1.2 Begriffsdefinitionen der Fotografie

1.2.1 Colornegativfilme (CN)

Wenn man Farbpapierbilder herstellen will, so verwendet man diesen Filmtyp. Üblich sind hier die Standardgrößen 9 x 13 cm und 10 x 15 cm. Auch größere Formate sind möglich. Folgende Materialien werden hierfür verwendet: Colornegativfilm und Colornegativpapier.

Eine weitere Möglichkeit ist die Verwendung von Colornegativfilm und Displayfilm. Die Vergrößerung eines Colornegativs auf Displayfilm ergibt ein farbiges Transparentbild (vornehmlich als großformatiges Display für Werbezwecke oder als farbige Overheadfolie).

1.2.2 Colorumkehrfilme (CU)

Dies sind Diafilme. Sie ergeben Durchsichtsvorlagen für die Projektion. Aber auch von diesen lassen sich Papierbilder anfertigen. Die verwendeten Materialien sind Colorumkehrfilm und Colorumkehrpapier. Das Ergebnis ist ein farbiges Papierbild vom Dia. Colorumkehrpapier eignet sich aber auch als Kopiermaterial für Schwarzweißdias.

Eine zweite Möglichkeit ist die Verwendung von Colorumkehrfilm und Colorumkehrkopierfilm. Das Ergebnis dieser Kombination ist eine Transparentkopie vom Farbdia.

1.2.3 Schwarz-Weiß-Filme (SW)

Die verwendeten Materialien sind in diesem Fall Schwarzweißnegativfilm und Schwarzweißvergrößerungspapier. Das Resultat ist ein schwarzweißes Papierbild.

Wenn man Schwarzweißumkehrfilme verwendet, ist das Ergebnis ein schwarzweißes Dia.[13]

1.2.4 Film mit Linse (FwL)

So nennt man eine preiswerte Kamera, die bereits mit einem Film ausgestattet ist und samt belichtetem Film an das Labor zur Entwicklung zurückgegeben wird. Man bezeichnet diesen Typ auch als Einwegkamera.[14]

1.2.5 Konfektionierungen

Als „Konfektionierung“ bezeichnet man die Anzahl der Bilder, die in einer Filmrolle zu finden sind. Es handelt sich hierbei z.B. um 11, 24 und 26 Bilder pro Filmrolle.

1.2.6 ISO-Normen

„ISO“ ist die Abkürzung für „International Standardization Organization“. In der 1983 eingeführten, international gültigen ISO-Empfindlichkeitsnorm, wurde eine feste Relation zwischen den bisher gebräuchlichen ASA- und DIN-Werten gebildet.

Die ISO-Klasse bezeichnet die international verwendete Maßeinheit für die Lichtempfindlichkeit eines Filmes. Unter Empfindlichkeit versteht man die Eigenschaft einer lichtempfindlichen Schicht, eine bestimmte Belichtung durch die Entwicklung in entsprechender Schwärzung (oder Farbdichte) wiederzugeben.

Diese Eigenschaft nennt man auch Allgemeinempfindlichkeit. Sie wird während der Fabrikation durch einen speziellen Reifungsprozeß der Emulsion erreicht. Es bilden sich dabei unter dem Einfluß der zugesetzten Gold- und Schwefelverbindungen an der Oberfläche des Silberhalogenidkristalles sogenannte Empfindlichkeits- oder Reifekeime, die die Allgemeinempfindlichkeit eines fotografischen Materials bestimmen (vgl. hierzu auch die Ausführungen unter Gliederungspunkt 1.3).

Beispiele für ISO- Empfindlichkeitsangaben:

ISO 50/18° (niedrige Empfindlichkeit)

ISO 100/21° (mittlere Empfindlichkeit)

ISO 400/27° (hohe Empfindlichkeit)

1.2.7 Bildformate

Man unterscheidet hier beispielsweise die Formate 35 mm (Format 135), 26 mm (Format 126) und 10 mm (Format 110). Sie bezeichnen die Breite des Filmes. Für jedes Format verwendet man einen bestimmten Kameratyp.[15]

1.3 Grundzüge der Entstehung eines Fotos

Zunächst ist grundsätzlich zu klären, wie ein Foto entsteht: Wenn man mit seiner Kamera ein bestimmtes Objekt im Visier hat und dieses festhalten will, so drückt man auf den Auslöser. In diesem Bruchteil einer Sekunde fallen Lichtstrahlen in die Kamera, welche an der Kamerarückwand ein lichtschwaches Abbild des Objektes formen.

Um dieses Abbild festzuhalten, muß man das Bild in irgend einer Form speichern, denn ansonsten geht es verloren, sobald sich der Kameraverschluß wieder schließt.

Dieses geschieht mit Hilfe eines lichtempfindlichen Speichermediums, das Emulsionsschicht genannt wird.

Die hauchdünne Emulsionsschicht besteht hauptsächlich aus Gelatine, die lichtempfindliche Silbersalze in feinster Verteilung enthält. Erst wenn das Bild auf der sogenannten fotografischen Emulsionsschicht festgehalten wurde, ist eine Fotografie entstanden.

