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Der rote Oktober des russischen Kindertheaters

Title: Der rote Oktober des russischen Kindertheaters

Term Paper , 2004 , 23 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Matthias Amos Reinecke (Author)

Theater Studies, Dance
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Die Russische Revolution von 1917 stellt bis heute einen Wendepunkt in der Geschichte dar. Um die Ereignisse des „roten Oktobers“ nachvollziehen zu können, muss man sein Augenmerk auf die Herrschaft des Zaren richten, die der Oktoberrevolution zeitlich voraus ging. Hinter der Fassade der zaristischen Autokratie in Russland verbarg sich in Wahrheit ein regressives ländliches Wirtschaftsleben, welches seit der Abschaffung der Leibeigenschaft im wesentlichen keine Fortschritte durchlaufen hatte. Seit den 60iger Jahren des 19. Jahrhunderts traten in regelmäßigen Abständen terroristische Gruppierungen auf, die zum Ziel hatten, das herrschende System zu beenden. Alle waren von der staatlichen Armee blutigst niedergeschlagen worden. Als nun 1890 die Industrialisierung ihren Einzug feierte, wuchs die Zahl des sogenannten Industrieproletariats stetig an. Die Unzufriedenheit der Arbeiter über die Arbeits- und städtischen Lebensbedingungen trafen auf liberales westliches Gedankengut, welches mittlerweile auch nach Russland vorgedrungen war. Eine Folge davon waren die ersten Streiks der Fabrikarbeiter. 1898 wurde die marxistische Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands gegründet, welcher auch Lenin angehörte.

1905 kam es zur ersten russischen Revolution. Es handelte sich um eine Revolution, die aus drei Triebkräften gespeist wurde: Erster Motor waren bürgerliche Liberale und Konstitutionelle, an zweiter Stelle kamen Arbeiter und dritte Kraft waren die Bauern auf dem Land. Im Zuge der Ereignisse kam es in Petersburg zur Wahl des ersten Sowjets. Da die drei Strömungen jedoch verschiedene Zielsetzungen verfolgten und untereinander uneins waren, war es durch verfassungsrechtliche Zugeständnisse leicht möglich, die Revolution zu beenden.

Als sich 1917 während des Weltkrieges eine allgemeine Kriegsmüdigkeit einstellte, die mit großer Unzufriedenheit bzgl. der Kriegsführung und der Regierung einherging, wurde die Forderung nach der Abdankung des Zaren erneut formuliert. Der Zar musste sich zurückziehen. Die Regierungsgeschäfte wurden bis auf weiteres von der auf die Duma gestützte Provisorische Regierung übernommen. Zeitgleich wurde der Petrograder Arbeiterrat zusammengestellt, welcher zur Übergangsregierung in Rivalität stand.

Die Mehrheit der Mitglieder des Arbeiterrates, sowie die Provisorische Regierung begnügten sich mit der Ansicht, dass die stattgefundene Revolution bürgerlich russischer Natur sei. Lenin jedoch war entschieden anderer Meinung. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Revolutionstheater und dessen Akteure

3. Das Kindertheater

3.1 Das frühe Kindertheater

3.2 Die Situation der Kinder während der Oktober Revolution

3.3 Der Rote Oktober des Kindertheaters

4. Die Aufhebung des stofflichen Gefälles zwischen Kinder- und Erwachsenentheater am Beispiel des Textes „Timur und sein Trupp“.

5. Methodik des Kindertheaters

6. Fazit und Ausblick auf die weitere Entwicklung des sowjetischen Kindertheaters

7. Bibliographie

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Entstehung und ideologische Ausrichtung des sowjetischen Kindertheaters nach der Oktoberrevolution von 1917. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, wie durch die bewusste Angleichung der Theaterinhalte an die politischen Ziele des Erwachsenentheaters eine gezielte Erziehung und ideologische Beeinflussung der Heranwachsenden durch das Medium Theater realisiert wurde.

  • Die historische Genese des sowjetischen Kindertheaters unter dem Einfluss der Oktoberrevolution.
  • Die Rolle zentraler Akteure wie Natalia Saz bei der Etablierung staatlich gelenkter Kinderkultur.
  • Die Analyse des Werkes „Timur und sein Trupp“ als Beispiel für die Nivellierung des stofflichen Gefälles zwischen Kinder- und Erwachsenentheater.
  • Die Anwendung von Theatermethoden als Instrument zur Massenpropaganda und kollektiven Erziehung.
  • Der Wandel der Theaterinhalte unter der Herrschaft Stalins und die Instrumentalisierung des Märchens.

Auszug aus dem Buch

Die Aufhebung des stofflichen Gefälles zwischen Kinder- und Erwachsenentheater am Beispiel des Textes „Timur und sein Trupp“.

Ein anschauliches Beispiel für sowjetischen Kinderliteratur ist das Buch „Timur und sein Trupp“, von Arkadij Gaidar. Er hatte es 1941 geschrieben; 1942 wurde es erstmalig für die Bühne bearbeitet.

