Die Kunst des 19. Jahrhunderts als Weg in die Moderne


Seminararbeit, 2006

20 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 .Einführung

2. Der Begriff „modern“ / „Moderne“

3. Das Welt- und Menschenbild des 19. Jahrhunderts

4. Die Reflexionen über Kunst in der Philosophie um 1800
4.1. Karl Philipp Moritz
4.2. Emmanuel Kant

5. Die Reflexionen über Kunst im 19. Jahrhundert
5.1. Otto Philipp Runge
5.2. Charles Baudelaire
5.3. John Ruskin

6. Die Kunst des 19. Jahrhunderts
6.1. Romantik
6.2. Naturalismus und Realismus
6.3. Impressionismus

7. Schlussbetrachtung

1 .Einführung

Im Gegensatz zum an handwerkmäßig auszuführenden Auftragsarbeiten gebundenen Künstler, der Vorschriften bezüglich des Themas sowie der Art und Weise der Darstellung unterlag, stand der so genannte „freie“ Künstler der Neuzeit. Der „freie“ Künstler war nicht mehr an dem Auftraggeber gebunden und dadurch hatte er die Möglichkeit für individuelle künstlerische Entfaltung. Er arbeitete für den freien Markt. Das Verschwinden des Auftraggebers und der Konkurrenzkampf um die Aufmerksamkeit und die Gunst eines anonymen Publikums führten sowohl konservative als auch progressive Künstler dazu, sich von ihrer Bindung an die bisher überlieferten Bildthemen zu befreien. Im 19. Jahrhundert befreit sich die Kunst von allen Zwecken und Bindungen. Sie fällt aus alten Lebenszusammenhängen und wird autonom. Ab diesem Zeitpunkt spricht man nicht vom Handwerk sondern von einer „freien“ Kunst.

Die Entwicklung der Kunst zur „freien“ Kunst ist unter anderem durch die Gründung der Kunstakademien und die Errichtung der Kunstmuseen bedingt. Die Gründung der Akademie demonstriert die der Kunst zugestandene Stellung, ihre Lösung vom Handwerk und die Anerkennung von Malerei und Plastik als Kunst im „modernen“ Sinn. Das Ausstellen des nationalen Kunstbesitzes war zu diesem Zeitpunkt eine revolutionäre Tat aber es demonstrierte zugleich die Funktionslosigkeit der als Schauobjekte ausgestellten Kunstwerke. Die Kunst wird isoliert und aus dem allgemeinen Zusammenhängen gelöst. Der Funktionsverlust ermöglicht aber der Kunst einen bis dahin nicht gekannten Grad der Wertschätzung. Die der Kunst zugestandene „Freiheit“ und „Autonomie“ ermöglicht die Kunst eine scheinbar von der herrschenden Klasse unbeeinflusste Eigenentwicklung. Daraus folgt eine Kunst, deren treibende Kraft ihre Eigengesetzlichkeit und Freiheit ist.[1] In der Kunst des 19. Jahrhunderts liegen die Wurzeln der modernen Kunst. Hier wurden die entscheidenden Grundlagen für die moderne Kunst gelegt: die Deutung der Realität statt deren Wiedergabe sowie die Selbstbefreiung der Farbe.

In meiner nachfolgenden Arbeit widme ich mich dem Thema „Kunst des 19. Jahrhundert als Weg in die Moderne“. Im ersten Ausführungsteil erkläre ich den Begriff „modern“ / „Moderne“. Hier wird die Herkunft und Bedeutung dieses Begriffes in verschiedenen Epochen dargestellt. Daraufhin widme ich mich der politischen und gesellschaftlichen Situation im 19. Jahrhundert, die meines Erachtens für das Verständnis der Kunst im 19. Jahrhundert von großer Bedeutung ist. Im Hauptteil meiner Arbeit thematisiere ich die bürgerliche Philosophie um 1800, die eine theoretische Begründung für die „freie“ Kunst geliefert hat. Hier bringe ich die Überlegungen von Karl Philipp Moritz und Emmanuel Kant näher. Im Folgenden erläute ich die Thesen von Otto Philipp Runge, Charles Baudelaire und John Ruskin über die Kunst im 19. Jahrhundert, die man teilweise als eine zusammenfassende Bestätigung der Moderne betrachten kann. Im darauf folgenden Teil präsentiere ich die wichtigsten Kunstströmungen im 19. Jahrhundert: Romantik, Naturalismus, Realismus und Impressionismus. Ich behandle den Klassizismus nicht, da er meiner Meinung nach sehr wenig zur Herausbildung der modernen Kunst beigetragen hat. Der letzte Teil meiner Arbeit ist die Schlussbetrachtung. Hier fasse ich die wichtigsten Elemente der Kunst im 19. Jahrhundert und gehe auf die wesentlichen Elemente der Kunst des 19. Jahrhunderts ein, die zur Moderne im heute vorherrschenden Verständnis geführt haben.