Der Vorgang soll hier anhand eines Schwarzweißfilmes bei der Fotografie eines Objektes mit schwarzen und weißen Feldern (z.B. ein Schachbrett) verdeutlicht werden:

Bei einem Schwarzweißfilm speichert die Schwarzweißfilmemulsion die bildformenden Lichtstrahlen entsprechend ihren unterschiedlichen Helligkeitswerten. Bildanteile mit hoher Lichtintensität sorgen für die Belichtung in einer entsprechend größeren Zahl von Silbersalzkristallen (auch als Silberhalogenide bezeichnet) als dunkle Bildanteile, die eine deutlich geringere Anzahl von Silbersalzkristallen belichten.

Wenn ein Film in die Kamera eingelegt wurde, dann wird das Bild mit Hilfe komplexer physikalischer und chemischer Vorgänge festgehalten. Innerhalb dieser Vorgänge ändern die Silberhalogenide in der Filmemulsion infolge der Belichtung ihren Zustand. Jetzt ist ein schwaches, noch unsichtbares latentes Bild entstanden.

Damit es für das Auge sichtbar wird, muß das Latentbild um ein vielfaches verstärkt (entwickelt) werden. Im Anschluß daran wird es haltbar gemacht (fixiert), um daraus eine brauchbare Fotografie werden zu lassen.

Das latente Bild wird in einer Dunkelkammer vom Entwickler verstärkt. Er reduziert die noch unsichtbaren, belichteten Silberhalogenide zu schwarzen, metallischen Silberkörnern, die die sichtbare Struktur des Schwarzweißbildes ausmachen.

Dieses metallische Silberbild ist also noch nicht haltbar. Die in der Emulsionsschicht noch vorhandenen, unbelichteten Siberhalogenide würden belichtet werden, wenn man zu diesem Zeitpunkt bereits die Bilder bei Licht betrachten wollte. Anschließend würden die noch in der Emulsionsschicht befindlichen restlichen Entwicklersubstanzen reduziert.

Um dieser Tatsache vorzubeugen, wird das im Entwickler entstandene, metallische Silberbild durch ein spezielles Verarbeitungsbad haltbar gemacht (fixiert).

Wenn eine ausreichende Schwärzung erreicht ist, wird die Entwicklung des Filmnegativs beendet. Die unentwickelt gebliebenen (weil belichteten) Silberhalogenide werden durch das Fixierbad in ein lichtunempfindliches Silberkomplexsalz umgewandelt und dadurch löslich gemacht.

Das Ergebnis ist das nun bei Tageslicht zu betrachtende, haltbar gemachte Schwarzweiß- negativ, das durch eine abschließende Wässerung von störenden Chemikalienresten befreit wird und in getrocknetem Zustand als Ausgangspunkt für die Herstellung eines positiven Papierbildes dient.

Dieses Negativ ist also noch nicht das endgültige Bild. Es wird auf Schwarzweißnegativpapier kontaktkopiert und bei Bedarf vergrößert.

Das Kopierlicht des Vergrößerers läßt eine Abbildung des Negativs auf dem Fotopapier entstehen. Die im Filmnegativ geschwärzten Felder (im Original die weißen Felder) halten das Kopierlicht jedoch zurück. Sie können auf dem Fotopapier keine Belichtung hervorrufen. Nach der Entwicklung des Fotopapiers entsprechen daher diese unterentwickelt gebliebenen Felder den weißen Feldern des Originals.

Umgekehrt lassen die transparenten Stellen des Negativs, die den schwarzen Originalfeldern entsprechen, das Kopierlicht ungehindert durch. Das an diesen Stellen durchgelassene Kopierlicht erzeugt in der Emulsionsschicht des Fotopapiers ein Latentbild, das durch anschließende Papierentwicklung geschwärzt wird.

Mit der Anfertigung des Positivs über die Zwischenstufe des Negativs hat sich der Kreis geschlossen: Das Papierbild gibt die weißen und schwarzen Felder originalgetreu wieder.

Bei den modernen Colorfilmen und Colorkopiermaterialien ergibt sich im Prinzip derselbe Vorgang wie bei den Schwarzweißmaterialien. Auch bei ihnen entsteht zunächst ein Schwarzweißnegativ aus metallischem Silber.

Bei Colornegativfilmen und - papieren werden aber im Farbentwickler gleichzeitig ein Schwarzweißnegativ und parallel dazu die Bildfarbstoffe gebildet. Das Schwarzweißnegativ, das die Bildfarbstoffe überlagert, wird anschließend gebleicht und im Fixierbad herausgelöst, übrig bleibt ein Farbstoffbild.