Die Geschichte spielt während dem zweiten Weltkrieg, was zeitlich enorm von den Anfängen des oben beschriebenen Kindertheaters entfernt ist. Die Gründe allerdings, warum dieser Text trotzdem als Beispiel zur Veranschaulichung einer Nivellierung des stofflichen Gefälles dienen kann liegen auf der Hand: Zunächst gilt es zu sagen, dass viele der frühen Stücke des russischen Kindertheaters nicht erhalten sind. Wenn sie es sind, dann liegen sie allerdings fast ausschließlich auf russisch vor. Zum andern spiegelt gerade dieser Text den Enthusiasmus wieder, wie er auch in den frühen postrevolutionären Tage vorherrschte.

Das Buch befasst sich mit einer realitätsnahe Handlung. Die Botschaften darin waren deutlich propagandistischer Natur und „für die Sache“ des Kommunismus gemacht. Das Buch und das Theaterstück übten ausserdem einen starken Einfluss auf die russischen Kinder und deren Engagement während des Krieges aus. Eine Art „Timur-Bewegung“ entstand. Unzählige Kinder sammelten hinter der Front altes Metall, bauten Werkanlagen mit auf, halfen in Krankenhäusern und Feldlazaretten und erledigten vielerlei Arbeiten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung bettet die Ereignisse der Russischen Revolution von 1917 in den historischen Kontext der zaristischen Krise und der ideologischen Neuausrichtung durch die Bolschewisten ein.

2. Das Revolutionstheater und dessen Akteure: Dieses Kapitel stellt die bedeutenden Theaterregisseure Meyerhold, Tairow und Wachtangow vor und analysiert, wie sie die Theaterästhetik durch den Fokus auf Agitprop und Biomechanik revolutionierten.

3. Das Kindertheater: Es beleuchtet die reformpädagogischen Ursprünge des Kindertheaters, die prekäre Lebenssituation der Kinder nach der Revolution und den Aufbau des Moskauer Kindertheaters durch Natalia Saz.

4. Die Aufhebung des stofflichen Gefälles zwischen Kinder- und Erwachsenentheater am Beispiel des Textes „Timur und sein Trupp“.: Anhand von Gaidars Werk wird analysiert, wie politische Propaganda und realitätsnahe Themen das Kindertheater dem Erwachsenentheater inhaltlich annäherten.

5. Methodik des Kindertheaters: Hier werden die Aufführungsmethoden, wie etwa die direkte Einbindung des Publikums und das improvisatorische Spiel, als pädagogische Werkzeuge zur Miterziehung beschrieben.

6. Fazit und Ausblick auf die weitere Entwicklung des sowjetischen Kindertheaters: Das Fazit resümiert die Instrumentalisierung des Theaters für die Parteiziele und beschreibt den Wandel hin zur stalinistischen Indoktrination durch Märchenstoffe.

7. Bibliographie: Ein Verzeichnis der verwendeten Quellen und Literatur.

Schlüsselwörter

Sowjetisches Kindertheater, Oktoberrevolution, Natalia Saz, Timur und sein Trupp, Agitprop, Revolutionstheater, Reformpädagogik, Bolschewisten, Wsewolod Meyerhold, Propaganda, Erziehung, Sowjetunion, Sozialistischer Realismus, Kindertheatermethodik, Theatergeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Entstehung und Funktion des sowjetischen Kindertheaters im Kontext der politischen und sozialen Umbrüche nach 1917.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der Schnittstelle zwischen politischer Agitation, pädagogischem Auftrag der Kommunistischen Partei und der ästhetischen Gestaltung des Theaters für junge Zuschauer.

Was ist die zentrale Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht, wie und warum das Kindertheater in der jungen Sowjetunion inhaltlich an das Erwachsenentheater angeglichen wurde, um die Kinder ideologisch zu formen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literatur- und theaterwissenschaftliche Analyse, die historische Kontexte mit einer inhaltlichen Untersuchung von Theaterstücken und pädagogischen Schriften verbindet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die Akteure des Revolutionstheaters vorgestellt, der Aufbau des Kindertheaters unter Natalia Saz dokumentiert und das literarische Beispiel „Timur und sein Trupp“ hinsichtlich seiner Propagandafunktion analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Sowjetisches Kindertheater, Agitprop, Ideologische Erziehung, Reformpädagogik und Sozialistischer Realismus.

Welche Rolle spielt Natalia Saz im Aufbau des Kindertheaters?

Natalia Saz war die maßgebliche Initiatorin, die das Moskauer Theater für Kinder gründete und durch pädagogische Beobachtung der Zuschauer eine direkte Brücke zwischen Theater und Schule schlug.

Wie veränderte sich das Kindertheater unter Stalin?

Unter Stalin wurde das Märchen als „theatralische Grundkost“ reaktiviert, allerdings umfunktioniert zu einem Werkzeug, das den Kindern Konformität und ein klares Gut-Böse-Schema einhämmern sollte.

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Details

Title
Der rote Oktober des russischen Kindertheaters
College
University of Heidelberg  (Institut für Bildungswissenschaft)
Grade
1,0
Author
Matthias Amos Reinecke (Author)
Publication Year
2004
Pages
23
Catalog Number
V59972
ISBN (eBook)
9783638537568
Language
German
Tags
Oktober Kindertheaters
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Matthias Amos Reinecke (Author), 2004, Der rote Oktober des russischen Kindertheaters, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59972
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