Die Analyse dieses Themas erfolgt durch die Auswertung der einschlägigen Fachliteratur sowie von Informationen, die im WorldWideWeb zur Verfügung stehen.

2. Der Begriff „modern“ / „Moderne“

Es ist sehr schwer den Begriff „modern“ zu erklären. Die Schwierigkeit liegt darin, dass dieser Begriff eine lange Geschichte und ein weites und großes Bedeutungsspektrum hat. „Modern“ hat für alle Zeiten nicht den gleichen Sinn. „Modern“ ist das, was gerade neu und zeitgemäß ist, eine inhaltlich schwankende Vorstellung, die ständig überholt wird von etwas noch Modernerem – oder eben von der „Postmoderne“. Der Begriff beinhaltet eine flüchtige Tendenz.

Die „Moderne“ wurde geboren aus den vorangegangenen gesellschaftlichen Umbrüchen durch die Aufklärung und der Entdeckung des Menschen als Individuum. Als wesentliche Elemente der Moderne werden angesehen:

- die Säkularisierung als Folge der Aufklärung
- die Industrialisierung
- der Fortschrittsglaube d. h. die Vorstellung dass die materiellen Errungenschaften des Menschen unbegrenzt fortschreiten könnten.
- die Rationalität d. h. der Glaube an die Vernunft und die Vorherrschaft rationaler Überlegungen
- die Autonomie gesellschaftlicher Bereiche wie Ethik, Politik, Recht, Kunst und Wirtschaft

Epochengeschichtlich wird der Beginn der Moderne häufig auf die Französische Revolution gelegt. So sieht der US-amerikanische Soziologe Daniel Bell den Hereinbruch der Moderne mit dem Jahr 1789. Andere sehen eher einen Prozess der Entstehung der Moderne der sich nach 1789 im 19. Jahrhundert vollzogen hat.[2]

Kunsthistorisch betrachtet, ist die „Moderne“ die Epoche die zwischen dem Ende (?)der 1880er und dem II Weltkrieg ihren Höhepunkt fand. „Most historians of literature and the plastic arts – the fields in which the term has most play – date it from the late 1880s to the Second World War“ .[3]

Sandro Bocola liefert eine andere Erklärung. Er teilt die „Moderne“ in drei Phasen: Archaik der Moderne (1800-1900), Vorklassische Moderne (1870-1905 und 1905-1915) und Klassik der Moderne (1910-1930). Zu der Archaik zählt er Realismus, Klassizismus, Romantik und Symbolismus. Laut Bocola gehören zu der Vorklassischen Moderne unter anderem die Werke von Manet, Degas, Monet, Van Gogh, Munch, Kubismus, Fauves und Deutscher Expressionismus. Der Klassischen Moderne gehört die Kunst von Mondrian, Kandinsky und Malevitsch an.[4]

Die lange begriffsgeschichtliche Entwicklung des Worts „modern“ beginnt mit dem von lateinisch „modo“ (eben, jetzt, erst) abgeleiteten Adjektiv „modernus“.[5] „Modernus“ (erstmals am Ende des 5. Jahrhunderts in einem päpstlichen Rundschreiben nachweisbar) meint zunächst nur die Zeit, die der Schreiber selbst noch erlebt hatte. Aber schon um 500 nach Christus werden die „modernen Jahrhunderte“ als Gegensatz zur vorbildhaften „alten Zeit“ begriffen. Die eigene moderne Zeit wurde zunächst als Rückschritt gegenüber der Antike verstanden. Unter „modern“ wird jahrhundertelang paradoxerweise nicht die Loslösung von Tradition verstanden, sondern die Auseinandersetzung mit der Antike. Vor allem in der Renaissance drückte man die Modernität dadurch aus, dass man sich auf die Antike bezogen hatte.

Das einzige Mittel der Erneuerung erblickte man in der Wiederbelebung der Antike. Dies war aber nur möglich, wenn man die unmittelbar vorangehende Vergangenheit als minderwertig begriffen hat.

In der Vorstellung, dass man durch Nachahmung der antiken Vorbilder weiterkommt und das Zeitalter auf eine höhere Stufe der Vollkommenheit stellt, liegt schon die Aussicht, das Vorbild irgendwann zu übertreffen. Die Harmonie zwischen der Anerkennung der Vorbildlichkeit der Antike und dem Selbstbewusstsein der eigenen Zeit gerät im späten 17. Jahrhundert tatsächlich aus dem Gleichgewicht. Der Grund dafür ist die „Querelle des anciens et des modernes“ (Streit zwischen den Alten und den Modernen). Damals, unter Ludwig XIV., wurde die ausschließliche Autorität der Antike ernsthaft in Frage gestellt. Die Künstler, die man „les anciens“ nannte erkannten die antike Kunst weiterhin als unerreichtes Vorbild an. Die andere Gruppe von Künstlern billigte der antiken Kunst nur noch relative Größe zu. Sie behaupteten die Gleichrangigkeit, wenn nicht gar die Überlegenheit der neuen Literatur und Kunst. Diese Künstler, die im größten Teil auf Bewegung, Farbe und Dramatik setzten, wurden als „les modernes“ genannt.[6]