Bei der Verarbeitung des Farbdiafilmes entsteht zunächst ebenfalls ein Schwarzweißnegativ. Erst wenn mit Hilfe eines Umkehrbades das restliche Silberhalogenid entwickelbar gemacht wird, kann in dem nachfolgenden Farbentwickler Farbstoff gebildet werden. Das gleichzeitig mit dem Farbstoff entstandene Silberbild wird, wie beim Colornegativfilm, gebleicht und im Fixierbad herausgelöst. Das Resultat ist ebenfalls ein Farbstoffbild.

Farbe kommt auf folgende Art und Weise ins Bild: Bei den Schwarzweißfilmen genügte eine lichtempfindliche Emulsionsschicht. Der Farbnegativfilm dagegen benötigt gleich ein ganzes Schichtpaket aus drei übereinanderliegenden, lichtempfindlichen Emulsionsschichten. Alle drei Schichten haben das aus metallischem Silber bestehende Schwarzweißnegativ gemeinsam, das durch Belichtung und anschließende Entwicklung in jeder von ihnen gebildet wird.

An diesem Punkt jedoch endet die Parallele zum Schwarzweißnegativfilm, denn jede dieser drei lichtempfindlichen Schichten hat noch eine besondere Eigenschaft: Sie ist empfänglich für farbiges Licht einer bestimmten spektralen Zusammensetzung.

Jede dieser Schichten wurde durch ein chemisches Verfahren empfindlich gemacht: Eine Schicht für blaues, eine Schicht für grünes und eine Schicht für rotes Licht.

Nach den Gesetzen der Additiven Farbmischung sind die für das menschliche Auge erkennbaren Farben unserer Umwelt aus blauen, grünen und roten Anteilen des Lichts additiv zusammengesetzt. Auch die „unbunten“ Farben Grau und Weiß bestehen aus den additiven Farben (Blau, Grün, Rot) des sichtbaren Lichts.

Bei der Colorverarbeitung erzeugt der spezielle Farbentwickler parallel zu den drei Schwarzweißnegativen in den drei verschiedenen Emulsionsschichten gleichzeitig drei verschiedene, farbige Teilbilder (Farbnegative):

In der blauempfindlichen Schicht entsteht ein gelbes Negativ (Gelb ist die Gegenfarbe zu Blau), in der grünempfindlichen Schicht ein purpurnes Negativ (Purpur ist komplementär zu Grün) und in der rotempfindlichen Schicht ein (zu Rot komplementäres) blaugrünes Negativ.

Für die Bildung der Farbstoffe werden bestimmte Substanzen (Farbkuppler) benötigt, die in jeder der drei Emulsionsschichten zusätzlich zum Silberhalogenid enthalten sind.

Die Farbkuppler sind an den Oberflächen der Silberhalogenide angelagerte, farblose Substanzen. Während der Farbentwicklung entsteht überall dort, wo belichtetes Silberhalogenid in ein Silberbild umgewandelt wird, ein zusätzliches Farbstoffbild. Dies geschieht, indem die oxidierte Entwicklersubstanz mit den in den drei Schichten enthaltenen Farbkupplern jeweils den gelben, purpurnen bzw. blaugrünen Farbstoff bildet.

Nun, wo die Bildung der Farbstoffe abgeschlossen ist, sieht der Farbnegativfilm nicht farbig, sondern undurchsichtig und fast schwarz aus. Der Grund hierfür ist das metallische Silber, das die drei farbigen Negativbilder überlagert und unkenntlich macht. In den nachfolgenden Verarbeitungsbädern muß daher das metallische Silber zuerst gebleicht und anschließend durch Fixieren entfernt werden.

Zurück bleibt das aus gelben, purpurnen und blaugrünen Farbstoffen gebildete Farbnegativ, aus dem später das Colorbild entsteht.[16]

2. Struktur und Entwicklung des Fotofilmmarktes

Bevor ein Unternehmen eine Marketingentscheidung trifft, muß die Umweltsituation genau untersucht werden, denn diese und der damit verbundene Instrumenteneinsatz hängen ab von der Situation des eigenen Unternehmens, der Situation anderer Unternehmen sowie der des Umfeldes.[17]

Die vorliegende Untersuchung ist bei kritischer Betrachtung im Sinne der Definition von Meffert insgesamt gesehen nicht als Marktforschung, sondern als Marketingforschung oder Absatzforschung zu verstehen. Um dies nachvollziehen zu können, muß man die beiden Definitionen von Absatzforschung und Marktforschung vergleichen.

Absatzforschung ist in diesem Zusammenhang zu definieren als „ Systematische Suche, Sammlung, Aufbereitung und Interpretation von Informationen, die sich auf alle Probleme des Marketing von Gütern und Dienstleistungen beziehen“, wogegen man Marktforschung als die „Systematisch betriebene Erforschung der Märkte (Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage), insbesondere die Analyse der Fähigkeit dieser Märkte, Umsätze hervorzubringen (Market Research)[18] bezeichnet.

Nach Meffert fallen in den Bereich der Absatzforschung oder Marketingforschung unter anderem innerbetriebliche Sachverhalte wie beispielsweise Kapazitätsprogramme. Auch derartige Aspekte werden von uns einer Betrachtung unterzogen, während sie bei der reinen Marktforschung außer Betracht bleiben (vgl. hierzu die Portfolioanalyse unter Gliederungspunkt 4.1.2).

Des weiteren identifiziert sich unser Unternehmen mit den wichtigsten Aufgaben der Marketingforschung. Sie hat u.a. die Funktion, daß dafür Sorge getragen wird, Chancen und Risiken frühzeitig zu erkennen und Entscheidungshilfen zu leisten.[19]

Um die hierzu notwendigen Informationen zu erhalten, bedient man sich zweier verschiedener Erhebungsarten: Zum einen sind dies Primärerhebungen und zum anderen Sekundärerhebungen.

Bei Primärerhebungen werden Daten ermittelt, die bisher noch nicht vorhanden waren. Diese sind jedoch nur dann zu erheben, wenn man keine Sekundärforschung durchführen kann oder wenn diese nicht den erwarteten Nutzen im Verhältnis zu den deutlich höheren Kosten und dem höheren zeitlichen Aufwand bei der Primärforschung bringt.

Bei den Sekundärerhebungen werden bereits vorhandene Daten herangezogen. Quellen hierfür sind entweder betriebsinterner oder betriebsexterner Natur.[20]

Im einzelnen können dies beispielsweise Veröffentlichungen von Marktforschungs-instituten, amtliche Statistiken oder Zeitungen und Zeitschriften sowie unternehmensinterne Materialien wie beispielsweise Verkaufsstatistiken sein.[21]

Wir haben in diesem Rahmen aus Kostengründen vorwiegend Sekundärforschung durchgeführt.

Außerdem erhalten wir, wie fast alle großen Unternehmen, laufend Daten und Zahlen aus dem von der GfK durchgeführten Einzelhandelspanel (Durchführung von wiederholten Erhebungen bei einem gleichbleibenden Adressatenkreis).[22] Ein Problem ist in diesem Zusammenhang lediglich die sogenannte Panelsterblichkeit. Dieser Begriff bezeichnet

u.a. das Ausscheiden von Panelteilnehmern aus verschiedenen Gründen.[23]

2.1 Der Fotofilmmarkt und seine Teilmärkte

2.1.1 Gesamtrahmen: Marktvolumen des Fotofilmmarktes weltweit

Jährlich werden weltweit über 60 Milliarden Fotos produziert, dies entspricht in einer Minute über 130.000 Fotografien.

Der Fotofilmmarkt ist in den Jahren von 1990 bis 1995 weltweit um ca. 10% gewachsen. Es wurden 1995 2,8 Milliarden Filme vertrieben.

Der Markt teilte sich im Jahr 1995 wie folgt auf: Kodak hielt einen Marktanteil von 42%, Fuji hatte einen Marktanteil von 28%, Agfa 11%, Konica 8% und die sonstigen Anbieter vereinten 8% des Marktes auf sich.[24]

Abb. III : Weltweit belichtete Bilder

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Photofinishing News Inc. 1996, S. 1/1

Abbildung III verdeutlicht, daß die Zuwachsraten bei den weltweit belichteten Bildern seit 1990 nicht mehr ganz so hoch waren wie in den Jahren davor. Die weltweite Nachfrage wies diesbezüglich somit leicht rückläufige Steigerungsraten auf.

Abb. IV : Weltweiter Konsum von Stehbildfilmen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Photofinishing News Inc. 1996, S. 1/6

Auch beim Konsum von Stehbildfilmen (Abb. IV) zeigt sich, daß hier seit Jahren keine großen Wachstumsraten mehr vorhanden sind.

Tab. II : Fotofilmverbrauch pro Kopf im Jahr 1995

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Photopresse 33/95, S. 8

Der Filmverbrauch ist in Deutschland, im Vergleich mit den USA und Japan, recht gering. Wie die Tabelle II zeigt, ist aber auch die Schweiz ein wichtiger Markt.

2.1.2 Marktvolumen des deutschen Fotofilmmarktes

Nach einigen Jahren uneingeschränkten Wachstums fiel die deutsche Wirtschaft 1993 in eine Rezession. Ein Großteil des Wachstums hatte in den neuen Bundesländern stattgefunden, die versucht hatten, den Standard der westlichen Länder zu erreichen.[25]

Die Wiedervereinigung am 3.10.1990 brachte einen Boom, sowohl beim Filmabsatz als auch beim Kameraabsatz. Im Jahr 1992 beispielsweise gaben Konsumenten in Ostdeutschland pro Kopf durchschnittlich 144,- DM für Fotoprodukte aus.[26] Die positive Entwicklung hielt jedoch nicht sehr lange an, wie die nachfolgenden Ausführungen verdeutlichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. V : Mengenmäßige Fotofilmabsätze 1990 bis 1995

Quelle: Prophoto GmbH 1995

Abb. V verdeutlicht insbesondere den mengenmäßigen Zuwachs der Filmabsätze, als Folge der Wiedervereinigung von 1990 auf 1991 und von 1991 auf 1992. In den Folgejahren wurde das Wachstum dann immer geringer, bis schließlich von 1994 auf 1995 nur noch ein „Plus“ von 1% zu verbuchen war.