Das neue Selbstbewusstsein dieser Zeit beruht auf zwei Grundlagen: Erstens, lassen die Macht und Glanz des französischen Staates unter Ludwig XIV ein Gefühl der Überlegenheit entstehen. Zweitens, spielen die seit Ende des 16. Jahrhunderts radikal erneuerten Wissenschaften eine wichtige Rolle.

Das Ergebnis der breit geführten Debatte ist die Trennung der Künste und der Wissenschaften und die Entstehung eines historischen Bewusstseins.

Um 1800 ändert sich die Orientierung der Gegenwart von Herkunft auf Zukunft. „Modern“ wird zu einem Begriff, der sich nicht an das „hier und jetzt“, sondern an die Zukunft orientiert. Zu diesem tief greifenden Einstellungswandel trägt, neben der Wahrnehmung des wissenschaftlichen und technischen Fortschritts, vor allem die Französische Revolution bei.[7]

In der Französischen Revolution wurden die Gegenwartskünstler als „Avantgarde“ bezeichnet. Dank der neuen politischen Freiheit wirkten sie in vorderster Linie am Fortschritt der Gesellschaft mit. Man zählte zur „Avantgarde“ solange man mit den Zielen der Revolution übereinstimmte. Diese Künstler, die vom vorgeschriebenen Pfad abwichen, dürften weniger darauf zählen, Staatsaufträge zu erhalten und als Vorhut der Gesellschaft zu gelten.

Viele Künstler wollen sich aber von allen Zwängen lösen. Sie richten sich gegen staatlich und akademisch anerkannte Kunstregeln ihrer Zeit. Unabhängigkeit, Autonomie und „freie Kunst“ werden zu den bedeutendsten Begriffen im 19. Jahrhundert. Die angestrebte Unabhängigkeit bedeutet den Verzicht auf staatliche und kirchliche Förderung. Der Umgang mit den künstlerischen Mitteln wird frei. Die Künstler entschließen sich zum „L’art pour l’art“ (Kunst um der Kunst willen). Die Kunst in dem neu verstandenen Sinn ist nutzlos und die Funktionslosigkeit der Kunst führt dazu, dass sich viele Kunstrichtungen entwickeln. Man spricht vom Stilpluralismus im 19. Jahrhundert.[8] Die Entwicklungen der Kunst im 19. Jahrhundert werden als Weg in die moderne Kunst bezeichnet, als Weg in die Gegenstandslosigkeit.

[...]


[1] Damus, Martin: Funktionen der Bildenden Kunst im Spätkapitalismus. Frankfurt, 1973. S. 144-185.

[2] http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Moderne.html

[3] Vargish, Thomas, Modernism, In: E.Craig, Routledge Encyclopedia of Philosophy. London/New York, 1998. S.447

[4] Bocola, Sandro: Die Entwicklung der Moderne. Zur Struktur und Dynamik ihrer Entwicklung. Von Goya bis Beuys. München, 1997. S. 281

[5] Modern/Moderne- ein irritierender Begriff, In: Ästhetische Grundbegriffe: Historisches Wörterbuch in sieben Bänden, hrsg. von K. Barck u.a., Vlg. J.B. Metzler, Stuttgart, Weimar, Bd. 4, 2000, S. 121-122

[6] Wagner, Monika: Moderne Kunst 1. Das Funkkolleg zum Verständnis der Gegenwartskunst. Rowohlt, 2002. S. 175-177

[7] Modern/Moderne- ein irritierender Begriff, In: Ästhetische Grundbegriffe: Historisches Wörterbuch in sieben Bänden, hrsg. von K. Barck u.a., Vlg. J.B. Metzler, Stuttgart, Weimar, Bd. 4, 2000, S. 129

[8] Wagner, Monika: Moderne Kunst 1. Das Funkkolleg zum Verständnis der Gegenwartskunst. Rowohlt, 2002. S. 178-179

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Kunst des 19. Jahrhunderts als Weg in die Moderne
Hochschule
Hochschule Bremen
Veranstaltung
LV.: 'Die Kunst des 19. Jahrhunderts'
Note
1
Autor
Jahr
2006
Seiten
20
Katalognummer
V59981
ISBN (eBook)
9783638537629
ISBN (Buch)
9783656082194
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kunst, Jahrhunderts, Moderne, moderne Kunst
Arbeit zitieren
Justyna Purwin (Autor), 2006, Die Kunst des 19. Jahrhunderts als Weg in die Moderne, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59981

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