Bei differenzierter Betrachtung ist hier anzumerken, daß Einzelfilmverkäufe zwar leicht rückläufig sind, aber bei den Mehrfachpacks zeigt sich eine umgekehrte Entwicklung.[27]

Wenn man die Entwicklung des Stückzahlenabsatzes in den letzten fünf Jahren vergleicht, so zeigt sich noch ein Zuwachs beim 135er Format (das herkömmliche Kleinbildformat, welches von den meisten Amateurfotografen verwendet wird) von 88% (1991) auf 95% (1995) Anteil am Gesamtfilmverkauf. Der Anteil der CN-110-Filme ging in diesem Zeitraum von 8 auf 2 % zurück.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. VI : Verkäufe von Stehbildfilmen an den Endverbraucher (Wert) 1990 - 1995

Quelle: Prophoto GmbH 1995

Abb. VI zeigt, daß die Zuwachsraten der Umsätze bei den CN-Filmen am größten sind. Es wird hier aber auch deutlich, daß die Gesamtzuwächse ab dem Zeitraum zwei Jahre nach dem Wiedervereinigungsjahr 1990 wieder deutlich geringer wurden. Im Jahr 1994 waren sie sogar erstmalig rückläufig.

Abb. VII : Anzahl der belichteten Aufnahmen nach Filmarten 1990 - 1995

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Wiedervereinigungsboom der Jahre 1990/91 schlug sich ebenfalls nieder in der Entwicklung der Anzahl der belichteten Aufnahmen, denn in diesem Zeitraum ergab sich ein Anstieg um 16%. Danach flachte das Wachstum immer mehr ab und kam zeitweise in den Jahren 1993 und 1995 ganz zum Stillstand. Hier wird die rückläufige Tendenz, die kennzeichnend für die Entwicklung am Fotofilmmarkt ist, besonders deutlich.

Interessant ist in diesem Zusammenhang wiederum die Tatsache, daß einzig der Anteil der Colornegativfilme laufend angewachsen ist, während die Anteile der Colorumkehrfilme, Schwarzweißfilme und Sofortbildfilme entweder rückläufig waren oder stagnierten.

Bezüglich der Entwicklung des Filmes mit Linse ist festzustellen, daß in Deutschland im Vergleich zum europäischen Ausland relativ wenig Exemplare verkauft wurden. So wurden im Jahr 1994 von den nahezu 82 Mio. Deutschen lediglich 1,1 Mio. Exemplare gekauft, während im nur 58 Mio. Einwohner zählenden Frankreich 9,6 Mio. Stück abgesetzt wurden.[28]

2.1.3 Marktvolumen benachbarter Märkte in Deutschland

Wenn das Unternehmen die potentielle Nachfrage ermitteln will, so sind in der Regel zunächst die direkten Faktoren wie Zahl und Größe der in Frage kommenden Abnehmer und deren Nachfrageverhalten für den Fotofilmmarkt zu untersuchen.

Es ist aber für ein Unternehmen der Fotoindustrie ebenfalls wichtig, die Nachbarmärkte zu betrachten, weil diese großen Einfluß auf den Fotofilmmarkt ausüben.

Es handelt sich hierbei um vorgelagerte, nachgelagerte und parallel gelagerte Märkte.

So ist es von Bedeutung, wie sich beispielsweise der nachgelagerte Markt darstellt und entwickelt, denn sein Nachfrageverhalten bestimmt den Bedarf mit. Im Fall unseres Unternehmens handelt es sich dabei um den Finishingmarkt, der unter Gliederungspunkt 2.1.3.4 untersucht wird. Diese Form der Marktforschung bezeichnet man als derivative oder abgeleitete Marktforschung. Es sind Fälle denkbar, in denen die Kenntnis der nachgelagerten Märkte sogar wichtiger sein kann als die Kenntnis des direkten Absatzmarktes.[29]

2.1.3.1 Der Kameramarkt

Die wichtigsten Kameratypen sind Kleinbildsucherkameras, Kleinbildspiegelreflex- kameras, Mittelformatkameras, Großformatkameras, Sofortbildkameras und Einwegkameras.

Der Kameratyp wird zum einen durch das verwendete Filmformat festgelegt: Dies sind z.B. Kleinbild-, Mittelbild,- und Großformat. Die Bauweise ist ein weiteres Kriterium zur Bestimmung des Typs, z.B. Spiegelreflex-, Automatik- oder Sucherkamera.[30]

Für die Zwecke der Marketingforschung bietet sich aus Gründen der Vereinfachung jedoch eine Einteilung bzw. Zusammenfassung der Produktgruppen in die Formate „Kleinbild-Sucher“, „Kleinbild- Spiegelreflex“, „Sofortbild“, „Disc/110/120/126 und sonstige Formate“ an.

Der Kameramarkt übt insofern Einfluß auf den Fotofilmmarkt aus, als hohe Kameraverkäufe in der Regel auch hohe Fotofilmabsätze zur Folge haben.

Es gilt die Tatsache, daß Kameraabsätze den Filmverkauf fördern und Filmverkäufe ihrerseits für das Fotofinishinggeschäft förderlich sind.

Die nachfolgende Abbildung VIII zeigt diese Entwicklung am Beispiel des europäischen Marktes.

Abb. VIII : Film- und Kameraverkäufe des europäischen Fotomarktes

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Man sieht hier, daß die wertmäßigen Kameraverkäufe seit 1992 weitgehend rückläufig sind. Der Grund hierfür ist u.a., daß die Preise aufgrund der verminderten Nachfrage laufend gesunken sind. So sind beispielsweise die Durchschnittspreise für 35mm- Spiegelreflexkameras von 1993 auf 1994 von 1.390,- auf 1.320,- DM gefallen. Bei den 35mm-Kompaktkameras sanken im gleichen Zeitraum die Preise von 680,- auf 650,- DM.[31]

Der leichte Aufschwung des Jahres 1994 wurde im Jahr 1995 wieder gebremst. Anhand der vorliegenden Ausführungen sieht man, daß sich die Umsatzlage bei den Fotoapparaten somit ähnlich negativ darstellt wie bei den Fotofilmen.

Auch im Jahr 1995 setzten sich die Umsatzeinbußen fort. Hier ist festzustellen, daß die Verkaufswerte beispielsweise in den ersten sechs Monaten des Jahres 1995 im Vergleich zum Jahr 1994 bei den 35mm-Spiegelreflexkameras ebenso wie bei den 35mm- Kompaktkameras jeweils um 12% gefallen sind.[32]

Wichtig ist es in diesem Zusammenhang, auch die Entwicklung der einzelnen Typen zu betrachten:

Kleinbild- Sucherkameras waren in den letzten Jahren von leicht rückläufiger Tendenz geprägt, während Kleinbild- Spiegelreflexkameras wertmäßig etwas zulegen konnten.

Die alleinige Betrachtung des Umsatzwertes reicht jedoch nicht aus, vielmehr ist es notwendig, auch die mengenmäßige Entwicklung zu beobachten.

Auch der Absatz ist seit 1992 rückläufig, wie die nachfolgende Tabelle III verdeutlicht.

Tab. III : Absatz Fotoapparate in 1.000 Stück und Anteile in %

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Photoindustrieverband 1995, ab 1991 incl. neue Bundesländer

Im Jahr 1992 fand ein deutlicher Absatzeinbruch im Vergleich zum Jahr 1991 statt.

Betrachtet man die Anteile der einzelnen Kameraarten, so stellt man fest, daß besonders die Kleinbild-Sucherkameras im Betrachtungszeitraum recht stark zulegen konnten. Bei den Kleinbild-Spiegelreflexkameras hingegen ist das Kennzeichen eine wechselhafte Entwicklung.

Sofortbildkameras scheinen besonders im Jahr 1995 einen „Einbruch“ erlebt zu haben, die übrigen Formate sind ohnehin schon seit Jahren von rückläufiger Tendenz geprägt und im Jahr 1995 bereits fast vollständig aus dem Markt verschwunden.

Bei den Kameraherstellern fällt in Deutschland der stetige Marktanteilsverlust von Olympus und Fuji auf. Diese Tatsache ist für uns insofern von Bedeutung, als es sich bei Fuji auch um einen Fotofilmproduzenten handelt.

Canon konnte die Position des Marktführers von 1994 (10,9% Marktanteil) auf 1995 (11,2% Marktanteil) ausbauen. Die Anbieter Nikon, Pentax und Yashika konnten sich verbessern. Auffällig ist auch der Zugewinn der restlichen Anbieter, die ihren Marktanteil von 46,7% auf 50,5% steigern konnten.[33]

2.1.3.2 Der Videomarkt

Der Videomarkt ist ein Substitutionsmarkt für den Fotofilmmarkt und zu diesem parallel gelagert.

Er ist insofern wichtig für den Fotofilmmarkt, weil Videogeräte sich zum Einlesen von Fotos in den Computer eignen (vgl. hierzu auch die Ausführungen unter Gliederungs-punkt 5.4).

Der Videomarkt besteht aus dem Camcordermarkt, dem Markt für Videorecorder sowie dem Markt für Videozubehör.

Die Struktur sah in den Jahren 1994 und 1995 wie folgt aus:

Tab. IV : Struktur des Videomarktes 1994/1995

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Branchenreport Unterhaltungselektronik 1995 der BBE Unternehmensberatung GmbH, S. 51

Im Betrachtungszeitraum 1994 und 1995 zeigte sich kaum eine Entwicklung bezüglich des Absatzes von Videorecorden. Der Markt verharrte auf recht konstantem Niveau. Bei den Umsätzen machte sich jedoch auch hier der Preisverfall bemerkbar. Der durchschnittliche Verkaufspreis pro Gerät fiel von 814,- DM auf 745,- DM.

Im Zeitraum von 1992 bis 1995 verbuchte der Videomarkt mit 27% den höchsten Umsatzverlust aller Teilmärkte der Unterhaltungselektronik. Im Jahr 1995 zeigten sich abermals kräftige Einbußen in Höhe von 11,8%. Der Anteil am Unterhaltungselektronik- markt sank von 23,0 % 1994 auf 21,5% im Jahr 1995.[34]

Bezüglich der Haushaltssättigung mit Videorecordern zeigt sich, daß diese seit 1986 immer weiter voranschreitet. Von anfänglich 29% im Jahr 1986 bis 58% im Jahr 1992 waren demnach immer mehr Haushalte mit Videorecordern ausgestattet.[35]

1995 hatte die Haushaltsausstattung mit Videorecordern dann schließlich 70% erreicht. Die Nachfrage wird hier aufgrund der hohen Sättigung hauptsächlich vom Ersatzbedarf getragen.[36]

Für Marketingaktivitäten ist die Sättigung m.E. eine wichtige Tatsache, denn es zeigt sich, daß hier ein bedeutender Markt für die digitale Bildbearbeitung vorhanden ist.

Camcorderabsätze hingegen sind seit der Zeit nach der Wiedervereinigung rückläufig. So sank der Absatz 1995 um 10% auf 0,7 Mio. Stück, der Umsatz um 18,6% auf 1,1 Mrd. DM im Vergleich zum Vorjahr.

Diese Entwicklung läßt sich auf die Kaufzurückhaltung bei Konsumgütern der gehobenen Preisklasse zurückführen.[37] Speziell auf Camcorder bezogen, werden aber auch Imageprobleme als Gründe aufgeführt. So wurde bei Umfragen festgestellt, daß sich vornehmlich die Altersgruppe ab 40 Jahren für Camcorder interessiert, während junge Leute bis 29 deutlich weniger Interesse bekunden. Hier liegt demnach eine ungleichgewichtige Verteilung der Käuferschichten vor.[38]

Auch bei den Camcordern ist ein Preisverfall zu beobachten, denn die durchschnittlichen Verkaufspreise fielen von DM 1.795,- im Jahr 1994 auf DM 1.629,- im Jahr 1995.

Trotz des rückläufigen Camcorderabsatzes hat sich das Geschäft mit Videozubehör, wie Taschen, Leuchten, optischem Zubehör sowie Stativen mengenmäßig nicht verändert.

Wertmäßig hingegen betrug der Rückgang ca. 5 %.

Das Wertvolumen des Camcordermarktes machte 1995 mit rund 333 Mio. DM ungefähr 9% vom Videomarkt aus.

Die Videonachbereitung hingegen ist ein Wachstumsmarkt. Als Videonachbereitung bezeichnet man beispielsweise den Videoschnitt mit Hilfe von Schnittsteuerpulten. Vor allem PC- basierte Lösungen sind hier auf dem Vormarsch. Für diese als „Desktopvideo“ bezeichnete Form der Nachbearbeitung gibt es inzwischen viele Produkte und Einsatzmöglichkeiten.[39]

2.1.3.3 Der Computermarkt

Der Computermarkt ist parallel zum Filmmarkt gelagert, weil der „Output“ der Fotografie, die Fotos, Hilfe des Computers verändert oder versandt werden können. Das heißt, daß der Computermarkt nicht direkt von den Produkten des Fotofilmmarktes „abhängig“ ist, sondern beide Märkte ergänzen sich lediglich.

Dies ist der entscheidende Unterschied zum Finishingmarkt, der von den Erzeugnissen des Fotofilmmarktes „lebt“ und zum Kameramarkt, dessen Nachfrage in der Regel erst die Filmkäufe nach sich zieht.

Man kann den Computermarkt einteilen in geschäftlich/professionell eingesetzte Rechner und privat eingesetzte Rechner. Es existieren im Marktsegment Personal- computer folgende Warengruppen bzw. Prozessorklassen: 8088/86, 80286, 80386, 80486, Pentium, andere Prozessoren.

Aufgrund der digitalen Möglichkeiten der Fotografie ist dieser Markt, wie bereits angedeutet, im Hinblick auf das derzeitige und zukünftige Potential ein wichtiger Faktor für den Fotofilmmarkt.

In dieser Hinsicht kann man folgendes feststellen: Je mehr PC`s in den Haushalten vorhanden sind, desto größer ist das Potential, welches für Käufe von PC-orientierten Fotoprodukten im Bereich des Digital Imaging (digitale Bildbearbeitung) existiert.[40]

Es gibt Voraussagen, daß langfristig fast jeder Haushalt über einen PC verfügen wird. Es bestehen aus Sicht des Fachverbandes für Industrietechnik große Wachstumschancen.

[...]


[1] KOTLER, P./ BLIEMEL, F.; Marketing-Management, 7. Auflage, Stuttgart 1992, S. 6

[2] vgl. BECKER, J.; Marketing-Konzeption, 4. Auflage, München 1992, S.1

[3] ebenda; S. 2 ff.

[4] vgl. BEREKOVEN, L./ECKERT, W./ELLENRIEDER, P.; Marktforschung, 6. Auflage, Wiesbaden 1993, S.15

[5] KOTLER, P./BLIEMEL, F.; Marketing-Management, 7. Auflage, Stuttgart 1992, S. 625

[6] vgl. o.V.; APS - Das neue System nimmt Gestalt an, in INPHO 16/95, S. 16

[7] KOTLER, P./BLIEMEL, F.; Marketing-Management, a.a.O., S. 625

[8] vgl. MEFFERT, H.; Marketing, 7. Auflage, Wiesbaden 1986, S. 315

[9] vgl. KOTLER, P./BLIEMEL, F.; Marketing-Management, 7. Auflage, Stuttgart 1992, S. 334

[10] ebenda; S. 336

[11] als „Stehbildfilme“ bezeichnet man Filme für Fotokameras

[12] vgl. Branchenreport Fotoartikel 1996 der BBE-Unternehmensberatung; S. 28 ff.

[13] alle Angaben: Agfa-Gevaert AG

[14] vgl. HENNINGES, H.; Die neue Dimension der Fotografie, 1. Auflage, Augsburg 1996, S. 93

[15] alle Angaben: Agfa-Gevaert AG

[16] alle Angaben: Basisinformation Fotografie der Agfa-Gevaert AG 08/94, S. 4 ff. ; vgl. hierzu auch Abb. II, S. 1 des Anhangs

[17] vgl. MEFFERT, H.; Marketing, a.a.O., S. 56 ff.

[18] „American Marketing Association“, zitiert nach MEFFERT, H.; Marketing, a.a.O., S. 178

[19] vgl. MEFFERT, H.; Marketing; a.a.O., S. 180

[20] vgl. WEIS, H. C.; Marketing; 9. Auflage, Ludwigshafen 1995, S. 97

[21] vgl. MEFFERT, H.; Marketing; a.a.O., S. 184

[22] vgl. NIESCHLAG, R./DICHTL, E./HÖRSCHGEN,H.; Marketing, a.a.O., S. 734

[23] vgl. BEREKOVEN, L./ECKERT,W./ELLENRIEDER, P.; Marktforschung, 6. Auflage, Wiesbaden 1993, S. 137

[24] vgl. o.V.; Die großen Vier im Filmgeschäft, in Wirtschaftswoche Nr. 25 vom 15.6.96

[25] vgl. o.V.; The 1995 International Photo Processing Industry Report, Photofinishing News Inc., Bonita Springs, Florida/USA, S. 3/7

[26] vgl. o.V.; Ansätze zur Förderung der Freizeitfotografie, in Photopresse 3/94, S.10

[27] vgl. o.V.; Aktuelle Marktdaten, in Photopresse 7/96, S.12

[28] vgl. o.V.; Deutschland - kein Wegwerfmarkt, in Fotowirtschaft 12/95, S. 53

[29] vgl. BEREKOVEN, L./ECKERT, W. /ELLENRIEDER, P.; Marktforschung, a.a.O., S. 288 f.

[30] Angaben: Agfa-Gevaert AG

[31] Angaben: GfK

[32] vgl. o.V.; The 1995 International Photo Processing Industry Report, a.a.O., S. 3/12

[33] Angaben aus dem GfK-Konsumentenpanel 1995

[34] vgl. Branchenreport Unterhaltungselektronik 1995 der BBE Unternehmensberatung, S. 51

[35] vgl. o.V.; Motor Presse/Der Markt für Unterhaltungselektronik, Stuttgart 1993, S. 48

[36] vgl. Branchenreport Unterhaltungselektronik 1995 der BBE Unternehmensberatung, a.a.O.,

S. 52 ff

[37] vgl. o.V.; Kölner Stadtanzeiger vom 13.9.94, S. 9

[38] vgl. o.V.; Foto/Video-Contact 11/94, S.54

[39] vgl. Branchenreport Unterhaltungselektronik 1995 der BBE Unternehmensberatung, a.a.O.,

S. 51 ff.

[40] vgl. hierzu auch o.V.; Industrie hat neue Kundenschichten im Sucher, in Frankfurter Rundschau v. 17.4.96

Ende der Leseprobe aus 138 Seiten

Details

Titel
Marketingplan zur Neueinführung des Filmsystems APS für ein Unternehmen der Fotoindustrie
Hochschule
Technische Hochschule Köln, ehem. Fachhochschule Köln  (Wirtschaftswissenschaften)
Note
1,3
Autor
Jahr
1997
Seiten
138
Katalognummer
V5994
ISBN (eBook)
9783638136952
Dateigröße
1135 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Marketingplan, Neueinführung, Filmsystems, Unternehmen, Fotoindustrie
Arbeit zitieren
Harald Wolf (Autor), 1997, Marketingplan zur Neueinführung des Filmsystems APS für ein Unternehmen der Fotoindustrie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5994

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